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DIE WELT VON MORICE LIPSI (1898 – 1986) ein Essay von Anna Rybinski

Le grand Granit 1962, blauer Granit (Bretagne)Neulich hatte ich Gelegenheit, den Nachlass des Bildhauers Morice Lipsi zu besichtigen. Die Spiritualität, die aus seinen Werken strömt, hat mich erschüttert. Er wählte  oft Materialien, die Kraft ausstrahlen: Marmor, Granit und Lavastein. Sie   wirken jedoch nicht schwer, vermitteln kein niederdrückendes, sondern ein erhebendes Gefühl.   Zerbrechlichkeit  mit schwerer Materie? Ja,  auch das ist möglich.  Morice Lipsi  – gemäss seinem Leitspruch –  hat das Licht in seinen Skulpturen eingefangen. Ein bleibendes Erlebnis.

 

Die Kunsthistorikerin Meret Kaufmann hat gemeinsam mit dem Künstler Thomas Julier ein schönes Büchlein  über das Leben und Oeuvre  des Künstlers zusammengestellt,  mit ihrer Erlaubnis zitiere ich ihr Schreiben.

Lebenslauf

Morice Lipsi wurde 1898 als Izraël Moszec (Moryce) Lipszyc in Pabianice bei Lodz, Polen, geboren. Im Jahr 1912 zog er nach Paris, wo er nach dem ersten Weltkrieg Anerkennung für eine Reihe von Einzelausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum erhielt. Während Lipsis Werk in dieser ersten Phase vorrangig figurativ war, nahm es nach dem zweiten Weltkrieg eine Wende hin zur Abstraktion. Den Höhepunkt seines Schaffens markieren die 1950er bis 1970er Jahre. In dieser Zeit fanden seine monumentalen, direkt in Stein gehauenen Skulpturen weltweit in Galerien, Museen und im öffentlichen Raum Anklang. Im Laufe seiner schaffensreichen Karriere richtete sich Lipsi ein Zuhause mit Atelier in Chevilly-Larue ein, südlich von Paris, sowie in Küsnacht-Goldbach bei Zürich, wo er schliesslich 1986 verstarb. Nicht weit davon, in Hinwil bei Zürich, beherbergt die Sammlung LIPSI heute seinen künstlerischen Nachlass.

Meret Kaufmann

 

Lipsi au travail 1963

» La pierre est là pour sculpter la lumière «

Die Aussage Morice Lipsis (*1898 in Pabianice, Polen) wider­spricht auf den ersten Blick den massiven Steinblöcken, denen der Künstler Gestalt verlieh. Doch scheinen die soliden Elemente aus Granit, Marmor, Kalk- oder Lavastein, die Lipsi als » maître de la taille directe « mit Hammer und Meissel bearbeitete, der Schwerkraft zu trotzen: Lipsis Skulpturen sind Balanceakte, in denen Gegensätze zeitweilig aufgehoben sind – abstrakte dynamische Kompositionen, die im Tanz zwischen fester und flüchtiger Materie, Licht und Schatten, Werk und Umwelt aufleben.

Deux masques 1945, Gips
 
Tectonique I 1955, Lava

Um die Wechselwirkung zwischen Licht und Schatten einzufangen, arbeitete Lipsi bevorzugt unter freiem Himmel. Seine Werke fanden bald Eingang in das Museé d’Art Moderne de la Ville de Paris (1957, 1962 und 1964), die Kunsthalle Bern (1945) und die Hallen der documenta II (1959), Kassel. Hier zeigte der Künstler seine Arbeiten neben KollegInnen wie Hans Arp, Constantin Brâncuçi, Ossip Zadkine, Sonia Delaunay oder Henri Laurens. Hinzu kamen Ausstellungen in Galerien in Paris, Zürich, Frankfurt, New York und Tokyo, wo Lipsi als Vertreter der europäischen Avantgarde und Abstrakten Moderne Anerkennung fand.

Als Teilnehmer und später auch Initiator von Skulptur­symposien und weiteren Projekten im öffentlichen Raum wirkte Lipsi über ein eng gefasstes Kunstfeld hinaus. So wurden 1963 der Lavasteinbruch und Strand von Manazuru nahe Atami in Japan zu Lipsis Arbeitsplatz im Freien für die Skulptur Océanique I (Pacifique) aus Vulkangestein. Ebenfalls aus Lava – das der Künstler mit Vorliebe erforschte – schuf er Kabbalistique, la grande extension (1966); eine Skulptur als Auseinandersetzung mit Lipsis jüdischer Herkunft, die erst 1987, ein Jahr nach seinem Tod, nach Tel Aviv in Israel gelangte. Zwischen Berg, Fluss und Strasse ragt am Eingang zur französischen Stadt Grenoble seit 1967 die »olympische Säule«, Ouverture dans l’espace, in den Himmel und heisst Reisende willkommen. Dauerhaft im öffentlichen Raum installiert, halten Lipsis monumentale Skulpturen dem Wandel der Zeit stand, während ihre Gestalt sich je nach Wetter und Blickwinkel verändert.

Le dialogue 1961, Lava

Das Spiel mit Licht und rhythmischer Bewegung prägt das Schaffen des Bildhauers durchweg. In Lipsis Frühwerk finden sich zahlreiche musizierende oder badende Figuren, oft aus Elfenbein, Gips oder Holz gearbeitet. Kennzeichnend ist zudem Lipsis frühe Kunst des Flachreliefs: An der Grenze zwischen dem Zwei- und Dreidimensionalen zeigt sich in diesen Reliefs die Sensibilität des Künstlers für unterschiedliche Materialien im Austausch mit dem Atmosphärischen. Diese Werke aus der ersten Schaffensphase Lipsis von den 1910ern bis 1940ern sind grösstenteils figurativ und in Paris entstanden. Hier hatte Lipsi an der École des Beaux-Arts studiert und in der umtriebigen Künstlerkolonie »La Ruche« in Montparnasse gelebt (im »Bienenstock« tummelten sich unter anderem Marc Chagall, Jacques Lipchitz, Amedeo Modigliani, Chaim Soutine und Ossip Zadkine), bevor er sich in Chevilly-Larue südlich der Hauptstadt niederliess.

Sur pivot II 1970, weisser Marmor (Carrara)

Skizzenblock und Bildhauerwerkzeug begleiteten Lipsi auch, als er während des Zweiten Weltkriegs von Chevilly-Larue nach Südfrankreich und weiter in die Schweiz fliehen musste. In der Schweiz fand er durch seine Gattin, die Malerin Hildegard Weber-Lipsi, ein Exil und zugleich eines der Sujets, das einen Wendepunkt in seinem Werk zwischen Figuration und Abstraktion markiert: die Weinbergschnecke, die Spirale, die einen endlos sich ausweitenden Raum – über die Skulptur hinaus – eröffnet. Tierische und pflanzliche Wesen gehen fortan fliessend in mineralisch-abstrakte Formen über; in einer Serie von Masken von 1945 verschränken sich menschlich-organische und musikalisch-künstlerische Formen, Vorder- und Rückseiten, Innen- und Aussenraum.

Lipsis ebenso spielerische wie scharfsinnige Formgebung zieht sich durch sein Werk bis zur letzten Zeichnung vor seinem Tod, La Valse, 1986. Im selben Jahr starb der Künstler in Küsnacht- Goldbach bei Zürich, wo er mit Hildegard Weber-Lipsi und den drei Töchtern eine zweite Heimat gefunden hatte. In Hinwil, Kanton Zürich, beherbergt die Sammlung LIPSI heute Modelle, Studien, Zeichnungen und Skulpturen aus dem Nachlass des Künstlers. Es ist die Verflüssigung von Grenzen zwischen Alltag, Natur und Kunst, zwischen Figuration und Abstraktion, lebender und nicht-lebender Materie, durch die Morice Lipsis Oeuvre heute grosse Resonanz erzeugt.

Meret Kaufmann

Die Fotos sind von Gabrielle Beck-Lipsi zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen: www.sammlung

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Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Sven Gey_Thomas Douglas_Carina Thurner_Ruediger Hauffe_Martin Carnevali_Foto Ingo HoehnEine Produktion der Compagnie Affenherz

Luzerner Theater, Zur schönen Aussicht Ödön von Horváth, besucht von Max Thürig

Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Sven Gey_Thomas Douglas_Carina Thurner_Ruediger Hauffe_Martin Carnevali_Foto Ingo HoehnEine Produktion der Compagnie Affenherz
Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Sven Gey_Thomas Douglas_Carina Thurner_Ruediger Hauffe_Martin Carnevali_Foto Ingo HoehnEine Produktion der Compagnie Affenherz

Produktionsteam
Martin Schulze
Bühne und Kostüme: Ulrich Leitner

Komposition und Musik: Dirk Raulf
Licht: Marc Hostettler
Dramaturgie: Dominik Busch
Besetzung
Carina Thurner (Christine)
Tini Prüfert (Ada)
Rüdiger Hauffe (Karl)
Martin Carnevali (Strasser)
Christian Baus (Müller)
Thomas Douglas (Emmanuel)
Sven Gey (Max)

Wer möchte das nicht? Eine schöne Aussicht ist inspirierend, motivierend, beruhigend, fordernd oder auch einfach «nur schön»! Der Ausspruch: «Schöne Aussichten» kann aber auch negativ beladen sein, fällt er doch manchmal auch zusammen mit einer ungewissen Zukunftsvorstellung, mit Angst auf das Kommende…

Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Carina Thurner_Foto Ingo Hoehn
Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Carina Thurner_Foto Ingo Hoehn

Ich verspürte natürlich keine Angst, als ich mich nach stürmischem Wetter und einsetzendem Regen in die Theater Box begab, sondern war gespannt was mich hier erwarten würde. Für mich war die Nähe zu den Protagonisten anfänglich gewöhnungsbedürftig, fehlte mir doch die Übersicht über das schlichte Bühnenbild, welches mich mit diesen verschiebbaren Pflanzen an eine Dschungelkulisse erinnerte. Dschungel? Kann man sich dort nicht auch gut verirren, lauern dort nicht Gefahren, die unsere Existenz bedrohen?
Oder ist unser Leben manchmal auch mit einem dichten Dschungel vergleichbar, in dem wir Menschen unsere Position suchen, um unser Überleben kämpfen und wieder versuchen herauszukommen? Eine kleine Vorahnung auf Horvats Komödie?

Gescheiterte Individuen

Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Sven Gey_Foto Ingo Hoehn
Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Sven Gey_Foto Ingo Hoehn

Im heruntergekommenen Hotel «Zur schönen Aussicht) bilden Strasser (Martin Carnevali), früher Schauspieler und Offizier, heute Hoteldirektor; Max (Sven Gey) einst Kunstmaler, nun im Dienst als Kellner und Karl (Rüdiger Hauffe), ein ehemaliger Plantagenbesitzer, der es nun als Chauffeur versucht, eine Schicksalsgemeinschaft. Durch die zum Teil dubiose Vergangenheit und ihre gescheiterten Lebensentwürfe versuchen sie nun zu retten, was noch zu retten ist. Einziger Hotelgast ist die Baronin Ada von Stetten (Tini Prüfert). Sie führt sich auf wie eine Domina und züchtig und benutzt die drei ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen.

Als dieser vermeintliche «Burgfrieden» durch die ankommenden Besucher Müller (Christian Baus), ein Getränkevertreter und Baron Emanuel von Stetten,(Thomas Douglas) Ada’s Bruder, gestört wird, beginnen sich die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns zu öffnen. Jeder ist sich nun selbst der Nächste und versucht aus allem Möglichen und Unmöglichen Profit zu schlagen. In ihrer Aussichtslosigkeit und eigenen Gefangenschaft versuchen sie nicht ihr Leben schön zu reden, sondern es schön zu trinken – ein fatales Unterfangen, das letztlich Ansporn für weitere seelische Grausamkeiten ist…

Christine… und jetzt?

Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Tini Pruefert_Foto Ingo Hoehn
Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Tini Pruefert_Foto Ingo Hoehn

So langsam fühle ich mich in den anfänglich skizzierten undurchsichtigen Dschungel versetzt; erst recht als Christine (Carina Thurner) als Strassers Ex-Geliebte auf die Bühne tritt und ihm eröffnet, dass das Zusammensein vor einem Jahr nicht folgenlos geblieben ist…
Um sich einer Vaterschaft zu entziehen, ist ihm jedes Mittel recht, jede Lüge gefällig, jedes Be- und Ausnützen anderer Menschen willkommen. Reichlich fliessender Alkohol beflügelt die Gedanken der Runde. Mir erscheinen sie bei der Ausheckung ihres perfiden Planes mit dem sie Christines Leben zerstören wollen, wie pickende Hühner, die nur durch das Unterbrechen des Gockels kurz aufschauen um dann gleich wieder in den Intrigenmodus zurück zu fallen!

Realitätsfremd?

Zur-schoenen-Aussicht-Szenenfoto-von  Ingo-Hoehn-
Zur-schoenen-Aussicht-Szenenfoto-von Ingo-Hoehn-

Um der eigenen Gefangenschaft zu entrinnen und so vielleicht ein besseres Leben zu gewinnen, ist allen jedes Mittel recht! Dies wird mir in der Schlussszene deutlichst vor Augen geführt und ich beginne meinen «Dschungelfokus» zu lockern. Parallelen zu unserem Leben machen sich auf. Was Horvat da vor rund 100 Jahren geschrieben hat, braucht den Bezug zur heutigen Zeit nicht zu scheuen. Vereinsamung, fehlende soziale Einbindung, Egoismus, Neid und Eifersucht sind auch heute noch Triebfedern menschlicher Verirrungen!

 

Beeindruckt durch die schauspielerische Leistung unter der Regie von Martin Schulze mache ich mich etwas nachdenklich auf den Heimweg und freue mich auf schönere (Lebens-) Aussichten.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Hoehn Luzerner Theater:

fotodiashows.wordpress.com/2022/02/10/zur-schonen-aussicht-szenenfoto-von-ingo-hoehn/

Text: Max Thürig   https://maxthuerig.ch/           https://www.wildwaldwalk.ch/

Fotos: www.luzernertheater.ch  Ingo Hoehn

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Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Tini Pruefert_Ruediger Hauffe_Sven Gey_Foto Ingo Hoehn
Zur schoenen Aussicht_Luzerner Theater_Martin Carnevali_Tini Pruefert_Ruediger Hauffe_Sven Gey_Foto Ingo Hoehn

 

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Häfelichabis

Chabis mit Schaffleisch – das Gericht aus der Urschweiz serviert von Herbert Huber

Häfelichabis
Häfelichabis

«Chabis und Schaffleisch» – das Urner Chilbi-Essen ist ein den Gaumen erfreuender Seelenwärmer, besonders geeignet für kalte Tage. Dieses währschafte Gericht wird in jedem Urner Haushalt gegessen und geliebt. Was ist richtig und wichtig bei der Zubereitung? Die Meinungen sind hier mehr als nur vielfältig.

Chabis mit Schaffleisch
Chabis mit Schaffleisch

Selbst als Koch bin ich der Überzeugung, dass der Hafächabis, wie er vor 100 Jahren zubereitet wurde, uns heute nicht besonders schmecken würde. Er wäre zu fettig und im Gout zu intensiv – dabei kommt einem unweigerlich das Wort «böckelen» in den Sinn. Der Grund ist, dass damals auch ältere Tiere «verkocht» wurden. Und meistens mit dem Fett am Fleisch und statt Jungschafen auch Hammel, das männliche kastrierte Hausschaf.

In Kochbüchern wird der «Hafächabis» erstmals in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erwähnt. Je nachdem als besonders typisches Gericht für Schwyz und Nidwalden. In Uri lässt man den Begriff «Hafä» weg und überlässt das generös den Nachbarn. So wird in Schwyz der Hafächabis in erster Linie mit gut gewürztem Schweinsvoressen zubereitet. In selbst gemachter brauner Sauce wird das Fleisch zart gekocht, bevor die Chabisblätter ebenfalls in der braunen Sauce weich gegart und dann kurz vor dem Servieren mit dem Fleisch vermischt werden.

Ältestes Rezept von 1749

Hafechabis - Eintopf mit Chabis, Lammfleisch, Speck und Kartoffeln
Hafechabis - Eintopf mit Chabis, Lammfleisch, Speck und Kartoffeln

Die Urner reden wiederum von «Chabis mit Schaffleisch». Dieses Gericht wurde ursprünglich fast ausschliesslich mit Schaffleisch zubereitet und vor allem mit den Knochen. Es ist ein herbstliches Chilbigericht, dessen ältestes erhaltenes Rezept von 1749 stammt, wie der Urner Autor Karl Iten in seinem Werk «Rings ums Urner Chuchigänterli» festhält. Ein Rezept, bei dem der Eintopf ähnlich wie beim heutigen Siedfleisch nicht nur mit Chabis, sondern auch mit Lauch, Sellerie, Zwiebeln sowie Knoblauch gewürzt, aufgepeppt wird.

Einsiedler «Hafächabis» besiegt Urner «Schaffleisch mit Chabis»
Einsiedler «Hafächabis» besiegt Urner «Schaffleisch mit Chabis»

Doch das nicht überall. Wobei wir bei einem unkomplizierten Rezept wären, welches mir die Urner Wirtin Astrid Dittli vom Bergheim Gurtnellen verriet.

Rezept einer Urner Wirtin

Die Zutaten für sechs bis acht Personen sind:

Chabis mit Schaffleisch
Chabis mit Schaffleisch

2 Kilo Schaffleisch, Salz, Bratbutter oder Rapsöl, 7dl leicht gebundene Bratensauce, 2 Kilo Chabis. Fleisch vom Schweizer Schaf mit Knochen zu Ragout geschnitten bestellen. Ihr Hausmetzger ist verantwortlich für die beste Qualität. In der Regel wählt er Schulterstücke oder Brust. Das Fleisch muss mindestens drei Wochen gelagert sein. Mit Salz und Pfeffer würzen. Gut rundum heiss anbraten. Auffüllen mit brauner, selbst gemachter Bratensauce und das Fleisch «süferli» weich garen. Keinen Wein dazugeben, betont Astrid. (Wenn man will, darf man aber!)

Chabis in Würfel schneiden und mit Fett leicht anbraten und dann mit der Fleischsauce dämpfen. Den Chabis la minute mit dem weichgegarten Fleisch vermischen. So kann man besser portionieren. Aufgewärmt mundet dieses Urner Gericht am besten. Dazu gehören gewürfelte Salzkartoffeln, mit Schnittlauch bestreut.

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Fotos: www.pixelio.de

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Altdorfer küren an der Kilbi den besten Chabis-und-Schaffleisch-Koch.Er ist der König des Altdorfer Chabis- und-Schaffleisch-Wettkochens: Wendel Aschwanden. Zum Video: Livio Baldelli und Matteo Schenardi performen ihren «Chabis-und-Schaffleisch-Song». (Foto: F.X. Brun)
Altdorfer küren an der Kilbi den besten Chabis-und-Schaffleisch-Koch.Er ist der König des Altdorfer Chabis- und-Schaffleisch-Wettkochens: Wendel Aschwanden. Zum Video: Livio Baldelli und Matteo Schenardi performen ihren «Chabis-und-Schaffleisch-Song». (Foto: F.X. Brun)

 

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Jean-Yves Thibaudet Klavier

Kammermusik mit Thibaudet, Batiashvili und Capuçon, Tonhalle Zürich, 13.2.22, besucht von Léonard Wüst

Bereit für das folgende Konzert ist der grosse Konzertsaal der Zürcher Tonhalle Foto Vanessa Bösch

Bereit für das folgende Konzert ist der grosse Konzertsaal der Zürcher Tonhalle Foto Vanessa Bösch

Besetzung und Programm:

Jean-Yves Thibaudet Klavier
Lisa Batiashvili Violine
Gautier Capuçon Violoncello
 
Joseph Haydn Klaviertrio Nr. 44 E-Dur Hob. XV:28
Anton Arenskij Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 32
Johannes Brahms Klaviertrio C-Dur op. 87

Joseph Haydn Klaviertrio Nr. 44 E-Dur Hob. XV:28

Das Klaviertrio E-Dur, Nr. 28, gehört zu einer Gruppe von drei Werken, die er während seines zweiten Londoner Aufenthaltes 1795 für eine damals gefeierte englische Pianistin schrieb: Miss Theresa Jansen, spätere Mrs. Bartolozzi.

Die verschiedenen harmonischen und klanglichen Schattierungen im Allegretto von Hob. XV:30, einem barockisierenden Nachtstück von geheimnisvoller Tiefe, werden nur schwach ausgeleuchtet, die Musik prescht zu schnell am Ohr des Hörers vorbei. In Kopfsatz des Trios Hob. XV:30 wird der regelrecht mozartianische Reiz der Themengestaltung  hervorgehoben, werden die verschiedenen Stimmungsmuster plastisch genug herausgearbeitet.

Diese Komposition deutet Haydns Stilwechsel an

Es zeigt sich, wie sehr sich die Musik Haydns gegen Ende seines Lebens schon vom Idealbild klassischer Ausgewogenheit entfernt hatte und ähnlich wie bei Mozart die individuellen Stimmungen widerspiegelte – wie sich die Musik also der Romantik näherte. Das gibt der Musik Leichtigkeit und Transparenz in den Allegros, die langsamen Sätze gewinnen viel Stille und Intimität. Batiashvili und Capuçon treten mit weniger Individualität in Erscheinung. Dadurch, dass sich ihr Spiel an das von Thibaudet anpasst, erscheint die Musik aber auch sehr ausgewogen und harmonisch, ein Bild von klassischem Ebenmaß perfekt abbildend.

Jean-Yves Thibaudet Klavier
Jean-Yves Thibaudet Klavier

Pianist Thibaudet bekam  da schon einige Hals- oder besser Fingerbrecherische Tastenkombinationen vorgesetzt, die er aber scheinbar locker und mühelos bewältigt, die Läufe quasi aus dem Handgelenk schüttelt. Mit seinem Landsmann Gauthier Capuçon, 1981 in Chambéry geboren am Violoncello und der Georgierin Lisa Batiashvili (*1979 Tiflis) mit ihrer Violine, standen mit ihm zwei ebenbürtige Partner*innen auf der Bühne. Für die stilvolle Darbietung bedankte sich das Publikum mit langanhaltendem Applaus.

Johannes Brahms Klaviertrio C-Dur op. 87

Lisa Batiashvili Violine
Lisa Batiashvili Violine

Es folgte das C-Dur-Trio aus Opus 87 von Johannes Brahms. Wunderbar ließ man hier die musikalischen Charaktere wachsen, verlieh ihnen Kraft und Weite. Und so drangen die Musiker in ihrem Spiel ein bis in die kleinsten Verästelungen dieses raffinierten und oft vielschichtigen Satzes und machten diese für die Hörer nachvollziehbar. Keine Frage: Das war Interpreten Kunst vom Feinsten. Mehr als 25 Jahre hat Brahms gewartet, bis er seinem (falls man das ihm zugeschriebene A-dur-Trio ausser Betracht lässt) ersten Klaviertrio ein neues folgen liess. Es waren sogar zwei geplant, doch ist das gleichzeitig in Bad Ischl begonnene Es-Dur-Fragment verschollen. Dem umfangreichen Opus 8 von 1854 mit seiner Demonstration gelehrten kompositorischen Könnens und emotionalen Übersteigerungen stellte er nun ein knapperes, konzentriertes Werk gegenüber. Die vier Sätze des op. 87 dauern nur wenig länger als die beiden ersten der Erstfassung von op. 8. Gleichwohl stehen im 1880 entstandenen Kopfsatz den beiden Hauptthemen nicht weniger als sechs Nebengedanken gegenüber, was den ersten Brahms-Biographen nach dessen Tod, Heinrich Reimann, 1897 zur Kritik veranlasst hat, es seien «etwas heterogene Stimmungen aneinandergeschweisst». Die drei übrigen Sätze kamen erst 1882 dazu.

Beeinflusst von seiner Ungarnreise?

Gautier Capuçon Cello Foto Gregory Batardon
Gautier Capuçon Cello Foto Gregory Batardon

Das Andante in a-Moll ist ein Variationen Satz über ein pathetisches Thema mit magyarischem Einschlag. Auf das spukhafte, von einem klangvollen Trio unterteilte Scherzo folgt ein helles, oft geistreich-witziges Finale in Form eines Sonatensatzes. Clara Schumann war ganz begeistert: «Welch ein prachtvolles Werk ist das wieder! Wie vieles entzückt mich darin, und wie sehnsüchtig bin ich, es ordentlich zu hören. Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich sind die Durchführungen, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen! – Wie reizend ist das Scherzo, dann das Andante mit dem anmutigen Thema, das eigentümlich klingen muss in der Lage der doppelten Oktaven, ganz volkstümlich!» Die Uraufführung fand am 29. Dezember 1882 mit Mitgliedern des Joachim-Quartetts und dem Komponisten am Klavier in Frankfurt statt, nur knapp drei Wochen, nachdem Brahms seinen «Gesang der Parzen» in Basel zur Uraufführung gebracht hatte.

Denkwürdiger Abend in der ehrwürdigen Zürcher Tonhalle

Jean-Yves Thibaudet Klavier Symbolbild
Jean-Yves Thibaudet Klavier Symbolbild

Es war ein denkwürdiger Abend. Der 1961 in Lyon geborene Starpianist Jean–Yves Thibaudet spielte den Klavier-Part in der ihm eigenen breiten, prägnanten Weise. Das Werk ist jung und lebhaft ohne jede Überschwänglichkeit. Auch das Andante will nicht in die Tiefe bohren, süss und schwärmerisch wie ein alter Minnesang, aber einfach und natürlich strömt es dahin. Die Streicher auf der einen, das Klavier auf der anderen Seite führen einen überaus reizvollen Wechselgesang. Ist es ein altes Lied, auf das sich beide besinnen müssen? Wo die eine Gruppe den Faden verlor, nimmt ihn die andere auf und spinnt ihn weiter, und so ergänzen und erwärmen sie sich gegenseitig. Das Trio führt die Sprache des Komponisten Brahms, der aus dem Vollen schöpft; mit leichter Hand führt er seine Stimmen durch die sonnigen Gefilde quellenden Wohllautes, seltener als früher durch zerklüftete Engpässe. Der französische Pianist entwickelt eine Eleganz und Geschmeidigkeit in seinem Spiel, wohin ihm seine beiden Agonist*innen nur zu gerne folgen und ab und an Solosequenzen einfügen können, die Thibaudets Spiel veredeln und nicht etwa unterbrechen. Ein perfektes Trio jede*r für sich schon brillant, im Zusammenspiel aber schlicht meisterhaft.

Anton Arenskij Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 32

Der Erfolg des d-Moll-Trios erklärt sich schon aus dem ersten Satz, einem Allegro moderato. Es beginnt mit einer der schönsten Violinmelodien der Spätromantik. Über dem Triolen-Klanggrund des Klaviers setzt die Geigerin auf der G-Saite ein und schwingt sich langsam in die Höhe. Ihre ausdrucksvolle Melodie berührt statt des Leittons Cis ständig die dorische siebte Stufe C, weshalb sie zwischen d-Moll und F-Dur zu schwanken scheint. Diese reizvolle Zweideutigkeit bleibt auch erhalten, wenn das Thema vom Cello wiederholt wird und sich im Dialog der Streicher leidenschaftlich steigert. Erst mit dem Fortissimo-Einsatz des Klaviers zum Tremolo der Geige hört man den ersten Dominantakkord A-Dur. Danach spielt auch der Pianist seine Variante des schönen Hauptthemas. Die Überleitung lebt von leichtfüßigen Arabesken alla Schumann, das Seitenthema vom langen Atem eines Cellogesangs auf der A-Saite, in den die Violine einstimmt. Das Duett der Streicher wird von wogenden Klavier-Arpeggios getragen und steigert sich zu wehmütigem Ausdruck. Massive Klavierakkorde wollen die Zweisamkeit der Streicher stören, wodurch ihr Duett immer leidenschaftlicher wird. Eine knappe tänzerische Wendung im Staccato bildet die Schlussgruppe.

Kombination von kurzen, lebhaften Intentionen mit dem Leitmotiv

Lisa Batiashvili Violine Symbolfoto
Lisa Batiashvili Violine Symbolfoto

Diesen kurzen, lebhaften Gedanken hat Arensky in der Durchführung wirkungsvoll erst mit dem Hauptthema kontrastiert, dann mit den Schumann-Arabesken aus der Überleitung. Daraus hat er einen riesigen Spannungsbogen gebaut, der vom langen anhaltenden Piano allmählich ins leidenschaftliche Fortissimo übergeht. Im Tremolo scheinen die Streicher den Höhepunkt anzusteuern, doch er bleibt aus und wird durch die leise Reprise des Hauptthemas ersetzt. Diese Antiklimax ließe Raum für eine gewaltige Schluss-Steigerung in der Coda, doch auch sie hat Arensky verweigert. Stattdessen klingt der Satz mit einem tief bewegenden Adagio über das Hauptthema aus, vom Cello eröffnet. Die Totenklage auf den Cellisten Davidow verhindert den rauschenden Schluss.

Moll überschattet  D Dur mit einem Trauerflor

Das Scherzo steht an zweiter Stelle, ein Allegro molto im heiteren D-Dur, das freilich ständig von Moll überschattet wird. Nicht nur daraus erklärt sich das gespenstische Zwielicht dieses Satzes, sondern auch aus dem raffinierten Klang: Eine knappe Dreitonfigur der Geige fügt sich mit dem Pizzicato des Cellos und irrwitzigen Klavierläufen zu einer Art groteskem Springtanz zusammen. Raffiniert wird dieses Klangbild variiert, bis kurz vor dem Trio noch Flageolett-Töne der Geige hinzukommen. Das Trio (Meno mosso) ist im Ton kräftiger, in der Anlage simpler: ein robuster russischer Walzer in B-Dur, dessen Melodie die Streicher einander gegenseitig zusingen. Am Ende kündigt sich die Reprise des Hauptteils an, die natürlich im Pianissimo ausklingt.

Wo die melancholische russische Seele durchschimmert

Gautier Capuçon Cello Symbolfoto
Gautier Capuçon Cello Symbolfoto

Das Cello eröffnet den langsamen Satz, der den Titel Elegie trägt. Es ist Arenskys Trauermarsch auf den großen Cellisten Davidow. Schwer lastende punktierte Rhythmen des Klaviers deuten den Duktus eines Kondukts an. Darüber stimmt das Cello mit Dämpfer auf den Saiten sein Klagethema in g-Moll, das von der Violine ebenfalls con sordino aufgegriffen wird. Wenn sich beide Instrumente zu Duett vereinen, wird aus dem Marsch ein tief bewegender Klagegesang. Plötzlich aber wechselt die Tonart ins helle G-Dur. Über murmelnden Triolen der Streicher erscheint in der hohen Klavierlage wie eine Vision eine G-Dur-Variante des Elegie-Themas – die Apotheose des Helden in den Höhen des Himmels. Wenn das Klavier die changierenden Triolen aufgreift und mit gezupften Cellotönen betörend mischt, erscheint die G-Dur-Melodie in der hohen Violinlage als wahrer Engelsgesang. Danach kehrt die Totenklage wieder und klingt im Pianissimo aus.

Arenskys Finale kurz und bündig aber schlüssig

Die viel gepriesene Kürze der Finalsätze bei Arensky, die sich so wohltuend von den ausufernden Finali der Spätromantik abhebt, zeigt sich auch im d-Moll-Trio. Das wuchtige Hauptthema im Allegro non troppo „nimmt den Stil Rachmaninows vorweg, und die Coda enthält eine schöne, höchst effektvolle Reminiszenz an das zweite Thema aus der Elegie“ (Belaiev). Nach einer gewaltigen Steigerung des wuchtigen d-Moll-Finalthemas bricht die Musik plötzlich ab und gibt den Blick frei auf die himmlische Vision aus dem langsamen Satz. Con sordino wiederholen die Streicher*innen in die Apotheose des Helden und erinnern danach senza Sordino an das traurige Hauptthema des ersten Satzes, bevor das Finale im Strudel der Erregung ungestüm zu Ende geht. Die drei Protagonisten transformierten Kammermusik zu einem wahrhaften Kammerspiel, obwohl die Kammer, also der Konzertsaal  der Tonhalle dafür schon etwas zu voluminös ist, die Lautstärke dadurch etwas zurückhaltend, gar zu leise rüberkam.  Nichtsdestotrotz feierte das Auditorium das Künstlertrio mit stürmischem Applaus, garniert mit einigen Bravorufen und liess mit klatschen nicht nach, bis die erhoffte Zugabe in Form des 2. Satzes aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Klaviertrio Nr.1d-Moll op. 49 gewährt wurde.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.tonhalle-orchester.ch

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Die Künstler gemiessen den verdienten Schlussapplaus Foto Vanessa Bösch

Die Künstler gemiessen den verdienten Schlussapplaus Foto Vanessa Bösch

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