Un ballo in maschera, Szenenfoto von Carole Parodi
Produktion und Besetzung: Direction musicale Pinchas Steinberg Mise en scène Giancarlo del Monaco Décors Richard Peduzzi Costumes Gian Maurizio Fercioni Lumières Caroline Champetier Gustavo III Ramón Vargas Comte Anckarström Franco Vassallo Amelia Irina Churilova Ulrica Judit Kutasi Oscar Kerstin Avemo Comte Ribbing Günes Gürle Comte Horn Grigory Shkarupa Cristiano Nicolas CarréUn serviteur d’Amelia Georgi Sredkov Le Ministre de la Justice Nauzet Valerón
Chœur du Grand Théâtre de Genève Direction Alan Woodbridge Orchestre de la Suisse Romande
Rezension:
Un ballo in maschera, Szenenfoto von Carole Parodi
Auf den ersten Blick ist die Genfer Inszenierung des Maskenballs eine eher düstere Sache. Hohe verschiebbare Holzwände im ersten und letzten Akt, der Hochsitz der Wahrsagerin Ulrica wie ein Schiffswrack im neblig-mystischen Nachthimmel, ebenso der Galgenberg im zweiten Akt, wo Amelia das Kraut gegen ihre Liebesgefühle für den schwedischen König Gustav III holt. Auch die Ballszene hat so gar nichts Fröhlich-festliches an sich. Die drohende Gefahr ist von Anfang an spür- und sichtbar. Regisseur Giancarlo del Monaco bleibt dem Konzept des Minimalen und Düsteren treu, was schlussendlich auf den zweiten Blick auch etwas Bestechendes hat. Zudem lässt es der wunderbaren Musik Verdis den nötigen Platz.
Zurückhaltung in den Gesten
Un ballo in maschera, Szenenfoto von Carole Parodi
Die tödliche Dreiecksgeschichte um den schwedischen König Gustav III, seinen besten Freund Graf Anckarström und dessen Frau Amelia nimmt ihren Lauf, unaufhaltsam, und eben, düster. Die Interaktionen zwischen den Protagonisten sind minimal, man wünschte sich ab und an etwas mehr Dramatik in den Gesten, etwas mehr Nähe zwischen Amelia und König Gustav, wenn sie sich allein auf dem Hügel treffen. Die angetönte Distanz mag Amelias Versuch darstellen, sich nicht von ihren Gefühlen für den König übermannen zu lassen. Trotzdem, diese räumliche Distanz verleiht den Charakteren etwas Statisches. Auch die Kostüme sind der Stimmung angepasst, mehrheitlich grau und schwarz, nur beim Ball tragen die Damen üppige cremefarbene Kleider.
Un ballo in maschera, Szenenfoto von Carole Parodi
Farbtupfer gibt’s lediglich zwei, und auch die minimal: Das rote Kleid der Puppe von Amelias Sohn und die rote Verzierung am Hemd des Königs, welche ihn dann auch an seinen Mörder verrät. Wo Del Monacos Konzept aber wirklich aufgeht ist in der letzten Szene. Wie sich da die ganze Gesellschaft in identischen Masken in einer schwarz-weiss Polonaise langsam über die Bühne schiebt, emotionslos und trotzdem beängstigend bedrohlich, das beeindruckt und bedrückt. Ebenso das allerletzte Bild mit dem sterbenden König, links Graf Anckaström, rechts der Page Oskar, beide in eingefrorener Pose, wie ein stummer Schrei, dahinter die ebenso bewegungslose Ballgesellschaft, ein Bild wie ein Gemälde.
Grossartiges Plateau
Un ballo in maschera, Szenenfoto von Carole Parodi
Durchwegs begeisternd sind die Stimmen. Franco Vassallo als Graf Anckarström stiehlt mit seinem samtenen Bariton dem berühmten mexikanischen Tenor Ramón Vargas als König Gustav III beinahe die Show. Vargas selber gibt einen überzeugenden Gustav III mit seinem schmelzenden und ausdrucksstarken Tenor. Irina Churilova ist eine stolze Amelia, verletzlich, verzweifelt, all die Emotionen bringt sie berückend auf den Punkt. Wunderbar wie ihre Stimme sich mit dem Cello verwebt im dritten Akt in der Arie «Morró, ma prima in grazia». Dagegen dunkel, kräftig und mit der nötigen verschwörerischen, beinahe gespenstischen Tiefe der Mezzo-Sopran von Judit Kutasi als Ulrica. Kerstin Avemo geht mit ihrem klaren, hellen Sopran und grosser Spielfreude ihre Rolle als Page Oscar an und wirkt ungemein lebendig und erfrischend in dieser düsteren Umgebung. Auch die beiden Verschwörer, Günes Gürle als Graf Ribbing und Grigory Shkarupa als Graf Horn überzeugen mit tragenden, sonoren Bässen.
Orchestre de la Suisse Romande
Das Orchestre de la Suisse Romande unter Pinchas Steinberg nimmt sich den herrlichen Melodien von Verdi mit viel Verve an, begleitet teils zart und innig, dann wieder kräftig und schwungvoll, setzt sich aber nie in den Vordergrund.
Das Genfer Publikum zeigte sich begeistert, laute «bravo-, brava- und bravissimo-Rufe folgten meist den bekannten Arien und der Schlussapplaus fiel lange und herzlich aus.
Kleine Fotodiashow der Produktion von Carole Parodi:
Ingemar Brantelid Violoncello David Geringas Violoncello
Mette Hanskov Kontrabass Luz Leskowitz Violine
Vladimir Mendelssohn Viola Solenne Païdassi Violine
Michala Petri Blockflöte Aylen Pritchin Violine
Joachim K. Schäfer Trompete Oliver Schmidt Cembalo
Salzburger Solisten
Luz Leskowitz, Aylen Pritchin, Solenne Païdassi,
Vladimir Mendelssohn, Ingemar Brantelid, Mette Hanskov
Tomaso Albinoni * 1671, † 1751 Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo in d-moll, op.9 Nr. 2
Allegro e non presto – Adagio – Allegro
Antonio Vivaldi * 1678, † 1741Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo a-Moll, RV 522
Allegro – Largo – Allegro molto
Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo aus “l’estro armonico” op.3, RV 522 (Original für 2 Violinen, bearbeitet von Orfeo Mandozzi)
Allegro – Larghetto spiritoso – Allegro
Antonio VivaldiLe quattro stagioni (Die vierJahreszeiten) für Violine, Streicher und Basso continuo, op.VIII Nr. 1 – 4
La Primavera (Der Frühling) in E-Dur, RV 269
Allegro – Largo – Allegro
L’estate (Der Sommer) in g-moll, RV 315
Allegro non molto – Adagio e piano – Presto
L’autunno (Der Herbst) in F-Dur, RV 293
Allegro – Adagio molto – Allegro
L’inverno (Der Winter) in f-moll, RV 297
Allegro non molto – Largo – AllegroRezension:
Joachim Schäfer, Trompete
Zur Aufführungs – Auftaktehre ins diesjährige Maifestival kam mit dem Konzert für Trompete und Streicher der nicht so bekannte Komponist Tomaso Albinini. Der im väterlichen Betrieb ausgebildete Spielkartenhersteller nahm nebenbei Violine-, Gesangs- und Kompositionsunterricht bei weitgehend unbekannten Lehrern. Aufgrund seines handwerklichen Hauptberufs war er zunächst nicht darauf angewiesen, mit der Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und bezeichnete sich daher als „Dilettante veneto“. Er wurde aber ein recht fleissiger Komponist und komponierte jährlich mindestens eine, meist gar mehrere Opern für Venedig, später auch für Städte wie Florenz, Genua, Bologna, Ferrara, Brescia, Rom, Treviso, wobei er meist die Uraufführungen selbst leitete. Ein zu Unrecht nicht so oft programmierter Komponist, wie uns, nebst den ausgezeichneten Streichern, vor allem Solist Joachim Schäfer akustisch aufzeigte, was in der sehr gut besetzten Kirche das Publikum zu langanhaltendem Applaus animierte.
Unvorhergesehene Programmänderung
Michala Petri, Blockflöte
Aufgrund ihrer lädierten Schulter konnte Blockflötensolistin Michala Petri das vorgesehene Konzert für Blockflöte und Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi nicht üben, weshalb dieses nicht aufgeführt werden konnte. Stattdessen zelebrierte sie uns eine ganze Palette von Variationen über dänische Volkslieder mit einer aussergewöhnlichen Virtuosität. Blockflöte war das erste Instrument, das uns in der Grundschule zur Verfügung stand, ich kann mich aber beim besten Willen nicht daran erinnern, dass das damals auch nur im Entferntesten so geklungen hätte, wie an diesem ersten Abend des Rellinger Maifestivals. Vielleicht hätte ich damals mehr geübt, wenn ich gewusst hätte, das eine Blockflöte so klingen kann, aber ich hasste dieses Ding richtiggehend, waren damals doch eher Gitarre und Schlagzeug en vogue, Ende der 1950er, anfangs der 1960er Jahre, als die Rockmusik laufen lernte und schliesslich ihren Siegeszug um die ganze Welt antrat. Etwas ungewöhnlich klang es halt schon, so eine Blockflöte ganz allein, ohne das den musikalischen Teppich ausbreitende Streicherensemble, worauf sich die Solistin hätte bewegen können. Andererseits kam dank der sehr guten Akustik in der Kirche, der Nachhall des Instrumentes umso besser zur Geltung, wurde er doch nicht durch andere Instrumente gedämpft. So gelang es Michala Petri, das Auditorium in ihren Bann zu ziehen, zumal sie in den Tonfolgen durchaus auch das schalkhafte, das oft in Volksliedern steckt, aufblitzen liess und so nie verbissen zu klassisch ernst wirkte. dementsprechenden grossen Applaus durfte die Dänin ernten.
Vivaldis Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Bc als Appetizer für den darauffolgenden Vivaldi Klassiker „Die vier Jahreszeiten“
Die Salzburger Solisten, Foto Wolfgang Gaedigk
Antonio Vivaldi war mit seinen Kompositionen wegweisend für die Entwicklung des Instrumentalkonzerts. In seiner Sammlung L’estro Armonico, die 1711 in Amsterdam im Druck erschienen, finden sich 12 Konzerte für 1, 2 oder 4 Violinen, u.a. sein Konzert a-Moll, RV 522. Die Konzerte waren so erfolgreich, dass Sie bald auch in Paris und in London im Druck erschienen. Auch Johann Sebastian Bach hat den Estro Armonico kennengelernt, wahrscheinlich durch seinen Schüler, den Weimarer Prinzen Johann Ernst. Bach war fasziniert von der Kompositionskunst seines italienischen Kollegen und hat gleich einige der Konzerte für Orgel umgeschrieben, u.a. auch das a-Moll-Konzert. Vivaldis a-Moll-Doppelkonzert zählt heute im Schulischen zu den Paradestücken, die es jungen Solisten ermöglichen, das konzertante Zusammenspiel zu erproben und vorzutragen. Der so typische Einstieg mit den zwei Violoncelli in den ersten Satz prägt das ganze Gefüge dieses Werkes, lässt den beiden Hauptstimmen viel Gestaltungsarbeit bei ihren jeweiligen Themaübernahmen, komplettiert durch das sanfte Tragen durch die andern Streicher. Auch zum Auftakt des Larghetto spiritoso bekommen die Celli ausreichend Gelegenheit inspiriert zu brillieren, in diesem Fall zelebrieren Ingemar Brantelid und David Geringas dies mit der natürlichen Autorität eines Meisters seines Fachs. Unaufgeregt spielen sie einander die Noten zu, worauf die drei Violinen und der Bass für kurze Zeit das Diktat übernehmen, bevor sich die Klänge zu einem Ganzen vereinen, dem wiederum eine kurze energische Passage der Celli folgt, der darauffolgende Zusammenschluss mündet dann unmittelbar ins eher beschauliche Finale. Mit dem abschliessenden Allegro molto schliesst sich der Kreis, da hier nochmals alle vorhergehenden Attribute ineinandergreifen und so das Gesamtkunstwerk in einem eher unspektakulären Finale abschliesst. Das sichtlich beeindruckte Auditorium würdigte die Leistung mit respektvollem, langem Beifall
Grossartige Geste des Doyens der Violine Luz Leskowitz bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“
Solenne Paidassi mit Partner Aylen Pritchin links und Festivalleiter Luz LeskowitzFoto Wolfgang Gaedigk
Für den „Primavera“, also den Frühling, übernahm Luz Leskowitz den Part der Solovioline, intonierte hingebungs- und gefühlvoll, traumwandlerisch sicher, eingebettet ins Gesamtensemble, dann kurzes Erstaunen, überliess er den Lead für „L`estate“, also den Sommer, Mitmusikerin Solenne Paidassi, die diese Rolle nahtlos, durchaus mit etwas Stolz und Dankbarkeit übernahm, als seis das Leichteste der Welt, dem Grossmeister in dieser Rolle ebenbürtig zu sein. Die junge Französin erwies sich dieser Ehre in jeder Hinsicht gewachsen, auch sie, unterstützt von ihren ebenbürtigen Mitmusikern. Die Offenbarung, nenn ichs mal, ging weiter, indem der Lebenspartner von Solenne, Aylen Pritchin, die Solistenrolle für die noch folgenden, abschliessenden Jahreszeiten Herbst und Winter, intonierte. Auch er, jederzeit Herr des Geschehens, wusste das ihm geschenkte Vertrauen mit einer exzellenten Vorstellung zu verdanken und das Publikum würdigte diesen Gesamthörgenuss, der fast einer Stab- oder besser Bogenübergabe glich, mit stürmischem, langanhaltendem Beifall und vereinzelten Bravorufen, gefolgt von der logischen stehenden Ovation.
Aussergewöhnliche Beziehungen zwischen Machern, Musikern und Bevölkerung
Ingemar Brantelid, Violoncello
Schon am ersten Konzertabend, erst recht anschliessend ans Konzert, wurde mir bewusst, welch aussergewöhnlich herzliche Beziehungen an diesem Festival in diesem Ort bestanden, zwischen Organisatoren, Musikern, aber auch Sponsoren, Unterstützern und Bevölkerung und welch tiefe, jahrelange Freundschaften gepflegt werden. So sind beispielsweise die meisten Musiker privat bei Familien im Ort einquartiert, die meisten schon jahrelang bei immer den gleichen. Die ganze Dorfbevölkerung scheint auf irgendeine Art ins Festival involviert zu sein. Sei dies als Organisationschef, Sponsorenaquisiteur, Platzanweiserin während des Konzertes, Ticketverkäufer beim Kircheneingang usw. Bei uns zählen wir die Jahre: vor oder nach Christus, in Rellingen scheint dies anders: vor nächstem, nach letztem Maifestival. Stell Dir vor: niemand kennts, aber alle gehn hin!
Es gibt in Rellingen auch noch ein traditionelles „Get together“ bei Poetzschs
David Geringas, Violoncello
Anschliessend luden Captain und Reeder Thomas Pötzsch und seine Gattin Ulrike, grosse Gönner des Maifestivals Musiker, Organisatoren und eine ausgesuchte Gästeschar in ihre Villa, die er mit einem eindrucksvollen gläsernen Büro Gebäudetrakt in Schiffsform ergänzen lassen hatte. In diesem, u.a, wie eine Schiffsbrücke gestalteten Unikat, voller Devotionalien aus der Schifffahrt wie Steuerräder, Sextanten usw., durften wir, nebst auserlesenen Weinen, feinen Häppchen noch anregende Gespräche und ab und zu auch kleine Musikeinlagen der Musiker geniessen. Selbstverständlich fehlte auch ein Klavier in diesem Prachtbau nicht, an dem sich Geigenvirtuose Aylen Pritchin auch als sehr versierter Klavierbegleiter seiner Partnerin Solenne Paidassi an der Violine erwies, die zusammen noch einen veritablen Csárdás aufs Deck, respektive die Brücke legten. Ein wunderbarer erster Festivaltag klang langsam aus, die einen blieben noch ein bisschen länger, aber allen war eigen, dass sie sich auch schon auf die folgenden zwei Maifestivaltage freuten.
ie taiwanesische Meisterin der Tastenzauberei Shih-Wei Huang
Nicht verpassen: Weltklassepianogala am 31. Oktober in der Klosterkirche Sursee 19.30, Türöffnung 19.00 Uhr mit dem Rising Star am Pianofirmament Shih Wei Huang, mitorganisiert vom Zonta Club Luzerner Landschaft als Benefizkonzert für ein noch genau zu definierende Projekt zur Förderung junger Musiker aus der Region und und unter dem Titel „In Memoriam Lucette Achermann – Wüst (1949 – 2019)
Sie können ruhig etwas länger verweilen, da andertags in der Innerschweiz Feierag ist (Allerheiligen)
Allgemeines über die Künstlerin
Shih Wei Huang erhielt das gleiche Stipendium wie Lang Lang und studierte gegen den Willen ihres Vaters Musik. Der hätte sie lieber als Ärztin oder Rechtsanwältin gesehen.
Shih-Wei Huang
Die äusserst symphatische Ausnahmepianistin Shih Wei Huang umrahmt von Lucette Achermann und Léonard Wüst
Shih-Wei Huang, *1988 in Taipei, absolvierte ihr Bachelor-Studium am renommierten Curtis Institute in Philadelphia & erreichte ihren Master an der Yale University. Sie gewann zahlreiche Auszeichnungen in den USA, Italien & Taiwan, u.a. 2001 & 2004 Steinway Young Artist Compet., 2011 52. Sorantin International Competition for Piano in Alaska sowie den Dorothy MacKenzie Artist Recognition Award in NY & 2012 bei der National Talent Bank. Sie erzielte erste Preise beim internationalen Tastatur-Wettbewerb in NY, beim CHIMEI Artist Award, bei den Young Star Series Künstlern in Taiwan & beim Internationalen Mauro Paulo Monopoli-Klavierwettbewerb. Die Taiwanesin begeistert als Solistin & Kammermusikerin. Ausserdem konzertiert sie mit dem National Taiwan Symphony Orchestra & als Mitglied des Philadelphia Orchestras.
Oslo Philharmonic Orchestra , Vasily Petrenko Conductor, Joshua Bell Violin, Foto Peter Adamik
Das Oslo Philharmonic Orchestra feiert in der Saison 2019/2020 seinen 100. Geburtstag mit einer Europa-Tournee unter der Leitung von Chefdirigent Vasily Petrenko. Die Jubiläumssaison zu Hause in Oslo widmet sich dem „Fest des Hörens“, u. a. mit Uraufführungen von Kaija Saariaho, Steve Reich, Lera Auerbach und Rolf Wallin. Das Motto „Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft“ prägt die Konzerte des Oslo Philharmonic Orchestra im hundertsten Jahr seines Bestehens. Auf ihrer Tournee besuchen die Musiker mit ihrem Chefdirigenten Vasily Petrenko sieben Länder Europas, sie gastieren in der Kölner Philharmonie (13.10.), im Concertgebouw Amsterdam (14.10.), der Hamburgischen Elbphilharmonie (15.10.), im Wiener Konzerthaus (16.10.), in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, (18.10.) und in Italien in Udine (19.10.) und Turin (20.10.). Die Tour endet am 22. Oktober 2019 im Barbican Center in London. Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes ist bei allen Konzerten Solist in Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll op. 16. Als weiteres Werk aus der Heimat des Orchesters steht die „Canzona“ von Arne Nordheim (1931–2010) auf dem Programm, eine Komposition, mit der der norwegische Komponist auch international auf sich aufmerksam machte. Außerdem spielt das Orchester zusammen mit seinem Chefdirigenten die 2. Sinfonie von Sergei Rachmaninow, die 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch und die Tondichtung „Don Juan“ von Richard Strauss. „Das sind die musikalischen Aushängeschilder unseres Orchesters, die uns von unserer besten Seite zeigen,“ erklärt Vasily Petrenko, seit 2013 Chefdirigent des Orchesters. „Wir haben eines der berühmtesten Stücke zeitgenössischer norwegischer Musik im Programm, Nordheims „Canzona“, und Griegs Klavierkonzert. Und wir wollen Edvard Grieg damit eine besondere Reverenz erweisen, er hat sich maßgeblich für die Gründung des Orchesters eingesetzt und seine Musik gehört zu unserer DNA. Zur Musik Schostakowitschs und Rachmaninows hat das Orchester unter meinem Vorgänger Mariss Jansons eine besondere Beziehung entwickelt. Ich freue mich darauf, mit einer frischen Interpretation darauf aufbauen zu können. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren viel russisches Repertoire gespielt, und es wird großartig sein, damit auf Tournee zu gehen. Die Musik von Richard Strauss schließlich hat das Orchester in den Fingern und Adern wie nichts anderes: Wir haben einen ganzen Zyklus seiner Tondichtungen im Konzert gespielt und sind gerade dabei, diesen für CD einzuspielen. Don Juan wird auf unserer nächsten CD erscheinen.“ Bürgerstolz und das Nationalbewusstsein des jungen Staates – Norwegen hatte sich 1905 von Schweden gelöst – führten 1919 zur Gründung des Filharmonisk Selskaps Orkester, das seit 1979 den Namen Oslo Philharmonic Orchestra trägt. Träger ist heute eine unabhängige Stiftung, die vom Norwegischen Parlament gegründet wurde. Die 108 Musiker des Orchesters spielen in Oslo jährlich zwischen 50 und 60 Konzerte, von denen ein Großteil im Rundfunk übertragen wird – auch heute noch wichtig in einem Land, dessen 5,3 Millionen Bürger außerhalb der großen Städte weit verstreut voneinander leben. Ingrid Røynesdal, Chief Executive Officer des Orchesters, sieht die Jubiläumstournee in einem größeren Kontext lokaler, nationaler und internationaler Ereignisse und Feierlichkeiten. „Wir erleben gerade eine glückliche Phase im Kulturleben Norwegens. 2020 werden drei Neubauten, das Nationalmuseum, das Edvard-Munch-Museum und die Oslo Public Library, Norwegens wichtigste Bibliothek, eröffnen. Wir wollen unseren Teil beisteuern zur lebendigen Kulturszene in Oslo. Die Jubiläumstournee wird über Norwegens Grenzen hinaus, die kulturelle Vielfalt Norwegens in sieben europäische Länder transportieren.“ Das Orchester plant zudem vor Ort, unterschiedliche Publikumsschichten quer durch Oslo mit Konzerten zu erreichen, die auf der Ladefläche eines umgebauten LKWs gespielt werden. Zur Saisoneröffnung spielt das Orchester vor dem Königlichen Palast sein traditionelles Open-Air-Konzert, zu dem in den vergangenen Jahren immer rund 20.000 Zuhörer kamen. https://ofo.no/en/ Tourdaten Herbst 2019
Mit: Vasily Petrenko Dirigent | Leif Ove Andsnes Klavier 13. Oktober 2019 | Köln, Philharmonie Nordheim: Canzona Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2 15. Oktober 2019 | Hamburg, Elbphilharmonie Nordheim: Canzona Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2 16. Oktober 2019 | Wien, Konzerthaus Strauss: Don Juan Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2 Weitere Termine:14. Oktober 2019 | Amsterdam, Concertgebouw 18. Oktober 2019 | Ljubljana, Cankarjev Dom 19. Oktober 2019 | Udine, Teatro Giovanni da Udine 20. Oktober 2019 | Torino, Centro Congressi Turin 22. Oktober 2019 | London, Barbican Höhepunkte der Jubiläumssaison 2019/2020 in Norwegen Das Programm der Jubiläumssaison verfolgt die Themenstränge Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und umfasst allein 15 Kompositionsaufträge, darunter „Vista“ von Kaija Saariaho (gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, dem New York Philharmonic und dem Helsinki Philharmonic Orchestra), Lera Auerbachs „Arctica“ und Werke von Steve Reich und Lasse Thoresen, um nur einige zu nennen. Auch Vasily Petrenko wird in der Jubiläumssaison zahlreiche Uraufführungen dirigieren, darunter eine Auftragskomposition von Øyvind Torvund und im September Rolf Wallins „Soundspeed“. Ein Schwerpunkt ist für Petrenko die Verbindung zwischen Beethoven und Mahler: „Gustav Mahler hat Beethovens Werk nicht nur als Dirigent viel Gehör verschafft, er ist als Komponist auch sein legitimer Erbe. Seine Neu-Orchestrierung von Beethovens 9. Sinfonie zu spielen und zu hören wird für uns alle eine spannende Erfahrung werden“. Weitere Highlights sind sicher auch die 5. Sinfonie von Schostakowitsch mit dem designierten Chefdirigenten Klaus Mäkelä oder Kent Naganos Programm, das Musik von Wagner, Berg und Brahms kombiniert; von Gustav Mahler die Sinfonien Nr. 3 mit Esa-Pekka Salonen und Nr. 5 mit Manfred Honeck, Beethovens Violinkonzert mit Vilde Frang und Herbert Blomstedt und ein neues Werk von Steve Reich und Gerhard Richter.