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Facades Liza Voll Photography

rEVOLUTION bei Boston Ballet, eine Kolumne von Anna Rybinski

Facades Liza Voll Photography
Facades Liza Voll Photography

Meine freudige Erwartung, dieses berühmte Ballettensemble in verschiedenen Programmen zu erleben, wurde durch die Corona-Epidemie zunichte gemacht. Ich musste mich sogar glücklich schätzen, dass ich Boston überhaupt verlassen konnte und in der letzten Maschine Richtung Schweiz einen Platz bekam, bevor die Flüge eingestellt wurden! So konnte ich nur einem Programm, der “rEVOLUTION” am 1. März 2020 beiwohnen; es war dem modernen Tanz gewidmet, mit Werken von drei grossen Choreografen. Die nächste Premiere, “Carmen”, wurde wegen der Schliessung aller kulturellen Einrichtungen auf August verschoben und das Schicksal vom “Schwanensee” im Mai steht noch in den Sternen. Momentan ist es aber ziemlich leicht, den Sterndeuter zu spielen und vorauszusagen, dass sie höchstwahrscheinlich auch nicht stattfinden wird.

 

Die “rEVOLUTION” – Tanz mit revolutionärem Inhalt

 

1965 Probefoto Balanchine
1965 Probefoto Balanchine

Die Choreografen George Balanchine (1904-1983), Jerome Robbins (1918-1998) und William Forsythe (*1949) haben den Begriff «Ballett» grundlegend verändert. Märchengeschichten mit viel Herzschmerz, Tüll und Tütü waren nicht mehr das einzige Ziel des Tanzes. Diese genialen Erneuerer liessen sich allein von der Musik inspirieren und erzählten ihre eigenen Geschichten – Emotionen und dramatische Höhepunkte inbegriffen.

Wie der künstlerische Direktor Mikko Nissinen treffend sagt: “Ballett ehrt die Tradition, aber zeigt gleichzeitig den Weg in die Zukunft. Erneuerungen sind unerlässlich, um mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten.“

In diesem Sinne präsentierte der Ballettabend “rEvolution” drei Einakter, buchstäblich mit revolutionärem Inhalt.

 

Agon (Altgriechisch: Wettkampf) Weltpremiere 1957

 

Choreograf: Georg Balanchine, Komponist: Igor Strawinsky

LizaVoll Photography
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Das Werk entstand in enger Zusammenarbeit der beiden. Stravinsky war ein erstaunliches Phänomen unter den grossen Komponisten: Er machte nicht nur seinen eigenen Reifeprozess durch, sondern blieb bis  ins hohe Alter offen für neue Strömungen und probierte sie aus, wie den Jazz und den Neoklassizismus. Sie leiteten bei ihm sogar eine neue Schaffensperiode ein. In «Agon» wendete er die Zwölfton-Kompositionstechnik an und komponierte – mit gewissen Jazz-Einflüssen und vielleicht mit einer Prise Ironie – 12 Tänze für 12 Tänzer. Dazu hatte Balanchine bei der Uraufführung das zentrale Pas de Deux mit einer weissen Tänzerin und einem schwarzen Tänzer besetzt – damals revolutionäre Neuigkeiten!

2019 Probefoto Forsythe Lisa    Voll
2019 Probefoto Forsythe Lisa Voll

Die acht Tänzerinnen und vier Tänzer wurden durch die kongeniale Choreografie zu Höchstleistungen inspiriert: die Wettkämpfe zwischen ihnen wurden virtuos ausgetragen und die lyrischen Sätze mit viel Poesie verinnerlicht. Sie konnten sogar den subtilen Humor der Musik in ihren Bewegungen visualisieren. Ich kann hier stellvertretend nur die Hauptsolisten des Abends, Chyrstyn Fentroy, Soo-Bin Lee, Patrick Yocum und Tigran Mkrtchyan nennen, aber das ganze Ensemble leistete Grossartiges. Die Musik, zwar für sinfonisches Orchester komponiert, ist gespickt mit Solos und kammermusikalischen Einsätzen und stellt höchste Anforderungen an die Musiker, die das Orchester unter der Leitung von Musikdirektor Mischa Santora mit Bravour leistete.

 

 

Glass Pieces Weltpremiere 1983

 

Jerome Robbins choreographierte drei Szenen zu Kompositionen von Philip Glass: «Rubric», «Façades» und ein Excerpt aus «Akhnaten».

Die Musik ist erstaunlich farbig und angenehm; das Markenzeichen von Philipp Glass, der Minimalismus, scheint Ruhe auszustrahlen, wirkt aber überhaupt nicht monoton und eintönig, weil alles im Fluss ist. Der perfekte Gegensatz zu Strawinskys vielschichtiger, kerniger Komposition!

Ein visuelles Vergnügen bereitete die zweite Szene, «Façades» in der das wunderschöne Pas de Deux von Viktorina Kapitonova und Lasha Khozashvili, von einem melancholischen Sopransaxophon begleitet wurde, während das Ensemble im Hintergrund ein faszinierendes Silhouetten-Spiel aufführte.

 

In the middle, somewhat elevated Weltpremiere 1987

 

LizaVoll Photography
LizaVoll Photography

Einer der bedeutendsten Choreografen unserer Zeit, William Forsythe, kreierte mehr als 60 Tanzwerke zu Musik des Holländers Thom Willems. Diese Komposition mit elektronischen Klängen bildete wiederum einen harten Kontrast nach der ruhigeren Atmosphäre von «Glass Pieces». Die neun ausgezeichneten Solisten vollbrachten akrobatische Höchstleistungen, die die Kämpfe und die Rivalität  zweier Frauen um einen Mann intensiv darstellten. Hier sollten die Namen aller dieser hochtalentierten Künstler und Künstlerinnen stehen, zumal sie in jeder Vorstellung jeweils andere Rollen übernahmen:

Lia Cirio, Patrick Yocum, Chrystyn Fentroy, María Álvarez, Ashley Ellis, Lawrence Rines, Irlan Silva, Mallory Mehaffey und Abigail Merlis.

Das Ensemble und Orchester wurden nach jedem Akt mit lauten Ovationen überschüttet.

Primaballerina LizaVoll Photography
Primaballerina LizaVoll Photography

Die enormen Unkosten für die 69-köpfige Kompanie und das denkmalgeschützte Haus samt Personal werden zu 60% von den Einnahmen getragen. Den Rest steuern die grosszügigen Sponsoren und Donatoren bei, da die Unterstützung von Stadt und Staat sehr gering ausfällt. Es ist zu hoffen, dass sich die Lage bald normalisiert und dieses grossartige Ensemble sein Talent bald wieder dem «Contemporary Dance» und «Schwanensee» & Co. widmen kann.

Text: www.annarybinski.ch

Fotos: https://www.bostonballet.org/home.aspx

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Der liegende Buddha

Coconut-Beach und Bananen Pan Cake eine Reportage von Herbert Huber

Der liegende Buddha
Der liegende Buddha

Thailand Dschungel und Mangrovenwälder, Fischerdörfer und kunterbunte Märkte – es gibt viel zu entdecken in Khao Lak. Auch mit kleinerem Budget. Khao Lak ist kein Ort, sondern eine Gegend nördlich von Phuket in der Provinz Phang Nga. Diese Perle lockt über 3,5 Millionen Touristen pro Jahr an. Und über all diesen freundlichen Menschen scheinen die vielen goldenen Buddhas zu wachen.

Eine zweite Residenz von Biber Gähler in Khanom
Eine zweite Residenz von Biber Gähler in Khanom

Herzlich hat mich bereits der quirlige Gastgeber Hansueli Gähler, ein waschechter Appenzeller, empfangen. Seit zwölf Jahren führt er sein «Thai Life Guest House» in Bang Niang. Der Ort gehört zum Provinzstädtchen Ta Kua Pa mit ca. 25 000 Einwohnern. Sieben geräumige, saubere Zimmer, in denen es an nichts fehlt, bietet Hansueli Gähler an. Er ist mit Angkana verheiratet. Seine erste Frau verlor er beim Tsunami im Jahr 2004. Doch das ist eine andere, tragische  Geschichte. Obwohl man in Khao Lak immer wieder an diese schreckliche Naturkatastrophe erinnert wird. An Gedenkstätten, in Museen und in bewegenden Gesprächen mit Einheimischen.

Coconut Beach Boatyard
Coconut Beach Boatyard

Nachdem ich mich am romantischen Coconut Beach und dem endlos scheinenden White Sand Beach von der langen Anreise erholt hatte, bildete sich allmählich eine kulinarische Liebesbeziehung zur bekömmlichen Thaiküche.

Gedämpfter SNAPPER mit Liebe serviert
Gedämpfter SNAPPER mit Liebe serviert

Manch einer Köchin guckte ich über die Schultern in den Wok. Die Geschwindigkeit, mit der eine Mahlzeit zubereitet wird, verblüffte mich. Die pfiffigen Gerichte, mit Chili und den verschieden Currys gewürzt, kitzelten den Gaumen. Die vielen Gemüse wie Thai-Auberginen, Bohnen, Okras, Kaffir-Limetten, Zitronengras mitsamt Ingwer und Kurkuma sorgten für Farbe und beste Verdauung. Sehr günstig konnte man sich an den Ständen auf dem Markt verpflegen. Dort, wo zur Schau Gestelltes auf dem Grill «nachgebraten» wird. Allerdings würde einem Lebensmittelinspektor aus Europa schnell mal das Herz stehen bleiben. Bei 30 Grad tummeln sich Hühner und Fleischbitzen werden auf dem Holzhackstock zerlegt.

Auch frittierte Bananen munden
Auch frittierte Bananen munden

Fische sind auf kühlendem Eis gebettet, das an der Wärme süüferli dahinschmilzt. Insekten, Frösche, Bambou- und Seidenwürmer werden à la minute knusprig im Mini-Wok zubereitet. Pommes Chips sind mir aber offen gestanden lieber. Apropos Essen. Der süssen Versuchung „Bananen Pan Cake“, zubereitet auf dem fahrbaren Tuk Tuk konnte ich schlicht nicht widerstehen. Zubreitet mit einem Reisteiglein und Cocos Milch. Einfach herrlich.

Ins Fischerpfahldorf, in den Nationalpark und zu den Elefanten.

Gut gelagert bei 30°
Gut gelagert bei 30°

Mit einer Gruppe und der perfekt deutsch sprechenden Sudjai Chaiyakit fuhren wir südwärts nach Phang Nga Stadt. Nach 20 Minuten Motorbootfahrt erreichten wir die Kanustation. Unvergesslich die Paddeltour durch die Mangrovenwälder. Mit geübtem Auge entdeckte man in den Bäumen ab und zu eine Schlange oder an den Ästen festgeklebt, eine Baumkrabbe. Hochinteressant war der Rundgang durch das Fischerpfahlbaudorf «Koh Panyee».

Rainforest Camp.
Rainforest Camp.

Vor 200 Jahren liessen sich hier drei islamische Familien nieder. Sie lebten vom Fischfang. Inzwischen ist die «Gemeinde» auf 1200 Menschen gewachsen. Sie profitiert unter anderem auch vom Tourismus. Die Einwohner verkaufen Zuchtperlen, Kleider und Kulinarisches. Zurück fuhren wir an 3000 Jahre alten Felsenmalereien vorbei und ruhten uns meditativ aus beim liegenden Buddha von «Suwan Kuha».

Im Elefanten Altersheim
Im Elefanten Altersheim

Draussen vor dem Tempel ein Heer von aufdringlichen, saufrechen Affen, das scharf auf Futter war. Im Nationalpark «Sa Nang Manora Forest» führte uns eine ziemlich beschwerliche Wanderung durch den Dschungel zu einem kleinen Wasserfall. Für Schweizer Begriffe eher ein „Minifälleli“.

Ein Muss sind die „Schwimmenden Flosse“

Das Fischerdorf mit Mosche
Das Fischerdorf mit Mosche

Was man auf keinen Fall verpassen sollte: Die «schwimmenden» Flosse im Rainforest Camp Khao Sok (als Hotelunterkunft). Vor jedem Zelt steht ein Kanu zur Verfügung um am Morgen früh der aufgehenden Sonne entgegen paddeln zu können. Und ein Besuch im legendären Elephant Hill Camp (Altersresidenz für einstige Arbeits Elephanten). Unter kundiger Führung dürfen die Tiere von den Besuchern gefüttert und gewaschen werden. Mit einer romantischen Übernachtung im Regenwald Camp träumt man dem nächsten Tag entgegen.

Spicy Thai Spaghetti
Spicy Thai Spaghetti

Zum Schluss zur Schrift und Sprache: Mit 44 Konsonanten, 11 Vokalen und 4 Intonationszeichen ist Thailändisch eine Schrift, die sich deutlich von unserem Alphabet unterscheidet. Nicht einfach, mit einer Sprache zurechtzukommen, die überhaupt nichts gemeinsam hat mit unseren westeuropäischen Sprachen.

Coconut Beach Hütte
Coconut Beach Hütte

Das Thailändische ist beeinflusst vom Chinesischen mit einer Mischung von Khmer, Pali und Sanskrit. Laa Goon – Sawat di Khrap.

Gut zu wissen

 

Flug: Mit Edelweiss Air direkt nach Phuket oder mit anderen Gesellschaften via

Bangkok oder Singapur.

Übernachtungstip: «Thai Life Guest House», Bang Niang, günstiges Gästehaus

und Restaurant, Thaiküche und Schweizer Spezialitäten www.thailifekhaolak.com.

Gleich nebenan Veranstalter für Tagestouren «Beim Straugbinger»

Der Tagespreis für einen Töff beträgt umgerechnet ca. Fr. 6.–

Linksverkehr! Taxis sind sehr günstig. Vor der Fahrt über den Preis verhandeln.

Strände: White Sand Beach, Coconut Beach oder Bang Niang Beach ca 500 BHT hin und zurück.

Innehalten und Meditieren: Tsunami-Gedenkstätte «Ban Nam Khem», Höhlentempel «Liegender Buddha».

Kleine Fotodiasow der Reise von Herbert Huber:

fotogalerien.wordpress.com/2020/03/18/coconut-beach-und-bananen-pan-cake-eine-reportage-von-herbert-huber/

Text und Fotos: www.herberthuber.ch

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Boston Opera House Foto Liza Voll

Boston Ballet – eine Erfolgsgeschichte, eine Kolumne von Anna Rybinski

Boston Opera House Foto Liza Voll
Boston Opera House Foto Liza Voll

Anlässlich eines längeren Aufenthaltes in den Staaten hatte ich Gelegenheit, dieses berühmte Tanzensemble zu erleben. Ich fand jedoch nicht nur  die Leistungen, sondern auch die Hintergrundgeschichte so aufregend, dass ich zuerst die  Entstehung dieser Kompanie und ihren Weg zum Weltruhm  erzählen möchte.

Wie es anfing

Künstlerischer Direktor Mikko Nissinen
Künstlerischer Direktor Mikko Nissinen

Gegründet von E. Virginia Williams 1963, war das Ensemble die erste professionelle Ballettgruppe in New England. Williams, eine willensstarke Frau,  widmete ihr ganzes Leben dem Tanz und gab schon mit 16 Jahren Ballettstunden. Viel Überzeugungsraft und Ausdauer seitens dieser leidenschaftlichen Tanzpädagogin waren nötig, um die musikalisch anspruchsvolle Bostoner Gesellschaft dazu zu bewegen, auch das Ballet zu unterstützen. Zur Erinnerung: In den Staaten gibt es für Kultur so gut wie keine Subventionen  aus öffentlichen Geldern, alles läuft über Sponsoring. Oder eben nicht! Der Erfolg kam für Ms. Williams jedoch schnell: schon in den 1970-er Jahren konnte sie grossartige Künstler wie Margot Fonteyn, Natalia Makarova und Rudolf Nureyev zu Gastauftritten einladen und mit den berühmtesten Choreografen der Welt zusammenarbeiten. Besonders Georg Balanchine (1904-1983, ursprünglich Georgi Melitonovich Balanchivadze nach seinem georgischen Vater), war eine wichtige Bereicherung für das Ensemble, da er das russische Repertoire auf höchstem Niveau und aus erster Hand vermitteln konnte. Die andere Lichtgestalt des Tanzes im 20. Jahrhundert, Rudolf Nureyev, (1938-1993) hatte fast 10 Jahre eine enge Verbindung zu  Boston Ballet  (BB, wie es hier genannt wird), sowohl als Solotänzer, als auch als Choreograf.

Die erste Welttournee  fand 1980 statt, unter anderem mit ausverkauften Vorstellungen in China, das sie als erste amerikanische  Tanzkompanie besuchten. 1980 unternahmen sie eine Nordamerika-Tournee  von fünf Wochen und eine vierwöchige Tournee durch Frankreich und Italien mit überwältigender Resonanz, beide mit Rudolf Nureyev.

Die Gegenwart

Music Direktor Mischa Santora
Music Direktor Mischa Santora

Mit dem Künstlerischen Direktor Mikko Nissinen hält der Erfolg seit 2001 an. Der gebürtige Finne, der eine glänzende Solokarriere hinter sich hat, pflegt weiterhin das zeitlose klassische Ballett der grossen Choreografen wie “Dornröschen“ von Marius Petipa, Sir Frederick Ashtons “Cinderella”, George Balanchines “Sommernachtstraum” und “Don Quixote” von Rudolf Nureyev. Aber der umsichtige Direktor  hat auch dem modernen Tanztheater eine wichtige Rolle im Repertoire eingeräumt: Führende Persönlichkeiten wie William Forsythe, Jirí Kilián und der eigene Haus-Choreograf Jorma Elo bringen mit grossem Erfolg Neues und Revolutionäres in den Spielplan. Manchmal buchstäblich – wie die letzte hochgelobte Premiere “REVOLUTION” im Februar 2020. Darüber später mehr.

1965 Georg Balanchine Probefoto
1965 Georg Balanchine Probefoto

Die 69 Tänzerinnen und Tänzer aus 11 Nationen repräsentieren höchstes internationales Niveau; entsprechend hoch sind die Hürden ins Ensemble aufgenommen zu werden. Daneben wird auch der Nachwuchs sorgfältig trainiert und auf dem Weg nach oben begleitet: Boston Ballet II ist eine Gruppe ausgewählter Jungtalente, die in den Produktionen ständig mitwirken und für spätere grosse Aufgaben minutiös vorbereitet werden. Ausserdem gibt es die Boston Ballet School, für die Liebhaber des Tanzes vom Kleinkind- bis zum Erwachsenenalter, mit einem Netz von Filialen in der Region mit ca. 5000 Schülern! Sicherlich die erfolgreichste Balletschule Amerikas – und das Gütezeichen Boston Ballet ist ein Garant für den hohen Standard.

Wo sie tanzen

Rudolf Nurejev mit Boston Ballet
Rudolf Nurejev mit Boston Ballet

Da kommt man leicht ins Schwärmen: Das Zuhause des Boston Ballets ist ein prächtiges Vaudeville Theater aus dem Jahr 1928. Damals erlebte diese Art von Unterhaltungshäusern ihre Blütezeit. Der wichtigste Impressario auf diesem Gebiet war Benjamin Franklin Keith, der in den Staaten ca. 500 Theater betrieb! Aber das schönste war dasjenige in Boston, welches erst nach seinem Tod für 8 Millionen Dollar gebaut wurde: das “Keith Memorial Auditorium”. Das Gebäude, im italienisch-französischen Stil errichtet und mit  überbordendem Luxus ausgestattet, war damals eine Sensation – deswegen gestalteten sich aber  die spätere Nutzung und die dazu notwendige Renovierung   äusserst schwierig. Eine Zeit lang diente es als Zuhause der Opera Company of Boston; die horrenden Kosten des Unterhalts überstiegen jedoch bald die finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft, sie machte 1991 Schluss. Der Verfall des Gebäudes war alarmierend fortgeschritten, als endlich 2002 die komplizierte Restauration begann. Die aktuellen Anforderungen des Brandschutzes, modernste Bühnentechnik u. ä. waren im alten Haus nicht einfach zu realisieren. Aber wie Fachleute und Material finden für längst vergessene Handwerker-Künste? Es mussten passende Seidentapeten hergestellt, Goldverzierungen erneuert, Eichen- und Nussholztäfelungen in historischem Stil produziert werden. Auch die Statuen aus Carraramarmor und die antiken Kristalllüster benötigten eine fachkundige Restaurierung. Die Probleme waren immens und die Unkosten dementsprechend hoch.

Aber seit 2004 erstrahlt das alte Juwel in neuem Glanz. Das “Citizen Bank Opera House” mit ca. 2600 Sitzplätzen, in dem keine Opern  mehr gespielt werden, beherbergt heute das Boston Ballet, das Aushängeschild der Tanzkultur in New England. Daneben wird es auch für Broadway-Produktionen vermietet, die mit ihren erfolgreichen Ensembles durch die Staaten touren.

Was sie bieten

1990 Schwanensee Foto Phillips
1990 Schwanensee Foto Phillips

In jeder Saison gibt es eine wohlüberlegte Kombination von aus Modernem Tanz, teils mit Auftragswerken zeitgenössischer Komponisten, und klassischem Ballett, teils mit historischer Choreografie. Last but not least: Einen Monat lang “Nussknacker” im Dezember! Das ist Kult: Ohne dieses 41-fach ausverkaufte Grossereignis könnte Boston die Weihnachten gar nicht gebührend zelebrieren.

In Mai 2020 kommt es noch zum grossen Showdown: “Schwanensee”, der Evergreen der Ballettgeschichte, wird vom Künstlerischen Direktor Mikko Nissinen choreografiert. Das Boston Ballet  Orchester, mit seinem charismatischen, schweizer-ungarischen Musikdirektor  Mischa Santora   an der Spitze, trägt wesentlich zum grossen Erfolg bei.

Die Saison 2020-21 bringt solche Trouvaillen wie ein Abendprogramm mit Musik von Igor Stravinsky und der Choreografie von William Forsythe, und den “Sommernachtstraum” mit  Felix Mendelssohns Musik. Unter dem Titel “Titans” wird ein Ballettabend mit drei legendären Choreografen geboten: William Forsythe, George Balanchine und Alexej Ratmansky. Marius Petipas berühmter Klassiker “Dornröschen” kommt im Frühling 2021 – vorher jedoch die ewig-geliebte Weihnachtsgeschichte ”Nussknacker” vom Künstlerischen Direktor Mikko Nissinen im Dezember 2020!

Mr. Nissinen sagte einmal: “E. Virginia Williams wagte es zu träumen. Ohne sie gäbe es heute kein Boston Ballet. Ich bin stolz, ihr Nachfolger zu sein.”

Der Traum von E. Virginia Williams ist in Erfüllung gegangen. Die Stadt hat ein Tanztheater ersten Ranges mit internationaler Ausstrahlung, das die Besten des Faches anzieht. Der Spielort ist ein historisches Prachtgebäude, das Stammpublikum treu und begeistert. Ist es vielleicht sogar mehr, als sie zu träumen wagte?

Text: www.annarybinski.ch

Fotos: https://www.bostonballet.org/home.aspx

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Ensemble Foto Rupert Larl

Tiroler Landestheater, Die grosse Nacht des Tanzes, Premiere 29.Februar 2020, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Ensemble Foto Rupert Larl
Ensemble Foto Rupert Larl

Choreografie & Regie

Nacho Duato, Jiří Kylián, Mauro Bigonzetti
Bühne & Kostüme
Nacho Duato, Jiří Kylián, Helena de Medeiros

Por vos muero, Choreografie von Nacho Duato
Lara Brandi, Oumy Cissé, Camilla Danesi, Sayumi Nishii, Brígida Pereira Neves, Alice White, Mikael Champs, Mingfu Guo, Gabriel Marseglia, Martin Seget´a, Nicola Strada

Lieder eines fahrenden Gesellen, Choreografie von Jiří Kylián
Alice White, Martin Seget´a, Lara Brandi, Carlos Campo Vecino, Oumy Cissé, Marco Marangio, Sayumi Nishii, Mitsuru Ito, Brígida Pereira Neves, Gabriel Marseglia
Cantata, Choreografie von Mauro Bigonzetti
Tanzcompany des TLT

 

Rezension:

Brígida Pereira Neves, Mingfu Guo, Nicola Strada Foto Rupert Larl
Brígida Pereira Neves, Mingfu Guo, Nicola Strada Foto Rupert Larl

Tanzdirektor Enrique Gasa Valga des Tiroler Landestheaters bot seinem Publikum mit der «Grossen Nacht des Tanzes» einen Abend voller Gegensätze, Musikalität, Poesie und Lebensfreude. Den Anfang machte «Por vos Muero» von Nacho Duato. In diesem Stück setzt sich der spanische Choreograf auseinander mit dem legendären «Siglo de Oro», dem «Goldenen Zeitalter». Musik aus Spanien aus dem 15./16. Jahrhundert wechselt sich ab mit Strophen des Gedichtes «Por vos muero» von Garcilaso de la Vega. Die dunkle, samtene Stimme des Sprechers unterstreicht die Stimmung auf der Bühne, zwischen Heiterkeit und Todessehnsucht, zwischen Ernsthaftigkeit und Verspieltheit. Die Kostüme – erst hautfarbene Trikots, dann wunderbar fliessende Röcke und samtene Oberteile in dunklen Farben – greifen die Stimmung auf. Diese ist abwechslungsweise düster königlich, ruhig erhaben, verspielt fröhlich. Das Tanz-Ensemble interpretiert diese Anmut, Melancholie und Sinnlichkeit aufs Schönste, das ist modern und klassisch zugleich und begeisterte durchwegs.

Grosse Ehre fürs Tiroler Landestheater

Gabriel Marseglia, Brígida Pereira Neves Foto Rupert Larl
Gabriel Marseglia, Brígida Pereira Neves Foto Rupert Larl

Das zweite Stück, «Lieder eines fahrenden Gesellen» von Jiří Kylián, spielt auf einer anderen Ebene, zwar mit ähnlichen Emotionen, aber mit anderen Bildern. Eine spezielle Aufführung für das Tiroler Landestheater übrigens: Da das Original des Rückprospektes dieses Stückes nicht mehr transportfähig gewesen war, durfte der Malersaal des TLT eine Kopie erstellen, welche nun künftig mit der Produktion unterwegs sein wird. Der Entstehungsprozess dieser Kopie wurde mit einer kurzen Videoeinspielung erklärt und Tanzdirektor Gasa Valga bedankte sich für das grosse Vertrauen, welches dem TLT damit entgegengebracht worden war.

Die vier Lieder von Gustav Mahler werden mit vier Pas de deux interpretiert, die beinahe nahtlos ineinander übergehen. Die Paare vereinen und verlieren sich vor dem riesigen Bild mit wechselnder Beleuchtung – mal strahlend heller Sonnenaufgang, mal düsterer Nebelmorgen – verzehren sich nacheinander, innig, verzweifelt, auch mal verspielt. Die Szenen haben etwas Zartes und Zerbrechliches an sich, was viel mit der Anmut der jeweiligen Tanzpaare zu tun hat.

Pure Italianità

Das letzte Stück ist Lebensfreude pur und eine weitere Möglichkeit fürs Ensemble, sein vielfältiges Können zu zeigen: In «Cantata» des Italieners Mauro Bigonzetti geht es hoch her. Da stampfen, hüpfen, springen die Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne, singen, pfeifen, schreien, lachen. Da ist immer etwas los, Macho-Männer mit Hosenträgern messen sich an verführerisch-stolzen Frauen in farbigen Kleidern. Mal übernehmen die Machos, mal die Frauen mit ihren wallenden Mähnen, ein wunderbar farbiges, lebendiges, ausgelassenes, feuriges, wuseliges Mit- und Gegeneinander, das pralle Leben des italienischen Südens. Dies zu Melodien der Gruppe Assurd mit ihren kraftvollen Stimmen und ihrem leidenschaftlichen Temperament. Tänzerinnen und Tänzer versprühten eine solche Lebenslust und Lebensfreude, dass sie das Publikum ansteckten. Dieses feierte das Ensemble, ihren Direktor und die «Grosse Nacht des Tanzes» lange, laut und herzlich.

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: https://www.landestheater.at/

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