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Ärzte sollen mit den Daten von Blutdrucküberwachungs-Apps arbeiten können

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Mit der Lockerung des Fernbehandlungsverbots erhalten digitale
Behandlungsansätze auch in Deutschland immer weiter Einzug in den
Praxisalltag. Die Blutdrucktherapie ist prädestiniert für die
telemedizinische Mitversorgung der Betroffenen und die Deutsche
Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und
Prävention nimmt bei der Entwicklung telemedizinischer Lösungen eine
Voreiterrolle ein. Ziel ist, die in Blutdruck-Apps von Patienten
dokumentierten Werte datensicher in das Praxissystem zu transferieren und
damit dem behandelnden Arzt nutzbar zu machen. Diese wichtige Anforderung
müssen Blutdruck-Apps laut Ansicht der Deutschen Hochdruckliga zukünftig
erfüllen.

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für
Hypertonie und Prävention (DHL) hat das Ziel, das Hypertonie-Management zu
verbessern. Die Studiendaten der letzten Jahre u.a. von Richard McManus
(Professor of Primary Care Research and General Practitioner, Fellow of
Green Templeton College/Oxford) belegen die zunehmende Bedeutung der
Heimmessung. Die 2018 im Lancet veröffentlichte TASMINH4-Studie [1] konnte
bei 1.182 Patienten mit nicht optimal kontrolliertem Blutdruck zeigen,
dass die Heimmessung der Praxismessung bei der Therapie-Titrierung
signifikant überlegen ist. Obwohl der Telemonitoring-Ansatz der Studie
hinter den Ansprüchen eines modernen Telemedizinkonzepts zur
Blutdruckbehandlung weit zurückbleibt, konnte die deutlichste
Blutdruckabsenkung in der Telemonitoring-Gruppe verzeichnet werden, jedoch
ohne Signifikanz gegenüber der einfachen Heimmessung. Es wurde in der
ersten Woche jeden Monats der Blutdruck morgens und abends ein Jahr lang
gemessen, einmal im Monat als Text-Nachricht übermittelt und anschließend
vom behandelnden Arzt überprüft.

Prof. Martin Middeke, Sprecher der Kommission Telemedizin und eHealth
erläutert die Schwächen. „Das Ergebnis ist nicht überraschend. Genau
genommen haben wir es hier gar nicht mit Telemedizin im engeren Sinne zu
tun. Die Patienten geben die Blutdruckwerte per Hand ein, das ist eine
große Fehlerquelle. Zudem reagieren die Ärzte nur einmal pro Monat mit
großer zeitlicher Verzögerung. Das nimmt der Methode den großen Vorteil
der Telemedizin, als Arzt zeitnah auf die übermittelten Blutdruckwerte
reagieren zu können.“

Die Kommission Telemedizin und eHealth favorisiert aufgrund der aktuellen
Studienlage und jahrelanger Erfahrung eine tägliche automatische digitale
Blutdruckdaten-Übermittlung an den Arzt sowie eine Reaktion bei Unter-
bzw. Überschreiten vorher klar definierter Blutdruckgrenzen (Einzel- und 5
-Tages-Durchschnittswerte) für einen begrenzten Zeitraum von zwei Monaten
bzw. für ein längeres Intervall bei speziellen Indikation wie z.B. der
Schwangerschaftshypertonie.

Gleichzeitig verzeichnen die Mediziner eine steigende Zahl von Patienten-
genutzter Blutdruck-Apps, z.T. zur Verfügung gestellt von Blutdruck-
Messgeräte-Herstellern und verbunden mit dem klaren Wunsch der Patienten,
die so von ihnen dokumentierten Blutdruckwerte mit dem behandelnden Arzt
zu teilen und darauf basierende ärztliche Therapieempfehlungen zu
erhalten.

Um diese Datenflut zu ordnen, zu steuern sowie sinnvoll und praktikabel
zur Diagnosestellung und Therapiesteuerung zu nutzen, müssen idealerweise
die Werte eines vom Arzt definierten begrenzten Zeitraums in dem
jeweiligen Praxisverwaltungssystem verwertbar vorliegen, so die
übereinstimmende Meinung der Mediziner in Deutschland und Europa wie auch
dem TASMINH4-Studienleiter Richard McManus.

„Die Patienten leisten gute Vorarbeit, wir müssen jetzt dafür sorgen, dass
wir Ärzte mit den Blutdruckdaten praxistauglich arbeiten können,“ so Prof.
Dr. Martin Middeke.

Die so generierte Konstellation entspricht dem oben genannten zeitlich
begrenzten Telemonitoring, für dessen klinische Effektivität sowie
Akzeptanz bei Patienten und Medizinern eine gute Datenlage existiert.

Die Kommission Telemedizin und eHealth wird sich kurzfristig bewertend mit
den aktuell verfügbaren Hypertonie-Apps befassen, wobei u.a. die digitale
Übermittlung der Blutdruckdaten aus dem Blutdruckmessgerät in die App und
die Konnektivitäts-Möglichkeit mit Praxisverwaltungssystemen (PVS/AIS)
unter Wahrung des Datenschutzes eine wesentliche Rolle spielen wird. „Wir
dürfen die vom Patienten digital dokumentierten Blutdruckwerte nicht
ungenutzt lassen, sondern in die Praxis-Software strukturiert und sicher
integrieren. Allerdings muss sichergestellt sein, dass die gemessenen
Werte unverfälscht digital vom Blutdruckmessgerät in die App gelangen,“
fordert Kommissionsmitglied Dr. Egbert Schulz.

Die technische Umsetzung wurde von der DHL ärztlich und als Stakeholder
begleitet und in Form einer speziell hierfür entwickelten hochsicheren
Datenverarbeitungs-/Integrations-Plattform bereits mit einigen PVS/AIS
realisiert, um eine End-zu-End-Digitalisierung ohne Medienbruch zu
ermöglichen.

[1] McManus et al. Efficacy of self-monitored blood pressure, with or
without telemonitoring, for titration of antihypertensive medication
(TASMINH4): an unmasked randomised controlled trial. Lancet 2018; 391
(10124): 949-959