Zum Hauptinhalt springen

Lucerne Festival: Roche Young Commissions 2021 an Kirsten Milenko und Alex Vaughan

Alex Vaughan und Kirsten Milenko Foto NikHunger
Alex Vaughan und Kirsten Milenko Foto NikHunger
Roche Young Commissions: Die Kompositionsaufträge für 2021 gehen an die Komponisten Kirsten Milenko und Alex VaughanKirsten Milenko (27) und Alex Vaughan (31), zwei junge Komponisten aus Australien, erhalten die renommierten Kompositionsaufträge der Roche Young Commissions für 2021. Ausgewählt wurden sie von Wolfgang Rihm, dem künstlerischen Leiter der Lucerne Festival Academy. Gestern, am 2. September, wurden die jungen Talente bei Roche offiziell empfangen. Milenko und Vaughan werden bis 2021 je ein Werk für Orchester schreiben, an dem sie im Sommer 2020 zusammen mit Rihm und dem Orchester der Lucerne Festival Academy arbeiten und proben. Die Uraufführung ihrer Werke findet dann im Rahmen des Sommer-Festivals 2021 statt. 2017 hatten Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino die Aufträge der Roche Young Commissions erhalten, ihre Kompositionen wurden vorgestern, am 1. September 2019 unter der Leitung von David Fulmer und Ruth Reinhardt mit der Lucerne Festival Academy im Konzertsaal des KKL Luzern uraufgeführt.

Die Roche Young Commissions wurden 2013 erstmals als einzigartige Kooperation zwischen Roche, Lucerne Festival und der Lucerne Festival Academy ins Leben gerufen. Seit 2003 werden im Rahmen der Roche Commissions Werke an weltweit renommierte Komponisten in Auftrag gegeben, mit den Roche Young Commissions wurde die Partnerschaft erweitert. Die Werke der Roche Commissions und der Roche Young Commissions werden jeweils alternierend alle zwei Jahre uraufgeführt.

Die 1992 geborene Australierin Kirsten Milenko lebt und komponiert in Kopenhagen und studiert an der Royal Danish Academy of Music bei Niels Rosing-Schow und Simon Løffler. Zuvor hat sie bei Liza Lim, Rosalind Page, Natasha Anderson und Ursula Caporali am Sydney Conservatorium of Musik studiert und den Ignaz Friedman Memorial Prize 2015 gewonnen. Sie hat mehrere internationale Workshops und Meisterkurse besucht, unter anderem die Hatched Academy mit dem Ensemble Offspring in Australien, die Dartington International Summer School in England, wo sie den John Amis Award gewann, den Komponisten-Workshop mit Jessica Cottis und einen Komponisten-Workshop mit Mark Shiell und dem Melbourne Youth Orchestra in Australien. Sie ist beim australischen Label Muisti-Records unter Vertrag und ihr Debutalbum Caeli wurde im Juni 2019 veröffentlicht.

Alex Vaughan, 1987 in Sidney geboren, begann im Alter von acht Jahren mit Posaunen-Unterricht, darauf folgten mehrere Jahre der Ausbildung in Jazz- und Musiktheorie an der Music Life-School of Performing Arts unter der Leitung von Rory Thomas in Sidney. Er studierte Komposition und Jazz-Posaune an der University of New South Wales und zog dann nach Weimar, um sein Studium in Deutschland fortzusetzen. 2015 gewann er das Sonderhäuser Kompositions-Stipendium und den DAAD-Preis, verliehen durch die Hochschule für Musik Franz Liszt. Im Jahr 2017 schloss er sein Studium in Weimar ab und erhielt dabei das Baldreit-Stipendium von der Stadt Baden-Baden für 2017/18. Zu seinen Lehrern zählen unter anderem Reinhard Wolschina, Jörn Arnecke oder Hansjörg Fink, zudem hat er Meisterkurse bei Tristan Murail, Pierluigi Billone, Simon Stehen-Andersen und Klaus Lang besucht. www.lucernefestival.ch

Roche – Partner Lucerne Festival Academy

  • Aufrufe: 397

Wie und welche Jacken man am besten mit Abendkleidern kombiniert

Jackenphoto-unsplash.com-@tamarabellis-Jacken
Jackenphoto unsplash.com @tamarabellis-Jacken

Du hast dein perfektes Abendkleid gefunden und möchtest es am liebsten zu jeder Gelegenheit tragen. Abendkleider mit kurzen Ärmeln oder ohne Ärmel sind wunderschön, können aber zu manchen Jahreszeiten zu kühl sein, oder zum Beispiel für die Kirche nicht angebracht sein.

Du möchtest dir aber deswegen kein neues Abendkleid kaufen? Klar schon die richtige Wahl kann schwierig sein, und du hast schon ein traumhaftes Kleid gefunden. Dann kannst du einfach dein Abendkleid mit einer schicken Jacke kombinieren. So bist du nicht nur immer passend gekleidet und musst nicht frieren, nein du bist auch noch flexibel und kannst einen schönen Akzent setzen.

Welche Jacken lassen sich zum Abendkleid kombinieren?

Du suchst eine passende Jacke für dein Abendkleid, dann hast du hier eine große Auswahl an verschiedenen Möglichkeiten. Prinzipiell lassen sich alle möglichen Arten von Jacken zum Abendkleid kombinieren, hier kommt es natürlich auch auf den Anlass an. Du hast hier die Wahl zwischen:

- Boleros

- Blasern

- Strickjacken

- oder auch stilbrechende Jacken, wie zum Beispiel eine Lederjacke

So umfangreich, wie die Auswahl der verschiedenen Abendkleider ist, so umfangreich ist auch die Auswahl an Jacken.

Am besten und passendsten ist es, du suchst dir dein Wunschkleid schon mit einer dazugehörigen Jacke aus. Bei JJ´s House findest du eine Auswahl an Abendkleidern, zu denen eine Jacke gehört. Aber auch alle anderen Abendkleider lassen sich wunderbar mit den verschiedenen Modellen kombinieren.

Wie triffst du die richtige Wahl für deine Jacke passend zum Abendkleid?

Welche Jacke nun am besten zu deinem Kleid passt, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Die Jacke sollte natürlich in Farbe und Material zu deinem Kleid passen aber auch den Anlass berücksichtigen.

Zu schlichten Abendkleidern, die am Oberkörper eng anliegen, passen hervorragend kurze Boleros in der passenden Farbe und Material. Bei einem schlichten Kleid kannst du auch gerne mit etwas auffälligeren Jacken arbeiten. Such dir eine aus Spitze aus oder im Material des Kleides aber mit Applikation. So bist du für Kirche und festliche Anlässe immer passend gekleidet und wertest dein Outfit zusätzlich auf. Ist dein Kleid auffälliger, solltest du einen schlichten Bolero wählen. So wirkst du nicht überladen und stiehlst deinem Kleid nicht die Show.

Boleros sind generell eine hervorragende Wahl als Kombination zu einem Abendkleid. Diese gibt es wirklich in einer Vielzahl von Variationen und so findet sich der passende Bolero für jedes Kleid. Ob mit Perlen, Strass oder Spitze verziert, simpel und unauffällig, aus Samt, Spitze, Chiffon oder Seide, hier findest du das passende Modell für dein Kleid.

Auch eine Stola ist ein wunderschöner Hingucker, der ein schulterfreies Kleid schmückt und ihm zusätzlich Eleganz verleiht. Besonders zu engen Kleidern sieht eine Stola großartig aus.

Ein Blaser eignet sich hervorragend für lockere und luftige Abendkleider. Hier diese Kombination sieht wunderschön aus und erdrückt das Kleid nicht.

Für eine Hochzeit im Freien oder eine etwas lockere Gesellschaft eignen sich auch kurze Strickjacken hervorragend. So wirkst du nicht overdressed und lockerst dein Outfit auf.

Auch ein kompletter Gegensatz kann dein Outfit optisch aufwerten. Wenn du zu deinem lockeren, luftigen Abendkleid eine Lederjacke, vielleicht sogar im Rockerstil, kombinierst, hast du ganz schnell ein neues Outfit, das sich für viele Anlässe eignet, die keine Abendgarderobe erfordern. Am besten kombinierst du hierzu die passenden Schuhe, am besten Boot, und du wirst alle Blicke auf dich ziehen.

Wo finde ich die unterschiedlichen Jäckchen?

Bei JJ´s House findest du eine große Auswahl an verschiedene Boleros, Stolen oder Blasern, die du hervorragend zu deinem Abendkleid kombinieren kannst. Mit deiner Jacke von JJ´s House siehst du nicht nur traumhaft schön aus, sondern du bekommst qualitativ hochwertige Stücke zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. So kannst du bei der nächsten Veranstaltung in vollem Glanz strahlen.

 

 

  • Aufrufe: 972

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 7 Gewandhausorchester Leipzig, Andris Nelsons, 25. August 2019, besucht von Léonard Wüst

Gewandhausorchester Leipzig Foto Gerd Mothes
Gewandhausorchester Leipzig Foto Gerd Mothes

Besetzung und Programm:
Gewandhausorchester Leipzig
Andris Nelsons  Dirigent

Anton Bruckner (1824–1896)
Sinfonie Nr. 8 c-Moll WAB 108
(Fassung von Robert Haas)

 

Rezension:

Prallvoller Konzertsaal, gespannte Erwartungshaltung. Unbekannt ist sie natürlich nicht; die Sinfonie Nr. 8 von Anton Bruckner wird häufig gespielt. Aber von selbst versteht sich so eine Aufführung in keinem Fall, sie stellt das Orchester wie den Dirigenten vielmehr vor ganz besondere Anforderungen. Diese Ton-(Ver)Dichtung des Anton Bruckner in seiner 8. Sinfonie, sie ist ein schier uferloses Werk. Ein immer währender, beinahe 80-minütiger kontrapunktischer Kampf von Düsternis, Bedrohung, Zerrüttung und allüberbordender Zermalmung. Am Ende doch meist mit dem Aufscheinen eines gleißendes Lichts, das erschöpft und atemlos Erlösung verspricht.

Grosse Herausforderung für Dirigenten

Das sehr grosse Orchester, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Das sehr grosse Orchester, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Ein tief gläubiger Katholik schreibt sich die Seele aus dem Leib – so monumental wie nie zuvor. Anton Bruckner hat mit seiner Sinfonie Nr. 8 eine Klangkathedrale komponiert, deren Ausmaße alles bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dagewesene in den Schatten stellt. Es gibt wenig Schwierigeres für Dirigenten als Bruckners Sinfonien. Hier ist also prozessuales Denken gefragt. Das es ermöglicht, den dramaturgischen Bogen über die mächtigen Themenblöcke und Durchführungsteile hinweg zu spannen, dabei die Steigerungswellen immer wieder schlüssig auf- und abzubauen und auch über die Generalpausen hinweg die Spannung zu halten. Daran scheitern – der Konzertalltag beweist es – immer noch viele. Nicht zuletzt deshalb ist der Kreis ausgewiesener Brucknerdirigenten überschaubar. Einer von ihnen ist zweifellos Andris Nelsons.

Grosse Herausforderung auch für Rezensenten

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Die Zusammenfassung im Telegrammstil könnte so klingen: Der Kopfsatz bannend-genial, das bissige Scherzo herrlich unverqualmt, das Adagio schwefelgelb schwelend vor Intensität, das Finale wohltuend gedrängt, scheinbar aus einem Impuls entwickelt. So kann man das Brucknerkonzert mit Andris Nelsons beschreiben. Nelsons, der im Moment mit seinem Orchester einen Bruckner Zyklus erarbeitet, galt ja seinerzeit als grosser Favorit in der Nachfolge Claudio Abbados als Chefdirigent des „Lucerne Festival Orchestra“, bevor, etwas überraschend, Riccardo Chailly dafür berufen wurde. Im Gegenzug übernahm dann Nelsons von Chailly das Gewandhausorchester, derweil jener sein Engagement als Musikdirektor des „Teatro alla Scala di Milano“ weiterhin wahrnimmt. Zurück zum Konzert: Details, die haften: die einen Moment ins Zeitlose dehnende Pianissimo-Coda des Kopfsatzes. Der lässig-leutselige Schwung der Nebenthemen in Trio und Finale. Und voll dunkler Wucht die Celli und Bässe im Adagio (das fff nach dem letzten fff-Höhepunkt des Orchesters) und im Finale. Unsagbar reich die Kulminationsstellen (Reprise im Allegro moderato). Ach ja, fast selbstverständlich: der schier überwältigende Artikulationsreichtum der Geigen.

Ein Bruckner ganz im Stil des lettischen Dirigenten!

Gleich drei Harfen waren mit dabei, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Gleich drei Harfen waren mit dabei, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Ansonsten war es ein echter Bruckner. Aufregend ist, dass ein Sinnkern die zahlreichen Themenkomplexe der Ecksätze durchzieht. Dann die bis zu greller Buntheit gesteigerten Farben (was dem Scherzo guttut, im Adagio und Finale für ungewohnt komplexe Hörerlebnisse sorgt). Sodann werden Resignation und Tragik radikal mit subjektiven Gehalten gefüllt. Dazu zählt auch der bis hart an Mahlersche Ausdrucksregionen vorgeschobene Lyrismus des Adagios. das fauchende Brüllen der Tutti-Extasen weist weit voraus. Ja, in diesen Stellen vollziehen sich gar brennpunktartig die Entgrenzungen der Moderne. Adieu, du Vorstellung vom Landei Bruckner. Abschied von der falschen Vorstellung vom biederbösen Gründerjahre Pomp Bruckners.

Bruckners Sinfonie als 80minütges Finale?

Andris Nelsons zeigt, wos lang gehtImpression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jan
Andris Nelsons zeigt, wos lang gehtImpression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jan

Von Dirigent Andris Nelsons  und seinen Musikern in einer wirklich hochkonzentrierten Aufführung dargebracht – mit Ovationen bedacht. Da greifen alle ineinander. Da schaffen sich alle ihren Platz, beziehen Stellung. Organisieren sich. Alle Sektionen bis in die Haarspitzen motiviert – da arbeiten, und fuhrwerken im besten Sinne des Wortes die Kontrabässe und geben damit überhaupt ein Gerüst, den so wichtigen Halt. Es gerät zum Sieg der Musikalität dieses wirklich außergewöhnlichen Klangkörpers über eine von Überspanntheit und Gereiztheit und bebender Nervosität durchäderte Komposition. Ein Orchester, das sich immer wieder selbst überraschen kann. Sich selbst, und seinen wunderbar transparenten Chefdirigenten. Dem sie hier wirklich ein Geschenk darbringen, wenn sie ihm folgen, seinen kleinen Fingerzeigen, seinem Flackern der linken Hand, wenn es im dritten Satz in eine adagiohafte Sanftheit und Leisetreterei geht.

Andris Nelsons ist nicht nur musikalisch ein Schwergewicht

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Nelsons, der auch körperlich mächtig zugelegt hat in den letzten paar Jahren, zeigt den Streichern an, die Spannung zu halten, während sich die famosen Holzbläser ein kleines, Menuett artiges Stelldichein mit den drei Klarinetten liefern. Und kurz danach zieht ein Ruck durch den Körper von Nelsons, er springt beinahe in die Höhe.  Sekunden später: Ein anschwellendes Glissando – immer wieder dieses Wechselbad aus hochfahrenden, nachgerade auf die Tube drückenden, pressenden Tempi, gepaart mit einer Dynamik bis an die Grenze des Hörbaren. Jedenfalls im triumphalen Finalsatz, der dem lettischen Taktgeber und seinen wundervollen weit über 120 Musikern wie eben das eingangs erwähnte Gleißen eines Lichtscheins gelingt. Das Helle, die Erleuchtung behält die Oberhand. Dem Dirigenten gelingt es auf vorbildliche Weise, den dramaturgischen Bogen über die mächtigen Themenblöcke hinweg zu spannen und trotzdem so in Nuancen zu differenzieren, dass es nicht einfach nur möglichst laut ist.

Es wurde schon immer sehr viel über diese Sinfonie philosophiert

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Wir ersparen uns alles weitere Philosophieren über das Werk und seine Bedeutung und können wohl anmerken: Es ist möglich, Bruckners wahnwitzige, an Wagner anknüpfende Rhythmik, eine Form zu geben. Der Dirigent schleift auch die expressiven Kanten nicht, die sich so wunderbar rau vom Wohltöner Wagner abheben und eben in eine neue Richtung weisen. Es ist ein beinahe körperlicher Akt, der hier stattfindet – athletisch, muskulös. Ja, auftrumpfend. Aber trotzdem, es gibt so viele, auch von Nelsons mit den Hörnern im Blech und den Klarinetten und Oboen und Fagotten herausgearbeiteten Miniaturen, die das Monumentale auf die Erde zurückholen, dass es eine Freude ist. Triumphal! Irgendwie ist diese Sinfonie halt doch schon fast ein 80minütiges Finale und Finale hat das Publikum besonders gern wenn sie so mächtig martialisch daherkommen. Das Auditorium zeigte sich begeistert und feierte die Leipziger mit frenetischem Applaus und vereinzelten Bravorufen, zu einer „Standing Ovation“ reichte es nicht ganz.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 638

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 5 Shanghai Symphony Orchestra, Long Yu, Frank Peter Zimmermann, 23. August 2019 besucht von Léonard Wüst

Shanghai Symphony Orchestra
Shanghai Symphony Orchestra

Besetzung und Programm:
Shanghai Symphony Orchestra
Long Yu  Dirigent
Frank Peter Zimmermann  Violine

Qigang Chen (*1951)
Wu Xing (Die fünf Elemente)
Sergej Prokofjew (1891–1953)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19
Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Sinfonische Tänze op. 45

 

Rezension:

Das Shanghai Symphony Orchestra dieses Jahr  feiert seinen 140sten Geburtstag. Dem Jubiläum entsprechend durften die Chinesen in einem prallgefüllten Konzertsaal konzertieren, sogar die 4. Galerie war geöffnet und die Orgelempore war auch vollbesetzt

Qigang Chen (*1951) Wu Xing (Die fünf Elemente)

Komponist Qigang Chen
Komponist Qigang Chen

Der in China geborene Komponist Qigang Chen kam 1984 nach Frankreich, wo er durch ein staatliches Stipendium gefördert wurde und er war der letzte Schüler von Olivier Messiaen. Seine 1999 entstandene Komposition bezieht sich auf die fünf Elemente Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall in der daoistischen Philosophie, auf der sehr viele chinesische Wissenschaften usw. fussen, so u.a. auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Zitat des Komponisten: Das Stück entstand vor zwanzig Jahren in Paris im Mittelpunkt der westlich-musikalischen Ästhetik. Gleichzeitig stand ich unter dem großen traditionellen Einfluss chinesischer Kultur, die ich verinnerlicht hatte. Unter diesem äußeren Druck wurde «Wu Xing» geboren, das «gemischte» Kind aus westlich-avantgardistischer Ästhetik und den ältesten Aspekten chinesischer Ideen.

West oder Fernost? Wo soll man das Werk einordnen?

Long Yu  Dirigent
Long Yu Dirigent

Qigang Chen: Es ist schwierig für mich, meine eigene Arbeit einzuschätzen, aber der chinesische Aspekt dieses Stücks ist wohl die Einbeziehung der älteren Epoche. Erstaunlich, wie es Chen fertigbringt, in den, pro Element, jeweils sehr kurzen zwei Minuten, akustisch die Geräusche des jeweiligen Elements zu zeichnen. Wenn er, beim Element Wasser, durch Pizzicato der Celli das Plätschern von Regentropfen hörbar macht, durch brummende Bässe die bedrohliche Brandung nachgestaltet. Das Feuer, das knisternd, Vibrato der Celli,  das Holz verzehrt. Eine besondere Komponente auch der Einsatz des Ehu, der zweisaitigen, mit dem Bogen gestrichenen Röhrenspießlaute, die ganz spezielle Töne erzeugt und so dem fernöstlichen Tongemälde eine eigene, unverwechselbare Identität verleiht. Die durchschimmernde, transparente, gar sphärisch oszillierende, tremolierende Struktur der Komposition entführt die Zuhörer in eine ganz und gar nicht lineare Klangwelt, die dem westlichen  Ohr vertraut ist, dennoch widerspricht sie nicht der akustischen Ästhetik, wie wir sie kennen, sodass auch das an sich ungewohnte erstaunlich vertraut wirkt.

Erhu, zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute
Erhu, zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute

Es ist denn auch keine Überraschung, dass die Werke von Qigang Chen, für einen zeitgenössischen und erst noch asiatischen Komponisten, weltweit relativ häufig gespielt werden. Auch das Publikum im Luzerner Konzertsaal war angetan von den Tönen und der vorzüglichen Interpretation des, personell sehr gross besetzten Orchesters. Der Beifall war demensprechend lang für diesen gelungenen Auftakt in den Konzertabend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sergej Prokofjew Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19

Solist Frank Peter Zimmermann voll konzentriert
Solist Frank Peter Zimmermann voll konzentriert

Sergei Prokofjew instrumentierte sein Violinkonzert D-Dur op. 19 zu einer Zeit, als er die Symphonie Classique schrieb – erklärtermaßen »im Stile Haydns«. Kein Wunder also, dass auch das fast zeitgleich entstandene Konzert mit ätherisch-träumerischem Beginn einem »klassischen« Klangbild verpflichtet ist, allerdings im Sinne einer »inszenierten Rückkehr zu klassischen Formen und Ausdrucksmitteln, deren karikierende Verfremdungen sich gleichsam mikroskopisch aus winzigen Verschiebungen und Schräglagen der harmonischen Struktur ergeben.

 

 

 

 

 

 

 

Komposition entspricht nicht dem vorrevolutionären Zeitgeist

Long Yu Dirigent und Frank Peter Zimmermann Solist Violine beglückwünschen sich
Long Yu Dirigent und Frank Peter Zimmermann Solist Violine beglückwünschen sich

Diese antiromantischen »Schräglagen« Prokofjews entsprachen gar nicht dem Zeitgeist, im Petrograd waren Vorboten der kommenden Oktoberrevolution zu spüren, vor denen er, ausgerüstet mit einem Teleskop zur Firmament Betrachtung, auf eine Flussfahrt auf der Wolga und der Kama flüchtete, die im folgenden Jahr in das Exil mündete. Er verliess Russland und kam Jahre später, getrieben von existenziellem Heimweh in seine Heimat zurück, die aber inzwischen zur Sowjetunion mutiert war. Schwirrend eröffnen die Violinen den ersten Satz, die aber schnell von der Solo Violine abgelöst werden, weiterhin aber im Verbund mit dem gesamten Orchester den Klangteppich weben, auf dem sich Frank Peter Zimmermann bewegen kann. Besonders spannend, die Sequenz nach etwa fünf Minuten, wo er, die Saiten zupfend, mit der Querflöte korrespondiert, um unmittelbar in einen Sololauf zu starten, bei dem die Harfe, in Einklang mit der Querflöte, den Gegenpart gibt, bevor sich Solist und Orchester wieder sanft vereinen, aber unverzüglich grenzen sich der Solist, in Verbund mit dem Kleinbläsern wieder aus und schwelgen in weit gezogenen Melodienbögen, die brüsk von fulminanten, spitzen Läufen des Solisten abgelöst werden, kontrapunktiert von Bläsern und Schlagwerk und angetrieben von knapp akzentuierten Tönen der Celli, überflogen von Oboe, untermalt von der Harfe, sich auflösend im Tutti, welches sich abrupt ins Nichts auflöst. Der Solist, der die äusserst anspruchsvolle Partitur, gelöst, ruhig, hochkonzentriert, dennoch äusserst souverän meisterte und das ihn kongenial begleitende Orchester durften sich einer wahren Applauskaskade erfreuen, in der natürlich auch der souveräne Dirigent eingeschlossen war. Da der Applaus nicht enden wollte, gewährte uns der Solist noch eine kurze Zugabe, bevor man sich beeindruckt vom gehörten, in die Pause begab.

Sergej Rachmaninow (1873–1943)  Sinfonische Tänze op. 45

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Das verlangte Orchester ist groß, zur üblichen Besetzung mit dreifachem Holz kommt ein Altsaxophon (einer der wenigen Fälle eines Saxophons in der klassischen Musik), stark erweitertes Schlagwerk (3 Pauken, Tamburin, Triangel, kleine und grosse Trommel, Becken, Tamtam, Glockenspiel, 3 Glocken), Klavier und eine Harfe. Das Werk gilt in der Orchesterliteratur als anspruchsvoll zu spielen. Ungewohnt auch der Einbezug eines Alto Saxophons für ein kurzes Solo im Mittelsatz. Ein Instrument, erfunden im Jahre 1840, das damals praktisch nur in der „schwarzen“ Musik zum Zug kam. Das wendet den Ausdruck ins Lyrische. hin zu einem melancholisch, sehnsüchtig, verklärten russischen Gesangsmotiv. Übernommen wird das Thema dann in einer auffälligen Klangmischung von Bläsern, einstimmig geführten Streichern und einem Klavier Am Ende des Satzes zitiert Rachmaninow einen kurzen Abschnitt seiner ersten Sinfonie, deren Uraufführung 1897 zum Fiasko wird und ihn in eine schwere Krise stürzt. Doch warum hellt er dieses Motiv nach einer geradezu „gen Himmel“ führenden Skala nach Dur auf?

Gregorianik im 3. Satz

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Im dritten Satz beruht das thematische Material fast komplett aus der Gregorianischen „Dies-irae“-Melodie. Eine Art Totentanz? Die Röhrenglocken sind vermutlich direkt aus Hector Berlioz „Symphonie fantastique“ übernommen, vielleicht auch das Sujet, ebenso schimmert etwas von Ravels Bolero in Schlagwerksequenzen durch. Kurz vor Schluss gibt es ein weiteres Zitat, diesmal ein Halleluja aus einem der großen geistlichen Werke Rachmaninows, der „Ganznächtlichen Vesper“ (1915). Dieses Halleluja kennzeichnet er in der Partitur ausdrücklich. Das „Dies irae“ taucht in den folgenden knapp 30 Takten nicht mehr auf. Ein Sieg des Glaubens, gar ein persönliches Bekenntnis Rachmaninows? Vielleicht. Ein Aspekt stört jedoch diese naheliegende Deutung: der Einsatz des Gongs. Das Schlagzeug ist viel beschäftigt in diesen „Tänzen“, bis hin zu einer Art „Todesmarsch“ der kleinen Trommel kurz vor jenem Halleluja-Zitat. Der Gong aber kommt erst nach dem Halleluja insgesamt sechsmal zum Ein­satz, davon auch im Schlussakkord, in dem er als einziges Instru­ment nachklingt – eine Anweisung, die nicht immer berücksichtigt wird. Das kann schlicht als raffinierte Klangfarbe gedacht sein, aber auch ganz bewusst als Todessymbol, in Anlehnung an eine Tradition, die sich in der Spätromantik gebildet hat.

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Ist dieser Schluss also gerade kein Bekenntnis zum Glauben, sondern wird das Halleluja verdrängt von der Gewissheit, dass es vorm Tod letztlich kein Entrinnen gibt? Sieht Rachmaninow gar sein eigenes Ende nahen? Der fromme, hoffnungsvolle Lobgesang triumphiert dann aber in den letzten Takten des großen Meisters doch über die Melodie des Jüngsten Gerichts, die sich durch sein gesamtes Werk zieht. Dirigent Long Yu führt auch hier seine Mitmusiker mit wenigen Gesten, Augenkontakt und nur selten mit grossen, ausholenden Bewegungen, dafür trieb er sie dann im bombastischen Finale mit viel Körpereinsatz und Enthusiasmus zur Höchstleistung an.

Fast kein Ende nahm der tosende Applaus des begeisterten Auditoriums für diese Glanzleistung des chinesischen Renommierorchesters, Ein Applaus, der die Asiaten sichtlich beeindruckte und erfreute, sodass sie noch eine kurze orientalisch angehauchte Zugabe gewährten.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 457