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Spezialfach Kinderherzanästhesie: Professionelle Ausbildung für lebensrettende Eingriffe

Als eine von nur drei Einrichtungen europaweit hat das Institut für
Anästhesiologie und Schmerztherapie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ
NRW), Bad Oeynhausen, im Zertifizierungsverfahren der Fachgesellschaft die
Auszeichnung für das Spezialgebiet der Kinderherzanästhesie erhalten.

„Neugeborene, Kinder und Jugendliche mit einem schweren Herzfehler zählen
zu den Hochrisikopatienten im Bereich der operativen Medizin“, sagt
Institutsdirektorin Prof. Dr. Vera von Dossow. „Umso wichtiger ist eine
besonders qualifizierte Ausbildung in diesem Spezialbereich der
Kardioanästhesie“.  Eine solche bietet die Europäische Fachgesellschaft
für Herz-, Thorax- und Gefäßanästhesie und Intensivmedizin (EACTAIC), die
im Rahmen ihres bestehenden Fortbildungsprogramms jetzt mit einem neuen
12-monatigen Fellowship eine weitere strukturierte und zugleich
länderübergreifende Weiterbildung mit hohen Qualitätsstandards für die
Kinderherzanästhesie sicherstellt. Das Fellowship-Programm am HDZ NRW
betreut Prof. von Dossow gemeinsam mit ihrem leitenden Oberarzt Prof. Dr.
Andreas Koster. Das Institut für Anästhesiologie ist bereits seit drei
Jahren für das 24-monatige  Erwachsenen-Herzanästhesie-Programm
zertifiziert. „Es war folglich aufgrund des großen Programms und breiten
Spektrums im ZAH nur konsequent, auch die europäische
Kinderkardioanästhesie-Zertifizierung anzustreben“, sagt Prof. Koster,
Bereichsleiter für Kinderkardioanästhesie und Anästhesie für Erwachsene
mit angeborenen Herzfehlern am Kinderherzzentrum und Zentrum für
angeborene Herzfehler des HDZ NRW.

„Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist eine abgeschlossene
Facharztausbildung für Anästhesiologie mit mindestens zweijähriger
Berufserfahrung im Erwachsenen-Herz-Bereich“, erläutert Professorin von
Dossow. Die Kardioanästhesistin Dr. Ioana Belciu bringt diese
Qualifikationen mit. Seit 2015 ist die erfahrene Fachärztin am HDZ NRW
tätig, hat das europäische Diplom für Anästhesie und transösophageale
Echokardiographie und ist seit 2020 Oberärztin im HDZ NRW. Nach einem
24-monatigen EACTA-Curriculum in der Erwachsenen-Kardioanästhesie  ist sie
jetzt  die erste Absolventin  für das 12-monatige Kinderkardioanästhesie-
Fellowship-Programm.

Zu den Anforderungen, die Dr. Belciu hier erfüllt hat und für die das HDZ
NRW künftig als zertifizierte EACTA-Fortbildungseinrichtung zur Verfügung
steht, zählen neben der nachweislichen Ausbildung für die Anästhesie bei
Kinderherzoperationen einschließlich hochkomplexer Eingriffe bei
Neugeborenen, Kunstherzimplantationen, Herztransplantationen sowie
Operationen Erwachsener mit angeborenem Herzfehler. Hinzu kommen
Anästhesien im Kinderherzkatheterlabor und Einsätze auf der
Kinderintensivstation. Weitere Bestandteile der Ausbildung sind die
spezielle transösophagealen Echokardiographie angeborener Herzfehler
sowie die regelmäßige aktive Teilnahme an interdisziplinären Konferenzen
und Fallbesprechungen zur OP-  und Interventionsplanung.

„Die Auszeichnung unseres Instituts ist für uns ein wichtiges Signal,
Standards auf höchstem internationalen Niveau vorzuhalten und gemeinsam
interdisziplinär weiterzuentwickeln“, betont Prof. von Dossow. „Dafür
möchte ich mich bei meinem Team der Kardioanästhesie ebenso herzlich
bedanken wie für die großartige Unterstützung, die wir im HDZ-Zentrum für
angeborene Herzfehler in den Kliniken der Kinderherzchirurgie und
Kinderkardiologie erfahren haben.“

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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von
Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 35.000 Patienten pro Jahr,
davon 14.600 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes
Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier
Universitätskliniken und Institute seit über 35 Jahren interdisziplinär
zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum.

Am Institut für Anästhesiologie und Schmerztherapie mit Lehrstuhl an der
Ruhr-Universität Bochum werden unter der Leitung von Prof. Dr. Vera von
Dossow jährlich mehr als 7000 Narkosen an Patientinnen und Patienten
durchgeführt. Ausgeprägte Spezialkompetenzen, langjährige Expertise und
eine vertrauensvolle interdisziplinäre Teamarbeit garantieren eine
größtmögliche Sicherheit bei der Narkoseführung von Patientinnen und
Patienten aller Altersstufen, insbesondere bei Hochrisikopatienten.

Anhang - Bildunterschrift zum Gruppenfoto:

EACTAIC-Experten des Kinderherzzentrums an Bord: Im Führerhäuschen
Institutsdirektorin Prof. Dr. Vera von Dossow (r.) und Prof. Dr. Andreas
Koster (Mitte), die als Programmdirektoren das Zertifizierungsverfahren
der europäischen Fachgesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie
erfolgreich abgeschlossen haben. Links neben ihnen die Kardioanästhesistin
Dr. Ioana Belciu. Die weiteren am Zertifizierungsverfahren beteiligten
Experten v.l.n.r.: PD Dr. Kai Thorsten Laser (Stellv. Klinikdirektor
Kinderkardiologie), die Oberärzte Dr. Tobias Hecht, Dr. Stephan Molatta
und PD Dr. Jochen Grohmann (Kinderkardiologie) sowie die Klinikdirektoren
des Kinderherzzentrums und Zentrums für angeborene Herzfehler, Prof. Dr.
Eugen Sandica (vorne, Kinderherzchirurgie und Chirurgie angeborener
Herzfehler) und Prof. Dr. Stephan Schubert (Kinderkardiologie).

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Jetzt noch an Adipositas-Studie teilnehmen

Pilotstudie der SRH Hochschule für Gesundheit geht in die finale Runde.

„Adipositas entwickelt sich weltweit zu einem massiven Problem – zum einen
für das individuelle Wohlbefinden, zum anderen auch gesamtgesellschaftlich
in Form von enormen wirtschaftlichen Konsequenzen. Vielen Betroffenen
gelingt es nur teilweise oder kurzzeitig Gewicht zu reduzieren – und die
Wahrnehmung des eigenen Körpers ist bislang kaum Teil von strukturierten
Therapieansätzen. Deshalb möchten wir neue Therapieverfahren für
körperbezogene Gesundheitsstörungen und Krankheitsbilder am Beispiel der
Adipositas entwickeln“, erklärt Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski,
Präsidentin der SRH Hochschule für Gesundheit und Projektleiterin des
Forschungsprojekts „ViTraS – Virtual-Reality-Therapie durch Stimulation
modulierter Körperwahrnehmungen“.

Das im Master-Studiengang Psychische Gesundheit und Psychotherapie
angesiedelte Projekt, das durch das Bundesministerium für Bildung und
Forschung gefördert wird, arbeitet sowohl mit traditionellen
Therapiemethoden als auch mit aktuellen Technologien der Virtual und
Augmented Reality (VR/AR), um die Therapierwirksamkeit zu verstärken und
die Rückfallquoten zu reduzieren. Für die finale Phase der Pilotstudie des
ViTraS-Forschungsprojektes werden derzeit noch Personen über 18 Jahren mit
Übergewicht bzw. Adipositas (BMI über 30) gesucht, die Interesse daran
haben, mit ihrer Teilnahme die Wissenschaft zu unterstützen. Die
Proband:innen sollten dabei weder schwere psychische Erkrankungen noch
schwere körperliche Einschränkungen aufweisen.

Ziel der Studie ist es, Übungen zur Unterstützung der Körperwahrnehmung
hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und Wirkung zu untersuchen. In drei ca.
60-minütigen Sitzungen am Campus Gera der SRH Hochschule für Gesundheit
oder an der Universität Würzburg werden die Teilnehmenden gebeten,
verschiedene Fragebögen zur Körperwahrnehmung und ihrem aktuellen Befinden
auszufüllen sowie Übungen mit einem Ganzkörperspiegel (Standort Gera) bzw.
in der virtuellen Realität (Standort Würzburg) durchzuführen. Eine
psychologische Fachkraft begleitet den gesamten Prozess.

Für die Teilnahme erhalten die Proband:innen eine Aufwandsentschädigung
von insgesamt 100 Euro.

Interessierte können sich unter Angabe des gewünschten Standorts
(Gera/Würzburg) bei natascha-alexandra.weinberger@srh.de für eine
Teilnahme an der Adipositas-Studie anmelden.

Mehr zur Forschung an der SRH Hochschule für Gesundheit erfahren
Interessierte unter www.srh-gesundheitshochschule.de/forschung/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/natascha-alexandra-weinberger/

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Wichtige Koordinierung bei lebensmittelbedingten Krankheiten

Das BVL veröffentlicht jährlich Berichte zu Erkrankungen durch
Lebensmittel

Der immer am 7. Juni stattfindende World Food Safety Day, der
Internationale Tag der Lebensmittelsicherheit, will Menschen für sichere
Lebensmittel sensibilisieren. Doch nicht immer lassen sich
lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche vermeiden. Wenn es zu größeren
derartigen Krankheitsausbrüchen kommt, koordiniert das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Kommunikation
zwischen den beteiligten Behörden.

Die Lebensmittelunternehmen sind für die Sicherheit ihrer Erzeugnisse
verantwortlich. Falls deren Kontrollmechanismen einmal versagen, können
mit Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Parasiten belastete
Produkte in den Handel gelangen. Kommt es dann zu einem Krankheitsausbruch
in mehreren Bundesländern, stellt das BVL den raschen
Informationsaustausch zwischen dem Robert Koch-Institut (RKI), das diese
Krankheitsfälle erfasst, den Lebensmittel-Überwachungsbehörden der
Bundesländer und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sicher. So
können schnell Maßnahmen zur Eindämmung und Beendigung des Ausbruchs
getroffen werden.

Weiterhin sammelt das BVL für die Europäische
Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) Daten zu Lebensmitteln, die an
Krankheitsausbrüchen beteiligt sind, und veröffentlicht jedes Jahr
zusammen mit dem RKI einen Bericht zu lebensmittelbedingten
Krankheitsausbrüchen in Deutschland: https://bvl.bund.de/bela

Die Expertinnen und Experten im BVL unterstützen bei Bedarf die
Überwachungsbehörden bei der Ausbruchsaufklärung und geben ihr Wissen bei
Schulungen an Behördenmitarbeiter weiter. Dabei werden methodische Ansätze
und Werkzeuge der Ausbruchsaufklärung vorgestellt und geübt.

Hintergrund

Der World Food Safety Day, der Internationale Tag der
Lebensmittelsicherheit, wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2019 ins
Leben gerufen. Er wird jährlich am 7. Juni begangen. Ziel ist es, Menschen
für sichere Lebensmittel zu sensibilisieren, um so lebensmittelbedingte
Erkrankungen verhindern zu können. Weltweit beteiligen sich zahlreiche
Einrichtungen mit verschiedenen Aktivitäten rund um das Thema
Lebensmittelsicherheit an diesem Ereignis.

Das BVL erfüllt noch viele weitere Aufgaben im Bereich
Lebensmittelsicherheit. Wir koordinieren Programme zur Kontrolle von
Lebensmitteln und Pflanzenschutzmitteln, einschließlich dem Handel im
Internet. Weiterhin lassen wir Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und
gentechnisch veränderte Organismen zu – wenn sie für Menschen, Tiere und
Umwelt gesundheitlich unbedenklich sind. Wir informieren zudem regelmäßig:
Wir veröffentlichen jährliche Berichte und Daten zur Qualität von
Lebensmitteln in Deutschland und über die Ergebnisse der Verkehrs- und
Anwendungskontrollen im Pflanzenschutz.

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Gewebespende noch immer ein blinder Fleck in Politik und Gesellschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) begeht in
diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Die gemeinnützige Organisation ist
die größte bundesweit tätige Einrichtung, die Gewebespenden realisiert, in
Gewebebanken aufbereitet und an Transplantationszentren vermittelt. 2.923
Menschen spendeten im letzten Jahr Gewebe, zum Großteil nach Herz-
Kreislauf-Versterben (2.504). 6.422 Gewebe gingen zur Aufbereitung in die
12 Gewebebanken im Netzwerk der DGFG ein – darunter 4.165 Augenhornhäute,
445 Herzklappen, 335 Blutgefäße und 30 Plazenten zur Gewinnung der
Amnionmembran. 6.608 Menschen konnte die DGFG in 2021 mit einem
Gewebetransplantat versorgen.

Obgleich die Zahlen in der Gewebespende im Unterschied zur Organspende
jährlich steigen, haben wir in Deutschland nach wie vor einen Mangel an
Gewebe. „Noch immer führen wir Wartelisten für eine Augenhornhaut. Im
letzten Jahr konnten wir nur jede zweite Anfrage für eine Herzklappe
bedienen. Das ist noch immer zu wenig“, hält Martin Börgel,
Geschäftsführer der DGFG, fest. Auch das Wissen um die Gewebespende, ihre
Voraussetzungen und ihre Organisation, die sich von der Organspende
deutlich unterscheidet, ist erschreckend gering. Das zeigt sogar das
jüngst in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der
Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, das die Gewebespende zwar
betrifft, in seiner aktuellen Form jedoch erheblich gefährdet.

Online-Register gefährdet Versorgung mit Geweben

Bereits Anfang März veröffentlichte die DGFG einen offenen Brief und
appellierte an den Gesetzgeber, die Gewebespende in der Gesetzesreform der
etablierten Praxis angemessen zu berücksichtigen. Rückhalt erfährt die
DGFG dabei auch von ihren fünf Gesellschafterkliniken, der Medizinischen
Hochschule Hannover, den Universitätskliniken in Dresden, Leipzig und
Rostock sowie dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, die
allesamt das Anliegen der DGFG unterstützen.

In dem besagten Gesetz vorgesehen: ein Online-Register sowohl zur
Dokumentation der Entscheidung zur Organ- als auch zur Gewebespende. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches das Register
derweil einrichtet, verteilt für den Zugriff auf dieses Register
sogenannte Verordnungsermächtigungen an ausgewählte Personen, um im
Einzelfall die Entscheidung des potentiellen Spenders bzw. der
potentiellen Spenderin zu überprüfen. Dabei völlig außer Acht gelassen und
im Gesetz nicht mit berücksichtigt sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
von Gewebespendeeinrichtungen. Ändert sich an dem bereits in Kraft
getretenen Gesetz bis zum Registerstart nichts mehr, besteht die Gefahr,
dass eine Vielzahl an Gewebespenden nicht mehr realisiert werden kann und
sich damit die Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten in Deutschland
erheblich verschlechtert.

Ministerium, Ärztekammer Niedersachsen und MHH unterstützen die
Gewebespende

Zusammen mit der niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerin
Daniela Behrens, der Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen Doktor
Marion Charlotte Renneberg und dem Präsidenten der Medizinischen
Hochschule Hannover Professor Michael P. Manns macht die DGFG bei einer
Pressekonferenz auf die Bedeutung der Gewebespende für die
Patientenversorgung in Hannover, Niedersachsen und darüber hinaus
aufmerksam.

„Eine Gewebespende ist für viele Menschen die einzige Chance auf Heilung
oder Linderung. Der DGFG ist es in den letzten 15 Jahren gelungen, die
Gewebespende erfolgreich auszubauen und die Patientenversorgung zu
verbessern. Etwa die Hälfte aller Hornhaut-, Herzklappen- und
Amniontransplantate werden von Hannover aus in Zentren in ganz Deutschland
vermittelt. In Deutschland gilt – sowohl für die Organ- als auch für die
Gewebespende – die Entscheidungslösung. Eine Gewebespende nach dem Tod ist
nur möglich, wenn eine schriftliche oder mündliche Zustimmung der
Spenderinnen oder des Spenders vorliegt oder die Angehörigen eine
Entscheidung im Sinne der Ver¬storbenen treffen. Es bedarf stetiger
Aufklärung. Ein Projekt wie »Gewebespende erleben« trägt
öffentlichkeitswirksam dazu bei. Nutzen Sie die Chance, vorbeizukommen,
sich zu informieren und eine Entscheidung zu treffen. Damit entlasten sie
schließlich ihre Familie, die im Spendenfall nach ihrem Willen gefragt
wird“, sagt Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

„Die Gewebespende verdient dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit wie die
Organspende. Die Medizinische Hochschule Hannover ist stolzes
Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und
glaubt somit eine wesentliche Struktur mitgeschaffen zu haben, die als
Ergänzung zur traditionellen Organtransplantation hilft Leben zu retten
und Lebensqualität zu erhalten.“ sagt Professor Dr. med. Michael Manns,
Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Es ist für jeden einzelnen wichtig, sich frühzeitig mit der Frage
auseinanderzusetzen, ob eine Gewebespende nach dem Tod in Frage kommt.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber, mit Ihren Freunden, Verwandten und
Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt des Vertrauens. Denn je häufiger Sie sich mit
diesem Thema auseinandersetzen, desto fundierter können Sie schlussendlich
entscheiden“, ergänzt Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, Vizepräsidentin
der Ärztekammer Niedersachsen.

DGFG macht sich stark für die Aufklärungsarbeit mit „Gewebespende erleben“
Open Air

Mit der Fotografieausstellung »Gewebespende erleben« Open Air möchte die
DGFG die allgemeine Öffentlichkeit sowie Entscheiderinnen und Entscheider
aus der Politik und Gesundheitsbranche für die Gewebespende
sensibilisieren. Die Open Air-Ausstellung basiert auf einem
Gemeinschaftsprojekt mit der Hochschule Hannover: Sieben Fotografinnen und
Fotografen aus dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie
haben das Projekt 2019 mit der DGFG realisiert. In 2021 wurde
»Gewebespende erleben« gleich zweimal prämiert: einmal mit dem Silbernen
Nagel des Art Directors Club, dann holte das Projekt Gold im Rahmen des
German Design Award. Die Fotografien wurden bislang ausschließlich in
Kliniken gezeigt. Corona machte eine öffentliche Ausstellung bislang nicht
möglich. Doch das soll sich nun ändern. Als Open Air- Ausstellung ist
»Gewebespende erleben« noch bis zum 13. Juni 2022 auf dem Hannah-Arendt-
Platz in Hannover zu sehen. Am Abend des 2. Juni findet dort eine
öffentliche Abendveranstaltung statt – moderiert von Dr. Carola Holzner,
auch bekannt als Doc Caro aus Social Media und TV. Protagonistinnen und
Protagonisten der Fotografieausstellung, Expertinnen und Experten aus der
Gewebemedizin und Gesundheitsbranche sowie DGFG-Mitarbeitende kommen zu
Wort und geben Einblick in die Gewebespende und die Prozesse, die
dahinterstehen. Finanziert wird dieses Aufklärungsprojekt mithilfe von
Spendengeldern, Sponsoring und Fördermitteln. „Ein herzlicher Dank gilt
dabei insbesondere der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) und der AOK Niedersachsen, die dieses Aufklärungsprojekt als
Sponsoren großzügig unterstützen.“ Weitere Informationen zur Veranstaltung
und Ausstellung sind zu finden unter: https://gewebenetzwerk.de/15-jahre-
dgfg/


Die Ausstellung steht auch als Poster-Set für die öffentliche Aufklärungs-
und Bildungsarbeit zur Verfügung. Kliniken, Schulen, öffentliche
Einrichtungen, Gesundheitsämter und viele weitere sind herzlich dazu
eingeladen, »Gewebespende erleben« ihren Besucherinnen und Besuchern zu
zeigen. „Wir alle wünschen uns, dass die Bilder in die Welt hinausgetragen
werden, dass sie gesehen werden und dass wir im besten Fall einen kleinen
Beitrag dazu leisten können, auf das wichtige Thema der Gewebespenden
aufmerksam zu machen“, sagt Martin Börgel.

15 Jahre Gewebegesetz – 15 Jahre DGFG

Seit gut 15 Jahren wird die Gewebespende unabhängig von der Organspende in
Deutschland realisiert. Am 1. August 2007 trat das sogenannte Gewebegesetz
in Kraft: Das Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben
und Zellen wurde am 25. Mai 2007 vom Bundestag verabschiedet. Es setzt die
EU-Richtlinie (EG-Geweberichtlinie 2004/23/EG) aus dem Jahr 2004
insbesondere über Änderungen im Transplantationsgesetz (TPG) und
Arzneimittelgesetz (AMG) um. Die Richtlinie soll europaweit einheitliche
Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Gewebeprodukte schaffen. Auf Basis
des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot.

Inzwischen führen in der DGFG 48 Koordinatorinnen und Koordinatoren
zusammen mit sechs Ärztinnen und Ärzten täglich zahlreiche Gewebeentnahmen
durch – mit Erfolg. Sie sind diejenigen, die innerhalb der vergangenen 15
Jahre über 29.000 Gewebespenden realisieren und damit nahezu 60.000
Patientinnen und Patienten mit Gewebetransplantaten helfen konnten.
Täglich erhält die DGFG tausende Meldungen potentieller Spenderinnen und
Spender, die stets gründlich auf ihre Eignung überprüft werden. Hierbei
werden oft auch die zuletzt behandelnden Ärzte auf den Klinikstationen
kontaktiert. Jede potentielle Spende beansprucht personelle Ressourcen,
sowohl der Gewebespendeeinrichtung als auch der Klinik. Der zeitliche
Druck ist gleichzeitig hoch. Herzklappen und Blutgefäße müssen binnen 36
Stunden, Augenhornhäute innerhalb von 72 Stunden ab Todeseintritt
entnommen worden sein. Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine
Spende kommt es zum entscheidenden Schritt: der Klärung, ob eine
Entscheidung zur Gewebespende bereits vorliegt. Hier käme dann das
künftige Online-Register ins Spiel. Nun droht der DGFG als
Gewebespendeeinrichtung, fortan keine Auskunft über die dort dokumentierte
Entscheidung zu erhalten. Aus diesem Grund bittet die DGFG den Gesetzgeber
darum, die bereits in Kraft getretene Reform um Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter von Gewebespendeeinrichtungen als auskunftsberechtigte
Personen, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
ebenfalls ernannt werden sollen, zu erweitern.

DGFG

Die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland.
Von 1997 bis 2007 organisierte die DGFG noch als Tochtergesellschaft der
DSO (als sogenannte DSO-G) die Gewebespende. 2007 kam es mit Inkrafttreten
des Gewebegesetztes zur räumlichen und rechtlichen Trennung von der DSO
und zur Gründung der DGFG. Seitdem realisiert die DGFG eigenständig und
unabhängig die Gewebespende. Die Basis bildet das freiwillige Engagement
der Kliniken, die sich über die Jahre dem Netzwerk angeschlossen haben und
der DGFG potentielle Gewebespenderinnen und -spender melden. Die DGFG
vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit
einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in
Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige,
gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen
Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum
Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin
Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG
ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch
die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder
kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

Alle Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pressekonferenz
sowie Bildmaterial finden Sie unter:
https://gewebenetzwerk.de/25-jahre-gewebespende-15-jahre-dgfg/

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