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KHM auf der Berlinale 2022: Das Festival präsentiert Filme von Studierenden, Absolvent*innen und Lehrenden

Der Abschlussfilm von Rebana Liz John „Ladies Only" wurde zu den
Internationalen Filmfestspielen Berlin eingeladen. Auch drei Filme von
Absolvent*innen der KHM werden ihre Weltpremiere auf der Berlinale feiern,
darunter einer sogar im Wettbewerb des Festivals. Prof. Philip Scheffner
präsentiert seinen neuen Spielfilm "Europa" in Uraufführung.
10. bis 20. Februar 2022, Internationale Filmfestspiele Berlin, Potsdamer
Platz 11, 10785 Berlin

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin 2022 präsentieren in diesem Jahr
zahlreiche Filme von Studierenden, Absolvent*innen und Lehrenden der KHM.
Unter den eingeladenen Filmen befinden sich ein Abschlussfilm der
Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), drei Filme von Absolvent*innen der
KHM sowie der neue Film von Prof. Philip Scheffner.

Der Dokumentarfilm „Ladies Only“ (2021, 80 Min.) wurde in die Sektion
„Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale eingeladen. Mit dem in Indien
gedrehten Film hat Rebana Liz John ihr Postgraduiertenstudium an der KHM
im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen. „In Ladies Only treffen wir
in Damenabteilen der Nahverkehrszüge in Mumbai auf Frauen, die uns
Einblick in ihre Sichtweisen, Hoffnungen und ihre Wut geben und damit ein
buntes Bild aus Gesichtern, Sprachen und Kulturen der indischen
Gesellschaft entwerfen, das aus einem stilvollen Schwarz-Weiß-Film heraus
leuchtet", schreibt die Sektionsleiterin Linda Söffker zur Auswahl des
diesjährigen Programms.

Die Regisseurin begab sich noch vor der Pandemie 2019 mit einem kleinen
Filmteam in die für Frauen reservierten Wagen indischer Züge, führte
Interviews und beobachtete die Interaktionen der Reisenden. Rebana Liz
John schreibt: „Mit einer feministischen Linse wollte ich erforschen, was
Ambitionen und Freiheiten für Frauen in einer hochindustriellen,
wohlstandsorientierten und komplexen Welt bedeuten. Die Tiefe, die sich in
den Gesprächen herstellte, hat wohl auch mit der Flüchtigkeit der
Begegnung in einem fahrenden Zug zu tun.“

"Ladies Only", Dokumentarfilm von Rebana Liz John, 2021, 80 Min.
Regie und Montage: Rebana Liz John; Bildgestaltung: Milann Tress John;
Ton: Navya Sah, Ankita Purkayastha; Gedichte: Kamla Bhasin; Musik: Jin
Jim, Lucas Pizzini, Daniel Manrique Smith, Nico Stallman, Johann May;
Sounddesign: Tim Elzer; Color Grading: Max Rüngeler; Schnitt- und
Dramaturgieberatung: Hansa Thapliyal, Radhamohini Prasad; Förderung: Film-
und Medienstiftung NRW; Betreuung: Prof. Sophie Maintigneux, Prof. Dr.
Lilian Haberer, Prof. Ulrike Franke, Prof. Matthias Müller, Prof. Marcel
Kolvenbach; Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), Rebana Liz
John

Auch die Absolventin der KHM Mareike Wegener ist mit ihrem ersten
Kinospielfilm in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ vertreten.
„Echo“ (2022, 90 Min.) wurde von Petrolio Film GmbH Köln in Koproduktion
mit dem WDR hergestellt.

Der Absolvent der KHM Mehmet Akif Büyükatalay ist als Co-Autor und
Produzent des neuen Dokumentarfilms von Cem Kaya „Aşk, Mark ve Ölüm“
(„Liebe, D-Mark und Tod“, 2022, 98 Min.) über 60 Jahre türkische Musik in
Deutschland in die Sektion „Panorama“ der Berlinale eingeladen. Gemeinsam
mit Claus Reichel gründete der KHM-Absolvent Mehmet Akif Büyükatalay die
Filmproduktion Filmfaust in Köln und war 2020 Stipendiat des
Mediengründerzentrums NRW. Für seinen Abschlussfilm „Oray“ (Regie und
Buch) wurde er bei der Berlinale 2019 mit dem Preis für den besten
Erstlingsfilm ausgezeichnet.

In den Wettbewerb des Festivals eingeladen wurde der zweite lange
Kinospielfilm des KHM-Absolventen Michael Koch "Drii Winter" (2022,
Schweiz/Deutschland, 136 Min.). Michael Koch ist Regisseur und Autor des
Films, die Montage des Films verantwortet der KHM-Absolvent Florian
Riegel. Der Film wurde von hugofilm features GmbH, Pandora Film, SRF, SSR
und ARTE hergestellt.

In der Sektion Forum wird der neue Film von KHM-Professor Philip Scheffner
"Europa" (2022, 105 Min.) seine Uraufführung feiern. Philip Scheffner ist
seit 2021 Professor für Dokumentarische Praxen an der KHM.

Vorführtermine aller Filme mit KHM-Bezug im Überblick:

"Ladies Only", Abschlussfilm von Rebana Liz John (Regie & Buch), 2021,
Dokumentarfilm, 80 Min.
Premiere: 15.02., 18:45 Uhr, Kino International

Weltpremieren von Absolvent*innen der KHM:

Im Wettbewerb:
"Drii Winter", 2022, 136 Min.
Spielfilm von Michael Koch (Regie & Buch)
Premiere: 14.02., 14:45 Uhr, Berlinale Palast

In der Sektion "Perspektive Deutsches Kino":
"Echo", 2022, 98 Min.
Spielfilm von Mareike Wegener (Regie & Buch)
Premiere: 14.02., 18:45 Uhr, Kino International

In der Sektion "Panorama":
"Aşk, Mark ve Ölüm", 2022, 96 Min.
Dokumentarfilm von Cem Kaya (Regie & Buch) und KHM-Absolvent Mehmet Akif
Büyükatalay (Co-Autor und Produzent)
Premiere: 15.02., 16 Uhr, Kino International

Weltpremiere von Professor*innen der KHM:

"Europa", 2022, 105 Min.
Spielfilm von Philip Scheffner (Regie, Buch & Schnitt)
Premiere: 13.02., 17:45 Uhr, Delphi Filmpalast

Das Festival findet mit einem besonderen Konzept für
Präsenzveranstaltungen in den Berlinale-Spielstätten vom 10. bis 20.
Februar statt.

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Le piano symphonique  Johannes Brahms Dirigent Michael Sanderling

Luzerner Sinfonieorchester Le piano symphonique Johannes Brahms KKL Luzern 9. 2 2022, besucht von Léonard Wüst

Das Luzerner Sinfonieorchester mit Dirigent Michael Anderling und Marc-André Hamelin Foto Patrick Hürlimann.

Das Luzerner Sinfonieorchester mit Dirigent Michael Anderling und Marc-André Hamelin Foto Patrick Hürlimann.

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester
Michael Sanderling, Leitung
Marc-André Hamelin, Klavier

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Das früher jeweils im November programmierte «Lucerne Festival am Piano» wird von sehr vielen Konzertgängern schmerzlich vermisst. Das Luzerner Sinfonieorchester ist nun hier in die Bresche gesprungen, oder nutzt geschickt die Möglichkeit, ein eigenes kleines Festival unter dem Namen «Le piano symphonique» zu etablieren, was bis anhin erfolgreich gelungen ist. Nach den, von Besuchern und Kritik gefeierten Konzertabenden mit Klavierwerken von Camille Saint-Saëns, waren nun Werke von  Johannes Brahms an der Reihe.

Die manchmal unterschätze  Bedeutung von Brahms Klavierwerken

Le piano symphonique  Johannes Brahms Dirigent Michael Sanderling
Le piano symphonique Johannes  Brahms Dirigent Michael Sanderling

Die Klavierkonzerte von Johannes Brahms sind zwar nicht mit den virtuosen Monumenten  à la Liszt, Tschaikowsky oder Rachmaninow vergleichbar, dennoch sind sie beim Publikum sehr beliebt, vielleicht auch etwas aufgrund der Biografie des Komponisten. Trotzdem: Lange Zeit galt es unter Pianisten als das überhaupt schwierigste aller Klavierkonzerte. Vor allem in den Ecksätzen weist es grosssinfonische Dimensionen auf; der langsame, durch ein elegisches Solo-Cello gekrönte Satz ist im Gegensatz dazu von exquisiter kammermusikalischer Intimität.

Reinfall mit dem ersten, Triumph mit dem zweiten Klavierkonzert

Marc-André Hamelin Solist am Klavier
Marc-André Hamelin Solist am Klavier

Mit seinem Ersten Klavierkonzert war Brahms im Alter von 25 Jahren noch entschieden durchgefallen. Denn das Publikum erwartete vor allem wirkungsvolle Zirkusnummern und pianistische Bravour. Brahms bot stattdessen ein Konzert aus dem strengen Geist der großen Symphonie. Auch in seinem Zweiten Konzert blieb sich Brahms darin absolut treu, doch diesmal war das Publikum hin und weg vor Begeisterung. Das lag zum einen schlicht daran, dass Brahms mittlerweile, im Jahr 1881, weltberühmt war. Man wusste eben, dass man von diesem Meister kein kompositorisches «fast food» zu erwarten hatte, sondern reiche und dichte Musik, emotional packend, aber nicht auf äußere Wirkung berechnet.

Brahms ordnet dem Solisten neue Rolle zu

Der andere Grund für den großen Erfolg des 2. Klavierkonzerts war die neue Rolle des Solisten: Er wird zur Schaltzentrale, ist fast immer aktiv, gibt die Impulse, dialogisiert und treibt das Geschehen voran. So steht gleich am Beginn ein romantisches Horn Solo, aus dem sich eine ausgedehnte Klavierkadenz entwickelt. Dann erst antwortet das ganze Orchester. Auch der langsame Satz ist über weite Strecken eigentlich intime Kammermusik. Ein Solocello wird zum Partner des Klaviers – und in den Klarinetten zitiert Brahms aus seinem Lied “Todessehnen” den Vers: Hör es, Vater in der Höhe, aus der Fremde fleht dein Kind.

Schwerbepackt auf Italienreise

Warum kann man sich Brahms so schwer als bildungsbürgerlichen Kunstreisenden in Italien vorstellen? Und doch arbeitete er sich, mit Reiseführern schwer bepackt, von Kathedrale zu Kathedrale pilgernd, im Frühjahr 1881 bis nach Sizilien vor – mit seinem Freund, dem Chirurgen Billroth. Von dieser schönsten seiner acht Italienreisen brachte er Skizzen für ein neues Konzert mit. Die italienische Musik unterwegs wird ihn nicht abgelenkt haben, die fand Brahms nämlich „schauderhaft“. Doch wann immer ihm ein neues Werk zur Herzensangelegenheit wurde, schrieb er darüber in krampfig witzelndem Ton.

Aus angekündigtem «ganz kleinen Konzert» wurde ein Chef d`oeuvre

Solist Marc-André Hamelin
Solist Marc-André Hamelin

Das vierhändige Probespiel des neuen Klavierkonzertes – „ganz ein kleines Konzert“ nannte Brahms es – kündigte er Bülow gegenüber als „das lange Schrecknis“ an. Und in gewisser Weise war das B-Dur-Konzert auch ein „Schrecknis“. Mit seinem ersten Klavierkonzert hatte Brahms 1859 die furchtbarste Niederlage seiner Laufbahn erlebt, und er brauchte über zwanzig Jahre, um Mut für einen zweiten Anlauf zu fassen. Vielleicht gab ihm die Schönheit Italiens Sicherheit, dieses mächtigste aller romantischen Konzerte zu schaffen, das mit seinen Gebirgen von Sexten und Oktaven so extrem schwer zu spielen ist, dass der eigentlich zurückhaltende Alfred Brendel einmal gar von „pianistischen Perversionen“ sprach. Mit seiner breiten, marmorhaft getürmten Größe hat das Werk – allzu selbstsicher vielleicht – die Zweifler verstummen lassen, doch man vermisst auch jene sehnsüchtige Wehmut, jenes fast intime Aroma, das Brahms´ Formkunst das Abweisende nimmt.
Es ist am Solisten, all den Akkordmassen eine menschliche Stimme zu geben, die füllig-wärmsten Klänge zu formen. Kraftvoll-gelassen erspielt sich Hamelin dieses Werk, kann größte Wildheit im zweiten oder die schlendernde Lässigkeit im ungarischen Finale entfalten, ohne seine wahrhaft olympische Balance zu verlieren. Vielleicht hat er da den zum majestätischen Ebenmaß strebenden Wesenszug des Konzertes erspürt, den es den Kunstekstasen seines Schöpfers in Italien verdankt.
Marc-André Hamelin sprengt mit wilder Attacke diese tönende Abgewogenheit. Er greift die Kadenzen des ersten Satzes mit kalter Wut an, gönnt sich kaum Pedalabsicherung bei den riesigen Sprüngen. Er will das Stück bezwingen. Erregend hörbar wird, wie gefordert er ist, sein Ziel einer schlanken, gar aggressiven Deutlichkeit hier zu erreichen. Das zweite Klavierkonzert von  Johannes Brahms ist ein Schwergewicht, keine Frage. Und dies nicht nur aufgrund seiner Länge von gut fünfzig Minuten, sondern weil es Sinfonisches mit pianistischer Klanggewalt verbindet, daneben aber auch Kammermusikalisches enthält. Gewissermaßen die Quadratur des Kreises also für die Interpreten. Wenn es zündet, ist es eine Offenbarung. Das Luzerner Sinfonieorchester hat unter der Leitung von  Michael Sanderling einen feurigen Zugriff, Leidenschaft kommt durch, und auch die filigranen Passagen kommen zu ihrem Recht, die Farben sind gekonnt abgemischt. Solist Marc-André Hamelin stößt mit technischer Meisterschaft, in die dramatischen und ekstatischen Höhen vor.

Hamelin kann sanft, aber auch grantig

Solist Marc-André Hamelin Symbolbild
Solist Marc-André Hamelin Symbolbild

Auch die leichtfüßigen und lyrischen Teile, ebenso das Duftige, das Verträumte in diesem Konzert liegen ihm. Also, ob grantig oder lyrisch, kraftvoll oder feinfühlig, der frankokanadische Solist weiss zu überzeugen und begeistern, auch dank kongenialer Unterstützung des, von Michael Sanderling sehr engagiert geleiteten Luzerner Sinfonieorchester, dem Residenzorchester des Hauses.

Das Auditorium war begeistert und applaudierte den Solisten und den Dirigenten immer wieder zurück auf die Bühne und liess nicht locker, bis Hamelin sich wieder an den Flügel setzte und noch ein kurzes Werk von Philippe Emmanuel Bach als Zugabe gewährte.

Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Kurzbeschrieb :

Eine einladende Geste der Bässe – und ein freundliches Hornthema eröffnet den ersten Satz. Das lange, gestikulierende Cellothema im zweiten Satz weiß, dass der Weg das Ziel ist. Der dritte Satz ist ein nostalgisches Menuett – ein tanzendes Paar aus Porzellan auf dem Kaffeetisch. Im vierten Satz wird ein lustiger Überraschungsangriff vorbereitet. Es beginnt pianissimo, alle gehen in Stellung – dann tobt es los: ausgelassen, überkandidelt. Am Schluss heißt es: hau den Lukas, Fanfare, alles gut!“

Die am leichtesten zugängliche aller Brahms Sinfonien

Von den vier Brahms-Sinfonien ist die zweite wohl am leichtesten zugänglich: Nichts von norddeutscher, tiefschürfender Grübelei, sondern viel lichtstrahlende Helle und ebenso viel elegische Melodik. Für Brahms möglicherweise fast zu viel des Guten, sodass er warnend meinte: «Die neue Sinfonie ist so melancholisch, dass Sie es nicht aushalten.» Die Musikgeschichte hat es längst bewiesen: Wir halten es nur zu gerne aus.

Brahms komponierte künstlerisch befreit

In einem Gefühl der „künstlerischen Befreiung“ komponierte Brahms seine zweite Sinfonie innerhalb von wenigen Monaten und behauptete sich damit als souveräner Sinfoniker. Während des Schaffensprozesses 1877 am Wörthersee sagt Brahms sogar, es sei dort so schön und harmonisch, dass die Melodien geradezu in der Luft herumflögen. Die erste Sinfonie wird gerne als „Pathetische“ bezeichnet, wohingegen seine zweite Sinfonie als „Pastorale“ in die Musikgeschichte eingegangen ist. Die ersten beiden Sinfonien sind unmittelbar nacheinander in den Jahren 1876 und 1877 entstanden. Daraus wird oft der Schluss gezogen, dass es sich um Gegensatzpaare handele: Die zweite Sinfonie als optimistisches Gegenstück zur ernsten ersten Sinfonie.

Selbst nach der erfolgreichen Uraufführung seiner zweiten Sinfonie plagten Brahms noch Selbstzweifel

Denn noch vor dem ersten Konzert feilte Brahms intensiv an der Blechbläser-Instrumentation der beiden Ecksätze und gestaltete sogar die Streicherbegleitung in der Coda des ersten Satzes neu, Auch nach der umjubelten Uraufführung waren die Selbstzweifel des Komponisten noch nicht restlos verschwunden. Zudem verwirrte er Verleger sowie Kritiker mit Kommentaren wie: „Die neue Sinfonie ist so melancholisch, dass Sie es nicht aushalten. Die Partitur muss mit Trauerrand erscheinen.“

Melancholie durchweht das Werk

Michael Sanderling Leitung
Michael Sanderling Leitung

In diesen Äußerungen des Komponisten steckt sicherlich eine gehörige Portion Mystifizierung. Dennoch ist die Betonung der melancholischen Aspekte nicht ganz unberechtigt. Bei genauerer Betrachtung erweist sich das Werk als durchaus nicht unproblematisch. So ist beispielsweise der lange erste Satz nicht durchgehend heiter, sondern voller harmonischer und kontrapunktischer Verwicklungen und Kontraste. Auch die Instrumentierung des tiefen Bläserregisters mit drei Posaunen und Tuba, anstelle einer Bassposaune, bewirkt eine dunkle Stimmung. Brahms setzte die Tuba bereits in seinem Requiem immer dort ein, wo von den letzten Dingen die Rede ist. Umso erstaunlicher, dass Brahms zwei – dreimal die «Marseillaise» zu zitieren scheint und zwar genau den Aufbruch, also den Optimismus ( tä tä tä tä tä tä  tä  tä tädä).

Insbesondere im zweiten Satz, einem sehnenden Adagio, schwingt der Wunsch nach etwas Unerreichbarem mit. Ist es die Naturidylle, die Brahms für kurze Zeit in Kärnten gefunden zu haben glaubt? Aber auch diese entpuppt sich als Utopie, als etwas, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Ein tiefer Ernst liegt auch in diesem eigentlich hellen H-Dur-Satz.

Verwirrend tänzerischer 3. Satz

Der dritte Satz mit seinem tänzerischen Rhythmus, überschrieben “Allegretto grazioso”, erscheint als eine kurze Auflockerung zwischen den großen, bedeutungsvollen Gedanken dieses Werks. Aber auch hier: Brahms lässt der Heiterkeit niemals freien Lauf. Diverse Musiker*innen äusserten schon: “Er spielt mit uns die ganze Zeit”. “Es ist ein bisschen wie ein Spiel mit einem Spiegel. Nichts ist, wie es scheint. Für das Orchester ist das immer eine Herausforderung. Vom Metrum her ist es wahnsinnig schwer. Die Musiker klagen immer, dass es in dem Satz total leicht ist, sich zu verzählen. Brahms gibt eine Melodie vor, die eigentlich einfach ist. G-Dur, die einfachste aller Tonarten. Und dann macht er durch dieses Spiel mit dem Rhythmus und den Zeitverhältnissen aus etwas Einfachem ein kleines Kunstwerk. ”

Ein Kunstwerk machten die Luzerner, unter der souveränen Leitung  ihres Chefdirigenten Michael Sanderling aus dieser zweiten Sinfonie, knüpften nahtlos an ihre Ausstrahlung von vor der Pause beim Klavierkonzert an. Die ca. 1500 Besucher bedankten sich denn auch mit stürmischer, langanhaltender Akklamation bei den Protagonisten.

Das Luzerner Sinfonieorchster geniesst den verdienten Schlussapplaus

Das Luzerner Sinfonieorchster geniesst den verdienten Schlussapplaus

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.sinfonieorchester.ch

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Bryan Adams Hallenstadion Zürich, 5. Februar 2022

Bryan Adams «So Happy It Hurts», Hallenstadion Zürich, 5.2.2022, besucht von Léonard Wüst

Bryan Adams Hallenstadion Zürich, 5. Februar 2022
Bryan Adams Hallenstadion Zürich, 5. Februar 2022

Besetzung;

Bryan Adams und Band

Bryan Adams steht für einen unverwechselbaren «feel-good» Rock’n’Roll und gilt in seinem Genre als legendäre Ikone. Bereits seit vier Jahrzenten tourt der Künstler durch die Welt und begeistert mit seinen energiegeladenen Performances, seiner mühelosen und ansteckenden Bühnenpräsenz und seinem unglaublichen Gesang das Publikum.

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Nicht zuletzt wegen seinen mitreissenden Live-Shows hat sich Bryan Adams als einer der weltbesten Rocksänger etabliert. Adams hat bis heute 14 Studioalben veröffentlicht und mit Hits wie «(Everything I Do) I Do It For You», «All For Love», das er mit Sting und Rod Stewart sang, oder «Summer Of ’69» die Herzen seiner Fans im Sturm erobert.

Seine Musik hat bis heute in über 40 Ländern #1 Status erreicht. Nun kündigt der Künstler sein neues Album «So Happy It Hurts» an, das am 11. März 2022 erscheinen soll. Sein Songwriting hat dem Künstler bisher ebenfalls zahlreiche Preise und Auszeichnungen eingebracht, darunter drei Academy-Award-Nominierungen, fünf Golden-Globe-Nominierungen und einen Grammy Award.

Erwarteter Grossaufmarsch im «Wädlitempel» dem Zürcher Hallenstadion

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Im, von den Einheimischen liebevoll als «Wädlitempel» bezeichneten Hallenstadion, erwartete man einen Run auf eines der ersten grossen Konzerte nach dem langen Corona bedingten Unterbruch des «normalen» Konzertbetriebes. Für nicht Insider: Der Begriff «Wädlitempel» stammt aus Zeiten, als das Hallenstadion weltberühmt war für diverse Grossveranstaltungen im Radrennsport, vor allem die legendären  Sechstagerennen, die ja für die Zürcher, die früher sehr restriktive Restaurant Sperrstunden hatten (um 23.00 Uhr war Schluss), eher Sechsnächterennen waren (erstmals 1954 und zuletzt 2014 ausgetragen), da jeweils dort Freinacht, d.h. keine Sperrstunde war. So traf sich denn «Tout Zürich» eben jeweils nach Mitternacht dort, um noch einige Cüpli (die Prominenz und die Cervelat Prominenz) oder Bierchen (das gewöhnliche Fussvolk) zu kippen und die Nacht durchzufeiern. Ja, ab und zu schaute man auch auf das Oval, wo die Pedaleure sich abwechselnd, in Zweierteams, abstrampelten um sich das ausgeschriebene Preisgeld für diesen Sprint oder jenes Omnium zu sichern. Und da diese Rick van Steenbergen, Fritz Pfenniger, Peter Post, Bruno Risi, Kurt Betschart, Patrick Sercu etc. stramme Waden vom  Rennrad treten hatten, sicherte sich  der Name «Wädlitempel» seinen Platz im Zürcher Vokabular.

Das routinierte Konzertschlachtross begeistert noch immer

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Lange Schlangen vor den Eingängen, da ja die Covid Zertifikate überprüft wurden, versprachen ein volles Haus. Die Leute waren aber sehr diszipliniert, es wurde nicht gedrängelt und auch mit der Makentragpflicht im Innenbereich arrangierte man sich (wie im ÖV die einen mehr, die andern weniger).

Schlussendlich war das Konzert dann doch nicht ganz ausverkauft, wagten sich doch vor allem etwas ältere Konzertgänger, noch nicht ins Getümmel, das, da nur Sitzplätze, nicht mal eines war, zu stürzen. Es war denn auch ein jüngeres Publikum, das den kanadischen Weltenbürger, wenn auch mit 20minütiger Verspätung, mit grossem Applaus und Gejohle willkommen hiess.

Von der Energie, der Performance die den Kanadier noch immer auszeichnet, könnte sich mancher YouTube Star ein grosses Stück einverleiben und statt den heute leider gängigen Playbackauftritten mit vielen zugespielten Videotrailern, auch 100 Prozent live performen.

Adams hat schon zwei Covid Infektionen durchgemacht

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Der überzeugte, aber nicht sektiererische Veganer, hat  einen schon fast unglaublichen Drive drauf und ist, trotz seinen 62 Jahren,  immer noch in bester körperlicher Verfassung. Umso bemerkenswerter, hatte Bryan Adams sich doch bereits zwei Mal mit Corona nfiziert und das innerhalb kürzester Zeit.

Schon beim ersten Song «Kick ass» hörbar, die Arrangements sind rockiger geworden, er will offensichtlich vom Softrocker Weichspüler Image weg, sich etwas anders positionieren, die Gitarrenriffs knapper, härter und, ja, halt auch etwas lauter, was vor allem den jüngeren Fans sehr zusagte, die sehr rasch aufstanden und mitrockten, gute Stimmung also von Beginn weg.

Zukünftiger Konkurrent der etablierten Hardrock Bands?

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Wenn er so weiter macht, wird er im Rentenalter vielleicht noch zum Hardrocker und zum direkten Konkurrenten  von «Metallica», »Iron Maiden», «Black Sabbath* usw. Adams und seine Mitmusiker performten ohne Pausen zwischen den einzelnen Songs und bereits der vierte «Shine a light» war wieder ein richtiger Kracher, bevor nach vier weiteren mit «Woman» die erste seiner Balladen kam, worauf er mit «You belong to me» wieder Vollgas gab, immer unterstützt von seinen hervorragenden Mitmusikern von denen der Leadgitarrist grossartige Improvisationen darreichte.

 

 

 

Trotz allem bleiben seine Balladen die Highlights der Performance

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

«Everything I do» entzückt die Fans und wenn er dann «Please forgive me» hinhaucht, ist die ganze Damenwelt hin und weg. Zwischendurch aber platziert er geschickt die knallig arrangierten schnellen Nummern, scherzt auch mal mit dem Publikum, vom «Good evening Zürich» bis «You are the best audience ever» usw. wie sich das eben gehört.

 

 

 

 

 

 

Das Publikum geht begeistert mit

Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022
Konzertimpression Konzert Bryan Adams Hallenstadion Zürich 5.2.2022

Das Auditorium geht begeistert mit, meist stehend und tanzend, mit dem Handy fotografierend und gar mitsingend. Wie immer bei Bryan Adams, der nette Nachbar von nebenan, ein «feel good», Friede Freude Eierkuchen Konzert, gradlinig, ohne Ecken und Kanten für jeden etwas, wenn auch etwas rockiger als gewohnt, aber nicht so, dass es seine ewigen Fans abschrecken würde.

Der kanadische Musiker, der sich inzwischen auch weltweite Anerkennung  als Photograph geniesst, unterhält das «Konzert ausgehungerte» Publikum aufs Beste, auch mit den kurzen Anekdoten, die er ab und zu einstreut. Bryan Adams, wie man ihn kennt und liebt gewährte noch zwei Zugaben, umjubelt vom begeisterten Publikum, das dann, sichtlich zufrieden, den «Wädlitempel» verliess und sich auf den Heimweg begab.

Kleiner Trailer der Konzertes:

www.youtube.com/watch?v=m3Psc5GyKBE

www.youtube.com/watch?v=0so9Meza7q0

Text: Léonard Wüst www.leonardwuest.ch

Fotos:

https://www.bryanadams.com/

http://www.abc-production.ch/index,   und Léonard Wüst

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Pastetli schön präsentiert

Geschichten rund ums Pastetli erzählt Herbert Huber

Ich liebe Pastetli heiss. Aber nur dann, wenn diese auch heiss serviert werden. Vor allem in einer Wirtschaft sollte die Regel gelten: Der Gast wartet auf das Pastetli und nicht umgekehrt.

Der Gast wartet auf das Pastetli und nicht umgekehrt. Will heissen: Pastetli müssen zwingend à la minute angerichtet und im Eiltempo an den Tisch gebracht werden. Egal, was drin ist. Das Gehäuse muss noch knusprig sein – auf keinen Fall pampig. Pastetli kann man gut vorbereiteten.

Vol-au-vent.

Pastetli schön präsentiert
Pastetli schön präsentiert

Nicht zu verwechseln ist das Pastetli mit der Pastete, die mit einem Mürbeteig gemacht und mit einer „Farce“ gefüllt wird. Der französische Name des Pastetlis ist Vol-au-vent. Die Legende besagt, der französische Koch Marie-Antoine Carême habe einmal eine Pastete statt mit Pastetenteig mit Blätterteig zubereitet. Als sein Gehilfe nach der Pastete im Ofen sah, sei er erschrocken und habe gerufen: «Maître, il vole au vent» («Meister, sie fliegt in die Luft»), denn aus dem flachen Teig war eine turmartige Form entstanden. Das Pastetli war geboren.

Heute kann man Pastetli-Gehäuse bequem beim Hausbäcker kaufen, wobei es da qualitative Unterschiede geben kann. Mal abzuwechseln, kann sich lohnen. Wichtiger als das Haus ist aber in den allermeisten Fällen das Innenleben, die hausgemachte Füllung.

Chügeli und Fritschi – Letzteres das Urgericht der Lozärner Fasnächtler

Brätchügeli-Pastetli mit Erbsli und Rüebli
Brätchügeli-Pastetli mit Erbsli und Rüebli
Fritschipastetli
Fritschipastetli

Diskutierte man einst mit der Grande Dame der Schweizer Gastronomie, mit Marianne Kaltenbach, zog das eine nahezu endlose Unterhaltung nach sich. Vor allem dann, wenn es um die originale Luzerner Fritschi-Pastete ging. Marianne Kaltenbach kam ins Feuer der Begeisterung, wenn jemand wusste, dass diese mit einer braunen Sauce, mit Champignons, Kalbsbärtchügeli, Kalbsragout und Weinbeeren gefüllt und die Sauce mit etwas Madeira parfümiert wird. Mit diesem Wissen konnte man bei Madame gehörig punkten. Und gedeckt müssen diese Pasteten serviert werden, keinesfalls offen. Als wir einmal in einer Luzerner Wirtschaft als Lozärner Fritschi-Pastetli ein hundskommunes Chügelipastetli vorgesetzt bekamen, zudem noch an einer weissen Sauce serviert, war Marianne trotz ansprechender Qualität des Servierten stocksauer. Zu Recht, wie ich finde. Ein Fritschi-Pasteli ist nun mal kein Chügelipastetli.

Zur Vorspeise

Apéro Pastetli
Apéro Pastetli

 

 

Als Vorspeise wurden sie auch „Bouchées“ genannt, weil sie etwas kleiner waren – oder zum Hauptgang und eben etwas grösser als Vol-au-vents serviert wurden. Pastetli gab es als Festessen, an Sonntagen im Menü, an den Geburtstagen der Grosseltern und an Leidessen. Der Grund ist einfach: Pastell sind für eine Küche wunderbar, weil alles vorbereitet werden kann. Apropos Form: So serviere ich Pastetli mal rund, viereckig, sogar herz -oder sternförmig. Der Bäcker macht’s auf Vorbestellung.

Grundrezept für die Sauce: 60 gr. Butter. 4 EL Mehl. 1 dl Weisswein. 4dl. Fleischbouillon, Milch oder Gemüse Fond. 1dl Rahm. Salz und Pfeffer. Die Sauce sollte nie zu dünn sein, sonst saugt der Teig diese schnell auf und wird matschig. Zu dünn? Mit etwas Mehl Butter (beurre manié) oder Maizena nachbinden.

Ideen für die Füllung.

Pastetli mit Pilzfüllung
Pastetli mit Pilzfüllung

Für Vegetarier mit Gemüse oder Pilzfüllung. Oder gar mit einem würzigen Ratatouille.

Exotisch: Mit Poulet- und Gemüsewürfelchen an Currysauce.  Für Krustentierliebhaber: Mit Krevetten, mit Muscheln oder mit einem würzigen Fischragoût.  Edel: Mit Kalbfleisch, Milken, Champignons. Auch mit einem Pouletbrüstchen Ragoût mundet’s wunderbar. Oder einfach mit Brätchügeli.

Weitere Tipps: Die berühmten Teigdeckeli, die vor dem Aufwärmen der Pastetli rausgeschnitten wurden, nicht vergessen! Immer etwas Sauce separat servieren. Kreativ sind auch ein paar frittierte Randenscheiben oder im Ofen getrocknete Tomatenscheiben als Farbtupfer.

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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