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Atemnot und Abgeschlagenheit: Herzschwäche kann dahinterstecken

Bundesweite Herzwochen informieren über Volkskrankheit Herzschwäche

Fünf bis sechs Liter Blut pro Minute pumpt das Herz durch unseren Körper
und versorgt so unsere Organe mit lebenswichtigem Sauerstoff und
Nährstoffen. Schädigt aber ein Herzinfarkt oder ein unbehandelter
Bluthochdruck den Herzmuskel, so dass der an Pumpkraft verliert und es
kommt zur chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz), hat das
schwerwiegende Folgen. Nicht nur das Herz selbst, auch andere Organe wie
Gehirn, Nieren oder Muskeln nehmen Schaden. Im fortgeschrittenen Stadium
kann die Herzschwäche lebensbedrohlich bis hin zu Herzversagen oder
plötzlichem Herztod werden. Bundesweit sind pro Jahr rund 465.000
Klinikaufnahmen wegen einer entgleisten Herzschwäche zu verzeichnen, rund
40.000 sterben daran. „Tückisch an der Herzschwäche ist, dass sie meistens
mit Atemnot und einer Leistungsabnahme beginnt. Die Beschwerden können
unspektakulär sein: Man schafft die Bergwanderung nicht mehr oder beim
Treppensteigen geht die Puste aus. Man ist müde, abgeschlagen und die
Unterschenkel und Fußgelenke sind wie geschwollen, weil sich Flüssigkeit
eingelagert hat“, berichtet Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. „Für Patienten und Ärzte lassen sich diese teils diffusen
Leitsymptome nicht immer gleich dem Herzen zuordnen. Das birgt die Gefahr,
dass ältere Personen ihre Beschwerden dem Alter zuschreiben und hinnehmen,
anstatt zum Arzt zu gehen. Wer aber unter Atemnot leidet, muss sofort zum
Arzt, um die Herzschwäche und ihre Ursachen zu behandeln“, warnt der
Kardiologe am Cardiolangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am
Main.
Um die Öffentlichkeit mit bis zu vier Millionen Betroffenen durch
Herzschwäche in Deutschland für die Warnzeichen der Volkskrankheit zu
sensibilisieren, informiert die Herzstiftung in den bundesweiten
Herzwochen „Das schwache Herz“ vom 1. bis zum 30. November unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020 (Ratgeber-Infos, Video-Clips) über die
Ursachen, Symptome und Therapie der Herzinsuffizienz.

Endstadium anderer Herzkrankheiten: Angriffspunkte für Therapie
Die Herzschwäche ist keine eigenständige Erkrankung, vielmehr münden in
sie andere Herzkrankheiten. „Das macht die Herzschwäche zu einem komplexen
Krankheitsgeschehen für Arzt und Patient, zumal in die Herzschwäche
mehrere Herz- und Kreislauferkrankungen auf einmal münden können“,
erläutert Voigtländer. Deren Behandlung mit Medikamenten,
interventionellen und chirurgischen Verfahren sowie Lebensstilmaßnahmen
müsse dann gut aufeinander abgestimmt werden. „Ist eine undichte
Herzklappe oder eine verengte Herzkranzarterie als Ursache erstmal
aufgedeckt, gibt es einen konkreten Angriffspunkt für die Behandlung.“ Bei
weitem am wichtigsten unter den Ursachen einer Herzinsuffizienz sind die
koronare Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck, die rund 70 Prozent der
Herzschwäche-Fälle zugrunde liegen. Die KHK ist eine Durchblutungsstörung
wegen verengter Herzkranzgefäße („Arterienverkalkung“) und die
Grunderkrankung des Herzinfarkts. Besonders gefährlich wird es, wenn KHK
und Bluthochdruck mit Diabetes gemeinsam auftreten. Dann steigt die
Wahrscheinlichkeit einer Herzschwäche. „Bei Diabetikern kommt die Gefahr
des stummen Herzinfarkts hinzu. Diabetes kann das Schmerzempfinden für die
infarkttypischen Beschwerden derart vermindern, dass der Infarkt zu spät
bemerkt und notfallmedizinisch versorgt wird. Herzmuskel stirbt ab“, so
der Herzspezialist. Für etwa 20 bis 30 Prozent der Herzschwäche-Fälle sind
defekte Herzklappen, Vorhofflimmern, angeborene Herzfehler, entzündliche
Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis) oder Alkohol- und Drogenmissbrauch
verantwortlich.

Gefährliche Entgleisung der Herzschwäche: Wie schützt man sich davor?
Eine Entgleisung der Herzschwäche (Herzdekompensation) ist einer der
häufigsten Anlässe für eine Krankenhauseinweisung. „Für die Therapie der
Herzschwäche ist eine aktive Rolle des Patienten enorm wichtig, um es gar
nicht erst zur Verschlechterung der Herzkrankheit kommen zu lassen“,
betont der Intensivmediziner. Zur Entgleisung kommt es, wenn etwa
Medikamente weggelassen, falsch dosiert oder kombiniert werden. Oder wenn
nicht auf einen gesunden Lebensstil durch Gewichtsnormalisierung,
maßvolles Ausdauertraining 3-mal pro Woche jeweils 30 Minuten (bei
stabiler Herzschwäche), gesunde Ernährung (Mittelmeerküche) und Verzicht
auf Rauchen und Alkohol geachtet wird. „Besondere Aufmerksamkeit verdient
das Körpergewicht, weil ein Anstieg um mehr als zwei Kilo in drei Tagen
eine Tendenz zur Flüssigkeitseinlagerung, Ödeme genannt, anzeigt.
Betroffene sollten sich daher täglich wiegen.“ Wegen der Einnahme von
Entwässerungsmitteln (Diuretika) sollten Herzschwächepatienten übermäßigen
Salzverbrauch im Essen und zu große Flüssigkeitsmengen (über 2 Liter am
Tag) vermeiden. Auch eine Überlastung des ohnehin geschwächten Herzens
durch eine bakterielle oder Virus-Infektion gilt es zu vermeiden. Da eine
Covid-19-Erkrankung bei Herzpatienten zu schweren Krankheitsverläufen
führen kann, kommt in Zeiten der Corona-Pandemie der Grippeschutzimpfung
eine noch größere Bedeutung zu als zuvor. Die Deutsche Herzstiftung rät
deshalb Herzpatienten, sich unbedingt gegen Grippe (Influenza) und
Pneumokokken impfen zu lassen. Weitere Symptome bzw. Faktoren für eine
Verschlechterung der Herzschwäche, auf die Patienten achten sollten, sind:
- Lungenentzündungen – gehäuft bei Herzschwäche (überlasten geschwächtes
Herz)
- Beschleunigter Puls, Herzklopfen bei Belastung
- Plötzliche Luftnotanfälle mit Todesangst (durch Blutstauung im
Lungenkreislauf als Folge einer Bluthochdruckkrise)
- Schaumiger Husten, Rasselgeräusche beim Atmen

Beste Strategie gegen Herzschwäche: Behandlung der Ursachen und Folgen
Ziel der Therapie der Herzschwäche ist es, ihr Fortschreiten zu stoppen
oder zu verlangsamen, die Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen zu
verhindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. „Die
beste Strategie, mit der wir eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz
und daraus folgende Begleiterkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen und
Atemwegserkrankungen vermeiden können, ist die Behandlung der
Grundkrankheit und deren schädliche Wirkung auf den Herzmuskel“, betont
Voigtländer. Insbesondere Durchblutungsstörungen durch KHK und
Herzinfarkt, eine Schwächung des Herzmuskels durch Rhythmusstörungen und
Herzklappendefekte gehen der Herzschwäche voraus. Deren Behebung
ermöglichen kathetergestützte oder chirurgische Verfahren zur Beseitigung
von Gefäßverschlüssen (Stent, Bypass-Operation), Klappendefekten (TAVI,
MitraClip, chirurgischer Klappenersatz) oder Rhythmusstörungen
(Vorhofflimmer-Ablation), um eine weitere Schwächung der Herzfunktion zu
unterbinden. Ein weiterer unverzichtbarer Therapiebaustein sind
Herzschrittmacher. Eine Resynchronisationstherapie (CRT) mit speziellen
Schrittmachern verbessert die Herzleistung bei Patienten mit einer Störung
der Erregungsleitung im Herzen. Implantierbare Defibrillatoren (ICD)
schützen Herzschwächepatienten, die durch eine bösartige
Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) gefährdet sind, vor dem plötzlichen
Herztod. „Schrittmacher und Defibrillatoren kommen nicht bei allen
Herzschwäche-Formen gleichermaßen zum Einsatz. Ihr Nutzen muss für das
individuelle Krankheitsprofil gesichert sein“, so der Kardiologe.
Um ein Voranschreiten der Pumpschwäche des Herzens zu verlangsamen oder
aufzuhalten, kommen je nach Ursachen und Beschwerden verschiedene
Medikamentengruppen zum Einsatz. Betablocker schirmen das Herz gegen
Stresshormone ab. ACE-Hemmer und Sartane (auch
Mineralkortikoidrezeptorantagonisten: MRAs) verhindern die schädlichen
Umbauprozesse im Herzmuskelgewebe und steigern die Leistungsfähigkeit des
Herzens, ARNI (Sacubitril/Valsartan) steigern körpereigene
Schutzmechanismen vor einer Überstimulation im Herzen. Diuretika zur
Behandlung der Flüssigkeitseinlagerungen im Körper entlasten das Herz,
fördern aber auch die Ausscheidung von Mineralstoffen, was gefährliche
Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Daher sollte besonders der
Kaliumspiegel bei Einnahme von Entwässerungsmitteln regelmäßig
kontrolliert werden. „Die konsequente, ärztlich abgestimmte Einnahme der
Medikamente ist für den Behandlungserfolg ebenso wichtig wie die Therapie
der Ursachen der Herzschwäche wie Bluthochdruck, Diabetes, hohes
Cholesterin sowie Lebensstilmaßnahmen wie der Abbau von Übergewicht, der
Verzicht aufs Rauchen und regelmäßige Bewegung.“

Schonung war früher: Bewegung als Therapie
Wo früher in der Herzmedizin Schonung bei Herzschwäche angeraten wurde,
sind heute körperliche Aktivitäten mit viel Bewegung bei vergleichsweise
geringem Kraftaufwand wie Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking,
Radfahren fester Bestandteil der Herzschwäche-Therapie. Allerdings muss
mit dem Hausarzt oder Kardiologen die Belastbarkeit getestet werden.
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch regelmäßiges
Ausdauertraining je nach Intensität und Dauer die Leistungsfähigkeit um 10
bis 25 Prozent verbessern lässt, Krankenhausaufenthalte reduziert und die
Sterblichkeit gesenkt werden.

Herzschwäche-Diagnostik: Schmerzfrei und zuverlässig
Besteht beim Hausarzt der geringste Herzschwäche-Verdacht, muss der
Patient zum Kardiologen zur Beurteilung der Herzfunktion. Unterschieden
wird zwischen der systolischen Herzschwäche, der Pumpschwäche in der
Kontraktionsphase (Systole) des Herzens, in der das Herz das Blut in den
Kreislauf pumpt, und der diastolischen Herzschwäche. Hier fehlt dem
verdickten Herzmuskel der Entspannungsphase (Diastole) Elastizität – meist
als Folge chronischer Druckbelastung durch Bluthochdruck –, um genügend
Blut aufzunehmen. Unter anderem folgende Untersuchungsverfahren stehen zur
Verfügung:
- Ultraschall (Echokardiographie) für die Darstellung der Größe von
Herzhöhlen, Bewegung der Herzwände, Herzmuskeldicke
- Ruhe-EKG zur Abklärung von Herzmuskelverdickung/-versteifung,
Herzinfarkt
- Belastungs-EKG (Belastungseinschränkung, KHK)
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs
- Katheteruntersuchung
- Bluttest mit dem Biomarker NT-proBNP, ein Hormon, Überbelastung des
Herzens anzeigt

Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe

Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020 und
www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Die Herzwochen stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“ und richten sich
an Patienten, Angehörige, Ärzte und alle, die sich für das Thema
Herzschwäche interessieren. An der Aufklärungskampagne beteiligen sich
Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe. Infos
zu Online-Vorträgen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020 abrufbar oder per Tel. 069 955128-333
zu erfragen.

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Unterschätzte Retinopathie: Zu wenig leitliniengerechte Augenarzt- Kontrollen bei Diabetes

Wie Diabetespatienten Augenschäden vorbeugen können

Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu
Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits
behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige Augenarzttermine
gehören zu einer leitliniengerechten Diabetestherapie dazu, werden jedoch
zu selten umgesetzt, kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).
Wie das Augen-Screening im Idealfall aussehen sollte und welche
Behandlungsmöglichkeiten es gibt, darüber berichten Expertinnen und
Experten auf der DDG Herbsttagung, die vom 6. bis 8. November 2020 online
stattfindet.

Auf einer Online-Pressekonferenz zum Kongress am 4. November wird unter
anderem die neue Nationale Versorgungs-Leitlinie zu Diabetes Typ 2
vorgestellt sowie über aktuelle Erkenntnisse zu Diabetes und Covid-19
gesprochen. Anmeldung unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

In Deutschland hat rund jeder Vierte mit Diabetes Typ 1 eine Retinopathie
– beim Diabetes Typ 2 ist etwa jeder Sechste betroffen: „In Studien hat
sich jedoch gezeigt, dass bereits rund 30 Prozent aller
neudiagnostizierten Typ-2-Patienten Veränderungen an der Retina
aufweisen“, sagt Privatdozent Dr. med. Klaus Dieter Lemmen, Sprecher der
Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Auge“ der DDG. Umso wichtiger sei es,
die vorgesehene augenärztliche Untersuchung bei der Neudiagnose eines
Typ-2-Diabetes einzuhalten. „Leider findet diese Untersuchung nur bei
einem Drittel aller Patienten statt“, kritisiert Professor Dr. med. Hans-
Peter Hammes, Mitglied des DDG Ausschusses „Diabetologe DDG“ und Leiter
der Sektion Endokrinologie der Universitätsmedizin Mannheim. Auch nach
zwei Jahren Diabetesdauer sei noch immer erst die Hälfte der Patienten
einem Augenarzt vorgestellt worden. „Ein wichtiges Zeitfenster für die
Behandlung hat sich dann häufig bereits geschlossen“, so der Diabetologe.

Anders als der Typ-1- verursacht der Typ-2-Diabetes meist keine
auffälligen Symptome und bleibt nicht selten unentdeckt. Gleichwohl können
hohe Blutzuckerwerte bereits kleinste Blutgefäße in verschiedenen Organen
– auch in der Retina – schädigen. Die Gefäße werden für kleine Blutmengen
und Plasmabestandteile „undicht“, es kommt zu Blutungen und Schwellungen
vor allem der zentralen Netzhaut (Makula), was zu Sehschäden führen kann.
In einem späteren Stadium, der sogenannten proliferativen Retinopathie,
kommt es dann zur Neubildung von Blutgefäßen mit Einblutungen in den
Glaskörper des Auges und deutlichen Sehbeeinträchtigungen („Rußregen“).
„Besonders gefürchtet ist eine durch Narbenbildung verursachte
Netzhautablösung, die zur Erblindung führen kann“, so Lemmen, ehemaliger
Chefarzt der Augenheilklinik des St-Martinus-Krankenhaus Düsseldorf.

Die Krankheitsprozesse, die bei einer diabetischen Retinopathie in der
Netzhaut ablaufen, kann ein erhöhter Blutdruck beschleunigen. „Menschen,
die neben einem Diabetes auch einen Bluthochdruck aufweisen, sollten daher
besonders sorgfältig therapeutisch eingestellt und konsequent
leitliniengerecht zum Augenarzt gehen“, empfiehlt Hammes. Weitere
Risikofaktoren für die Entstehung einer Retinopathie sind neben einem
schlecht eingestellten Blutzucker die Diabetesdauer, ein eventuell
fortgesetzter Tabakkonsum sowie hormonelle Umstellungen in der Pubertät
oder während einer Schwangerschaft.

Als besonders starker Risikofaktor für eine rasche Progression einer
Retinopathie hat sich eine gleichzeitig bestehende diabetische
Nephropathie erwiesen. „Nieren und Augen werden im Verlauf des Diabetes
geschädigt, die jeweiligen Mechanismen sind bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes
möglicherweise unterschiedlich“ erklärt Hammes. Die Augenschädigung gehe
der Nierenschädigung jedoch oft voraus. „Wenn bereits Nierenschäden
nachgewiesen werden, muss leider oft mit einer zunehmenden
Verschlechterung einer bestehenden Retinopathie, auch in visusbedrohende
Stadien gerechnet werden. Bei diesen Patienten ist leitliniengerechtes
Screening von besonderer Bedeutung, da hier sowohl diabetologisch als auch
ophthalmologisch häufig Handlungsbedarf besteht“.

In der Regel sehen die Leitlinien ein Vorsorge-Screening-Intervall von
einem bis zwei Jahren vor. Diese Termine werden jedoch von bis zu 30
Prozent der Diabetespatienten nicht eingehalten. „Damit wird eine Chance
vergeben, Netzhautschäden frühzeitig zu erkennen und zielgerichtet zu
behandeln bevor sie nicht mehr rückgängig zu machen sind. Einmal
eingetretene Schäden sind kaum reversibel“ mahnt Augenarzt Lemmen
eindringlich. Durch eine rechtzeitige Therapie mittels Laserbehandlung,
Medikamenteninjektionen und mikrochirurgische Eingriffe könne der
Sehverlust bei fortgeschrittener Retinopathie heute in vielen Fällen
gebremst oder gar gestoppt werden.

Tipps, um diabetischen Augenschäden vorzubeugen:

- Frühzeitige, regelmäßige Augenkontrolle: Direkt nach Manifestation des
Typ-2-Diabetes oder bei Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alter von elf
Jahren oder nach fünf Jahren Krankheitsdauer
- den Blutzuckerspiegel möglichst gut kontrollieren – ein möglichst
normnahes HbA1c anstreben
- einen Bluthochdruck konsequent behandeln
- Vorsorge- und Kontrolltermine beim Augenarzt einhalten
- auffallende Sehstörungen umgehend dem behandelnden Arzt melden. Dazu
gehören: eine nicht durch Brillengläser korrigierbare Sehverschlechterung,
Veränderungen der Farbwahrnehmung, Leseschwierigkeiten, verzerrtes Sehen
oder „Rußregen“

Terminhinweis:

Online-Pressekonferenz
14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Termin: Mittwoch, 4. November 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Online unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

Vorläufige Themen & Referierende

Diabetes Herbsttagung digital: warum und für wen sich das neue Format
besonders lohnt
Professor Dr. med. Ralf Lobmann
Tagungspräsident Diabetes Herbsttagung 2020; Ärztlicher Direktor der
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum
Stuttgart – Krankenhaus Bad Cannstatt

Diabetes und COVID-19
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
Pressesprecher der DDG, Kommissarischer Direktor, Medizinische Klinik IV,
Universitätsklinikum Tübingen

Neue Nationale VersorgungsLeitlinie zu Typ-2-Diabetes
Professor Dr. med. Jens Aberle
Ärztlicher Leiter im Ambulanzzentrum und Fachbereich Endokrinologie,
Diabetologie, Adipositas und Lipide, III. Medizinischen Klinik und
Poliklinik am UKE – Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Diabetes-Schulungen im digitalen Zeitalter
Dr. rer. medic. Nicola Haller
Vorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in
Deutschland e.V. (VDBD)

Werbeverbot, Lebensmittelkennzeichnung & Co.: welche Maßnahmen es zur
Prävention von Adipositas und Typ-2-Diabetes noch braucht
Professor Dr. med. Diana Rubin
Chefärztin und Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin am Vivantes
Klinikum Spandau und Humboldt-Klinikum Berlin

Anmeldung unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

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Corona: Chinesische Provinzpartnerschaften verbessern Versorgung mit Schutzmasken

Chinesische Exporte von kritischen Medizingütern wie Schutzmasken gingen
während der Hochphase der Corona-Pandemie vor allem an wirtschaftliche und
politische Partner. Chinesische Unternehmen konnten dabei gegenüber
Industrieländern wie Deutschland teils drastische Preiserhöhungen
durchsetzen. „Um ihre Versorgung mit kritischen Medizingütern zu sichern,
sind Länder gut beraten, ihre Bezugsquellen zu diversifizieren bzw. enge
Beziehungen zu Chinas Provinzen zu entwickeln, etwa über Investitionen vor
Ort oder Städte- und Provinzpartnerschaften“, sagte A. Fuchs, Leiter der
Kiel Institute China Initiative (https://www.ifw-kiel.de/de/institut
/research-center/kiel-institute-china-initiative/
).

Beziehungspflege zu China zahlt sich aus. Etwa eine Städte- und
Provinzpartnerschaft, enge Geschäftsbeziehungen oder die Unterstützung des
Landes beim Kampf gegen die Corona-Pandemie dort zu Jahresanfang. Länder
mit einer oder mehrerer dieser Verbindungen hatten bei der Belieferung mit
Schutzmasken und anderen knappen kritischen Medizingütern während des
weltweiten Corona-Ausbruchs im Frühjahr deutliche Vorteile. Dies gilt
sowohl für kommerzielle Exporte, als auch für chinesische
Hilfslieferungen. Eine Städte- oder Provinzpartnerschaft mit China zahlte
sich in einer Verdopplung von Hilfslieferungen aus.

Dies geht aus einem aktuellen Kiel Policy Brief hervor (Fuchs, Kaplan,
Kis-Katos, Schmidt, Tubanisch und Wang: „Chinas Maskendiplomatie: Die
Rolle politischer und wirtschaftlicher Beziehungen bei der Beschaffung
medizinischer Güter in der Corona-Krise“: https://www.ifw-
kiel.de/de/publikationen/kiel-policy-briefs/2020/chinas-maskendiplomatie-
die-rolle-politischer-und-wirtschaftlicher-beziehungen-bei-der-

beschaffung-medizinischer-gueter-in-der-corona-krise-0/), in dem die
Autoren Mengen und Preise kritischer medizinischer Güter in den Monaten
März und April in diesem und im vergangenen Jahr verglichen haben.

„Die Daten zeigen die außerordentlich wichtige Rolle persönlicher
Beziehungen in der chinesischen Kultur, das sogenannte Guanxi, sei es auf
wirtschaftlicher oder auf politischer Ebene“, sagte Fuchs.

Unter den 15 größten Importeuren kritischer Medizingüter finden sich laut
Studie neben stark betroffenen und bevölkerungsreichen Staaten wie den
USA, Italien oder Spanien auch zahlreiche Länder, die nur verhältnismäßig
geringe Infektionszahlen und Todesraten aufwiesen, wie etwa Japan, Korea,
Singapur, Malaysia, aber auch Deutschland. Gleichzeitig nutzten
chinesische Unternehmen die hohe Nachfrage und Zahlungsbereitschaft der
Industrieländer, um teilweise drastische Preiserhöhungen durchzusetzen.

Bei Atemschutzmasken mussten europäische Länder die höchsten
Preissteigerungen akzeptieren. Die importierten Mengen stiegen dagegen in
Russland und in benachbarten asiatischen Staaten im Verhältnis am
stärksten. Die Preise für Schutzmasken aus China für Deutschland,
Frankreich und Spanien stiegen um rund das Zwölffache, für Italien um das
knapp 16-fache. Die importieren Mengen legten um mehr als das Doppelte zu,
in Italien verdreifachten sie sich.

Dagegen stieg die Menge importierter Masken in Russland um das Sechsfache,
in Singapur um das Fünffache, in Malaysia um das Dreieinhalbfache und in
Japan um rund das Zweieinhalbfache. Alle vier Länder waren im März und
April kaum von der Corona-Pandemie betroffen und mussten im Vergleich zu
Deutschland oder Italien weniger drastische Preiserhöhungen akzeptieren,
rund das Fünffache, Russland das Achtfache.

China ist der mit Abstand wichtigste Lieferant von Medizingütern weltweit.
Laut der Handelsdatenbank der Vereinten Nationen stammten im Jahr 2018 44
Prozent der weltweiten Exporte von Gesichtsmasken aus China, während die
nächstgrößeren Exporteure, Deutschland (7%) und die Vereinigten Staaten
(6%), eine vergleichsweise geringe Rolle spielten.

Kiel Policy Brief: „Chinas Maskendiplomatie: Die Rolle politischer und
wirtschaftlicher Beziehungen bei der Beschaffung medizinischer Güter in
der Corona-Krise“ (https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/kiel-policy-
briefs/2020/chinas-maskendiplomatie-die-rolle-politischer-und-

wirtschaftlicher-beziehungen-bei-der-beschaffung-medizinischer-gueter-in-
der-corona-krise-0/)

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Vom Kleinkind bis zum Senior: Knochenmasse lässt sich in jedem Alter aufbauen

Weltosteoporosetag am 20. Oktober 2020: Tipps für gesunde Knochen
Der Aufbau von Knochenmasse ist in jedem Alter möglich und auch nötig.
Denn feste Knochen sind das Fundament für ein stabiles Muskel-Skelett-
System. Schwachen Knochen hingegen fehlt es an Festigkeit. Sie sind dann
von Osteoporose betroffen und brechen leichter. Eine gezielte Osteoporose-
Prävention beginnt bereits im Kindesalter und setzt sich im Erwachsenen-
und Rentenalter fort. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für
Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) anlässlich des Weltosteoporosetages
am 20. Oktober 2020 hin.

„Der Körper erneuert die Knochen lebenslang, um den Knochenapparat stabil
zu halten. Die Basis für feste Knochen wird jedoch schon in jungen Jahren
gelegt“, sagt DGOU-Präsident Prof. Dr. Dieter C. Wirtz, Direktor der
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am
Universitätsklinikum Bonn. Die DGOU hat die wichtigsten
„Knochenstarkmacher“ für unterschiedliche Lebensabschnitte
zusammengetragen. Grundsätzlich gilt: viel Bewegung, kalziumreiche
Ernährung und viel frische Luft zur Anregung der körpereigenen
Vitamin-D-Bildung sowie die Vermeidung von „Knochenräubern“ wie Nikotin
und Alkohol. Der erste Knochenbruch sollte immer als Alarmzeichen für
Osteoporose beachtet werden.

Osteoporose ist weit verbreitet: 6,3 Millionen Menschen in Deutschland
leiden an dieser Krankheit (1). Dabei nimmt die Knochenmasse ab, die
Knochen werden schwach und zerbrechlich und das Risiko für Knochenbrüche
steigt. Nach Angaben der International Osteoporosis Foundation (IOF)
erleidet weltweit jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ab 50 Jahren eine
osteoporotische Fraktur. „Prävention steht an vorderster Stelle, um das
Volksleiden in den Griff zu bekommen“, sagt Prof. Dr. Uwe Maus, Leiter der
DGOU-Sektion Osteologie und Leitender Arzt Endoprothetik und Osteologie an
der Universitätsklinik Düsseldorf. „Was vielen nicht bewusst ist: Wer in
jungen Jahren für seine Knochenfitness sorgt, profitiert auch noch im
hohen Alter davon“, sagt Maus. So werde die maximale Knochenmasse in der
Regel zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr erreicht.

Bei Osteoporose können schon kleinste Belastungen oder Verletzungen zu
einem Knochenbruch führen. „Im Falle eines Sturzes passiert das bei
älteren Menschen leider sehr oft hüftnah, also am Oberschenkelhalsknochen.
Das kann dann mitunter auch lebensgefährlich sein“, erklärt Prof. Dr.
Ulrich Liener, Leiter der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen
Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Die Hüftfraktur ist die mit
Abstand am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Schon jetzt
werden in Deutschland derzeit mehr als 400.000 alterstraumatologische
Frakturen pro Jahr stationär behandelt (2). „Für viele alte Menschen
bedeutet ein Oberschenkelhalsbruch das Aus ihres selbstständigen Lebens“,
sagt Liener.

Um Brüche zu verhindern, kann jeder mit seinem Lebensstil dazu beitragen,
dass die Knochen gesund und fest bleiben. Hier die wichtigsten
Knochenstarkmacher im Überblick:

Knochenstarkmacher für Kinder und Jugendliche:
•       Kalziumreiche Ernährung: Kalzium ist für die Festigkeit und die
Stabilität der Knochen verantwortlich. Kalziummangel in jungen Jahren kann
die nachhaltige Entwicklung der Knochenfestigkeit im Alter negativ
beeinflussen. Milch ist ein verlässlicher Kalzium-Lieferant zur
Entwicklung fester Knochen. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass
ihre Kinder ausreichend Milchprodukte zu sich nehmen. Auch kalziumreiches
Mineralwasser, Gemüse, wie Brokkoli, Fenchel und Grünkohl, sowie Nüsse
oder Kräuter, wie Schnittlauch und Petersilie, helfen, den Kalziumhaushalt
zu optimieren.
•       Vitamin-D-Gabe bzw. körpereigene Bildung: Vitamin D hilft dem
Körper, das Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und im Knochen
einzulagern. Bis zum 2. Lebensjahr können Kinder Vitamin D nicht selbst
bilden. Daher sollten Kinder vom 12. bis zum 18. Monat zusätzliche
Vitamin-D-Gaben erhalten. Kinder ab dem 2. Lebensjahr können körpereigenes
Vitamin D bilden. Dazu braucht es Sonnenlicht. Kinder sollten daher viel
Zeit an der frischen Luft verbringen.
•       Sport: Sportliche Betätigung fördert den Knochenstoffwechsel. Die
Muskeln, die am Knochen „ziehen“, regen den Knochenstoffwechsel an, mehr
Kalzium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern. Zusätzlich
wird die Muskulatur gestärkt, die zur Entlastung der gefährdeten Knochen
dient. Krafttraining, Gymnastik und Schwimmen bauen vor allem in jungen
Jahren viel Knochenmasse auf.
•       Expertenrat: „Kinder sollten sich viel bewegen, weil dadurch
Knochenmasse aufgebaut wird, und das möglichst an der frischen Luft. Denn
mindestens eine halbe Stunde Sonnenlicht täglich ist erforderlich für
gesunde Knochen“, sagt Prof. Dr. Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-
Sektion Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO) und Chefarzt der Abteilung
für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am
Universitätsklinikum Münster.

Knochenstarkmacher im Erwachsenenalter:
•       Muskeln stärken: Bewegung regt den Knochenaufbau an. Das gilt
nicht nur für das Kindesalter, sondern ein Leben lang. Krafttraining nach
Maß und Dehnungsübungen sind gut geeignet, um Muskelkraft, Gleichgewicht
und Koordination zu verbessern. Damit kann eine Verbesserung der
Knochenstabilität erreicht werden, was die Gefahr einer Fraktur im Alter
reduziert.
•       Gesunder Lebensstil, Vermeidung von Knochenräubern: Eine
ausgewogene Ernährung ist förderlich, radikale Diäten sollten vermieden
werden. Knochenraubende Lebensmittel wie Cola, Schokolade und geröstete
Erdnüsse sollten nur in Maßen genossen werden. Sie enthalten zu viel
Phosphor, was die Knochen angreift. Auch der Konsum von Nikotin und
Alkohol stellt einen Risikofaktor dar.
•       Körpereigene Bildung von Vitamin D: Gesicht, Hände und Arme
zwischen März und Oktober mindestens zwei- bis drei Mal pro Woche für
mindestens 30 Minuten in die Sonne strecken. Das regt die körpereigene
Vitamin-D-Synthese an. Im Winter wäre es ideal, wenn eine aktive
Mittagspause im Freien stattfindet, um genügend Sonne abzubekommen.
Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel sollte nur nach Rücksprache mit dem
Arzt genommen werden.
•       Risikofaktoren ermitteln: Personen, die bereits einen Bruch
erlitten haben oder auf die andere Risikofaktoren zutreffen, müssten die
Knochengesundheit bzw. das Frakturrisiko durch einen Arzt ermitteln lassen
und ggf. geeignete Präventionsmaßnahmen frühzeitig einleiten.
•       Expertenrat: „Knochenbrüche können ein erstes Zeichen einer
Osteoporose sein. Hier sollte unbedingt nicht nur der Knochenbruch
behandelt, sondern auch nach Osteoporose geschaut werden. Wird eine
spezielle Osteoporose-Therapie frühzeitig umgesetzt, kann das Risiko von
Osteoporose-assoziierten Folgefrakturen minimiert werden“, sagt Prof. Dr.
Wolfgang Böcker, Direktor der Klinik für Allgemeine, Unfall- und
Wiederherstellungschirurgie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Er leitet das Projekt „Koordiniertes Osteoporose-Management von
unfallchirurgischen Patienten mittels Fracture Liaison Service (FLS)“.

Knochenstarkmacher für „Best-Ager“ und Senioren:
•       Sturzprophylaxe: Brüche bei älteren Menschen entstehen neben der
abnehmenden Knochenqualität auch aufgrund wiederholter Stürze – meist
durch Stolperstürze. Bereits ab dem 50. Lebensjahr nehmen Balance,
Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit ab, sodass mit zunehmendem Alter
das Risiko steigt, zu stürzen und sich einen Knochen zu brechen. Senioren
können dem mit gezieltem Training von Kraft und Balance entgegenwirken.
„Mit regelmäßiger Bewegung kann das Sturzrisiko relevant gesenkt und zudem
die Knochenqualität verbessert werden. Das muss kein Hochleistungssport
sein, sondern auch eine milde Form der Bewegung wie Tanzen, Spazieren in
der Natur oder Krafttraining sind geeignet“, sagt Prof. Dr. Benjamin
Bücking, stellvertretender DGU-Sektionsleiter Alterstraumatologie und
Chefarzt der Klinik für Orthopädie an den DRK-Kliniken Nordhessen.
•       Vitamin-D-Gabe: Mit zunehmendem Alter nimmt die Möglichkeit für
die körpereigene Produktion des sogenannten Sonnenvitamins ab. Kann der
Vitamin-D-Bedarf über ein Sonnenbad oder über die Nahrung nicht abgedeckt
werden, sollten in Rücksprache mit dem Arzt Supplemente eingenommen
werden.
•       Osteoporose-Therapie: Osteoporose-Medikamente hemmen den
Knochenabbau. Ältere Menschen sollten spätestens nach dem ersten Bruch
eine medikamentöse Osteoporose-Therapie erhalten. „Die hohe Anzahl von
Altersbrüchen muss durch eine konsequentere medikamentöse Osteoporose-
Therapie gesenkt werden. Denn der überwiegende Teil der Patienten mit
einem Hüftbruch hat bereits in den Jahren zuvor eine Fraktur erlitten, die
durch Osteoporose bedingt ist. Die Osteoporose-Therapie findet in
Deutschland aber nicht ausreichend statt“, kritisiert Alterstraumatologe
Prof. Liener. Daher müssten Strukturen geschaffen werden, die die
flächendeckende Sekundärprävention unmittelbar nach dem ersten Bruch
sicherstellen.
Hintergrund:
Der Weltosteoporosetag findet jährlich am 20. Oktober statt. Die
internationale Kampagne widmet sich der weltweiten Sensibilisierung für
die Prävention, Diagnose und Behandlung von Osteoporose. Der Aktionstag
zielt darauf ab, Osteoporose und Frakturprävention zu einer globalen
Gesundheitspriorität zu machen, indem Fachkräfte des Gesundheitswesens,
die Medien, politische Entscheidungsträger, Patienten und die breite
Öffentlichkeit erreicht werden.

Referenzen:
(1)    S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose
des Dachverbands Osteologie (DVO)
(2)    Weißbuch Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für
Unfallchirurgie

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