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Szenenfoto von Ingo Hoehn

Luzerner Theater, Il barbiere di Siviglia, Première, 25.09.20, besucht von Léonard Wüst

Szenenfoto von Ingo Hoehn
Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktion und Besetzung:
Produktion: Musikalische Leitung: Alexander Sinan Binder Inszenierung: Martin G. Berger Bühne: Jakob Brossmann Kostüme: Sarah-Katharina Karl Licht: David Hedinger-Wohnlich Dramaturgie: Rebekka Meyer
Besetzung: Hyojong Kim (Graf Almaviva) Eungkwang Lee (Figaro)  Flurin Caduff (Bartolo) Diana Schnürpel (Rosina) Vuyani Mlinde (Don Basilio) Robert Maszl (Fiorillo) Camila Meneses (Berta) Marco Bappert (Offizier) Herrenchor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Rezension:

Trotz der sehr ungewöhnlichen Umständen infolge des „Corona Zeitalters“ und dem unsäglichen Hick – Hack mit den diversen Amtsstellen, Denkmalämtern usw. um die Renovation/den eventuellen Neubau des Luzerner Theaters wird gespielt, und wie, einfach nur vor den erlaubten 320, statt den üblichen 480 Zuschauern. Nicht nur bei Luzern Tourismus spielen Asiaten eine Hauptrolle, auch am Luzerner stehen mit Eungkwang Lee  und Hyojong Kim zwei Südkoreaner in tragenden Rollen auf der Bühne, zudem agieren  noch einige im Chor.

Szenenfoto von Ingo Hoehn
Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die eigentliche Handlung von Gioachino Rossinis Opern-Evergreen «Il Barbiere di Siviglia» ist schnell skizziert: «Ein verliebter Alter will morgen sein Mündel heiraten; ein junger Liebender mit mehr Geschick kommt ihm zuvor», fasste der französische Komödiendichter Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, der mit seinem gleichnamigen Stück die Vorlage geliefert hatte, das Geschehen zusammen.

Die Luzerner präsentieren Bartolo nicht als lüsternen, alten Bock, sondern machen sich die aktuelle Weltlage zunutze und positionieren ihn als überbesorgten Virologen im Kampf gegen die sich immer mehr  einschleichende Sorg- und Gedankenlosigkeit seiner Mitmenschen.

Seit über 200 Jahren ein Bestseller

Szenenfoto von Ingo Hoehn
Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die Geschichte wird schon seit 204 Jahren auf vielen Bühnen weltweit musikalisch erzählt, vermag aber, trotz Durchfall bei der Uraufführung am 20. Februar 1816  im Teatro Argentina in Rom, immer wieder zu fesseln, so auch aktuell am Luzerner Theater. Diesmal aber wird, aufgrund der Hygienevorschriften, ohne Pause gespielt, wofür das Werk, durch Bearbeitung von Dramaturgin Rebekka Meyer, von fast drei Stunden auf 1 Stunden 50 Minuten gestrafft werden musste. Da aus den gleichen Gründen nur eine Kleinformation von 14 Musikern inkl. Dirigent mitmachen durften, war auch Rossinis Musik davon betroffen, die von einem unabhängigen, externen Komponisten, in enger Zusammenarbeit mit dem musikalischen Leiter Alexander Sinan Binder, neu arrangiert wurde und zwar so raffiniert, dass man trotzdem ein volles Klangerlebnis genoss und gar nicht explizit mitbekam, was denn weggelassen oder umgeschrieben wurde.

Aequitas, Hygienitas und Veritas

Diese Worte stehen auf der Leinwand, die zu Beginn die später im Spiel benötigte grosse Wendeltreppe verhüllt. Links und rechts davon posiert je ein Soldat, die sich später als „Seuchenpolizisten“ entpuppen. Im Hintergrund, im Halbrund aufgereiht, das dünn besetzte Luzerner Sinfonieorchester unter Leitung von Alexander Sinan Binder. Im Vorspann, auf die Leinwand projiziert ein paar Eckdaten der Entwicklungsgeschichte, u.a.: 1814 Komposition des Barbiere, 1783 erster bemannter Heißluftballon 1825 fuhr 1. Eisenbahn, 1886 1. Patent für Automobil, 1931 1. Fernsehsendung, 1945 Abwurf der 1. Atombombe1957 1. Satellit, 2007 1.Phone, 2020 Covid 19. Fiorello (grossartiger Robert Mazl) als Erzähler führt durch den Plot, erläutert die Geschehnisse.

Wenn der „Goldene Käfig“ aus metallenen, grauen Gitterstäben besteht

Szenenfoto von Ingo Hoehn
Szenenfoto von Ingo Hoehn

Eine grosse drehbare, vergitterte metallene Wendeltreppe, sinnbildlich für das Haus von Doktor Bartolo, steht mitten im Globe und dient als eine Art Bühne, wo sich das meiste abspielt. Darin, wohlbehütet von ihrem Vormund Bartolo, sitzt dessen Mündel im sprichwörtlichen goldenen Käfig. Regisseur Martin G. Berger versetzt das Geschehen in die aktuelle Zeit der Pandemie, steckt Bartolo in die Rolle eines übervorsichtigen Virologen. Dieser ist  um die Gesundheit aller ihn umgebenden Personen, aber besonders um die eigene und um die seines Mündels, äusserst besorgt  und agiert deshalb sehr vorsichtig penibel und er duldet nichts und niemand in nächster Nähe, der nicht garantiert getestet „unverseucht“ ist. Über das ganze Geschehen wacht eine strenge Hygienepolizei (Männerchor des LT in Tiefseetaucher ähnlichem Outfit inkl. Gasmaske und Desinfektionsmittelzerstäubern).

Ignoranten und Verneiner formieren sich

Ein pink – Strumpfband – gewandeter Figaro und  sein Kumpane Fiorello foutieren sich mehr oder weniger um die Anordnungen und erlassenen Vorschriften der Behörden und zuständigen Gesundheitsämtern, animieren gar andere, sich ebenso zu verhalten, bewegen sich in der Nähe von Verschwörungstheoretikern und entschliessen sich, um mehr politisches Gewicht und grösseren Widerstand zu generieren, zur Gründung des LBU (Lustvoller Berührungs Untergrund).

All dies tun sie lustvoll und nicht humorlos. Vor allem, um den sturen Bartolo zu ärgern, schmieden sie ein Komplott um, unter Mithilfe des Grafen Almaviva, Rosina zu verführen und aus den Fängen des pingeligen Despoten zu befreien. Es ist Figaro, der Barbier von Sevilla, der sich als lebensfroher und einfallsreicher Geselle entpuppt, der seinen Beruf liebt und voller Begeisterung ausübte, inzwischen aber, aufgrund des Lockdowns, pleite ist. Figaro erklärt dem Grafen, dass er bestens über Rosina informiert ist.

Ensemble agiert auf allerhöchstem Level

Szenenfoto von Ingo Hoehn
Szenenfoto von Ingo Hoehn

Als Rosina, ähnlich Rapunzel ihre Haare, einen langen pinken Schal vom obersten Treppenabsatz zu ihren Verehrern hinunterlässt, bekommt die Szenerie einen märchenhaft- komödiantischen Touch. Beim ersten Annäherungsversuch tarnt sich der Graf als angetrunkener Soldat, bleibt aber erfolglos. Als er sich beim zweiten Mal als Musiklehrer einschleicht, klappt die Verführung beim Gesangsunterricht und Rosinas Flucht kann vorbereitet und ausgeführt werden. Die Interpreten überzeugen durch  Ihre schauspielerische und sängerische Leistungen. Eungkwang Lee gibt einen sehr extrovertierten, dennoch etwas blassen Figaro. Diana Schnürpel ist eine aufgestellte, selbstbewusste Rosina, figürlich in Richtung blond-pinkhaarfarbige Barbie Puppe angelegt. Ihr Sopran ist angenehm, wenn auch etwas zu schreierisch bei den Spitzentönen. Hyojong Kim ist der perfekte Graf Almaviva/Lindoro mit schöner, lyrischer Tenorstimme. Flurin Caduff überzeugt als ernster, sturer Don Bartolo und mit seiner temperiert, differenzierten Stimme. Auf der Bühne wird umarmt, sich abgeküsst, als ob es keine Bedrohung durch das unsichtbare Virus gäbe und alles so wäre, wie es schon immer war. Beim Zwischenabspann werden schmusende, küssende, kopulierende Paare auf die grosse Leinwand projiziert, also alle bei nicht „seuchengerechten“ Tätigkeiten und Fiorello stellt voreilig befriedigt fest: Es ist alles wie vorher.

Die Seuche hinterlässt Spuren, fordert Opfer

Zum Schluss fordert die Seuche halt dann doch noch ihr Opfer, fatalerweise aber nicht einen der aufrührerischen, besserwisserischen  Widerständler, sondern ausgerechnet den übervorsichtigen, pflichtbewussten Virologen Bartolo.

Der Regisseur zeichnet das Gesellschaftsbild etwas zu überspitzt clichéhaft im Laufe der Geschichte, sodass leider die Ironie schon fast zur Parodie verkommt.

Nichtdestotrotz begeisterte ein glänzend aufgelegtes Ensemble das Premierenpublikum und wurde dafür mit einem entsprechend langen Schlussapplaus belohnt.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Hoehn:

fotodiashows.wordpress.com/2020/09/25/luzerner-theater-il-barbiere-di-siviglia-premiere-25-09-20-besucht-von-leonard-wust/

Text: : www.leonardwuest.ch Fotos: Ingo Hoehn     luzernertheater.ch

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Das Quintett auf der Bühne in Aktion Foto Fabrice Umiglia, Festival Strings Lucerne

Konzert Reihe Luzern Hotel Schweizerhof , Zeugheersaal Eröffnungskonzert: „EKSTASE“, 6. September 2020, besucht von Léonard Wüst

Das Quintett auf der Bühne in Aktion Foto Fabrice Umiglia, Festival Strings Lucerne
Das Quintett auf der Bühne in Aktion Foto Fabrice Umiglia, Festival Strings Lucerne

Besetzung und Programm:

Festival Strings Lucerne Chamber Players

Daniel Dodds, Violine
Erika Schutter, Violine
Dominik Fischer, Viola
Jonas Iten, Violoncello
Alexander Kionke, Violoncello

Luigi Boccherini
Quintett für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli C-Dur G 273 op. 11/3

Franz Schubert
Quintett für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli C-Dur D 956 op. post. 163
 Rezension:

Zeugheersaal im Schweizerhof
Zeugheersaal im Schweizerhof

Es konnte ja niemand ahnen, dass eine Konzertreihe mit Kammermusik sich als  optimales Format und, unverhofft, teilweise, etwas auch als befreiende Notlösung in der schwierigen Pandemiesituation erweisen würde. Aber ganz im Allgemeinen ist ein Konzert dieser Art, auch vom zeitlichen Rahmen her, Beginn um 17.ooUhr bis ca. 18.3o Uhr, äusserst gut geeignet, um Leute zu begeistern,, lässt es sich doch auch mit einem anschliessenden Diner gut verbinden, man kann also den akustischen mit dem kulinarischen Genuss bestens kumulieren.

So waren denn auch die, vom Schutzkonzept her möglichen, locker bestuhlten gut 200 Plätze besetzt.

Luigi Boccherini Quintett in  C-Dur G 273 op. 11/3

Grundsätzliches zum Komponisten und Werk

Daniel_Dodds Foto Fabrice_Umiglia
Daniel_Dodds Foto Fabrice Umiglia

Als virtuoser Cellist bevorzugte Boccherini die Quintett Besetzung mit zwei Celli anstelle der Wiener Besetzung mit zwei Bratschen, die man bei Mozart findet. Wohl deshalb „erfand“ Boccherini 1771 gleichzeitig mit dem in Madrid tätigen Gaetano Brunetti das Streichquintett mit zwei Violoncelli. Das Werk beginnt mit einem Amoroso, einem lieblichen Andantesatz aus lauter schmeichelnden Triolen in Terz- und Sext-Parallelen, die zwischen den Streicherpaaren hin- und herwandern. Eine Art Vogelstimmenduett sorgt im Mittelteil für klangliche Überraschungen. Das eigentlich zu Beginn erwartete Allegro wird im zweiten Satz nachgeholt, und zwar con spirito, mit italienischem Geist und Feuer. Hier konzertieren alle Instrumente, besonders aber die beiden Celli, die Boccherini oft in gefährlich hohe Lagen führt. Die Wirkung des Menuetts erklären zu wollen, wäre müßig: Seine Melodie ist schlicht ein Ohrwurm, getragen von einem raffinierten Klang aus gedämpften und gezupften Streichersaiten. Ein kapriziöses Rondo beschließt das Werk. Boccherini wurde zum ersten europäischen Komponisten, dem man Unsummen für Kammermusik bezahlte. So flossen 12.000 spanische Realos pro Jahr aus Madrid, wo er lebte, für ganze 18 Streichquintette, die er zu komponieren hatte, 1.000 Taler aus Berlin vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. für zwölf Kammermusiken jährlich. Ein Mozart hätte von solchen Summen nur träumen können. Boccherini musizierte mit Casanova und stand mit Haydn im Briefverkehr. Virtuosen wie Viotti und Rode liebten seine Werke und die Verleger verkauften sie in Rekord-auflagen. Heute ist sein, damals europaweit guter Ruf, etwas in Vergessenheit geraten, seine Werke sind relativ selten programmiert.

Die Crème de la crème der Strings auf dem Podium

Das Quintett auf der Bühne in Aktion
Das Quintett auf der Bühne in Aktion

Nebst altvertrauten Solisten der „Strings“, also Konzertmeister Daniel Dodds, dem Bratschisten Dominik Fischer und den  Cellisten Jonas Iten und Alexander Kionke spielte Erika Schutter, welche die neue Schweizerhof-Reihe mit verschiedenen Quintett Formationen konzipiert hat, die  zweite Geige,. Das gut harmonierende Quintett demonstrierte schon in Boccherinis Streichquintett die stilistische Flexibilität, hindeutend auf die künstlerische Handschrift Daniel Dodds. Der süffig elegante Klang, der die barocken Notenlinien volkstümlicher Souplesse entgegensetzt  und das tempomässig accelerierende Finale war schlicht mitreissend, die pure Lebensfreude versprühend und hätte ebenso gut von einem übermütigen Mozart stammen können. Da waren die Celli nicht nur Mitläufer, sondern drückten zweistimmig, im Stile eines Kontrabasses, dem Stück auch ihren Stempel auf, ohne die andern Instrumente zu unterdrücken.

Franz Schubert Quintett in C-Dur D 956 op. post. 163

Die zwei mit den Violinen
Die zwei mit den Violinen

Zu Beginn des ersten Satzes ist das Zeitgefühl aufgehoben. Es ist durch endlos gedehnte melodische Bögen außer Kraft gesetzt. Melodien, die kein Ende finden können, scheinen die Schönheit des Lebens wieder und wieder besingen zu wollen wie das zweite Thema der beiden Celli. Der Ausdruck ist der einer tiefen, romantischen Sehnsucht. Der Quintett Klang ist dabei von beispielloser Originalität: eine Übereinander Schichtung von Legato-Melodien, Staccato Figuren, rhythmischen Impulsen und Sforzati, die in jeder Phase des ausgedehnten Sonatensatzes neue überraschende Schönheiten, aber auch krasseste Härten offenbart.

Viola und die zwei Celli
Viola und die zwei Celli

Dominik Fischer an der Bratsche, agierte nicht nur optisch aus der Mitte heraus, sondern gestaltete das Spiel, analog einem Spielmacher beim Fussball, mal die Violinen und Celli verbindend, mal unterstreichend oder glänzte mit Solosequenzen und dem Ausmalen des Leitmotivs auf seiner Viola. Es war fast, als ob für einmal die Bratsche die erste Geige spielt, irgendwie ungewohnt, aber äusserst wirkungsvoll und passend.

Kontinuierlicher Steigerungslauf durch die vier Sätze

Das Quintett geniesst der verdienten Applaus
Das Quintett geniesst der verdienten Applaus

Die Gegensätze verschärfen sich im Adagio. Im Scherzo wiederholt sich der grundlegende Kontrast in wiederum anderer Form. Sein Hauptteil ist ein furioses, orchestrales Presto. Im dritten Satz mutiert Schubert vom Romantiker unversehens zum Dramatiker. Die Stärke der emotionalen Gegensätze führt zu Extremen in Klang und Dynamik, die alles sprengen, was man in der Kammermusik jener Zeit findet. Sie reichen vom zarten Pizzicato über Doppelgriffe und Tremoli bis zu scharf akzentuierten Synkopen, vom dreifachen Piano bis zum Fortissimo-Sforzato.

Als Gast in den Salons der Haute volée

Die fünf geniessen den stürmischen Schlussapplaus
Die fünf geniessen den stürmischen Schlussapplaus

Bei dieser Art von Konzerten fühlt man sich zurückversetzt in einen Salon der Haute volée, gar in den Prunksall eines Fürsten- oder Königshauses vor 200 Jahren. Als Zugabe für den langanhaltenden, stürmischen Applaus intonierten die fünf grossartigen Protagonisten noch das Menuetto „Bella Serenata“ von  Luigi Boccherini, welches deutlich an Mozarts kleine Nachtmusik anlehnt. Diese Konzertreihe hat durchaus das Potential, auch nach einer vollen Wiedereröffnung der grösseren Konzertsäle, ihren festen Platz im Jahresprogramm zu finden und, dank genügend Publikumsresonanz und Zuspruch, auch  zu behaupten

Kleine Fotodiashow des Kozertes von Fabrice Umiglia, Festival Strings Lucerne:

fotodiashows.wordpress.com/2020/09/08/konzert-reihe-luzern-hotel-schweizerhof-zeugheersaal-eroffnungskonzert-ekstase-6-september-2020-besucht-von-leonard-wust/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: Fabrice Umiglia  festivalstringslucerne.org/de/home

und weitere Fotos von:

www.hslu.ch und www.kkl-luzern.ch

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Szenenfoto von Gregory Batardon

Luzerner Theater, Tanz 34: Wie es euch gefällt, Premiere, 03.09.20, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Szenenfoto von Gregory Batardon
Szenenfoto von Gregory Batardon

Produktionsteam Choreographie: Caroline Finn Bühne: Sophia Prölss Raumkonzept Globe: Natascha von Steiger Kostüme: Birgit Künzler Komposition, Musik: Joana Aderi, Fredy Studer Dramaturgie: Sarah Brusis Licht: David Hedinger-Wohnlich
Besetzung Fredy Studer (Schlagzeug, Perkussion)Joana Aderi (Synthesizer, Keyboard und Gesang) Tanz Luzerner Theater: Carlos Kerr Jr., Dario Dinuzzi, Andrea Thompson, Valeria Marangelli, Lisa Gareis, Phoebe Jewitt, Igli Mezini, Flavio Quisisana, Olivia Blanch, Mathilde Gilhet, Luigi Imperato, Terra Kell, Mathew Prichard, Ilaria Rabagliati, Gabriele Rolle, Giuliana Sollami

Rezension:

Szenenfoto von Gregory Batardon
Szenenfoto von Gregory Batardon

«Wir sind wieder da», diesen Satz hörte man mehr als einmal letzten Donnerstag an der Saisoneröffnung des Luzerner Theaters. «Wir», das ist das Luzerner Theater im Allgemeinen und, an diesem Abend, Kathleen McNurney und das Ensemble Tanz Luzerner Theater im Speziellen.

Die Vorfreude war zwar da, aber leicht gedämpft, eine Premiere mit Schutzmaske, ohne Bar, leeres Foyer – das Gesellschaftliche würde wie so oft in letzter Zeit auf der Strecke bleiben. Der Einlass erfolgte geordnet, den Besuchern wurde bereits im Kassen-Foyer erklärt, wie sie ihre Plätze finden. Dies aber vor allem, weil auch der «Globe» wieder da ist, das Rundtheater aus Shakespeares Zeiten.

Etwas Wildheit war gefragt

McNurney wollte für diesen «Globe» etwas von Shakespeare, etwas ein bisschen Wildes und mit Livemusik begleitet. Sie lud die die britische Choreografin Caroline Finn, den Starschlagzeuger Frey Studer und die Zürcher Sängerin Joana Aderi ein, dabei entstand der höchst unterhaltsame theatralische Tanzabend «Wie es euch gefällt». Studer und Aderi komponierten eigens die Musik dafür und begleiten Tänzerinnen und Tänzer jeweils live.

Reality Show im Globe

Szenenfoto von Gregory Batardon
Szenenfoto von Gregory Batardon

Im Globe ist stellenweise grüner Teppich ausgelegt, in der Mitte der Bühne steht ein Brunnen, eine Gartenlaube auf der einen, ein paar Sitzblöcke auf der anderen Seite, grosse Ballone mit roten Liebesbriefen hängen von der Decke, Vögel zwitschern. Finn konzentriert sich in ihrer Choreografie auf die Szenen im Ardennen Wald und inszeniert sie als Reality-Show à la «Love Island». Zwei Moderatoren sind bereit, die Produzentin marschiert zackig über die Bühne, Monitor an, dann «ready, Fredy, go!» Mit Trommelwirbel werden die Protagonisten von den Moderatoren angekündigt und vorgestellt. Rosalind, ihr Angebeteter Orlando, Rosalinds Begleiterin Celia, der leidende Jacques mit seinem Toy Piano, Phoebe und ihr Silvius, der ihr nicht von der Seite weicht und Audrey.

The show must go on

Das Tanzensemble verkörpert die verschiedenen Charaktere aufs Schönste. Lisa Gareis ist eine anmutige, fast poetische Rosalind, Valeria Marangelli ihre treue Begleiterin, Mathew Prichard der stolze, verliebte Orlando, Mathilde Gilhet die leicht hochnäsige Phoebe, die sich grad so knapp von einem nervigen und unglaublich hartnäckigen Flavio Quisisana als Silvius umwerben lässt. Igli Mezini hängt mit leicht entrücktem Blick als melancholischer Jaques mit seinem Toy Piano ab, Andrea Thompson gibt die wunderbar wendige, verführerische Audrey. Terra Kell, welche erst später als Oliver ihren Auftritt hat, begeistert mit unglaublicher Mimik und Gestik. Wie ein Raubvogel, mit wendigem Hals und irrem, bedrohlichen Blick scheint sie Ausschau zu halten nach ihrer «Beute».

Fitness für gute Beziehung

Szenenfoto von Gregory Batardon
Szenenfoto von Gregory Batardon

Phoebe Jewitt als Produzentin stelzt immer wieder mit durchgedrücktem Rücken über die Bühne, hält die Show am Laufen und weist die sich anbahnenden Liebespaare an und ein. Gleichzeitig ist sie Fitnesstrainerin und kommandiert die ganze Schar immer wieder ab in die Turnhalle, denn: «Schätzeli, guete Körper, gueti Beziehig»! Carlos Kerr Jr ist einer der beiden Moderatoren, begeistert aber vor allem auch in der Kampfszene mit Orlando. Sichtlich in seiner Rolle ebenfalls als Moderator aufgehend führt Dario Dinuzzi durch die Show und flirtet  strahlend und gutgelaunt mit dem Publikum. Gerne hätte man zurückgestrahlt. Die Nähe war gegeben im Parkett, die Maskenpflicht verhinderte es leider.

Überzeugendes Ensemble

Ab und an wird die eine oder der andere in den «Diary Room» beordert, wo er oder sie dann Seelenstriptease betreibt, wie das üblich ist in solchen Shows. Grosse Momente, wo Finns Tanzsprache exzellent zur Geltung kommt. Tänzerinnen und Tänzer zeigen sich in Hochform, verwickeln sich in sich selbst, wirken manchmal wie schlecht geführte Marionetten, deren Glieder auseinanderzufallen drohen.

Virtuos-innovative Live-Begleitung

Last aber in keiner Weise least: Die live Musik des Luzerner Urgesteins Fredy Studer («Gestein» reiche, meinte er) am Schlagzeug und der Sängerin Aderi. Virtuos, innovativ, einzigartig. Mal sind es nur Geräusche, es knarzt, säuselt, zischt, dann wieder sphärisch-nordische Balladen, popartige Stücke, archaische Weisen. Die beiden ergänzen sich perfekt und begleiten die Tänzer mit einer unglaublichen Präzision, ohne sich dabei je in den Vordergrund zu stellen.

«Wie es euch gefällt» hat gefallen, sehr sogar, und ja, es ist wieder da, das Ensemble Tanz Luzerner Theater und erfreute das Premierenpublikum! Vorübergehend vergass man sogar die Masken! Ein toller Saisonstart, möge es so weitergehen!

Text: www.gabrielabucher.ch Fotos: Ingo Hoehn     luzernertheater.ch

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Restaurant mit Licht und Schatten Foto W.R.Wagner pixelio.de

Kleiner Restaurant Knigge, aufgelistet von Herbert Huber

Restaurant mit Licht und Schatten Foto W.R.Wagner pixelio.de
Restaurant mit Licht und Schatten Foto W.R.Wagner pixelio.de

Früher galt: Der Mann betritt das Restaurant als Erster. Damit übernahm er die Aufgabe der Tischbegleitung des „zuständigen“ Empfangchefs“  des Lokals. Heutzutage kann in bestimmten Situationen auch die Frau das Restaurant zuerst betreten. Zum Beispiel wenn diese zum Essen einlädt und sie Gastgeberin ist. Im Restaurant geht es in dieser Folge weiter die/der Zuständige  weist den Weg und platziert die Gäste. Wenn mehrere Paare eingeladen oder beim Essen dabei sind, werden die Damen in der Mitte platziert. Gibt es keinen “Zuständige” übernehmen die Herren diese Aufgabe.

Verhalten bezüglich der Garderobe

Schild vor Restaurant Nett sein Foto Alexander Hauk pixelio.de
Schild vor Restaurant Nett sein Foto Alexander Hauk pixelio.de

Nach Betreten des Restaurants hilft der Herr zuerst der Dame aus der dem Mantel oder der Jacke, anschliessend legt er seine eigenen Sachen ab. Beim Verlassen des Restaurants ist dies genau anderes herum zu handhaben, also zieht sich der Mann die Jacke oder Mantel zuerst an, dann hilft er der Dame.

 

 

 

Am Tisch gelten folgende Verhaltensweisen

Es ist appetitlich angerichtet
Es ist appetitlich angerichtet

Das Weinglas hält man immer am Stiel. Der Wein erwärmt sich ansonsten durch die Temperatur der Hand. Spricht der Gastgeber ein „Zum Wohl“ aus sagt man das auch. Wenn er „Prost“ sagt, sollte man ebenfalls „Prost“ erwidern. Anstossen ist typisch schweizerisch. Darf man tun, aber nicht im Gourmettempel. Den Mund sollte man fleissig mit der Serviette „reinigen“. Fettrückstände auf dem Glas wirken ungepflegt.

 

 

 

 

Wohin mit der Serviette?

Strahlefrau bedient Foto Kunstzirkus pixelio.de
Strahlefrau bedient Foto Kunstzirkus pixelio.de

Sie kommt auf den Schoß und zwar, sobald die Getränke oder das Essen anserviert werden. Auseinander gehen die Meinungen bei der Frage, ob sie als Lätzchen getragen werden darf. Wer besonders besorgt um seine Kleidung ist, trotzdem Spaghetti all’ Arrabbiata bestellt und es nicht schafft, aufrecht zu sitzen, dem bleibt wohl nichts anderes übrig. Verlässt man seinen Platz, um die Waschräume aufzusuchen, legt man die Serviette leicht gefaltet links neben den Teller, nie auf die Sitzfläche des Stuhls, das ist unhygienisch. Nach dem Essen gehört sie ebenfalls links neben den Teller und nicht auf denselben.

Wer degustiert den Wein?

Bordeaux degustationsbereit Foto Raphael Reischuk pixelio.de
Bordeaux degustationsbereit Foto Raphael Reischuk pixelio.de

Früher war das immer Männersache. Die Regel ist, wer bestellt, kontrolliert Herkunft und Jahrgang und probiert. Meine Frau hat ein ausgeprägtes Sensorium für Weine, deshalb lasse ich sie degustieren.

 

 

 

 

 

Aufstehen wenn die Dame den Tisch verlässt

Hektik an der Theke Foto Stefan Bayer pixelio.de
Hektik an der Theke Foto Stefan Bayer pixelio.de

Das war früher Pflicht. Heutzutage steht man auf, wenn eine Dame an den Tisch zurückkommt. Aber dann bitte richtig und den Stuhl bereitstellen.

 

 

 

 

 

 

Darauf ist beim Bezahlen zu achten

Die Rechnung bitte Foto Tim Reckmann_pixelio.de
Die Rechnung bitte Foto Tim Reckmann_pixelio.de

Es gilt als Faustregel, wer zum Essen eingeladen hat, das kann auch die Dame sein, bezahlt. Für einige Herren der Schöpfung ist das noch immer gewöhnungsbedürftig, auf der anderen Seite fühlen einige Frauen bevormundet, wenn der Mann automatisch davon ausgeht, dass er zahlt.

Rufen Sie nicht „Herr Ober oder Fröilein“ zahlen bitte. Nenne Sie die Dame oder den Herrn beim Namen. In gepflegten Restaurants stellen sich die Mitarbeiter vor.

Köchin mit Möhren FotoTim Reckmann pixelio.de
Köchin mit Möhren FotoTim Reckmann pixelio.de

Fazit: Über allem steht immer der gesunde Menschenverstand, Höflichkeit und Takt auch gegenüber den Mitarbeitenden. Der Gast ist König, wenn er sich als solcher aufführt.

Text: www.herberthuber.ch

Fotos: www.-pixelio.de

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