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Mit Druckluft gegen Durchblutungsstörungen. BMBF zeichnet MHB-Projekt AngioAccel aus

Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten
‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen
mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer
Durchblutungsstörung in den Beinen, die vom Volksmund auch
Schaufensterkrankheit genannt wird. Es konnte gezeigt werden, dass sich
mit dem von Ärzten entwickelten Antepulsations-Verfahren die körpereigene
Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in den Beinen auch
nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Das innovative Verfahren bietet
insbesondere auch für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte
Patient*innen einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen
Behandlungsmethoden.

Berlin/Brandenburg an der Havel, 07.04.2022

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der
VIP+ Innovationstagung in Berlin das MHB-Projekt AngioAccel mit dem
Innovationspreis 2022 ausgezeichnet.

„Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung! Unser VIP+ gefördertes
AngioAccel-Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung und Validierung
eines Medizinproduktes, das zur Behandlung der peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit eingesetzt werden kann. Dabei gehen die Arterien, die
den Fuß oder das Bein mit Blut und Sauerstoff versorgen, nach und nach zu.
Durch den geringeren Blutfluss kommt es zu einer geringeren
Sauerstoffversorgung, was wiederum zur Folge haben kann, dass betroffene
Personen teilweise weniger als 50 Meter an einem Stück gehen können. Durch
die notwendig werdenden Unterbrechungen wird diese Krankheit vom Volksmund
auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet. In weiter fortgeschrittenen
Stadien dieser Erkrankung kommt es auch zu Wundbildung, nicht selten kann
es dann auch zu Fuß- oder sogar Beinamputationen kommen. In der VIP+
Validierungsphase ist es uns gelungen, gegen diese Erkrankungen einen
Demonstrator, also eine Art Prototypen, und das erste an der MHB erdachte
Medizinprodukt zu entwickeln“, erklärt Dr. Philipp Hillmeister, Leiter des
Forschungszentrums Angiologie am Städtischen Klinikum Brandenburg, einem
MHB Universitätsklinikum im Verbund.  Das Projekt wurde von Prof. Ivo
Buschmann, Prof. für Angiologie an der MHB sowie Klinikdirektor und
Chefarzt für Angiologie, ins Leben gerufen und dann gemeinsam mit Dr.
Philipp Hillmeister umgesetzt und weiterentwickelt.

„Der Auszeichnung und Preisverleihung ging eine intensive Phase der
Prüfung und Vorbereitung voraus. So mussten wir nicht nur den Nachweis der
Machbarkeit, sondern mit Pilotanwendungen und Testreihen auch die
prinzipielle Tauglichkeit und Akzeptanz unserer Anwendung nachweisen. Wir
haben in den vergangenen Jahren rund 1000 Patient*innen angiologisch in
unserer Forschungsambulanz, dem „Lauflabor“ untersucht. Dabei konnten wir
zeigen, dass sich mit dem von uns entwickelten Antepulsations-Verfahren
die körpereigene Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in
den Beinen auch nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Dabei werden
Manschetten um Hüfte und Oberschenkel gewickelt, so dass durch regelmäßige
Druckluftstöße eine Art Training simuliert wird. Die durch Druckluftstöße
vermittelte Kompression der Beine führt zu einer Beschleunigung des
Blutflusses und simuliert effektiv so körperliches Training. Die Arterien
des Körpers denken dann, der Mensch läuft gerade einen Marathon, obwohl er
in Wirklichkeit im Bett liegt! Unser Verfahren bietet insbesondere auch
für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte Patient*innen einen
deutlichen Vorteil gegenüber anderen Behandlungsmethoden. Unser Projekt
AngioAccel hat es dann auf eine Shortlist mit 10 ausgewählten Projekten
geschafft, was für uns schon eine tolle Anerkennung bedeutet hat. Das wir
jetzt mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg neben der TU München,
dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und
Verpackungstechnik (AVV) und der TU Dresden sogar zu den drei
gleichrangigen Trägern des Innovationspreises 2022 gehören, macht uns
glücklich und auch ein wenig stolz“, ergänzt Prof. Ivo Buschmann.

„Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten
‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen
mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer
Durchblutungsstörung in den Beinen. Das führt dazu, dass diese deutlich
mobiler werden. Ziel des Vorhabens AngioAccel war im Programm VIP+, das
Therapiekonzept an Patient*innen mit dem Krankheitsbild zu validieren. Die
im Programm durchgeführten Arbeiten waren äußerst erfolgreich. Die
Lebensqualität und Mobilität von den Patient*innen ist stark gestiegen:
Sie konnten ihre zurückgelegten Gehstrecken um bis zu 500 Prozent
verlängern“, heißt es in der Begründung durch das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF).

„Forschung ist die Basis für die Wertschöpfung von morgen und zugleich
Garant für eine hochwertige Gesundheitsversorgung. Das hat sich auch in
der Corona-Pandemie gezeigt. Damit aus unserer exzellenten Forschung und
vielen hervorragenden Ideen echte Innovationen werden, ist entscheidend,
dass die Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen. Der
Forschungstransfer ist für uns immer zentral. Deshalb fördert das
Bundesforschungsministerium mit dem Programm VIP+ den Transfer von
Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Verwertung und
gesellschaftliche Anwendung. Die ausgezeichneten Projekte eint, dass ihre
Ergebnisse schnell und für viele Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen
nutzbar werden. Die drei Preisträger-Projekte sind mit ihren Innovationen
nicht nur echte Vorreiter auf ihren jeweiligen Gebieten, sondern haben das
Potenzial für eine bessere Gesundheitsversorgung oder nachhaltigere
Produkte“, erklärt Dr. h. c. Thomas Sattelberger, der zuständige
Parlamentarische Staatssekretär im BMBF.

Der Preis wird in einem Turnus von zwei Jahren an wissenschaftliche
Projekte verliehen, die Forschungsergebnisse vorbildlich in innovative
Anwendungen umgesetzt haben. Auf den Preis können sich dabei Projekte aus
allen Fachrichtungen und Wissenschaftsdisziplinen bewerben.

Zum Hintergrund

Das BMBF hatte das Förderprogramm „Validierung des technologischen und
gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung
(VIP+)“ im Jahr 2015 gestartet. Das Programm unterstützt
Wissenschaftler*innen dabei, exzellente technologische und nicht-
technologische Ergebnisse ihrer Forschung hinsichtlich einer späteren
Anwendung oder Verwertung zu überprüfen. Die Projekte testen ihre
Ergebnisse dahingehend, ob sie tatsächlich praxistauglich und umsetzbar
sind, beispielsweise in Anwendungsbereichen mit hohem wirtschaftlichen
oder gesellschaftlichen Nutzen. Damit trägt VIP+ auch dazu bei, die
Transferkultur in allen beteiligten Einrichtungen zu stärken. Seit dem
Start von VIP+ wurden 175 Projekte mit einem Fördervolumen von fast 200
Millionen Euro bewilligt. Im Zeitraum von fünf Jahren nach Ablauf ihrer
jeweiligen Förderungen durch VIP+ sind aus fast einem Drittel der
ehemaligen Projekte Unternehmensgründungen erfolgt oder Unternehmen
befinden sich in der Gründungsphase. In mehr als einem Fünftel der
abgeschlossenen Projekte werden auf Basis der Arbeiten im Programm VIP+
neue Patente eingereicht.

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Welt Hypertonie Tag 2022: #entdeckergesucht – fast jeder Dritte weiß nichts von seiner Bluthochdruckerkrankung!

Am 17. Mai 2022 ist Welt Hypertonie Tag. Dieser jährliche Aktionstag soll
die öffentliche Aufmerksamkeit auf Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
lenken, insbesondere auf die Entdeckung dieser Erkrankung, die viele
Folgekrankheiten nach sich ziehen kann. Wie dringend notwendig die
Information über Bluthochdruck ist, zeigt eine aktuell in „The Lancet“
publizierte Studie: In Deutschland beträgt die Dunkelziffer fast 30 %.
Daher startet die Deutsche Hochdruckliga zum Welt Hypertonie Tag ihre
Jahreskampagne #entdeckergesucht.

Entdecker gesucht? Für Bluthochdruck? Ja, denn viele Menschen wissen
nicht, dass sie unter Bluthochdruck leiden und damit langfristig ihre
Gesundheit und die Aussicht auf ein langes Leben aufs Spiel setzen. Daher
lohnt es sich, zum Entdecker zu werden. Um Bluthochdruck zu „entdecken“
und in der Folge gut einzustellen, hilft in der Regel nur eins: messen,
messen und noch mal messen!

Wie wichtig es ist, seinen Blutdruck im Blick zu behalten, zeigte eine in
„The Lancet“ [1] publizierte Studie. Sie analysiert die Entwicklung der
Krankheitslast (Prävalenz) und der Krankheitskontrolle (Anteil der
behandelten Patientinnen und Patienten) zwischen 1990 und 2019 anhand von
1.202 populationsbasierten Studien weltweit. Für Deutschland errechnete
sie, dass nur 71 % aller weiblichen und 72 % aller männlichen Betroffenen
um ihre Erkrankung wissen. Medikamente erhalten nur 64 % der Patientinnen
und 61 % der Patienten. Schaut man sich an, wie viele erfolgreich
behandelt sind und Blutdruckwerte im Zielbereich aufweisen, ist das in
dieser Erhebung nicht einmal die Hälfte der Betroffenen (48 % der Frauen,
43 % der Männer).

Wenig Symptome – viele gefährliche Folgen
„Das ist eine traurige Bilanz“, erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel,
Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Zumal das
Robert Koch-Institut 2015 noch die Bluthochdruckdunkelziffer mit 20 %
angegeben hatte [2]. Beide Datensätze sind schwer vergleichbar, die Zahlen
lassen aber die Interpretation zu, dass die ‚Awareness‘ für Bluthochdruck
tendenziell abnimmt. Womöglich wird die Corona-Pandemie diesen Trend noch
verstärken, da andere Gesundheitsprobleme im Fokus standen und viele
Menschen aus Angst vor Ansteckungen die Routineuntersuchungen bei der
Hausärztin/beim Hausarzt nicht mehr so engmaschig wahrgenommen haben.“
Dabei ist ein unbehandelter Bluthochdruck gefährlich, langfristig sogar
lebensgefährlich. Grob gesagt, gehen fast die Hälfte aller Schlaganfälle
und Herzinfarkte und fast ein Drittel aller Nierenkrankheiten auf sein
Konto. Auch Demenzerkrankungen, sogar Erblindungen, zählen zu den
Langzeitfolgen von dauerhaft erhöhten Blutdruckwerten. Eine Auswertung von
Gesundheitsdaten der WHO-Länder [3] zeigte, dass die Anzahl der Todesfälle
infolge von Herz- und Gefäßerkrankungen mit Bluthochdruck zusammenhängt:
je höher die Blutdruckwerte, desto mehr tödliche kardiovaskuläre
Ereignisse.
Das Fazit von Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG
Hausärztliche Internisten in der DGIM, lautet: „Bluthochdruck ist der
Ausgangspunkt für viele Folgeerkrankungen und legt den Grundstein für die
Multimorbidität der Betroffenen im höheren Alter. Bluthochdruck muss
behandelt werden. Je früher und konsequenter, desto besser.“

Aktuelle Kampagne animiert zum Blutdruckmessen
Doch in vielen Fällen wird die Diagnose Bluthochdruck gar nicht gestellt.
Meistens spüren Betroffene nichts von der Erkrankung. In einigen Fällen
führt Bluthochdruck zu Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder auch mal
Schwindel, aber diese Krankheitszeichen werden, zumindest wenn sie nur
gelegentlich auftreten, oft als „Unpässlichkeit“ hingenommen und nicht mit
einer Bluthochdruckerkrankung in Zusammenhang gebracht. Aufschluss über
die Diagnose gibt am Ende nur die Blutdruckmessung. Wer die Diagnose
„verpasst“, ist nicht selten überrascht, wenn sie als vermeintlicher
Zufallsbefund nach einer Schlaganfall- oder Herzinfarktdiagnose gestellt
wird (siehe Patientengeschichte). Gelegentliches Messen gibt hingegen
frühzeitig Aufschluss. Ab Werten über 140/90 mm Hg wird es gefährlich –
dann spricht man von Hypertonie (Bluthochdruck) und eine Therapie sollte
eingeleitet werden. Optimal sind Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg. Bei
leicht erhöhten Werten kann man viel durch einen gesünderen Lebensstil
erreichen und die erhöhten Blutdruckwerte wieder „einfangen“: Gewicht
verlieren, sich gesund ernähren und ausreichend bewegen ist das
Patentrezept!

„Bluthochdruck früh zu erkennen und zu behandeln, rettet Leben, daher
startet die Deutsche Hochdruckliga ihre Jahreskampagne #entdeckergesucht
zum Welt Hypertonie Tag. Die zentrale Botschaft lautet ‚Blutdruckmessen
ist einfach!‘ und wir möchten die Menschen zur Blutdruckmessung animieren,
um die Dunkelziffer von Menschen mit Bluthochdruck zu senken“, so erklärt
Prof. Dr. med. Florian Limbourg, Hannover, Mitglied im Vorstand der
Deutschen Hochdruckliga und Initiator dieser öffentlichkeitswirksamen
Aktion, das Kampagnenziel. Die Kampagnenbotschaft wird durch drei
augenfällige und einprägsame Plakatmotive transportiert. Auf einem
begleitenden Faltblatt zur Kampagne finden sich auch eine Anleitung zur
Blutdruckmessung in fünf Schritten und eine Messtabelle, wo man die Werte
eintragen und den Wochendurchschnitt berechnen kann.

Social-Media-Mitmachaktion: #entdeckergesucht
Um diese Botschaft in die Bevölkerung zu tragen, ist eine Social-Media-
Kampagne und Mitmach-Aktion geplant: Gesucht werden mutige Menschen, die
ihre Blutdruckwerte messen – und auch andere dazu motivieren, als
„Entdecker“ ihren Blutdruck im Auge zu haben. Idee ist, dass jeder eine
Woche lang gemäß Anleitung seine Blutdruckwerte misst, in dem
Blutdruckpass auf dem Flyer (siehe Pressemappe) einträgt und am Ende
seinen Wochendurchschnittswert berechnet. Dann einfach Foto von sich mit
dem Faltblatt machen und mit dem Hashtag #entdeckergesucht posten. Allein,
zu zweit, mit der Familie oder dem Gartenzwerg. Die witzigsten
Einsendungen werden wir – wenn uns dafür das Einverständnis der
Protagonisten vorliegt – im nächsten „Druckpunkt“ veröffentlichen. Seien
Sie kreativ und überraschen Sie uns. Und falls Sie von Ihren
Blutdruckwerten überrascht sind, weil der Durchschnittwert über 135/85 mm
Hg liegt, lassen Sie es Ihre Ärztin/Ihren Arzt wissen. Denn ein
unbehandelter Bluthochdruck ist gefährlich.

Weitere Inhalte der Pressemappe zum Welt Hypertonie Tag 2022
- Fakten/„Listings“ zu Bluthochdruck
- Patientengeschichte von Ortwin Stein
- Patientengeschichte Lars Schmidt
- Hintergrundtext: Genetisch bedingter Bluthochdruck
- Faltblatt Blutdruckmessen (inkl. Messtabelle)
- Hintergrundtext: Blutdruckmessgeräte – achten Sie auf das Siegel der
DHL!
- Liste der DHL-zertifizierten Blutdruckmessgeräte
- Banner/Kampagnenmotive zur Social-Media-Verbreitung
- Foto Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG Hausärztliche
Internisten in der DGIM (Copyright: privat)
- Foto Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Hochdruckliga (Copyright: UKE Hamburg)

Diese Materialien sind abrufbar unter
https://www.hochdruckliga.de/pressemitteilung/entdeckergesucht-pm-20220407

[1] (NCD-RisC), Zhou B, Carrillo-Larco RM, Danaei G et al. Worldwide
trends in hypertension prevalence and progress in treatment and control
from 1990 to 2019: a pooled analysis of 1201 population-representative
studies with 104 million participants. Lancet 2021; 398, 957-980.
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01330-1/fulltext

[2] Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 5/2015.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/05_15.pdf?__blob=publicationFile

[3] Sahin B, İlgün G. Risk factors of deaths related to cardiovascular
diseases in World Health Organization (WHO) member countries. Health Soc
Care Community. 2022 Jan; 30 (1): 73-80. doi: 10.1111/hsc.13156. Epub 2020
Sep 9

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Kann ein als entzündungsfördernd geltender Botenstoff Asthma-Symptome mildern?

Forschende des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen die
immunregulatorische Rolle von Interleukin-3

Der vom Körper produzierte Botenstoff Interleukin-3 galt bei Asthma
bronchiale bislang als entzündungsfördernd. Ein Forschungsteam des
Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigt nun erstmals, dass sich die Gabe von
Interleukin-3, kurz IL-3, positiv auf die chronisch-entzündliche
Atemwegserkrankung auswirken kann.*

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Dr. Susetta Finotto und
Doktorandin und Pharmazeutin Susanne Krammer von der Molekular-
Pneumologischen Abteilung untersuchten die Produktion des Botenstoffs bei
gesunden und von Asthma betroffenen Vorschulkindern, die an der
europäischen Kinderasthmastudie PreDicta teilgenommen hatten. Sie fanden
heraus, dass Kinder, deren Asthma durch eine inhalative Kortison-Therapie
als kontrolliert galt, eine höhere IL-3 Produktion durch bestimmte
Blutzellen, aktivierte periphere Blutlymphozyten genannt, haben. Auch lag
eine positive Korrelation zwischen IL-3 im Nasenfluid und der
antientzündlich wirkenden löslichen Form des ST2-Rezeptors vor. Das lässt
vermuten, dass IL-3 zur Kontrolle von Asthma beitragen könnte.

An Mäusen, bei denen experimentell Asthma hervorgerufen wurde,
untersuchten die Forschenden zudem, ob die intranasale Gabe von IL-3
während der Asthmaprovokation die Asthma-Symptomatik sogar verbessern
kann. Sie entdeckten, dass IL-3 eine regulierende Wirkung auf das
Immunsystem hat und bestimmte Immunzellen, regulatorische T-Zellen
genannt, induziert, die vermutlich eine Rolle bei der Linderung von Asthma
bronchiale spielen. Die Gabe von IL-3 verringerte auch die Zahl von
entzündungsfördernden eosinophilen Zellen und reduzierte die
Schleimproduktion in den Lungen von asthmatischen Mäusen.

IL-3 führte außerdem zu einer verringerten Aktivierung von entzündlichen
angeborenen lymphoiden Typ-2-Zellen. Diese Immunzellen schütten Stoffe
aus, die an der Entstehung von allergischen Erkrankungen mitwirken können.
Sie zeigten bei der Gabe von IL-3 eine geringere Expression des
entzündungsfördernden gebundenen Rezeptors ST2 auf der Zelloberfläche, der
wichtig für die Aktivierung dieser Zellart ist. Die Arbeitsgruppe um Prof.
Finotto und Susanne Krammer machte somit deutlich, dass IL-3 auch
immunregulatorische Eigenschaften aufweist, welche die Symptome bei Asthma
bronchiale verbessern können.

* https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2022.821658/full

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Gesundheitsberufe im Wandel: Komplexe Herausforderungen, Chancen und Trends

Zunehmende Digitalisierung und medizinischer Fortschritt auf der einen,
Fachkräftemangel und demographischer Wandel auf der anderen Seite: Das
Gesundheitswesen steht vor einem Umbruch und sieht sich mit tiefgreifenden
Veränderungen konfrontiert. „Die Akademisierung der Branche muss dringend
vorangetrieben werden – nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen
der Zukunft meistern“, sagt Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan und
wissenschaftlicher Direktor des ifgs Instituts für Gesundheit & Soziales
an der FOM Hochschule. Im Interview spricht der Experte für
Medizinmanagement über die aktuellen Entwicklungen, gefragte Kompetenzen
und die vielseitigen Karrierechancen im Gesundheitssektor.

Herr Professor Matusiewicz, wie wird sich das Gesundheitswesen in den
nächsten Jahren entwickeln?

Prof. Dr. David Matusiewicz: Die Gesundheitsbranche zeichnet sich bislang
vor allem dadurch aus, dass verschiedene Bereiche nebeneinander
koexistieren – die ambulante Versorgung, die stationäre Versorgung, die
Rehabilitation und die Pflege. In Zukunft wird sich das Gesundheitswesen
dahingehend wandeln, dass es zu einer Verzahnung der Bereiche mit
stärkerer interprofessioneller Zusammenarbeit und vernetzten Teams kommt –
und das unterstützt durch digitale Tools und Prozesse. Es wird hier nicht
nur zunehmend interprofessionelle Berufe, sondern auch völlig neue Berufe
und Berufsfelder geben. Für die Gesundheitsbranche ist dieser Wandel eine
große Herausforderung, da sie in einem Spannungsfeld steht: Zum einen
wären da der hohe Kostendruck und knappe wirtschaftliche Ressourcen, zum
anderen die Notwendigkeit, Innovationen in die Gesundheitsversorgung zu
bringen, dabei jedoch das klassische Kerngeschäft nicht aus den Augen zu
verlieren. Hinzu kommt, dass beim Gesundheitspersonal neue Kompetenzen
gefragt sind, die es aufzubauen gilt. Führungskräfte müssen außerdem
lernen, exponentiell statt linear zu denken – sprich mit einem
zukunftsorientierten, vorausschauenden Verständnis für neue Technologien
und Entwicklungen.

Welche Kompetenzen sind zukünftig – oder auch schon heute – im
Gesundheitswesen besonders wichtig?

Prof. Matusiewicz: Im Zuge des beschriebenen Wandels sind verschiedene
Future Skills entscheidend. So zählt neben umfassenden Digitalkenntnissen
vor allem die Fähigkeit des agilen und kollaborativen Arbeitens zu einer
wichtigen Kompetenz. Gleichzeitig kommt es zunehmend darauf an, ein
breites Wissen aufzubauen, immer auf dem neuesten fachlichen Stand zu sein
und über den Tellerrand zu schauen. Denn die Aufgaben und
Tätigkeitsprofile in der Gesundheitsbranche entwickeln sich in einer
enormen Geschwindigkeit weiter und werden dabei immer vielseitiger und
komplexer. Nehmen wir zum Beispiel den Pflegesektor: Durch den Einsatz
neuer Technologien wird sich der Pflegeberuf in den nächsten Jahren stark
verändern. Die FOM Hochschule hat daher in Zusammenarbeit mit der
Universitätsmedizin Essen im bundesweit einmaligen Bachelor-Studiengang
„Pflege & Digitalisierung“ neue Kompetenzen definiert, die für den
„smarten Pflegenden“ von morgen wichtig sind – also einen Pflegenden, der
die Digitalisierung als starkes Instrument versteht und so mehr Zeit für
mehr Menschlichkeit innerhalb seiner Kernaufgaben hat. (Anm.: Der FOM
Bachelor-Studiengang „Pflege & Digitalisierung“ wird aktuell in Essen,
Mainz und Saarbrücken angeboten.)

Wie kann es also Beschäftigten im Gesundheitssektor gelingen, mit diesen
Veränderungen Schritt zu halten?

Prof. Matusiewicz: Berufliche Weiterbildung ist wichtig – sei es eine
umfassende akademische Ausbildung im Rahmen eines berufsbegleitenden
Studiums oder durch Microlearning, bei dem passgenaues Wissen für
spezifische Themen erworben wird. Die FOM bietet im Hochschulbereich
„Gesundheit & Soziales“ ein breites Spektrum berufs- bzw.
ausbildungsbegleitender Studiengänge an. Zur Auswahl stehen neben „Pflege
& Digitalisierung“ verschiedene Bachelor-Studiengänge wie „Gesundheits-
und Sozialmanagement“, „Gesundheitspsychologie & Medizinpädagogik“ oder
„Pflegemanagement“; Studieninteressierte mit einem ersten
Hochschulabschluss können sich beispielsweise für einen Master in „Public
Health“ oder „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ einschreiben. Im
Trendbereich Microlearning hat die FOM zudem eine Vielzahl an
Hochschulzertifikaten entwickelt, die aktuelles Fachwissen zu einem
bestimmten Thema bündeln und sich sogar auf ein FOM Studium anrechnen
lassen.

Warum ist die akademische Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen so
wichtig? Lassen sich die erforderlichen Kompetenzen nicht auch einfach „on
the job“ erwerben?

Prof. Matusiewicz: Das Gesundheitswesen ist geprägt von Tätigkeiten, die
sehr spezielle Kenntnisse über die besonderen Marktspezifika erfordern, da
sich diese teils grundlegend von anderen Märkten unterscheiden – allein
schon der ganze Bereich Finanzierung. Das berufs- bzw.
ausbildungsbegleitende Studium an der FOM vermittelt neben diesen
praxisorientierten Fachkompetenzen auch generalistisches akademisches
Wissen, das der zukünftigen Entwicklung – und damit der engeren Verzahnung
verschiedener Gesundheitssektoren und Branchen – Rechnung trägt. Die
Studierenden beschäftigen sich unter anderem mit Projektmanagement, mit
Qualitätsmessung und vor allem auch mit Digitalthemen – gerade hier gibt
es einen riesigen Nachholbedarf von mindestens zehn Jahren im Vergleich zu
anderen Branchen wie dem Handel oder Automotive! Sie werden dazu befähigt,
einen Blick für das „große Ganze“ zu bekommen, Unternehmen und
Einrichtungen strategisch und zukunftsorientiert zu steuern und das ohne
die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten bzw. der Kundinnen und
Kunden aus den Augen zu verlieren. All das sind Fähigkeiten, für die
zunehmend eine akademische Aus- bzw. Weiterbildung wichtig ist.

Welche beruflichen Perspektiven stehen Absolventinnen und Absolventen
eines solchen Studiums offen? Wie sieht es mit Aufstiegschancen aus?

Prof. Matusiewicz: Die Gesundheitsbranche ist ein Zukunftsmarkt, der
vielerlei Perspektiven bietet. Statt mit Verwaltungsunternehmen haben wir
es immer häufiger mit Managementunternehmen zu tun. „Klassische“ BWLer
haben zwar das betriebswirtschaftliche Wissen, ihnen fehlen jedoch die
speziellen Branchenkenntnisse. Absolventinnen und Absolventen eines
berufs- oder ausbildungsbegleitenden Studiums im Bereich „Gesundheit &
Soziales“ bringen hingegen ein Gesamtpaket aus branchenspezifischer
Fachexpertise und passgenauen BWL- und Management-Kenntnissen mit. Das
eröffnet ihnen vielfältige Karrierewege – natürlich auch auf
Führungsebene.

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