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Sicher reisen mit Herzkrankheit: Was sollte man beachten?

Höhe, Hitze, Tropenklima und dreckige Luft können Herzkranke zusätzlich
belasten. Was man bei Rhythmusstörungen und einem Herzschrittmacher, bei
Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt wissen sollte, erklärt die
Herzstiftung

Auch Menschen mit Herzkrankheiten wie koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzrhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) müssen in der Regel nicht aufs Reisen verzichten. Wer
mit Herzerkrankung den Sommer zum Verreisen nutzt, sollte seine Reise
allerdings gut planen. „Grundsätzlich sollten Betroffene immer rechtzeitig
mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Rücksprache halten, ob und wann eine
Reise möglich ist oder nicht“, so der Herzstiftungs-Experte Privatdozent
Dr. med. Magnus Baumhäkel unter www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient Der
niedergelassene Kardiologe und Gefäßspezialist in Saarbrücken rät
Herzkranken, sich bereits vier bis sechs Wochen vor der Reise nochmals
untersuchen zu lassen, damit die Stabilität der Erkrankung überprüft und
die Medikation eventuell geändert werden kann. „Nur so lassen sich Risiken
durch Überbelastungen oder Fehleinschätzungen vermeiden.“ Eine Reise-
Checkliste für Herzpatienten zu hilfreichen Punkten wie
Krankheitsunterlagen einpacken (z. B. letzter OP-, Ultraschall- oder
Röntgenbericht) und einen Medikamentenplan mitführen bietet die
Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient oder telefonisch
unter 069 955128-400.

Wie belastbar ist man mit seiner Erkrankung?
Erster Anhaltspunkt, ob eine Reise empfehlenswert ist, ist die Frage nach
der Belastbarkeit. Generell gilt: Die körperliche Leistungsfähigkeit
sollte nicht wesentlich eingeschränkt sein. Bestimmte Eingriffe und
Erkrankungen am Herzen sollten eine bestimmte Zeit zurückliegen, um sicher
in den Urlaub fahren zu können:
- Eine Aufdehnung der Herzkranzgefäße, das Einsetzen eines implantierbaren
Defibrillators oder eines Herzschrittmachers sollte in der Regel 1-2
Wochen vor Reiseantritt zurückliegen. Kurzfristigere Reisen sind möglich,
sollten aber mit dem behandelnden Arzt/Kardiologen abgesprochen werden.
- Ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation sollten 2-4 Wochen zurückliegen.

Hitze, Kälte, Höhe: das richtige Reiseziel?
Bei der Wahl des richtigen Urlaubsziels sollten Herzpatienten den Klima-
und Zeitwechsel berücksichtigen. Sehr hohe Temperaturen können ohne
Vorsichtsmaßnahmen bei vorbelasteten Menschen beispielsweise einen
Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen auslösen (Info:
www.herzstiftung.de/herzprobleme-bei-hitze). Aufenthalte in großen Höhen
können den Herzmuskel zu stark belasten und im schlimmsten Fall zu einem
Herzinfarkt führen. Vor allem in Höhen über 2500 m sorgt die „dünnere“
Luft für weniger Sauerstoff in den Arterien. Das Herz steuert dem via
Sympathikusaktivierung entgegen, wodurch u. a die Herzschlag-Rate steigt.
Dies belastet allerdings ein ohnehin schwaches Herz zusätzlich. „Tropische
und subtropische, arktische und subarktische Klimata sind für
Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, weil sie das Herz-
Kreislauf-System zu sehr anstrengen“, betont Baumhäkel und fügt hinzu:
„Sinnvoller ist es, eine Klimazone zu wählen, an die der Körper bereits
gewöhnt ist.“ Optimale Reisezeiten für Herzpatienten sind das Frühjahr und
der Herbst.

Luftqualität am Reiseort vorab checken!
Auch Luftverschmutzung kann das Herz-Kreislauf-System belasten.
Schadstoffe in der Luft wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Stickoxide
begünstigen Entzündungen, entzündliche Botenstoffe aus der Lunge gelangen
in den Kreislauf und wirken sich begünstigend auf Gefäßerkrankungen wie
Ablagerungen in den Arterienwänden (Arteriosklerose) aus. Das gilt etwa
für eine KHK, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. „Je nach Art der
Herz- oder Kreislauferkrankung kann sich Luftverschmutzung am Reiseort
bereits innerhalb kurzer Zeit ungünstig auf die Erkrankung auswirken, im
schlimmsten Fall eine Komplikation wie Herz- oder Hirninfarkt auslösen
oder bei Herzinsuffizienz-Patienten zu einem Krankenhausaufenthalt
führen“, so Baumhäkel. Herzpatienten sollten sich daher vorab über die
Luftqualität vor Ort informieren. Infos zur Luftqualität weltweit sind
unter https://waqi.info/de/ abrufbar.

Besser langsam angehen
Am Urlaubsort sollten Herzpatienten sich langsam eingewöhnen, z. B. in den
ersten Tagen auf Bergtouren verzichten oder lange Sonnenbäder vermeiden.
Regelmäßige leichte bis mittlere Belastung ist auch im Urlaub
wünschenswert, z. B. Wandern oder Radfahren - allerdings nicht in der
Mittagssonne. „Wer schwimmen will, sollte das vorab mit dem Arzt
besprechen. Denn beim plötzlichen Einsteigen in sehr kaltes Wasser oder
beim Ausstieg kann es unter Umständen zu Kreislaufproblemen kommen“, so
Baumhäkel. Patienten, die Medikamente nehmen, sollten ihre gewohnte
Einnahmezeit beibehalten, denn so ist die Gefahr am geringsten, dass das
Medikament vergessen wird. Da sich im Urlaub die Essgewohnheiten ändern
können, sollten Herzpatienten, die wegen einer künstlichen Herzklappe oder
Vorhofflimmern den Gerinnungshemmer Marcumar einnehmen, ihre Gerinnung in
kürzeren Abständen kontrollieren. Fettreiche Kost und ein ungewohnt hoher
Konsum Vitamin-K-haltiger Lebensmittel können die Marcumar-Wirkung
beeinträchtigen.

Wer sollte aufs Reisen verzichten?
In bestimmten Fällen wird Menschen mit Herzerkrankungen davon abgeraten,
eine Reise anzutreten. Dazu gehören Patientinnen und Patienten mit
- Angina pectoris (Brustenge) bei geringen Belastungen wie z. B.
Treppensteigen,
- zunehmender Angina pectoris (Brustenge),
- Luftnot bei geringer Belastung wie Gehen zu ebener Erde oder
Treppensteigen,
- zunehmender Luftnot oder zunehmenden Ödemen,
- wiederholtem Schwindel
- und plötzlichen Bewusstlosigkeiten (Synkopen).

Herz-Tipp bei implantierbarem Defibrillator/Herzschrittmacher
Einige Schrittmachersysteme verfügen über die Möglichkeit, eine circadiane
Rhythmik zu programmieren. Bei einem Wechsel der Zeitzonen sollte diese
Funktion zuvor deaktiviert werden. Im Rahmen von Sicherheits-Checks können
die begehbaren Detektoren mit Schrittmachern/Defibrillatoren benutzt
werden. Manuelle Metalldetektoren sollten jedoch möglichst nicht direkt
über das Aggregat geführt werden (Schrittmacherausweis vorzeigen). Weitere
Infos unter: www.herzstiftung.de/schrittmacher-defi-reise

Urlaub im Corona-Zeiten: Urlauber sollten sich vor ihrer Reise u. a. über
Pandemie-Bestimmungen am Reiseziel, Reisewarnungen und Quarantänepflichten
bei der Heimkehr informieren. Vor Buchung sollten sich Herzkranke über die
Corona-Sicherheitsmaßnahmen ihres Hotels informieren: Welche Reinigungs-
und Desinfektionsverfahren kommen wann und wo zum Einsatz und trägt das
Personal Maske? Wie gut funktioniert das Belüftungssystem des Hotels? etc.
Vor Ort sollten Verhaltensregeln eingehalten werden (AHA+L-Formel):
- Abstand halten (mindestens 1,5 Meter),
- Hygieneregeln beachten (richtiges Husten, Niesen und gründliches
Händewaschen),
- im Alltag sowie auf Reisen Maske tragen
- und regelmäßiges Lüften in Innenräumen
Sollten Herzpatienten aufgrund einer angeordneten Quarantäne länger im
Urlaubsland bleiben müssen, sollten sie auf einen ausreichenden Vorrat an
notwendigen Medikamenten achten.

Service-Tipps

Checkliste für mehr Sicherheit
Eine Reise-Checkliste zu den wichtigsten Punkten einer guten
Reisevorbereitung und die Bestellmöglichkeit eines Reise-Sets für
Herzkranke bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter
www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient oder telefonisch unter 069
955128-400

Neu aus der Podcast-Reihe imPULS zum Schwerpunkt Reise

Hitze, Höhe & Hektik – Sicher reisen trotz Herzschwäche
In der aktuellen imPULS-Episode erläutert der Kardiologe Prof. Stephan von
Haehling, welche Reisevorbereitungen empfehlenswert sind, warum Pausen auf
der Reise besonders wichtig sind und wie Klima, Luftverschmutzung und Höhe
am Urlaubsort eine Herzinsuffizienz verschlechtern können. Hören Sie rein
unter www.herzstiftung.de/podcast-reisen-herzinsuffizienz

Infos zu den Themen Schwimmen, Wandern und Radfahren:
www.herzstiftung.de/schwimmen
www.herzstiftung.de/wandern
www.herzstiftung.de/radfahren

Reisehilfen für Herzpatienten
Damit Herzpatientinnen und -patienten möglichst sicher auf Reisen gehen
können, bietet die Herzstiftung ein kostenfreies Reise-Set (1x Checkliste
zur Reise-Vorbereitung, 1x Med. Sprachführer für Herznotfall im Ausland,
1x Notfallausweis) und weitere hilfreiche Materialien an:
www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient

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Technologien zur Sturzprävention

Prof. Dr. João Pedro Batista von der SRH Hochschule für Gesundheit
informiert am 28. Juli 2022 in seiner Online-Antrittsvorlesung über Stürze
bei älteren Menschen.

Jedes Jahr stürzt ein Drittel der über 65-Jährigen, wobei die Rate
sturzbedingter Verletzungen mit dem Alter steigt. Stürze können zum einen
schwerwiegende physische Folgen wie Knochenbrüche oder Kopfverletzungen
haben, zum anderen auch psychische Folgen. Die Angst vor Stürzen und der
Verlust des Selbstvertrauens führen wiederum zu einer Verringerung der
körperlichen Funktion und der sozialen Interaktion. Diese Einschränkungen
der Aktivitäten können das Risiko weiterer Stürze erhöhen und zur
Verschlechterung der körperlichen Fähigkeiten beitragen. Daher stellt sich
die Frage, wie Stürze bei älteren Menschen verhindert werden können.

„Physiotherapeutische Interventionen, die die Körperhaltung herausfordern,
sollten bei der Gestaltung von Übungen zur Sturzprävention besonders
berücksichtigt werden. Es besteht jedoch ein dringender Bedarf an
innovativen Lösungen zur Verringerung des Sturzrisikos bei älteren
Menschen“, erläutert Prof. Dr. João Pedro Batista, Professor für
Therapiewissenschaft im ausbildungsintegrierenden Bachelor-Studiengang
Physiotherapie am Campus Leverkusen der SRH Hochschule für Gesundheit. In
seiner kostenfreien Online-Antrittsvorlesung „Stürze bei älteren Menschen:
Technologien zur Sturzprävention und die Rolle der Physiotherapie“ am 28.
Juli 2022 um 17.30 Uhr stellt Prof. Dr. João Pedro Batista neue
Technologien zur Sturzprävention und Implikationen für die klinische
Praxis vor.

Messinstrumente und kontinuierliche Überwachung sollen
Rehabilitationsteams und Forscher:innen dabei helfen, die Mechanismen
hinter einem Sturzereignis zu verstehen und Daten für eine objektivere und
kostengünstigere Behandlung bereitzustellen. Dabei sind der Umgang mit
computergestützten Instrumenten sowie auch die Interpretation
wissenschaftlicher Evidenzen zur Übertragung der Sturzrisikoforschung auf
die Gangfunktion im täglichen Leben von großer Bedeutung für die
Physiotherapeut:innen der Zukunft. Auch für Studierende im
ausbildungsintegrierenden Bachelor-Studiengang Physiotherapie an der SRH
Hochschule für Gesundheit hält der Bereich der Gesundheitstechnologien zur
Sturzprävention nach ihrem Abschluss vielfältige Möglichkeiten und
Herausforderungen bereit.

Interessierte können sich für die kostenfreie Online-Antrittsvorlesung am
28. Juli 2022 unter https://eveeno.com/427577251 anmelden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/joao-pedro-batista/

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Herzschwäche-Risiko bei Frauen – Was weibliche Herzen anfällig macht

Weibliche Herzen unterscheiden sich von männlichen in Größe und
Pumpleistung – Kardiologin erklärt, was bei Frauen zur Herzschwäche führt
und wie sie sich davor schützen

Lässt die Pumpkraft des Herzens nach, hat das Folgen für den gesamten
Körper. Organe wie Gehirn, Leber, Nieren und Muskeln werden nicht mehr
genügend mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut versorgt. Kardiologen
unterscheiden verschiedene Formen der Herzschwäche (medizinisch
Herzinsuffizienz). Bei der Herzschwäche mit verminderter Pumpfunktion
(systolische Herzinsuffizienz) pumpt das Herz nicht mehr kräftig genug.
Bei der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion pumpt das Herz zwar noch
kräftig, aber es füllt sich nicht mehr ausreichend mit Blut, da das Gewebe
nicht mehr elastisch genug ist. Kardiologen sprechen dann von
diastolischer Herzschwäche.

Herzschwäche bei Frauen: Dehnbarkeit des Herzens häufig gestört
„Frauen leiden eher an diastolischer Herzschwäche, also einer Störung der
Dehnbarkeit und damit der Füllung des Herzens“, sagt Kardiologin Prof. Dr.
Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Das
ist auf die Unterschiede von weiblichen und männlichen Herzen sowohl in
der Größe als auch in der Pumpleistung zurückzuführen. Dies spiegelt sich
in der Form der Herzschwäche wider. Denn Frauen haben generell ein etwas
steiferes und kleineres Herz als Männer. Es kann sich schlechter dehnen
und mit Blut füllen. Ausgeglichen wird dies über eine höhere Pumpleistung.
Werden Frauen älter, gewinnt diese anatomische Gegebenheit an Bedeutung:
Mit zunehmendem Alter nimmt die Herzgröße ab. In den Wechseljahren kommt
es durch die verringerte Östrogenproduktion neben Blutdrucksteigerungen
auch zu einer vermehrten Bildung von Bindegewebe im Herzen. Das Herz
verliert weiter an Elastizität.

Weitere Risikofaktoren, die eine Herzschwäche bei Frauen begünstigen
Und noch weitere Einflussfaktoren begünstigen die weibliche Herzschwäche:
„Besonders Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes mellitus wirken sich
negativ auf die Elastizität des Herzgewebes aus und stellen für Frauen
daher bedeutende Risikofaktoren für eine Herzschwäche dar. Treten sie
gemeinsam auf, potenzieren sich ihre Wirkungen“, erklärt die Chefärztin
für Kardiologie am Marien-Hospital Wesel. Auch mit Blick auf das
Herzinfarkt-Risiko seien die genannten Faktoren kritisch. „Eine
Herzschwäche ist häufig die Folge eines Herzinfarkts. Bei dem Infarkt im
Herzen stirbt Herzgewebe ab und Vernarbungen entstehen, was die Leistung
des Herzens einschränkt“, so die Herzstiftungs-Expertin.

Symptome eines schwachen Herzens erkennen
Eine Herzschwäche entwickelt sich meist schleichend – und bleibt daher oft
lange unerkannt. Nicht selten werden die Symptome fälschlicherweise als
Alterserscheinung abgetan. „Frauen sollten wachsam sein. Atemnot, eine
nachlassende Leistungsfähigkeit sowie Erschöpfung sind erste Symptome
einer Herzschwäche. Auch lassen Wassereinlagerungen, sogenannte Ödeme,
häufig die Füße anschwellen“, sagt Prof. Tiefenbacher. Alltägliche
Aktivitäten werden anstrengender, etwa Treppensteigen, Einkaufen oder
Radfahren.
Wichtig zu wissen:  Ein plötzliches Auftreten von Symptomen wie
Kurzatmigkeit, Müdigkeit, körperliche Schwäche, Schlafstörungen oder auch
gelegentlich Beschwerden im Rücken und Oberbauch können bei Frauen einen
Herzinfarkt anzeigen. Der typische Brustschmerz fehlt bei ihnen häufig
oder ist weniger stark ausgeprägt. Informationen zu den Herzinfarkt-
Symptomen: <https://herzstiftung.de/herzinfarkt-frauen-symptome>

Was Herzschwäche so gefährlich macht
Die Herzschwäche ist eine ernste und tückische Erkrankung, die sich
meistens mit unspektakulären Symptomen und schleichend mit Atemnot,
Leistungsabnahme und Flüssigkeitseinlagerungen bemerkbar macht,
beispielsweise in den Unterschenkeln (geschwollene Beine, Knöchelödeme).
Das birgt die Gefahr, dass ältere Betroffene ihre Beschwerden dem Alter
zuschreiben und diese einfach so hinnehmen, anstatt zum Arzt zu gehen.
Eine chronische Herzinsuffizienz sollte in jedem Fall behandelt werden.
Hierzulande zählt die Herzschwäche zu den häufigsten Todesursachen und ist
eine häufigere Todesursache als Krebs. Bis zu vier Millionen Menschen in
Deutschland haben ein schwaches Herz. Mit zunehmendem Alter steigt das
Risiko. Mehr als 40.000 Menschen sterben jährlich an dieser Krankheit.
„Jeder, der unter Atemnot leidet, sollte ärztlich abklären lassen, ob eine
Herzkrankheit, etwa eine Herzschwäche, die Ursache ist“, rät Prof.
Tiefenbacher. „Je früher ein krankes Herz erkannt und behandelt wird, umso
eher kann man einer Verschlechterung entgegenwirken.“

(akl)

Der Ratgeber „Koronare Herzkrankheit und Herzschwäche – was ist bei Frauen
anders?“
(20 Seiten) kann kostenfrei bei der Herzstiftung unter Telefon (0 69)
955128-400 und unter <www.herzstiftung.de/bestellung> angefordert werden.

Podcast: imPULS – Wissen für Ihre Gesundheit
Frauenherzen schmerzen anders - Ein Podcast-Gespräch über den kleinen
Unterschied am Herzen mit Expertin Prof. Vera Regitz-Zagrosek:
<www.herzstiftung.de/podcasts>

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Teilhabe und Selbstbestimmung für Patient:innen

Studie der Universität Witten/Herdecke zeigt Vielfalt digitaler
Innovationen in der Gesundheitsversorgung: Immer mehr digitale Anwendungen
werden für die Gesundheitsversorgung entwickelt. Forschungsergebnisse
zeigen, dass die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sogar noch
erweitert werden können. Stand bisher mehr die ärztliche oder
institutionelle Nutzung in Krankenhäusern und Praxen im Fokus, so findet
die Nutzung digitaler Innovationen der Gesundheitsversorgung zunehmend
auch im Privaten statt. Insbesondere Apps und Smart-Devices werden
eigenständig von Patient:innen zur Information und Überwachung von
Symptomen genutzt.

Anhand eines sog. Scoping Reviews, in dem einschlägige Forschungsliteratur
zusammengetragen und analysiert wird, konnten an der Universität
Witten/Herdecke für Patient:innen bereits verfügbare digitale Innovationen
der Gesundheitsversorgung identifiziert und die Einsatzgebiete und
-bedingungen dieser Innnovationen untersucht werden.

Viele Angebote zur Unterstützung der Therapie bei chronischen Erkrankungen

Die wichtigste Erkenntnis des Reviews benennt Erstautorin Thea
Kreyenschulte: „Patient:innen nehmen bei digitalen Versorgungsangeboten
eine entscheidende Rolle ein, denn viele digital gestützte
Gesundheitsangebote können sie eigenständig anwenden.“ Dies ermögliche
eine aktive Teilhabe am Versorgungsprozess und könne auch die
Eigenverantwortung von Patient:innen steigern.

„Unserer Ergebnisse zeigen einen Fokus der Angebote auf die Unterstützung
von Therapien vor allem bei chronisch kranken Menschen, während
Innovationen zur Prävention, Diagnose, Rehabilitation und Pflege weniger
stark vertreten sind“, ordnet Koautorin und ATLAS-Projektleiterin Prof.
Sabine Bohnet-Joschko ein.

Den Autorinnen gelang es, digitale Angebotsformen zu identifizieren, die
aktuell bereits für Patient:innen in Frage kommen können. Eingesetzt
werden sie zur Bildung und zum Selbstmanagement, zum Symptommanagement
sowie in der Behandlung. Diese Anwendungen ordnen die Wissenschaftlerinnen
neun unterschiedlichen Schnittstellen zu:

•       Apps, z.B. zur Aufklärung und Dokumentation
•       Smart-Devices, u.a. zur Überwachung von Vitalwerten
•       Telekonsultation, z.B. in Videokonferenzen zur Heimrehabilitation
•       Patient:innenportale, in denen z.B. Fragebögen für Patient*innen
vorgehalten werden
•       Games, z.B. Lernspiele bei ADHS
•       Implantate, wie das Conchlea Implantat
•       Robotik, z.B. in Form eines Daten-sammelnden Massage-Roboterarms
•       intelligente Informations- und Kommunikationssysteme, u.a. in Form
von erweiterter Realität in der Abbildung medizinischer Eingriffe
•       Ambient-Assisted-Living-Umgebungen, die u.a. Smart-Speaker
vorhalten.

Detailliertere Einblicke in Nutzungsmöglichkeiten und -bedingungen
digitaler Innovationen der Gesundheitsversorgung durch Patient:innen
finden sich zudem in der Publikation:

T. Kreyenschulte & S. Bohnet-Joschko, "Nutzung digitaler Innovationen
durch Patient*innen im Versorgungsprozess", in: Gesundheitswesen 2022.
DOI: 10.1055/a-1791-0689

Die Publikation ist im Rahmen des Projektes ATLAS ITG entstanden. Das
Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Es unterstützt den
Theorie-Praxis-Transfer durch eine Auswertung aktueller Studien und führt
Leuchtturmprojekte sowie Akteure der digitalen Gesundheitswirtschaft in
NRW zusammen: www.atlas-digitale-gesundheitswirtschaft.de

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