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EIT Health Catapult: Vier Start-ups aus Deutschland und der Schweiz im Finale

Beim „EIT Health Catapult“ Finale
erhalten insgesamt 21 europäische Start-ups aus der Gesundheitsbranche in
drei Kategorien die Möglichkeit, ihre Projekte vor Expert:innen und
internationalen Investor:innen zu präsentieren. Aus Deutschland und der
Schweiz haben sich vier Teilnehmer für das Finale qualifiziert – sie
erhalten die Chance auf weitere Unterstützung ihrer Projekte.

Seit sechs Jahren bringt das Accelerator-Programm „EIT Health Catapult“
innovative Ideen im Gesundheitswesen hervor. Das Programm ermöglicht
ausgewählten Start-ups, ihre Ideen in den Kategorien Biotech, Medtech und
Digital Health mithilfe des EIT-Health-Netzwerkes voranzutreiben. Frühere
Sieger des Programms konnten oftmals ein deutliches Wachstum sowie weitere
finanzielle Unterstützung durch Sponsoren verzeichnen. In diesem Jahr
fällt die Entscheidung, welches Start-up gewinnt, auf dem EIT Health
Summit am 24. Mai in Stockholm.

Pitchen um den Sieg

Zunächst treten drei Podiumsfinalisten aus jeder Kategorie auf der Bühne
gegeneinander an und stellen ihre Projekte vor. Ihnen winken Fördergelder
in Höhe von bis zu 40.000 €. Unter ihnen sind die deutschen Start-ups
ThinkSono in der Kategorie Medtech sowie Ebenbuild in der Kategorie
Digital Health. Die Zweitplatzierten aus dem vorhergegangenen Halbfinale
pitchen während des Finales ebenfalls, um ihre Projekte den anwesenden
Entscheidungsträgern aus der Industrie vorzustellen. Dazu gehören im
Bereich Biotech Limula aus der Schweiz und mentalis aus Deutschland im
Bereich Digital Health.

Innovative Ideen aus Deutschland und der Schweiz

In der Kategorie Medtech präsentiert ThinkSono aus Potsdam die weltweit
erste Software zur Erkennung tiefer Venenthrombosen (Deep Vein Thrombosis,
DVT) namens AutoDVT. Sie soll eine Verbindung zu leicht verfügbaren
tragbaren Ultraschallgeräten herstellen. Dadurch könnten beispielsweise
auch Krankenpfleger:innen eine DVT schnell erkennen, Kosten gespart und
Ergebnisse verbessert werden.

Im Bereich Digital Health tritt Ebenbuild aus München an. Ebenbuild
entwickelt eine Simulations-/KI-Software zur Generierung von hochpräzisen
Daten über die Lunge von Patient:innen. Die Sicht auf den „digitalen
Zwilling“ der Lunge ermöglicht Ärzt:innen, Patient:innen mit akutem
Lungenversagen die bestmögliche, personalisierte Therapie anzubieten.

Das Nürnberger Start-up mentalis unterstützt mithilfe einer App-basierten
Lösung die digitale Nachsorge von Patient:innen mit psychischen
Erkrankungen. Betroffene erhalten nicht nur ein individuelles Coaching,
sondern auch einen personalisierten Therapieplan.

Die Plattformtechnologie von Limula aus La-Tour-de-Peilz in der Schweiz
ermöglicht den breiten Zugang zu der neuesten Generation von
personalisierten Krebstherapien, indem diese schnell und sicher aus
patienteneigenen Immunzellen produziert werden. Das hat nicht nur eine
Reduzierung von Kosten zur Folge, sondern führt auch zu einer einfacheren
und risikoärmeren Herstellung von Zelltherapien.

Unterstützung über das Finale hinaus

Die Podiumsfinalisten kämpfen um das Preisgeld in Höhe von bis zu 40.000
€. Alle Teilnehmenden können die Gelegenheit nutzen, um sich mit
Kooperationspartnern aus dem EIT-Health-Netzwerk zu verknüpfen. Insgesamt
150 führende Partner aus dem Gesundheitswesen stehen hierbei zur
Verfügung. Darüber hinaus hat sich „EIT Health Catapult“ dieses Jahr mit
führenden Unternehmen aus dem Gesundheitswesen zusammengetan, um die
vielversprechendsten Ideen zu unterstützen. Amazon Web Services,
Astrazeneca, eg technology, Merck, McDermott Will & Emery und Lusiadas
Saude werden den Gewinnern mit ihrer Expertise und Unterstützung zur Seite
stehen.

Sichtbarkeit über Europa hinaus

Nicht nur in Europa dürfen sich die Start-ups über mehr Sichtbarkeit
freuen. Denn ein Finalist wird mit dem Alex Casta Audience Award
ausgezeichnet. Der Gewinner kann sein Logo am Nasdaq Tower am Times Square
in New York anzeigen lassen, wo es von Millionen von Menschen weltweit
gesehen wird.

Weitere Informationen zu den Finalisten finden Sie hier:
https://eithealth.eu/news-article/21-start-ups-join-eit-health-catapult-
final/

Weitere Informationen zum EIT Health Summit und dem Akkreditierungsprozess
finden Sie hier: https://summit.eithealth.eu/

Über EIT Health RIH Germany-Switzerland

Das European Institute of Innovation & Technology (EIT) ist eine
unabhängige Einrichtung der Europäischen Union, die 2008 gegründet wurde,
um Innovation und Unternehmertum in ganz Europa zu fördern. Seit 2014 ist
die Netzwerk-Initiative auch im Bereich Gesundheit in Europa aktiv. EIT
Health arbeitet zurzeit mit rund 150 Partnern aus 14 Ländern in einer
„Public-Private-Partnership“ an den Lösungen der großen Herausforderung im
Gesundheitswesen unserer Zeit. Führende Unternehmen, öffentliche
Institutionen sowie renommierte Universitäten und Forschungseinrichtungen
entwickeln gemeinsam mit Start-ups und KMU in innovativen Programmen und
Projekten neue Produkte und Dienstleistungen, die eine nachhaltige
Gesundheitsökonomie in Europa fördern. Ziel ist es, die starke Polarität
der verschiedenen Gesundheitssysteme in Europa zu überwinden, um
etablierten und auch jungen digitalen Unternehmen neue Ressourcen zu
eröffnen und ihre Ideen in gemeinsamen Produkten und Dienstleistungen für
den europäischen Markt zu realisieren.

Der EIT Health Regional Innovation Hub (RIH) Germany-Switzerland ist eines
von insgesamt acht EIT Health-Zentren in Europa und betreut in Deutschland
und der Schweiz zurzeit 26 Partner aus Industrie, Forschung und Lehre,
u.a. Roche, Abbvie, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die
Universität Heidelberg, aber auch Start-ups und KMU bei der Entwicklung
von bahnbrechenden Innovationen im Gesundheitswesen.

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Notfall Netzhautablösung: Kurzsichtige bleiben auch nach Laser-Behandlung besonders gefährdet

Löst sich die Netzhaut des Auges ab, handelt es sich um einen Notfall, der
sofort augenärztlich behandelt werden muss. Kurzsichtige Menschen sind
besonders häufig davon betroffen – auch nach einer operativen Beseitigung
der Kurzsichtigkeit. Warum Lasern oder Linsentausch nicht vor der Gefahr
der Netzhautablösung schützen, auf welche Warnzeichen alle Kurzsichtigen
achten sollten und welche Behandlungen helfen, erklärt ein Experte der
Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Netzhautablösungen beginnen meist mit kleinen Rissen oder Löchern in der
Netzhaut. „Sie treten als Folge altersabhängiger Veränderungen im Auge
auf“, erklärt DOG-Experte Professor Dr. med. Andreas Stahl. Gelangt durch
ein Loch Flüssigkeit unter die Netzhaut, kann sie sich vollständig
abheben. „Dann droht Erblindung, falls nicht rechtzeitig mit einer
Behandlung begonnen wird“, betont der Direktor der Klinik und Poliklinik
für Augenheilkunde an der Universitätsmedizin Greifswald.

Solche rissbedingten Netzhautablösungen nehmen weltweit zu, wie Fachleute
registrieren. „Betroffen sind meist Personen über 50 Jahre, Männer
häufiger als Frauen“, so Stahl. Zu den Risikofaktoren zählt neben
Verletzungen des Augapfels, einer Grauen-Star-Operation und einer
familiären Vorgeschichte mit Netzhautablösungen vor allem Kurzsichtigkeit.
„Das Risiko steigt mit zunehmender Dioptrienzahl“, erläutert Stahl. „Denn
je höher die Kurzsichtigkeit, desto länger ist im Regelfall das Auge. Und
in einem langen Auge wirken sich Zugkräfte an der Netzhaut stärker aus.“
Gleichzeitig sind die Wandstrukturen in einem kurzsichtigen Auge häufig
dünner und damit anfälliger für Einrisse.

Sehkorrektur könnte das Risiko sogar noch steigern
Eingriffe zur Korrektur der Kurzsichtigkeit können an diesen grundlegenden
Mechanismen nichts ändern. „Ein kurzsichtiges Auge bleibt zu lang gebaut,
auch wenn man die Hornhaut lasert oder die Linse operiert“, stellt der
Experte fest. Das höhere Risiko für einen Einriss der Netzhaut oder eine
Netzhautablösung besteht daher auch nach der Korrektur weiter. „Es ist im
Gegenteil sogar wahrscheinlich, dass ein Linsenaustausch, der die
Kurzsichtigkeit beseitigt, das Risiko für eine Netzhautablösung noch
zusätzlich steigert“, betont Stahl.

Deshalb sollten alle Kurzsichtigen die Warnzeichen einer drohenden
Netzhautablösung kennen – und bei Bedarf entsprechend handeln. „Wer neue
bewegliche schwarze Punkte oder Nebel im Auge sieht, Blitze oder einen
Schatten, der immer im selben Bereich des Gesichtsfeldes erscheint oder
sogar größer wird, sollte spätestens am nächsten Tag eine Augenärztin oder
einen Augenarzt aufsuchen“, rät Andreas Stahl. Eine Untersuchung des
Augenhintergrundes mit weitgestellten Pupillen zeigt, ob und wie stark die
Netzhaut beeinträchtigt ist.

Spezielle chirurgische Expertise erforderlich
Vom Grad der Netzhautschädigung hängt die Therapie ab. „Solange die
Netzhaut noch anliegt, nutzen wir Laser- oder Kälteverfahren, um Risse
oder Löcher wieder zu verschließen“, sagt Stahl. Beide Behandlungsmethoden
können ambulant praktiziert werden. „Komplizierter wird es, sollte sich
die Netzhaut schon abgelöst haben“, fügt der DOG-Experte hinzu. „Dann sind
komplexere Eingriffe notwendig.“ Diese Operationen erfordern einen
stationären Klinikaufenthalt und eine spezielle chirurgische Expertise.

Zur Wahl stehen verschiedene Operationsverfahren: Die Netzhaut kann mit
einer Plombe aus weichem Kunststoff, einer Gasblase oder einem
Kunststoffband wieder angelegt werden – oder mit einem Eingriff, bei dem
der Glaskörper entfernt wird, um die Netzhaut anschließend mit Laser und
einer vorübergehenden Tamponade aus Gas oder Silikonöl zu fixieren. „Wurde
die Ablösung schnell erkannt, bestehen meist sehr gute Heilungschancen“,
resümiert Stahl. Ging dagegen viel Zeit verloren, drohen Sehverlust und
möglicherweise eine erneute Netzhautablösung. Es sei daher wichtig, so das
Fazit des DOG-Experten, sich beim Auftreten von Lichtblitzen oder
zunehmenden Verschattungen frühzeitig augenärztlich untersuchen zu lassen.

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Eine kalorienarme Diät verändert das Darmmikrobiom und die Immunalterung

Eine kalorienreduzierte Ernährung kann nicht nur die Entstehung von
Stoffwechselerkrankungen hinauszögern, sondern hat auch eine positive
Wirkung auf das Immunsystem. Forscher:innen konnten jetzt erstmals zeigen,
dass dieser Effekt über ein verändertes Darmmikrobiom* vermittelt wird,
das die Verschlechterung des Immunsystems im Alter (Immunseneszenz)
verlangsamt. Die Studie ist in Microbiome erschienen.

Weltweit sind etwa 2 Mrd. Menschen übergewichtig. Adipositas erhöht das
Risiko, an Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Diabetes mellitus Typ 2 zu
erkranken und kann Entzündungen im Körper verursachen, die das Immunsystem
durch die Zunahme von bestimmten T- und B-Gedächtniszellen schwächen. Der
Prozess wird als Immunseneszenz bezeichnet, eine altersbedingte
Veränderung des Immunsystems. Bei adipösen Menschen lässt sich die
Entwicklung von Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes durch eine
Ernährung mit wenig Kalorien hinauszögern. Zudem wirkt sich eine solche
Diät auch positiv auf das Immunsystem aus. Doch wie genau die positiven
Effekte vermittelt werden und welche Rolle das Darmmikrobiom dabei spielt,
ist bisher nicht bekannt. In einer aktuellen Studie** haben Forscher:innen
jetzt die Wechselwirkungen zwischen kalorienreduzierter Ernährung,
Mikrobiom, Stoffwechsel und dem Immunsystem untersucht.

Kalorienreduzierte Diät verändert das Darmmikrobiom
Dafür analysierten sie zunächst, wie sich eine sehr kalorienarme Diät (800
kcal/Tag über 8 Wochen) auf das Darmmikrobiom einer fettleibigen Frau
auswirkt. Im nächsten Schritt transplantierten die Forscher: innen das
Darmmikrobiom vor und nach der Diät in ein Modell, in dem keine
Mikroorganismen vorhanden sind (gnotobiotisches Modell). „So konnten wir
die alleinigen Effekte des diätgeprägten Darmmikrobioms auf den
Stoffwechsel und das Immunsystem ermitteln“, erläutert Reiner Jumpertz-von
Schwartzenberg, Letzt-Autor der Studie und Wissenschaftler am Institut für
Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an
der Universität Tübingen, einem Partner des Deutschen Zentrums für
Diabetesforschung (DZD). Er leitete gemeinsam mit Hans-Dieter Volk und
Joachim Spranger von der Charité die Studie.

Diätgeprägtes Mikrobiom verbessert den Stoffwechsel und verzögert
Immunseneszenz
Durch die Transplantation des diätgeprägten Mikrobioms verbesserte sich
der Glukosestoffwechsel und die Fettablagerung wurde reduziert. Zudem
konnte massenzytometrisch gezeigt werden, dass sich auch die Anzahl
bestimmter T- und B-Gedächtniszellen reduzierte. „Das weist auf eine
verzögerte Immunseneszenz hin“, erläutert Julia Sbierski-Kind, Erstautorin
der Studie.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die positiven Auswirkungen einer
kalorienarmen Ernährung auf den Stoffwechsel und das Immunsystem über das
Darmmikrobiom vermittelt werden“, fasst Sbierski-Kind zusammen. Die
Autoren der Studie betonen jedoch, dass die Untersuchung bislang nur mit
dem Mikrobiom eines Menschen durchgeführt wurde und dass die Experimente
mit weiteren Probanden wiederholt werden müssen, um die Ergebnisse zu
bestätigen. Die neuen Erkenntnisse könnten langfristig auch für die
medizinische Praxis interessant sein. „Ein verbessertes Verständnis des
komplexen Zusammenspiels zwischen Ernährung, Mikrobiom und Immunsystem
kann die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger mikrobiombasierter,
therapeutischer Optionen für die Behandlung von Stoffwechselkrankheiten
und Immunkrankheiten legen“, betont Jumpertz-von Schwartzenberg.

* Darmmikrobiom
Als Darmmikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen und
Darmbakterien in unserem Verdauungstrakt bezeichnet. Es beeinflusst u.a.
das Immunsystem und den Stoffwechsel seines Wirts.

**Über die Studie:
Ziel der Studie war es, die Wechselwirkungen zwischen kalorienreduzierter
Ernährung, Mikrobiom und dem Immunsystem zu ermitteln. Dazu wurde ein
menschlicher Ernährungsinterventionsversuch mit gnotobiotischen
Experimenten kombiniert, bei denen die Immunphänotypisierung mittels
multidimensionaler Einzelzell-Massenzytometrie bestimmt wurde. An den
Untersuchungen waren folgende Institute und Forschungseinrichtungen
beteiligt:
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD e. V.)

Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des
Helmholtz Munich an der Universität Tübingen

Abteilung für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Tübingen

Exzellenzcluster EXC 2124 „Controlling Microbes to Fight Infections“
(CMFI), Universität Tübingen

Institut für Medizinische Immunologie, Charité - Universitätsmedizin
Berlin, korporatives Mitglied der Freien Universität Berlin, Humboldt-
Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland

Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Charité-Universitätsmedizin
Berlin,
korporatives Mitglied der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität
zu Berlin

Berliner Institut für Gesundheit der Charité - Universitätsmedizin Berlin,
Flow & Mass Cytometry Core Facility, Berlin

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Behandlung der Frauenkrankheit Endometriose verbessern

Mit der neuen Arbeitsgemeinschaft Endometriose e. V. (AGEM) in der DGGG
soll der gynäkologischen Erkrankung Endometriose, an der jede zehnte bis
zwölfte Frau leidet, mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden. Die Forschung und
Vernetzung auf diesem Gebiet zu fördern, steht dabei im Vordergrund, um
letztlich die Behandlung wirksam und flächendeckend zu verbessern.

Berlin, im April 2022 – Endometriose ist eine der häufigsten
gynäkologischen Erkrankungen – etwa jede zehnte Frau ist davon betroffen.
Nach Angaben der World Health Organization (WHO) leiden weltweit etwa 190
Millionen Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter daran. Schätzungen
zufolge wird eine Endometriose pro Jahr in Deutschland bei 40.000 jungen
Frauen festgestellt. Aber trotz der hohen Verbreitung und der im
Einzelfall gravierenden Auswirkungen für die Betroffenen, ist die
gesellschaftliche Wahrnehmung – aber auch die Aufmerksamkeit bei Ärztinnen
und Ärzten – noch immer zu gering. Nicht selten haben Betroffene jahrelang
Beschwerden, bevor die Diagnose gestellt wird.

Unter Endometriose versteht man das Auftreten von Gebärmutterschleimhaut-
ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. Die Erkrankung kann mit
starken Schmerzen einhergehen, die häufig – aber nicht immer – zeitlich
mit der Menstruationsblutung zusammenhängen. Die Endometrioseherde
unterliegen dem hormonellen Zyklus und verursachen „innere“
Menstruationsblutungen, v.a. aber können sie über Entzündungs- und
Vernarbungsprozesse bleibende Schäden hinterlassen und nicht selten die
Nachbarorgane Harnblase und Enddarm einbeziehen. Typisch sind starke
Schmerzen bei der Menstruation und in der Folge ein chronisches
Schmerzsyndrom. Viele Betroffene leiden an Unfruchtbarkeit: Bei jeder
zweiten bis dritten Frau mit unerfülltem Kinderwunsch wird Endometriose
nachgewiesen.

Kenntnisse über Unterleibserkrankung Endometriose erweitern
Die Arbeitsgemeinschaft Endometriose e. V. (AGEM) widmet sich als neues
Organ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.
(DGGG) allen klinischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Anliegen
bei dieser Erkrankung. Dazu zählt die Förderung der Wissenschaft und
Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in
Bezug auf die Endometriose. „Ein wichtiges Ziel der Arbeitsgemeinschaft
ist es, die Kenntnisse über Endometriose zu erweitern und möglichst in der
klinischen Versorgung der Patientinnen umzusetzen, und dadurch die
Behandlung zu verbessern“, betont Frau Prof. Sylvia Mechsner, Vorsitzende
der Arbeitsgemeinschaft Endometriose und Leiterin des Endometriosezentrums
an der Charité Berlin.

Forschung zu Endometriose stärken
Die genaue Ursache der Krankheit ist nach wie vor unbekannt. Oft wird sie
erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, obwohl schon viele Jahre
zuvor die Beschwerden begonnen hatten. „Die rechtzeitige Diagnose und
Behandlung der Endometriose stellt insofern eine besondere Herausforderung
dar, als noch viele Mosaiksteine im Bild um die Entstehung dieser
Erkrankung fehlen“, erklärt Prof. Uwe Andreas Ulrich, Präsident der
Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE) der DGGG und einer der
federführenden Autoren der Endometriose-Leitlinie. „Umso wichtiger ist es,
die Forschung und Vernetzung auf dem Gebiet der Endometriose durch eine
eigene Arbeitsgemeinschaft zu stärken“, fährt er fort.

Die AGEM versteht sich hierbei als Schnittstelle für Experten aus der DGGG
sowie aus weiteren Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften, damit die
Erkrankung Endometriose besser behandelt wird und mehr Wahrnehmung
erfährt.

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