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Festliches Diner auf der Bühne des LTL nach der Ballettgala Foto Franz Oss

10 años Enrique Gasa Valga – Ballettgala am Tiroler Landestheater , 26. Juni 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Festliches Diner auf der Bühne des LTL nach der Ballettgala Foto Franz Oss
Festliches Diner auf der Bühne des LTL nach der Ballettgala Foto Franz Oss

Besetzung und Programm:
10 años Enrique Gasa Valga

Leitung: Enrique Gasa Valga
Mit der Tanzcompany Innsbruck, berühmten Stars der Tanzwelt und Ex-TänzerInnen der Tanzcompany Innsbruck

 

Rezension:

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss Enrique Gasa Valga bei seiner Ansprache

Das Landestheater Innsbruck feierte letzten Donnerstag, an diesem unglaublich heissen Sommertag, das 10-jährige Jubiläum des Direktors der Tanzcompany Innsbruck, Enrique Gasa Valga. Es schien fast unmenschlich, Tänzerinnen und Tänzer bei dieser Hitze auftreten zu lassen, aber der Theatersaal war wunderbar heruntergekühlt und so konnte Valga völlig entspannt vor den bis auf den letzten Platz besetzten Saal treten. Er moderierte den Abend gleich selbst und tat dies sehr locker und souverän. Einzig sein nicht überhörbarer spanischer Akzent, über welchen er sich auch gleich selbst lustig machte, war leicht gewöhnungsbedürftig. Als er sich dann aber anschickte, über seine Mama zu erzählen, wurde die Moderation von zwei Kollegen unterbrochen, welche ihn, zum grossen Vergnügen des Publikums, von der Bühne trugen.

Feier Zuhause

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

In «seinem» Haus, mit «seinen» Tänzerinnen und Tänzern, aber auch mit Stars aus der ganzen Welt wolle er sein Fest feiern, erklärte er. Den Auftakt machte seine exzellente Company mit Auszügen aus «A Midsummernight’s Dream» und zeigte ihr grossartiges Können. Ganz speziell begeisterte Addison Ector: mehr Tier als Mensch, kroch, schlich und huschte er als Puck über die Bühne mit einer unglaublichen Beweglichkeit, einem – man erlaube die Schwärmerei – traumhaften Körper und einer ausgeprägten Tanzfreude.

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Der Kontrast zum nächsten Stück hätte nicht grösser sein können. Valga hatte sich einen Hühnerhauteffekt gewünscht mit «Cinderella», einem Stück, welches ihn in seiner Jugend schon fasziniert hatte. Das war klassisches Ballett pur mit den beiden internationalen Stars Maria Eichwald und Alessandro Staiano. Anmut und Grazie, höchste Präzision und perfektes Können. Aber wie auch bei den beiden anderen klassischen Stücken («Bedroom Pas de deux» aus «Le Corsaire» und «Giselle» mit Yen Han, seit 25 Jahren im Zürcher Ensemble, und Matthew Golding) werden Emotionen nicht im gleichen Masse transportiert wie im modernen Tanz und bleiben etwas verhalten und verklärt. Zudem verkommt der Mann ab und an zum «tragenden Element». Trotzdem begeisterten die beiden Solisten Han und Golding ebenfalls und erhielten viel Applaus.

Die ganze Sinnlichkeit des Tanzes

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Ein totaler Kontrast dann wiederum mit «I Found a Fox» von Marco Goecke. David Rodriguez, ehemaliger Tänzer des TLT, überzeugte restlos in diesem Stück mit spastischen und gleichzeitig schlangenhaft-fliessenden Bewegungen, wo die Arme ein eigenes Leben zu führen scheinen. Léo Maindron (Paris), legte mit Valgas Choreografie in TOMT-KIM-PONG zu Renato Marins «Boca Suja» südamerikanische Rhythmen aufs Parkett und tanzte später ausdrucksstark das rohe Treiben und die Einsamkeit der Matrosen zu Jacques Brels «Amsterdam». In karierten, kurzen Hosen und rotem Schlips amüsierten Luke Prunty & David Rodriquez sich selbst und das Publikum in «Alte Zachen» zum Song «Rock-a My Soul in the Bosom of Abraham» aufs Köstlichste. Für Poesie, feine Zwischentöne und Emotionen sorgten Mohana Rapin (Genf) und Natan Bouzy in zwei Choreografien von Andonis Foniadakis aus «Glory». Ein grosser Moment von berückender Schönheit und mit der ganzen Sinnlichkeit des modernen Tanzes der «Pas de deux» von Filip Veverka. Die Innigkeit zwischen Balkiya Zhanburchinova und Martin Segaťa, beides Tänzer des TLT, war beeindruckend. Veverka wird übrigens in der nächsten Saison an der Seite von Valga als Ballettmeister und Choreografische Assistenz arbeiten

Als krönender Abschluss dann, wie könnte es anders sein mit einem Spanier, die beiden Stars Lucia Lacarra und Josue Ullate in Auszügen aus «Carmen», sinnlich, stark, leidenschaftlich.

Pikante Details

Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss
Szenenfoto der Balletgala von Franz Oss

Martine Reyn, Ballettmeisterin und Assistentin Valgas, und Choreografin Marie Stockhausen hielten eine sehr eigene, persönliche und amüsante Laudatio für den «schönen Mann» Valga. Ein paar pikante Details wurden preisgegeben, namentlich sein Hang zu «schweinisch vulgären» Witzen und zu seiner chaotischen Ordnung, aber es war sicht- und spürbar, die drei sind ein eingeschworenes Team, inklusive Hündchen Romeo.

Es war ein wunderbar kontrastreicher Abend voller Poesie, Anmut, Witz und Lebensfreude, welcher aufzeigte, was Tanz alles kann. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit langanhaltendem Applaus, Bravo-Rufen und – wie könnte es anders sein – einer Standing Ovation. Valga arbeitet in Innsbruck mit einer grossartigen Company, die ihre Anhänger weit über die Landesgrenzen hinaus hat und dafür sorgt, dass man nicht nur wegen des Skifahrens nach Innsbruck reist! Er habe das beste Publikum der Welt, hat Valga in einem Interview erklärt, er hat sich dieses aber selbst erarbeitet und auch verdient!

Text

www.gabrielabucher.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Franz Oss:

fotogalerien.wordpress.com/2019/06/28/haus-der-musik-innsbruck-tanztheater-ballettgala-26-juni-2019-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Fotos und Video

www.landestheater.at

 
 
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Kultur-und Kongresszentrum Luzern Foto Priska Ketterer

Hochschule Luzern Solistenkonzert Klassik, 2. Teil, KKL Luzern 25. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Kultur-und Kongresszentrum Luzern Foto Priska Ketterer
Kultur-und Kongresszentrum Luzern Foto Priska Ketterer

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester und junge Musikstudierende der Hochschule Luzern als Solisten

Luzerner Sinfonieorchester
Mei-Ann Chen, Leitung
Arthur Honegger (1892 – 1955)
Konzert für Violoncello und Orchester
Elodie Théry, Violoncello
Klasse Christian Poltéra
Ottorino Respighi (1879 – 1936)
Adagio von variazioni für Violoncello und Orchester
Jana Telgenbüscher, Violoncello
Klasse Christian Poltéra
Sergei Prokofiev (1891 – 1953)
Klavierkonzert Nr. 1 op. 10 Des-Dur
Marina Vasilyeva, Klavier
Klasse Konstantin Lifschitz

 

Rezension:

1. Honegger, Konzert für Violoncello und Orchester, Elodie Théry, Violoncello

Elodie Théry, Violoncello, Foto PicturePeople Duesseldorf
Elodie Théry, Violoncello, Foto PicturePeople Duesseldorf

Wie unterhaltsam auch Musik des 20.Jahrhunderts sein kann, demonstriert das 1929 komponierte knappe Konzert von Arthur Honegger mit seinem anmutigen Andante, dem düster-rhapsodischen Lento und dem energischen Schluss-Allegro. Solistische Bläser treten dialogisierend dem Cello gegenüber wie die verschiedenen Personen einer Handlung, von der Honeggers Musik in bildhafter Weise erzählt die junge Französin weiter in  tänzelnden Dialogen mit den Klarinetten und Bässen die schlussendlich in den poetischen Abschluss führen, belohnt mit einem langanhaltenden Applaus

2. O. Respighi, Adagio von variazioni für Violoncello und Orchester, Jana Telgenbüscher, Violoncello

Jana Telgenbüscher, Violoncello
Jana Telgenbüscher, Violoncello

Ein besonderer Genuss war Ottorino Respighis eher selten zu hörende Komposition. Das Werk entpuppt sich als lyrisch angelegtes Adagio mit expressivem Thema und einem bewegteren Mittelteil mit Variationen. Die Solistin verstand es ausgezeichnet die Partitur in Gefühle umzuwandeln und intonierte das Werk sehr gefühlvoll bewegend. Telgenbüscher trifft den schwärmerischen Ausdruck ebenso die auch mal klagende Struktur der Komposition. Besonders das liebevolle Zusammenspiel mit der schwelgerischen Oboe bringt die volle Italianita des Bel Paese perfekt rüber

3.Prokofiev Klavierkonzert Nr. 1 op. 10 Des-Dur, Marina Vasilyeva, Klavier

Marina Vasilyeva, Klavier
Marina Vasilyeva, Klavier

Als Abschluss des Konzertes gab’s dann doch noch ein typisches Referenzstück. Prokofiev wird gerne gespielt, um seine technischen Fähigkeiten zu demonstrieren, was die Russin denn manchmal übertrieb und dem Werk etwas zu wenig Seele einhauchte. Atemlos durch die Partitur sozusagen. Natürlich technisch perfekt , mal zu knallig mit  unnötiger Effekthascherei, aber immer quirlig sprudeln und in guter Korrespondenz mit dem ausgezeichneten Orchester, einem Orchester, das sämtliche Solistinnen kongenial supportierte, sich selbst aber nie in den Vordergrund stellte, ausser, wie schon bemerkt, wenn es von der Dirigentin zu noch mehr Lautstärke aufgefordert wurde.

Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Kristin Hoeberman
Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Kristin Hoeberman

Der verdiente Schlussapplaus war kräftig, langanhaltend und galt natürlich auch den andern Solistinnen, die sich nun wieder auf die Bühne gesellten und reichlich Blumensträusse in Empfang nehmen durften.

Link auf Hochschule Luzern Solistenkonzert Klassik, 1. Teil, KKL Luzern

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87253163-hochschule-luzern-solistenkonzert-klassik,-1-teil,-kkl-luzern-25-luni-2019,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home und www.hslu.ch

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Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto, Foto Vera Hartmann

Hochschule Luzern Solistenkonzert Klassik, 1. Teil, KKL Luzern 25. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto, Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto, Foto Vera Hartmann

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester und junge Musikstudierende der Hochschule Luzern als Solisten
Luzerner Sinfonieorchester
Mei-Ann Chen, Leitung
Alexander Glazunov (1865 – 1936)
Violinkonzert a-Moll op 82
Lucie Koci, Violine
Klasse Igor Karsko
Ernest Chausson (1855 – 1899)
Poème op. 25 für Violine und Orchester
Meghan Nenniger, Violine
Klasse Sebastian Hamann
Bohuslav Martinů (1890 – 1959)
Oboenkonzert H 353
Aliya Battalova, Oboe
Klasse Ivan Podyomov

 

Rezension:

Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Crosalie OConnor
Dirigentin Mei-Ann Chen Foto Crosalie OConnor

Eine der Besonderheiten des alljährlichen Solistenkonzertes ist u.a., dass immer eine Gastdirigent/in die Leitung hat, diesmal Mei – Ann Chen, anstelle von Chefdirigent James Gaffigan. Beschrieben als: Innovativ, leidenschaftlich, und kraftvoll: So präsentiert sich die in Taiwan gebürtige amerikanische Dirigentin Mei-Ann Chen. Seit 2011 ist sie Musikdirektorin der mit dem Mac Arthur-Preis ausgezeichneten Chicago Sinfonietta, seit 2016 zudem Künstlerische Leiterin und Chefdirigentin des National Taiwan Symphony Orchestra Summer Festival. Sie begeistert ihr Publikum durch ihre energiegeladene und mitreißende Orchesterführung auf höchstem Niveau. Ihr Renommee als überzeugende Gastdirigentin beschert ihr sowohl national wie international gesteigerte Aufmerksamkeit

Vorab: für mein Gusto animierte sie ab und zu das Orchester zu übertriebener Lautstärke, sodass einige Solistinnen fast erdrückt, überspielt wurden, schade.

1. Glazunov Violinkonzert a-Moll op 82, Lucie Koci, Violine

Lucie Kočí, Violine
Lucie Kočí, Violine

Das Konzert ist, obwohl es unterteilt werden könnte, ein ungebrochenes Ganzes. Die Form ist ungewöhnlich und erweckt den Anschein, als ob der langsame Satz (Andante sostenuto) in der Mitte des ersten Satzes eingebaut ist. Das Moderato beginnt mit dem wunderbaren Dolce-espressivo-Thema in der Solovioline, das nach einer kurzen Vorbereitung in den Klarinetten und Fagotten erklingt. Es ist ein typischer spätromantischer Satz, der durch endlose Phrasen und einen reichen Orchesterklang geprägt ist. Schon zu Beginn scheint jene punktierte Figur auf, die im gesamten Werk immer wieder verwendet wird. Das erste, „russische“ Thema und das lyrische zweite Tranquillo-Thema kontrastieren zueinander. Das Thema des Andante sostenuto beginnt mit jener punktierten Figur in der Solovioline, die das erste Mal bereits am Anfang des Konzerts erscheint. Dieser Satz ist ab dem ersten Ton sehr expressiv, hier kann der Solist all seine Leidenschaften ausdrücken. Das Thema wird zuerst auf der G-Saite gespielt, um eine dunklere Klangfarbe zu erhalten. Das Andante sostenuto endet mit zwei Pizzicato-Akkorden in der Solovioline. Die Reprise des Moderato ist mit virtuosen Passagen in der Solovioline angereichert, zu finden sind auch Doppelgriffe (Sexten und Oktaven) und Dreiklänge. Vor dem Ende des Satzes kommt die Reprise des zweiten Themas; dieses Mal im tiefen Register, nämlich auf der G-Saite. Mit einer Passage leitet die Solovioline die Kadenz ein. Die Kadenz ist ziemlich lang, wenn man sich die Länge des gesamten Werkes vor Augen hält. In der Kadenz finden sich viele Doppelgriffe und sie ist sehr anspruchsvoll zu spielen. Jedoch ist sie nicht virtuos, denn es scheinen keine schnellen Läufe auf – ausgenommen das Animato vor dem Ende, das direkt zum Finale führt. Sie ist sehr expressiv und ausdrucksvoll, für mich der schönste Teil des Werks. In der Kadenz wird zunächst das Tranquillo-Thema des ersten Satzes aufgegriffen. Dessen Melodie erscheint sogleich in variierter Weise, sie ist mit Vorschlägen und gebrochenen Akkorden angereichert. Am Ende jeder Phrase ist ein kurzer Lauf hinzugefügt, durch seine kurzen Sechzehntelnoten einen Kontrast zum Thema darstellt. Gleich nach dem zweiten Lauf folgt – auch variiert – das Thema des Satzanfangs und wird mit Pizzicato-Akkorden abgeschlossen. Nach dem Pizzicato folgt das in seiner Melodik und Rhythmik unveränderte Thema, allerdings in einer anderen Tonart. Danach wird es zweistimmig variiert. Nahezu die ganze Kadenz ist im polyphonen Prinzip gestaltet. Die Notenwerte der unteren Stimme werden immer kürzer, je weiter die Kadenz voranschreitet. Der Übergang (das Animato) zum letzten Satz klingt schließlich so, als ob der Solist Triller spielen würde, obwohl alle Noten genau notiert sind. Mit dem letzten, wilden Lauf leitet die Solovioline direkt ins Finale über. Lucie Koci lotete das Werk sehr emotional aus, unterstützt vom kongenialen Orchester angetrieben von der sehr animiert leitenden chinesischen Dirigentin. Entsprechend durften die Musiker, insbesonders die Solistin, einen langen, stürmischen Applaus geniessen.

2. Chausson Poème op. 25 für Violine und Orchester Meghan Nenniger, Violine

Meghan Nenniger, Violine
Meghan Nenniger, Violine

Etwas Pech mit der Werkauswahl hatte nie nun folgende junge Kanadierin. Obwohl technisch mindestens so fordernd wie die vorherige Komposition, ist sie im Aufbau halt nicht so spektakulär, was nach der fulminanten Demonstration von Lucie Koci zwangsläufig etwas bieder wirken musste. Dem Kenner des nicht so bekannten Werkes aber erschloss sich schon, welch grossartige Interpretation. Man hörte auch, dass an den HSLU Solisten Meisterklassen Klanggefühl und Strukturbewusstsein genauso an der zeitgenössischen Musik geschult werden wie am kanonischen Repertoire. Das Ganze klang erdiger, vibrierender und zugleich dunkler und fahler, aber nicht weniger voluminös im Klang, als bei der vorherigen Solistin. Der Applaus kam mit etwas Verspätung, da die wenigsten das Stück kannten, also nicht merkten, dass es fertig gespielt und zudem das Finale eher unspektakulär gestaltet ist. Die eher introvertierte Künstlerin bewegte sich auch zurückhaltender, im Gegensatz zu der extrovertierten jungen Tschechin, die vor ihr aufgetreten war.

3. B. Martinů, Oboen Konzert H 353, Aliya Battalova, Oboe

Aliya Battalova Oboe
Aliya Battalova Oboe

Die Oboe, nicht grad mein bevorzugtes Soloinstrument, ausser in der Barock Musik insbesonders bei Vivaldi, war nun an der Reihe. Mit ihren charakteristischen harmonischen Verläufen und synkopierten Rhythmen präsentieren die drei Sätze stark kontrastierende Materialien. Ein heller und fröhlicher Eröffnungssatz sorgt schließlich für eine Stimmung expressiver Lyrik, die auch den langsamen Satz mitbestimmt. Das Klavier, das in vielen Orchesterwerken von Martinů eine wichtige Rolle spielt, leitet den Schlusssatz ein. Die Lyrik wechselt sich mit lustigeren Episoden ab und führt das Werk zu einem fröhlichen und virtuosen Abschluss. Die Kasachische Solistin brillierte mit ihrer Fingerfertigkeit, setzte ihre Läufe todsicher, trotzdem variantenreich im Ausdruck, immer der Intuition des Komponisten treu. Das auch hier manchmal wieder zu laute Orchester, war für die Oboe ein kleineres Problem als für die Violinen zuvor, ist das Instrument doch per se lauter und aggressiver im Ton. So vollbrachte die Solistin ihr Debut mit Bravour, wofür sie den verdienten grossen Applaus erhielt, der natürlich auch ihre Mitmusiker einschloss.

Link auf Solistenkonzert, 2. Teil

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87253165-hochschule-luzern-solistenkonzert-klassik,-2-teil,-kkl-luzern-25-luni-2019,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home     und www.hslu.ch     

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Cameron Carpenter’s International Touring Organ Foto Ruedy Hollenwäger

Zürcher Kammerorchester präsentiert Cameron Carpenter, Tonhalle Maag, 22. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Cameron Carpenter’s International Touring Organ Foto Ruedy Hollenwäger
Cameron Carpenter’s International Touring Organ Foto Ruedy Hollenwäger

Besetzung und Programm:
Zürcher Kammerorchester
Cameron Carpenter (International Touring Organ)
Willi Zimmermann (Konzertmeister)

Cameron Carpenter Improvisationen
Johann Sebastian Bach Klavierkonzert Nr. 4 A-Dur BWV 1055
Francis Poulenc Konzert g-Moll für Orgel, Streicher und Pauke
George Gershwin Gershwiniana

Rezension:

Cameron Carpenter in Gedanken versunken vor seiner Orgel
Cameron Carpenter in Gedanken versunken vor seiner Orgel

Um einiges braver sah er schon aus, der exzentrische Punk, glattrasiert, statt mit seinem Markenzeichen, dem auffälligen schwarzen Punk Irokesenhaarkranz. Selbstbewusst trat er auf die Bühne der sehr gut besetzten Tonhalle Maag. Inmitten den Türmen, Verstärkern usw. seiner, für seine speziellen Bedürfnisse, selbstentworfenen und nach seinen Wünschen und Ideen gebauten „International Touring Organ“. Das digitale Instrument ist das erste seiner Art – und es polarisiert die Musikwelt. Auch mit seiner Frisur fällt der 38-Jährige in der Klassikwelt noch immer auf wie Nigel Kennedy in den Achtzigern. Seit fünf Jahren tourt er mit seiner High-Tech-Orgel durch die Welt. Eine bemerkenswerte Karriere, die in einem Knabenchor in New Jersey begann. Heute lebt Carpenter in Berlin.  Das altersmässig gut durchmischte Publikum gibt schon mal zünftig Vorschussapplaus, bevor sich der Künstler an sein Riesending setzt und unverzüglich anfängt zu improvisieren. Dies tut er mit allen zehn Fingern, den beiden Füssen, auch mal mit dem Ellbogen, wenn’s denn sein muss.

Zu seinem Instrument

Cameron Carpenter's International Touring Organ Foto Ruedy Hollenwäger
Cameron Carpenter's International Touring Organ Foto Ruedy Hollenwäger

Jahrelang hat Carpenter mit den amerikanischen Pionieren von Marshall & Ogletree das Hightech Instrument konzipiert, das nur ein Ziel hat – seinen Spieler frei zu machen von allem, was für Organisten seit Jahrhunderten zu ihrem nicht immer leichten Leben gehörte: die Tücken der Mechanik, Verstimmungen, Verzögerungen, Verklemmungen. Für Carpenter sind klassische Pfeifenorgeln mit ihren individuellen Macken oft nichts weiter als „waste of life“. Heute ist dieses, ich nenn es mal Ungetüm in der Lage, bis zu 14000 Watt über 58 verschiedene Kanäle zu „liefern“, also das ideale Spielzeug für diesen ausgeflippten, aber auch hochprofessionellen und technisch äusserst versierten Tastenakrobaten, der es daneben auch sehr effektvoll versteht, die technischen Möglichkeiten, Klangeffekte usw. dieses Monsters auszureizen

Wenn Cameron Carpenter die Geschichte seines Lebens erzählt. hört sich das ein bisschen an wie der Comic eines Superhelden. Auf YouTube zeigt der Organist gern seinen von Liegestützen, Pilates und Yoga gestählten Oberkörper und erzählt die «Geschichte vom Kind als Genie: Sohn eines Ofenmachers aus dem 13000-Einwohner-Kaff Meadvilh in Pennsylvania, wo auch Sharon Stone herkommt Schulbesuch“ Fehlanzeige‘

Tonhalle Maag Zürich Impressionen vor dem Konzert
Tonhalle Maag Zürich Impressionen vor dem Konzert

Der Fast Autodidakt, der als Kind in der Schmiede seines Vaters auf einer Hammondorgel aus den 1930er Jahren gegen den relativ lauten Schallpegel dieses Ortes anspielte. Carpenter über seine Jugend in der Ofenbauerwerkstatt seines Vaters die in seinen Erzählungen einem mythologischen Schauplatz nahekommt: «Um mich herum schlugen die Männer das Eisen››. erzählt er. «und ich wollt« sie unterhalten – laut. lauter. am lautesten. Jahre später studierte er an der Juilliard School in New York (master degree) bei Gerre Hancock, John Weaver und Paul Jacobs. Er wirkte kurzzeitig als Artist-in-residence an der Middle Collegiate Church in New York und konzertiert regelmäßig in den großen amerikanischen und europäischen Musikzentren. Sein Album „Revolutionary“ wurde für den Grammy 2009 nominiert.

Tonhalle Maag Zürich Impressionen vor dem Konzert
Tonhalle Maag Zürich Impressionen vor dem Konzert

Interview Zitat Carpenters auf die Frage, ob er mit seiner Art nicht Tabus der Klassik breche: Nein, weil ich keine Tabus in der Musik wahrnehme. Das ist eine Konstruktion von zunehmend verzweifelten Marketingabteilungen. Ich bin es leid, der Bad Boy der Orgelwelt zu sein. Zudem bin ich mit 38 Jahren alt wohl kaum mehr ein Jugendlicher, also der Begriff  des „enfant terrible“ ist für einen Mann in diesem Alter definitiv auch fehl am Platz

Auszug aus dem Programmheft: Sie haben Bach immer wieder gehörig gegen den Strich gebürstet

Cameron Carpenter mit seiner  International Touring Orgel
Cameron Carpenter mit seiner International Touring Orgel

Das hört sich immer so gut an, aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht an diese Effekte der Musik. Die Welt ist heute viel komplizierter, es leben viel mehr Menschen auf der Erde – nein: Bach hilft uns kaum, unser eigenes Chaos zu ordnen. Es ist als Künstler heute schwer, keine Botschaft zu haben, keine aktuelle Bedeutung, sondern nur die geniale Musik, die einem gefällt. Es braucht Mut zu sagen: «Ich spiele ein Stück einfach nur, weil ich es grossartig finde.›› Genauso ist es aber bei mir und Bach. so sehen das einige. Ich sehe das anders. Ich habe mich mit Bach beschäftigt. Als Mensch sagt er mir gar nichts: zu religiös, zu fanatisch. Gäbe er die in seinen Briefen enthaltenen Aussagen heute öffentlich von sich, würde sich in der Strassenbahn wahrscheinlich niemand neben ihn setzen. Aber als Musiker war er ein Genie! Er hat die Wissenschaft in die Musik geholt, eine Idee, die erst viel später bei anderen Komponisten populär wurde. Er ist so etwas wie der erste Architekt der Musik, an dem sich eigentlich alles Nachfolgende orientiert. Das ist, was mich fasziniert – nicht der Mensch, nicht seine religiöse Botschaft, sondern seine Musik als Selbstzweck

Bach mit dem Zürcher Kammerorchester

Cameron Carpenter To Launch Worldwide Touring Organ
Cameron Carpenter To Launch Worldwide Touring Organ

Cameron verlässt kurz die Bühne worauf diese von den Streichern des Zürcher Kammerorchesters unter Führung von Konzertmeister Willy Zimmermann geentert wird. Deren Stühle stehen halt grad da, wo sie neben der Riesenorgel noch Platz haben, also im Halbrund um das fünfmanualige Herzstück mit durchgehendem Fuss Bass. Nach dem kurzen Stimmen der Instrumente kam Carpenter dazu, setzte sich an die Orgel und weiter gings mit Bach. Carpenter lotete sein Instrument in allen Dimensionen aus, trotzdem blieb Bach unangetastet Bach. Cameron improvisiert nicht wie etwa Jacques Loussier, sondern bleibt Werk treu, wenn auch auf seine ganz spezielle Art. Den Zuhörern gefiels und auch den Musikerinnen des ZKO machte es sichtlich Spass.

Umgänglicher, nahbarer Star in der Pause

Cameron Carpenter erfüllte in der Pause fleissig und geduldig Autogrammwünsche
Cameron Carpenter erfüllte in der Pause fleissig und geduldig Autogrammwünsche

Einen freundlichen, umgänglichen, gar etwas scheuen jungen Mann erlebte man in der Pause. Geduldig lächelnd liess er sich dutzendweise zu Selfies ablichten. Diskutierte mit manch Hobbyheimorganisten, erfüllte freundlich und geduldig die Autogrammwünsche der erstaunlich vielen Kinder. Da wird mancherder dabei anwesenden Mütter und Väter an Weihnachten Mühe haben, ihrem Sprössling zu erklären, dass soo eine Orgel halt nicht ins Kinderzimmer passen würde und er/sie sich doch bitte etwas anderes wünschen solle.

Auch Francis Poulenc dürfte Ihnen dann als Mensch nicht gefallen haben –er war ebenso gläubig wie Bach.

Cameron Carpenter erfüllte in der Pause fleissig und geduldigAutogrammwünsche
Cameron Carpenter erfüllte in der Pause fleissig und geduldigAutogrammwünsche

Aber Poulenc war auch ein Pariser Strassenjunge. Die Gläubigkeit interessiert mich nicht, wenn sie nicht den Kern der Musik betrifft. Es ist klar, dassdamals fast jeder irgendwie Christ oder Jude war. Bei Poulenc interessiert mich etwas anderes: Alle schwärmen von der Bearbeitung Maurice Duruflés, aber ich mochte sie nie – auch deshalb, weil mir Duruflés nationalistische Einstellung suspekt ist. Mir ging es darum, seinen Einfluss auf die wunderbare Musik Poulencs vergessen zu machen. Ich habe die Register, wie Duruflé sie vorschlägt, einfach gestrichen.

Wie passt denn Gershwin in die Konzertkonstellation?

Cameron Carpenter Foto Thomas Grube
Cameron Carpenter Foto Thomas Grube

Bei Bach funktioniert ein Quartett auch für die Orgel, ein Flötenkonzert auch für die Geige. Genauso ist es bei Gershwin: Er hat universelle Musik komponiert, die auf jedem Instrument gespielt werden kann, etwa die «Rhapsodie in Blue››. Das Intro der Streicher deutete zuerst die Rhapsodie in Blue kurz an, nahm dann das „Summertime“ Thema aus Porgy und Bess auf, worauf der Organist sich ins Geschehen einfügte, zuerst variierte er Sequenzen der „Cuban Ouverture“ um unvermittelt in die unbekannteren Passagen der Rhapsodie einzutauchen, immer supportiert vom souveränen Orchester, das von Willy Zimmermann mittels kurzen Gesten und Mimik geführt wurde.

 Nachtrag

Das Autodidaktische ist für ihn wichtiger, weil für ihn der Soundtrack zu «Die Schöne und das Biest» ebenso zur Klassik gehört wie die Miniaturen Anton Weberns. Weil Popkultur und das Klassikerbe für ihn in der gleichen Liga spielen. «Mir gefällt es, wenn es unter der Oberfläche Substanz gibt››, sagt er, «doch auch das Aussehen ist längst Teil der Kultur.›› Carpenter ist ein Pop-Intellektueller, für den die Erfindung gleichberechtigt neben der Wirklichkeit steht und die Bearbeitung des Vorhandenen zur neuen Kunst wird. Carpenter hat mal gesagt. Ich habe keine Botschaft. Die hat er aber an diesem Abend ausgezeichnet rübergebracht und damit das Auditorium vollauf begeistert und es zu einer „Standing Ovation“ animiert. Ich empfehle dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Michel Aupetit dem Bischof von Paris: Wenn die „Notre Dame de Paris“ denn restauriert ist, lasst doch diesen motivierten Amerikaner zur Wiedereröffnung der Kathedrale auf der „Aristide Cavaillé-Coll Orgel“ aus dem Jahre 1868 mit seinem explosiven Spiel die alten Geister verscheuchen und eine strahlende Zukunft einorgeln.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.zko.ch und www.cameroncarpenter.com

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