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Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé

Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé, 13. Januar 2018, Première besucht von Noémie Felber

Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé
Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé

Produktion und Besetzung:

Isabelle Ruf-Weber, Produktionsleitung  Andres Joho, Musikalische Leitung

Björn B. Bugiel, Inszenierung Achim Glatz, Choreinstudierung

Daniel Bentz, Giovanni Boccaccio Kathrin Hottiger, Fiametta

Stefan Wieland,  Pietro, Prinz von Palermo  Jens Olaf Müller, Scalza, Barbier

Alle Mitwirkenden über diese Links:

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512797

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512798

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512803

Rezension:

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Das Ende der Festtage mag einige Menschen traurig stimmen. Für die Surseer Bevölkerung jedoch gibts im Januar den Startschuss in die jährliche Operettensaison. Auf dem Programm steht dieses Jahr «Boccaccio», ein Werk des Komponisten Franz von Suppé und der Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée. Uraufgeführt wurde die Operette am 1. Februar 1879 in Wien. «Boccaccio» gilt als die bekannteste Komposition von Suppés, sie wird aber dennoch vergleichsweise selten aufgeführt. Besonders nach der letztjährigen Produktion der äusserst bekannten Operette «Die Fledermaus» scheint die Ausgangslage schwierig, zumal «Boccaccio» auch noch im düsteren Mittelalter spielt. Kann das im Surseer Stadttheater funktionieren?

Wonnevolle Kunde

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Es kann, und wie! Die Geschichte der Operette stützt sich auf die historische Figur des italienischen Schriftstellers Giovanni Boccaccio (1313-1375) und sein bekanntestes Werk, das «Decamerone». Passend zur historischen Anlehnung eröffnet sich dem Publikum bereits im ersten von drei Akten ein gewaltiges Bild. Der Schriftsteller Boccaccio klappt sein eigenes Buch auf und lädt die Zuschauer in eine von ihm geschaffene Bilderbuchwelt ein. Die andächtige Stimmung schlägt im Florenz des 14. Jahrhunderts schnell in eine leichte, fröhliche Gangart um. Die Geschichte von Boccaccio und seinen Freunden strotzt vor Humor, gleichwohl wird bei jedem Liebespaar eifrig mitgefiebert. Trotz einiger Umwege und Intrigen findet sich gegen Schluss des Abends, was sich finden soll. Die gefällige Handlung und die eingängige Musik halten die Zuschauer auf Trab, dank eindrücklicher Effekte bleibt die Spannung vom Anfang bis zum Schluss erhalten. Von den 150 Lichteinstellungen über die realistischen Kostüme bis hin zum aufwendigen Bühnenbild punktet die Inszenierung auf der ganzen Linie.

Feuer und Flamme

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Für die Aufführung von «Boccaccio» wurde ein immenser Aufwand geleistet. Besonders hervorgehoben werden sollten die ergänzend zum Originaltext geschriebenen Dialoge von Björn B. Bugiel, verantwortlich für die Inszenierung und die Ballettchoreographie im ersten Akt. Das Gesamtpaket ist ausserordentlich stimmig und die Operette präsentiert sich als beeindruckende und humorvolle Inszenierung. Der wahrscheinlich eindrücklichste Effekt des ganzen Abends ist jedoch der brennende Bücherwagen mit Boccaccios Novellen. Der Autor selbst entzündet mit einer Fackel seine Werke. Feuer auf der Bühne ist stets eine heikle Sache, Eventtechniker Fynn Bollinger und andere Beteiligte mussten für diese Szene sogar eine spezielle Ausbildung machen. Gelohnt hat sich dieser Aufwand allemal: Der Bühneneffekt ist grossartig und der Fackelträger Boccaccio wirbt in dieser Pose vom ausdrucksstarken Werbeplakat.

Altbekannt und doch ganz neu

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Obwohl die Hauptrollen neu besetzt sind, bleibt das Team der Operette im Kern beständig. Auf der Bühne begegnen regelmässigen Besuchern also altbekannte Gesichter, was das familiäre Gefühl des Theaters zusätzlich verstärkt. So ist Bugiel beispielsweise bereits zum fünften Mal dabei und Isabelle Ruf-Weber verantwortet sogar schon zum 16. Mal die künstlerische Gesamtleitung. Beide leisten in ihren jeweiligen Gebieten grossartige Arbeit. Die Schauspieler interpretieren ihre Rolle sehr glaubwürdig und fesseln das Publikum von der ersten Sekunde an. Auch die gesangliche Darbietung steht der schauspielerischen Leistung in nichts nach. Die Gesangssolisten überzeugen mit vorzüglichen und stimmigen Darbietungen. Unterstützt werden sie von zahlreichen Chormitgliedern, die zugleich als Statisten fungieren. Die stimmlich schwierigen Passagen werden von ihnen bravourös gemeistert und das Engagement und die Spielfreude sind ihnen deutlich anzusehen. Auch das rund 24-köpfige Orchester begleitet die Sänger stimmungsvoll und spielt die wunderschönen Melodien Suppés lebhaft und gefühlvoll.

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori
Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Das Premierenpublikum war begeistert und belohnte die Protagonisten mit Standing Ovations.
Wer also den langen Weg nach Florenz nicht gehen mag, der kann sich auch mit einem Abend im Surseer Stadttheater begnügen. «Boccaccio» wird dort noch bis Mitte März gespielt, ein Besuch lohnt sich definitiv.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Roberto Conciatori:

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/14/stadttheater-sursee-boccaccio-operette-in-drei-akten-von-franz-von-suppe/

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos: http://www.stadttheater-sursee.ch/willkommen

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Göttinnen des Pop Auf den Spuren von Beyoncé, Nina Simone, Aretha Franklin und anderen Stimmen, Foto Ingo Hoehn

Luzerner Theater, Göttinnen des Pop, Première am 18. Januar 2018, besucht von Léonard Wüst

Göttinnen des Pop Auf den Spuren von Beyoncé, Nina Simone, Aretha Franklin und anderen Stimmen, Foto Ingo Hoehn
Göttinnen des Pop Auf den Spuren von Beyoncé, Nina Simone, Aretha Franklin und anderen Stimmen, Foto Ingo Hoehn

Produktionsteam:

Inszenierung: Julia Wissert Bühne und Kostüme: För Künkel Musikalische Leitung: Muriel Zemp Dramaturgie: Hannes Oppermann

Besetzung;

Sofia Elena Borsani Anna Rebecca Sehls Alina Vimbai Strähler Adina Friis (Band) Jonas Künzli (Band) Dennis Blassnig (Band)

Rezension:

Straehler Alina Vimbai
Straehler Alina Vimbai

Wie man früher Götzen huldigte, betet man heute die Musik – und Filmstars an, ahmt sie gar nach (u.a. auch in diversen Castingformaten im Fernsehen), mit dem Traum, selbst einmal ein, von allen bewunderter Showstar zu werden. Da war ich schon gespannt, wie Regisseurin Julia Wissert ihre erste Inszenierung am Luzerner Theater umsetzen würde. In der Box platzierte sich die Band an ihren Instrumenten. Das Outfit der drei Schauspielerinnen versprach einen goldenen Abend: die blonde Sofia Elena Borsani im goldfarbenen Hosenanzug, die dunkelhäutige Alina Vimbai Strähler mit goldfarbenen, weiten Hosen und einem gleichfarbigen durchbrochenen Pluderumhang, die schwarzhaarige Anna Rebecca Sehls im, ebenso goldfarbenen, Minikleid. Sie tänzelten sich warm zu der feinen Backgroundmusik der Band, dazu lief im Hintergrund eine kurze Diashow mit Fotos der diversen, heute zu porträtierenden, Popköniginnen.

Freiheit Nr. 1 Beyoncé Knowles (*1981)

Beyoncé Knowles
Beyoncé Knowles

Jede der drei Schauspielerinnen erläuterte, was sie mit Beyoncé in Verbindung bringt. Bei der einen ist das der Starrummel, der Hype um die Sängerin, bei der andern ist es die Verbindung zu Instagram und andern Social Media, die dritte zählt Feminismus und Ehemann/Rapper Jay Z auf. Ebenso ergaben sich Aussagen über Beyoncé aus vielen, fiktiv mit imaginären Passanten geführten, Interviews.

Freiheit Nr. 2 Aretha Franklin (*1942)

Aretha Franklin
Aretha Franklin

Mit Aretha Franklin verbinden alle drei deren turbulentes Liebes – bzw. Eheleben und ihren phänomenalen Aufstieg in den Olymp der Musikgötter ihrer Zeit, als „Königin des Soul“ verkaufte sie mit am meisten Tonträger aller Zeiten. Dazu intonierten die Protagonisten zwei ihrer Sonhs. Zuerst „Natural Woman“ aus dem Jahre 1967, einige Sequenzen wurden gar „A Capella“ zum Besten gegeben. Zum krönenden Abschluss dieser Hommage noch „Chain of Fools“, veröffentlicht 1968, immer mit den entsprechenden Diaprojektionen an der Wand hinter den Sängerinnen. Dazu zog sich, anspielend auf die diversen Hochzeiten der Franklin, Sofia Elena Borsani nach und nach Brautkleider an, zuerst einen Rock, dann ein Cape, einen Schleier usw., deren sie sich , bei Scheitern der Verbindungen, Stück für Stück wieder entledigte.

Freiheit Nr. 3 Whitney Houston (1963 – 2012)

Whitney Houston
Whitney Houston

Als Überleitung zu ­Kapitel «Freiheit 3» stimmt die  Band deren grössten Hit «I Will Always Love You» an, bevor auf der Leinwand ein Konzertausschnitt gezeigt wird und Houston «Greatest Love Of All» singt – es ist das einzige Mal, dass die echte Stimme einer der «Popgöttinnen» zu hören ist. An Songs der als „Jahrhundertstimme“ bezeichneten Whitney Houston wagten sich die Sängerinnen nicht heran, sangen aber kräftig zu den Leinwandklängen mit. Anschliessend wurden rote Windlichter angezündet, unterlegt vom feinen Backgroundspiel der sehr guten Band, die sich nie in der Vordergrund spielte, sondern den Sängerinnen den Teppich für deren Brillieren legte.

Freiheit Nr. 4 Billie Holiday (1915 – 1959)

Billie Holiday
Billie Holiday

Es folgte die Laudatio an die grosse  Billie Holiday (Musik war Billie, Billie war Musik). Basisinformationen über ihr Leben und Wirken, sie, die schon als Kind von Männern aus ihrer Umgebung vergewaltigt wurde, zeitweilig, wie ihre Mutter, ihren Lebensunterhalt als Prostituierte in Bordellen verdiente, den Aufstieg als Musikerin gegen alle Widerstände doch schaffte, um schlussendlich, ihrem Drogen – und Alkoholkonsum geschuldet, schon mit 44 Jahren, bereits Legende, verstarb. Die Protagonistinnen würdigten „Lady Day“ mit dem Song “God bless the Child“.

Freiheit Nr. 5 Nina Simone (1933 – 2003)

Nina Simone
Nina Simone

Die wohl aufmüpfigste, schwierigste und, zusammen mit Miriam Makeba, auch die politischste Diva des Pop aber  war Nina Simone. In den 1960er Jahren engagierte sie sich in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, mit Liedern wie „Mississippi Goddam“ und „To Be Young, Gifted, and Black“, wurde traumatisiert durch die Morde an Black Panther Aktivist Malcolm X im Jahre 1965 und  Babtistenpastor Martin Luther King drei Jahre später.

Freiheit Nr. 6 Mahalia Jackson (1911 – 1972)

Mahalia Jackson
Mahalia Jackson

Mahalia Jackson ordne ich eher nicht in die Kategorie „Göttinnen des Pop“, war sie doch eine klassische Vertreterin des Spiritual und des Gospel, ebenso spielten zu ihrer Glanzzeit die bewegten Bilder, vor allem das Fernsehen, noch nicht eine so bedeutende Rolle wie später. Erfolge definierten sich  damals noch über die Plattenverkäufe und die gutbesuchten Konzerte. Auch weltweite Konzerttourneen waren noch nicht alltäglich, Social Media in weiter Ferne. Trotzdem erfreute sie sich auf der ganzen Welt sehr grosser Anerkennung und Beliebtheit, war durchaus das, was man heute einen Weltstar nennt.

Freiheit Nr. 7 Miriam Makeba (1932 – 2008)

Mama Afrika. Die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba
Mama Afrika. Die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba

Aus einer andern Welt kam die Südafrikanerin, die einen fast lebenslangen Kampf gegen die Apartheid führte. Nach einem Auslandaufenthalt verweigerten ihr die südafrikanischen Behörden die Einreise zur Beerdigung ihrer Mutter. Harry Belafonte half ihr bei der Umsiedelung in die USA und bei ersten Auftritten in Los Angeles und New York. Damit begann ihre Weltkarriere. Bei einer Rede vor der UN Vollversammlung 1963 verlangte sie den Boykott des südafrikanischen Apartheid-Regimes. In der Folge wurde ihr von der südafrikanischen Regierung die Staatsbürgerschaft aberkannt; ihre Schallplatten wurden in Südafrika verboten. Auf Bitte von Nelson Mandela kehrte sie im Juni 1990 nach Südafrika zurück und lebte ab Dezember 1990 wieder in Johannesburg.

Fulminantes Finale

Sofia Elena Borsani
Sofia Elena Borsani
Anna Rebecca Sehls
Anna Rebecca Sehls

Zum Schluss sind die drei Schauspielerinnen Beyoncé, wenn sie sich nach einem Refreshing am Schminktisch, den Hoody übergestülpt, in die R ’n’ B-Sängerin verwandelt haben und voller Power den Hit «Freedom» ab dem aktuellen Album «Lemonade» interpretieren, auch da kongenial unterstützt durch die grossartige Band (Schlagzeug: Dennis Blassnig, E-Piano: Adina Friis, Kontrabass: Jonas Künzli). Das Publikum verdankt die gelungene Uraufführung dieser Götteranbetung mit einem langanhaltenden, starken Applaus und applaudiert die Protagonistinnen mehrmals auf die Bühne zurück.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/17/luzerner-theater-goettinnen-des-pop-auf-den-spuren-von-beyonce-nina-simone-aretha-franklin-und-anderen-stimmen/

Diverse Trailer der Songs

Beyoncé Knowles, Freedom

https://vimeo.com/173992190

Aretha Franklin – (You Make Me Feel Like) A Natural Woman

https://www.youtube.com/watch?v=dEWuAcMWDLY

Aretha Franklin – Chain Of Fools

https://www.youtube.com/watch?v=gGAiW5dOnKo

Whitney Houston – Greatest Love Of All

https://www.youtube.com/watch?v=IYzlVDlE72w

Billie Holiday – God Bless The Child (1955)

https://www.youtube.com/watch?v=pp9yj5hcWUY

Nina Simone  – Revolution (1969)

https://www.youtube.com/watch?v=qqIJtvU-WXA

Nina Simone – Sinnerman

https://www.youtube.com/watch?v=1vDZsABHUbQ

Mahalia Jackson  – Summertime and I Feel Like a Motherless Child

https://www.youtube.com/watch?v=hohnr22zTxc

Miriam Makeba – Ask the Rising Sun

https://www.youtube.com/watch?v=KXLDMn_LMNk

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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Stadttheater Sursee, Erfolgreiche Premiere der Operette Boccaccio am 13. Januar 2018

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Im Stadttheater Sursee ist die Operette Boccaccio mit einer Standing Ovation gestartet. Bei der restlos ausverkauften Premiere am Samstag vermochte das lebensfrohe und komödiantische Werk das Publikum zu überzeugen. Boccaccio von Franz von Suppè wurde erstmals seit 2003 wieder in Sursee aufgeführt. Für die fast 30 Vorstellungen bis im März sind bereits 8500 Tickets verkauft worden.
Die Musik- und Theatergesellschaft Sursee entführte das Premierenpublikum zurück ins Mittelalter und bot unter der Regie von Björn Bugiel beste Unterhaltung. Die turbulente Handlung ist komödiantisch angelegt und bietet wunderbare Situationskomik.
150 verschiedene Lichteinstellungen verleihen der Inszenierung einen stimmigen Rahmen. Den Zeitsprung ins Mittelalter löst Bugiel mit einem riesigen Buch (20m3), das die Geschichte von damals erzählt. Sursee sei immer wieder eine grosse Herausforderung, sagt Björn Bugiel. „Speziell die Operette Boccaccio war dramaturgisch schwer umzusetzen. Denn Franz von Suppé legte den
Schwerpunkt nicht auf die Geschichte sondern auf die Musik“, so der Regisseur.
Solisten und Ensemble begeistern
Souverän und in glänzender Verfassung präsentierten sich bei der Premiere der Chor und das Orchester. „Die Wucht der Musik geht direkt in den Bauch“, schwärmt die künstlerische Leiterin,
Isabelle Ruf-Weber. Zu überzeugen vermochten auch die Solisten und Nebenrollen. „Das liegt unter anderem an der Konstanz“. Von den 10 Solisten sind heuer mit Daniel Bentz und Kathrin
Hottiger nur zwei neue Gesichter mit dabei. „Die beiden werden getragen von den längjährigen und erfahrenen Solisten, sagt Daniel Gloor, Präsident der Musik- und Theatergesellschaft. Insgesamt umfasst die Produktion 140 Mitwirkende vor und hinter der Bühne.
Italienischer Charme im Stadttheater
Im Zentrum des erfolgreichsten Bühnenwerkes von Franz von Suppé steht die berühmte Novellensammlung „ Il Decamerone“ des Dichters Giovanni Boccaccio (1313-1375). Von Suppé und seine Librettisten fanden die Literatur des Dichters so unterhaltsam, dass sie einige Erzählungen von untreuen Ehefrauen und betrogenen Ehemännern aufgriffen, um daraus eine
Operette zu schmieden. Darin erzählt ihr Dichter Boccaccio (Daniel Bentz) aber nicht nur, sondern steht als Verliebter selbst im Mittelpunkt. Seinem Charisma hat er es zu verdanken, dass die schöne Florentinerin Fiametta (Kathrin Hottiger) nur ihn liebt und sie seinetwegen sogar den Prinzen von Palermo ausschlägt. Boccaccio wird noch bis Ende März fast 30 Mal aufgeführt. Die Plätze reservieren Sie sitzplatzgenau unter
www.stadttheater-sursee.ch oder beim Vorverkauf im Stadttheater Sursee, Tel. 041 920 40 20 (nachmittags)
Öffnungszeiten Vorverkauf
Stadttheater Sursee, Theaterstrasse 5, 6210 Sursee
Montag und Mittwoch 15 – 17 Uhr
Samstag 09 – 11 Uhr

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Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár, Foto Ingo Hoehn im Bild Jakob Leo Stark

Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár, Première, 12. Januar 2018, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár, Foto Ingo Hoehn im Bild Jakob Leo Stark
Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár, Foto Ingo Hoehn im Bild Jakob Leo Stark

Besetzung und Produktion:

Besetzung:
Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser, Verena Lercher, Stefanie Rösner, Christian Baus, Lukas
Darnstädt, Yves Wüthrich, Adrian Furrer, Michel Kopmann, Live-Musik: Luzian Jenny
Produktionsteam:
Inszenierung: Nina Mattenklotz, Bühne: Johanna Pfau, Kostüme: Lena Hiebel, Licht: Clemens Gorzella, Dramaturgie: Friederike Schubert

Rezension:

«Was haben Sie Gutes auf der Erde getan?»  «…»

Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser

Das ist die ultimative Frage bei der finalen Abrechnung vor dem jüngsten Gericht, vor dem auch Liliom, mit viel Charisma verkörpert von Jakob Leo Stark, schlussendlich Rechenschaft ablegen muss. Dies nach einem Leben auf der sprichwörtlichen Achterbahn, hatte er doch sein Auskommen als Animateur, beim, Frau Muskat gehörenden, Ringelspiel auf dem Rummelplatz im Budapester Stadtwäldchen. Dort war er der Star unter den Gauklern, Ausrufer und Schaustellern, angehimmelt von den Mädchen, frivol herausgefordert von den Damen. Als Lebemann und Macho, empfänglich für diesbezügliche, versteckte, auch offene Angebote, nutzte er die Gelegenheiten, missbilligend toleriert von seiner Arbeitgeberin, seiner ebenfalls, wenn auch heimlichen, Verehrerin.

Lilioms neue Beziehung zeitigt ungeahnte Folgen

Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser

Als sich aber bei seinem Techtelmechtel mit der aufmüpfigen Julie etwas Ernsteres anzubahnen schien, kam es zum Eklat. Frau Muskat stellte sich offen gegen die, sie demütigende, Beziehung. Dies liess sich aber der, von sich selbst eingenommene, sich für unantastbar haltende Liliom nicht bieten, stellte sich demonstrativ an die Seite von Julie, worauf er die Kündigung erhielt, somit arbeitslos wurde. Doch statt sich um eine neue Stelle zu bemühen, zog er mit seinem Kumpel Ficsur um die Häuser, durch die Strassen und Kneipen um zu saufen und zu spielen. Einer, von Julie vorgeschlagenen, Anstellung als Hauswartpaar, verweigerte er sich ebenso, wie einer möglichen Rückkehr zum Ringelspiel. Frustriert von seinem verpfuschten Dasein, liess er die daraus entstehenden Aggressionen physisch und auch psychisch an der geduldig ertragenden Julie aus. Diese, von ihrer Freundin Marie auf Lilioms Verhalten angesprochen, spielte alles herunter, verharmloste es, liess sich nicht zu Konsequenzen, in Form einer Trennung vom Haustyrannen überzeugen. Auch Warnungen von Hollunder (der dem Paar kostenlos Wohnraum zur Verfügung stellte), prallten an der gebeutelten, naiv verliebten Julie ab.  Dramatisch wurde die Situation, als sich Julie Liliom als schwanger outete und sich in diesem so etwas wie Verantwortungsbewusstsein regte. So suchte er, in Verbund mit Kumpel Ficsur, nach einer Möglichkeit, möglichst schnell und ohne grossen Aufwand zu richtig viel Geld zu kommen, genug, um mit Julie und dem erwarteten Kind nach Amerika abzuhauen.

Starkes Spiel der Akteure

Auf der, relativ spartanisch eingerichteten Bühne, entwickelte sich das Geschehen, spitzten sich die Ereignisse dramatisch zu, interpretiert von einem grandiosen Ensemble. Die von Ferenc Molnar (1878 – 1952, eigentlich Ferenc Neumann), verfasste und autobiografisch geprägte Parabel, lässt sich ohne Modernisierung der Charaktere, wie von Regisseurin Nina Mattenklotz demonstriert, eins zu eins auch in die heutige Zeit transponieren, wo jede Art von Gewalt, von unserer, scheinbar teflonbeschichteten Gesellschaft, nicht, oder unbeteiligt zur Kenntnis genommen, an Gleichgültigkeit abprallt oder absorbiert wird.

Etwas zu viele Längen in einigen Szenen

Wenn die Regisseurin jetzt noch einige Längen eliminiert und die Inszenierung etwas strafft, kann das Stück nur gewinnen, ohne Tiefgang zu verlieren. Das ist ohne Qualitätsverlust durchaus möglich. Gut, wusste die grandiose Wiebke Kayser als Julie, die angesprochenen Längen mit ihrem intensiven Spiel, ihren Bewegungen, Gestik und Mimik zu überbrücken, sonst hätte die Inszenierung kippen können.

Lilioms himmlische Begegnung

Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser

Grandios dann auch Liliom Jakob Leo Stark, der, nachdem er sich unmittelbar nach einem missglückten Raubüberfall (ausgeführt zusammen mit Fiscur), das Leben genommen hatte, vor dem höchsten Richter verantworten musste. Dies unter der dem, für diese Szene aktualisierten Bühnenbild, mit der Neonüberschrift „Gott ist gerecht“. Es entwickelte sich ein skurriler, manchmal auch ironisch witziger Dialog zwischen Gott und Liliom, der sich auch in dieser Umgebung vorlaut und aufmüpfig präsentierte. Schlussendlich kassierte er u.a. 16 Jahre Fegefeuer als Strafe, was ihn aber, wie sich zeigen sollte, nicht wirklich läuterte. Zudem müsse er sich wieder auf die Erde begeben, um seiner, inzwischen 16 jährigen Tochter, etwas Gutes zu tun. Seine Rückfrage, ob er, Gott, ihm sage, was er tun könne, erhielt er abschlägigen Bescheid. So machte er sich auf, steckte nebenbei noch einen Stern ein, den er seiner Tochter schenken wollte. Angekommen in seinem alten Leben, respektive der mit damit verbundenen Umgebung, trifft er auf seine, auf einem Riitiseili (Schaukelbrett), sitzende, fast schon erwachsene Tochter (Wiebke Kayser) und erkundigt sich u.a. nach deren Vater , also sich selbst. Da sie ihm auf diese und andere Fragen keine ausreichenden Antworten gibt, oder geben kann, fällt er wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster zurück und schlägt sie. So schliesst sich der Kreis von häuslicher Gewalt, den offensichtlich, fatalerweise, auch seine Tochter als gegeben empfindet und widerspruchslos hinnimmt, ihn (Liliom) gar noch verteidigt.

Stimmungsvolle Musikbegleitung

Sehr gut auch die musikalische Dauerbegleitung von Luzian Jenny am Akkordeon, der das Geschehen mal mit  Musette ähnlichen, von Paris angehauchten, mal mit sizilianisch und/oder sardisch klingenden Melodien untermalte. Da konnte es sich Christian Baus (Ficsur) nicht verkneifen, den Klassiker „Dimmi quando, sag mir wann“ mitzusingen.

Dass Auditorium spendete langanhaltenden Applaus, würdigte besonders die Parforceleistung der beiden Hauptakteure Wiebke Kayser und Jakob Leo Stark.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/12/luzerner-theaterliliom-eine-vorstadtlegende-von-ferenc-molnar-premiere-12-januar-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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