Zum Hauptinhalt springen

Landschaftstheater Ballenberg: Romeo und Julia auf dem Dorfe, Première, 3. Juli 2019, besucht von Léonard Wüst

Aline Beetschen rechts als Vreneli und Saladin Dellers als Sali links Foto Markus Flück
Aline Beetschen rechts als Vreneli und Saladin Dellers als Sali links Foto Markus Flück

Produktion und Besetzung:
Autor: Gottfried Keller (1819-1890)
Textbearbeitung: Heinz Stalder
Regie: Andreas Zimmermann
Ausstattung: Dorothee Scheiffarth
Hauptrollen :
Vreneli Aline Beetschen
Sali Saladin Dellers
Gesamte Besetzung:
https://landschaftstheater-ballenberg.ch/de/Romeo_und_Julia_auf_dem_Dorfe/Besetzung

Rezension:

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Leichter Nieselregen erwartete uns am Westeingang des Ballenberg Freiluftmuseums, eine wahre Wohltat nach den vielen heiss- schwülen Hitzetagen der letzten Wochen. Nach einem 40minütigem Spaziergang durch das Freilichtmuseum erreichten wir den Treffpunkt für Begrüssung und Aperitif, direkt gegenüber der gedeckten, 700 Personen fassenden, Zuschauertribüne. Gespielt, so wussten wir, wird auch bei schlechtem Wetter. Absagen der Premiere, wie auch der folgenden Vorstellungen wäre nur bei Sturmgefahr vorgesehen. Begrüsst wurde die die illustre, gutgelaunte Schar der Premierenbesucher  wie gewohnt mit launigen Worten durch  den Präsidenten des Vereins Landschaftstheater Ballenberg, Nationalrat Lorenz Hess. Dieser bedankte  sich auch bei Sponsoren, Gönnern, Mitwirkenden und allen andern, die auf irgendeine Art in das Projekt involviert sind. Anschliessend richtete auch noch Peter Flück, Berner Grossrat und Präsident des Stiftungsrates Freilichtmuseum Ballenberg, einige Worte an die Besucher, die sich anschliessend  an Speis und Trank gütlich taten und sich mit alten und neuen Bekannten bestens unterhielten, bevor man anschliessend  seine Plätze auf der Tribüne einnahm.

Grundlegendes der Aufführungspraxis überdenken

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Dort hiess auch noch Christian Sidler, Geschäfts- und Produktionsleiter des Vereins, das erwartungsvolle Publikum willkommen, bevor es auch schon los ging und die Dorfbevölkerung, voran die Kinder, auf das Spielterrain vor der Kulisse bei den altehrwürdigen Bauernhäusern aus Richterswil ZH und Uesslingen TG, strömten. Ob man sich auch in Zukunft der modernen Audiotechnik verweigern will, sollte man auf dem Ballenberg besser früher als später überdenken. Wenn, wie auch in diesem Falle, etwa 80 % des Stücks neu „erfunden“, d.h. Dialoge neu geschrieben werden und nebst dem Titel, bloss noch ca. 20% Gottfried Keller drin steckt, wär es halt schon gut, wenn die Schauspieler z.B. über Headsets, also mittels am Kopf befestigten Minimikrofonen ihre Texte rezitieren würden. damit man auch etwas hört und mitbekommt, worum es eigentlich geht. Da nützt es nichts, wenn Du Deinen Gottfried Keller auswendig kennst, wenn völlig andere, aber eben unverständliche, da unhörbare,  Mono – und Dialoge gesprochen werden.

Ratespiel statt Theater

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Es ist schlicht nicht mehr zumutbar, dass ich mich als Zuschauer, oder besser Zuhörer, einem Ratespiel ausgesetzt sehe. Ich bekomm dann zwar mit, dass die beiden Nachbarn sich mit Mist ab ihren jeweiligen Miststöcken bewerfen, also nicht so gut miteinander auszukommen scheinen, das sprichwörtliche Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Sogar einige verbale Anwürfe sind, da genügend laut gesprochen, respektive geschrien, bekomme ich mit, aber die weit interessantere Unterhaltung der „Dorfweiber“ am Rande des Geschehens verschliesst sich meiner. Schade, sind  es doch gerade die wahrscheinlich geschliffenen, ironischen, lustigen, banalen oder gar dramatischen Texte, die ein Schauspiel ausmachen.

Durch Effekthascherei Verlust des Wesentlichen

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Dieser Verlust des Wesentlichen ist durch spektakuläre, effekthascherische Auftritte mittels Traktoren, Chilbiwagen, fahrbarer Glacéwagen usw. nicht wett zu machen. Aber leider scheint sich „Ballenberg“ nun auch diesem Trend, den schweizweit viele Freiluftspiele einschlagen, also Richtung „Karls kühne Gassenschau“, mehr und mehr anzuschliessen. Im Moment sieht und lacht das doch sehr treue Ballenberg Stammpublikum noch darüber hinweg, nur, wie lange noch?

Aufgabe der Einmaligkeit auf dem Ballenberg?

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Ausgerechnet hier, wo man die Kulisse quasi frei Haus geliefert bekommt und nicht jedes Jahr neu erfinden muss, sollte man diesen Trumpf, der diese Spielstätte auszeichnet, nicht so leichtfertig verspielen. Wär doch traurig, wenn sich das Publikum nur noch nicht Stück gerechten Auftritten von unnötigen Requisiten amüsiert, statt an süffigen Gotthelf Wahrheiten, bitterbösen Dürrenmatt – oder zynischen Max Frisch Zitaten. Wieso nicht weiter mit Ochsenkarren, Kühen, Eseln, Hühnern und was sonst noch zur Genüge auf dem natürlichen Gelände vorhanden sind. Ein aufgescheuchtes Federvieh ist alleweil amüsanter als ein Motorroller, der Lärm verursachend über das Gelände fährt und die so schon unhörbaren Unterhaltungen noch zusätzlich übertönt.

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Ich bin absolut nicht ein Ewiggestriger und Neuinszenierungen sehr zugetan, aber an einem Ort, der sich ja der Erhaltung von Bewährtem verschrieben hat, seien es Bauernhäuser aus den verschiedensten Kantonen zu retten, abzubauen und zwecks Erhalt, auf dem Ballenberg originalgetreu wieder aufzubauen, an dem in Kursen das Ausüben von ganz oder fast ausgestorbenen Handwerken usw. vermittelt wird,  passt das schlicht und einfach nicht. Punkt. Livio Andreina hat doch letztes Jahr mit seiner Umsetzung von „Steibruch – zrugg us Amerika“ gezeigt, wie man die natürlichen Ressourcen, über die der Ballenberg mehr als genug verfügt, nutzen kann, um spannend, stilgerecht und dennoch modern zu inszenieren.

Noch etwas zur Aufführung

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Unter der Regie von Louis Naef war „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ 1991 die erste Freilichtinszenierung auf dem Ballenberg. 2019 feiert das Landschaftstheater Ballenberg seine 25. Inszenierung und greift daher das bekannte Stück von Gottfried Keller, in neuer Bearbeitung von Heinz Stalder, wieder auf. Aus oben genannten Gründen schwer zu beurteilende Inszenierung. Aber aus Erfahrung von früheren Produktionen weiss ich, dass immer ausgezeichnete Schauspieler agieren, ca. 40 Laiendarsteller/innen, altgediente „Schlachtrösser“, aber auch Kinder und Jugendliche aus der Region, nebst, je nach gewähltem Stück, eine/r oder mehrere Profischauspieler/innen.

Eigengewächs in der weiblichen Hauptrolle

Szenenfoto der Produktion von Markus Flück
Szenenfoto der Produktion von Markus Flück

Dieses Jahr waren es, wenn man so will, anderthalb, denn das „Vreneli“, Aline Beetschen, ist eigentlich ein „Eigengewächs“, spielte als Kind und Jugendliche schon  zusammen mit ihren Eltern auf dem Ballenberg, später in Hauptrollen in Ballenberger Gotthelf Produktionen, absolvierte erfolgreich die Ausbildung zur Köchin, bevor sie sich noch entschloss, ein Bachelorstudium im Bereich Theater an der Hochschule der Künste in Bern zu absolvieren und so ihr grosses Hobby zum Beruf zu machen.

Shootingstar als Ballenberger Romeo

Julia und Romeo finden sich doch noch
Julia und Romeo finden sich doch noch

Ihr Romeo, resp. „Sali“, Saladin Dellers, entdeckte die Liebe zum Schauspielberuf durch sein Engagement im Jugendtheaterclub der «Jungen Bühne Bern», spielte die Hauptrolle im Kinospielfilm «Silberwald» (Regie Christine Repond), für die er für den Schweizer Filmpreis als bester Hauptdarsteller nominiert wurde  und ergänzte seine Ausbildung durch ein  Schauspielstudium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Die beiden Hauptdarsteller kamen in dieser Neufassung leider erst relativ spät in den Focus, spielte sich ihre Love Story doch fast im Zeitraffer gegen Ende des Stücks ab. Dem Auditorium hat es trotzdem gefallen, zwar fiel der Schlussapplaus nicht so kräftig und langanhaltend aus wie in früheren Jahren, von einer „Standing Ovation“, wie früher üblich, war man weit weg, wusste aber die Leistung der Protagonisten, die dem Dauerregen zum Trotz, ihr Bestes gegeben hatten, sehr wohl zu würdigen. Hätte man alles, oder zumindest das meiste auch akustisch, statt nur visuell mitbekommen, könnte man es wohl als gelungene Produktion bezeichnen, so bleiben nur die diversen Äusserungen von Zuschauern auf dem Rückweg zum Parkplatz nach Ballenberg West betreffend schlechter Akustik, in Erinnerung. Grob geschätzt, würde eine Audioausrüstung mit Head – oder Earsets ( für 50 Schauspieler), inkl. Lautsprecher usw. wohl maximal um die 150`000 Franken kosten. Mit einem Zuschlag von 1 Franken pro Ticket wäre diese Investition innert 10 Jahren, oder mit 2 Franken innert 5 Jahren amortisiert, ein Zuschlag der, so bin ich überzeugt, jeder gern bezahlen würde, um dafür die Produktion ganz, also sowohl visuell, aber vor allem auch akustisch zufriedenstellend, geniessen zu können.

Persönliche Meinung als Nachtrag:

Die Liebe kommt doch noch zu ihrem Recht
Die Liebe kommt doch noch zu ihrem Recht

Statt 80 Prozent des ursprünglichen Stoffes ändern und es trotzdem noch als Gottfried Keller zu verkaufen, wünschte ich mir die Originalversion oder sonst 100% neue Geschichte: Wieso, statt „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, denn nicht „Romeo und Julia auf dem Balkan“? Da böte  sich mehr als genug Stoff zu einer modernen Interpretation: Kroatin verliebt sich in Serben, (Väter sind, waren Bürgerkriegsgegner). Statt Mist fliegen Handgranaten, fast alle unmittelbaren Nachbarn wären zerstritten, der Viehhändler ( die UNO, vertreten durch die NATO), mischt sich genau am falschen Ort ein, befeuert so die Konflikte, statt sie zu entschärfen, die Weltbank gibt Kredite für Waffen, statt für wirtschaftlichen Wiederaufbau usw.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Markus Flück:

fotogalerien.wordpress.com/2019/06/30/landschaftstheater-ballenberg-romeo-und-julia-auf-dem-dorfe-premiere-3-juli-2019-besucht-von-leonard-wuest/

Fotos: Markus Flück,

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Landschaftstheater Ballenberg landschaftstheater-ballenberg.ch/de/2014/Willkommen

Homepages der andern Kolumnisten:

www.gabrielabucher.ch https://annarybinski.ch/ https://noemiefelber.ch/

Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 730

Take That Support Act : Brother Leo, Hallenstadion Zürich, 30. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger
Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger

Besetzung:
Take That
Support Act : Brother Leo

Rezension:

Der schwedische Support Act Brother Leo  (Svensson Ola)
Der schwedische Support Act Brother Leo (Svensson Ola)

Take That sind eines der erfolgreichsten Pop-Phänomene aller Zeiten. 45 Millionen verkaufte Platten, zwölf Nummer-Eins Hits in England, dazu vier Alben, die zu den bestverkauften des 20. Jahrhunderts gehören: Die Zahlen sind beeindruckend.
Als sich die erfolgreichste britische Boygroup aller Zeiten 1996 Jahren auflöste, führte das zu einem riesigen Aufschrei, gefolgt von einer Welle von Suiziden. Das zeigte die innige Liebe der Fans zu ihrer Lieblingsband. Umso glücklicher sind diese Fans, dass es die Band seit über zehn Jahren wieder gibt, dass sie regelmässig neue Musik veröffentlicht und dass die mittlerweile gestandenen Männer immer noch auf der Bühne stehen.

Statt 5köpfiger Boygroup, nun 3köpfige Mengroup

Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger
Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger

Allerdings ist das einstige Quintett unterdessen zum Trio geschrumpft. Mit dabei sind noch Songwriter und Leadsänger Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald. Robbie Williams und Jason Orange waren zunächst zwar Teil der Wiedervereinigung, schlugen dann aber wieder ihre eigenen Wege ein.
Auch zu dritt gibt es 2019 einiges zu feiern, begeht die Band doch  ihr 30-Jahr-Band Jubiläum. Deshalb hat „Take that“ in einer englischen Radio-Show bereits eine ausgiebige Welttour sowie eine «Greatest Hits»-Platte angekündigt. Die Tour trägt dasselbe Thema wie die neue CD. Das heisst: Die Fans konnten also  auf Shows voller Take-That-Nostalgie hoffen, so auch die Besucher der ersten Schweizer Show seit vier Jahren, die gleichzeitig das letzte Konzert der Mitte März gestarteten Tour war, an diesem 30. Juni  im Zürcher Hallenstadion.

Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger
Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger

Gute Stimmung herrschte schon beim vorangegangenen schwedischen Support Act Brother Leo  (Svensson Ola), obwohl der mehr durch Lautstärke, denn durch Virtuosität auffiel. Anyway, die Bühne war gut vorbereitet für die übriggebliebenen drei Urgesteine der einstigen Boy Group, die, begleitet von Gekreisch und Applaus im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Hallenstadion die Bühne betraten, oder irgendwie wie in früheren Jahren, behüpften. Nicht mehr ganz so schwerelos natürlich, aber doch noch erstaunlich akrobatisch, Mark sogar mal mit einem Spagat demonstrierend, dass man auch im reiferen Alter noch gut drauf und fit ist.

Symbiose von Stars und Fans: Gemeinsam gealtert und gereift

Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger
Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger

Nicht nur die Herren auf der Bühne sind älter geworden, auch ihre, vor allem weiblichen Fans, sind von pubertierenden Möchtegerngroupies zu braven Ehefrauen, gar Mamis geworden, die jetzt in Nostalgie suhlen, alle auch 30 Jahre älter, die meisten auch mindestens ebenso viele Kilos schwerer. Das hielt sie aber nicht davon ab, von Anfang an stehend die Verrenkungen der Herren auf der Bühne nachzuahmen, so gut es ging. Gekreische, spitze Schreie usw. wie anno dazumal natürlich inbegriffen.

Nichts Neues in Sachen Songs

Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger
Take that Konzert Hallenstadion Zürich, Konzertimpression von Ruedy Hollenwäger

Auch nichts Neues in Sachen Musik, mehrheitlich die Songs aus der guten alten Zeit, auch kaum neu arrangiert. Wieso auch sollte man ein seit drei Dekaden sehr erfolgreiches Paket neu schnüren, wo doch die Fans genau diese Lieder aus ihrer Teenie Zeit hören wollen, deswegen an die Konzerte kommen. Also folgte auf ein massentaugliches Intro Song auf Song, wobei sich die drei abwechselnd als Leadsänger betätigen durften, während die andern zwei „chorten“. Also nicht mehr dominant der eine als „Primus inter Pares“ wie zu Robbie Williams Zeiten, sondern schön brüderlich aufgeteilt. Unterstützt wurden sie dabei von sechs routinierten Musikern, die aber als Instrumentalisten leider nie in Erscheinung treten durften, von einem ganz kurzen Leadgitarrensolo gegen Schluss des 90 minütigen Sets mal abgesehen. Aufgelockert zwischendurch von diversen kurzen Speeches der drei, wurde das Programm routiniert abgespult, mitgesungen, bejubelt und beklatscht vom Auditorium. Die letzten drei Lieder, „Rule the world“, „Never forget“ und „Playoff“ waren dann pures Schaulaufen,  das Publikum stehend mit eingeschalteten Handylichtern. Der Schlussapplaus fiel dementsprechend lang und stürmisch aus. Die Besucher sahen ihre Erwartungen voll erfüllt, hatten genau das bekommen, was sie sich erhofft hatten und begaben sich in der schwülwarmen Nacht zufrieden nach Hause.

Kurzer Trailer der Show:

www.youtube.com/watch?v=1XSEfje02eQ&feature=youtu.be

Text und Fotos: www.leonardwuest.ch

Fotos:

Ruedy Hollenwäger und

takethat.com

http://www.abc-production.ch/index

Homepages der andern Kolumnisten:

www.gabrielabucher.ch https://annarybinski.ch/ https://noemiefelber.ch/

Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 562

10 años Enrique Gasa Valga – Ballettgala am Tiroler Landestheater , 26. Juni 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Festliches Diner auf der Bühne des LTL nach der Ballettgala Foto Franz Oss
Festliches Diner auf der Bühne des LTL nach der Ballettgala Foto Franz Oss

Besetzung und Programm:
10 años Enrique Gasa Valga

Leitung: Enrique Gasa Valga
Mit der Tanzcompany Innsbruck, berühmten Stars der Tanzwelt und Ex-TänzerInnen der Tanzcompany Innsbruck

 

Rezension:

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss Enrique Gasa Valga bei seiner Ansprache

Das Landestheater Innsbruck feierte letzten Donnerstag, an diesem unglaublich heissen Sommertag, das 10-jährige Jubiläum des Direktors der Tanzcompany Innsbruck, Enrique Gasa Valga. Es schien fast unmenschlich, Tänzerinnen und Tänzer bei dieser Hitze auftreten zu lassen, aber der Theatersaal war wunderbar heruntergekühlt und so konnte Valga völlig entspannt vor den bis auf den letzten Platz besetzten Saal treten. Er moderierte den Abend gleich selbst und tat dies sehr locker und souverän. Einzig sein nicht überhörbarer spanischer Akzent, über welchen er sich auch gleich selbst lustig machte, war leicht gewöhnungsbedürftig. Als er sich dann aber anschickte, über seine Mama zu erzählen, wurde die Moderation von zwei Kollegen unterbrochen, welche ihn, zum grossen Vergnügen des Publikums, von der Bühne trugen.

Feier Zuhause

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

In «seinem» Haus, mit «seinen» Tänzerinnen und Tänzern, aber auch mit Stars aus der ganzen Welt wolle er sein Fest feiern, erklärte er. Den Auftakt machte seine exzellente Company mit Auszügen aus «A Midsummernight’s Dream» und zeigte ihr grossartiges Können. Ganz speziell begeisterte Addison Ector: mehr Tier als Mensch, kroch, schlich und huschte er als Puck über die Bühne mit einer unglaublichen Beweglichkeit, einem – man erlaube die Schwärmerei – traumhaften Körper und einer ausgeprägten Tanzfreude.

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Der Kontrast zum nächsten Stück hätte nicht grösser sein können. Valga hatte sich einen Hühnerhauteffekt gewünscht mit «Cinderella», einem Stück, welches ihn in seiner Jugend schon fasziniert hatte. Das war klassisches Ballett pur mit den beiden internationalen Stars Maria Eichwald und Alessandro Staiano. Anmut und Grazie, höchste Präzision und perfektes Können. Aber wie auch bei den beiden anderen klassischen Stücken («Bedroom Pas de deux» aus «Le Corsaire» und «Giselle» mit Yen Han, seit 25 Jahren im Zürcher Ensemble, und Matthew Golding) werden Emotionen nicht im gleichen Masse transportiert wie im modernen Tanz und bleiben etwas verhalten und verklärt. Zudem verkommt der Mann ab und an zum «tragenden Element». Trotzdem begeisterten die beiden Solisten Han und Golding ebenfalls und erhielten viel Applaus.

Die ganze Sinnlichkeit des Tanzes

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Ein totaler Kontrast dann wiederum mit «I Found a Fox» von Marco Goecke. David Rodriguez, ehemaliger Tänzer des TLT, überzeugte restlos in diesem Stück mit spastischen und gleichzeitig schlangenhaft-fliessenden Bewegungen, wo die Arme ein eigenes Leben zu führen scheinen. Léo Maindron (Paris), legte mit Valgas Choreografie in TOMT-KIM-PONG zu Renato Marins «Boca Suja» südamerikanische Rhythmen aufs Parkett und tanzte später ausdrucksstark das rohe Treiben und die Einsamkeit der Matrosen zu Jacques Brels «Amsterdam». In karierten, kurzen Hosen und rotem Schlips amüsierten Luke Prunty & David Rodriquez sich selbst und das Publikum in «Alte Zachen» zum Song «Rock-a My Soul in the Bosom of Abraham» aufs Köstlichste. Für Poesie, feine Zwischentöne und Emotionen sorgten Mohana Rapin (Genf) und Natan Bouzy in zwei Choreografien von Andonis Foniadakis aus «Glory». Ein grosser Moment von berückender Schönheit und mit der ganzen Sinnlichkeit des modernen Tanzes der «Pas de deux» von Filip Veverka. Die Innigkeit zwischen Balkiya Zhanburchinova und Martin Segaťa, beides Tänzer des TLT, war beeindruckend. Veverka wird übrigens in der nächsten Saison an der Seite von Valga als Ballettmeister und Choreografische Assistenz arbeiten

Als krönender Abschluss dann, wie könnte es anders sein mit einem Spanier, die beiden Stars Lucia Lacarra und Josue Ullate in Auszügen aus «Carmen», sinnlich, stark, leidenschaftlich.

Pikante Details

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Martine Reyn, Ballettmeisterin und Assistentin Valgas, und Choreografin Marie Stockhausen hielten eine sehr eigene, persönliche und amüsante Laudatio für den «schönen Mann» Valga. Ein paar pikante Details wurden preisgegeben, namentlich sein Hang zu «schweinisch vulgären» Witzen und zu seiner chaotischen Ordnung, aber es war sicht- und spürbar, die drei sind ein eingeschworenes Team, inklusive Hündchen Romeo.

Es war ein wunderbar kontrastreicher Abend voller Poesie, Anmut, Witz und Lebensfreude, welcher aufzeigte, was Tanz alles kann. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit langanhaltendem Applaus, Bravo-Rufen und – wie könnte es anders sein – einer Standing Ovation. Valga arbeitet in Innsbruck mit einer grossartigen Company, die ihre Anhänger weit über die Landesgrenzen hinaus hat und dafür sorgt, dass man nicht nur wegen des Skifahrens nach Innsbruck reist! Er habe das beste Publikum der Welt, hat Valga in einem Interview erklärt, er hat sich dieses aber selbst erarbeitet und auch verdient!

Text

www.gabrielabucher.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Franz Oss:

fotogalerien.wordpress.com/2019/06/28/haus-der-musik-innsbruck-tanztheater-ballettgala-26-juni-2019-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Fotos und Video

www.landestheater.at

 
 
Homepages der andern Kolumnisten: www.leonardwuest.ch
 
 
Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst
  • Aufrufe: 670

Hochschule Luzern Solistenkonzert Klassik, 2. Teil, KKL Luzern 25. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Kultur-und Kongresszentrum Luzern Foto Priska Ketterer
Kultur-und Kongresszentrum Luzern Foto Priska Ketterer

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester und junge Musikstudierende der Hochschule Luzern als Solisten

Luzerner Sinfonieorchester
Mei-Ann Chen, Leitung
Arthur Honegger (1892 – 1955)
Konzert für Violoncello und Orchester
Elodie Théry, Violoncello
Klasse Christian Poltéra
Ottorino Respighi (1879 – 1936)
Adagio von variazioni für Violoncello und Orchester
Jana Telgenbüscher, Violoncello
Klasse Christian Poltéra
Sergei Prokofiev (1891 – 1953)
Klavierkonzert Nr. 1 op. 10 Des-Dur
Marina Vasilyeva, Klavier
Klasse Konstantin Lifschitz

 

Rezension:

1. Honegger, Konzert für Violoncello und Orchester, Elodie Théry, Violoncello

Elodie Théry, Violoncello, Foto PicturePeople Duesseldorf
Elodie Théry, Violoncello, Foto PicturePeople Duesseldorf

Wie unterhaltsam auch Musik des 20.Jahrhunderts sein kann, demonstriert das 1929 komponierte knappe Konzert von Arthur Honegger mit seinem anmutigen Andante, dem düster-rhapsodischen Lento und dem energischen Schluss-Allegro. Solistische Bläser treten dialogisierend dem Cello gegenüber wie die verschiedenen Personen einer Handlung, von der Honeggers Musik in bildhafter Weise erzählt die junge Französin weiter in  tänzelnden Dialogen mit den Klarinetten und Bässen die schlussendlich in den poetischen Abschluss führen, belohnt mit einem langanhaltenden Applaus

2. O. Respighi, Adagio von variazioni für Violoncello und Orchester, Jana Telgenbüscher, Violoncello

Jana Telgenbüscher, Violoncello
Jana Telgenbüscher, Violoncello

Ein besonderer Genuss war Ottorino Respighis eher selten zu hörende Komposition. Das Werk entpuppt sich als lyrisch angelegtes Adagio mit expressivem Thema und einem bewegteren Mittelteil mit Variationen. Die Solistin verstand es ausgezeichnet die Partitur in Gefühle umzuwandeln und intonierte das Werk sehr gefühlvoll bewegend. Telgenbüscher trifft den schwärmerischen Ausdruck ebenso die auch mal klagende Struktur der Komposition. Besonders das liebevolle Zusammenspiel mit der schwelgerischen Oboe bringt die volle Italianita des Bel Paese perfekt rüber

3.Prokofiev Klavierkonzert Nr. 1 op. 10 Des-Dur, Marina Vasilyeva, Klavier

Marina Vasilyeva, Klavier
Marina Vasilyeva, Klavier

Als Abschluss des Konzertes gab’s dann doch noch ein typisches Referenzstück. Prokofiev wird gerne gespielt, um seine technischen Fähigkeiten zu demonstrieren, was die Russin denn manchmal übertrieb und dem Werk etwas zu wenig Seele einhauchte. Atemlos durch die Partitur sozusagen. Natürlich technisch perfekt , mal zu knallig mit  unnötiger Effekthascherei, aber immer quirlig sprudeln und in guter Korrespondenz mit dem ausgezeichneten Orchester, einem Orchester, das sämtliche Solistinnen kongenial supportierte, sich selbst aber nie in den Vordergrund stellte, ausser, wie schon bemerkt, wenn es von der Dirigentin zu noch mehr Lautstärke aufgefordert wurde.

Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Kristin Hoeberman
Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Kristin Hoeberman

Der verdiente Schlussapplaus war kräftig, langanhaltend und galt natürlich auch den andern Solistinnen, die sich nun wieder auf die Bühne gesellten und reichlich Blumensträusse in Empfang nehmen durften.

Link auf Hochschule Luzern Solistenkonzert Klassik, 1. Teil, KKL Luzern

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87253163-hochschule-luzern-solistenkonzert-klassik,-1-teil,-kkl-luzern-25-luni-2019,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home und www.hslu.ch

Homepages der andern Kolumnisten:

www.gabrielabucher.ch https://annarybinski.ch/ https://noemiefelber.ch/

Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 729