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Herzschwäche bei Diabetes oft zu spät diagnostiziert - Regelmäßiges Screenen notwendig

Wenn ein Diabetes mellitus längere Zeit unentdeckt bleibt oder wenn es
nicht gelingt, den Blutzuckerspiegel konstant niedrig zu halten, drohen
ernsthafte Folgeerkrankungen. Zu den schwerwiegendsten Diabetesfolgen
zählt die Herzinsuffizienz, an der Diabetespatientinnen und -patienten
doppelt so häufig erkranken wie Stoffwechselgesunde. Wie die Herzschwäche
entsteht, wie sie frühzeitig erkannt werden kann und welche
therapeutischen Konsequenzen sich aus dem gleichzeitigen Vorliegen von
Diabetes und Herzinsuffizienz ergeben, diskutieren Expertinnen und
Experten auf der 14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG). Die Tagung findet vom 6. bis 8. November 2020 online statt.

Am 4. November findet zudem eine Online-Pressekonferenz zum Kongress
statt, auf der unter anderem die neue Nationale Versorgungs-Leitlinie zu
Diabetes Typ 2 vorgestellt sowie über aktuelle Erkenntnisse zu Diabetes
und Covid-19 gesprochen wird. Anmeldung unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

Das Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus
zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. „Die
Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist die häufigste
kardiovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes“, sagt Professor Dr. med.
Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und
Internistische Intensivmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen. Hinzu kommt,
dass die Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes oft zu spät erkannt
wird, deutlich komplizierter verläuft und somit besonders schlechte
Überlebensprognosen nach sich zieht: Pro Jahr muss nahezu jeder Sechste
aufgrund seiner Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Von
dieser kardiovaskulären Erkrankung sind deutlich mehr Diabetespatienten
betroffen als bislang angenommen“, betont Marx.

Über welche Mechanismen der Diabetes das Herz schädigt und das Risiko für
eine Herzschwäche erhöht, ist noch nicht vollständig geklärt. „Vermutlich
spielen hier Stoffwechselveränderungen im Herzmuskel eine Rolle, vor allem
im Kalzium- und Energiestoffwechsel“, sagt Marx, Sprecher des DDG
Ausschusses „Herz, Diabetes & Hormone der DDG, DGE & DGK“. Neuen
Erkenntnissen zufolge trägt dazu nicht nur der erhöhte Blutzucker selbst
bei, der die Gefäße und Organstruktur schädigen kann, sondern auch
Immunbotenstoffe sowie Botenstoffe aus dem Fettgewebe und der Leber, die
bei Menschen mit Diabetes häufig durch Fetteinlagerungen geschädigt ist.
„Um diese Veränderungen früh zu erkennen ist eine stringente,
interdisziplinäre leitlinienorientierte, evidenzbasierte Therapie des
Diabetes vonnöten“, bilanziert Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Direktor
der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum
Stuttgart und diesjähriger Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung.

„Gleichzeitig haben zwischen 25 und 40 Prozent der Patienten mit einer
Herzinsuffizienz auch einen – oft unerkannten – Diabetes“, so Lobmann.
Liegt eine Herzinsuffizienz vor, sollte auch immer auch auf einen Diabetes
untersucht werden. „Diabetes und Herzinsuffizienz dürfen daher nicht
unabhängig voneinander betrachtet werden, sondern als gefährliches Duo“,
ergänzt Marx. Dieser Umstand müsse vermehrt in die jeweilige Therapie
einfließen. Mittlerweile gebe es konkrete Empfehlungen für die
Diabetestherapie bei Patienten mit bereits bestehender oder beginnender
Herzschwäche. „Hier hat sich besonders die Behandlung mit so genannten
SGLT2-Hemmern bewährt“, führt Marx aus. Diese Wirkstoffe, die die
Zuckerausscheidung über die Niere verstärken, konnten in Studien die Zahl
der Krankenhauseinweisungen wegen einer Herzinsuffizienz sowie den
kardialen Tod deutlich verringern.

„Um die derzeit noch schlechten Prognosen für diese Patientengruppe zu
verbessern, brauchen wir ein noch besseres Verständnis der
Pathophysiologie. Dieses kann uns wiederum helfen, die Therapie besser zu
individualisieren und auch die Diabetesmedikation bei Herzinsuffizienz
gezielter einzusetzen.“ Auf der Herbsttagung vom 6. Bis 8. November 2020
berichten Experten über neueste Erkenntnisse im Wechselspiel von Herz und
Diabetes und diskutieren aktuelle Diagnose- und Therapieverfahren sowie
neueste Forschungsansätze.

Quellen:

Schütt K, Marx N: Herzinsuffizienz bei Diabetes mellitus in Deutschland.
In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019. Die Bestandsaufnahme.
Tschöpe D, Ringelstein E.B., Motz W: Diabetes mellitus – Herzerkrankungen
– Schlaganfall. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2020. Die
Bestandsaufnahme.

Terminhinweis:

Online-Pressekonferenz
14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: Mittwoch, 4. November 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Online unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228
Programm: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/pressebereich/14
-diabetes-herbsttagung-der-deutschen-diabetes-gesellschaft

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„Check-up für die Leber“: Neue Therapien für seltene Leber- und Stoffwechselerkrankungen

Autoimmune Lebererkrankungen und seltene Stoffwechselerkrankungen sind
eine diagnostische und therapeutische Herausforderung. Häufig werden diese
Erkrankungen erst spät erkannt, weil sie oftmals keine spezifischen
Symptome verursachen. Und bei manchen seltenen Erkrankungen des
lebenswichtigen Organs Leber gab es bislang kaum Therapiemöglichkeiten.
Die Ausrichter des 21. Deutschen Lebertages am 20. November 2020 – Gastro-
Liga e. V., Deutsche Leberhilfe e. V. und Deutsche Leberstiftung – setzen
mit dem Motto: „Check-up für die Leber“ den Fokus auf das frühzeitige
Erkennen von Lebererkrankungen.

Im Vorfeld des Lebertages machen die Ausrichter auf die zunehmenden
Fortschritte und Erfolge in der Diagnostik und Therapie von autoimmunen
Lebererkrankungen und seltenen Stoffwechselerkrankungen aufmerksam.

In der Europäischen Union (EU) wird eine Erkrankung als Seltene Erkrankung
(SE) eingestuft, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr
betroffen sind. In Deutschland sind Schätzungen zufolge circa vier
Millionen Menschen von einer solchen Krankheit betroffen, von denen circa
80 Prozent genetisch bedingt oder mitbedingt und nur sehr selten heilbar
sind. Seltene Erkrankungen sind als bedeutendes Gesundheitsproblem in den
letzten Jahren zunehmend in die politische und gesellschaftliche
Wahrnehmung gerückt. Erforschung und Entwicklung von
Behandlungsmöglichkeiten für Seltene Erkrankungen werden national und auf
EU-Ebene seit einigen Jahren besonders gefördert. Auch für autoimmune
Lebererkrankungen und seltene Stoffwechselerkrankungen gibt es zunehmend
Fortschritte und Erfolge in der Therapie.

„Autoimmune Lebererkrankungen und seltene Stoffwechselerkrankungen, die
häufig auch zu einer Leberschädigung führen können, sind oftmals so
einzigartig, dass zum Teil ganz neue Behandlungswege gesucht werden
müssen. Bei vielen dieser seltenen Erkrankungen sind mittlerweile die
genetischen, immunologischen oder stoffwechselbedingten Ursachen besser
erforscht worden. Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse und mit
dem Einsatz neuer Technologien werden aktuell neue Wirkstoffe und
Therapien entwickelt“, erläutert Professor Dr. Christoph Sarrazin,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe e. V., und ergänzt: „Ein
vielversprechendes aktuelles Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung
eines neuen Medikamentes ist beispielsweise Givosiran, ein Arzneistoff zur
Behandlung von Patienten mit akuter hepatischer Porphyrie, einer seltenen,
erblichen Stoffwechselerkrankung. Mit der Ribonukleinsäure-Interferenz
kann gezielt die Boten-RNA von Genen ausgeschaltet werden, was zu einer
temporären Stilllegung der Genfunktion führt. Mit Givosiran konnten
während eines sechsmonatigen Behandlungszeitraums Attacken, die
lebensbedrohlich sein können, bei 50 Prozent der Patienten verhindert
werden. Voraussetzung für solche Behandlungsfolge ist selbstverständlich,
dass eine seltene Erkrankung auch erkannt wird und der Patient der
Therapie zugeführt wird. Daher ist es ein zentrales Anliegen des 21.
Deutschen Lebertages mit dem Motto ‘Check-up für die Leber‘ das
Bewusstsein von Ärzten und Patienten auch für autoimmune Lebererkrankungen
und seltene Stoffwechselerkrankungen zu schärfen.“

Auch bei seltenen autoimmunen Lebererkrankungen, die durch eine
Fehlsteuerung des körpereigenen Immunsystems entstehen, und bei denen
körpereigene Strukturen als „körperfremd“ identifiziert und bekämpft
werden, gibt es zum Teil bessere Therapieoptionen. Diese Erkrankungen sind
aktuell nicht heilbar, doch mit den neuen Therapien besser kontrollierbar.
Experten gehen davon aus, dass das transplantationsfreie Überleben
verlängert werden kann.

Zu diesen autoimmunen Lebererkrankungen zählen Erkrankungen wie
beispielsweise die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) und die primär
biliäre Cholangitis (PBC). Hier greift das eigene Immunsystem zunächst die
Gallenwege und dann die ganze Leber an. Sowohl PSC als auch PBC können in
eine Leberzirrhose übergehen. Bei Patienten mit PSC ist zudem das Risiko
erhöht, ein Gallengangskarzinom zu entwickeln. Vor allem die PBC ist mit
Medikamenten inzwischen gut kontrollierbar. Bei der PSC werden
hauptsächlich Komplikationen überwacht und behandelt, an medikamentösen
Therapien wird geforscht. Auch bei einer weiteren Lebererkrankung, der
autoimmunen Hepatitis, ist es wichtig, möglichst frühzeitig eine Diagnose
zu stellen und mit der Therapie zu beginnen.

Speziell die ersten Ansprechpartner bei neu auftretenden
Gesundheitsproblemen, in der Regel also Haus- und Kinderärzte, müssen noch
mehr für autoimmune Lebererkrankungen und seltene Stoffwechselerkrankungen
sensibilisiert werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass
Verdachtsfälle frühzeitig an Experten oder ein Zentrum überwiesen werden.
Deswegen zählen die Ausrichter des Deutschen Lebertages neben den
Patienten auch die Haus- und Kinderärzte zur Zielgruppe ihrer
Aufklärungsarbeit.

Mehr Infos zum 21. Deutschen Lebertag unter: http://www.lebertag.org

Alle Institutionen, die im Rahmen des Deutschen Lebertages mit einer
lokalen Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter
http://www.lebertag.org

Die Ausrichter des 21. Deutschen Lebertages am 20. November 2020:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de

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Kurzsichtigkeit: Kinderaugen brauchen mehr Sonnenlicht

Stiftung Kindergesundheit informiert über die Zunahme von Sehproblemen und
über Möglichkeiten der Vorbeugung

Das Tragen einer Brille gehört zum Alltag vieler Kinder in Deutschland.
Die Mehrzahl von ihnen benötigt die Sehhilfe wegen einer Kurzsichtigkeit,
berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.
Bis zum Ende der Grundschulzeit werden in Deutschland heute rund 15
Prozent aller Kinder kurzsichtig. Der Anteil der Kurzsichtigen steigt bis
zum Alter von 25 Jahren auf rund 45 Prozent. Während die Kurzsichtigkeit
in vielen Regionen Ostasiens in den letzten Jahren stark zugenommen hat,
ist die Rate in Deutschland nach Erhebungen augenärztlicher
Fachgesellschaften in den letzten 15 Jahren unter den Jugendlichen
zumindest vorerst konstant geblieben.

Dabei gibt es jedoch einen klaren Trend: Je länger ein Kind eine Schule
besucht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden.
Damit nicht genug: Je höher der Abschluss der Ausbildung in Schule,
Studium und Beruf, desto kurzsichtiger werden die Menschen.

„Bei der Geburt sind Kinderaugen in der Regel weitsichtig“, berichtet
Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der
Stiftung Kindergesundheit. „Das ändert sich dann im Laufe des
Größenwachstums des Augapfels. Dieses Wachstum endet bei der sogenannten
Normalsichtigkeit um das sechste bis neunte Lebensjahr. Wächst das Auge
aber weiter in die Länge, kommt es zur Kurzsichtigkeit, fachlich Myopie
genannt“.

Wenn das Kind oft die Augen zukneift

Ist der Augapfel zu lang, schneiden sich die Strahlen, die aus der Ferne
kommen, dann nicht auf, sondern schon vor der Netzhaut und werden als
verschwommenes Bild ins Gehirn weiter gemeldet. Kurzsichtige Kinder
versuchen deshalb, die unscharfen Bilder, die ihre Augen ihnen liefern,
mit einem einfachen Kunstgriff zu verbessern: Sie kneifen die Augen zum
besseren Sehen zu.

Der Grund: Durch die zugekniffenen Lider verkleinert sich die Pupille und
die Trennschärfe steigt an, etwa so wie beim Fotografieren die
Tiefenschärfe durch Verkleinerung der Blende erhöht wird. Dieser typischen
Angewohnheit verdankt die Kurzsichtigkeit übrigens ihren medizinischen
Namen: Das dabei entstehende Blinzelgesicht nannten die alten Griechen
Myops, daher der Fachterminus Myopie.

Probleme beim Lesen und Rechnen

Eine Kurzsichtigkeit fällt meistens erst dann auf, wenn ein Kind
Gegenstände oder Personen in der Ferne immer später als andere erkennt. Es
schreibt zum Beispiel falsch von der Wandtafel ab, verwechselt Zahlen oder
Buchstaben, reibt sich oft die Augen und klagt über Kopfschmerzen.
Professor Berthold Koletzko: „Man sollte sich hüten, ein Kind als
unaufmerksam, unterdurchschnittlich begabt oder dumm anzusehen, bevor
seine Sehfähigkeit genau untersucht worden ist“.

Kurzsichtigkeit liegt oft in der Familie: Sind die Eltern selbst
kurzsichtig, besteht auch für das Kind das Risiko, kurzsichtig zu werden.
Ist nur ein Elternteil kurzsichtig, liegt dieses Risiko bei etwa 30
Prozent, bei zwei kurzsichtigen Eltern bei 60 Prozent. Allerdings können
auch normalsichtige Eltern stark kurzsichtige Kinder bekommen.

Wichtiger jedoch als die genetische Veranlagung erweisen sich
Umwelteinflüsse wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung auf die
Entwicklung von Kurzsichtigkeit, betont die Stiftung Kindergesundheit. Es
ist mittlerweile unstrittig, dass Sehgewohnheiten einen Einfluss auf das
Wachstum des Auges ausüben können. Menschen, die im Kindesalter und als
junge Heranwachsende über Jahre hinweg viel lesen, haben ein größeres
Risiko, kurzsichtig zu werden. Dabei spielen sowohl die Lesedauer, als
auch der Leseabstand und die Beleuchtung beim Lesen eine Rolle. Als
ungünstig gelten das ununterbrochene Lesen über 30 Minuten hinweg und das
„Lesen mit der Nase“ mit einem Abstand der Augen vom Text unter 30
Zentimeter.

Täglich hinaus ins Freie!

Eine besondere Rolle bei der Entstehung und Fortschreiten der
Kurzsichtigkeit spielt das Tageslicht, hebt die Stiftung Kindergesundheit
hervor. Eine Reihe von Untersuchungen belegt, dass Kinder umso seltener
kurzsichtig werden, je mehr sie im Freien spielen. Beim längeren
Aufenthalt an der frischen Luft schaut das Auge meist in die Ferne und
nicht auf Objekte in der Nähe.

Eine Metaanalyse bisheriger Studien ergab, dass schon zwei Stunden
tägliche Aktivitäten bei Tageslicht das Auftreten der Kurzsichtigkeit
halbieren. 40 Minuten zusätzlicher Aufenthalt im Freien minderten die
Zunahme der Kurzsichtigkeit um etwa 20 Prozent.

Dabei spielt weniger die Intensität der Sonnenstrahlung eine Rolle als die
Dauer des Aufenthalts unter freiem Himmel, betonen augenärztliche
Experten. Schon relativ geringe Intensitäten des Lichts um 1000 Lux und
darüber, die etwa der Umgebungshelligkeit unter Bäumen entsprechen, zeigen
einen Effekt. Auch der Anteil der ultravioletten Strahlen scheint keine
besondere Bedeutung zu haben.

Nach 30 Minuten Lesen 10 Minuten Pause

Aufgrund dieser Erkenntnisse haben die Erziehungsbehörden des chinesischen
Inselstaates Taiwan bereits vor zehn Jahren besondere Regeln für
Schulkinder eingeführt. Eine der dortigen Richtlinien lautet „Tien Tien
120“ und empfiehlt jeden Tag zwei Stunden Aufenthalt im Freien. Die zweite
sogenannte „30-10-Regel“ besagt, dass das Lesen alle 30 Minuten für zehn
Minuten unterbrochen werden sollte. Das Befolgen dieser zwei einfachen
Regeln konnte die Häufigkeit der Kurzsichtigkeit bei taiwanesischen
Kindern tatsächlich nachweislich verringern.

Für eine weitere Studie in Taiwan wurden 693 Erstklässler rekrutiert. 267
von ihnen sollten sich ein Jahr lang mindestens elf Stunden pro Woche im
Freien aufhalten. Die restlichen Kinder behielten ihre Lebensgewohnheiten
bei. Das Ergebnis nach einem Jahr: Die Kinder der Frischluft-Gruppe
benötigten schwächere Brillen als die Kinder der Kontrollgruppe und hatten
ein um 54 Prozent niedrigeres Risiko für eine rasch fortschreitende
Kurzsichtigkeit.

Der Einfluss von Lichtmangel auf die Entstehung von Kurzsichtigkeit wurde
auch bei Kindern westlicher Länder eindeutig belegt. So zeigte eine US-
amerikanische Studie, dass jede Stunde Aufenthalt pro Woche bei Tageslicht
das Risiko um circa zehn Prozent senkt. Eine australische Studie mit über
1.300 Teilnehmern ergab dagegen, dass sich die Wahrscheinlichkeit für
Kurzsichtigkeit verdoppelt, wenn man weniger als 30 Minuten täglich dem
Tageslicht ausgesetzt ist.

„Heilen“ lässt sich eine Kurzsichtigkeit nicht, betont die Stiftung
Kindergesundheit: Ist der Augapfel zu lang, schrumpft er nicht wieder. Ist
Kurzsichtigkeit einmal vorhanden, bleibt sie bestehen und nimmt sogar bis
ins Erwachsenenalter zu. Kurzsichtigkeit lässt sich aber mit Brillen oder
Kontaktlinsen gut korrigieren und kann in einem gewissen Umfang auch
eingedämmt werden.

Genaue Diagnose durch den Augenarzt

Entdeckt der Kinder- und Jugendarzt bei einer der Vorsorge-Untersuchungen
Hinweise auf Augenfehler oder Sehstörungen, wird er das Kind zur genauen
Abklärung der Diagnose zum Augenarzt schicken. Dieser leitet die
notwendige Behandlung ein. Zum Ausgleich der Kurzsichtigkeit bekommt das
Kind eine Brille mit Zerstreuungslinsen (Konkav- oder Minusgläsern)
verordnet. Diese Gläser sind in der Mitte dünner als am Rand und bewirken,
dass sich die Lichtstrahlen erst weiter hinten auf der Netzhautebene
vereinigen.

Kinder und Jugendliche haben bis zum 18. Lebensjahr Anspruch auf eine
Brille auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen. Voraussetzung ist die
Verordnung durch einen Augenarzt. Ab dem 14 Lebensjahr besteht ein
erneuter Anspruch nur dann, wenn sich die Sehstärke um mehr als 0,5
Dioptrien verändert. Kindern stehen Kunststoffgläser zu, wenn sie im
Vorschulalter sind oder jünger als 14 Jahre sind und die Sehfähigkeit um
mehr als plus oder minus fünf Dioptrien beeinträchtigt ist. Wenn die
Kunststoffgläser notwendig sind, um am Schulsport teilnehmen zu können,
kommt die gesetzliche Krankenversicherung ebenfalls für die Kosten auf.

Eltern sollten das Kind stets zum Tragen der Brille ermuntern, empfiehlt
die Stiftung Kindergesundheit: Es kann mit der Brille erwiesenermaßen
konzentrierter Arbeiten und ermüdet weniger schnell, wenn es gut sieht.

Eine Kinderbrille sollte leicht, klein und lustig sein

Weil Kinder ihre Brille ständig tragen sollten, kommt es besonders auf den
bequemen und korrekten Sitz an. Die Brille darf also nicht rutschen, damit
sie exakt zentriert bleibt. Je kleiner die Fassung ist, desto weniger
schränkt die Brille die Bewegungsfreiheit ein. Eine Kinderbrille sollte
nicht breiter sein als das Gesicht. Besonders wichtig: Die Glasmitte
gehört vor die Pupillenmitte.

Bei der Auswahl der Brille für ihr Kind sollten sich die Eltern nicht von
den Modevorstellungen von Erwachsenen leiten lassen, empfiehlt die
Stiftung Kindergesundheit. „Die Brille muss dem Kind gefallen, damit sie
auch gern getragen wird“, sagt Professor Berthold Koletzko. Kinderbrillen
müssen stabil sein, gut sitzen und nicht rutschen. Die richtige
Kinderbrille hat Kunststoffgläser, sitzt richtig fest vor den Augen auf
der Nase und ist leicht, klein und lustig.

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Die Zukunft im Auge behalten - Start der Woche des Sehens

Heute startet die diesjährige Woche des Sehens am weltweiten Tag des Sehens. Acht Tage lang wird auch PRO RETINA rund um die Themen Sehen, Blindheit und Augenkrankheiten informieren. 

Von Sehbehinderung und Blindheit bedrohte und betroffene Menschen, Angehörige und Interessierte können sich über Augengesundheit, Bedürfnisse von Menschen mit Netzhauterkrankungen sowie Hilfen im Alltag informieren. Experten ihres Fachs stellen medizinische Entwicklungen, technische Innovationen und Hilfen für den Alltag vor. Betroffene Menschen sollen damit ermutigt werden, selbst aktiv zu werden für neue Lebensperspektiven und Lebensqualität – auch mit einem fortschreitenden Sehverlust. Regelmäßiger Austausch und Beratung durch Angebote von PRO RETINA Deutschland unterstützen dabei in fast 60 Regionen Deutschlands.

Ute Palm, Vorstandsmitglied PRO RETINA Deutschland sagt: „Die Woche des Sehens schafft es auch dieses Jahr Aufmerksamkeit für die Anliegen von Menschen mit Netzhauterkrankungen in der Öffentlichkeit zu schaffen. Trotz Corona haben viele PRO RETINA-Aktive Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die über verschiedenste Themen, wie einzelne Krankheitsbilder, informieren. Aber auch tolle Mitmachangebote wie die Wanderung „Trotz Corona – Gemeinsam auf Distanz“ zeigen, dass auch in dieser speziellen Zeit gemeinsame Aktivitäten erlebbar sind.“

Durch die Woche des Sehens kann so auch dieses Jahr gezeigt werden, wie wichtig es ist noch mehr für Therapien zu tun sowie mehr Verständnis gegenüber den Bedürfnissen blinder und sehbehinderter Menschen in der Öffentlichkeit aufzubringen.

Chancen der Früherkennung nutzen - auch mit Seheinschränkung geht’s weiter! - früh handeln, weltweit Augenlicht retten
Unter diesen drei Aspekten möchte die Woche des Sehens darauf aufmerksam machen, dass man schon im Kindesalter präventiv Augenkrankheiten verhindern kann, zum Beispiel in dem Kinder mehrere Stunden täglich draußen spielen. Aber auch regelmäßige Untersuchungen der Augen in jedem Alter sind wichtig, um Krankheiten früh zu erkennen und so selbstbestimmt damit umgehen zu können. Durch viele Hilfsmittel und Beratungsangebote, wie auch durch PRO RETINA, können Menschen lernen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und positiv zu beeinflussen.
 Dabei unterstützt auch die Initiative "VISION 2020 – Das Recht auf Augenlicht", die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Agentur für die Verhütung von Blindheit (IAPB) ins Lebens gerufen wurde. Ihr Ziel ist es weltweit, also auch in ärmeren Ländern, vermeidbare Blindheit zu beseitigen.

 

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