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Kristjan-Jaervi-dirigiert-das-Baltic-Sea-Philharmonic-Foto-Peter-Adamik

Migros-Kulturprozent-Classics, BALTIC SEA PHILHARMONIC, KKL Luzern, 21.11. 2023, besucht von Léonard Wüst

BALTIC SEA PHILHARMONIC Foto Bernd Possardt

Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Die jungen Solisten des Baltic Sea Philharmonic treten ins Rampenlicht, Kristjan Järvi (links) steht als Motivator, nicht als allmächtiger Dirigent inmitten der Musiker seines Orchesters. Foto Bernd Possardt

Besetzung und Programm:
Baltic Sea Philharmonic
Kristjan Järvi – Leitung
Olga Scheps – Klavier
PROGRAMM — «NUTCRACKER REIMAGINED»
Kristjan Järvi: «Ascending Swans», basierend auf «Lobgesang» aus der Bühnenmusik von Jean Sibelius zu «Schwanenweiss» op. 54
Peter Tschaikowski: «Der Nussknacker», dramatische Sinfonie nach der Ballettmusik op. 71, arrangiert von Kristjan Järvi (Auszüge)
Edvard Grieg: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16
Arvo Pärt: «Swansong» für Orchester
Edward Elgar: «Nimrod» aus «Enigma-Variationen» op. 36
Marius Malancheti Winter Sky
Maria Mutso Sireen
Kristjan Järvi Stringsong Infinity
Johnny Kliemek Precision

 

Es ist nirgendwo in Stein, respektive in Noten gemeisselt, dass klassische Musik per se todernst sein muss.Kristjan Järvi und sein jugendliches Orchester manifestierten dies einzigartig und rockten den KKL Konzertsaal.

Wenn das Publikum die Musiker*innen minutenlang stehend feiert und der Chef derselben wie ein Kobold auf der Bühne rum hüpft ist das nicht unbedingt ein Konzert der «Rolling Stones» im Hallenstadion und der hüpfende Derwisch nicht zwangsläufig Mick Jagger.
Kaum vorstellbar, aber es ist tatsächlich der fulminante Abschluss eines Konzertes der Migros Kulturprozent Classics Reihe im Luzerner KKL..

Bei Kristjan Järvis Projekt «Nutcracker Reimagined» wird die Werkfolge aufgelöst, die einzelnen Stücke gehen gleichsam assoziativ ineinander über. In dem rund neunzigminütigen Klangstrom bildet Järvis eigene Adaption der «Nussknacker»-Musik von Peter Tschaikowsky einen roten Faden; andere Werke, darunter die drei separierten Sätze von Edvard Griegs Klavierkonzert mit Olga Scheps, werden zwanglos integriert.

Ein Orchester in ständiger Bewegung

Kristjan-Jaervi-dirigiert-das-Baltic-Sea-Philharmonic-Foto-Peter-Adamik
Kristjan-Jaervi-dirigiert-das-Baltic-Sea-Philharmonic-Foto-Peter-Adamik

Dazu bewegen sich die während des gesamten Konzerts auswendig und im Stehen spielenden Musiker kreuz und quer über die Bühne, auch Järvi selbst schaut ab und an in den hinteren Reihen nach dem Rechten. Stimmungswechsel und einzelne Solisten werden obendrein durch eine farbenfrohe Lichtregie hervorgehoben.

Mal positionieren sich eine Handvoll Musiker*innen, wie wir als Buben bei den Pfadfindern knieend ums Lagerfeuer, und übernehmen abwechselnd Soloparts, befeuert von den Gesten des Dirigenten.

 

 

 

Kristjan Järvi verkörpert die neue Generation von Dirigent*innen

Dirigent Kristjan Jaervi Foto Sunbeam Productions Siiri-Kumari
Dirigent Kristjan Jaervi Foto Sunbeam Productions Siiri-Kumari

Es ist diese neue Generation von Dirigenten, dazu zähle ich, nebst Kristjan Järvi, z.B. auch Teodor Currentzis, Tugan Sokhiev, die Ukrainerin Oksana Lyniv und auch den Schweizer Titus Engel, die durchaus die Aura von gefeierten Popstars verströmen und mit ihrem Charisma, nicht nur das Publikum, sondern zuerst und vor allem, ihre Mitmusiker motivieren und begeistern und so auf die Reise in diese neuen Welten der Klassik Interpretationen mitnehmen.

«Nutcracker Reimagined» ein Konzert der anderen Art: ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Licht, gespielt vom jungen Baltic Sea Philharmonic (Durchschnittsalter der Musiker*innen 23 Jahre) – stehend, auswendig und mit vollem Körpereinsatz.

«Nutcracker Reimagined» nimmt mit auf eine musikalische Reise. Den Auftakt macht das Stück «Ascending Swans», komponiert von Dirigent Kristijan Järvi selbst, basierend auf der Bühnenmusik von Jean Sibelius zu «Schwanenweiss».

Kristjan Järvi knackt die Nuss der verkrusteten Strukturen

Anschliessend begibt man sich in die Welt des «Nussknackers», mit einer neu arrangierten, dramatischen Sinfonie nach der Ballettmusik von Tschaikowski. Dann betritt die phänomenale Pianistin Olga Scheps die Bühne – mit Edward Griegs Klavierkonzert a-Moll.

Nahtloser Übergang von Tschaikowski zu Grieg

Konzertimpression Foto Maria Ulrich
Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Vom Nusskacker steigt Kristjan Järvi nahtlos frisch und forsch in das sehr viel gehörte Klavierkonzert des norwegischen «Nationalheiligen» Edvard Grieg ein, das die Streicher mit dunklen Untertönen, die Holzbläser mit fein abschattierten Pastelltönen, das Blech edel gerundet angehen. Olga Scheps am Flügel wirkt darin erfrischend aufgeräumt und gutgelaunt.

Pianistin Olga Scheps Foto Uwe-Arens
Pianistin Olga Scheps Foto Uwe-Arens

Sie setzt auf vollgriffige romantische Attacke, ihr Fortissimo ist dabei freilich nie plärrend laut, sondern wohl gerundet, sie trifft für Grieg die ideale Mitte aus packendem und poetischem Zugriff. Ja, dieser Grieg klingt wie ein nordischer Brahms, mal so gar nicht verniedlicht. Ein feuriger cooler Nordländer, ja das gibt’s, wie Scheeps, eine Pianistin von meisterhafter Eleganz, Kraft und Einsicht, eindrücklich demonstrierte, sehr zur Freude des sachkundigen Auditoriums. Die Pianistin reißt das Publikum mit entschiedenem Anschlag und einer angenehmen Dosis an Präzision und Klarheit mit sich. Im Adagio rollt dann zwar auch das Orchester einen wunderbar samtenen Klangteppich aus, gesamt gesehen bleibt es aber meist wohltuend zurückhaltend und überlässt der Solistin die Oberherrschaft.
Der Dirigent lässt der Russin nicht nur viel Freiheiten, er bestärkt sie gar darin mit Gesten und Blicken.
Diese weiss diesen Auslauf weidlich zu nutzen, präzis ihre Staccato, feinfühlig die perlenden Läufe liebevoll, streichelt sie das Elfenbein unter ihren Fingern, ohne deshalb verweichlicht zu tönen, denn die gebürtige Moskovitin kann auch sehr energisch, wo vom Komponisten angedacht. Sie führt das Orchester durch die anspruchsvolle Partitur, ohne voranzutreiben, immer in Symbiose mit dem jugendlichen nordischen Orchester, das von Kristjan Järvi mit Gesten, Kopfzeichen, ach mal mit hüpfen usw. geleitet wird. Der gebürtigen Este, Mitbegründer des aus Musiker*innen der Ostseeanrainerstaaten bestehenden Klangkörpers  bewegt sich durch die lose aufgereihten Musiker*innen, motiviert hier mit einem Fingerzeig, dort mit einem intensiven Augenkontakt.

Auch die Werke stammen von Komponisten aus der Heimatregion des Orchesters

Den Abschluss des Programms machen Arvo Pärts «Swansong» für Orchester und Edward Elgars «Nimrod» aus «Enigma-Variationen».
Die ganzen Abläufe haben auch etwas mystisches mit einem Kristjan Järvi als eine Art Guru dazwischen, der mit einer verschworenen Truppe Musk zelebriert und auch optisch aufbereitet.

Vertreter einer estnischen Musikerdynastie

Kristjan Jaervi Foto Siiri Kumari
Kristjan Jaervi Foto Siiri Kumari

Der jüngere Bruder des Tonhalle-Chefs Paavo Järvi experimentiert gern mit neuen Konzertformen. Sein «Nutcracker Reimagined»-Projekt rüttelt auf unterhaltsame, auch anregende Weise an den Strukturen des klassischen Musikbetriebs.
Kann man Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Musikern hören? Die Frage liegt bei keinem Brüderpaar so nahe wie bei Paavo und Kristjan Järvi. Denn sowohl der Musikdirektor des Tonhalle-Orchesters als auch sein zehn Jahre jüngerer Bruder sind international erfolgreiche Dirigenten. Zudem wurden beide schon in frühester Jugend durch die Persönlichkeit und den Erfahrungsschatz ihres Vaters Neeme geprägt, der als Patriarch dieser Dirigentenfamilie den Namen Järvi mit über 400 CD-Einspielungen zu einer Marke gemacht hat.
Und tatsächlich: Es gibt zwischen den Järvi-Söhnen bemerkenswerte Ähnlichkeiten in der Körpersprache. Beide pflegen einen ausgesprochen pragmatischen, im Kern fast nüchternen Dirigierstil, der auf die optimale Umsetzung des Notentextes fokussiert ist. Auf dieser handwerklichen Ebene braucht es keine grossen Gesten; für interpretatorische Akzente sorgen beide hingegen durch die intensive Interaktion mit jedem einzelnen Musiker, vor allem über den Blickkontakt. Trotzdem ist Kristijan Järvi nicht einfach der jüngere Doppelgänger von Zürichs Paavo.

Ein Kollektiv-Kunstwerk

Als Benjamin der Musikerdynstie Järvi nimmt sich Kristjan Järvi das Recht, aus der Reihe zu tanzen. Mit seinem Baltic Sea Philharmonic, einem Ensemble, das er 2008 zunächst als Jugendorchester am Usedomer Musikfestival gegründet hat, mischt er gezielt den Musikbetrieb auf. Järvi zielt dabei auf die seit dem 19. Jahrhundert kaum veränderten Gepflogenheiten des klassischen Konzerts.

Nicht “normale” Stückabfolge

Konzertimpression Foto Maria Ulrich
Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Warum muss man die Werke eines zuvor festgelegten Programms immer säuberlich voneinander getrennt und der Reihe nach abarbeiten? So fragt er sich beispielsweise. Warum müssen die Mitglieder eines Sinfonieorchesters immer starr nach einer wenig variablen Sitzordnung auf der Bühne Platz nehmen, traditionell ausgerichtet auf den Dirigenten? Und warum nicht auch einmal die Hierarchie zwischen dem Podium und der weitgehend passiven Hörerschaft im dunklen Saal durchbrechen? So animiert der Dirigent nicht nur seine Mitmusiker*innen, sondern auch das Auditorium mit Gesten und auffordernden Blicken.

Konzept soll auch junges Publikum in die Konzertsäle holen

Konzertimpression Foto Maria Ulrich
Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Neue Formen um eine neue, jüngere Zielgruppe in die Konzertsäle zu holen
Solche Überlegungen stellen mittlerweile viele Interpreten an, um den Zugang zu klassischen Konzerten, gerade für Neulinge, zu erleichtern. Das Publikum «abholen» heisst das im Zeitgeist-Jargon – Krystian Järvi aber macht damit auf ebenso radikale wie unterhaltsame Weise Ernst. Bei seinem auf der Tournee präsentierten Projekt «Nutcracker Reimagined» wird die Werkfolge aufgelöst, die einzelnen Stücke gehen gleichsam assoziativ ineinander über. In dem rund neunzigminütigen Klangstrom bildet Järvis eigene Adaption der «Nussknacker»-Musik von Peter Tschaikowsky einen roten Faden; andere Werke, darunter die drei separierten Sätze von Edvard Griegs Klavierkonzert mit Olga Scheps, werden zwanglos eingeflochten

Überraschende, sehr erfrischend anregende Inszenierung

Konzertimpression Foto Maria Ulrich
Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Dazu bewegen sich die auswendig und im Stehen spielenden Musiker*innen kreuz und quer über die Bühne, auch Järvi selbst schaut ab und an in den hinteren Reihen nach dem Rechten. Stimmungswechsel und einzelne Solisten werden obendrein durch eine farbenfrohe Lichtregie hervorgehoben. Das Ergebnis erinnert eher an eine Performance, an einen Flash-Mob oder auch an ein Filmkonzert, bei dem die Darbietung selbst der beste Film ist. Die Suggestivität dieses Musik-Happenings trifft jedenfalls beim Publikum auf offene Ohren und wache Sinne – am Ende gibt es Ovationen für ein nahezu perfekt durchchoreografiertes überraschendes Konzerterlebnis.

Neue Konzertformate

Konzertimpression Foto Maria Ulrich
Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Aber ist dies nun das Konzert der Zukunft? Sicher nicht, dazu sind die praktischen Zwänge und auch die Beharrungskräfte des Musikbetriebs zu stark. Traditionalisten dürfte das beruhigen. Allerdings hat jüngst auch Paavo Järvi – nach seiner vollzogenen Vertragsverlängerung in Zürich – angekündigt, er wolle verstärkt mit neuen Konzertformaten experimentieren. Es liegt offenbar in der Familie.
Kristjan Järvi und sein Orchester werden ihr Ding durchziehen und uns noch etliche Male überraschen und zum Staunen bringen. Dass dies nicht überall auf ungeteilte Zustimmung stossen wird ist ebenso sicher wie die Gewissheit, dass dies den Dirigenten und seine Truppe nicht aufhalten wird, neue Wege zu beschreiten, die gewohnten Pfade zu verlassen.
Das Publikum jedenfalls honorierte diesen besonderen Konzertgenuss mit einer nicht enden wollenden begeisterten stehenden Ovation und etliche hüpften gar mit, wie es der Dirigent auf der Bühne vormachte.

Das animierte die Protagonisten dazu, noch eine längere Zugabe zu geben, auch diese genossen und bejubelt vom Auditorium.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Mria Ulrich und  http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

Homepages der andern Kolumnisten:

www.marinellapolli.ch

www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch

www.maxthuerig.ch

Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Kristjan Jaervi Leitung Foto Siiri Kumari

Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Olga Scheps Solistin am KlavierFoto Uwe Arens

Konzertimpression Foto Maria Ulrich

Konzertimpression Foto Maria Ulrich

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Back in Town & Start der Kammerkonzerte am nächsten Sonntag

Festival Strings Lucerne
Liebe Freunde der Festival Strings Lucerne!

 

BACK IN TOWN

Wir sind BACK IN TOWN nach einer knapp dreiwöchigen, ausgiebigen US-Tour an der Seite von Midori, die uns sowohl an die Ost- als auch Westküste führte, ein Städtepartnerschaftsprojekt Chicago – Luzern beinhaltete und in Atlanta endete. “This performance”, schrieb ein Kritiker in Atlanta, “will be long-remembered”.

© Hans-Christoph Mauruschat

 

Midori und die Festival Strings Lucerne in Atlanta © Bill Head

 
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FESTIVAL STRINGS LUCERNE GOES KUNSTMUSEUM LUZERN

Am Sonntag, den 26. November um 19:00 Uhr beginnen in Luzern die Kammerkonzerte der Saison 2023/2024 mit den Festival Strings Lucerne Chamber Players. Neu und ungewöhnlich ist für dieses Mal der Spielort: Ein Ausstellungssaal im Kunstmuseum Luzern inmitten der dort laufenden Ausstellung. Aussergewöhnlich ist auch das Format. Denn bevor die vier Musiker der Festival Strings Lucerne ihr Konzert rund um Franz Schubert beginnen, führen ab 18:40 Uhr unsere jungen Talente der Educationabteilung Bartók-Duos im Raum verteilt vor. Eine Art begehbares Kurzkonzert im vorderen Austellungssaal, von dem aus man anschliessend in einen weiteren Saal spaziert und auf seinem gebuchten Sitz Platz nimmt.

Die Solisten dieses Abends sind:

Yuta Takase, Violine

Daniel Meller, Violine

Sylvia Zucker, Viola

Alexander Kionke, Violoncello

Mit diesem Konzert stellen sich der neue 2. Konzertmeister Yuta Takase und der neue Stimmführer der 2. Violinen, Daniel Meller, in unserer Reihe als Kammermusiker vor. Beide sind Preisträger renommierter internationaler Wettbewerbe wie der Tibor Varga International Violin Competition in Sion. Daniel Meller spielt die Stradivari “Seillière”, eine Leihgabe der Stiftung Monika Widmer.

Programm:

Franz Schubert: Quartettsatz c-Moll D 703

Anton Webern: Langsamer Satz M. 78

György Kurtág: 12 Mikroludien op. 13

Franz Schubert: 5 Deutsche Tänze mit 7 Trios und einer Coda D 89

Béla Bartók: Aus den 44 Duos für zwei Violinen Sz. 98 BB. 104

Festival Strings Lucerne Chamber Players © Fabrice Umiglia

 

Als Vorgeschmack und Idee für ein klingendes Weihnachtsgeschenk: Am 14. Januar 2024 ist der deutsche Star-Bariton Benjamin Appl im Zeugheersaal des Hotels Schweizerhof zu hören.

Er singt Schuberts berühmtesten Liedzyklus „Die schöne Müllerin“, allerdings in einer besonderen Fassung mit Streichquartett an Stelle des Klaviers, wieder gespielt von den Chamber Players der Festival Strings Lucerne.

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Franz Schubert

 

 

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Brille Symbolbild

Brille & Gesellschaft: Der Einfluss berühmter Brillenträger auf die Popkultur

Brille Symbolbild

Brille Symbolbild

Brillen sind längst nicht mehr nur Sehhilfen, sondern auch modische Accessoires, die einen einzigartigen Stil und Persönlichkeit ausdrücken können. In diesem Artikel werden wir den Einfluss berühmter Brillenträger auf die Popkultur und die Gesellschaft untersuchen. Von Hollywood-Ikonen bis zu Musiklegenden haben Brillen nicht nur eine Sehhilfe, sondern auch ein Statement des individuellen Stils und Charakters in der Welt der Prominenten werden lassen.

 

Ein historischer Blick durch die Brille: Vom Erfindungsgeist zum modischen Statement

 

Für uns sind Brillen heute alltägliche Gegenstände, die von Millionen Anwendern auf der ganzen Welt genutzt werden. Dabei kann man leicht übersehen, wie komplex und ausgereift die Sehhilfen tatsächlich sind. Auch die Entwicklungsgeschichte dürfte vielen Menschen nicht präsent sein.

 

Die Ursprünge der Brille reichen zurück ins 13. Jahrhundert, als der italienische Mönch und Erfinder, Fra Alessandro della Spina, die ersten Brillen fertigte. Ursprünglich als Sehhilfe für Altersweitsichtige konzipiert, breitete sich die Innovation rasch in Europa aus. Doch es dauerte bis zum 18. Jahrhundert, bis Brillen nicht nur funktionale Instrumente waren, sondern auch als modische Accessoires betrachtet wurden.

 

Bedeutungswandel im 20. Jahrhundert

 

Im 20. Jahrhundert erlebten Brillen eine Revolution, als Hollywood-Ikonen wie James Dean und Marilyn Monroe Brillen als Stilmittel einsetzten. Diese Entwicklung setzte sich fort, als intellektuelle Ikonen wie John Lennon Brillen als Ausdruck von Kreativität und Rebellion popularisierten. Heute sind Brillen nicht nur ein Mittel zur Sehkorrektur, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsdarstellung.

 

Die spannende Geschichte der Brille verdeutlicht, dass Brillen nicht nur technologische Entwicklungen widerspiegeln, sondern auch kulturelle Trends und den Wandel in der Wahrnehmung von Sehhilfen. Von ihrem bescheidenen Anfang bis zur modernen Vielfalt an Stilen sind Brillen zu einem faszinierenden Teil der Geschichte geworden, der weit über ihre praktische Funktion hinausreicht.

 

Die soziale Akzeptanz von Brillen: Vorbilder für Brillenträger

 

In einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten oft beurteilt werden, spielen prominente Brillenträger eine Schlüsselrolle in der Förderung der sozialen Akzeptanz von Brillen. Indem sie öffentlich Brillen tragen, brechen sie Stereotypen und inspirieren zu einem positiven Wandel in der Wahrnehmung von Sehhilfen.

 

Der Weg zu mehr Vielfalt: Brillen als Ausdruck der Individualität

 

Die heutige Brillenmode ist weit mehr als nur Sehkorrektur – sie ist ein Ausdruck der Individualität. Prominente wie Oprah Winfrey und Steve Jobs haben dazu beigetragen, Brillen als Mittel der Selbstdefinition zu etablieren, indem sie unterschiedliche Stile und Formen als Ausdruck ihrer Persönlichkeit zelebrierten. Brillen schaffen Raum für Vielfalt und tragen zur kulturellen Akzeptanz unterschiedlicher Ausdrucksformen bei.

 

Brillen Symbolgrafik
Brillen Symbolgrafik

 

 

Die Ikonen vergangener Zeiten: Brillen in der goldenen Ära des Films

 

In der goldenen Ära des Films verliehen Ikonen wie Audrey Hepburn und Marilyn Monroe Brillen nicht nur funktionale Bedeutung, sondern machten sie zu zeitlosen Modeaccessoires. Diese Schauspielerinnen trugen Brillen nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im echten Leben mit Eleganz, wodurch Brillen zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Stils und ihres einzigartigen Charakters wurden und so die Brillenkultur nachhaltig prägten.

 

Die Brille als Markenzeichen: Musiker, Künstler und ihre einzigartige Brillenwahl

 

Musiker und Künstler nutzen Brillen nicht nur als Sehhilfen, sondern auch als auffälliges Markenzeichen. John Lennon's ikonische runde Brillen und Elton John's extravagante Modelle sind Beispiele für künstlerische Brillenwahl. Diese Musiker integrieren Brillen geschickt in ihre Bühnenpräsenz, wodurch sie nicht nur einen funktionalen Zweck erfüllen, sondern auch zu einem integralen Bestandteil ihres künstlerischen Ausdrucks und ihrer Identität werden.

 

Brillen in der Popkultur: Der Einfluss von Film und Fernsehen

 

Die Verwendung von Brillen in Film und Fernsehen geht über die Rollen der Schauspieler hinaus. Selbst fiktive Charaktere werden im Kino oft mit einer bestimmten Brillenwahl ausgestattet, um ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Von Clark Kent's Verwandlung in Superman bis zu Harry Potters ikonischer runder Brille – Brillen sind auf der Leinwand ein prägendes Element. Diese visuelle Entscheidung beeinflusst nicht nur den Charakter, sondern trägt auch dazu bei, Stereotypen zu durchbrechen und den Einfluss von Brillen als Ausdruck von Intelligenz und Persönlichkeit zu verstärken.

 

 

Weltberühmte Brillenträger

 

Wir haben bereits erfahren, dass Brillen viel mehr sind als einfache Sehhilfen. In der schillernden Welt der Prominenten werden Brillen zu modischen Statements, die Ikonen prägen und Trends setzen. In diesem Absatz werfen nicht nur einen Blick auf die Sehgewohnheiten der Reichen und Berühmten, sondern beleuchten, wie Brillen zu kulturellen Symbole und Stilmitteln avancieren.

 

Johnny Depp: Der Mann mit den kleinen, runden Gläsern

 

Die Hollywood-Ikone ist nicht nur für ihre schauspielerische Genialität bekannt. Johnny Depp  begeistert seine Fans auch mit seinem einzigartigen Stil, der oft von markanten Brillen geprägt ist. Ob es die runde Vintage-Brille als Willy Wonka oder die kantige Sonnenbrille als Jack Sparrow ist, Depps Brillenwahl spiegelt seine künstlerische Vielfalt wider. Seine Brillen werden zu einem unverkennbaren Teil seiner Persönlichkeit und unterstreichen seinen Ruf als einer der facettenreichsten Schauspieler unserer Zeit.

 

Oprah Winfrey: Klare Sicht auf Erfolg

 

Oprah Winfrey, Medienmogulin und Philanthropin, trägt nicht nur ihre Brille mit Eleganz, sondern setzt auch ein Zeichen für Selbstakzeptanz und Intelligenz. Mit ihrer markanten eckigen Brille unterstreicht sie nicht nur ihren einzigartigen Stil, sondern erinnert auch daran, dass Brillen nicht nur Sehhilfen sind, sondern auch Ausdruck von Charakter und Weisheit. Oprahs Brillenwahl wird zu einem Symbol ihrer klaren Sicht auf Erfolg und ihrem Engagement für positive Veränderungen in der Welt.

 

Elton John: Exzentrik durch Exklusivität

 

Der legendäre Musiker Elton John ist nicht nur für seine extravagante Musik bekannt, sondern auch für seinen unverwechselbaren Brillenstil. Seine Sammlung auffälliger, oft farbenfroher Brillen ist zu seinem Markenzeichen geworden. Von überdimensionalen Rahmen bis zu funkelnden Glitzerdetails – Elton Johns Brillen sind ein Ausdruck seiner künstlerischen Exzentrik und zeigen, wie Brillen nicht nur die Sicht, sondern auch den Blick auf Individualität und Originalität formen können.

 

Fazit: Brillen als kulturelle Symbole im Wandel der Zeit

 

In einem Zeitalter, in dem das Image von Prominenten einen erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft hat, spielen Brillen eine entscheidende Rolle. Von ikonischen Filmstars bis zu zeitgenössischen Musikgrößen haben Brillen nicht nur Sehkorrekturen ermöglicht, sondern auch als kulturelle Symbole gedient. Ihr Einfluss auf die Popkultur und die gesellschaftliche Wahrnehmung wird weiterhin von Generation zu Generation weitergegeben, wodurch Brillen zu zeitlosen Accessoires werden, die weit über ihre praktische Funktion hinausgehen.

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Konzertimpression von Vanessa Bösch

Migros-Kulturprozent-Classics, FILARMÓNICA JOVEN DE COLOMBIA , Casino Bern, 14.11. 2023 besucht von Léonard Wüst

Filarmónica Joven de Colombia

Konzertimpression von Vanessa Bösch

Besetzung und Programm:

FILARMÓNICA JOVEN DE COLOMBIA
ANDRÉS OROZCO-ESTRADA * Leitung
HILARY HAHN * Violine

PROGRAMM
FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY
Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

WOLFGANG DAVID ORDOÑEZ PEÑA Travesía. Fanfarria y Pajarillo

Ein Klangabenteuer mit Wolfgang David Ordoñez Peña: Travesía, Fanfarria y Pajarillo

Die Filarmonía Joven de Colombia, unter der mitreißenden Leitung von Andrés Orozco Estrada, präsentierte eine faszinierende musikalische Reise mit dem Werk “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” des kolumbianischen Komponisten Wolfgang David Ordoñez Peña, ein klangliches Abenteuer, das das Publikum auf vielfältige Weise begeisterte.

Einführung in Wolfgang David Ordoñez Peña’s Klangwelt: Travesía

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Die Konzerthalle erfüllte sich mit Spannung, als Orozco Estrada den Taktstock hob und das Orchester die Reise in die faszinierende Klangwelt von Wolfgang David Ordoñez Peña begann. “Travesía” entfaltete sich als ein beeindruckendes Stück, das mit einer Mischung aus melodischen Linien, rhythmischer Komplexität und harmonischer Raffinesse beeindruckte. Eingesetzt wurde auch Schlagwerk, das in Südamerika auch für Volksmusik Usus ist, so Maraca. Auch das  Xylophon stach immer wieder hervor. Die Filarmonía Joven de Colombia tauchte tief in die vielschichtigen Facetten dieses Werks ein und setzte jede musikalische Nuance mit Präzision und Leidenschaft um.

Fanfaren der Leidenschaft: Fanfarria

Der Übergang zur “Fanfarria” war wie ein musikalischer Weckruf. Die Fanfare, gespielt mit beeindruckender Präzision, verlieh dem Saal eine festliche Atmosphäre. Orozco Estrada führte das Orchester mit Energie und Begeisterung, während die Musiker die dynamischen Kontraste und die strahlende Klangpracht der Fanfare zum Leben erweckten. Die Komposition zeigte Ordoñez Peña’s Fähigkeit, traditionelle Elemente mit zeitgenössischer Vitalität zu verbinden.

Pajarillo: Kolumbianische Folklore im Orchesterklang

“Pajarillo” führte das Publikum auf eine tiefgreifende kulturelle Reise durch Kolumbien. Die Verbindung von Orchester und kolumbianischer Folklore war meisterhaft gelungen. Die Rhythmen und Melodien des Pajarillo, einem traditionellen kolumbianischen Tanz, durchzogen den Saal und entfachten eine lebendige Atmosphäre. Die Filarmonía Joven de Colombia interpretierte die folkloristischen Elemente mit Respekt und zugleich mit einer erfrischenden Modernität.

Die Virtuosität der Filarmonía Joven de Colombia: Technische Brillanz und klangliche Vielfalt

Das Orchester beeindruckte nicht nur durch seine musikalische Sensibilität, sondern auch durch seine technische Brillanz. Orozco Estrada lenkte die Filarmonía Joven de Colombia durch die komplexen Strukturen von Ordoñez Peña’s Kompositionen, wobei jedes Instrumentalensemble seine klangliche Vielfalt in vollem Glanz präsentierte. Die Streicher lieferten warme und nuancierte Klänge, die Holzbläser setzten farbenfrohe Akzente, und die Blechbläser brachten kraftvolle Fanfaren hervor – ein harmonisches Zusammenspiel auf höchstem Niveau.

Dynamik und Ausdruck: Orozco Estradas Dirigierkunst

Filarmónica Joven de Colombia
Filarmónica Joven de Colombia

Die Dirigierkunst von Andrés Orozco Estrada erwies sich erneut als mitreißend und inspirierend. Seine Fähigkeit, das Orchester durch die unterschiedlichen Stimmungen von “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” zu führen, war beeindruckend. Von leisen, introspektiven Momenten bis hin zu kraftvollen Ausbrüchen behielt Orozco Estrada die Kontrolle über die Dynamik, wodurch das Publikum in den Bann der musikalischen Erzählung gezogen wurde.

Fazit: Eine klangliche Entdeckungsreise

Das Konzert mit Wolfgang David Ordoñez Peña’s “Travesía, Fanfarria y Pajarillo” war zweifellos eine klangliche Entdeckungsreise. Die Filarmonía Joven de Colombia und Andrés Orozco Estrada lieferten eine mitreißende Interpretation, die die Vielfalt und kulturelle Tiefe der kolumbianischen Musik feierte. Die Komposition basiert auf dem “Joropo”, einem populären venezolanischem Tanz und Musikstil (auch Música Llanera), der vor ca. 300 Jahren in den Llanos entstand und so wirbelten die Töne und Schläge bunt und lebensfreudig durch den Berner Casinosaal, ganz zur Freude des Publikums, das nicht mit entsprechendem Applaus geizte.

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Einführung in die Romantik: Orozco Estradas leidenschaftliche Dirigierkunst

Andrés Orozco-Estrada Leitung
Andrés Orozco-Estrada Leitung

Die Konzerthalle füllte sich mit erwartungsvoller Stille, als Solistin Hilary Hahn zusammen mit Dirigent Andres Orozco Estrada die Bühne betrat. Die leidenschaftliche Dirigierkunst des gebürtigen Kolumbianers Orozco Estrada wurde unmittelbar spürbar, als er die Spannung in der Luft aufbaute. Die Filarmonia Joven de Colombia, bestehend aus talentierten jungen Musikern, antwortete mit einer beeindruckenden Präzision und einem harmonischen Zusammenspiel. Orozco Estrada führte das Orchester durch die fein nuancierten Passagen von Mendelssohns Werk und verlieh jedem Abschnitt eine eigene dynamische Intensität.

Hilary Hahns virtuose Interpretation: Technische Brillanz und emotionale Tiefe

Hilary  Hahn Solistin Violine
Hilary Hahn Solistin Violine

Die Bühne erstrahlte, als Hilary Hahn in das Geschehen eingriff. Schon die ersten Töne verzauberten das Publikum. Hahns Spiel zeugte von technischer Brillanz, während sie gleichzeitig eine beeindruckende emotionale Tiefe in jede Phrase einfließen ließ. In Mendelssohns Violinkonzert fand sie einen perfekten Ausdruck für ihre künstlerische Sensibilität. Ihre Virtuosität in den anspruchsvollen Passagen verschmolz nahtlos mit der orchestralen Begleitung, wobei sie die zarten Melodien ebenso meisterhaft beherrschte wie die kraftvollen Tutti-Passagen.

Mendelssohns Meisterwerk: Ein Sturm der Gefühle

Die magische Atmosphäre erreichte ihren Höhepunkt, als das Orchester und Hahn gemeinsam in die dramatischen Passagen des zweiten Satzes eintauchten. Das Konzert für Violine und Orchester op. 64, ein Spiegelbild der romantischen Sturm-und-Drang-Ära, faszinierte durch seine wechselnden Stimmungen. Von zarten lyrischen Momenten bis zu stürmischen Ausbrüchen schuf Mendelssohn eine reichhaltige Klangpalette, die von Solistin Hahn,Orozco Estrada und der Filarmonia Joven de Colombia meisterhaft präsentiert wurde.

Dynamik und Präzision: Orchester in Bestform

In den schnellen Sätzen des Konzerts bewies das orchester nicht nur seine technische Versiertheit, sondern auch die beeindruckende Fähigkeit zur dynamischen Gestaltung. Orozco Estrada navigierte das Orchester mit Präzision durch die raschen Wechsel der Tempi, wobei jede Gruppe von Instrumenten ihre eigene Rolle mit Bravour spielte. Die Holzbläser strahlten in den lyrischen Passagen, die Blechbläser setzten kraftvoll Akzente, und die Streicher lieferten eine klangliche Vielfalt, die das Publikum in ihren Bann zog.

Begeisternder Schlussakkord

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Die Schlussakkorde hallten durch den Konzertsaal, und das Publikum brach in tosenden Applaus aus. Orozco Estrada, Hilary Hahn und die Filarmonia Joven de Colombia ernteten langanhaltende Ovationen für ihre herausragende Leistung. Die emotionale Tiefe, die technische Brillanz und die harmonische Zusammenarbeit zwischen Solistin und Orchester machten das Werk Mendelssohns zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis. Die Kombination aus Orozco Estradas leidenschaftlicher Dirigierkunst, Hahns virtuosem Violinspiel und dem beeindruckenden Können des jugendlichen Orchesters schuf einen unvergesslichen Abend. Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester wurde in all seiner Pracht und Emotionalität zum Leben erweckt, und das Publikum erlebte die Magie der Musik in ihrer reinsten Form.

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Grundsätzliches zum Werk

Das Werk ist viersätzig wie eine romantische Sinfonie, einfach aufgebaut mit Rückgriffen auf altbekannte formale Vorbilder, zum Beispiel die Sonatensatzform oder die Scherzo Form. Und: Sie führt, wie man das seit Beethoven kannte, «vom Dunkel ins Licht», «per aspera ad astra». Der erste Satz ist ein typisch Schostakowitsch er Sonatensatz, mit einer dramatischen, kraftvollen, marschartigen Durchführung, die allerdings auch ihre grotesken Masken hat. Der zweite Satz ist ein
beliebtes Scherzo. Der dritte, langsame Satz, wird gemeinhin als das
Zentrum des Werkes aufgefasst. Es ist ein sehr nachdenklicher Satz,
der für russische Kommentatoren klare Trauerthemen enthält, wobei
bezeichnenderweise die für russische Beerdigungen charakteristischen
Blechbläser in diesem Satz fehlen; in der Tat bäumt sich der Satz zu
einem gewaltigen emotionalen Tremolo-Höhepunkt auf. Völliger Gegensatz
dazu ist der abrupte, laute Beginn des Finales. Es ist eine leichte
Abwandlung des Marschthemas des ersten Satzes in der Vierten
Sinfonie. Das Finale bietet einen ruhigeren Mittelteil, indem
Schostakowitsch ein Eigenzitat hinein “schmuggelt”. Es sind dies Zeilen aus dem
Pushkin-Gedicht “Wiedergeburt”, das Schostakowitsch direkt zuvor vertont
hatte; in diesen Worten spricht der von der Macht gebeutelte
Künstler. Direkt im Anschluss beginnt die mächtige anschließende Coda
mit ihrem zweifelhaft optimistischen Schluss.
Das Licht, die Erlösung, ist der Schluss: ein glorioser Marsch, mit fortissimo schabenden Geigen, donnernden Pauken, jaulendem Blech. Den Jubel hat Schostakowitsch derart inszeniert, dass es schon fast wehtut. Ätzend, diese Lautstärke, erbarmungslos, diese Achtel, geschunden, die Membran der Pauke unter diesen Quarten-Schlägen.

Ein Trip, den Du ohne Drogen antreten kannst

Konzertimpression von Vanessa Bösch
Konzertimpression von Vanessa Bösch

Das Orchester und der Dirigent nehmen uns mit auf eine packende Reise durch die Partitur, die eigentlich schlicht unbeschreiblich ist, zu sehr wühlt diese Interpretation auf. Ob Bläser, Streicher, Schlagwerk, Harfe, Triangel, ob piano, Mezzo oder forte, jede Nuance sitzt, jeder Ton, jedes Tempo, die Streicher  ob gestrichen oder gezupft, ob die Bläser sich leicht über die Streicher schwingen oder Tragik und Schmerz schmetternd äussern, die Paukisten mal, sprichwörtlich, so richtig auf die Pauke hauen dürfen. Du weißt nicht, ist das nun schmerzhaft, oder freudig, sogar, am wahrscheinlichsten, schmerzhafte Freude. Nicht nur das Publikum ist gepackt, nein, man sieht auch den Musikern an, wie sie sich freuen, leiden, an – und entspannen, sich dem akustischen Orgasmus entgegenspielen, das Auditorium auf den Trip mitnehmen. Der kontinuierliche Spannungaufbau explodiert nach dem letzten Ton in einer wahren Applausexplosion, Bravorufen und einer langen stehenden Ovation.

Aussergewöhnlich, dass die Darbietenden die Sinfonie auf eine gewisse Art szenisch vortrugen, indem sie mimisch, durch Gesten mit dem Kopf usw. den Druck und den Schmerz ausdrückten, die der Komponist zur Zeit der Entstehung der Sinfonie durchlebte.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Vanessa Bösch und  http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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