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Uniklinikum Würzburg: Zungenschrittmacher als weitere Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe

Prof. Dr. Rudolf Hagen, der Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, präsentiert den Neurostimulator des Zungenschrittmachers.  Bild: Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg
Prof. Dr. Rudolf Hagen, der Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, präsentiert den Neurostimulator des Zungenschrittmachers. Bild: Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg
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Prof. Dr. Rudolf Hagen, der Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, präsentiert den Neurostimulator des Zungenschrittmachers.  Bild: Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg
Prof. Dr. Rudolf Hagen, der Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, präsentiert den Neurostimulator des Zungenschrittmachers. Bild: Michael Bogár / Uniklinikum Würzburg

An der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg wurde im Dezember dieses
Jahres dem ersten Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ein
Zungenschrittmacher implantiert. Das System sorgt dafür, dass dessen
Atemwege während des Schlafs offen bleiben.

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter obstruktiver
Schlafapnoe. „Bei diesem Syndrom erschlafft die Zungenmuskulatur und das
umliegende Gewebe während des Schlafes“, erläutert Prof. Dr. Rudolf Hagen.
Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und
Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Uniklinikums
Würzburg (UKW) fährt fort: „Dabei werden die oberen Atemwege verschlossen
und die Atmung setzt aus. Der daraus folgende Sauerstoffmangel führt unter
anderem zu häufigen Aufwachreaktionen während der Nacht.“
Als Standardtherapie können die Betroffenen eine spezielle Maske tragen,
die ihnen während des Schlafens kontinuierlich Umgebungsluft mit einem
leichten Überdruck zuführt. Bei diesem als CPAP (vom englischen
„Continuous Positive Airway Pressure“) bekannten Verfahren stabilisiert
der Überdruck das im Schlaf entspannte Gewebe im Nasen- und Rachenraum und
hält diesen offen.

Eine Alternative zur Therapie mit Maske

„Obwohl die CPAP-Masken in diversen Varianten zur Verfügung stehen, gibt
es eine beträchtliche Anzahl von Patienten, die diese Therapie aus
unterschiedlichen Gründen nicht tolerieren können oder wollen“, sagt Dr.
Philipp Schendzielorz, der Leiter des Schlaflabors des UKW. Für diese
Zielgruppe gibt es seit kurzem am Uniklinikum Würzburg mit dem
Zungenschrittmacher eine weitere Behandlungsoption: Am 14. Dezember dieses
Jahres implantierten Prof. Hagen und Dr. Schendzielorz dem ersten
Patienten der HNO-Klinik erfolgreich das innovative Gerätesystem. Der
eineinhalbstündige mikrochirurgische Eingriff bei dem 62-jährigen Mann
verlief ohne Komplikationen.

Elektrische Impulse im Atemrhythmus

Der Zungenschrittmacher besteht aus drei funktionalen, miteinander durch
Leitungen verbundenen Elementen, die alle nach der Implantation unter der
Haut getragen werden. Ein Sensor am Brustkorb erkennt den Atemrhythmus des
Patienten und gibt diesen an einen Neurostimulator mit integriertem
Generator weiter. Dieses Modul verarbeitet die Atemsignale und sendet im
passenden Takt elektrische Impulse an eine Stimulationselektrode, die auf
dem Unterzungen-Nerv (Hypoglossus-Nerv) platziert wurde. Die leichte
elektrische Anregung des Nervs aktiviert die Zungenmuskulatur, so dass die
Zunge nicht mehr zurückfallen kann.
Der Patient schaltet das System mit einer Fernbedienung per Knopfdruck vor
dem Zubettgehen ein und am Morgen nach dem Erwachen wieder aus. Über die
Fernbedienung lässt sich außerdem die Stärke der Stimulation vom Patienten
selbst regulieren.
„Bei unserem Pilotpatienten konnten wir bei einer intraoperativen
Stimulation sehr gut dokumentieren, dass der Atemweg durch die
Zungenbewegung nach vorne schön erweitert wird“, berichtet Prof. Hagen.
Nach einer Einheilungs- und Eingewöhnungsphase ist eine ärztliche
Feineinstellung des Systems erforderlich. Beim ersten Zungenschrittmacher-
Patienten des UKW findet diese im Januar 2019 im Schlaflabor statt.
Nach Herstellerangaben nehmen die Patienten die Stimulation in der Regel
nur gering oder gar nicht wahr. Für gewöhnlich werde ein leichtes Kribbeln
oder eine leichte Kontraktion der Zungenmuskulatur gefühlt. Die Batterie
des Generators hält normalerweise acht bis elf Jahre und muss dann mit
einer kurzen Operation ausgetauscht werden.

Bessere Lebensqualität bei reduzierten Gesundheitsgefahren

„Der Zungenschrittmacher ist eine geprüfte und sichere Behandlungsoption“,
sagt Dr. Schendzielorz. Nach seinen Worten profitieren die Implantatträger
nicht nur von einer nachhaltigen Reduktion der nächtlichen Atemaussetzer,
sondern auch von einer dauerhaft verbesserten Lebensqualität sowie
letztlich auch von einer höheren Lebenserwartung. „Bei unbehandelter
Schlafapnoe besteht ein stark erhöhtes Schlaganfall- und
Herzinfarktrisiko. Außerdem wächst bei einer verstärkten Tagesmüdigkeit
die Gefahr eines Sekundenschlafs am Steuer“, erläutert Dr. Schendzielorz.

Einziger Anbieter in Unterfranken

Die Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten,
plastische und ästhetische Operationen des UKW ist die einzige Einrichtung
in Unterfranken, die diese Zungenschrittmacher-Therapie anbietet. Dass das
Interesse an dieser Lösung hoch ist, kann man unter anderem daran ablesen,
dass bereits am 17. Dezember dieses Jahres ein weiterer Patient am UKW
damit versorgt wurde.