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Trio Garrett Dinner with Debussy

Casa da Musica Porto, Trio Garrett Dinner with Debussy, 9. Februar 2018, besucht von Léonard Wüst

Trio Garrett Dinner with Debussy
Trio Garrett Dinner with Debussy

Besetzung und Programm:

TRIO GARRETT

Ângela Carneiro Violoncello

João Andrade Violine

Melissa Fontoura Piano

Helena Silva Erzählerin

Sonate für Cello und Klavier d-Moll

Sonate für Violine und Klavier

Klaviertrio G-dur

Rezension:

Helena Silva
Helena Silva

Ein aussergewöhnliches Projekt des « Trio Garrett » im Restaurant der «Casa da Musica» in Porto. Ein Konzertprojekt zum 100. Todestag des französischen Komponisten Claude Debussy mit Rezitation ausgewählter Gedichte französischer Dichterlegenden. Dies im Rahmen eines Diners im Restaurant im 7. Stock, des im Jahre 2005 eröffneten Vorzeigegebäude der nordportugiesischen Metropole Porto. Die holländischen Architekten Rem Koolhaas und Ellen Van Loon vom Büro OMA konzipierten das Musikgebäude. Eigentlich sollte das Gebäude im Jahre 2001, als Porto Kulturhauptstadt Europas war, eröffnet werden, aber erst am 14. April 2005 war es dann soweit. Verspätung scheint in Porto Tradition zu haben, wurde doch auch die Metro erst im Dezember 2002, statt wie vorgesehen zu Beginn des Kulturhauptstadtjahres fertig.

Zum Konzert – Diner

Melissa Fontoura Piano
Melissa Fontoura Piano

Zuerst platzierten sich die Pianistin Melissa Fontoura und Violinist João Andrade auf der kleinen Bühne des Restaurants, aber den Anfang machte dann Helena Silva mit dem Rezitieren des Gedichtes „Chanson“ von Alfred de Musset

1.Konzertteil: Sonate für Piano und Violine

João Andrade Violine
João Andrade Violine

Dann starten die beiden Musiker mit dem ersten Satz der Sonate für Piano und Violine in G Moll, Allegro vivo. Dabei agierte João Andrade zu Beginn etwas vorsichtig unsicher, beruhigte sich aber nach ein paar Takten schon und fand zu einem gefühlvollen differenzierten Spiel, glänzend unterstützt von der Pianistin.

Dann servierte man der ersten Gang des Diners, eine, Gänselebermousse mit Blattsalat, karamellisierter Birne und einem Feigensorbet, dann rezitierte Helena Silva mit „Meine üblichen  Träume“-Zeilen von Paul Verlaine

Darauf war wieder Zeit für Musik, der zweite Satz „Fantastisch und leicht“ aus Debussys Werk. Auch hier wunderbares Zusammenspiel von Klavier und Violine.

Rezitat „Initium“ von Paul Verlaine

Das animierte Finale beschloss den ersten Konzertteil

Dann erklangen Rezitate plötzlich aus der Höhe, hatte sich doch Helena Silva auf der Galerie posiert und ich dachte mir: Die wunderbar weiche vollmundige portugiesische Sprache ist die wohl geeignetste zum Rezitieren französischer Poesie, nebst französisch natürlich und Helene Silva zelebrierte dies auf allerhöchstem Niveau und mit subtiler Intensität.

Daraufhin wurde der zweite Gang gereicht, getrüffelte Filets vom St. Petersfisch an einer fein – sämigen Sauce, auf Erbsenmousseline, mit grünem Spargel und Wachtelei.

2. Konzertteil: Sonate für Cello und Piano in D Moll

Ângela Carneiro Violoncello
Ângela Carneiro Violoncello

Schon hatte sich die Pianistin auf der kleinen Bühne wieder hingesetzt, neben ihr nun Angela Carneiro mit ihrem Violoncello. Die Sonate für Cello und Klavier komponierte Debussy ganz bewusst im Stil der französischen Sonatenkunst des Barocks während eines Aufenthalts im Sommer 2015 in Pourville-sur-mer zwischen ausgedehnten Strandspaziergängen am Tag und einem guten Glas Wein am Abend. Völlig entspannt, dennoch hochkonzentriert und hingebungsvoll intonierte die junge Cellistin dieses Meisterwerk des französischen Komponisten, unterstützt von einer behutsamen Begleiterin am Klavier.

Arthur Rimbaud  stand mit „In den Wäldern hat es einen Vogel“ für das nächste Rezitat.

Danach konnte sich die Pianistin mit ihrem Solopart „La fille aux cheveux de lin“ noch auszeichnen.

Den Abschluss des Essens krönte als Dessert eine Variation Saint Honoré von Himbeeren.Charles  Baudelaires „Parfum exotique“ rundete den zweiten Konzertteil ab.

3. Konzertteil mit Trio für Piano  in G Dur von Claude Debussy

Zu Beginn ein paar Zeilen von Stéphane Mallarmé

Zum Abschluss des Abends war das Trio Garrett in globo auf der Bühneund  sie sprühten förmlich vor Spielfreude und Violinist João Andrade blühte auf, keine Spur mehr von der anfänglichen Unsicherheit im ersten Konzertteil. Die Protagonisten ermunterten einander mit Gesten und Blicken, da wechselten feinziselierte Glissandi mit spöttischen Pizzicato, kurze, fulminate Pianoläufe mit austarierten Cellopassagen, energische Violineinsätze mit dunklem Celloklang unterlegt.

Das „Chanson d`automne“ von Paul Verlaine stand für das nächste eingefügte Rezital, auf das das „Scherzo“ folgte. Auch hier wieder Kammermusik der feinsten Art, in marschähnlichem Rhythmus, energisch im Trio vorwärtsschreitend, gefolgt vom Andante espressivo mit gefühlvollen Celloklängen, sich einmischender Violine, getragen vom Klangteppich des Pianos.

«La solitude bleue et stérile a frémi» von Mallarmé schloss den Reigen der Gedichtinterpretationen ab, bevor das feurig – furiose Finale startete.

Das Publikum im gut besetzten Restaurant war begeistert und spendete dementsprechenden stürmischen und langanhaltenden Applaus.

Ein perfekter Abend in schönem Ambiente, mit ausgezeichneter musikalischer Darbietung, stimmungsvollen Gedichtpassagen und hervorragendem Essen.

Nachtrag:

Das Trio Garrett will mit diesem Projekt eine Parallele zwischen Musik und Wort herstellen, eine Verbindung, die auch Debussy selbst oft gemacht hat, und die in den musikalischen und literarischen künstlerischen Kontext perfekt passt.

Trailer des Trio Garrett. Projecto Azul - Apresentação

https://www.youtube.com/watch?v=KQQ1W2vmdBo

Trio für Piano  in G Dur von Claude Debussy

https://www.youtube.com/watch?v=bbd6T6i0BFw

Link auf das Konzert vom 6. Februar:

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87240606-casa-da-musica-porto,-miguel-canada-%C2%B7-lu%C3%ADs-duarte-moreira,-m%C3%BAsica-de-c%C3%A2mara,-6-februar-2018,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

 

Text und Fotos: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.casadamusica.com/

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FAUST Opéra des Nations Genf Foto Magali Dougados

Opéra des Nations Genf, Faust Opéra en 5 actes de Charles Gounod. Première, 1. Februar 1918, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

FAUST Opéra des Nations Genf Foto Magali Dougados
FAUST Opéra des Nations Genf Foto Magali Dougados

Besetzung:

Direction musicaleMichel PlassonMetteur en scène & lumières Georges LavaudantConseiller artistique et dramaturgiqueJean-Romain VesperiniDécors et costumesJean-Pierre VergierCollaborateur aux mouvementsGiuseppe Bucci  Faust John OsbornMéphistophélès Adam PalkaMarguerite Ruzan MantashyanValentinJean-François LapointeWagnerShea OwensSiebelSamantha HankeyMartheMarina Viotti  Chœur du Grand Théâtre
Direction Alan Woodbridge Orchestre de la Suisse Romande

Rezension:

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Die Geschichte des Dr. Faust hat viele Künstler fasziniert.  Auch der französische Komponist Charles Gounod liess sich inspirieren. Sein Faust ist ein einsamer Mann auf der Suche nach Jugend, Liebe und Genuss. Mephisto kann ihm all das bieten, im Gegenzug verlangt er aber Fausts Seele. Mephisto präsentiert Faust die blutjunge, unschuldige Marguerite, Faust verführt und schwängert sie und verlässt sie anschliessend. Geächtet von der Gesellschaft, tötet Marguerite das gemeinsame Kind. Als Faust versucht, sie aus dem Gefängnis und vor dem Tod durch Hinrichtung zu retten, folgt sie ihm nicht. «Gerichtet» ruft Mephisto, «gerettet» antwortet der Chor.

Gounods Faust, eine der meistgespielten französischen Opern, wird vom 1.-18. Februar in Genf im «Theâtre des Nations» aufgeführt.

Musikalischer Hochgenuss

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Drei Stunden dauert dieser Faust, das scheint doch etwas lange, aber die Genfer Inszenierung von Georges Lavaudant und die exzellenten Sängerinnen und Sänger lassen einen die Zeit vergessen und bescheren dem Publikum drei Stunden musikalischen Hochgenuss und berührende, bewegende Momente.

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Das Bühnenbild (Jean-Pierre Vergier) ist kühl, nüchtern und trotzdem Spielfläche für starke, emotionsgeladene Szenen und teilweise gekonnte Licht/Schatten Effekte (ebenfalls Georges Lavaudant). Eine Wellblech-Wand zieht sich über die ganze Breite der Bühne, eine Wendeltreppe führt auf die darüber liegende Ebene. Mit ihrem schlichten Geländer erinnert diese an ein Schiffsdeck und verschafft der Bühne eine unbegrenzte Weite. Das Bühnenbild verändert sich kaum, das gibt dem Ganzen eine grosse Ruhe. Durch schiebbare Wand-Elemente sind immer wieder ein Einblicke in Marguerites Zimmer möglich.

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Atmosphärische Stimmungen werden mit wenig Mitteln erzeugt: Farbige Neonröhren kreuz und quer am Himmel für die Kirmes, ein weisser Neon-Blitz für Marguerites Verdammnis. Marguerites Veränderung vom unschuldigen Mädchen zur gefallenen Frau zieht sich auch in ihrer Zimmereinrichtung durch: Vom Mädchenzimmer mit unzähligen Fotos an der Wand, Puppen in den Regalen und geblümter Bettdecke bleibt am Ende nur noch eine nackte Matratze auf dem Bett im ansonsten kahlen, grauen Zimmer. Wo Mephisto auftritt, sind auch seine teuflischen, gehörnten Begleiter, mal Tänzer, mal Höllenhunde, mal Racheengel. Einzig ab und zu etwas seltsam und nicht ganz nachvollziehbar die Gesten des Chors, wie eine dieser banalen  Choreographien zum neusten Sommerhit.

Farbige Akzente

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Die Kostüme sind unaufgeregt aber mit Symbolcharakter. Wenn Marguerite im ersten Akt wie eine Seiltänzerin in ihrem sehr kurzen, weissen Kleidchen hin- und her schreitet, ist sie nicht nur naives Mädchen, da scheint durchaus auch etwas Verführerisches, Kokettierendes durch. Faust seinerseits erinnert an einen Bräutigam, wenn er Marguerite mit Kostüm und Krawatte aufsucht. Einzig der Frauenchor hebt sich ab mit speziellen Kostümen und bringt Farbe ins Spiel: Einerseits getupfte, Petticoat-ähnliche Kleidchen und farbige Perücken, andererseits eine Art Dirndl in zusammengewürfelten Mustermix. Spektakulär das Kleid von Marguerite für die Juwelenarie: Denn an Stelle von Juwelen erhält sie eine märchenhafte Robe,  auf welcher sich unzählige Spiegel an ihrem Körper hinunterranken und auf der Schleppe in funkelnde, gefährlich spitzig-aufragende Pyramiden ausufern.

Herausragende Leistung des Ensembles

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Die Inszenierung lenkt nie ab und lässt der herrlichen Musik, den traumhaften Melodien Gounods ihren Platz. Und dann sind da die Stimmen, durchwegs hervorragend. John Osborn ist ein wunderbarer Faust mit klarem, kräftigen Tenor, Adam Palka ein teuflisch-verschlagener Mephisto mit gewaltigem Bass, energisch und kraftvoll. Jean-François Lapointe hat als Valentin etwas Vertrauensvolles und steht den beiden stimmlich in nichts nach. Samantha Hankeys Mezzo-Sopran hat eingangs eine leicht blecherne Note, gewinnt aber im Lauf des Abends an Wärme. Eine Entdeckung in ihrer «ersten Marguerite» ist die Sopranistin Ruzan Mantashyan. Sie ist nicht nur bildschön, sie versteht es auch, alle Register zu ziehen. Vom verspielten Mädchen über die Liebende, von der verlassenen Geliebten bis zur verstörten Gefangenen spielt sie die Rollen überzeugend und  moduliert ihre Stimme von hell-verspielt über samten-verführerisch bis hin zu dunkel-verzweifelt, sicher und überzeugend-

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Der französische Dirigent Michel Plasson, bestens vertraut mit Gounods Faust, holt die ganze Eleganz und Finesse, das Lyrische und Tänzerische, das Düstere und Dramatische der Melodien aus den Musikern des Orchestre de la Suisse Romande. Das Orchester bleibt perfekte Begleitung, lässt den Stimmen den nötigen Raum und überzeugt mit einem satten, samtenen Klang.

 

Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_
Faust Szenenfoto von _Magali_Dougados_

Bravo-Rufe, viel Szenen- und langanhaltender Schlussapplaus zeigten die Begeisterung des Premieren-Publikums. Eine grossartige Leistung aller Beteiligten, eine mehr als gelungene Aufführung. Eine Reise nach Genf lohnt sich durchaus!

Kleine Fotodiashow der Mitwirkenden der Produktion :

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/26/opera-des-nations-genf-faust-opera-en-5-actes-de-charles-gounod-premiere-1-februar-1918-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

 

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Falstaff,Claudio Otteli, Foto Ingo Hoehn, Luzerner Theater

Luzerner Theater, Falstaff, Oper von Giuseppe Verdi, Première, 27. Januar 2018, besucht von Noémie Felber

Falstaff,Claudio Otteli, Foto Ingo Hoehn, Luzerner Theater
Falstaff,Claudio Otteli, Foto Ingo Hoehn, Luzerner Theater

Produktion und Besetzung  :

Produktionsteam:

Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Ulrike Scheiderer Licht: David Hedinger-Wohnlich Choreinstudierung: Mark Daver Dramaturgie: Brigitte Heusinger

Besetzung:

Opernensemble des LT Chor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Rezension:

Falstaff,Claudio Otteli, mit Intendant und Regisseur Benedikt von Peter
Falstaff,Claudio Otteli, mit Intendant und Regisseur Benedikt von Peter

Der moderne Ritter erscheint nicht auf Pferd, sondern zu Fuss. Er ist auch nicht mit Waffe und Fahne ausgestattet, sondern mit Kissen und Decke, um es sich gemütlich zu machen. Die Besucher der «Falstaff»-Premiere im Luzerner Theater werden Zeuge, wie ein komplett ausgerüsteter Ritter die Wohnung des verreisten Paares Trudi und Reto komplett für sich in Beschlag nimmt. Schnell wird allen klar: Dies ist wahrhaftig eine komische Oper. Und tatsächlich sorgt Sir John Falstaff immer wieder für Lacher im Zuschauerraum.

Ode an das Chaos

Falstaff ist ein Frauenheld, ein Flegel und ein Lüstling. Dem tugendhaften Windsor kommt dieser Eindringling überhaupt nicht gelegen. Als er seinen beiden Angebeteten denselben Liebesbrief zustellen lässt, ist das Bedürfnis nach Züchtigung bei allen Bewohnern geweckt: Der schandhafte Unruhestifter muss bestraft werden!
Die Unordnung, verkörpert durch die Hauptfigur, wird auf der Bühne richtiggehend zelebriert. Falstaff landet in einer fremden Wohnung, einer Kneipe und sogar in der Themse. Er schmeisst Salatblätter, Bierdosen und Geld umher. Seine Schandtaten machen ihn zum Opfer von Verurteilungen verschiedener Mitspieler. Als Falstaff sich zum Schluss des Stückes seiner gerechten Strafe gegenübersieht, stellt sich dem Zuschauer jedoch die Frage: Ist er wirklich die einzige böse Figur in Windsor?

Zuschauerraum oder Bühne?

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn

Komponiert im Alter von 80 Jahren ist «Falstaff» Giuseppe Verdis einzige erfolgreiche Opera buffa und zugleich sein letztes Bühnenwerk. Das Libretto von Arrigo Boito wurde von Shakespeares «Die lustigen Weiber von Windsor» und «Heinrich IV» inspiriert. Die zweite musikalische Komödie aus Verdis Feder wurde 1893 in Mailand uraufgeführt und mit einer geschlagenen Stunde Schlussapplaus belohnt. Die italienische Oper wird in ihrer ursprünglichen Sprache aufgeführt. Die eingeblendeten und teils unterhaltsamen Übersetzungen oberhalb der Bühne ermöglichen ein genaues Verstehen der Handlung. Da sich auch Falstaff immer wieder im Auditorium tummelt und sich durch die Reihen schlängelt, werden Live-Aufnahmen des Charakters auf vier Bildschirme übertragen. So verpasst kein Zuschauer die essentiellen Handlungen des Protagonisten.

Bravissimo!

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn

Intendant und Regisseur Benedikt von Peter setzt den Protagonisten den Blicken des Publikums aus. Bis auf die letzten paar Minuten befindet sich Falstaff komplett alleine auf der Bühne. Die restlichen Bürger Windsors mischen sich vom Zuschauerraum her in das Geschehen ein. Mit schleierähnlichen Kopfbedeckungen versehen, umgibt die Nebenfiguren eine Anonymität und soll die Allgemeingültigkeit der Handlung verkörpern.

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die Musik besteht anstelle von Arien und Duetten hauptsächlich aus Melodiefetzen, vermissen tut man aber nichts. Dirigiert von Clemens Heil schuf das Luzerner Sinfonieorchester einen klangmalerischen Teppich und eine Stütze für die Sängerinnen und Sänger. Claudio Otelli liefert in der Rolle der Hauptfigur eine starke Leistung und kann das Publikum als einzigen omnipräsenten Charakter den ganzen Abend in seinen Bann ziehen. Unterstützt wird er dabei durch weitere gesanglich auf ganzer Linie überzeugende Solisten. Besonders beeindruckend ist dabei deren schauspielerische Leistung, die aufgrund ihrer Maskierung und Absenz von der Bühne stark erschwert wurde. Ebenfalls eine hervorragende Leistung erbrachte der Chor des Luzerner Theaters.

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn

Den langanhaltenden Schlussapplaus der Uraufführung konnte das Luzerner Publikum leider nicht bieten. Nach der Premiere gab es allerdings zahlreiche Stimmen im Treppenhaus, die sowohl die Inszenierung als auch die Darsteller lobten. Lorbeeren haben sich die Beteiligten allemal verdient. Speziell hervorheben sollte man allerdings auch die Putzequipe, die hinter Falstaff herräumen muss und die Bühne noch bis Juni 2018 sauber hält.

Szenenfotos von Ingo Hoehn

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/26/luzerner-theater-falstaff-szenenfotos-von-ingo-hoehn/

Trailer über die Produktion:

http://www.luzernertheater.ch/falstaff

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos:   Ingo Höhn  www.luzernertheater.ch

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Mahler Chamber Orchestra

Mahler Chamber Orchestra, Leitung Daniele Gatti, KKL Luzern, 23. Januar 2018, besucht von Léonard Wüst

Mahler Chamber Orchestra
Mahler Chamber Orchestra

Besetzung und Programm:

 

Rezension:

Daniele Gatti (Dirigent) Foto Ann Dokter
Daniele Gatti (Dirigent) Foto Ann Dokter

Am Pult stand mit Daniele Gatti (*1961 in Mailand), seit 2016 Chefdirigent des Royal Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, ein grosser der aktuellen Dirigentengilde, der schon im Alter von 27 Jahren an der Mailänder Scala debütiert hatte. Er ist in der Schweiz in guter Erinnerung, war er doch von 2009 bis 2012 Chefdirigent des Zürcher Opernhauses.

Zum Orchester

Das Mahler Chamber Orchestra wurde 1997 von Claudio Abbado und früheren Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters gegründet, gibt pro Jahr etwa 60 bis 70 Konzerte und gilt, laut „Le monde“, als eines der besten Kammerorchester der Welt. Orchester und Dirigent kennen sich bestens, ist doch Daniele Gatti seit dem 27. Mai 2016 Artistic Advisor des Orchesters.

Erster Konzertteil startete mit Schumann Ouvertüre

Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied (6)
Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied

Robert Schumann tat sich schwer mit seinen Opernplänen, so ist denn „Genoveva“ die einzige Oper von ihm, für die er zwischen April 1847 und August 1848 sowohl die Musik komponierte als auch den Text schrieb. Am 25. Juni 1850 wurde sie im Stadttheater Leipzig unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt. Die Vieraktoper von der standhaften Liebe gehört der deutschen Romantik an. Die sehr negative Kritik in der Presse war wohl ausschlaggebend dafür, dass Schumann keine weiteren Opern mehr schrieb. „Genoveva“ ist auch heute nicht besonders populär, die Ouvertüre daraus wird aber des Öftern konzertant aufgeführt. Da das Libretto auf der tragischen französischen Sage Genoveva von Brabant beruht, eröffnen schwermütig klingende Streicher das Werk. Bald schon mischen sich auch die Bläser, allen voran die Hörner in die Partitur ein. Der italienische Dirigent bestimmt energisch den Takt und treibt das Orchester vorwärts. Der Hauptteil setzt mit einer rasche Triolen fliessenden Cellolinie ein, schraubt sich dann eruptiv in Seufzermotiven in Halbtonschritten hoch, bis die ersten Violinen in einem Sturzflug über zwei Oktaven in den Seitensatz führen, der in Es – Dur, der Paralleltonart von C – Moll geschrieben ist und von den Hörnern klar angezeigt wird, danach von sanften Bläserfiguren geprägt ist, die an das Thema Liebe in der Oper gemahnen. Dann wendet sich der Seitensatz, erneut von den Hornsequenzen angezeigt, in die jubelnde Coda, den Schlussteil. Diese oft kritisierte Wendung zum Ende der Sinfonie von C-Moll des Hauptteils in der Coda zu einem strahlenden, ja hymnischen C-Dur, erinnert an Beethovens 5. Sinfonie (dem „Durch Dunkel zum Licht“).Das Publikum zeigte sich begeistert und mit langanhaltendem, stürmischem Applaus erkenntlich.

Beethovens oft unterschätzte, da atypische, 4. Sinfonie

Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied (6)
Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied

Im Gegensatz zu den wuchtigen Sinfonien Nr. 3 und Nr. 5 kommt die vierte eher brav daher, war aber zu Lebzeiten des Komponisten, aufgrund ihrer leichten Fasslichkeit beliebter als die andern zwei oben  genannten, neuartigen Sinfonien. Sie erinnert, durch ihre klare Struktur, wie auch die Instrumentierung an Sinfonien von Haydn und Mozart, weist aber auch durch ihre romantische Adagio Einleitung, wunderbar vom Orchester ausgearbeitet, auf Komponisten wie Anton Bruckner und Gustav Mahler voraus. Beethoven kontrapunktiert viel in diesem Werk, beispielsweise Fanfare gegen Melodie (1. Satz), Melodie gegen Marsch (2. Satz), Zweier- gegen Dreierrhythmus (3. Satz), Energie gegen Erstarrung (4. Satz). Und in allen vier Sätzen prallen diese Gegensätze irgendwann musikalisch aufeinander – nur werden die daraus entstehenden Konflikte, anders als in den Werken tragischen Charakters, rasch wieder beigelegt, abgelöst durch Witz und Überraschungseffekte. Dagegen steht merkwürdigerweise  die Adagio-Einleitung zum ersten Satz in düsterem B-Moll. In dieser  intonierten die Streicher und Holzbläser die Melodie wundervoll weich, fast zärtlich. Der Dirigent betonte die Kontraste zwischen Pianissimo und Fortissimo fast überdeutlich, die Tutti gerieten auch mal zu wuchtig.

2. Konzertteil mit der „Rheinischen Sinfonie“ von Schumann

Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied (6)
Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Foto Geoffroy Schied

Den Namen bekam die Sinfonie, weil Schumann mit seiner Familie in Düsseldorf Wohnsitz nahm, nachdem er dort beim „Allgemeinen Musikverein“ eine Anstellung gefunden hatte. Der majestätisch dahinfliessende Rhein beeindruckte ihn sehr und so fanden viele Eigenschaften des Gewässers Einfluss in, die in Düsseldorf entstandene Komposition Schumanns, beschreibt aber nicht  tonmalerisch den Rhein oder den Kölner Dom, sondern spiegelt damit verbundene Stimmungen wider.

Der erste Satz beginnt unmittelbar mit seinem markanten, schwungvollen Hauptthema im ¾ Takt, das in der Folge im Seitenthema, in G – Moll, also der Paralleltonart, statt der Dominante B – Dur, ein lyrisches Element der Oboe enthält.

Einige fast widersprüchliche Angaben finden sich in diesem Werk. So schreibt der Komponist beim 2. Satz, dem ländlerhaften „Scherzo“ (was gewöhnlich auf ein flottes Tempo hindeutet) „sehr mäßig“ hinzu.

Der kurze 3. Satz steht in As-Dur und hat beschaulichen, kammermusikalischen Charakter. Schumann verzichtet in ihm auf den Einsatz von Schlagwerk und Blechbläsern.

Den 4. Satz, den Schumann ursprünglich mit „Im Charakter der Begleitung einer feierlichen Ceremonie“ überschrieb, intonierten die Protagonisten in diesem Sinne. Einen zusätzlichen klanglichen Akzent schafft Schumann, indem er zum ersten Mal in der ganzen Sinfonie die Posaunen einsetzt, die traditionell mit Kirchenmusik assoziiert werden, was seinerzeit oft als erklärungsbedürftig empfunden wurde.

Etwas übertriebene Lautstärke in den Mittelsätzen

Dirigent Daniele Gatti
Dirigent Daniele Gatti

Nach den drei langsameren Sätzen ist der Finalsatz wieder schwungvoll und betont heiter. Sein leicht zugänglicher Aufbau und ein Repertoire an eingängigen Melodien stellen zum getragenen vierten Satz zunächst einen plötzlichen Kontrast her, in Durchführung und Coda werden jedoch in Tempo und Charakter angepasste Motive aus dem 4. Satz übernommen.

Der Dirigent übertrieb in den vorherigen Sätzen manchmal etwas mit der Lautstärke, die eigentlich erst im Finalsatz richtig ausgereizt werden sollte. Durch diesen fegte er dann auch mit seinem Orchester, sehr zur Freude des Publikums im gut besetzten Konzertsaal. Der Applaus fiel denn auch dementsprechend aus, inklusive der Sonderapplause für die einzelnen Sektionen, von denen die Bläser besonders gefeiert wurden.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

Kleine Fotodiashow des Mahler Chamber Orchestra und Daniele Gatti 2016 Fotos Geoffroy Schied:

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/23/mahler-chamber-orchestra-und-daniele-gatti-2016-fotos-geoffroy-schied/

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