Nationale Reduktionsstrategie: DDG fordert 50 Prozent Zuckerreduktion in Softdrinks
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert, den Zuckergehalt in
herkömmlich gesüßten Softdrinks zu halbieren, ähnlich wie dies in
Großbritannien erreicht wurde. „Die deutsche Politik ist in diesem Punkt
deutlich zu wenig ambitioniert“, kommentiert DDG-Präsident Professor Dr.
med. Dirk Müller-Wieland den jetzt bekannt gewordenen Entwurf des
Bundesernährungsministeriums für eine Nationale Reduktionsstrategie.
Sollte es zudem nicht bis Ende 2020 zu einer messbaren Reduktion von
Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten kommen, seien gesetzliche
Schritte notwendig: „Wir erwarten, dass Frau Klöckner dann entsprechend
nachbessert.“
Der Entwurf der „Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für
Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ liegt derzeit den am Runden
Tisch beteiligten Organisationen zur Stellungnahme vor. Die DDG begrüßt
durchaus einige der darin enthaltenen Punkte wie ein engmaschiges
Monitoring, die Möglichkeit zur Nachsteuerung sowie die Ankündigung der
Ministerin, bei „fehlender Bereitschaft zur Zusammenarbeit regulatorische
Maßnahmen zu prüfen“. An den für Übergewicht besonders relevanten Punkten
bleibt die Strategie jedoch hinter dem zurück, was angesichts der hohen
Raten von Übergewicht in Deutschland notwendig wäre.
So wird für Softdrinks lediglich eine „deutlich zweistellige
Zuckerreduktion“ bis 2025 gefordert. Zum Vergleich: Großbritannien
erreichte durch die Ankündigung einer Zuckersteuer eine Reduktion von rund
50 %. „Angesichts der Tatsache, dass Softdrinks als zusätzliche
Kalorienträger einen großen Einfluss bei der Entstehung von Übergewicht
haben, appellieren wir dringend an Frau Klöckner bei den konkreten
Vereinbarungen mit der Industrie diese Zielmarke zu erreichen“, sagt
Müller-Wieland.
Auch das Ziel, dass Produkte mit Kinderoptik keine ungünstigere
Nährstoffzusammensetzung aufweisen sollen als solche, die sich nicht
speziell an Kinder wenden, ist kein großer Fortschritt gegenüber dem
Status Quo. „Wir erwarten, dass die Strategie an diesem Punkt für einen
stärkeren Schutz dieser besonders vulnerablen Gruppe sorgt“, sagt Müller-
Wieland: „Spezielle Kinderlebensmittel sind eigentlich gänzlich unnötig.
Wenn überhaupt, sollten sie eine besonders günstige
Nährstoffzusammensetzung aufweisen.“
Unklar bleibt in der Reduktionsstrategie das Thema Werbung an Kinder und
Jugendliche. Die DDG fordert die Bundesregierung auf, hier der
Aufforderung der EU nachzukommen und entsprechende gesetzliche Regelungen
zu erlassen, um an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für
Lebensmittel mit hohen Gehalten an Zucker, Fetten und Salz zu unterbinden.
Die DDG begrüßt, dass bereits im Herbst 2019 eine Überprüfung stattfinden
soll, ob die Hersteller die Reduzierungen umsetzen. Offen bleibt
allerdings, zu welchem Zeitpunkt regulatorische Maßnahmen ergriffen
werden, falls sich die freiwillige Vereinbarung als wirkungslos erweist.
„Vor dem Hintergrund der alarmierenden Daten darf damit nicht bis 2025
gewartet werden“, sagt Müller-Wieland: „Sollte sich bis Ende 2020
abzeichnen, dass die Reduktion nicht oder nur unzureichend umgesetzt wird,
sind verbindlichere Regelungen notwendig.“
Die vollständige Stellungnahme der DDG, die heute dem Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft übermittelt wurde, finden Sie hier
<https://www.deutsche-diabetes
gesellschaft.de/fileadmin/Reda
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000
Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen
Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und
Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert
Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine
wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der
mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem
Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
