Atemnot und Abgeschlagenheit: Herzschwäche kann dahinterstecken
Bundesweite Herzwochen informieren über Volkskrankheit Herzschwäche
Fünf bis sechs Liter Blut pro Minute pumpt das Herz durch unseren Körper
und versorgt so unsere Organe mit lebenswichtigem Sauerstoff und
Nährstoffen. Schädigt aber ein Herzinfarkt oder ein unbehandelter
Bluthochdruck den Herzmuskel, so dass der an Pumpkraft verliert und es
kommt zur chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz), hat das
schwerwiegende Folgen. Nicht nur das Herz selbst, auch andere Organe wie
Gehirn, Nieren oder Muskeln nehmen Schaden. Im fortgeschrittenen Stadium
kann die Herzschwäche lebensbedrohlich bis hin zu Herzversagen oder
plötzlichem Herztod werden. Bundesweit sind pro Jahr rund 465.000
Klinikaufnahmen wegen einer entgleisten Herzschwäche zu verzeichnen, rund
40.000 sterben daran. „Tückisch an der Herzschwäche ist, dass sie meistens
mit Atemnot und einer Leistungsabnahme beginnt. Die Beschwerden können
unspektakulär sein: Man schafft die Bergwanderung nicht mehr oder beim
Treppensteigen geht die Puste aus. Man ist müde, abgeschlagen und die
Unterschenkel und Fußgelenke sind wie geschwollen, weil sich Flüssigkeit
eingelagert hat“, berichtet Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. „Für Patienten und Ärzte lassen sich diese teils diffusen
Leitsymptome nicht immer gleich dem Herzen zuordnen. Das birgt die Gefahr,
dass ältere Personen ihre Beschwerden dem Alter zuschreiben und hinnehmen,
anstatt zum Arzt zu gehen. Wer aber unter Atemnot leidet, muss sofort zum
Arzt, um die Herzschwäche und ihre Ursachen zu behandeln“, warnt der
Kardiologe am Cardiolangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am
Main.
Um die Öffentlichkeit mit bis zu vier Millionen Betroffenen durch
Herzschwäche in Deutschland für die Warnzeichen der Volkskrankheit zu
sensibilisieren, informiert die Herzstiftung in den bundesweiten
Herzwochen „Das schwache Herz“ vom 1. bis zum 30. November unter
www.herzstiftung.de/herzwochen
Ursachen, Symptome und Therapie der Herzinsuffizienz.
Endstadium anderer Herzkrankheiten: Angriffspunkte für Therapie
Die Herzschwäche ist keine eigenständige Erkrankung, vielmehr münden in
sie andere Herzkrankheiten. „Das macht die Herzschwäche zu einem komplexen
Krankheitsgeschehen für Arzt und Patient, zumal in die Herzschwäche
mehrere Herz- und Kreislauferkrankungen auf einmal münden können“,
erläutert Voigtländer. Deren Behandlung mit Medikamenten,
interventionellen und chirurgischen Verfahren sowie Lebensstilmaßnahmen
müsse dann gut aufeinander abgestimmt werden. „Ist eine undichte
Herzklappe oder eine verengte Herzkranzarterie als Ursache erstmal
aufgedeckt, gibt es einen konkreten Angriffspunkt für die Behandlung.“ Bei
weitem am wichtigsten unter den Ursachen einer Herzinsuffizienz sind die
koronare Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck, die rund 70 Prozent der
Herzschwäche-Fälle zugrunde liegen. Die KHK ist eine Durchblutungsstörung
wegen verengter Herzkranzgefäße („Arterienverkalkung“) und die
Grunderkrankung des Herzinfarkts. Besonders gefährlich wird es, wenn KHK
und Bluthochdruck mit Diabetes gemeinsam auftreten. Dann steigt die
Wahrscheinlichkeit einer Herzschwäche. „Bei Diabetikern kommt die Gefahr
des stummen Herzinfarkts hinzu. Diabetes kann das Schmerzempfinden für die
infarkttypischen Beschwerden derart vermindern, dass der Infarkt zu spät
bemerkt und notfallmedizinisch versorgt wird. Herzmuskel stirbt ab“, so
der Herzspezialist. Für etwa 20 bis 30 Prozent der Herzschwäche-Fälle sind
defekte Herzklappen, Vorhofflimmern, angeborene Herzfehler, entzündliche
Herzmuskelerkrankungen (Myokarditis) oder Alkohol- und Drogenmissbrauch
verantwortlich.
Gefährliche Entgleisung der Herzschwäche: Wie schützt man sich davor?
Eine Entgleisung der Herzschwäche (Herzdekompensation) ist einer der
häufigsten Anlässe für eine Krankenhauseinweisung. „Für die Therapie der
Herzschwäche ist eine aktive Rolle des Patienten enorm wichtig, um es gar
nicht erst zur Verschlechterung der Herzkrankheit kommen zu lassen“,
betont der Intensivmediziner. Zur Entgleisung kommt es, wenn etwa
Medikamente weggelassen, falsch dosiert oder kombiniert werden. Oder wenn
nicht auf einen gesunden Lebensstil durch Gewichtsnormalisierung,
maßvolles Ausdauertraining 3-mal pro Woche jeweils 30 Minuten (bei
stabiler Herzschwäche), gesunde Ernährung (Mittelmeerküche) und Verzicht
auf Rauchen und Alkohol geachtet wird. „Besondere Aufmerksamkeit verdient
das Körpergewicht, weil ein Anstieg um mehr als zwei Kilo in drei Tagen
eine Tendenz zur Flüssigkeitseinlagerung, Ödeme genannt, anzeigt.
Betroffene sollten sich daher täglich wiegen.“ Wegen der Einnahme von
Entwässerungsmitteln (Diuretika) sollten Herzschwächepatienten übermäßigen
Salzverbrauch im Essen und zu große Flüssigkeitsmengen (über 2 Liter am
Tag) vermeiden. Auch eine Überlastung des ohnehin geschwächten Herzens
durch eine bakterielle oder Virus-Infektion gilt es zu vermeiden. Da eine
Covid-19-Erkrankung bei Herzpatienten zu schweren Krankheitsverläufen
führen kann, kommt in Zeiten der Corona-Pandemie der Grippeschutzimpfung
eine noch größere Bedeutung zu als zuvor. Die Deutsche Herzstiftung rät
deshalb Herzpatienten, sich unbedingt gegen Grippe (Influenza) und
Pneumokokken impfen zu lassen. Weitere Symptome bzw. Faktoren für eine
Verschlechterung der Herzschwäche, auf die Patienten achten sollten, sind:
- Lungenentzündungen – gehäuft bei Herzschwäche (überlasten geschwächtes
Herz)
- Beschleunigter Puls, Herzklopfen bei Belastung
- Plötzliche Luftnotanfälle mit Todesangst (durch Blutstauung im
Lungenkreislauf als Folge einer Bluthochdruckkrise)
- Schaumiger Husten, Rasselgeräusche beim Atmen
Beste Strategie gegen Herzschwäche: Behandlung der Ursachen und Folgen
Ziel der Therapie der Herzschwäche ist es, ihr Fortschreiten zu stoppen
oder zu verlangsamen, die Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen zu
verhindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. „Die
beste Strategie, mit der wir eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz
und daraus folgende Begleiterkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen und
Atemwegserkrankungen vermeiden können, ist die Behandlung der
Grundkrankheit und deren schädliche Wirkung auf den Herzmuskel“, betont
Voigtländer. Insbesondere Durchblutungsstörungen durch KHK und
Herzinfarkt, eine Schwächung des Herzmuskels durch Rhythmusstörungen und
Herzklappendefekte gehen der Herzschwäche voraus. Deren Behebung
ermöglichen kathetergestützte oder chirurgische Verfahren zur Beseitigung
von Gefäßverschlüssen (Stent, Bypass-Operation), Klappendefekten (TAVI,
MitraClip, chirurgischer Klappenersatz) oder Rhythmusstörungen
(Vorhofflimmer-Ablation), um eine weitere Schwächung der Herzfunktion zu
unterbinden. Ein weiterer unverzichtbarer Therapiebaustein sind
Herzschrittmacher. Eine Resynchronisationstherapie (CRT) mit speziellen
Schrittmachern verbessert die Herzleistung bei Patienten mit einer Störung
der Erregungsleitung im Herzen. Implantierbare Defibrillatoren (ICD)
schützen Herzschwächepatienten, die durch eine bösartige
Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) gefährdet sind, vor dem plötzlichen
Herztod. „Schrittmacher und Defibrillatoren kommen nicht bei allen
Herzschwäche-Formen gleichermaßen zum Einsatz. Ihr Nutzen muss für das
individuelle Krankheitsprofil gesichert sein“, so der Kardiologe.
Um ein Voranschreiten der Pumpschwäche des Herzens zu verlangsamen oder
aufzuhalten, kommen je nach Ursachen und Beschwerden verschiedene
Medikamentengruppen zum Einsatz. Betablocker schirmen das Herz gegen
Stresshormone ab. ACE-Hemmer und Sartane (auch
Mineralkortikoidrezeptorantago
Umbauprozesse im Herzmuskelgewebe und steigern die Leistungsfähigkeit des
Herzens, ARNI (Sacubitril/Valsartan) steigern körpereigene
Schutzmechanismen vor einer Überstimulation im Herzen. Diuretika zur
Behandlung der Flüssigkeitseinlagerungen im Körper entlasten das Herz,
fördern aber auch die Ausscheidung von Mineralstoffen, was gefährliche
Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Daher sollte besonders der
Kaliumspiegel bei Einnahme von Entwässerungsmitteln regelmäßig
kontrolliert werden. „Die konsequente, ärztlich abgestimmte Einnahme der
Medikamente ist für den Behandlungserfolg ebenso wichtig wie die Therapie
der Ursachen der Herzschwäche wie Bluthochdruck, Diabetes, hohes
Cholesterin sowie Lebensstilmaßnahmen wie der Abbau von Übergewicht, der
Verzicht aufs Rauchen und regelmäßige Bewegung.“
Schonung war früher: Bewegung als Therapie
Wo früher in der Herzmedizin Schonung bei Herzschwäche angeraten wurde,
sind heute körperliche Aktivitäten mit viel Bewegung bei vergleichsweise
geringem Kraftaufwand wie Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking,
Radfahren fester Bestandteil der Herzschwäche-Therapie. Allerdings muss
mit dem Hausarzt oder Kardiologen die Belastbarkeit getestet werden.
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch regelmäßiges
Ausdauertraining je nach Intensität und Dauer die Leistungsfähigkeit um 10
bis 25 Prozent verbessern lässt, Krankenhausaufenthalte reduziert und die
Sterblichkeit gesenkt werden.
Herzschwäche-Diagnostik: Schmerzfrei und zuverlässig
Besteht beim Hausarzt der geringste Herzschwäche-Verdacht, muss der
Patient zum Kardiologen zur Beurteilung der Herzfunktion. Unterschieden
wird zwischen der systolischen Herzschwäche, der Pumpschwäche in der
Kontraktionsphase (Systole) des Herzens, in der das Herz das Blut in den
Kreislauf pumpt, und der diastolischen Herzschwäche. Hier fehlt dem
verdickten Herzmuskel der Entspannungsphase (Diastole) Elastizität – meist
als Folge chronischer Druckbelastung durch Bluthochdruck –, um genügend
Blut aufzunehmen. Unter anderem folgende Untersuchungsverfahren stehen zur
Verfügung:
- Ultraschall (Echokardiographie) für die Darstellung der Größe von
Herzhöhlen, Bewegung der Herzwände, Herzmuskeldicke
- Ruhe-EKG zur Abklärung von Herzmuskelverdickung/-versteif
Herzinfarkt
- Belastungs-EKG (Belastungseinschränkung, KHK)
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs
- Katheteruntersuchung
- Bluttest mit dem Biomarker NT-proBNP, ein Hormon, Überbelastung des
Herzens anzeigt
Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen
Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail:
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen
www.herzstiftung.de/herzschwae
Die Herzwochen stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“ und richten sich
an Patienten, Angehörige, Ärzte und alle, die sich für das Thema
Herzschwäche interessieren. An der Aufklärungskampagne beteiligen sich
Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe. Infos
zu Online-Vorträgen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen
zu erfragen.
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