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DDG: Haushaltsentwurf 2023 befeuert Engpässe in der Diabetesversorgung und Kostenexplosion im Gesundheitswesen

Die Bundesregierung tritt beim Haushaltsplan 2023 auf die Kostenbremse und
kürzt die ursprünglich vorgesehenen drei Millionen Euro jährlich für die
Diabetes-Prävention- und Versorgung um 64 Prozent. Damit werden sich
Versorgungengpässe weiter verschärfen und die Kosten im Gesundheitssystem
dramatisch erhöhen. 2020 noch verpflichtete sich die Bundesregierung mit
einer Nationalen Diabetesstrategie Prävention zu stärken, Versorgung zu
verbessern und Forschung zu fördern, um die Diabetes-Pandemie einzudämmen
und eine damit einhergehende Überlastung des Gesundheitssystem zu
vermeiden.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) kritisiert den mangelnden Willen
der Politik, gemachte Zusagen umzusetzen und eine Gesundheitspolitik mit
Weitsicht zu betreiben.

Über 8,5 Millionen Menschen in Deutschland haben einen diagnostizierten
Diabetes Typ 2. Mit circa 500.000 Neuerkrankungen jährlich werden bis 2040
schätzungsweise 12 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sein.
Bereits 2012 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Diabetes als
pandemische nichtübertragbare Krankheit eingeschätzt und nationale
Strategien zur Diabetesbewältigung angemahnt. Ein wichtiges Ziel ist es
daher, die Zahl der Neuerkrankungen zu senken. Gezielte
Präventionsmaßnahmen sollen es allen Menschen in Deutschland leichter
machen, sich gesund zu ernähren. Die DDG spricht sich daher bereits seit
Jahren für die steuerliche Entlastung von Obst und Gemüse sowie eine
Herstellerabgabe auf gesüßte Erfrischungsgetränke aus. Auch die Versorgung
der Millionen Erkrankten muss zukunftssicher weiterentwickelt werden:
Heute schon kommen jährlich 300.000 Patientinnen und Patienten mit
Diabetes ins Krankenhaus und können immer häufiger nicht angemessen
versorgt werden: Viele Krankenhäuser halten keine Fachabteilungen und
Expertise für Diabetes vor.
Während dem Bundesministerium für Gesundheit seit dem Haushaltsjahr 2016
zusätzliche drei Millionen Euro jährlich für Maßnahmen der
Diabetesbekämpfung zur Verfügung standen, sind es jetzt 3,2 Millionen Euro
auf drei Jahre verteilt „Der Haushaltsentwurf bremst damit viele sinnvolle
Maßnahmen zur Diabetes-Prävention und -Versorgung brutal aus  – und das
durch die Hintertür“, so DDG-Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu,
kommissarischer ärztlicher Direktor an der Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.
Mit der Kürzung der Finanzmittel im aktuellen Haushaltsentwurf rückt die
Konkretisierung und Umsetzung der Diabetesstrategie in immer weitere
Ferne. „Wenn Maßnahmen im Kampf gegen Diabetes reduziert statt ausgebaut
werden, wird das zu einer weiteren Kostenexplosion im Gesundheitssystem
führen“, kritisiert Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG. Schon heute
verursacht die Krankheit 21 Milliarden Euro im deutschen
Gesundheitssystem, das sind elf Prozent aller direkten
Krankenversicherungsausgaben. Der überwiegende Anteil entfällt auf die
Behandlung von Folgeerkrankungen durch Diabetes an Gefäßen, Herz, Nieren
oder Augen. „Außerdem wird es zu Versorgungsengpässen kommen, da die
stetig steigende Zahl erkrankter Menschen in Zukunft aufgrund des
Fachkräftemangels nicht mehr angemessen versorgt werden kann“, kritisiert
DDG-Mediensprecher Professor Dr. med. Baptist Gallwitz.
Schon im Vorfeld des Haushaltsentwurfs hatte die DDG vergeblich das
Gespräch mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach gesucht. „Die
wiederkehrenden Absagen deuten darauf hin, dass das Ministerium das
Problem nicht erkannt hat und die Auswirkungen der chronischen Krankheit
weiter unterschätzt. Der vorliegende Haushaltsplan macht das auf
dramatische Weise deutlich“, so Bitzer. Noch wäre Zeit, die Pläne
anzupassen: Die DDG-Expertinnen und Experten stehen gerne bereit,
gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium über die Maßnahmen für
Prävention und Versorgung zu sprechen, die in der jetzigen, wirtschaftlich
angespannten Situation unverzichtbar sind und daher zwingend finanzielle
Unterstützung benötigen.

Übersicht zu den politischen Forderungen der DDG:
<https://www.ddg.info/politik/veroeffentlichungen/gesundheitspolitische-
veroeffentlichungen>

Empfehlungen zur Nationalen Diabetesstrategie:
<https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/Politische_Empfehlungen_DDG_2021.pdf>

Gemeinsame Stellungnahme DDG/DZD/DGE zur Versorgung von Menschen mit
Diabetes und endokrinen Erkrankungen:
<https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/06_Gesundheitspolitik/03_Veroeffentlichungen
/Positionspapier-Lehrstuehle-DDG-DZD-DGE.pdf
>

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Gesundheitspsychologie untersucht problematisches Essverhalten bei Menschen mit Diabetes Typ 1 – Teilnehmende gesucht

Dysfunktionales Essverhalten bis hin zu Essstörungen in der psychosozialen
Diabetesforschung bisher wenig beachtet – JGU startet DEBBI-Studie

Menschen mit einem Typ-1-Diabetes leiden unter einem Mangel an Insulin,
ein Hormon, das vor allem für die Regulation des Blutzuckers erforderlich
ist. Die Erkrankung beginnt oft schon im Kindes- oder Jugendalter und ist
zwar behandelbar, aber nicht heilbar. Die Betroffenen müssen sich Insulin
lebenslang regelmäßig zuführen. Während Begleiterscheinungen wie
Angststörungen oder Depressionen bei Diabetespatienten recht gut
untersucht sind, wurde problematischem Essverhalten in der Forschung
bisher weniger Beachtung geschenkt. Die Abteilung für
Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
führt daher eine Onlinestudie durch, die Essverhalten bei Menschen mit
Typ-1-Diabetes untersucht.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der
Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. In
Deutschland sind Schätzungen zufolge daran mehr als 370.000 Menschen
erkrankt. „Die Erkrankung nimmt unter der Bevölkerung stetig zu und stellt
für die Betroffenen einen starken Einschnitt in ihrem Alltag dar“, erklärt
Lilli-Sophie Priesterroth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der
Abteilung Gesundheitspsychologie der JGU. Diabetes-Typ-1-Patienten haben
zwar keine Einschränkungen bei ihrer Nahrungsauswahl, aber sie müssen ihre
Insulindosis stets auf die Mahlzeiten abstimmen. Das Thema Ernährung ist
deshalb allgegenwärtig. Ein Teil der Betroffenen leidet unter einem
gestörten Essverhalten bis hin zu einer Essstörung, beispielsweise in Form
einer gezielten Unterdosierung von Insulin oder einer selektiven Auswahl
von Nahrungsmitteln. „Betroffene von Diabetes Typ 1 verlieren aufgrund des
Insulinmangels häufig an Gewicht, bevor die Diagnose feststeht. Wenn sie
dann unter der Insulingabe wieder zunehmen beziehungsweise zu ihrem
Normalgewicht zurückkehren, ist das oft eine schwierige Situation“,
bemerkt Lilli-Sophie Priesterroth.

Die Abteilung Gesundheitspsychologie hat vor diesem Hintergrund die Studie
„DEBBI – Dysfunktionales Essverhalten und Essstörungen bei Diabetes Typ 1“
gestartet. Ziel ist es, problematisches Essverhalten zu charakterisieren
und Risiko- und Schutzfaktoren zu ermitteln. Dazu wird die Studie
Erhebungen über einen längeren Zeitraum vornehmen, um Veränderungen im
Lauf der Zeit zu erfassen. Die Initiatorinnen und Initiatoren der Studie
hoffen, damit die Versorgung von Menschen mit dieser Form von Diabetes
langfristig zu verbessern und dazu beizutragen, Betroffene mit
problematischem Essverhalten in Zukunft bestmöglich unterstützen zu
können.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Online-Studie gesucht

Für die vollständig anonyme Onlinestudie werden noch Teilnehmende gesucht
– insbesondere Männer und auch Personen, die keine Probleme mit dem Essen
haben. Sie erhalten eine Reihe von Fragebögen zur Beantwortung, unter
anderem zum Essverhalten und zum psychischen Wohlbefinden. Die Teilnahme
dauert etwa 30 Minuten und kann am Computer oder Smartphone erfolgen. Um
Entwicklungen nachverfolgen zu können, werden die Teilnehmenden nach 6, 12
und 18 Monaten erneut per E-Mail um eine Teilnahme gebeten. Die
Teilnahmevoraussetzungen sind Volljährigkeit und eine Diagnose
Typ-1-Diabetes seit mindestens 12 Monaten.

Die Studie ist über den Link https://www.soscisurvey.de/debbi/ zu
erreichen. Bei Fragen zu dem Projekt oder der Studienteilnahme können sich
Interessierte gerne unter der E-Mail-Adresse lilli.priesterroth@uni-
mainz.de an Lilli-Sophie Priesterroth wenden, die die Studie im Rahmen
ihrer Promotion leitet.

Weiterführende Links:
https://www.gesundheit.psychologie.uni-mainz.de/ - Abteilung
Gesundheitspsychologie am Institut für Psychologie der JGU
https://www.soscisurvey.de/debbi/ - Link zur DEBBI-Studie
https://www.bzga-essstoerungen.de/ - Anlaufstelle bei Sorgen ums
Essverhalten

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total zentral: die Leber!“: Leberzellkrebs – warum die Früherkennung wichtig ist

Leberzellkrebs zählt zu den gefährlichsten Tumorarten. Nur wenn dieser
frühzeitig entdeckt und behandelt wird, ist eine Heilung möglich – aktuell
werden jedoch 80 Prozent der Leberzellkrebs-Erkrankungen erst in bereits
fortgeschrittenen Stadien entdeckt. Darauf machen die Ausrichter des 23.
Deutschen Lebertages am 20. November 2022 – Gastro-Liga e. V., Deutsche
Leberhilfe e. V. und Deutsche Leberstiftung – im Vorfeld des Aktionstages
aufmerksam. Mit dem diesjährigen Motto: „total zentral: die Leber!“ werden
die Bedeutung der Leber als zentrales Stoffwechselorgan des menschlichen
Körpers und die Notwendigkeit einer Senkung der Dunkelziffer durch
Früherkennung von Lebererkrankungen betont.

Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) tritt in den meisten
Fällen nach einer langjährigen chronischen Lebererkrankung auf. Die
Hauptursachen für ein HCC sind neben der chronischen Virushepatitis (B, C
und D) unter anderem die Folgen einer unbehandelten nicht-alkoholischen
Fettleberhepatitis (NASH) oder einer unbehandelten alkoholischen
Fettleberhepatitis (ASH). Die steigende Zahl von Menschen, die nach einer
chronischen Lebererkrankung an Leberzellkrebs erkranken, macht eine
Aufklärung der Öffentlichkeit über Früherkennung und Prävention notwendig.

Neben dem Deutschen Lebertag, der in diesem Jahr am 20. November zum 23.
Mal stattfindet, gibt es weitere Aktionstage, mit denen die wichtigen
Themen Leber und Lebererkrankungen in den Fokus gerückt werden.

„Die Einführung des Einmalscreenings auf Virushepatitis B und C im Rahmen
der ‘Gesundheitsuntersuchung‘, vormals ‘Check-up 35‘, ist ein wichtiger
Schritt, um die Morbidität und Mortalität bei diesen Lebererkrankungen in
der deutschen Bevölkerung zu senken. Jede Früherkennung der Virushepatitis
B und C, die zu den Hauptursachen für die Entstehung eines
Hepatozellulären Karzinoms (HCC) zählen, ist zugleich eine
Krebsprävention. Leberzellkrebs gehört zu den Krebsarten mit der
schlechtesten Prognose und ist weltweit die vierthäufigste
Krebstodesursache. Leberzellkrebs kommt bei vergleichsweise jungen
Menschen vor und ist somit die Krebsart mit den zweitmeisten verlorenen
Lebensjahren. Zum Zeitpunkt der Diagnose können 80 Prozent der Fälle von
Leberzellkrebs nicht mehr operiert werden“, erläutert Professor Dr. Peter
R. Galle, Direktor der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik der
Universitätsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Lebererkrankungen und somit auch die Entstehung von Leberzellkrebs sind in
vielen Fällen vermeidbar. Neben Virusinfektionen zählen Übergewicht,
Bewegungsmangel sowie ungesunde Ernährung, Diabetes mellitus, Rauchen und
übermäßiger Alkoholkonsum zu den Risikofaktoren. Ernährungs- und
Bewegungsgewohnheiten können geändert werden. Gegen die Hepatitis B, die
chronisch werden und zum HCC führen kann, gibt es wirksame Impfungen.
Aktuelle Studiendaten haben gezeigt, dass auch bei selteneren Erkrankungen
wie beispielsweise akuter intermittierender Porphyrie und Morbus Gaucher
ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines HCC vorliegen kann. In der
kürzlich aktualisierten deutschen Leitlinie wird eine regelmäßige
Früherkennung auch dieser Patientengruppen empfohlen: „Vor kurzem wurde
die S3-Leitlinie zum Hepatozellulären Karzinom und zu biliären Karzinomen
aktualisiert. Die überarbeitete Fassung enthält unter anderem neue
Empfehlungen zu seltenen Erkrankungen als Risikofaktoren für
Leberzellkrebs“, sagt Professor Galle und stellt fest: „Damit steht ein
Instrument zur Verfügung, um die Diagnostik und Therapie des
hepatozellulären Karzinoms zu verbessern und betroffenen Patienten
angemessene, wissenschaftlich begründete und aktuelle Verfahren in der
Diagnostik, Therapie und Rehabilitation anzubieten.“

Mehr Infos zum 23. Deutschen Lebertag und alle bislang im Rahmen des
diesjährigen Deutschen Lebertages veröffentlichten Presseinformationen
unter: http://www.lebertag.org

Alle Institutionen, die im Rahmen des 23. Deutschen Lebertages mit einer
Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter:
http://www.lebertag.org

Die Ausrichter des 23. Deutschen Lebertages am 20. November 2022:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>   |   https://www.gastro-liga.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln
Tel 0221 – 28 29 980
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>   |   https://www.leberhilfe.org

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Vorhofflimmern: Katheterablation stoppt Störfeuer im Herzen

Gezielte Verödungen am Herzen bringen unregelmäßigen Herzschlag in den
richtigen Takt. Das ermöglicht es, auf Medikamente zu verzichten. Welche
Patienten profitieren besonders von der Katheterablation und was
versprechen neue Technologien?

(Frankfurt a. M., 24. Oktober 2022) Herzrhythmusstörungen sind für
Betroffene meist mit Ängsten, hohem Leidensdruck und Leistungseinbußen
verbunden. Rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an
Vorhofflimmern, der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung. Das
Risiko, dass das Herz unregelmäßig schlägt, steigt mit zunehmendem Alter
an. Ab 55 Jahren beträgt es fast 40 %. Beschwerden, die durch
Vorhofflimmern verursacht werden, sind zum Beispiel Herzrasen, Luftnot,
Brustschmerzen, Schwindel oder auch eine eingeschränkte Belastbarkeit. Es
gibt aber auch Menschen, bei denen verursacht das Vorhofflimmern gar keine
Symptome. Bei ihnen wird die Diagnose meist zufällig gestellt.
Die Folgen eines unerkannten und unbehandelten Vorhofflimmerns können
gravierend sein. So erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden
um das Fünffache. „Schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller Schlaganfälle
gehen auf Vorhofflimmern zurück“, betont Prof. Dr. med. Stephan Willems,
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung und
Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin in
der Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg. Bei manchen Menschen kann
Vorhofflimmern, vor allem bei hoher Herzfrequenz (Puls), zu einer
Herzschwäche führen. „Es ist daher wichtig, Vorhofflimmern frühzeitig zu
erkennen und zu behandeln“, so der Herzspezialist anlässlich der
bundesweiten Herzwochen, die sich unter dem Motto „Turbulenzen im Herz“
unter <www.herzstiftung.de/herzwochen> dem Vorhofflimmern widmen.
Der unregelmäßige Herzschlag tritt zunächst nur kurz, anfallsartig und
selten auf. Die Mediziner sprechen vom „paroxysmalen Vorhofflimmern“.
Unbehandelt schreitet die Erkrankung fort. Es folgen andauernde und häufig
auftretende Episoden, bis das Vorhofflimmern schließlich dauerhaft
vorhanden ist. Es handelt sich dann um ein „persistierendes
Vorhofflimmern“.

Zunehmend wird die Katheterablation eingesetzt
Ursache des Vorhofflimmerns sind Herzmuskelfasern, die vom linken Vorhof
in die Lungenvenen ragen. Die Lungenvenen sind dafür verantwortlich das
sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in das linke Herz zu transportieren.
Diese Muskelbrücken senden störende elektrische Signale aus und bringen
den Herzschlag durcheinander. Um ihn wieder zu normalisieren, gibt es die
Möglichkeiten, den Herzschlag mit Medikamenten zu verlangsamen oder auch
wieder in den richtigen Takt zu bringen. Dies war viele Jahre der
Therapiestandard. Die andere Option, mit einem minimalinvasiven Eingriff,
einer sogenannten Katheterablation, die Störung direkt am Herzen zu
beseitigen, hält mehr und mehr Einzug in die Kardiologie. Der Katheter ist
ein feiner Kunststoffschlauch, der – unter vorheriger Gabe eines leichten
Beruhigungsmittels und örtlicher Betäubung – über die Leistenvene zum
Herzen vorgeschoben wird.

Minimalinvasiver Eingriff mit 60- bis 90-prozentigem Heilungserfolg
Am Ende des Katheters können Hitze, Kälte oder Mini-Stromstöße gezielt die
für die „Störfeuer“ verantwortlichen Herzmuskelfasern veröden. Ziel ist
es, sie dauerhaft auszuschalten. „Studien haben gezeigt, dass die
Katheterablation der medikamentösen Therapie hinsichtlich des
langfristigen Erhalts des normalen Herzrhythmus‘ überlegen ist“, erklärt
Prof. Willems. „Mithilfe der Katheterablation kann das Vorhofflimmern
sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 90 Prozent geheilt werden,
je nachdem wie lange es schon besteht.“

Neue Technik: „Elektroporation“ lässt Störfeuer versiegen
Hier einige der wesentlichen Verfahren im Überblick, die die
Herzspezialist*innen bei einer Katheterablation anwenden:

•       Bei der „Hochfrequenzstrom-Ablation“, lange Zeit der Goldstandard
in der Katheterablation, vernarben sie die Herzmuskelfasern, die in die
Lungenvenen ragen und das Wirrwarr der elektrischen Signale verursachen,
punktgenau mit einer Energie von 25 bis 40 Watt für zirka 30 bis 60
Sekunden.
Die ersten Katheterablationen erfolgten lediglich unter Röntgenkontrolle.
Bei der Hochfrequenzstrom-Ablation kommen zusätzlich dreidimensionale
Mappingsysteme zum Einsatz. Sie erstellen computergestützt eine
geometrische Karte des Herzinneren, zeigen sehr präzise die Störungen der
elektrischen Erregung des Herzens und ermöglichen, diese treffsicher mit
dem Katheter zu behandeln. Durch Verwendung des dreidimensionalen
Mappingsystems kann der/die Untersucher*in die notwendige Röntgenstrahlung
reduzieren.
•       Neu und eine Optimierung der „Hochfrequenzstrom-Ablation“ ist das
„High Power Short Duration (HPSD)“-Verfahren (hohe Energie, kurze Dauer),
bei der die Ärzt*innen für 4 bis 7 Sekunden eine Energie von 70 bis 90
Watt verwenden. Die kurze und starke Hitzeeinwirkung erlaubt es, die
Störzellen noch fokussierter zu veröden und umliegendes Gewebe zu schonen.
Die Behandlungsdauer ist kürzer, sicherer und wirkt langfristig besser.
Das lassen klinische Studien vermuten.
•       Bei der „Kryo- oder Kälteablation“ bringen die Fachärzte mit dem
Katheter einen „Kryoballon“ vor jede Lungenvene und kühlen diese für 2 bis
4 Minuten auf minus 40 bis minus 60 Grad Celsius herunter. „Kryos“ ist
altgriechisch und bedeutet „Eis“. Dieses Verfahren wird wie auch die
anderen Techniken stetig weiterentwickelt.
Die Hochfrequenzstrom- und die Kälteablation sind, was Sicherheit und
Erfolg insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit „paroxysmalem
Vorhofflimmern“ angeht, gleichwertig und gut geeignet. Die Kryoablation
bietet ein schnelles und schonendes Verfahren zur Behandlung von
Vorhofflimmern.
•       Die „Pulsed Field Ablation“ (PFA) ist eine völlig neuartige
Technologie für die Katheterablation, die erst seit Kurzem verfügbar ist.
Sie wird auch als „Elektroporation“ bezeichnet. Mithilfe des Katheters
werden zielgenau ultraschnelle elektrische Felder erzeugt. Diese führen zu
mikroskopisch kleinen Poren in den Membranen der Herzmuskelzellen, die mit
ihren Signalen das Herz aus dem Takt bringen. Die Zellen sterben ab, die
Störfeuer versiegen, das angrenzende Gewebe wird nicht beschädigt. Wie bei
der „Kryo- oder Kälteablation“ wird jede Lungenvene einzeln behandelt.
„Die PFA ist eine sehr effektive und schonende Methode mit nur wenig
Komplikationen“, erklärt der Hamburger Herzspezialist Willems. „Es stehen
allerdings noch umfangreiche Studien aus, aber der berichtete Erfolg
erster Untersuchungen scheint vielversprechend.“

Die Katheterablation ist insgesamt effektiv und sicher
In Deutschland wurden im Jahr 2020 schätzungsweise etwas mehr als 94.000
Katheterablationen vorgenommen (Deutscher Herzbericht 2021). In nur rund
ein Prozent der Eingriffe kommt es zu Komplikationen. So können Blutungen
im Herzbeutel, Schlaganfälle durch verschleppte Blutgerinnsel und
Blutungen in Hirngefäßen oder Blutergüsse an der Einstichstelle der Leiste
auftreten. Potenziell lebensbedrohlich ist es, beim Eingriff die
Speiseröhre zu verletzen. „Das kommt jedoch sehr selten vor“, sagt
Chefarzt Willems. „Insgesamt sind die Verfahren der Katheterablation zur
Behandlung von Vorhofflimmern sehr effektiv und sicher.“ Entscheidend sei,
die Ablation möglichst früh und in spezialisierten Zentren vorzunehmen.

Jeder zweite Betroffene wird geheilt
„Bei etwa jeder zweiten betroffenen Person, die mit einer Katheterablation
behandelt wurde, kehrt das Vorhofflimmern nicht wieder“, betont Prof.
Willems. Beim anfallsartigen Vorhofflimmern sei das nach einem Jahr sogar
bei 70 bis 80 % der Fall, nach wiederholten Eingriffen bei bis zu 90 % der
Patienten. Betroffene, die bereits längere Zeit an anhaltendem
Vorhofflimmern leiden, haben bislang geringere Aussichten, dauerhaft
gesund zu werden. „Doch die Techniken der Katheterablation werden stetig
weiterentwickelt und so hoffen wir, auch diese Patienten in Zukunft besser
behandeln zu können.“
(weg)

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema
Vorhofflimmern unter:
<www.herzstiftung.de/herzwochen>
<www.herzstiftung.de/vorhofflimmern>
<www.herzstiftung.de/vorhofflimmern-behandlung>

Videos zum Thema Vorhofflimmern (und zur Katheterablation):
<https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung>

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