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Lebensstil wirkt sich stärker auf Schlaganfallrisiko aus als Gene

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Die falschen Gene steigern das Schlaganfallrisiko um ein
Drittel, der falsche Lebensstil dagegen um zwei Drittel – beide Faktoren
wirken unabhängig voneinander. Wer gesund lebt, kann also genetische
Nachteile etwas kompensieren. Zu diesem Schluss kommt ein internationales
Wissenschaftsteam in „British Medical Journal“. „Die Ergebnisse belegen,
dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt –
unabhängig vom genetischen Risikoprofil", sagt Prof. Dr. med. Martin
Dichgans, 2. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG),
der von deutscher Seite an der Studie beteiligt war.

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wird sowohl durch genetische
als auch durch Umweltfaktoren wie Ernährung und Lebensstil beeinflusst.
Könnte ein gesunder Lebensstil den Einfluss der Gene auf das
Schlaganfallrisiko ausgleichen?

Den Daten eines deutsch-britischen Forscherteams zufolge senkt ein
gesunder Lebensstil das Schlaganfallrisiko unabhängig vom genetischen
Risiko. Von einer gesunden Ernährung und viel Bewegung profitieren also
alle Menschen im ähnlichen Ausmaß – zumindest solche mit europäischen
Vorfahren, denn nur für diese konnte das Team um Dr. Loes Rutten-Jacobs
vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn
das genetische Risiko bestimmen.

Genprofile und Lebensstil analysiert
Die Forscher stützten ihre Untersuchungen auf die MEGASTROKE-Analyse, die
anhand von genomweiten Assoziationsstudien genetische Schlaganfall-
Risikofaktoren bei 520.000 weißen Europäern aufgespürt hat. Darin wurden
90 mit Schlaganfall assoziierte Genvarianten entdeckt. Auf dieser Basis
entwickelten die Forscher um Dr. Rutten-Jacobs einen Risiko-Score und
wendeten ihn auf die britische prospektive Biobank-Kohortenstudie an. Die
UK Biobank enthält die biologischen Informationen von 500.000 Briten im
Alter zwischen 40 und 69 Jahren: Genprofile sowie detaillierte Angaben zur
Ernährung und zum Lebensstil.

Anhand ihres genetischen Risiko-Scores wurden diejenigen Biobank-
Teilnehmer, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt
erlitten hatten, in drei Gruppen eingeteilt: Solche mit hohem, mittleren
und niedrigem genetischen Schlaganfallrisiko. Außerdem gruppierten die
Forscher die Personen gemäß den Richtlinien der American Heart Association
(AHA) in Kategorien mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem
Lebensstil. Gesund lebt laut AHA, wer nicht raucht, nicht allzu dick ist
(BMI unter 30), sich mit viel Obst, Gemüse und Fisch gesund ernährt und
pro Woche mindestens drei Stunden moderat bzw. eineinhalb Stunden intensiv
Sport treibt.

Rauchen und Übergewicht erhöhen Schlaganfallrisiko um 66 Prozent
Insgesamt erlitten 2077 der 306.473 Teilnehmer im Laufe von sieben Jahren
einen ersten Schlaganfall, wie die Forscher Krankenhaus- und
Sterberegistern entnahmen. Das Schlaganfallrisiko war bei den Menschen mit
hohem genetischen Risiko um 35 Prozent höher als bei denjenigen mit
geringem genetischem Risiko, und zwar unabhängig vom Lebensstil. Bei
moderatem genetischen Risiko war die Rate um 20 Prozent erhöht. Deutlicher
war die Assoziation mit dem Lebensstil: Teilnehmer mit einer ungesunden
Lebensweise erlitten 66 Prozent häufiger einen Schlaganfall als gesund
lebende Personen, unabhängig vom genetischen Risiko. Bei solchen, die
mäßig gesund lebten, ergab sich eine um 27 Prozent erhöhte
Schlaganfallrate.

Schlechte Gene und ungesunder Lebensstil addieren sich
Schlechte Gene und ein ungesunder Lebensstil erhöhen also unabhängig
voneinander das Schlaganfallrisiko und addieren sich, konnten die Forscher
zeigen: Bei Personen mit ungünstigen Genen und zugleich ungesundem
Lebensstil fanden sie eine rund 130 Prozent erhöhte Schlaganfallrate
gegenüber Personen mit geringem genetischen Risiko und gesundem
Lebensstil. Am stärksten trugen Rauchen und ein erhöhter BMI zum
lebensstilbedingten Schlaganfallrisiko bei. Bei Männern wirkten sich
sowohl Gene als auch Lebensstilfaktoren stärker aus als bei Frauen.

„Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur
Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil.
Männer sollten besonders auf eine gesunde Lebensweise achten", sagt Prof.
Dr. med. Martin Dichgans, dessen Institut für Schlaganfall- und
Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München von deutscher
Seite an der Studie beteiligt war.