Funktionsstörung der Schilddrüse eindeutig entdecken? Ultraschall macht’s möglich
Rund 600 000 Frauen in Deutschland sind von der
Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow betroffen. Bei Männern tritt sie
deutlich seltener auf. Emotionale Verletzbarkeit, Haarausfall, innere
Unruhe, Schwitzen, Zittern und Durchfall sind einige der typischen
Symptome. Da die Anzeichen denen einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln und
nur manche Patienten die bekannten hervortretenden Augen zeigen, können
die Erkrankungen leicht verwechselt werden. Um rechtzeitig eine Therapie
einleiten zu können, führen Ärzte diverse diagnostische Untersuchungen
durch. Eine wesentliche Rolle fällt hierbei der Ultraschalluntersuchung
zu.
Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V.
(DEGUM) machen darauf aufmerksam, dass mittels Ultraschall das
Schilddrüsengewebe und seine Durchblutung besonders exakt bestimmt werden
können. Zudem können Fachärzte durch eine spezielle Technik – die
Feinnadelpunktion – andere Schilddrüsenerkrankungen eindeutig
ausschließen.
Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine wichtige Hormondrüse. „Sie übernimmt
als Stoffwechselorgan eine Vielzahl von Funktionen im Körper“, sagt
Professor Dr. med. Josef Menzel, Leiter der DEGUM-Sektion Innere Medizin.
„Sie bildet unter anderem die jodhaltigen Hormone T3 (Triiodthyronin) und
T4 (Thyroxin), die den Stoffwechsel, den Kreislauf und die Stimmung
beeinflussen.“ Gesteuert wird die Aktivität der Schilddrüse durch ein im
Gehirn gebildetes Hormon, das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).
Bei der Schilddrüse sind in erster Linie folgende Erkrankungen bekannt:
Zum einen die krankhafte Vergrößerung des Organs, der sogenannte Kropf
(Jodmangel), und zum anderen Knoten in der Schilddrüse. Auch bösartige
Tumore können in und an der Schilddrüse auftreten. Neben den strukturellen
Veränderungen werden bei der Schilddrüse auch funktionelle Veränderungen
festgestellt. So gibt es eine Unterfunktion (Hypothyreose) und eine
Überfunktion (Hyperthyreose) des hormonproduzierenden Organs. „Bei einer
Überfunktion kommt es zu Haarausfall, Reizbarkeit, Schwitzen
(Wärmeunverträglichkeit), Zittern, Bluthochdruck, schnellem Puls,
Heißhunger, Durchfall und Muskelschwäche“, erläutert Menzel, Leiter der
Medizinischen Klinik II am Klinikum Ingolstadt. Die Symptome der
Unterfunktion sind Haarausfall, Depression, Kältegefühl, verlangsamter
Puls, niedriger Blutdruck, Gewichtszunahme, Verstopfung, erhöhte Blutfette
und Muskelschwäche.
„Eine weitere, weniger bekannte Erkrankung der Schilddrüse, die leicht mit
einer Überfunktion verwechselt werden kann, ist der Morbus Basedow, eine
Autoimmunerkrankung“, erklärt Menzel. „Normalerweise bilden die
Immunzellen des Körpers Antikörper gegen Bakterien oder Viren; bei einer
Autoimmunkrankheit wie dem Morbus Basedow greifen sie jedoch körpereigene
Zellen an.“ Es kommt zu einer unkontrollierten Freisetzung von
Schilddrüsenhormonen.
Bei Morbus-Basedow-Patienten binden sich Antikörper an die Zellen der
Schilddrüse und zwar an den Rezeptor für das im Gehirn gebildete Hormon
TSH; man nennt die Antikörper deshalb TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Die
TRAKs können sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion auslösen: „Wenn
sie den TSH-Rezeptor blockieren, „denkt“ die Schilddrüse, sie hat eine
Unterfunktion und muss gegensteuern, das heißt sie fängt an zu wachsen und
es entsteht ein Kropf, also eine Vergrößerung der Schilddrüse“, so der
Experte. „Wenn die TRAKs die Schilddrüse aber anregen, schüttet die
Schilddrüse vermehrt Hormone aus – dann kommt es zu einer Überfunktion.“
„Um eindeutig herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich an einem Morbus
Basedow oder an einer anderen Schilddrüsenerkrankung leidet, führt der
Arzt diverse Untersuchungen durch“, sagt Menzel. Dazu gehören nach der
genauen Feststellung der klinischen Symptome, die körperliche
Untersuchung, die Analyse verschiedener Laborwerte – zum Beispiel der
TRAKs – und die Ultraschalluntersuchung. „Mit Hilfe des Ultraschalls
können wir die Diagnose schnell und sicher stellen“, betont Menzel.
„Besonders wenn die sogenannte Farbdopplersonografie eingesetzt wird, kann
die Struktur des Gewebes sehr exakt dargestellt werden. So lässt sich dann
beispielsweise die für die Krankheit typische, massiv gesteigerte
Durchblutung des gesamten Organs feststellen.“
„Endgültige Sicherheit gewinnt der Spezialist mit der einfachen, sicheren
und schnellen ultraschallgezielten Feinnadelpunktion“, so Professor
Menzel. Hierbei entnimmt der Arzt der Schilddrüse unter
Ultraschallüberwachung ein kleines Gewebestück und lässt es histologisch
untersuchen. Mit diesem Verfahren kann er andere Erkrankungen der
Schilddrüse eindeutig ausschließen. „Damit ist die Ultraschalluntersuchung
neben der klinischen Symptomatik und den Laborparametern eine tragende
Säule der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen“, sagt Menzel.
Die Behandlung des Morbus Basedow kann zunächst mit Tabletten erfolgen,
die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen (Thyreostatika). „Wenn es
nach einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nicht zu einer nachhaltigen
Besserung kommt, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine
Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod
(Radiojodtherapie) verkleinert werden,“ so der Experte abschließend.
Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: <www.degum.de>
