Mit KI gegen Lungenkrebs: Anwendungsszenario der Plattform Lernende Systeme
Krebspatienten sollen schneller von Forschungsergebnissen profitieren. Das
ist das Ziel der gerade ausgerufenen Nationalen Dekade gegen Krebs des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Wie Künstliche
Intelligenz (KI) in naher Zukunft die Heilungschancen für Krebspatienten
verbessern kann, zeigt die Plattform Lernende Systeme in ihrem neuen
Anwendungsszenario. Das Szenario veranschaulicht, wie Ärztinnen und Ärzte
mithilfe KI-basierter Assistenzsysteme auf weltweite medizinische
Informationsquellen zugreifen - von der Vorsorge über die Diagnose bis hin
zur Therapie – und so auf der Grundlage neuesten Wissens die
Überlebenschancen eines Lungenkrebspatienten steigern können.
München, 04. Februar 2019 – Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in
Deutschland. Fast 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu
an Krebs, rund 220.000 sterben daran. Eine der häufigsten Krebsarten ist
der Lungentumor, bei dem nur etwa jeder fünfte Patient den Fünf-Jahres-
Zeitraum nach der Diagnose überlebt.
Im Zentrum des Anwendungsszenarios "Mit Künstlicher Intelligenz gegen
Krebs", das die Arbeitsgruppe Gesundheit, Medizintechnik, Pflege der
Plattform Lernende Systeme erarbeitet hat, steht ein KI-basiertes
Assistenzsystem, welches in rund fünf Jahren Ärztinnen und Ärzte bei ihrer
Entscheidungsfindung unterstützt. Über eine Datenplattform werden das
umfangreiche medizinische Wissen, neueste Leitlinien und weltweite,
anonymisierte Patientendaten miteinander verknüpft. Auch die individuellen
Daten eines Patienten fließen auf dessen Wunsch in die Plattform ein.
Künstliche Intelligenz ermöglicht es, die riesigen Mengen an
Versorgungsdaten und den stark wachsenden Wissensschatz auszuwerten und zu
analysieren. Mithilfe der Ergebnisse können Ärztinnen und Ärzte ihre
Patienten maßgeschneidert beraten und Prävention, Früherkennung und
Behandlung von Lungenkrebs verbessern.
"Wir stehen vor der Herausforderung, die Patientendaten aus verschiedenen
Quellen zusammenzuführen", sagt Klemens Budde, Oberarzt an der Charité
Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe Gesundheit, Medizintechnik, Pflege der
Plattform Lernende Systeme. "Im Moment liegen die Daten in Datensilos, das
heißt die Hausärzte, die Krankenhäuser oder die Krankenkassen verfügen
jeweils nur über ihre eigenen Daten. Um die Daten auf einer Plattform zu
sammeln, brauchen wir die Zustimmung des Patienten zur freiwilligen
Datenspende. So können wir diese Daten in anonymisierter Form für
Forschungszwecke oder zur Verbesserung der Heilungschancen für
Krebspatienten verwenden."
Auch CT-Bilder der Lunge lassen sich mit Künstlicher Intelligenz genauer
auswerten: Neuronale Netzwerke werden mit mehreren tausend Präzedenzfällen
darauf trainiert, lokale Abweichungen vom gesunden Zustand des Gewebes zu
entdecken. Bei Operationen werden KI-basierte Navigationssysteme den
Chirurgen unterstützen, indem sie zum Beispiel warnen, wenn der Arzt einem
wichtigen Blutgefäß zu nahekommt.
Damit Lernende Systeme in Zukunft den Krebspatienten zu Gute kommen
können, sind noch einige rechtliche und technologische Herausforderungen
zu meistern. Wie schützen wir die personenbezogenen Daten vor Missbrauch?
Wer haftet für mögliche Fehleinschätzungen Lernender Systeme? Und wie
können die Einschätzungen von KI-Systemen transparent und nachvollziehbar
werden? Diesen Fragen widmen sich die Fachleute aus Wissenschaft,
Wirtschaft und Gesellschaft der Arbeitsgruppe Gesundheit, Medizintechnik,
Pflege der Plattform Lernende Systeme in ihren Handlungsempfehlungen, die
Mitte 2019 vorliegen sollen.
Mit den Anwendungsszenarien wagen Expertinnen und Experten der Plattform
Lernende Systeme einen Blick in die nahe Zukunft. Anhand ausgewählter
Themen zeigen sie auf, was in wenigen Jahren mit Hilfe von Künstlicher
Intelligenz technologisch möglich ist, was sich für den Menschen
verbessert und welche Fragen noch zu klären sind. Ein zweites Szenario,
das in Kürze veröffentlicht wird, zeigt, wie Lernende Systeme
Rettungskräfte bei Unglücksfällen und Katastrophen unterstützen.
Das Anwendungsszenario "Mit KI gegen Krebs" finden Sie unter https://www
.plattform-lernende-systeme.de
Bildmaterial und weitere Informationen ist verfügbar unter https://www
.plattform-lernende-
systeme.de/files/Downloads/Anw
https://www.plattform-lernende
systeme.de/files/img/Anwendung
Über die Plattform Lernende Systeme
Die Plattform Lernende Systeme wurde 2017 vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) auf Anregung des Fachforums Autonome Systeme
des Hightech-Forums und acatech gegründet. Sie vereint Expertinnen und
Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft aus
dem Bereich Künstliche Intelligenz. In Arbeitsgruppen entwickeln sie
Handlungsoptionen und Empfehlungen für den verantwortlichen Einsatz von
Lernenden Systemen. Ziel der Plattform ist es, als unabhängiger Makler den
gesellschaftlichen Dialog zu fördern, Kooperationen in Forschung und
Entwicklung anzuregen und Deutschland als führenden Technologieanbieter
für Lernende Systeme zu positionieren. Die Leitung der Plattform liegt bei
Bundesministerin Anja Karliczek (BMBF) und Karl-Heinz Streibich (Präsident
acatech).
