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Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto von Vera Hartmann

Luzerner Sinfonieorchester: Les grandes rencontres – Lupu, Isserlis & Tetzlaff, KKL Luzern, 21. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto von Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto von Vera Hartmann

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester
Christian Tetzlaff, Leitung und Violine
Steven Isserlis, Leitung und Violoncello
Radu Lupu, Klavier

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Brandenburgisches Konzert Nr.3 G-Dur BWV 1048
–
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 D-Dur KV 211
–
Robert Schumann (1810 – 1856)
Drei Romanzen op. 94 für Violoncello und Klavier
–
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 A-Dur KV 488

 

Rezension:

Christian Tetzlaff, Violine, Steven Isserlis, Violoncello und dazu noch Radu Lupu am Klavier im gleichen Konzert, ergänzend unterstützt von einem absoluten Spitzenorchester wie dem Residenzorchester des KKL Luzern ( ehemals Luzerner Sinfonieorchester), diese Affiche lässt träumen. Wenn sich dann noch Tetzlaff und Isserlis in der Leitung abwechseln, verspricht das einen aussergewöhnlichen Konzertabend. Diese Konstellation gabs aber in Realität an diesem schwülen Frühsommerabend im Konzertsaal des KKL in Luzern. Jeder einzelne dieser Solisten hätte schon ein volles Haus garantiert, nicht erstaunlich also, dass vor vollen Rängen Musik zelebriert wurde.

Brandenburgisches Konzert Nr.3 G-Dur BWV 1048, J S. Bach

Eine, zu Bachs Zeiten, für diese Konzertart  übliche Kleinformation stellte  sich zuerst auf der Bühne auf. Das Cembalo in der Mitte, darum im Halbkreis aufgestellt, drei Violinen, drei Bratschen, drei Celli und ein Basso continuo. Beim ersten der insgesamt sechs kleinen Stücken bleibt das Cembalo äusserst diskret, fungiert nur als reines Begleitinstrument, umso mehr können sich die Streicher, in wechselnder Abfolge, als gute Improvisatorinnen profilieren, wofür die Werke auch konzipiert sind.

Beim  zweiten „Pièce“ überlässt der Komponist, damals am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt – Köthen als glücklicher Hofkapellmeister tätig, das Feld dem Cembalo. Für die restlichen vier lässt er die Streicher wieder rotieren und das kann man durchaus wörtlich nehmen, sind sie doch alle Rondo mässig gefasst und gehen durch den Raum, so ein englischer Musikwissenschaftler, wie „the mexican wave“, bei uns bekannter als die „La Ola Welle“ in Sportstadien.

Dem Publikum gefiel das intime, barocke Kleinkunstwerk und so belohnte es die Musikerinnen mit langanhaltendem, respektvollem Applaus.

Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 D-Dur KV 211, W. A. Mozart

Christian Tetzlaff, Violine, Foto Giorgia Bertazzi
Christian Tetzlaff, Violine, Foto Giorgia Bertazzi

Darauf war ich ganz besonders gespannt, hatte ich das Werk doch vor knapp fünf Wochen, auch im KKL, von Anne Sophie Mutter mit dem Kammerorchester Wien – Berlin geniessen dürfen Und nun in gleicher Rolle, an gleicher Stätte, dieser polarisierende, Christian Tetzlaff, der auch schon «Artist in Residence» bei den Berliner Philharmonikern war, der den Notentext wörtlich nimmt, die Musik als Sprache versteht und die grossen Werke als Erzählungen liest, die existenzielle Einsichten spiegeln. Er hat also eine völlig andere Herangehensweise als die knapp drei Jahre ältere Renommiergeigerin, die vom musikalischen Ansatz heraus agiert, sich in den Komponistin hineinfühlen will, somit teilweise etwas gar brav und bieder wirkte.

Wenn der Interpret den Komponisten prägt

Mein Fazit vorab, die Interpretation von Tetzlaff passt mir besser, was aber nichts mit technischem Können oder so zu tun hat, mir liegt seine Bühnenpräsenz ganz einfach mehr, frecher und frischer als manch anderer, näher an der Linie des jungen, etwas aufmüpfigen Mozart, der an der Sache sicher seinen Spass gehabt hätte. Tetzlaff prägt Mozart mehr, als Mozart ihn prägt, was durchaus als Kompliment gemeint ist. Das Auditorium schien meine Ansicht zu teilen, liess es doch in seinem Schlussapplaus nicht locker, bis uns noch eine kurze Zugabe gewährt wurde. Nicht zu vergessen selbstverständlich das bestens aufgelegte Orchester, das dem Solisten den nötigen Notenteppich ausbreitete.

Drei Romanzen op. 94 für Violoncello und Klavier von Robert Schumann

Solist am Violoncello Steven Isserlis
Solist am Violoncello Steven Isserlis

Nun installierten sich Radu Lupu am Konzertflügel und Steven Isserlis am Cello auf der Bühne. Isserlich, der sich vorher bei den Cellisten des Orchesters als „normaler“ Musiker eingereiht hatte, zeigte sein brillantes solistisches Können in diesem musikalischen Kamingespräch mit dem rumänischen Pianisten, der ihm dabei den nötigen Support gab, indem er locker sanft feine Harmonien auf die Tasten setzte, aber sich nie in den Vordergrund spielte, sondern dem britischen Virtuosen mit der barocken Haarpracht von fast „Bachschem Ausmass“ gentlemanlike die Hauptrolle überliess. Lupu verstand es aber durchaus, mit filigran gesponnenen Zwischenläufen nicht in Vergessenheit zu geraten.  Dieses kammerspielartige Zwiegespräch mit Noten wusste auch das Publikum zu überzeugen, ausgedrückt mit langem, starkem Applaus. Ein sehr dankbares Auditorium übrigens, das sich auch nicht zu schade war, den Helferinnen auf der Bühne, die zwischen den einzelnen Konzertteilen  den Flügel hin – und herschieben, die Notenständer umplatzieren und die Noten ordnen mussten, mittels einen Applauses für ihren Anteil an einem gelungenen Konzert zu danken.

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 A-Dur KV 488, W. A. Mozart

Solist am Piano Radu Lupu
Solist am Piano Radu Lupu

Über zwei Minuten baut Mozart hier die Spannung auf, lässt das Orchester Fahrt aufnehmen, das Thema darlegen, entwirren wieder zusammenfügen, mal die Querflöte über die Streicher fliegen, mal sich die Oboe in den Vordergrund spielen, dann, erst dann, lässt er dem Solisten am Klavier Gelegenheit, sich ins Geschehen einzuspielen. Und dies nicht etwa mit einem Knalleffekt in Form eines brachial auf die Tasten gehämmerten Akkordes oder Akkordkadenzen, sondern fast flüsternd mit filigranen kurzen Läufen. Radu Lupu tut dies mit der gelassenen Abgeklärtheit des gesetzteren Virtuosen. So ganz nebenbei übernimmt er auch den Lead, dazu reichen ihm ein paar kleine Gesten, mal ein kurzes Kopfnicken, aber meistens kommuniziert er mit seinen Mitmusikern bloss per Augenkontakt. Ungewöhnlicherweise schrieb Mozart in diesem Konzert die Solokadenz aus, dem Solisten bleibt also kein Raum für individuelle Improvisation. Ebendiese exakt wiedergegebene Werktreue ist, nebst anderem, eine der grossen Stärken des 74jährigen Pianisten.

2.Satz: Mozart bricht die eigene Order

Pianist Radu Lupu Foto Matthias Creutziger
Pianist Radu Lupu Foto Matthias Creutziger

Im zweiten Satz, einem Adagio im Siciliana Takt, verstösst Mozart gegen seine eigene Order (in Concerten sollen lauter Andante und keine Adagio sein), wird  die Melodie vom Soloklavier vorgestellt. Die bei Mozart seltene Tonart fis-Moll verleiht dem Satz einen besonderen Klang. Das Orchester stimmt in das Thema ein, anschließend intonieren Orchester und Soloklavier in gemeinsamer Klage das Hauptthema. Ein lichterer, zweiter Gedanke in A-Dur wird anschließend von einem Trio aus Flöte und zwei Klarinetten angestimmt und bei seiner Beantwortung vom Soloklavier doubliert. Dieser Umschwung währt jedoch nur kurz, da die Wiederholung des ersten Teils folgt. Das Thema erscheint hier in variierter und erweiterter Form. Bevor die Coda ertönt, wird der letzte Teil des Hauptthemas noch einmal von Klavier und Orchester variiert. Es handelt sich also um eine freie Anwendung der dreiteiligen Liedform. Der Satz verklingt mit einigen Piano Akkorden. Das sprunghaft einsetzende, optimistische Hauptthema in den Rondeau Schlusssatz steht in grossem Gegensatz zum vorherigen Adagio, ein Refrain mit zwei aufeinanderfolgenden, verschiedenen Themen, dessen erstes Couplet schnell von E moll zu E Dur moduliert wird. Radu Lupu wirkt nie auch nur aufs geringste angespannt, schüttelt seinen Part fast etwas emotionslos locker aus dem Ärmel, was seine Mimik aber negiert. Radu Lupu drückt seine Emotionen über seine Finger fast unmerklich aus, von  der kleinsten Finesse bei der Lautstärke, beim Modulieren der Achtelnoten streichelt er förmlich das Elfenbein unter seinen Fingern und harmoniert grossartig mit dem souveränen Orchester, das ebenso viel Anteil hat an der grandiosen Umsetzung des Mozart Werkes.

Alles vom Feinsten, von A wie Bach bis Z wie Mozart

An diesem Konzert stimmte einfach alles. Die Werkauswahl, die Solisten und, vor allem auch, die Reihenfolge der dargereichten Preziositäten. Das begeisterte Publikum sah das auch so und spendete den Protagonisten einen stürmischen, langanhaltenden Applausorkan, der sich, nachdem alle Solisten wieder auf der Bühne waren, zu einer stehenden Ovation steigerte, die noch mit einer kleinen Zugabe belohnt wurde.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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ollegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe Foto Marco Borelli, Salzburger Festspiele

Collegium Vocale Gent, KKL Luzern 17. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

ollegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe Foto Marco Borelli, Salzburger Festspiele
ollegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe Foto Marco Borelli, Salzburger Festspiele

Besetzung und Programm:

  • Philippe Herreweghe (Dirigent)
  • Dorothee Mields (Sopran)
  • Hanna Blazikova (Sopran)
  • Alex Potter (Alt)
  • Thomas Hobbs (Tenor)
  • Krešimir Stražanac (Bass)

 

Rezension:

Dirigent Philippe Herreweghe Foto PD Wouter Maeckelberghe -
Dirigent Philippe Herreweghe Foto PD Wouter Maeckelberghe -

Auch weil ab Frühling 2020, aufgrund des Wegfalls des Lucerne Festivals an Ostern, nicht mehr so viele Chorkonzerte im KKL Luzern zu hören sein werden, nutzten sehr viele noch die Gelegenheit, das, im Rahmen der Migros – Kulturprozent – Classics Tournee lV, programmierte Konzert mit dem „Collegium Vocale Gent“ zu besuchen. So wurde dem grossen Besucherandrang Rechnung getragen, indem selbst der 4. Balkon geöffnet wurde.

Grundsätzliches zu den belgischen Protagonisten

Dorothee Mields (Sopran)  Foto Harald Hoffmann
Dorothee Mields (Sopran) Foto Harald Hoffmann

Das Collegium Vocale Gent ist ein 24-köpfiges Orchester ausgezeichneter Instrumentalisten, auf historischen Instrumenten spielend, ergänzt durch einen, in der Anzahl der Sänger/innen, variierenden Chor. In Luzern waren neben sieben Frauenstimmen, inklusive Solistinnen, elf Männerstimmen, inklusive Solisten, im Halbrund hinter den Instrumentalisten aufgereiht, dabei standen die Solisten inmitten des Gesamtchores, nicht separat.  Bei Konzertbeginn, vom Publikum her gesehen, die Damen links, die Herren rechts.

Zur Aufführung

Alex Potter (Alt, Countertenor) Foto  Annelies van der Weg
Alex Potter (Alt, Countertenor) Foto Annelies van der Weg

Die h-Moll-Introduktion aller Stimmen am Beginn des Kyrie nahm Philippe Herreweghe noch feierlich, ging dann zügig in die lange Orchestereinleitung, auf der der Chor eine umfängliche fünfstimmige Fuge mit klarer verständlicher Diktion aufbauen konnte. Nach instrumentalem Zwischenspiel dann ein weiterer Fugenkomplex, den die Singstimmen in veränderter Reihenfolge und neuem kontrapunktischen Spiel zusammensetzten, kunstvoll und modulationsreich bis zum Satzschluss ergreifend steigerten.

Leicht körperlich lädierter Dirigent führt trotzdem souverän

Ohne Taktstock formte Philippe Herreweghe, einer der Doyens der historisch informierten Aufführungspraxis, dabei den Klangausdruck wie ein Bildhauer mit den Händen, setzte raffiniert wischende Bewegung des Unterarms ein, gab der Redensart „aus dem Ärmel schütteln“ neue fordernde Rhetorik. Zum Teil war dies auch bedingt durch eine Verletzung der rechten Schulter, das ihm das Dirigieren mit der rechten Hand erschwerte, gar verunmöglichte.

Exzellenter Chor, hervorragende Solist/innen

Hanna Blazikova (Sopran)
Hanna Blazikova (Sopran)

Dorothée Mields und Hana Blazikova gestalteten berührend im „Christe eleison“ ein lyrisches erstes Duett, innig und gefühlvoll um die Bitte nach Vergebung wissend. In zartem Piano legten die Streicher einen atmosphärischen Klangteppich für die Sängerinnen aus, der von Bach wohl intendierten Zwiesprache von Gottvater und Sohn den Vortritt lassend. Zusammen mit Thomas Hobbs und Alex Potter gab Mields auch den Duetten im „Gloria“ und „Credo“ eindrückliche Gestalt, setzten die herrlichen Solostimmen durch unangestrengte Koloratur schwerelos auf das Primat der Klangrede. Zu einem Höhepunkt wurde auch das „Laudamus te“, wo das Lob Gottes in der Virtuosität der konzertierenden Violine und der glasklar expressiven Sopranstimme Ausdruck fand.

Mit voluminösem Streicherklang ins „Gloria“

Thomas Hobbs (Tenor)
Thomas Hobbs (Tenor)

Mit festlichem Streicherklang, nun ins parallele D-Dur gewendet, und zupackenden Trompetensignalen wurde das „Gloria“ angestimmt, nahmen die Soprane noch zurückhaltend die frohbewegte Huldigung Gottes auf, kanonisch gefolgt von absolut textverständlichen Einsätzen der tiefen Stimmen. Die sich daraus entwickelnde Fuge steigerte sich zum Forte Jubel, bei dem die letztlich befreienden Freudenraketen nicht mehr zündeten. Dieser Eindruck blieb auch beim „Credo“ haften, insbesondere im vielschichtigen „Confiteor“, in dem gregorianische und Renaissanceklänge aufeinandertreffen und mit barocker Choralmusik verwoben werden.

 

 

Ausgewogenheit mit Glanzpunkten

Krešimir Stražanac (Bass)
Krešimir Stražanac (Bass)

Die Sänger sangen in den meisten Chor-Stücken in Registerpaaren, mit klarer Diktion und guter Intonation. Ausgewogenheit war so gut wie nie ein Problem. In Ensembles dieser Größe werden die meisten Musiker zu Solisten und der Grat zwischen Ruhm und potentiellem Fiasko viel schmäler als der, dem die Mitglieder eines gewöhnlichen Chores oder Orchesters jemals ausgesetzt sind. Wenn nun also wirklich die Sänger auch den „Chor“ besetzen, können sie sich nicht mehr während der Chor-Stücke erholen, sondern singen das gesamte Werk hindurch, trotzdem war keinerlei Qualitätsverlust, etwa infolge stimmlicher Ermüdungserscheinungen, hinzunehmen.

Arien als strahlkräftige Glanzlichter

So blieben herausragende Arien als effektvolle Glanzlichter in Erinnerung: Alex Potters Altus, der in Zwiesprache mit der anrührenden Melodie der Oboe d’amore im „Qui sedes“ den Textinhalt dramatisch und atemberaubend brillant ausdeutete, beim ungewohnten g-Moll des „Agnus Die“ im schmerzlichen Ausdruck menschlicher Schuld berührte. Tenor Thomas Hobbs drückte im „Benedictus“ den Willkommensgruß glaubhaft, ja freudig und heiter aus. Dagegen kam Bass Bariton Kresimir Strazanacs Beiträge weniger stark zur Geltung. Im „Quoniam“ schlug das begleitende Naturhorn jedenfalls mehr Funken als der Bassist.

Berauschendes Konzerterlebnis

Das Gesamtergebnis war überaus positiv: die Tempi blieben immer lebhaft und der fast ausschließliche Verzicht auf Vibrato schuf eher eine besondere Qualität als eine unangenehme Trockenheit im Klang hervorzurufen. Das ausgezeichnete Continuo schob die Musik sachte aber beständig an, und der Einsatz von historischen Instrumenten und historischer Spielweise ist eine der ganz grossen Stärken dieses Ensembles, das denn zum Schluss vom begeisterten Publikum ausdauernd mit kräftigem, langanhaltendem Applaus gefeiert  wurde.

Text: www.leonardwuest.ch

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Die Lichtshow Farben und Bilder auf die Installation (Bühne) war erste Sahne, Foto Ruedy Hollenwäger

Cirque du Soleil, „Toruk“ – The First Flight, Hallenstadion Zürich, 13. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Die Lichtshow Farben und Bilder auf die Installation (Bühne) war erste Sahne, Foto Ruedy Hollenwäger
Die Lichtshow Farben und Bilder auf die Installation (Bühne) war erste Sahne, Foto Ruedy Hollenwäger

Multimedia-Topkünstler und -Innovatoren, Michel Lemieux und Victor Pilon gestalten ein Reise durch die Welt von Pandora.Das Publikum kann so eine Odyssee durch eine Welt der Imagination, der Entdeckungen und unendlichen Möglichkeiten erleben.

Rezension:

Das Bühnenbild der eindrücklichen Welt von Pandora
Das Bühnenbild der eindrücklichen Welt von Pandora

Da ich schon über 20 Jahre nie mehr in einem Zirkus war und auch den Film Avatar nicht gesehen habe, konnte ich den Abend im Hallenstadion entspannt und vorurteilsfrei in Angriff nehmen. Gewisse Gerüche wecken unwillkürlich ganz bestimmte Assoziationen, z.B Bratwurstgeruch bedeutet Pause beim Fussballmatch, Popcornschwaden in der Luft: ganz klar Kinobesuch usw. Wenn gar beide Geruchsschwaden  abwechselnd, meistens aber vermischt durch die Lüfte ziehen, dann ist der Cirque du Soleil zu Gast im Zürcher Hallenstadion. Das in Baie-Saint-Paul, Kanada im Jahre 1984 vom Straßenkünstler Guy Laliberté unter Assistenz von Daniel Gauthier und Gilles Ste-Croix gegründete Vorzeigeunternehmen, beschäftigt heute weltweit etwa 5000 Menschen, davon etwa 1300 Artisten aus ca. 50 Ländern und ist in verschiedenen Formationen mit diversen Programmen auf Welttourneen.

Gigantische, mehrheitstaugliche Show für ein durchmischtes Publikum

Zwei Schweizer bei Cirque du Soleil. Wie von einem anderen Planeten die Schweizer Nick Beyeler (links) und Elia Aymon nach der Verwandlung in ihre Bühnenfiguren
Zwei Schweizer bei Cirque du Soleil. Wie von einem anderen Planeten die Schweizer Nick Beyeler (links) und Elia Aymon nach der Verwandlung in ihre Bühnenfiguren

Mit einem Zirkus hat die gigantische Show nur noch wenig gemein. In Zürich stand das neueste Projekt, die bereits 37. Produktion «Toruk – The First Flight» auf dem Programm. Die  Produktion ist inspiriert von James Cameron’s Film «Avatar»  So war denn auch ein äusserst durchmischtes Publikum vor Ort, da sassen Jungverliebte neben der Grossmutter mit ihren fünf Enkeln, Zirkusfans aus Tradition neben kinoaffinen Fantasyfilm Fans usw.

Über 2000 Quadratmeter Spielfläche für eine Megashow der Superlative

Die Artistik war toll. Bei den Männern Kunstturner (Bodenturnen, Reck, Perdspringen usw) Bei den Frauen Szenen wie Nina Burri, Denise Biellmann
Die Artistik war toll. Bei den Männern Kunstturner (Bodenturnen, Reck, Perdspringen usw) Bei den Frauen Szenen wie Nina Burri, Denise Biellmann

43 Artisten auf 2000 m2, einer von zwei mitwirkender Schweizer ist Nick Beyeler, Sport-Aerobic-Weltmeister 2002, die andere ist Elia Aymon, eine der weltbesten Trapezartistinnen. Normalerweise, sagt Nick Beyeler, stosse man als Artist erst in einem fortgeschrittenen Stadium zu einer Show. Das war für ihn bei «Toruk» anders. Der Schweizer war Teil des Kreationsteams, das die Show gemeinsam mit Starregisseur Cameron entwickelte. Die sogenannte Takami­Nummer basiert sogar auf  einer Idee von Beyeler.

Akrobatik, Puppenspiel Licht – und Musikshow der Weltklasse

Elia Aymon trägt routiniert ihr Make-up auf. Jeder Pinselstrich sitzt.
Elia Aymon trägt routiniert ihr Make-up auf. Jeder Pinselstrich sitzt.

Akrobatik, Puppenspiel und Projektionen verbinden sich auf der Bühne zu einer fantasievollen Abenteuer-Show, die sich an die farbenprächtige und magische Welt von James Camerons “Avatar” anlehnt
Die Geschichte spielt rund tausend Jahre vor den Ereignissen des Kinofilms: Der überlebenswichtige Baum der Seelen auf Pandora gerät durch eine Naturkatastrophe in Gefahr. Es gibt nur eine Rettung: Eine “gute Seele” muss auf dem Fabelwesen Toruk reiten. Zwei junge Na’vi machen sich auf die Suche nach dem Raubtier in den schwebenden Bergen.

Leicht getrübte Freude, da nur englischsprachiger Erzähler

Die Requisiten waren einzigartig (Hunde, Pferde, Vogel-Strauss, Drache) (Vögel, Drachen-Matratzen, Mikado-Bambusstangen, Licht Jongleure, Vendisches Boot usw
Die Requisiten waren einzigartig (Hunde, Pferde, Vogel-Strauss, Drache) (Vögel, Drachen-Matratzen, Mikado-Bambusstangen, Licht Jongleure, Vendisches Boot usw

Toruk Makto Erzähler des Na`vi-Volkes berichtet von einer drohenden Naturkatastrophe, die den heiligen Baum der Seelen bedroht. Zwei mutige Jungen machen sich auf die Suche nach dem fliegenden Fabeltier Toruk. Das Spektakel leicht trübte, dass „Emtu“, die Rolle des Erzählers der Geschichte, also seines Lebens, worauf die Story beruht, von einem englisch sprechenden Akteur ausgeführt wurde, mit Übertitelung auf grossen Leinwänden. selbst wenn man recht tauglich englisch verseht und gute Augen hat, war da fast nichts mitzubekommen, also schwierig zu verstehen, worum es eigentlich beim Ganzen eigentlich ging.

Bei den stolzen Eintrittspreisen wäre Landessprachen  tauglicher Erzähler Pflicht

Viel Farbe mit Avatar-Blau Beyelers Perücke
Viel Farbe mit Avatar-Blau Beyelers Perücke

Ich denke, dass bei den doch recht happigen Ticketpreisen, ab 89 Franken die günstigsten, bis zur teuersten Premium Kategorie bei 215 Franken, die Verpflichtung eines deutschsprechenden Akteurs für diese Rolle in den zu bespielenden deutschsprachigen Ländern, kein Luxus wäre, da es genügend unterbeschäftigte, ausgebildete, also dazu fähige Schauspieler dafür gäbe, die auch nicht in den allerhöchsten Gehaltsstufen zu entlohnen wären, schade. Denn das optisch gebotene genügte höchsten Ansprüchen, vom grossartigen, den jeweiligen Spielsituationen mittels Computersteuerung unverzüglich anpassbaren Bühnenbild, über die Kostüme der Artisten, dem aufwändigen Licht Design, bis hin zu den individuellen Gesichtsmakeups der Agierenden und den eingesetzten Requisiten, ist Besseres schlicht nicht vorstellbar. Die viel Kraft und Können erforderlichen Artistik Szenen unübertrefflich, dies alles scheinbar völlig mühelos wirkend.

Die Geschichte, soweit im Groben mitbekommen

Cirque du Soleil Schlussszene
Cirque du Soleil Schlussszene

Die Show nimmt mit in schier unglaubliche, sich dauernd wandelnde Livesettings auf der 2000m2 grossen Bühne, dem Heimat Planeten der Toruks, „Pandora“. Das Publikum erlebt eine Odyssee durch eine Welt der Imagination, der vielen Entdeckungen und unendlichen Möglichkeiten, immer kommentiert von „Etmu“. Die Toruks müssen u.a. auch fünf verschiedenen Talismanen in ihren Besitz bringen, um höhere Weihen zu erhalten. Dafür begibt sich eine kleine Gruppe von ihnen in andere, ihnen völlig fremde Welten, wo sie mit wilden Tieren, aber auch gegen andere Stämme kämpfen müssen. Das alles wird noch erschwert mal durch ein starkes Erdbeben mal durch einen Vulkanausbruch und andere Naturkatastrophen. Natürlich, am Ende obsiegt auch hier das Gute, d.h. der Stosstrupp findet den Toruk und reitet, fliegt ihn gar, damit wird der erste dem das gelang, automatisch auch zum legitimen Nachfolger von „Emtu“,dem Erzähler. Das alles wird abgehandelt in rasanter Abfolge, den Zuschauer gar manchmal etwas überfordernd. Das Publikum, ob gross oder klein war begeistert vom Gebotenen und belohnte die Protagonisten mit einem langanhaltenden Schlussapplaus, bevor es sich von der „Soleil“ beglückt in die dunkle Nacht begab.

Kurzer Trailer der Show:

youtu.be/sRdfhkRVeHE

Text und Fotos: www.leonardwuest.ch

Fotos:

Ruedy Hollenwäger und

http://www.abc-production.ch/index

 

 

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Bryan Ferry in Köln Dezember 2018 Foto Marc Pfitzenreuter

Bryan Ferry, Support Act : Diane Birch, KKL Luzern, 13. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Bryan Ferry in Köln Dezember 2018 Foto Marc Pfitzenreuter
Bryan Ferry in Köln Dezember 2018 Foto Marc Pfitzenreuter

Besetzung: Support Act Diana Birch, Bryan Ferry und Band

Rezension:

Diane Birch at Joe's Pub, New York City, Foto Stephanie F. Black
Diane Birch at Joe's Pub, New York City, Foto Stephanie F. Black

Diana Birch, die 36jährige Amerikanerin hatte keinen leichten Stand als Support Act, strömten doch noch während ihres Auftritts verspätete Konzertbesucher nicht ganz geräuschlos in den Konzertsaal. Auch ihr relativ monotones Set, war nicht wirklich inspirierend, man wartete mehr oder weniger ungeduldig auf den Main Act und war erleichtert als diese die Bühne enterten, beklatscht vom erwartungsvollen Publikum Gentleman Bryan Ferry bot, zusammen mit acht Mitmusikern und einem jungen Backgroundgesangspärchen, ein grandioses Konzert im erstaunlicherweise nicht ganz ausverkauften, aber gut besetzten Konzertsaal des KKL in Luzern. Da wurde live gespielt, mit richtigen Instrumenten und richtig guten Songs mit einem satten, ehrlichen authentischen Sound, viel Groove und jeder Menge Spielfreude.

Wo Ferry drauf steht ist Live Musik drin

Da gabs nicht, wie bei den meisten hochgejubelten YouTube „Stars“ zu 90 % Playback und unzählige Viedeozuspielungen und vielleicht grad mal 10% Eigengesang wie heutzutage offensichtlich üblich, nein, da standen Vollblutmusiker auf der Konzertbühne, gestandene Weggefährten des 74jährigen Engländers, dessen Karriere in den 1970er Jahren als Mitgründer, Komponist und Leadsänger der Artrock Band „Roxy Music“ ihren Anfang nahm, ebenso wie zwei junge Damen, wovon die eine ihre verschiedenen Saxophone sehr virtuos zu benutzen wusste, wie sie mit ein paar Soli unterstreichen konnte. Dazu eine Violinistin erster Güte, die dem Gesamtklang mit ihren Einlagen noch den ganz besonderen Touch verlieh. Überhaupt äusserst sympathisch, wie der in einem Anzug mit blauem Hemd und Krawatte agierende Bandleader – Sänger, nicht ständig nur sich in den Mittelpunkt des Geschehens stellte, sondern seinen Mitmusikern ausreichend Gelegenheit gab, auch ihre individuellen musikalischen Qualitäten zu demonstrieren, was diese denn auch gekonnt nutzten.

Start ins Set mit Songs aus der Roxy Musik Aera

Best of Roxy Music Cover
Best of Roxy Music Cover

Zuerst gabs drei Songs aus der Roxy Music Zeit, gestartet wurde mit „In Every Dream Home a Heartache“, gefolgt von „Out of the Blue“ und „The Space between“. Der Sänger mit der brüchigen Stimme und dem unverwechselbaren Vibrato spielt im ersten Teil des rund eineinhalb Stunden langen Konzerts nicht nur die bekannten Songs, sondern auch sperrige Raritäten aus der Frühphase von Roxy Music. Damals war auch Soundtüftler Brian Eno noch an Bord, die Band ebnete mit düsteren Zwischentönen und subtilen Texten späteren New-Wave-Bands den Weg. Zum Beispiel mit „Every Dream Home a Heartache“, einem Song über einen luxusliebenden Lebemann, der in devoter Haltung eine Beziehung mit einer Gummipuppe beginnt. „I blew up your body / But you blew my mind.“

Am Ende folgt die Greatest-Hits-Show

Brian Ferry Foto Frank May dpa
Brian Ferry Foto Frank May dpa

Der erste große Hit des Abends ist „Slave to Love“. Der Prototyp eines Popsongs à la Ferry. Der Text dreht sich ums Begehren und Besitzen. Ein sphärisch anmutendes Gitarrensolo führt sanft in den Song ein. Der Background-Gesang verleiht dem Sound eine Prise Soul, was im gewollten Kontrast zur brüchigen Stimme des Altmeisters steht, die immer ein bisschen nach Film-Bösewicht klingt. Ferry und Band variieren im Laufe des Abends immer wieder den Sound, spielen einen düsteren Song aus der Serie „Babylon Berlin“ und auch Blues und Country klingen an. Beschwingte Nummern wie die Coverversion von Bob Dylans „Just Like Tom Thumb’s Blues“ gelingen ihnen besonders gut.

Und wenn der Popstar in die Mundharmonika, Bluesharp, bläst, schleicht sich das Gefühl ein, er käme aus den amerikanischen Südstaaten und nicht aus dem nordenglischen Kohlepott. Als nach rund einer Stunde zwei große Diskokugeln von der Decke hinabschweben, beginnt endgültig die Greatest-Hits-Show. Manche Songs, etwa „More Than This“und „Avalon“ spielt Ferry nur auszugsweise. Die Begeisterung ist dem lässig über die Bühne schreitenden Mann in blauen Anzug und Krawatte trotzdem gewiss. Der 74-Jährige wirkt zufrieden mit sich und seinem Werk. Noch immer ein bisschen Dandy, vor allem aber Gentleman – nämlich dann, wenn er vom Publikum gefeiert wird und freundlich winkend reagiert. Das meist etwas in die Jahre gekommene Auditorium feiert eines ihrer Popidole ausgiebig mit Applaus garniert mit vereinzelten Bravorufen.

Das immense Repertoire des Altmeisters

Let's Stick Together Album Cover
Let's Stick Together Album Cover

Bryan Ferry kann natürlich aus dem Vollen schöpfen, umfasst sein Solo-Repertoire alleine schon 15 Studioalben. Dazu kommen acht weitere Platten mit Roxy Music, von denen auch seine grössten Hits stammen – etwa «Love is the Drug», «Dance Away» oder das berühmte John-Lennon-Cover von «Jealous Guy», das er seinen Fans eigentlich bei keinem Konzert vorenthält. Zu einem Ferry-Konzert gehören immer beide Standbeine seiner über 40-jährigen Karriere. Und natürlich sein Charme, den er auch im Alter von 74 Jahren noch versprüht. Kombiniert mit einem starken musikalischen Statement, war dies das Erfolgsrezept, das vom Publikum entsprechend gewürdigt wurde, sodass dieses schlussendlich mit nicht weniger als drei Zugaben belohnt wurde, die letzte davon wurde natürlich stehen applaudierend genossen.

Text  www.leonardwuest.ch                                 

Fotos: http://www.abc-production.ch/index

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