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NCT Heidelberg: Krebspatiententag am 22. April

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg veranstaltet
am 22. April den 18. Krebspatiententag in digitaler Form. Patientinnen und
Patienten, Angehörige und alle Interessierten können aus erster Hand den
aktuellen Stand der onkologischen Forschung und Behandlung erfahren. Der
Tag beinhaltet Fachvorträge und Expertenforen, an denen sich
Selbsthilfegruppen beteiligen. Die Anmeldung zum Krebspatiententag ist bis
zum 20. April 2023 unter diesem Link möglich:
https://indico.dkfz.de/e/NCT_Patiententag2023

Das NCT Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen
Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Heidelberg
(UKHD).

Der 18. Krebspatiententag des NCT Heidelberg findet am 22. April von 9.30
bis 13 Uhr als Videokonferenz statt. Insgesamt sieben Fachvorträge
vermitteln auf verständliche Weise den neuesten Stand der onkologischen
Forschung und Behandlung in verschiedenen Fachgebieten sowie bei
unterstützenden Angeboten. Zudem stellen sich Selbsthilfe und
Patientenvertretung am NCT Heidelberg vor. An die Fachvorträge schließen
sich interaktive Expertenforen zu unterschiedlichen Erkrankungsformen an,
in denen die Teilnehmenden mit Fachleuten aus Klinik und
Selbsthilfegruppen diskutieren können.

Dirk Jäger, Geschäftsführender Direktor am NCT Heidelberg und Leiter der
Medizinischen Onkologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), sagt:
"Zum Krebspatiententag des NCT Heidelberg laden wir Patienten, Angehörige,
Freunde und Interessierte sehr herzlich ein. Sie erhalten aus erster Hand
Informationen zu onkologischen Fragestellungen und können zudem direkt mit
uns ins Gespräch kommen."

In den vergangenen Jahren waren ungefähr 400 Interessierte online beim
Krebspatiententag dabei. Das Online-Format bietet einen unkomplizierten
Zugang, den viele Teilnehmende schätzen. Alle Vorträge werden automatisch
live untertitelt.

Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor am NCT Heidelberg und Leiter
der Abteilung Translationale Medizinische Onkologie am Deutschen
Krebsforschungszentrum (DKFZ), sagt: "Mit dem Krebspatiententag des NCT
Heidelberg wollen wir auf verständliche Weise aus unserem Fachgebiet
informieren und zugleich erfahren, welche Fragen für Patientinnen und
Patienten besonders drängend sind. Wir freuen uns auf den Austausch."

Der 18. Krebspatiententag des NCT Heidelberg steht unter der
Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Heidelberg, Eckhart
Würzner, und des Krebsverbands Baden-Württemberg. Darüber hinaus trägt das
Heidelberger Selbsthilfebüro zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Als Sponsoren unterstützen die Unternehmen MSD Sharp & Dohme, IPSEN
Pharma, Roche Pharma, GlaxoSmithKline, Janssen-Cilag, Novartis Pharma und
Abnoba.

Die Teilnahme am Krebspatiententag 2023 ist kostenlos. Das detaillierte
Programm und die Anmeldung finden sich unter diesem Link:
https://indico.dkfz.de/e/NCT_Patiententag2023

Themen der Fachvorträge

.       Präzisionsbestrahlung
.       Neue Entwicklungen in der personalisierten Onkologie
.       Aktuelle Ansätze aus der Immuntherapie
.       Wie kann ich meine Fertilität trotz Krebserkrankung bewahren?
.       Informieren - Beraten - Unterstützen: Beratungsangebote am NCT
.       Vorstellung der Sprechstunde "Integrative Onkologie
(komplementäre-naturheilkundliche Beratung)" am NCT
.       Robotik in der onkologischen Chirurgie

Themen der Expertenforen

.       Brustkrebs und gynäkologische Tumoren
.       Gastrointestinale Tumoren (Speiseröhre, Magen, Darm),
neuroendokrine Tumoren
.       Hautkrebs
.       Kopf-Hals-Tumoren, Hirntumoren und -metastasen
.       Leukämien, Lymphome und multiples Myelom
.       Nieren-, Blasen- und Prostatakrebs
.       Sarkome, Knochen- und Weichteiltumoren, CUP
.       Thorakale Tumoren

Anmeldeinformationen und Kontakt

18. Krebspatiententag des NCT Heidelberg Online-Veranstaltung via Zoom 22.
April 2023
9.30 bis 13 Uhr

Anmeldung bis zum 20. April online unter
https://indico.dkfz.de/e/NCT_Patiententag2023
Die Teilnahme ist kostenlos.

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Adipositas ganzheitlich verstehen und behandeln

Übergewicht und Adipositas gehören zu den großen gesundheitlichen
Herausforderungen unserer Zeit. In einem neuen Positionspapier hat die
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
wichtige Grundlagen zur Behandlung und Prävention von Adipositas in der
Hausarztpraxis zusammengefasst und empfiehlt einen holistischen Ansatz in
Prävention und Therapie.

Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Übergewicht und Adipositas ist
erheblich, auch in Politik und Wissenschaft wird das Thema lebhaft
diskutiert, zumal es inzwischen erweiterte operative Möglichkeiten und
neue medikamentöse Behandlungsstrategien zur Gewichtsabnahme gibt.

In einem neuen Positionspapier fasst die DEGAM aktuelle wissenschaftliche
Ergebnisse zu Übergewicht und Adipositas zusammen und empfiehlt auf dieser
Basis eine holistische Perspektive: Statt einzelne Symptome zu behandeln,
sollte ein heterogenes Krankheitsbild wie Adipositas nicht separat
gesehen, sondern im Kontext anderer Erkrankungen wie beispielsweise
Diabetes, arterielle Hypertonie, Demenz oder Osteoporose verstanden
werden. Gleichzeitig müssen die vielfältigen Ursachen von Adipositas
berücksichtigt werden, also genetische Prädispositionen, aber auch
Ernährungsverhalten, Bewegungsmangel sowie problematische sozioökonomische
Verhältnisse.

Die DEGAM sieht die Behandlung von Adipositas klar in der Hausarztpraxis:
Hausärztinnen und Hausärzte sind spezialisiert auf den ganzen Menschen und
damit prädestiniert dafür, Adipositas zu erkennen, in den Gesamtkontext zu
stellen und zu behandeln. Als Therapieoptionen stehen zur Verfügung:
Ernährungsberatung, Bewegungsempfehlungen (z.B. „Rezept für Bewegung“),
(neue) Arzneimittel sowie bariatrische Operationen. „Trotzdem bleiben
Prävention und Therapie von Adipositas in der Hausarztpraxis eine
Herausforderung, da die messbaren Erfolge selbst bei guter Motivation
meist gering und von kurzer Dauer sind“, kommentiert Prof. Martin Scherer,
Präsident der DEGAM.

Gerade weil Übergewicht und Adipositas durch verschiedene, auch
gesellschaftlich bedingte, Faktoren bedingt sind, weist die DEGAM darauf
hin, dass es sich um gesamtgesellschaftliche Herausforderungen handelt,
deren Bewältigung nicht allein in der Hausarztpraxis liegen kann:
„Adipositas ist nicht selten ein direkter Ausdruck sozialer Ungleichheit.
Es ist seit Jahren bekannt, dass das Risiko für Adipositas stark mit dem
sozioökonomischen Hintergrund korreliert. Deshalb greift eine Therapie,
die alleine auf das individuelle Verhalten abzielt, zu kurz, da auch die
Verhältnisse berücksichtigt werden müssen“, sagt Dr. Thomas Maibaum,
stellvertretender Sprecher der Sektion Prävention der DEGAM, die das
Positionspapier federführend entwickelt hat. „Wir Ärztinnen und Ärzte
müssen immer wieder darauf aufmerksam machen, dass ungleiche
Lebensbedingungen und soziale Spaltung auch harte gesundheitliche
Konsequenzen haben“. So sei es aus Sicht der DEGAM nicht nachvollziehbar,
dass breiter angelegte – und seit Jahren gut erforschte – Initiativen der
Verhaltens- und Verhältnisprävention nicht umgesetzt werden. Bekannte
Beispiele sind die Zuckersteuer oder ein finanzierbares und ausgewogenes
Kita- und Schulessen.

Last but not least steht die DEGAM im Positionspapier der geplanten
Einführung eines „Disease Management Programme“ (DMP) zu Adipositas eher
kritisch gegenüber, da es kaum Evidenz für wissenschaftlich fundierte
Therapieoptionen bei Adipositas gibt. „Wie relevant und nachhaltig Abnehm-
Programme in Hinblick auf Morbidität und Mortalität tatsächlich sind, ist
bisher ungeklärt. Präventive Behandlungen zur Änderung des Lebensstils
sind äußerst komplex und nur dann erfolgreich, wenn Autonomie und aktuelle
Lebenssituation der Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden. Nur
so kann es zu einer partizipativen Entscheidungsfindung und einer
nachhaltig wirksamen Adipositas-Therapie kommen“, bemerkt Thomas Maibaum
abschließend.

Zum Positionspapier: https://bit.ly/3n0enIU

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Phagen, Antibiotika-Resistenzen, MRE und neue Antibiotika – die leise Pandemie erkennen und bekämpfen

Das Leibniz-Institut DSMZ lädt am 6. Juni 2023 zum Journalisten-Seminar
„Wer nicht PHAGT, der nicht gewinnt!“ ein

Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH führt am 6. Juni 2023 ein Journalistenseminar „Phagen:
Wer nicht PHAGT, der nicht gewinnt!“ durch.

Multiresistente Bakterien sind eine stille, aber tödliche Gefahr für die
Menschheit. Diese „leise Pandemie“ beschreibt die WHO als eine globale
Bedrohung für die Gesundheit und die Entwicklung. Ein sektorübergreifendes
Handeln ist dringend erforderlich. Multiresistente Bakterien töten
jährlich global mindestens 1,2 Millionen Menschen. In Deutschland kommt es
pro Jahr zu 400.000 bis 600.00 nosokomiale Infektionen und daran
versterben zwischen 10.000 bis 20.000 Menschen. Vor diesem Hintergrund
kommt dem zielgerichteten Antibiotika-Einsatz und der Erforschung und
Etablierung neuer Therapiekonzepte große Bedeutung zu. Neue Wirkstoffe
sind beispielsweise Antibiotika. Eine große Bedeutung kommt wahrscheinlich
auch den Bakteriophagen zu.

Bakteriophagen (kurz Phagen) sind Viren, die nur Bakterien erkennen und
mit ihnen interagieren können, sodass sie im nächsten Schritt in die
Bakterien eindringen und sich darin vermehren, um die Bakterien
schließlich aufzulösen (lysieren). Dabei lysieren Phagen spezifisch nur
innerhalb jeweils einer Bakterienart. Phagen sind die natürlichen
Regulatoren der Bakterienmasse der gesamten Biosphäre und gehören
beispielsweise zu den Bestandteilen des Viroms im humanen Mikrobiom.
Überall da wo Bakterien unerwünscht sind, in der Human- und Tiermedizin,
in der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, können Bakteriophagen
als „Bakterienfresser“ eine bedeutende Rolle spielen. Das letztgenannte
Anwendungsgebiet ist das einzige rein präventive, dagegen stellt die
Anwendung beispielsweise in der Humanmedizin eine Alternativoption
und/oder Ergänzung zur Antibiotikaanwendung dar. Aufgrund ihrer
Wirtsspezifität können Phagen gezielt eingesetzt werden, wenn die
bakteriellen Ziele bekannt sind.

Bakteriophagen können bei antibiotikaresistenten Bakterien effektiv
wirken, wenn sie nachgewiesenermaßen zu den Keimen passen, diese also
effektiv lysieren können. Das muss vorher im Labor in verschiedenen
Experimenten beurteilt werden, auch wenn wir damit nicht die Phagenwirkung
im Patienten vorhersagen können. Im Rahmen der DSMZ-Phagensammlung werden
derzeit etwas mehr als 1.000 verschiedene Bakteriophagen beforscht und
gesammelt. Im Herbst 2022 erhielt mit dem Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche
Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH erstmals ein
wissenschaftliches Institut in Deutschland die GMP-Zertifizierung zur
Identitätsprüfung von Phagen-Prüfpräparaten zur Anwendung am Menschen
gemäß § 64 Absatz 3f Arzneimittelgesetz. Das Leibniz-Institut DSMZ kann
somit die DNA-Sequenzierung zur Identifizierung von Phagen in Projekten,
die an einem therapeutischen Einsatz von Phagen forschen, durchführen. Das
Leibniz-Institut DSMZ befasst sich seit über 30 Jahren mit Bakteriophagen.
Seit vielen Jahren sind die Phagen-Forscher der DSMZ an
Forschungsprojekten beteiligt.

Das Leibniz-Institut DSMZ lädt zum Journalisten-Seminar am 6. Juni 2023
ein. Das Programm entnehmen Sie bitte dem Anhang. Für weitere Auskünfte
steht die Stabsstelle Presse und Kommunikation der DSMZ unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. zur Verfügung.

DSMZ-Pressekontakt:
PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-
Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531/2616-300
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 83.000 Kulturen sowie Biomaterialien
und hat rund 220 Beschäftigte. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 97 selbständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den
übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im
Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und
informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-
Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der
Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In-
und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern
Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.500 Personen, darunter 11.500
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute
liegt bei 2 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de

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Abführmittel: Möglicherweise ein Demenz-Risikofaktor – und in vielen Fällen vermeidbar

Zwischen Darmflora und Hirngesundheit wurden bereits Zusammenhänge
beschrieben. Eine Studie zeigte nun erstmals, dass der regelmäßige
Gebrauch von Abführmitteln mit einem signifikant höheren Demenzrisiko
assoziiert ist. Laxanzien können die Epithelbarrieren des Darms stören und
den Übergang von aus dem Darmmikrobiom stammenden neurotoxischen
Stoffwechselprodukten in das zentrale Nervensystem erleichtern und
inflammatorische Prozesse begünstigen. Noch gibt es keinen Beweis für
diese Hypothese, aber eine gesunde Ernährung kann womöglich gleich doppelt
vor Demenz schützen: Sie macht Abführmittel häufig obsolet und schützt per
se vor kognitivem Abbau.

In Deutschland leiden 1,6 Millionen Menschen an Demenz, bis 2025 werden es
schätzungsweise 2,8 Millionen sein. Die Ursachen umfassen nicht nur die
hohe und weiter steigende Lebenserwartung und genetische Faktoren, sondern
sind zu einem großen Teil auch in sogenannten modifizierbaren
Risikofaktoren zu suchen. Die rechtzeitige adäquate Behandlung/Vermeidung
dieser Risikofaktoren könnte laut dem Bericht der „Lancet Commission“ 2020
[2] bis zu 40% aller Demenzerkrankungen verhindern. Die zwölf bisher
bekannten Faktoren sind: ein niedriger Bildungsstand, Bluthochdruck,
Schwerhörigkeit, Rauchen, Übergewicht, Depressionen, körperliche
Inaktivität, Diabetes mellitus, wenig Sozialkontakt, exzessiver
Alkoholkonsum, Schädel-Hirn-Traumen und Luftverschmutzung.
Auch der Schlaf scheint eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer
Demenz zu spielen. Weitere Risikofaktoren werden erforscht.

Eine große prospektive, populationsbasierte Kohortenstudie analysierte den
Zusammenhang zwischen der Anwendung verschiedener Abführmittel (Laxanzien)
und dem Demenzrisiko [1]. Die Daten entstammen einer Biobank aus UK
(˃500.000 Freiwillige, 40-69 Jahre), die Teilnehmenden waren zu
Studienbeginn nicht an Demenz erkrankt. Als chronischer Laxanziengebrauch
galt eine Einnahme an den meisten Tagen einer Woche in den vier Wochen vor
der Studienaufnahme (im Zeitraum 2006-2010). Outcome war die Diagnose
einer Demenz jeglicher Ursache (laut Klinikstatistiken und Sterberegister
bis 2020). Statistisch adjustiert wurden die Ergebnisse hinsichtlich
soziodemografischer Merkmale, Begleiterkrankungen, Familienanamnese und
sonstiger regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Insgesamt konnten 502.229 Teilnehmende ausgewertet werden (mittleres Alter
56,5±8,1 Jahre; 54,4% weiblich); von diesen nahmen 18.235 (3,6%)
regelmäßig Abführmittel. Die Nachbeobachtung betrug durchschnittlich 9,8
Jahre.  In dieser Zeit erhielten 1,3% der Teilnehmenden, die regelmäßig
Abführmittel eingenommen hatten, eine Demenzdiagnose – jedoch nur 0,4% der
Teilnehmenden, die nicht davon Gebrauch machten. Statistisch errechnete
sich bei regelmäßigem Laxanziengebrauch ein signifikant erhöhtes
Demenzrisiko von 50% (HR 1,51). Der Abführmittelgebrauch war dabei
signifikant mit der Entstehung vaskulärer Demenzen assoziiert (HR 1,65),
nicht jedoch mit der Alzheimer-Demenz (HR 1,05). Das Risiko für Demenzen
insgesamt sowie für die vaskuläre Demenz stieg mit der Zahl der
eingenommenen unterschiedlichen Laxanzien an. Von den Teilnehmenden, die
angaben, nur eine Sorte Abführmittel zu nehmen (n=5.800), war nur die
Gruppe der osmotisch wirksamen Abführmittel signifikant mit dem
allgemeinen Demenzrisiko (HR 1,64) und dem für Demenzen vaskulärer Ursache
(HR 1,97) assoziiert. Osmotische Abführmittel „ziehen“ Wasser in das
Darmlumen, was den Stuhl verdünnt. Bei einem zu häufigen Gebrauch oder bei
zu hohen Dosen kann es zu einem gestörten Mineralstoff- und Wasserhaushalt
kommen.

Doch wie können Abführmittel das Demenzrisiko beeinflussen?  Über die
sogenannte Darm-Hirn-Achse (z.B. der Vagusnerv, aber auch Millionen
weiterer Nervenverbindungen) „kommunizieren“ Darm und Gehirn. Bekannt ist,
dass eine gestörte Darmflora (Dysbiose) diese Signalübertragung und sogar
die Produktion von Neurotransmittern beeinflussen kann [3] – und eine
Studie zeigte bereits 2018, dass osmotisch wirksame Laxanzien das
Mikrobiom verändern [4]. Abführmittel können auch die Epithelbarrieren des
Darms stören und den Übergang von aus dem Darmmikrobiom stammenden
neurotoxischen Stoffwechselprodukten in das zentrale Nervensystem
erleichtern und inflammatorische Prozesse begünstigen

„Die Studie ist keine randomisierte-kontrollierte Studie, daher nicht
beweisgebend, dass Abführmittel das Demenz-Risiko tatsächlich erhöhen.
Weitere Untersuchungen sind notwendig. Dennoch raten wir angesichts des
Ergebnisses zur Vorsicht im Umgang mit Laxanzien, gerade vor dem
Hintergrund, dass Demenzerkrankungen immer weiter zunehmen“, erklärt DGN-
Generalsekretär und -Pressesprecher Prof. Dr. Peter Berlit.

Derzeit nehmen ca. 20 % der Allgemeinbevölkerung und 70 % der
Pflegeheimbewohner [5, 6] regelmäßig Abführmittel ein. Nach Ansicht des
Experten könnten viele Menschen darauf verzichten, wenn sie ihre Ernährung
umstellten und mehr Ballaststoffe, enthalten in Obst, Gemüse und
Vollkornprodukten, und vor allem auch ausreichend Flüssigkeit in Form von
Wasser oder ungesüßten Tee zu sich nehmen würden. „Eine solche
Ernährungsumstellung hat womöglich gleich eine doppelte Schutzwirkung
gegen Demenz: Zum einen lässt sich in vielen Fällen auf Abführmittel
verzichten, die einen potenziell schädigenden Einfluss auf die
Hirngesundheit haben, zum anderen gilt eine gesunde Ernährung per se als
wichtige Säule der Demenzprävention. Für den Erhalt der geistigen Funktion
bis ins hohe Alter lohnt es sich in jedem Fall, seine Ernährung
umzustellen!“

Der Experte betont abschließend die Bedeutung der Demenzprävention: Der
Anteil beeinflussbarer Demenzen liegt Schätzungen zufolge bei etwa 40
Prozent. Die DGN arbeitet zusammen mit der Deutschen Hirnstiftung daran,
das Thema Hirngesundheit und die Bedeutung vermeidbarer
Demenzrisikofaktoren in die Öffentlichkeit zu tragen und möglichst viele
Menschen dafür zu sensibilisieren.

[1] Yang Z, Wei C, Li X et al. Association Between Regular Laxative Use
and Incident Dementia in UK Biobank Participants. Neurology 2023 Feb
22;10.1212/WNL.0000000000207081.
doi: 10.1212/WNL.0000000000207081. Online ahead of print.
[2] Livingston G, Huntley J, Sommerlad A et al. Dementia prevention,
intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission. Lancet 2020
Aug 8; 396 (10248): 413-446
[3] Luc M, Misiak B, Pawlowski M et al. Gut microbiota in dementia.
Critical review of novel findings and their potential application. Prog
Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry 2021; 104: 110039 doi:
10.1016/j.pnpbp.2020.110039
[4] Lukiw WJ, Li W, Bond T et al. Facilitation of Gastrointestinal (GI)
Tract Microbiome-Derived Lipopolysaccharide (LPS) Entry Into Human Neurons
by Amyloid Beta-42 (Abeta42) Peptide. Front Cell Neurosci 2019; 13:545
doi: 10.3389/fncel.2019.00545
[5] Koloski NA, Jones M, Wai R, et al. Impact of persistent constipation
on health-related quality of life and mortality in older community-
dwelling women. Am J Gastroenterol 2013; 108 (7): 1152-8 doi:
10.1038/ajg.2013.137
[6] Fosnes GS, Lydersen S, Farup PG. Drugs and constipation in elderly in
nursing homes: what is the relation? Gastroenterol Res Pract 2012; 2012:
290231 doi: 10.1155/2012/290231

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