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Wie schützt man ein Baby vor Allergien?

Stiftung Kindergesundheit informiert über die aktuellen Empfehlungen zur
Allergieprävention.

Mehr als zwei Millionen Kinder in Deutschland leiden unter Heuschnupfen,
allergischem Asthma, Neurodermitis oder einer Allergie gegen
Nahrungsmittel. Wie können wir unserem Kind diese allergischen
Erkrankungen ersparen? – so fragen sich viele werdende Mütter und
frischgebackene Elternpaare. Die Antworten der Medizin auf diese Frage
haben sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, berichtet die
Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

Auch in der Vorbeugung gegen Allergien ereignet sich nämlich eine Art
Zeitenwende. Der Leitsatz heißt heute: Weniger Karenz, dafür mehr
Toleranz.

Lange ging man davon aus, dass die wirkungsvollste Maßnahme, Allergien zu
verhindern, die Karenz, also Vermeidung sei: In Familien, in denen ein
Allergierisiko besteht, sollten potenzielle Allergene wie Hausstaub und
Pollen, Eier, Fisch, Nüsse und Tierhaare während der Schwangerschaft und
der Stillzeit und auch im frühen Kindesalter möglichst gemieden werden. Im
Babyhaushalt sollte unnachgiebig auf Hygiene geachtet, nicht voll
gestillte Babys aus Allergikerfamilien mit einer hypoallergenen (HA)
Nahrung gefüttert werden.
Die Kinder sollten außerdem möglichst spät Beikost wie Gemüse, Obst,
Getreide und Nudeln zugefüttert bekommen und es wurde gewarnt:
Allergenreiche Nahrungsmittel wie Milch, Eier und Fisch sollte das Kind
frühestens im Alter von neun bis zwölf Monaten bekommen. Das Kinderzimmer
sollte mit einer neuen Matratze und eventuell mit einem milbendichten,
allergenfilternden Matratzenbezug (Encasing) milbenfrei gehalten,
Haustiere unbedingt abgeschafft werden.

Wenn sich das Immunsystem langweilt
Dieses zentrale Prinzip der Allergenmeidung erwies sich zunehmend als eine
Sackgasse, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. So habe es
mittlerweile einen Paradigmenwechsel gegeben, der einen kompletten
Abgesang auf die früher vertretenen Überzeugungen bedeute.
„Es wurde immer deutlicher, dass Verzögern und Vermeiden von Lebensmitteln
mit allergenem Potential das Immunsystem von Kindern in eine falsche
Richtung programmieren kann“, erläutert Professor Dr. Dr. Berthold
Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik München und
Vorsitzender der Stiftung Gesundheit. „Ein früher Kontakt zu den
vielfältigen Mikroben und Allergenen der Umwelt dagegen mobilisiert die
Abwehrkräfte und führt so zu einer normalen Immunantwort und zum Aufbau
einer Toleranz gegen Umweltantigene. Fehlen solche Reize, dann ist das
Immunsystem gewissermaßen ‚unterbeschäftigt‘ und sucht sich seine Feinde
selbst, um sie dann mit unerwünschten, allergischen Immunantworten zu
bekämpfen“.
Und so kommt es, dass die heutigen Empfehlungen zur Verhütung von
Allergien immer mehr zu regelrechten Auflistungen werden, was alles von
den bisherigen Ratschlägen ein Kind nicht vor Allergien schützen kann.
Statt Vermeidung wird heute eher zur Gewöhnung geraten, mit dem Fachwort
„Toleranzinduktion“: Je früher und vielfältiger ein Kontakt mit potenziell
Allergie auslösenden Stoffen entsteht, desto leichter lernt das
Immunsystem den Umgang mit ihnen.

Auf die Vielfalt kommt es an!
Aktuelle Studien und Leitlinien zur Allergieprävention zeigen exemplarisch
den Meinungsumschwung der Wissenschaft. Die Stiftung Kindergesundheit
nennt einige wichtige Beispiele:
•       Muss die Mutter in der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf
bestimmte Nahrungsmittel verzichten?
Ganz und gar nicht. Für den Nutzen von Essenseinschränkungen während der
Schwangerschaft und in der Stillzeit gibt es keine Belege: „Schwangere
sollten sich nach Lust und Laune, freilich möglichst ausgewogen und
abwechslungsreich ernähren“, empfiehlt Professor Dr. Berthold Koletzko.
„Spezielle Lebensmittel sind in aller Regel nicht notwendig. Schwangere
sollten stattdessen auf eine mannigfaltige und nährstoffdeckende Ernährung
in Schwangerschaft, Stillzeit und im ersten Lebensjahr achten. Auch
Fischmahlzeiten sind empfehlenswert“.

•       Braucht das Baby eine hypoallergene Flaschennahrung?
In den ersten sechs Monaten sollte das Kind gestillt werden - für die
Dauer von mindesten vier Monaten ausschließlich. Das gilt für Kinder mit
erhöhtem Allergierisiko ebenso wie für alle anderen Babys. Auch nach der
Einführung von Beikost sollte weitergestillt werden, betont Professor
Koletzko. Kann nicht mehr oder nicht ausreichend gestillt werden, kann das
Kind eine handelsübliche Säuglingsanfangsnahrung bekommen.
Säuglingsnahrungen mit aufgespaltenem oder hydrolysierten Milcheiweiß
(sogenannte HA-Nahrung) werden als sicher bewertet und von der Deutschen
Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin als eine mögliche Option
bewertet. Sojanahrung, Ziegenmilch oder Getreidedrinks sind zur
Allergievorbeugung nicht geeignet.

•       Beeinflusst der Beginn der Beikostfütterung das Allergierisiko?
Ein Beginn der Beikostfütterung auch mit Gabe von Lebensmitteln mit hohem
allergenen Potential im Alterszeitraum zwischen etwa vier und sechs
Monaten reduziert das Allergierisiko im Vergleich zu einem späteren
Beikostbeginn mit sechs Monaten. Die neue europäische Leitline zur
Allergieprävention bezeichnet das Alterszeitfenster von vier bis sechs
Monaten für die Beikosteeinführung als den effektivesten Zeitraum für die
Senkung des Allergierisikos.

•       Müssen Kinder aus Allergikerfamilien hochallergene Nahrungsmittel
meiden?
Auch für diese Kinder gelten die gleichen Empfehlungen wie für alle
anderen Kinder ohne Allergiebelastung. Sie sollten ab dem vollendeten
vierten Lebensmonat möglichst zügig eine vielseitige Kost kennenlernen, am
besten alles, was in ihrer Familie gegessen wird. Eine Einschränkung gibt
es allerdings bei Eiern: Zur Prävention einer Allergie gegen
Hühnereiweiss wird die regelmässige Gabe von durcherhitztem Hühnerei ab
dem fünften Lebensmonat (also im Alter von vier abgeschlossenen Monaten)
mit der Einführung der Beikost empfohlen. Das heißt: Eier für das Kind
nur in verbackener Form oder hart gekocht, aber kein rohes Ei und auch
kein Rührei.

•       Ist ein Haustier schädlich für das Baby?
Haustiere gelten nicht mehr als Allergierisiko. Kinder, die in den ersten
drei Lebensjahren mit Hunden aufwachsen, entwickeln sogar seltener
Allergien und Asthma als Kinder ohne Hunde. Für die Abschaffung bereits
vorhandener Hunde und Katzen aus Gründen der Allergievermeidung besteht
also kein Grund. Eine Einschränkung ist allerdings auch bei dieser Frage
geblieben: Wenn in einer Familie hohes Allergierisiko besteht oder das
Kind bereits unter einem atopischen Ekzem (Neurodermitis) leidet, sollte
keine Katze neu angeschafft werden.

•       Muss man Staub im Haushalt und Milben im den Betten bekämpfen?
Die Verwendung milbenallergendichter Matratzenüberzüge (Encasings) ist nur
dann nützlich, wenn jemand in der Familie bereits unter einer
nachgewiesenen Allergie gegen Hausstaubmilben leidet.

Allergieschutz durch Kuhstall, Heu und Hühnerhof
Kinder gehören nicht unter die Käseglocke, betont die Stiftung
Kindergesundheit. Mehrere Studien unterstützen die sogenannte
Hygienehypothese, auch Bauernhof- oder Urwaldhypothese genannt. Sie beruht
auf der Beobachtung, dass Allergien vor allem unter Stadtbewohnern
zunehmen. Zudem hat sich herausgestellt, dass Bauernkinder mit Zugang zum
Stall und zu Tieren deutlich seltener an Asthma, Heuschnupfen oder anderen
Allergien erkranken als Kinder, die nicht auf einem Bauernhof leben.
Der vermutliche Grund: Sie haben von Anfang an mehr Kontakt zu Kühen und
anderen Tieren und den sie besiedelnden Bakterien und anderen
Mikroorganismen.

Was bleibt, was hilft, was kommt?
Eine frühe Einführung von Beikost schadet nicht, sondern bringt sogar
einen Nutzen. Empfehlenswert ist die zügige Einführung einer vielfältigen
Kost ab dem vollendeten vierten Lebensmonat. „Die Einführung von Beikost
bedeutet aber nicht Abstillen, sondern das weitere Stillen mit der
Beikostgabe“, so Professor Koletzko: „Auch Babys, die schon Brei- und
Löffelkost bekommen, sollten so lange weiter gestillt werden, wie Mutter
und Kind es möchten“.
Es gibt Hinweise darauf, dass Kinder, die durch Kaiserschnitt zur Welt
kommen, ein erhöhtes Allergierisiko haben, weil ihnen der Kontakt zu den
Keimen der Mutter fehlt. Dies ist weiteres Argument, einen Kaiserschnitt
nur dann durchzuführen, wenn wirklich eine medizinische Notwendigkeit dazu
besteht. Auch bei Babys, die schon früh mit Antibiotika behandelt werden
müssen, ist das Risiko erhöht, so dass Kinder- und Jugendärzt*innen heute
genau abwägen, wann wirklich Antibiotika notwendig sind. Ob unter
bestimmten Bedingungen die prophylaktische Einnahme von sogenannten
Probiotika oder Präbiotika sinnvoll sein könnte, wird zurzeit intensiv
untersucht und diskutiert. Für generelle Empfehlungen ist es jedoch noch
zu früh, betont die Stiftung Kindergesundheit.

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Neuer MRT für die Uni-Kinderradiologie

Die Kinderradiologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
bekommt am Freitag, 14. April, einen neuen Magnetresonanztomograph (MRT).
Das über vier Tonnen schwere Gerät wird mit einem Kran von der Pfotenhauer
Straße aus ins Untergeschoss von Haus 21, dem Kinder-Frauenzentrum,
gehoben. Zuvor wird der alte MRT aus dem Gebäude – ebenfalls per Kran –
herausgeholt. Für das logistisch wie baulich herausfordernde Vorhaben
haben Bauleute in den vergangenen Tagen nicht nur das alte Gerät
freigelegt. Auch ein Teil der Fassade am Gebäude mussten sie öffnen.

Mit dem MRT werden vor allem Kinder und Jugendliche im Alter von wenigen
Tagen bis 18 Jahren untersucht. Hauptsächlich geht es dabei um die
Diagnostik von Tumoren und Entwicklungsstörungen. Nach positiver
Begutachtung des Beschaffungsantrags durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft wurden die Gesamtkosten in Höhe von 1.9 Millionen
Euro vom Freistaat Sachsen übernommen. „Der 1,5 Tesla starke MRT von
Siemens Healthineers der neuesten Generation gibt uns die Möglichkeit, die
Patientenversorgung auf höchstem Niveau fortzuführen und zeitgleich weiter
in Sachen Bildgebung und Verträglichkeit der Untersuchung zu forschen“,
sagt Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Direktor am Institut für diagnostische
und interventionelle Radiologie.

Über vier Tonnen wiegt der neue Magnetresonanztomograph, der ab dem
heutigen Freitag, 14. April, in das Untergeschoss von Haus 21 im
Uniklinikum Dresden eingebaut wird. Dafür ist schweres Gerät notwendig.
Per Schwerlasttransport kommt der MRT aus Forchheim über die Autobahn nach
Dresden. Ein Kran hebt ihn schließlich an seinen neuen Platz im
Untergeschoss des Gebäudes an der Pfotenhauerstraße. Dafür haben Bauleute
in den vergangenen Tagen einen Durchbruch in der Fassade geschaffen. Bis
zum Abend soll der MRT an seinem Platz stehen. Dann beginnt der
Innenausbau. Im Mai soll das neue Gerät in Betrieb gehen – vorher wird die
sensible Technik eingerichtet.

Der neue MRT löst den bisherigen Magnetresonanztomographen ab, der seit
2006 in Betrieb war. Das Team der Kinderradiologie hat daran täglich
Kinder und Jugendliche untersucht. Das Spektrum ist enorm: Frühgeborene im
Alter von wenigen Tagen mit einem Gewicht um die 500 Gramm werden hier
genauso untersucht, wie übergewichtige Jugendliche im Alter bis zu 18
Jahren. Dabei geht es vor allem um die Diagnostik von Tumorerkrankungen
sowie Entwicklungsstörungen wie Fehlbildungen am Schädel oder Wirbelsäule
oder Auffälligkeiten am Zentralen Nervensystem, aber auch Notfälle aus
Kinderklinik und Kinderchirurgie wurden und werden an dem Gerät
untersucht. „Die große Bandbreite an unterschiedlichen Erkrankungen, an
unterschiedlichen Untersuchungsmethoden sowie bei Alter und Gewicht der
Patientinnen und Patienten erfordert eine breite Expertise aller
Kolleginnen und Kollegen im Team“, sagt Dr. Gabriele Hahn, Oberärztin der
Kinderradiologie. Dabei ist es besonders vorteilhaft, dass sich der MRT
direkt in der Kinderklinik befindet – so werden kurze Wege zwischen
Station und Untersuchungsräumen gewährleistet. Zudem ist hier Personal
tätig, das auf die besonderen Bedürfnisse der meist jungen Patientinnen
und Patienten spezialisiert ist. Um vor allem den jüngeren Kindern die
Untersuchung so angenehm wie möglich zu machen und die Angst davor zu
nehmen, werden das neue MRT, der Untersuchungsraum sowie der Wartebereich
mit kindgerechten Bildern und Elementen gestaltet.

Neben der Patientenversorgung widmet sich das Team der Kinderradiologie
auch der Forschung. In den vergangenen Jahren hat es besonders bei der
Qualität der erstellten Bilder erhebliche Fortschritte gegeben. Auch dank
der im neuen Gerät integrierten Künstlichen Intelligenz (KI) entstehen
Bilder, die den Medizinerinnen und Medizinern ein noch genaueres Bild vom
Körper der Patientinnen und Patienten geben. Weiterhin beschäftigt sich
das Team mit neuen Medikamenten sowie Kontrastmitteln, um die
Verträglichkeit der Untersuchung weiter zu optimieren.

„Der Einsatz dieser neuen Technik am Universitätsklinikum Dresden steht
symbolisch für unseren Anspruch, Patientenversorgung auf höchstem Niveau
mit der Forschung zu verknüpfen“, sagt Prof. Michael Albrecht. „Die
Erfahrungen aus dem Einsatz des Geräts in der Kinderradiologie in den
vergangenen fast 20 Jahren geben uns recht, wie sinnvoll der Einsatz von
solch moderner und den Organismus besonders schonender Technik für
spezifische Patientengruppen ist. Wir sind dankbar, dass der Freistaat
dieses Bemühen mit der Neu-Investition honoriert.“ „Die stete Investition
in unsere Infrastruktur und Ausstattung ist uns großes Anliegen und
zugleich Herausforderung für die kommenden Jahre. Deshalb sind wir sehr
froh, den Freistaat an unserer Seite zu wissen, der uns bei diesen und
anderen Investitionen unterstützt und das Potenzial dieser Anschaffungen
für die Patientenversorgung genau wie für die Forschung kennt“, sagt Frank
Ohi, Kaufmännischer Vorstand.

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Neues Verbundprojekt zur Verbesserung der Lebensqualität bei Lungenkrebs

Die Verbesserung der Lebensqualität von Patient*innen, die an Lungenkrebs
erkrankt sind, ist das Ziel eines neuen gemeinsamen Projekts der
Universität Bayreuth, der Universität Regensburg und des
Universitätsklinikums Regensburg. Das Vorhaben wird von Prof. Dr. Martin
Emmert, Inhaber der Professur für Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement
und Präferenzforschung in der Onkologie an der Universität Bayreuth,
geleitet. Es wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
(G-BA), dem obersten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen
Deutschlands, in den nächsten drei Jahren mit insgesamt rund 1,3 Millionen
Euro gefördert.

Das Lungenkarzinom ist mit über 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr die
zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Die Symptome dieser Erkrankung und
die Begleiterscheinungen der oft belastenden Behandlung können die
Lebensqualität von Betroffenen erheblich beeinflussen. Hier setzt das neue
Projekt „LePaLuMo“ an, die Abkürzung steht für „Verbesserung der
Lebensqualität (LQ) von PatientInnen mit Lungenkarzinom durch
präferenzorientiertes LQ-Monitoring und Verknüpfung mit
Krebsregisterdaten“. Bei den anstehenden Forschungsarbeiten kooperieren
Prof. Dr. Martin Emmert vom Institut für Medizinmanagement und
Gesundheitswissenschaften (IMG) an der Universität Bayreuth, Prof. Dr.
Monika Klinkhammer-Schalke vom Zentrum für Qualitätssicherung und
Versorgungsforschung an der Universität Regensburg und Prof. Dr. Michael
Koller vom Zentrum für Klinische Studien am Universitätsklinikum
Regensburg.

Dem Projekt „LePaLuMo“ liegt ein Konzept zum Monitoring und zur
Verbesserung von krankheitsbezogener Lebensqualität zugrunde, das an der
Universität Regensburg entwickelt wurde. Es stellt die individuelle
Lebensqualität von Patient*innen mit Nachdruck in den Mittelpunkt. In
Studien zu Brust- und Darmkrebs hat sich dieses Konzept als sehr
erfolgreich erwiesen, nun soll es auf Lungenkarzinome ausgeweitet werden.
Dabei werden – im Rahmen eines Discrete-Choice-Experiments – zunächst die
Präferenzen von Lungenkrebspatient*innen und ihren nachsorgenden
Ärzt*innen ermittelt. Die Ärzt*innen sollen sich besser, als dies bisher
der Fall war, einen umfassenden Eindruck vom gesundheitlichen Status ihrer
Patient*innen machen können. So werden sie in der Lage sein, ihre
Kommunikation ganzheitlich auf die Erfahrungen, Bedürfnisse und Interessen
der Patient*innen auszurichten, statt sich auf vereinzelte klinische
Aspekte zu fokussieren.

Während der Krebstherapie und der Nachsorge werden – mithilfe einer
digitalen Gesundheitsanwendung – alle relevanten Aspekte der individuellen
Lebensqualität von Lungenkrebspatient*innen kontinuierlich erfasst. Die so
gewonnenen individuellen Profile sollen den Betroffenen selbst und mit
deren Einverständnis allen zur Verfügung gestellt werden, die an der
Therapie mitwirken. Damit bei Bedarf schnell und zielgerichtet kompetente
Ansprechpartner*innen kontaktiert werden können, wird in Bayreuth und
Regensburg ein umfassendes Versorgungsnetzwerk aufgebaut. Dieses umfasst
spezialisierte Klinikärzt*innen, niedergelassene Ärzt*innen und
Therapeut*innen insbesondere aus den Bereichen Physiotherapie,
Psychotherapie und soziale Arbeit. Das Netzwerk wird sich zielgerichtet um
die individuelle Lebensqualität der Patient*innen kümmern und sie dadurch
bestmöglich in ihrem Kampf gegen den Krebs unterstützen.

Darüber hinaus ist geplant, die während des Projekts erhobenen Daten mit
klinischen Daten des Bayerischen Krebsregisters zu verknüpfen. „Diese
systematische Verknüpfung ist bisher einmalig in Deutschland. Sie eröffnet
der Versorgungsforschung die Möglichkeit, gezielt und systematisch
Forschungsfragen zu bearbeiten, die das Wohlbefinden und die
Lebensqualität der Patient*innen im Blick haben und damit über
traditionelle klinische Parameter deutlich hinausreichen“, sagt
Projektleiter Prof. Dr. Martin Emmert.

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Augenheilkunde als Vorreiterin der Ambulantisierung DOG warnt: „Mehr ginge zu Lasten der Patientinnen und Patienten“

Ambulantisierung ist ein wichtiger Eckpunkt der großen Krankenhausreform,
die derzeit von der Krankenhauskommission der Bundesregierung erarbeitet
wird. Auf dem skizzierten Weg sieht die Deutsche Ophthalmologische
Gesellschaft (DOG) ihr eigenes Fach bereits weit fortgeschritten: Einer
aktuellen Umfrage zufolge finden in Augenkliniken heute bereits 80 Prozent
der Behandlungen ambulant statt. Im Hinblick auf die Ambulantisierung
nehme die Ophthalmologie daher eine Vorreiterrolle ein, so die DOG. Die
Fachgesellschaft warnt zugleich davor, den stationären Anteil noch
wesentlich abzusenken – ein weiterer radikaler Schritt in der
Augenheilkunde ginge auf Kosten der Patientinnen und Patienten.

Knapp über 84 Prozent – so hoch ist bereits jetzt der Anteil der
ambulanten Leistungen an Deutschlands Augenkliniken. Das ist das Ergebnis
einer Online-Umfrage, die die DOG gemeinsam mit der Vereinigung der
Ophthalmologischen Lehrstuhlinhaber (VOL) und der Vereinigung Deutscher
Ophthalmologischer Chefärzte (DOCH) durchgeführt hat. „Entsprechend werden
nur knapp 16 Prozent der Patienten stationär behandelt“, sagt Professor
Dr. med. Claus Cursiefen, Generalsekretär der DOG, der die Umfrage mit
initiiert hat.

Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2019 und markieren den vorläufigen
Endpunkt einer jahrelangen Entwicklung hin zu mehr ambulanten und weniger
stationären Behandlungen. „Mit dieser Entwicklung hat unser Fach die
aktuelle Forderung nach Ambulantisierung quasi bereits vorweggenommen“, so
Cursiefen. Hauptursache für den Trend hin zur ambulanten Augenheilkunde
sei die beeindruckende Entwicklung minimalinvasiver Operationstechniken in
den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.

Hierdurch habe sich zum einen das Behandlungsspektrum vergrößert, zum
anderen liefen die Eingriffe deutlich schonender ab und machten so eine
ambulante Versorgung überhaupt erst möglich. „Das lässt sich sehr gut an
einer der häufigsten Augenoperationen überhaupt, der Operation des Grauen
Stars, demonstrieren“, erklärt Cursiefen. Während jährlich mindestens
700.000 Kataraktoperationen in Deutschland erfolgen, wurden davon im Jahr
2021 laut Statistischem Bundesamt nur 93.922 im stationären Bereich
erbracht – das entspricht etwa 13 Prozent. „Der Eingriff findet nur noch
relativ selten stationär statt“, so Cursiefen.

An der Umfrage nahmen 56 der insgesamt 102 deutschen Augenkliniken teil,
in die Auswertung konnten 51 davon einbezogen werden. „Damit stand uns –
mit Ausnahme der Versorgung in Belegabteilungen – eine große,
repräsentative Stichprobe zur Verfügung“, sagt Dr. Philip Gass,
Geschäftsführer der DOG. In den einzelnen Kliniken seien im Index-Jahr
2019 zwischen 813 und 70.000 Behandlungen dokumentiert worden –
durchschnittlich rund 21.400 pro Klinik –, die sich rechnerisch zu einer
Gesamtzahl von knapp 1,1 Millionen addierten. „Bei 915.836 ambulanten
Behandlungen ergibt sich die erwähnte Quote von 84,1 Prozent“, erläutert
Gass. Augenkliniken erbringen somit nicht nur die gesamte stationäre
ophthalmologische Versorgung, sondern auch einen erheblichen Teil der
ambulanten.

Die stationäre zugunsten einer ambulanten Behandlung zu reduzieren, wie es
die Reformpläne vorsehen, ist für die Augenheilkunde damit kein Neuland.
„Wir begrüßen diese Tendenz prinzipiell“, sagt Cursiefen. Eine leichte
Erhöhung der ambulanten Versorgungsquote sei vermutlich auch im Bereich
der Ophthalmologie noch möglich. „Allerdings ist das Potenzial in unserem
Fach weitgehend ausgeschöpft“, merkt der DOG-Generalsekretär an.

Die DOG drängt daher darauf, bei der konkreten Ausgestaltung der Reform
Augenmaß walten zu lassen und zumindest in Hinblick auf die Augenheilkunde
zu differenzieren. „Patientinnen und Patienten mit stationärem
Behandlungsbedarf müssen auch weiterhin stationäre Leistungen in Anspruch
nehmen können“, betont Cursiefen. Dazu zählten unter anderem Kinder und
Personen mit dementiellen Erkrankungen, aber auch Menschen mit schweren
Allgemeinerkrankungen oder Komplikationen. „Eine weitere deutliche
Absenkung des stationären Anteils ginge letztlich zulasten dieser
besonders vulnerablen Gruppen“, warnt der DOG-Generalsekretär.

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