Zum Hauptinhalt springen

Intensivpflegegipfel von DIVI und DGF: Konstruktiv voran für die Zukunft der Fachpflegenden!

„Wir befinden uns in sehr turbulente Zeiten mit vielen substanziellen
Veränderungen in der Medizin.“ Mit diesen Worten leitete DIVI-Präsident
Prof. Felix Walcher den dritten Intensivpflegegipfel der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und
der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste
(DGF) Mitte vergangener Woche in Berlin ein.

„Diese Chance gilt es zu nutzen“, so Walcher. In diesem Sinne saßen die
Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, die Präsidentin des
Deutschen Pflegerates, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen wie
auch weitere Vertreter aus den Büros der Bundestagsabgeordneten, Vertreter
der Pflegekammern und Pflegeverbänden mit DIVI und DGF am runden Tisch, um
über die Lösungsvorschläge, Reformansätze und Gesetzesentwürfe rund um die
Intensivpflege und Notfallpflege zu sprechen. Und merkten: Alle ziehen an
einem Strang!

Passend zum heutigen Tag der Intensivmedizin deshalb die gute Nachricht:
„Liebe Fachpflegenden, liebe Kollegen, die großen Probleme unseres
Berufsstandes sind auf allen Ebenen bekannt und werden wahrgenommen. Und
es sind schon erste Schritte getan – weil es ohne die Pflege nicht geht,“
resümiert der DGF-Vorsitzende Dominik Zergiebel, Leiter der Aus-, Fort-
und Weiterbildung Pflege und OP am Universitätsklinikum Münster, die
Ergebnisse des Treffens. Das Zusammenrücken der unterschiedlichen Player
war mehr als deutlich spürbar.

„Sollte das Pflegekompetenzgesetz in der Form, wie es als
Referentenentwurf noch vor der Sommerpause vorgestellt werden soll, in
Kraft treten“, unterstreicht die Präsidentin des Deutschen Pflegerates,
Christine Vogler, sei dies ein unglaublicher, qualitativer Schritt hin zur
Sicherung der Zukunft des Pflegeberufes.

Forderung I: Verpflichtung zur Fortbildung für Pflegefachpersonen

Eine wichtige Forderung für die Zukunft wurde zudem im Laufe des Treffens
formuliert: Pflegefachpersonen mit und ohne zweijährige Fachweiterbildung
müssen gesetzlich zur stetigen Fortbildung verpflichtet werden! Denn
Menschen, die in hochsensiblen Bereichen arbeiten, müssen stetig ihre
Fertigkeiten trainieren und die Patienten nach dem neuesten Stand der
Wissenschaft betreuen. Zwingende Voraussetzung dieser stetigen Fort- und
Weiterbildungen ist die Finanzierung durch die Krankenkassen.

Forderung II: Finanzierung der zweijährigen Fachweiterbildung unumgänglich

Eine weitere Forderung: Die vollständige Fachweiterbildung von
Pflegefachpersonen muss klar in der Personalausstattung in Theorie und
Praxis (z.B. der Praxisanleitung) finanziert werden. „Eine Weiterbildung
darf nicht zulasten der Teilnehmenden gehen. Und die
Fachweiterbildungsstätten müssen von dem bestehenden Kostendruck entlastet
werden!“, spricht Sabrina Pelz, Sprecherin der DIVI-Sektion
Pflegeforschung und Pflegequalität, für die Anwesenden. „Diese wichtige
Arbeit muss mit ausreichenden Personalressourcen ausgestattet werden
können! Und dies geht nur mit einer externen Finanzierung.“

Professionelle Pflege braucht professionelle Strukturen

„Insgesamt müssen die Qualifikationen sowie die Abschlüsse für die Fort-
und Weiterbildung bundesweit vereinheitlicht werden“, sagt Rolf Dubb,
stellvertretender Sprecher der Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität
der DIVI. Derzeit sind die Ausgestaltungen und die entsprechenden
Abschlüsse, auch im Hinblick auf die Akademisierung, sehr unübersichtlich.
„Professionelle Pflege braucht professionelle Strukturen – ganz einfach!“,
schließt sich Dubb den Aussagen des Deutschen Pflegerates an.

Der Vertreter der Pflegekammer NRW, Dominik Stark, führte die aktive Rolle
der Pflegekammern an: Hier werde wichtige Arbeiten geleistet! So hat die
Pflegekammer NRW gemeinsam mit der Pflegekammer Rheinland-Pfalz die
Weiterbildungsordnung gestaltet und aktuell verabschiedet. Christa
Keienburg, stellvertretende Vorsitzende der DGF und Mitglied der
Pflegekammer Rheinland-Pfalz, ergänzte die Wichtigkeit einer Umsetzung,
dass die hochqualifizierten Kompetenzen, die Pflegefachpersonen während
ihrer Fachweiterbildung erwerben, endlich auch rechtmäßig in der
Fachpraxis gelebt werden können.

Mit gutem Beispiel voran

Allerdings: In der Notfall- und Intensivmedizin sei man in puncto
Strukturen bereits in den letzten drei Jahren deutlich vorangekommen,
betont DIVI-Präsident Walcher. „Wir haben hier einen sehr speziellen
Bereich, in dem schon immer keine Profession ohne die andere arbeiten
konnte“, so der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des
Universitätsklinikums Magdeburg. Entsprechend hätte man sich bereits auf
den Weg gemacht, um heute Impulse in andere Bereiche weitergeben zu
können.

So hat die DIVI Ende 2022 zunächst die Strukturempfehlung zur Ausstattung
der Intensivstation herausgegeben sowie in Zusammenarbeit mit der DGF
nachfolgend Handlungsempfehlungen für die Intensivmedizin und die
Notfallpflege publiziert – Pflegeratspräsidentin Vogler ging hierauf in
einer Stellungnahme dezidiert ein:
„In vielen Punkten kann der DPR in der Sache mitgehen!“ Grundsätzlich
müssten die Kompetenzen für Pflegefachpersonen allerdings für alle
Versorgungsbereiche gelten.

Der Grundgedanke von DIVI und DGF sei immer die interprofessionelle
Zusammenarbeit in den Hochrisikobereichen Intensivstation und Notaufnahmen
sowie die Erweiterung der Handlungskompetenzen und Befugnisse der
Fachpflegenden durch Fort- und Weiterbildung sowie die konsequente
Weiterentwicklung der Akademisierung, so Walcher weiter. „Und hier sind
wir ganz nah beieinander!”, sagt auch Claudia Moll, Bevollmächtigte der
Bundesregierung für Pflege. „So muss und kann es weitergehen.“

Wir wollen, dass die Pflege beim Pflegekompetenzgesetz gehört wird!

„Das Pflegekompetenzgesetz ist von größter Wichtigkeit“, betont Thomas van
den Hooven, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Münster und Vertreter
der Gesundheitsfachberufe im DIVI-Präsidium. „Ich sage es deshalb noch
einmal ganz deutlich: Es wäre inhaltlich ein Meilenstein für die
Profession Pflege!“ Er verweist – aktuell in Bezug auf die Entwicklungen
der Landeskrankenhausreform in NRW – aber auch auf die weiterhin fehlende
Einbindung der Profession Pflege. Es bestehe die große Gefahr, so van den
Hooven, dass in dieser schwierigen Situation noch mehr Menschen dem Beruf
den Rücken kehren, da die Berufsbedingungen der Pflege bei solchen
Reformvorhaben nicht berücksichtigt werden.

Es gilt deshalb, im Dialog zu bleiben! Eine Berufspolitik, die einer
entscheidenden Profession übergestülpt werde, könne in sämtlichen
Reformvorhaben nicht funktionieren – auch hier war man sich einig. „Der
nächste Baustein ist auf jeden Fall das Pflegekompetenzgesetz“, pflichtet
DGF-Vorsitzender Dominik Zergiebel bei. „In dieses Gesetz setzen wir große
Hoffnungen! Hierbei wollen wir entsprechend gehört werden. Hier müssten
die angesprochenen Themen – Fachweiterbildung, Finanzierung sowie weitere
Entwicklung von Befugnissen und Kompetenzen für die Pflegefachpersonen mit
und ohne zweijähriger Fachweiterbildung – beinhaltet und mitgedacht
werden. „Damit geht die Arbeit an einer geltenden bundesweiten
Musterweiterbildungsordnung tatsächlich endlich los! Wir sind dafür
bereit!“, so Zergiebel.

„Wir hoffen hier entsprechend auf eine Einladung“, summiert DIVI-Präsident
Walcher und schaut dabei in die Richtung der Mitarbeiter aus den Büros der
gesundheitspolitischen Sprecher. „Weil wir es alle tagtäglich leben!“

HINTERGRUND:

Die drei wichtigsten Punkte für die Zukunft der Intensivpflegenden wurden
bereits im Dezember 2022 in der „Berliner Erklärung“ von DIVI und DGF
festgehalten. Gemeinsam will jeder Teilnehmende des Intensivpflegegipfels
seine Energie und Einflussmöglichkeiten geltend machen, um diese wichtigen
Ziele absehbar zu erreichen. Hier sei noch nicht viel passiert, wurde am
Mittwochnachmittag angemahnt.

•       Download der „Berliner Erklärung der Pflegefachpersonen in der
Intensivmedizin“: https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-
files/dokumentenordner/221219-divi-berliner-erklaerung.pdf

•       Download „Hintergrundtext zur Berliner Erklärung“:
https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/dokumentenordner/221219
-divi-berliner-erklaerung-hintergrund.pdf


•       PM: Initiative zur Stärkung und Zukunft der Intensiv- und
Notfallpflege fordert mehr politische Unterstützung ein (15. Juni 2021):
https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/pressemeldungen-nach-
themen/notfallversorgung-in-deutschland/210621-pressemeldungen-divi-dgf-
initiative-zur-staerkung-der-intensivpflege-und-stern-petition.pdf

  • Aufrufe: 310

Neuartiges Polymer für Wundauflagen, die sich dadurch schmerzfrei und ohne Rückstände ablösen lassen

Ein neuartiger Ansatz ermöglicht Verbände, die bei Körpertemperatur fest
auf der Haut haften, sich aber in Kombination mit einer Kältepackung
leicht und schmerzfrei entfernen lassen.
Der Verband haftet fest auf der Haut oder der Wundstelle ohne die
Bewegungsfreiheit des Patienten einzuschränken. Durch Kühlung z.B. mit
einer Kältepackung lässt er sich leicht und ohne Schmerzen wieder
abnehmen. Zudem bleiben keine Kleberückstände am heilenden Gewebe haften.
TLB ist mit der Verwertung dieser zukunftsweisenden Technologie beauftragt
und bietet Herstellern von Wundmaterialien Möglichkeiten der Lizenzierung,
Kauf des Patents oder Kooperationen in der Weiterentwicklung.

Ein Pflaster oder eine Wundauflage soll eine Wunde steril abdecken,
schützen und dabei zuverlässig kleben, aber trotzdem möglichst schmerzfrei
wieder abgezogen werden können. Auch sollte die Hauterneuerung nicht
wieder beschädigt werden. Ein neu entwickelter Ansatz in der
Wundversorgung ermöglicht Verbände, die bei Körpertemperatur fest auf der
Haut haften, sich aber in Kombination mit einer Kältepackung leicht und
schmerzfrei entfernen lassen.

Noch heute basiert der Großteil der selbstklebenden Wundauflagen auf einem
vor mehr als 100 Jahren entwickelten System auf Basis von Zinkoxid-
Kautschukkleber. Da das Entfernen von Pflastern und anderen
selbstklebenden Wundauflagen sehr schmerzhaft sein kann und dabei das
regenerierte Gewebe wieder verletzt wird, wird seit mehr als 30 Jahren an
alternativen Klebematerialien auf Basis des „bond / debond-on-
demand“-Prinzips geforscht. Denn für Allergiker, für Verbrennungswunden
oder chronischen Wunden bei Diabetikern zum Beispiel gibt es derzeit noch
keine geeignete Lösung.

Forschende der Universität Freiburg haben nun in einem von der Baden-
Württemberg Stiftung geförderten Projekt ein innovatives Polymer für
Wundauflagen entwickelt, welches temperaturgesteuert sicher klebt, sich
aber leicht wieder ablösen lässt. Der innovative Ansatz ermöglicht
Verbände, die bei Körpertemperatur fest auf der Haut oder der Wundstelle
haften ohne die Bewegungsfreiheit des Patienten einzuschränken. Wird der
Verband aber gekühlt, z.B. durch eine Kältepackung, lässt er sich ganz
leicht und ohne Schmerzen wieder abnehmen. Zudem bleiben keine
Kleberückstände am heilenden Gewebe haften. Die Eigenschaft des
Klebematerials, also eine „schaltbare Klebrigkeit“ wird durch einen
Kristallisationsprozess erreicht.

Das Forscherteam am Institut für Makromolekulare Chemie der Universität
Freiburg hat unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Mülhaupt (PhD) und Prof.
Dr. Thorsten Steinberg (PhD), der von der Medizin her am
Universitätsklinikum Freiburg das Projekt betreute und die Materialien
klinisch/biologisch evaluierte, einen Klebstoff entwickelt, der aus
Copolymeren und PVA-Fettsäureestern mit kristallisierbaren Seitenketten
und unterschiedlicher Zusammensetzung besteht. Die Strategie beruht auf
thermoresponsiven Polymeren, welche bei Raumtemperatur fest und bei
Körpertemperatur geschmolzen vorliegen und nur im geschmolzenen Zustand
Haftung aufweisen.
Durch Kühlen kristallisieren diese Seitenketten, was zum Verlust der
Haftung auf der Haut führt. Die Kristallisation bewirkt dabei eine
physikalische Vernetzung des Materials, wodurch die Haftung auf der Haut
stark gehemmt wird und gleichzeitig die Kohäsion des Materials zunimmt.
Dadurch lässt sich die entsprechende Wundauflage an einem Stück ohne
Kleberückstände und ohne Schmerzen zu verursachen entfernen. Gleichzeitig
kommt es zu einer Volumenverkleinerung, wodurch die Kontaktfläche zwischen
Wundauflage und Haut verringert und ein Ablösen der entsprechenden
Wundauflage unterstützt wird.

Das bedeutet in der Anwendung, dass sich das Material durch Körperwärme
verändert und klebt dadurch. Durch Auflegen eines Kühlakkus kristallisiert
das Material wieder und haftet dadurch nicht mehr an der Haut. Das
Material tritt dabei nicht in die Wunde ein. Geeignet ist diese
Wundauflage daher vor allem bei Verbrennungen oder bei allergischer,
empfindlicher Haut bzw. infizierten Wunden, da Hautverletzungen oder
-ablösungen vermieden werden. Auch bei der stationären Wundbehandlung von
Patienten oder bei großen Wunden ist eine solche Wundauflage ideal, da
keine Haftmittel zurückbleiben und das Haftmittel zudem eine exzellente
Biokompatibilität aufweist.

Die Erfindung wurde zum Patent angemeldet (WO2023/134899A1). Die
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH unterstützt die Wissenschaftler der
Universität Freiburg und die Baden-Württemberg Stiftung bei der
Patentierung und Vermarktung der aktuellen Entwicklung. TLB ist mit der
Verwertung dieser zukunftsweisenden Technologie beauftragt und bietet
Herstellern von Wundmaterialien Möglichkeiten der Lizenzierung, Kauf des
Patents oder Kooperationen in der Weiterentwicklung.

  • Aufrufe: 173

EHA 2024: Berichte der Expert:innen aus dem Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML) sind jetzt online!

Heute Mittag endete im sonnigen Madrid der diesjährige Kongress der
European Hematology Association (EHA 2024). Neun anerkannte Expertinnen
und Experten haben im Auftrag des KML die wichtigsten hämatologischen
Highlights dieses Kongresses zusammengestellt. Erstmals berichtet das KML
mit einem Leukämie SPECIAL auch über myeloische Leukämieerkrankungen. Die
Kongressberichte finden Sie im KML-Kongressportal unter
<https://lymphome.de/eha2024>.

In der Reihe "LymphomKompetenz KOMPAKT" berichten neun ausgewiesene
Expertinnen und Experten für das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML)
vom diesjährigen Jahreskongress der European Hematology Association
(EHA2024). Für dieses Meeting, das als hybride Veranstaltung in Madrid
stattgefunden hat, haben sich rund 20.000 Ärztinnen und Ärzte aus Europa
und aller Welt registriert. Im Mittelpunkt der prägnanten Videoberichte
stehen aktuelle Forschungsergebnisse und neue Standards der klinischen
Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Lymphom- und
Leukämieerkrankungen.

Diese Beiträge finden Sie im KML-Videoportal unter:
<https://lymphome.de/eha2024>

• Grußwort & Kongresshighlights | M. Hallek, Köln
• Chronische lymphatische Leukämie (CLL) | B. Eichhorst, Köln
• Morbus Waldenström (WM) & Marginalzonen-Lymphom (MZL) | C. Buske, Ulm
• Follikuläres Lymphom (FL) | K. Hübel, Köln
• Mantelzell-Lymphom (MCL) | M. Dreyling, München
• Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) | B. Chapuy, Berlin
• Hodgkin Lymphom (HL) | P. Borchmann, Köln
• Multiples Myelom (MM) | K. Weisel, Hamburg
• ZNS-Lymphome | E. Schorb, Freiburg
• Leukämie SPECIAL | L. Frenzel, Köln

Sie haben Fragen an unsere Experten? Schreiben Sie an:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>. Gern leiten wir Ihre Fragen weiter.

Sponsoren dieses Events: AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Amgen GmbH,
AstraZeneca GmbH, Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, GlaxoSmithKline
GmbH & Co. KG, Hexal AG, MSD Sharp & Dohme GmbH. Die Firmen haben keinen
Einfluss auf die Inhalte. Die Höhe der Zuwendungen kann der Seite
Projektunterstützung entnommen werden.

  • Aufrufe: 166

Cholesterinsenker Statine: Was tun bei Beschwerden?

Statine sind gut untersuchte Cholesterinsenker. Muskelbeschwerden bei
Statinen sind zwar selten, dennoch sorgen sich viele Patienten – zurecht?
Zum „Tag des Cholesterins“ klärt ein Herzspezialist im Podcast über
Cholesterinsenker und den richtigen Umgang mit Beschwerden auf

Ein hoher Cholesterinspiegel zählt zu den größten Risikofaktoren für Herz-
Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere hohe Werte des LDL (LDL=Low Density
Lipoprotein)-Cholesterins (LDL-C) sind kennzeichnend für dieses Risiko.
Statine sind Cholesterinsenker erster Wahl, wenn es darum geht, hohe
LDL-C-Werte zu normalisieren und dadurch das Risiko für Herzinfarkte und
Schlaganfälle zu senken – insbesondere bei Menschen, die bereits ein
kardiovaskuläres Ereignis hatten (sogenannte Sekundärprävention).
Doch Patienten sind oft unsicher bei der Einnahme, weil Berichte zu
Muskelbeschwerden mit Statinen verbreitet sind. „Nehmen Patienten
Cholesterinsenker ein und es kommt zu Beschwerden, sollten sie zeitnah mit
ihrem Arzt sprechen. Er kann klären, was genau die Ursache der Beschwerden
ist. Denn oft sind es gar nicht die Medikamente“, erläutert der Kardiologe
und Lipidspezialist Prof. Dr. med. Ulrich Laufs vom Wissenschaftlichen
Beirat der Deutschen Herzstiftung. Im aktuellen Herzstiftungs-Podcast der
Reihe imPULS unter https://www.herzstiftung.de/podcast-statine-schmerzen
rät er zudem: „Auf keinen Fall sollten Betroffene eigenhändig ihr Statin
absetzen oder die Dosierung reduzieren.“
Große Studien (1) haben gezeigt, dass nur ein sehr geringer Teil der
Personen, die Statine einnehmen und von solchen Beschwerden berichten,
diese tatsächlich nicht oder nicht in einer hohen Dosierung vertragen.
„Neun von zehn Personen, die im Rahmen dieser Studien über
Muskelbeschwerden berichten, können ein Statin einnehmen. Ihre Beschwerden
waren nicht durch Statine verursacht“, so Prof. Laufs, Direktor der Klinik
und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig.

„Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst“
„Wenn ein Patient Beschwerden hat, nehmen wir das natürlich sehr ernst.
Die berichteten Beschwerden werden nicht in Frage gestellt“, betont der
Leipziger Kardiologe. Die Frage, die es gemeinsam mit Patientinnen und
Patienten zu klären gelte, sei jedoch, ob die Statine tatsächlich die
Beschwerden verursachen oder ob eine andere Ursache vorliege.
„Muskuloskelettale Beschwerden sind leider sehr häufig. Liegt es
tatsächlich am Statin oder handelt es sich vielleicht um altersbedingte
Beschwerden im Bewegungsapparat?“, so Prof. Laufs. „Es ist wichtig, sich
mit den Patienten die Zeit zu nehmen, um das Problem zu klären, damit
nicht die Einnahme der Lipid-senkenden Therapie gefährdet wird.“

Warum sind Statine bei erhöhtem LDL-C so wichtig?
Überschüssiges LDL-C im Blut lagert sich in den oberen Schichten der
Gefäßwand ein. Ein wesentlicher Mechanismus für das Entstehen einer
Gefäßverkalkung (Atherosklerose), der über Jahre hinweg – gemeinsam mit
anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Rauchen –
zum vollständigen Verschluss oder zum Aufplatzen von Kalkplaques mit
nachfolgender Thrombose führt: Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine
periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) sind die Folge. Allein in
Deutschland werden pro Jahr fast 200.000 Herzinfarkt-Patienten stationär
in Kliniken versorgt.

Bei Muskelbeschwerden hilft meist Ausweichen auf anderes Statin
Wenn es zu Muskelbeschwerden aufgrund eines Statins kommt, sind meist
große Muskelgruppen wie Oberschenkel-, Schultergürtel- und
Oberarmmuskulatur beidseitig betroffen. Frauen berichten häufiger als
Männer von solchen Beschwerden. „Setzt man dann das Statin ab – dies
unbedingt in Absprache mit dem Arzt –, dann gehen die Beschwerden in der
Regel innerhalb kurzer Zeit zurück“, berichtet der Leiter der Lipid-
Ambulanz am Leipziger Uniklinikum. Bei Beschwerden könne man zum Beispiel
die medikamentöse cholesterinsenkende Therapie für zwei bis vier Wochen
pausieren, um zu prüfen, wie es dem Patienten dann geht. „Eventuell kann
man anschließend das Präparat wechseln, zum Beispiel von Simvastatin zu
Atorvastatin. Man beginnt zunächst niedrig dosiert und erhöht dann die
Dosis“, erklärt Prof. Laufs. Seine Erfahrung zeigt: Ärzte sollten sich
stets Zeit nehmen, um Patienten die Bedeutung der cholesterinsenkenden
Therapie zu erläutern. „Für die Behandlung der wichtigsten Risikofaktoren
von Herzinfarkt und Schlaganfall wie Bluthochdruck, Diabetes und eben
hohes LDL-C, brauchen wir langfristig ausgerichtete Therapien. Das
verlangt den Patienten auch Vertrauen in die medikamentöse Therapie ab,
denn der Erfolg ist ja nicht direkt erkennbar“, so Laufs. „Nur wenn wir
mit den Patienten quasi in einem Boot sitzen, ist eine Behandlung
erfolgreich“.

Kombinationstherapie als Alternative bei Statin-Unverträglichkeit
Reicht die Statin-Dosierung, die ein Patient beschwerdefrei verträgt, für
eine cholesterinsenkende Wirkung nicht aus, ist eine Kombinationstherapie
möglich. Zum Beispiel kann das Präparat Ezetimib zusätzlich zum Statin
gegeben werden, um bei geringerer Statindosis dennoch den LDL-C-Wert
ausreichend zu reduzieren. Alternativ zu einem Statin steht als
lipidsenkendes Therapeutikum auch Bempedoinsäure zur Verfügung, die
ebenfalls mit Ezitimib kombiniert werden kann. Schließlich sind noch die
PCSK9-Hemmer eine Option, insbesondere für Patienten, bei denen trotz
einer optimalen cholesterinsenkenden Therapie mit Tabletten der
LDL-C-Zielwert nicht zu erreichen ist. Infos unter
https://www.herzstiftung.de/cholesterinsenker

Erhöhtes LDL-Cholesterin: Risiko immer individuell abschätzen
Prof. Laufs, wie auch andere Kardiologen, betonen, dass für eine
Behandlung bei hohen LDL-C-Werten immer die individuelle Person, also auch
ihr Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu betrachten ist. Ist
zum Beispiel nur das LDL-C leicht erhöht? Oder liegen noch zusätzlich
Risikofaktoren für Infarkte vor, die ebenfalls ein Handeln erfordern? Bei
hohen LDL-C-Werten ist mit Lebensstilmaßnahmen allein nur wenig zu
erreichen. Daher muss früher mit einer medikamentösen Therapie gestartet
werden. „Wissenschaftlich am besten gesichert sind hierfür Statine“,
unterstreicht Laufs. Dennoch sei ein gesunder Lebensstil generell für die
Gefäßgesundheit wichtig, um das Infarktrisiko zu verringern. Bei lediglich
leicht erhöhten LDL-C-Werten könne das Umstellen der Ernährungs- und
Bewegungsgewohnheiten reichen, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken.

Lebensstil-Anpassung bei erhöhten Triglyzerid-Werten
Bei erhöhten Triglyzerid-Werten steht hingegen der Lebensstil an erster
Stelle. Wenn das nicht hilft, dann kommen erst Medikamente ins Spiel.
Herzexperten und die Deutsche Herzstiftung empfehlen für die tägliche
Bewegung 30 bis 45 Minuten Ausdaueraktivitäten wie Radfahren, Laufen,
flottes Spazierengehen, Joggen oder Schwimmen. Für eine ausgewogene
herzgesunde Ernährung raten manche Herzspezialisten zur Mittelmeerküche.
Dieser werden positive Effekte zugeschrieben, die sich aber nicht an einer
Senkung des Cholesterin-Spiegels ablesen lassen. Sie ist reich an frischem
Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen,
Kräutern und pflanzlichen Ölen (z.B. Olivenöl), die mehrfach ungesättigte
Fettsäuren enthalten. Insgesamt werden zudem nur wenige tierische Produkte
genutzt. „Die Prävention durch eine Lebensstil-Anpassung – insbesondere
die körperliche Aktivität und das Nicht-Rauchen - sollte in das
Gesamtkonzept einer Fettstoffwechsel-Behandlung stets mit eingebunden
werden. Arzt und Patienten sollten das gemeinsam besprechen“, rät der
Herzstiftungs-Experte. Infos zur Mittelmeerküche, die fettarm und reich an
ungesättigten Fettsäuren ist, sind unter https://herzstiftung.de
/mediterrane-ernaehrung abrufbar.
(wi/ne)

(1)     Literatur:

Wood FA et al., NEJM 2020, 383(22):2182-4, doi: 10.1056/NEJMc2031173
Laufs & Isermann, EHJ 2020; 41(35):3343-5, doi: 10.1093/eurheartj/ehaa582
Bytyçi et al., European Heart Journal 2022;
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac015 Reuth, Baigent, Collins et al.,
Lancet. 2022, doi:10.1016/S0140-6736(22)01545-8

Jetzt reinhören! Podcast „Muskelschmerzen durch Statine – echt oder
eingebildet?“
Der Podcast mit dem vollständigen Gespräch mit Prof. Dr. Ulrich Laufs ist
zu hören unter: https://www.herzstiftung.de/podcast-statine-schmerzen
Alle Podcasts können auf der Herzstiftungs-Website unter
https://www.herzstiftung.de/podcasts direkt gehört werden und sind ebenso
bei den einschlägigen Podcast-Anbietern wie Spotify und Apple iTunes zu
finden. Alle 14 Tage gibt es einen neuen „imPULS“-Podcast.

Informationen über Ursachen und Folgen hoher Cholesterinwerte sowie
Möglichkeiten der Therapie finden Betroffene und Interessierte unter
www.herzstiftung.de/cholesterin und
https://www.herzstiftung.de/cholesterinsenker sowie unter
https://www.herzstiftung.de/statine-irrtuemer

Den kostenfreien Ratgeber „Hohes Cholesterin: Was tun?“ kann man unter
www.herzstiftung.de/bestellung oder per Tel. unter 069 955128-400
anfordern.

  • Aufrufe: 176