Fachgesellschaft Herzchirurgie startet zweite Organspende-Kampagne
„Gebraucht, sehr gut erhalten, in liebevolle Hände abzugeben“ – unter
diesem Motto startet die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) ihre zweite bundesweite Kampagne für die
Organspende.
Das gewählte Motiv der Aktion: ein Motor in Herzform. „Unser Herz ist der
leistungsstarke Lebensmotor, der pausenlos funktionieren und
ununterbrochen schlagen muss“, so Prof. Böning, Präsident der DGTHG. „Auch
ein Spenderherz muss unentwegt arbeiten und kann diese lebenswichtige
Aufgabe länger als 20 Jahre bewältigen. Daher bleibt die Organspende der
Goldstandard.“
Schwere erworbene Herzerkrankungen und angeborene Herzfehler können den
„Lebensmotor“ so nachhaltig schädigen, dass eine Herztransplantation die
einzige Überlebenschance für diese schwerst herzkranke Patient:innen ist.
In Deutschland wurden im Jahr 2021 329 Herzen transplantiert; auf der
Warteliste für die lebensrettende Herztransplantation standen im letzten
Jahr 714 Menschen – mehr als doppelt so viele. Bedauerlicherweise ist die
Organspende im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent gesunken. „Wir sehen
daher den dringenden Bedarf, weiter aktiv Aufklärungsarbeit zu leisten und
die Öffentlichkeit erneut für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren“,
betont Prof. Böning. Nicht nur Spenderherzen sind knapp, bundesweit warten
seit dem 1. Januar 2022 rund 8.458 Menschen auf ein geeignetes
Spenderorgan. „Die Lage in Deutschland bleibt somit weiter angespannt.
Gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl von ca. 83.155.00 Bürger:innen, ist
die Anzahl der Organspenden verschwindend gering, obschon die Mehrheit
einer Organspende positiv gegenübersteht. Eine Widerspruchslösung, wie sie
bereits die europäischen Nachbarländer praktizieren, ist eine
wünschenswerte Lösung. Diese wurde bedauerlicherweise zuletzt mit
namentlicher Abstimmung im Deutschen Bundestag am 16. Januar 2020
mehrheitlich abgelehnt.“
Umso entschiedener engagiert sich die herzmedizinische Fachgesellschaft:
Für die DGTHG ist es bereits die zweite deutschlandweite Kampagne. Im Jahr
2020 wurde die erste Aufklärungsmission zur Organspende gestartet. Im
vergangenen Jahr fand ein bundesweiter Spendenlauf für
Kinderherztransplantationen statt, der einen Gesamterlös von über 67.000
EUR für das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler erzielte. „Wir wollen
konsequent und mit innovativen Kampagne-Motiven auf die Lage der
betroffenen Kinder und Erwachsenen aufmerksam machen, die auf ihre zweite
Lebenschance warten“, so Prof. Böning. „Tagtäglich sehen wir
Überlebenskämpfe.“
Provokant und provokativ zeigt sich auch die zweite Kampagne, denn ein
„Wachrütteln“ ist nach Meinung der DGTHG nötig, damit dieser Missstand in
das Bewusstsein der Bevölkerung dringt. „Wir haben bewusst das Motiv einer
Anzeige gewählt, die gegenständlich den lebensrettenden Übergang eines
funktionierenden „Motors“ auf einen neuen Besitzer vermitteln will“,
erklärt Herzchirurg Böning. „Nicht weniger ist gemeint; Organspender
schenken Leben nach ihrem Leben, und geben daher einem anderen Menschen
eine zweite Chance. Bei der aktuellen Lage ist es nicht zu viel verlangt,
sich dezidiert mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Es kann jede
und jeden treffen….“
Die DGTHG geht mit gutem Beispiel voran: Alle Vorstandsmitglieder bekennen
sich eindeutig zur Organspende, besitzen einen Organspendeausweis und
folgen damit dem eigenen Aufruf der Organspende-Kampagne #Wir_für_ein
Leben…
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