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Migräne per App behandeln? Was die Digitalisierung in der Kopfschmerzmedizin bewirken kann

Fast sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an Migräne.
Wiederkehrende pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit und
Lichtempfindlichkeit beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen
sehr.  Digitale Angebote wie Kopfschmerz-Apps oder das Kopfschmerzregister
der DMKG können die Therapie auf vielfältige Weise unterstützen, sagen
Experten auf der Online-Pressekonferenz zum Deutschen Schmerzkongress
2020, die am Mittwoch, den 21. Oktober von 11 bis 12 Uhr, stattfindet. Sie
geben Tipps, wie digitale Technik in der Kopfschmerzmedizin sinnvoll und
hilfreich eingesetzt werden kann.

Termin: Mittwoch, 21. Oktober, 11:00 bis 12:00 Uhr
Anmeldung und Link für die Teilnahme an der Online-Pressekonferenz:
https://register.gotowebinar.com/register/2515898518007216397

Gibt man im App-Store das Wort „Kopfschmerz“ ein, so erhält man unzählige
Treffer. Doch was ist sinnvoll, was wirklich nützlich? Und welche
digitalen Angebote können wirksam in der Migräne-Therapie eingesetzt
werden? „Das Führen eines Kopfschmerzkalenders, notwendig für die
Überprüfung des Effekts der Behandlung, fällt vielen Kopfschmerzpatienten
mit einer App deutlich leichter als mit der Papierversion“, erklärt Dr.
med. Ruth Ruscheweyh, zertifizierte DMKG-Kopfschmerzexpertin vom Klinikum
der Universität München. Mit Hilfe eines solchen Kalenders bekommen Arzt
und Patient einen Überblick über Schmerztage, Häufigkeit der
Schmerzmitteleinnahme, Schmerzstärke und Begleitsymptome und können so
beurteilen, ob die Therapie anschlägt. Gute Apps ermöglichen das
Herunterladen eines übersichtlichen Reports mit einer Zusammenfassung der
wesentlichen Daten, der verschickt, ausgedruckt, und mit dem Arzt
besprochen werden kann.

Aber die kleinen Programme können noch viel mehr: Die Migräne-App der
Schmerzklinik Kiel zum Beispiel setzt zusätzlich auch auf
Patientenschulung, warnt vor Medikamentenübergebrauch und berechnet den
Zeitpunkt, zu dem der Patient das Migränemittel Triptan einnehmen sollte.
M-sense, eine Migräne-App der Newsenselab GmbH, erfasst neben dem
Kopfschmerzkalender täglich verschiedene mögliche Auslöser – und kann so
nach einer gewissen Zeit Vorhersagen über individuelle Trigger machen.

Ein weiterer Ansatzpunkt in der Digitalisierung des Kopfschmerzmedizin ist
das Kopfschmerzregister der DMKG, das im Juni 2020 gestartet ist. „Hier
geben Patienten vor ihrer Erstvorstellung beim Arzt und bei jeder
Wiedervorstellung wichtige Informationen über ihre Kopfschmerzen in ein
webbasiertes Patientenportal ein. So kann der Verlauf der Behandlung
optimal verfolgt werden“, erklärt Ruscheweyh. Zusätzlich wird empfohlen,
dass der Patient die DMKG-App als Kopfschmerzkalender nutzt. Diese
Informationen stehen dem behandelnden Arzt in der Sprechstunde dann
übersichtlich zusammengefasst, auch mit Verlaufsgrafiken, im Arztportal
zur Verfügung. Erstes Ziel des Kopfschmerzregisters sei es, so die
Expertin, die Versorgungsqualität durch Unterstützung der Ärzte bei der
Behandlung von Kopfschmerzpatienten zu verbessern. Zusätzlich gehen die
eingegebenen Daten in anonymisierter Form auch in eine Datenbank ein, die
zur Beantwortung von wissenschaftlichen Fragestellungen – etwa aus der
Versorgungsforschung – genutzt werden soll. Zum Beispiel könne man so
herausfinden, wie viele Patienten, die eigentlich eine vorbeugende
Kopfschmerzbehandlung benötigen, auch tatsächlich eine bekommen.

Neben der Digitalisierung in der Kopfschmerzmedizin ist passend zum
diesjährigen Kongress-Motto
„Gleich und doch verschieden“ auch die individualisierte Schmerztherapie
Thema der virtuellen Veranstaltung. Die Referenten informieren
beispielsweise über die Antikörpertherapie in der Schmerzmedizin und über
das Projekt PAIN2020. Zudem geht es um den Einsatz von Opioiden in der
Schmerzmedizin.

Terminhinweis:

Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses
(21. bis 24. Oktober 2020) der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der
Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG)

„Gleich und doch verschieden – personalisierte Schmerzmedizin“

Termin: Mittwoch, 21. Oktober, 11:00 bis 12:00 Uhr
Anmeldung und Link für die Teilnahme an der Online-Pressekonferenz:
https://register.gotowebinar.com/register/2515898518007216397

Vorläufige Themen und Referenten:

Neue Wundermittel gegen den Schmerz? Über die Wirkung der personalisierten
Antikörpertherapie in der Schmerzmedizin
PD Dr. med Tim Jürgens, Präsident der DMKG, Klinik und Poliklinik für
Neurologie, Universitätsmedizin Rostock

Projekt PAIN2020: Der Patient im Fokus – wie eine individualisierte
Diagnostik chronischen Schmerzen entgegenwirken kann
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ulrike Kaiser, Universitätsklinikum Dresden
UniversitätsSchmerzCentrum

Apps, Kopfschmerzregister und Co.: Über die Digitalisierung in der
Kopfschmerzmedizin
Priv.-Doz. Dr. med. Ruth Ruscheweyh, Zertifizierte DMKG
-Kopfschmerzexpertin, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Klinikum der
Universität München

Opioide – wirkungsvolle Mittel im Kampf gegen den Schmerz?! Neueste
Erkenntnisse über Vor- und Nachteile
Prof. Dr. Frank Petzke, Leitung Schmerzmedizin, Klinik für
Anästhesiologie, Universitätsmedizin Göttingen

Moderation: Friederike Gehlenborg, Pressestelle des Deutschen
Schmerzkongresses

Kontakt für Journalisten:

Pressestelle des Deutschen Schmerzkongresses 2020
der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. & DMKG e.V
Friederike Gehlenborg und Katharina Weber
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-295/-583, Fax: 0711 8931-167
E-Mail: gehlenborg@medizinkommunikation.org
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

schoeffmann@medizinkommunikation.org
https://schmerzkongress2020.de/

Zur Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.:

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist mit über 3600 persönlichen
Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im
Bereich Schmerz in Europa. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist
Mitglied der IASP (International Association for the Study of Pain) sowie
der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften). Sie ist zudem die interdisziplinäre
Schmerzdachgesellschaft von derzeit 19 mitgliederstarken weiteren
medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften im Bereich Schmerz.
Diese Perspektive wird zudem erweitert durch die institutionelle
korrespondierende Mitgliedschaft der Vereinigung aktiver Schmerzpatienten
SchmerzLOS e.V. in der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
Die Mitgliedschaft der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. ist
interdisziplinär und interprofessionell und besteht aus Schmerzexperten
aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege, Physiotherapie u. a. sowie
wissenschaftlich ausgewiesenen Schmerzforschern aus Forschung, Hochschule
und Lehre.

Zur Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG):

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) ist eine
interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft, die das Wissen über
die Genese von Kopf- und Gesichtsschmerzen, deren Prävention und Therapie
in Fachkreisen bei Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Pharmakologen
und Apothekern, aber gerade auch bei Patienten und anderen Interessierten
mehren und verbreiten möchte.

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Heller Hautkrebs: Risiko für Basalzellkarzinom bei „Outdoor-Workern“ verdoppelt

Im Freien arbeitende Menschen, deren Haut über lange Zeit starker UV-
Strahlung ausgesetzt ist, entwickeln häufiger einen hellen Hautkrebs als
andere Menschen. Seit 2015 ist daher heller Hautkrebs in Deutschland als
Berufskrankheit anerkannt. Bisher galt dies jedoch nur für das
Plattenepithelkarzinom und nicht für das viel häufigere Basalzellkarzinom.
Neue Daten aus einer großen deutschen Multicenterstudie zeigen nun, dass
„Outdoor-Worker“ ein doppelt so hohes Risiko haben, ein Basalzellkarzinom
zu entwickeln. In Zukunft könnte diese Form des hellen Hautkrebses daher –
so die Einschätzung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) –
als eine Berufskrankheit anerkannt werden.

Menschen, die überwiegend im Freien arbeiten, wie beispielsweise in der
Landwirtschaft, im Bauwesen, im Straßen- und Tiefbau, im Gartenbau, bei
der Straßen- und Fahrzeugreinigung oder als Sicherheitspersonal, setzen
ihre Haut über die Jahre einer hohen UV-Strahlenbelastung aus. Von dieser
weiß man, dass sie das größte Risiko für die Ausbildung von hellem
Hautkrebs ist. Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen des
Robert Koch-Instituts 230.000 Menschen neu an nicht-melanozytären
Hautkrebsformen, wie heller Hautkrebs auch bezeichnet wird. Der helle
Hautkrebs tritt meist in einem höheren Alter auf; Frauen und Männer sind
etwa gleich häufig betroffen.

Seit 2015 sind in Deutschland bestimmte Vorstufen des hellen Hautkrebses,
sogenannte aktinische Keratosen, und Plattenepithelkarzinome bei
langjährig im Freien Beschäftigten als Berufskrankheit anerkannt.
„Inzwischen werden jedes Jahr über 8000 Verdachtsfälle von beruflichem
Hautkrebs bei Versicherten der Gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet,
und ein Großteil wird anerkannt“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner,
Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und
Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft. Die Anerkennung als Berufskrankheit ist für die Betroffenen
wichtig, da damit eine medizinische Versorgung zu Lasten der
Unfallversicherung und gegebenenfalls auch eine Rentenzahlung verbunden
sind.

Nicht berücksichtigt wurden bisher jedoch sogenannte Basalzellkarzinome,
die häufigste Form des hellen Hautkrebses. Drei Viertel der nicht-
melanozytären Hautkrebsformen sind Basalzellkarzinome. Dieser Tumor hat
sehr unterschiedliche Erscheinungsformen und zeigt sich im Gesicht, auf
der Kopfhaut, an Hals und Nase, am Dekolleté, an Armen, Beinen oder Rumpf.
Dort bilden sich hautfarbene bis rötliche knotige Tumore, die einen
perlschnurartigen Randsaum haben. Geweitete Blutgefäße schimmern rötlich
durch die Haut und es können kraterförmige Einsenkungen sichtbar sein.
Basalzellkarzinome bilden nur selten Metastasen, also Tochtergeschwülste,
aus. Sie sind also selten tödlich. Allerdings kann der Tumor in das
umliegende Gewebe einwachsen, dadurch Organe gefährden und die
Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Lange schon vermuten Expertinnen und Experten, dass diese Tumoren
ebenfalls durch intensive und langjährige Sonnenlichtexposition entstehen.
Es fehlten aber bislang belastbare Daten, um eine Anerkennung als
Berufskrankheit zu erlangen. Eine Forschergruppe um die Dresdener
Dermatologin Professor Dr. med. Andrea Bauer hat nun in einer
Multicenterstudie untersucht, in welchem Ausmaß sich eine beruflich
bedingte UV-Strahlungsexposition auf das Risiko, an einem
Basalzellkarzinom zu erkranken, auswirkt. Professor Bauer, die
stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und
Umweltdermatologie der DDG ist, wollte zudem herausfinden, ob der
Lichtempfindlichkeitstyp, die Stelle des Tumors und der feingewebliche Typ
des Hautkrebses eine Rolle für das Risiko spielen.

Acht Studienzentren beteiligten sich. In die Studie eingeschlossen wurden
643 Patienten mit einem Basalzellkarzinom an einer durch den Beruf
bedingten sonnenbelichteten Hautstelle und eine gleichgroße
Kontrollgruppe. Die Dermatologin, die als Oberärztin an der Klinik und
Poliklinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in
Dresden arbeitet, erläutert: „Wir wollten exakt ermitteln, wie groß die
UV-Strahlungsexposition während des jeweiligen Arbeitslebens war, also
eine genaue, retrospektive Expositionserfassung möglichen machen. Dafür
brauchten wir eine spezielle Software zur Erhebung der beruflichen
Anamnese der Studienteilnehmer“. Diese Anamnesesoftware wurde zusammen mit
dem Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung (DGUV) entwickelt. In die von der DGUV geförderten
Studie gingen zudem Versicherungsunterlagen ein, aus denen die Dauer der
Arbeit im Freien hervorging.

Die Analyse der Daten ergab, dass das Risiko, ein Basalzellkarzinom zu
entwickeln, für die „Outdoor Worker“ doppelt so hoch ist, wie für
Menschen, die nicht im Freien arbeiten. Und dies unabhängig von der
Tumorlokalisation, dem histologischen Subtyp und dem Hauttyp des
Patienten. „Damit sind wichtige Voraussetzungen gegeben, um eine
Anerkennung als Berufskrankheit auf den Weg zu bringen“, so Bauer. Nach
deutschem Berufskrankheitenrecht muss eine Krankheit mindestens doppelt so
häufig auftreten wie bei der übrigen Bevölkerung, um als beruflich
verursacht eingestuft zu werden. Bauer geht davon aus, dass der
entscheidende Punkt, der zu einer Risikoverdoppelung durch berufliche UV-
Exposition führt, der Erwerb hoher UV-Dosen in kürzeren Zeitabständen bei
beruflicher Außenarbeit (z.B. 6.000 SED in 15 Jahren Außenarbeit, [400
SED/Jahr]), im Vergleich zur kumulativen UV-Exposition während der
gesamten Lebenszeit (z.B. 9.100 SED private Exposition bei einem
70-jährigen Menschen [130 SED/Jahr]) ist. Diese Annahme wird durch neue
Daten aus dem IFA gestützt, das in Messkampagnen eine hohe berufliche UV-
Belastung in vielen Außenberufen gezeigt hat.

„Alle, die unter freiem Himmel arbeiten, sollten ganz besonders auf guten
UV-Lichtschutz durch entsprechende Kleidung und Sonnenschutzmittel achten
– und das dann natürlich auch bei Freizeitaktivitäten im Freien“, ergänzt
Elsner. Auch das alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenversicherung
für über 35-Jährige angebotene Hautkrebsscreening sollten „Outdoor-Worker“
unbedingt wahrnehmen, empfiehlt der Dermatologe.

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Wissen über Herzinfarkt-Vorboten rettet Leben

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, Kardiologe und Intensivmediziner am Cardioangiologischen Centrum Betahnien (CCB) Frankfurt a. M. .  Foto: DHS/C. Hesselmann
Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, Kardiologe und Intensivmediziner am Cardioangiologischen Centrum Betahnien (CCB) Frankfurt a. M. . Foto: DHS/C. Hesselmann

Unvorhersehbar, aber nicht aus heiterem Himmel: Herzstiftung
sensibilisiert zum Weltherztag für Vorgeschichte und Warnzeichen des
Herzinfarkts

Der Herzinfarkt kommt plötzlich, aber nicht aus heiterem Himmel. Umso
tragischer ist, dass jedes Jahr fast 49.000 Herzinfarkttote in Deutschland
zu beklagen sind. Viele der Sterbefälle wären zu verhindern, weil etwa 30
Prozent der Patienten am akuten Herzinfarkt versterben, noch bevor sie die
Klinik erreichen. „Diese hohe Infarktsterblichkeit außerhalb der Klinik
hat mehrere Gründe: In den ersten Minuten und Stunden nach Verstopfung der
Herzkranzarterie ist das Sterberisiko besonders hoch. Fatalerweise zögern
Betroffene bei einem Herzinfarkt immer noch zu lange, den Notruf 112
abzusetzen, damit ein Rettungswagen mit Notarzt kommt“, betont der
Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Ein Grund für dieses
Zögern dürfte mangelndes Wissen in der Bevölkerung über die Bedrohlichkeit
des Herzinfarkts sein. „Beim Herzinfarkt zählt aber jede Minute, sobald
der sich mit Symptomen bemerkbar macht. Sonst drohen schwerwiegende
Schädigungen des Herzmuskels bis hin zu Herzschwäche oder gar plötzlichem
Herztod“, so der Ärztliche Direktor des Agaplesion-Bethanien-Krankenhauses
und Cardioangiologischen Centrums Bethanien (CCB) Frankfurt am Main. Durch
Sensibilisierung der Bevölkerung für die Warnzeichen eines Herzinfarkts
und seiner Vorgeschichte, der chronischen Verengung der Herzkranzgefäße
über viele Jahre (koronare Herzkrankheit), will die Herzstiftung dazu
beitragen, die Infarktsterblichkeit außerhalb der Klinik zu senken. Dazu
bietet die Herzstiftung zum Weltherztag für Betroffene und Interessierte
den Experten-Ratgeber „Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ kostenfrei
unter Tel. 069 955128-400 oder unter www.herzstiftung.de (Mail
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) an.

Bei Herzinfarkt immer sofort die 112 – auch in Zeiten der Corona-Pandemie
Zeitverluste beim Herzinfarkt durch zögerliches Verhalten von Betroffenen
und Angehörigen sind fatal, weil der Infarkt jederzeit in bösartige
Herzrhythmusstörungen übergehen kann. Dieses Kammerflimmern, bei dem das
Herz über 300 Mal pro Minute schlägt, führt innerhalb weniger Sekunden zum
Herzstillstand. „Herzinfarkte ereignen sich meistens zu Hause, daher kann
nur ein über den Notruf 112 herbeigerufenes Rettungsteam mit einem
Defibrillator das flimmernde Herz wieder in seinen normalen Rhythmus und
den Patienten anschließend sofort in die nächstgelegene Klinik zur
Infarktversorgung bringen“, warnt der Herzspezialist. Beim Herzinfarkt
gilt die Formel: Zeit ist Herzmuskel. „Je weniger Zeit zwischen Auftreten
der ersten Symptome und dem Erreichen der Klinik mit dem Herzkatheterlabor
verstreicht, wo das verstopfte Herzkranzgefäß vom Blutgerinnsel befreit
wird, desto weniger Schaden erleidet der Herzmuskel“, erklärt Voigtländer.
Herzmediziner sprechen von der „Golden Hour“, innerhalb der die
Infarktversorgung eine Schädigung des Herzens abwenden kann. Schon nach
mehreren Stunden, die nach Auftreten der ersten Symptome verstreichen,
steigt die Gefahr von Herzmuskelverlusten und einer Herzschwäche. Fatal
sind Zeitverluste von Stunden oder gar Tagen aufgrund vermeidbarer Fehler
der Betroffenen im Notfall, z. B. Scheu vor Fehlalarm besonders am
Wochenende oder an Feiertagen („Belästigung der Ärzte“) oder die Einnahme
von Schmerzmedikamenten. Wichtig: Auch in Zeiten der Corona-Pandemie und
im Falle steigender Infektionsraten besteht keinerlei Grund, vor dem
Notruf 112 bei Infarktverdacht oder sonstigen notfallartigen
Herzereignissen zu zögern. „Eine Notfallversorgung für diese Patienten ist
stets gewährleistet, auch in Corona-Zeiten.“ Deutschlands Kliniken
verfügen mittlerweile über sehr gute Hygienekonzepte, die eine strikte
Trennung der Versorgungsbereiche für Covid-19-Patienten von anderen
Klinikbereichen und Notfallambulanzen in aller Regel garantieren.

Die Herzinfarkt-Alarmzeichen
Die Infarkt-Alarmzeichen sind oft leicht zu erkennen: Schwere Schmerzen,
die länger als fünf Minuten andauern. Die Schmerzen sind typisch im
Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein. Zusätzlich können Schmerzen im
Rücken (zwischen den Schulterblättern) oder im Oberbauch (Verwechslung mit
„Magenschmerzen“ möglich) ein Alarmzeichen sein. Die Schmerzen können in
Arm, Hals oder Oberbauch ausstrahlen, sie sind flächenhaft und werden als
brennend und drückend mit Engegefühl in der Brust beschrieben. Je älter
die Person mit Herzinfarkt ist, desto weniger ausgeprägt kann der typische
Brustschmerz sein.
Bei Frauen häufiger als bei Männern können – zusätzlich zu den oben
genannten Schmerzen oder auch alleine – weitere Symptome wie Atemnot,
Übelkeit oder Erbrechen, Schwitzen, Benommenheit oder Schwindel sowie
unerklärliche Müdigkeit ein Alarmzeichen sein. Da die Symptomatik bei
Frauen nicht immer klar ist, werden ihre Symptome oftmals fehlgedeutet.
Dies führt dazu, dass Frauen häufig deutlich später in die Klinik
eingeliefert werden als Männer.

Herzinfarkt-Vorboten: Brustschmerzen und/oder Atemnot
Dem Herzinfarkt geht oft jahrzehntelang unbemerkt die KHK voraus. Die KHK
ist durch Brustschmerzen und/oder Atemnot charakterisiert, die bei
körperlicher Belastung (Treppensteigen, Getränkekisten tragen) oder
seelischer Erregung auftreten. Endet die Belastung, verschwindet der
Schmerz in wenigen Minuten wieder (stabile Angina pectoris). Die KHK kann
jahrelang stabil bleiben, kann aber gefährlich werden, weil sie die
Grundlage für den Herzinfarkt darstellt. Besonders alarmierend ist es,
wenn Brustschmerz und/oder Atemnot bei kleinsten Belastungen oder in Ruhe
(instabile Angina pectoris) auftreten. „Dann muss sofort der
Rettungsdienst mit der 112 angerufen werden, weil sich daraus jederzeit
ein Herzinfarkt entwickeln kann. Der Übergang zwischen instabiler Angina
pectoris und Herzinfarkt ist fließend“, warnt der Intensivmediziner
Voigtländer. Bei der instabilen Form verschließt ein Blutgerinnsel ein
Herzkranzgefäß teilweise, beim Herzinfarkt vollständig.

Tipp: Experten-Ratgeber
Der neue Ratgeber „Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ der Deutschen
Herzstiftung informiert über Ursachen, Diagnose und Behandlung der
Koronaren Herzkrankheit und des Herzinfarkts. Der Band (160 S.) kann
kostenfrei per Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden. Infos zur KHK und
Herzinfarkt bietet die Homepage der Herzstiftung www.herzstiftung.de

Infos zum Weltherztag unter: www.herzstiftung.de/weltherztag
Druckfähiges Bildmaterial zu den Herzinfarkt-Alarmzeichen und zum KHK-
Ratgeber eine erhalten Sie gerne auf Anfrage unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Sieben Schritte für ein herzgesundes Herz

Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab, Mitglied des Wisenschatlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Kardiologe und Reha-Spezialist, Chefarzt der Curschmann-Klinik am Timmendorfer Strand  Foto: Bogdan Kramliczek  DHS
Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab, Mitglied des Wisenschatlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Kardiologe und Reha-Spezialist, Chefarzt der Curschmann-Klinik am Timmendorfer Strand Foto: Bogdan Kramliczek DHS

Weltherztag: Herzstiftung empfiehlt gezielte schrittweise
Lebensstiländerung für gesundes Herz und Gefäße – und ein seelisches
Wohlbefinden.

Herzinfarkt, Herzschwäche, Bluthochdruck, Schlaganfall: Herz- und
Kreislauferkrankungen führen jedes Jahr zu sehr vielen Klinikeinweisungen
und Sterbefällen. Allein wegen der koronaren Herzkrankheit (KHK), der
Grunderkrankung des Herzinfarkts, werden in Deutschland fast 660.000
Menschen stationär aufgenommen. Über 122.000 Menschen sterben daran,
darunter befinden sich fast 49.000 Herzinfarkttote. Allerdings ist die
Hälfte der KHK-Fälle auf den heutigen Lebensstil zurückzuführen: Rauchen,
Bewegungsmangel, Fettleibigkeit, schädlicher Dauerstress und ungesunde
Ernährung, die wiederum zu Risikokrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes
und Fettstoffwechselstörungen (hohe Cholesterinwerte) führen.
Mit dem Weltherztag ruft die Deutsche Herzstiftung die Bundesbürger zur
frühzeitigen Vorsorge in Form eines gesunden Lebensstils auf, um
Risikokrankheiten für Herz- und Gefäßleiden zu vermeiden. Sieben Schritte
können dabei helfen. Denn eine Umstellung des Lebensstils ist im Trubel
des beruflichen und familiären Alltags nicht immer einfach. Hilfestellung
können neben eine Sieben-Schritte-Checkliste die Informationen der
Herzstiftung geben, die unter www.herzstiftung.de/weltherztag abrufbar
sind. „Ein gesunder Lebensstil bewirkt viel für das Herz-Kreislauf-System,
nur sollte man schrittweise vorgehen und sich nicht zu viel auf einmal
vornehmen“, rät der Kardiologe und Reha-Spezialist Prof. Dr. med. Bernhard
Schwaab vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und
Chefarzt der Curschmann-Klinik am Timmendorfer Strand. Wie komme ich trotz
des inneren Schweinehunds zu mehr Bewegung? Wie esse ich gesünder? Und
habe ich alle meine Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall mit
Hilfe eines regelmäßigen Gesundheits-Check-ups im Blick? Die folgende
Checkliste soll Motivierten für ein herzgesundes Leben helfen:

- Sei aktiv, bewege dich mehr
- Höre mit dem Rauchen auf
- Iss gesünder, vermeide Zucker
- Achte auf dein Gewicht
- Achte auf deinen Blutdruck
- Behalte deinen Cholesterinspiegel im Auge
- Achte auf ausreichend Entspannung im Alltag

Herzspezialist Prof. Schwaab empfiehlt zunächst mit Bewegung anzufangen.
„Mit Bewegung fühlt man sich schnell besser und ist leistungsfähiger.
Herzkranke kommen mit mehr körperlicher Aktivität häufig besser mit der
herzmedizinischen Behandlung zurecht.“ Danach können weitere
Lebensstilmaßnahmen angegangen werden. Bewegung hilft auch über das
Verlangen nach Zigaretten hinweg und verbessert die Stimmung. Letzten
Endes sollte aber jeder Patient seine individuelle Reihenfolge
(Prioritäten) selbst festlegen. Das ist wichtig, damit die
Lebensstiländerungen dauerhaft durchgehalten werden können.

Sieben Tipps für Ihr Herz

Sei aktiv, bewege dich mehr
Wer sich regelmäßig bewegt, beugt wirksam Herz- und Gefäßkrankheiten, aber
auch Diabetes und Krebserkrankungen wie Darm- oder Brustkrebs vor. Ideal
ist Ausdauerbewegung an fünf Tagen die Woche 30 Minuten. Zum Beispiel bei
einer mäßigen Ausdauerbelastung Joggen, schnelles Gehen, Radfahren,
Schwimmen, Ergometertraining oder auch Tanzen. Am besten man gestaltet
auch seinen Alltag so bewegt wie möglich: Fahrrad statt Auto oder
E-Roller, Treppe statt Aufzug, im Büro stehend statt sitzend telefonieren
und arbeiten. „Herzpatienten sollten aber ihre Belastbarkeit mit ihrem
Arzt besprechen“, rät Schwaab. Das gilt auch für Menschen ohne Erkrankung
nach längerer Pause ohne sportliche Aktivität. Bewegung schützt nicht nur
vor Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), sondern wirkt sich positiv auf
andere Körper- und Organfunktionen wie Zellerneuerung, Anregung der
Hirnaktivität, Stoffwechselprozesse in Leber und anderen Organen aus.

Höre mit dem Rauchen auf
Mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen lohnt sich!
Nikotin ist ein starkes Gift für die Gefäße und Rauchen ein Risikofaktor
für Herzinfarkt, Schlaganfall und Arterienverkalkung (z. B. pAVK). Auf den
Tabakkonsum gehen hierzulande 120.000 vorzeitige und vermeidbare
Todesfälle pro Jahr zurück: verursacht durch Herzinfarkt und Schlaganfall,
bösartige Tumoren und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Mit
dem Rauchen aufzuhören ist nach einem Herzinfarkt unverändert die
wirksamste Einzelmaßnahme und reduziert das Wiederholungsrisiko für einen
weiteren Infarkt um weit über 50 %! Auch das dauerhafte Rauchen von
E-Zigaretten kann heute nicht mehr als gesundheitlich unbedenklich
eingestuft werden. Es gibt unterstützende Programme zum Aufhören mit Rat
und Hilfen wie Aussteigerprogramme z. B. unter www.rauchfrei-info.de/

Iss gesünder, vermeide Zucker
Herzspezialisten propagieren die traditionelle Mittelmeerküche. „Die
mediterrane Kost setzt auf Obst und Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, wenig
Fleisch, dafür eher Fisch, auf Oliven- und Rapsöl und auf Kräuter anstelle
von Salz“, bestätigt Prof. Schwaab. Salz bindet Wasser im Körper, was
einen Bluthochdruck fördern kann. Speziell der tägliche Konsum von
ausreichend Gemüse und Ballaststoffen kann durch den relativ geringen
Energiegehalt dazu beitragen, Übergewicht zu vermeiden, das wiederum
Bluthochdruck begünstigt. Dazu schmecken die Gerichte der Mittelmeerküche
lecker und sind keineswegs fade. Zu viel Zucker in Lebensmitteln und
Getränken erhöht das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.
Deshalb die Devise: Zucker in Getränken vermeiden. Auch in Lebensmitteln,
in denen wir Zucker in großen Mengen gar nicht vermuten (Joghurt,
Salatsaucen, Ketchup), ist Zucker enthalten. Ein Blick auf die
Beschreibung der Zutaten hilft dabei, Zucker aus dem Weg zu gehen.

Achte auf dein Gewicht
Zusätzlich zur Bewegung fördert die Mittelmeerküche das schrittweise
Abnehmen für ein gesundes Normalgewicht. Auch lohnt es sich, den
Alkoholkonsum einzuschränken. Alkohol hat viele Kalorien und kann indirekt
über die Zunahme an Gewicht zu hohem Blutdruck führen. Übergewicht ist ein
wichtiger und häufiger Auslöser für Bluthochdruck. Angestrebt werden
sollte ein Gewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI*) zwischen 22 und 25.
Beim Taillenumfang sollten Männer weniger als 102 und Frauen weniger als
88 cm anstreben. Das Bauchfett produziert Hormone und entzündungsfördernde
Botenstoffe, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken. „Jedes
Kilo und jeder Zentimeter weniger wirken sich günstig auf den
Bluthochdruck und den Zucker aus“, betont Prof. Schwaab, der auch
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von
Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) ist.

Achte auf deinen Blutdruck
Bluthochdruck ist tückisch, weil man ihn zunächst nicht spürt ihn nicht
sieht („stiller Killer“). Unerkannt und unbehandelt steigt bei
Bluthochdruck das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine
Nierenschädigung zu erleiden erheblich. Deshalb unbedingt regelmäßig den
Blutdruck messen: ab Schuleintritt beim Kinderarzt und später im Rahmen
von Einstellungsuntersuchungen im Beruf oder der Routineuntersuchung beim
Hausarzt oder Frauenarzt. Von Bluthochdruck sprechen Ärzte, wenn
verschiedene Oberarm-Messungen in der Arztpraxis an unterschiedlichen
Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher ergeben. Bei Selbstmessungen für
zu Hause gilt eine Obergrenze von 135 zu 85 mmHg. Die Blutdruckwerte in
der Praxis dürfen etwas höher sein, weil meist die Patientinnen und
Patienten bei der Messung etwas aufgeregt sind („Weißkittelhochdruck“). Um
festzustellen ob ein erhöhter Blutdruck vorliegt, ist eine sorgfältige
Messung erforderlich. Info: www.herzstiftung.de/blutdruck-mehrmals-
messen.html
Die Werte können in einem Blutdruck-Pass protokolliert werden,
um den Verlauf zu dokumentieren.

Behalte deinen Cholesterinspiegel im Auge
Erhöhte Cholesterinspiegel im Blut sind ein wichtiger Risikofaktor für
Herzinfarkt und Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine
(Schaufensterkrankheit, kurz „pAVK“). Hohe LDL-Cholesterinspiegel
verursachen Gefäßveränderungen in den Arterien des Herzens
(Arteriosklerose), in Hirnarterien und in den Beinarterien mit der Bildung
von Ablagerungen in diesen Gefäßen (Plaques). „Das belegen Studien ganz
eindeutig seit Jahrzehnten“, betont Schwaab. Zusätzlich konnte in Studien
gezeigt werden, dass sich eine medikamentöse Senkung erhöhter
Cholesterinwerte günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Zur
Infarktvorbeugung trägt eine Untersuchung des Cholesterinspiegels beim
regelmäßigen Gesundheits-Check ab 35 Jahren einmal im Jahr beim Hausarzt
bei. Eine erste Einschätzung, bis zu welcher Höhe Cholesterinspiegel noch
normal sind und unter welchen Kriterien eine medikamentöse Behandlung
notwendig wird, finden Sie unter www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit
/gesund-bleiben/cholesterin/was-ist-cholesterin
oder Sie sprechen Ihren
Arzt an. Dabei sind neben dem gemessenen LDL-Cholesterinspiegel im Blut
auch die anderen, eventuell vorhandenen Risikofaktoren für eine
Therapieentscheidung wichtig.

Achte auf ausreichend Entspannung im Alltag
Stress bei der Arbeit, in der Familie, in der Beziehung und noch in der
Freizeit: Nicht Stress alleine macht krank, sondern fehlende Entspannung.
Bei Stress wappnet sich der Körper sehr gut für die akute
Problemsituation: Stresshormone werden ausgeschüttet, der Blutzucker
steigt, die Insulinausschüttung nimmt zu, das Herz schlägt schneller und
der Blutdruck steigt. Bei anhaltendem Stress kommen diese Vorgänge jedoch
nicht zur Ruhe und der Organismus steht ständig unter Dampf. Das schadet
dem gesamten Körper. Die Folge können Entzündungsreaktionen im Körper
sein, im schlimmsten Fall Diabetes, Schlaganfall, Arteriosklerose und
Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Achten Sie daher auf ein
Gleichgewicht zwischen Stress und Entspannung. Sorgen Sie für Inseln der
Ruhe, die Sie mit Leben füllen. Also Aktivitäten, die den Stress vergessen
lassen: musizieren, lesen, malen, tanzen, mit Freunden kochen, mit den
Kindern spielen, einem Verein beitreten oder gemeinsam Konzerte und
Sportereignisse besuchen. Auch Entspannungstechniken sind sehr hilfreich:
progressive Muskelentspannung, Atemgymnastik, Yoga, Qigong oder Tai-Chi.

Wie bleibt man trotz des inneren Schweinehunds dran?
Für Lebensstiländerungen sind meistens alte gewohnte Strukturen im eigenen
Leben aufzubrechen. „Das ist in der Regel schwierig“, sagt Schwaab und
empfiehlt: „Oftmals ist es hilfreich, in sein Lebensumfeld feste
Ankerpunkte einzurichten: die regelmäßige Lauf-, Walker- oder
Herzsportgruppe im Verein, das mehrmalige gemeinsame Kochen mit der
Familie oder mit Freunden zu Hause und für Raucher der Austausch mit Ex-
Rauchern in der Selbsthilfegruppe.“

*BMI errechnet sich aus: Körpergewicht in kg geteilt durch Körperlänge² in
m. Beispiel: 80 kg: 1,80 (m)² = BMI 24,7

Tipp: Der Herzinfarkt-Risikotest der Herzstiftung zur Besprechung der
persönlichen Risikofaktoren für Herzinfarkt mit dem Hausarzt unter
www.herzstiftung.de kann auch als Faltblatt kostenlos angefordert werden
per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Infos zum Weltherztag unter: www.herzstiftung.de/weltherztag

Daten & Fakten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache
in Deutschland. An Herz- und Kreislauferkrankungen starben 2018 insgesamt
345.300 Menschen (2017: 344.500). (Statistisches Bundesamt/Destatis,
2020). Jährlich werden in Deutschland über 1,7 Mio. vollstationäre Fälle
wegen Herzkrankheit (koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankung,
Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Angeborene Herzfehler) in einer
Klinik behandelt, davon allein fast 218.000 wegen eines Herzinfarkts. Über
207.000 Menschen sterben jedes Jahr an einer Herzkrankheit, davon ca.
48.700 am akuten Herzinfarkt (Deutscher Herzbericht 2018).

Die Risikokrankheiten für Herzinfarkt im Überblick
- Bluthochdruck: ca. 20 Mio. Erwachsene in Deutschland, davon ca. vier
Mio. unerkannte Fälle.
- Diabetes Mellitus: ca. 7 Mio. Betroffene.
- Fettstoffwechselstörungen (Gesamtprävalenz): Insgesamt haben 64,5 % der
Männer und 65,7 % der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren
- Fettstoffwechselstörungen (Gesamtcholesterin ≥190 mg/dl oder ärztliche
Diagnose einer Fettstoffwechselstörung); davon haben jeweils mehr als die
Hälfte der betroffenen Personen eine bislang unerkannte
Fettstoffwechselstörung.
- Rauchen ist nicht nur für Krebs und chronische Lungenleiden ein
Risikofaktor, sondern auch für Herzinfarkt und Schlaganfall. An den Folgen
des Rauchens sterben jedes Jahr in Deutschland zwischen 100.000 und
120.000 Menschen.
- Menschen mit einer starken Belastung durch chronischen Stress zeigen
deutlich häufiger eine depressive Symptomatik, ein Burnout-Syndrom oder
Schlafstörungen als Menschen ohne starke Belastung durch chronischen
Stress. Das Mortalitätsrisiko (alle Todesursachen) in Assoziation mit
psychosozialem Stress steigt um 21%.

Quellen:
Deutscher Herzbericht 2018 PLOS ONE: DOI:10.1371/journal.pone.0133493
Deutscher Gesundheitsbericht, Diabetes 2016; Bundesgesundheitsbl 2013
56:661-666 Robert Koch-Institut (2016), Gesundheit in Deutschland – die
wichtigsten Entwicklungen, RKI Berlin Bundesgesundheitsbl 2013·56:749-754
DOI10.1007/s00103-013-1690-9

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