Zum Hauptinhalt springen
Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten

Konstantin Wecker und Band: Poesie und Widerstand KKL Luzern, 18. Dezember 2017, besucht von Léonard Wüst

Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten
Konstantin Wecker Foto Thomas Karsten

Besetzung: Konstantin Wecker mit Band, Jubiläumskonzert zum 70. Geburtstag

Poesie und Widerstand

Rezension:

Unermüdlich engagiert präsentierte sich das Urgestein aus Bayern im gut besetzten Konzertsaal des KKL in Luzern. Nachdem sich seine fünf Mitmusiker (darunter eine Dame) auf der Bühne platziert hatten, enterte auch Wecker unter grossem Applaus und Jubel dieselbe. Er greift in die Tasten des Konzertflügels und die rockige Version von „Sage Nein“ ist der fulminante Start ins Konzert, das sich dann, je länger je mehr zu einer musikalischen Lesung der ganz besonderen Art entwickeln sollte. Gleich nach dem Lied begrüsste Wecker das Publikum und erklärte, dass er das, original in D-Moll komponierte Lied, glaubte in eine andere Tonart transponieren zu müssen (und auch tat), da der Grundakkord von D-Moll absteigend, ja aus den drei Tönen A,  F, D bestehe. Dieses Statement quittierte das Publikum mit starkem Applaus.

Der Balance-Akt zwischen ruhigem, zumeist auf dem Piano vorgetragenen Liedgut „Endlich wieder unten, „Niemals Applaus“ (Für meinen Vater), „Die weisse Rose“ und Weltmusik -Exzessen im Stile von „Weltenbrand„, meisterte  der Liedermacher-Guru nahtlos und energiegeladen.

Konstantin Wecker c Wilschewski BR
Konstantin Wecker c Wilschewski BR

Es folgte Lied auf Lied, unterbrochen durch Monologe, Anekdoten aus seinem prallgefüllten Leben und natürlich Applaus, viel Applaus. Zwischendurch hatten auch seine Mitmusiker, von denen ein jeder mindestens zwei Instrumente beherrschte, Gelegenheit, mit Soli zu glänzen. So spielte z.B. die Cellistin ebenso gut den Elektrobass, der Violinist beherrschte auch die Leadgitarre ausgezeichnet, usw. Wecker meinte, er habe 50 Jahre darauf gewartet, endlich 70 zu werden, die ersten 20 Lebensjahre könne man ja nicht voll anrechnen. Dann interpretierte er Lieder aus seinem frühen Schaffen, danach sang er sich nach und nach über die jüngste Vergangenheit, z.B. mit „Der alte Kaiser“ (komponiert als Hommage an die Aufständischen auf dem Tahrir-Platz) bis in die Gegenwart. Ein Streifzug durch ein ganzes Künstlerleben, das nicht nur mit Glanzlichtern gesegnet ist, sondern auch grosse Brüche aufweist.

Noch immer mal wütender Rebell, mal zärtlicher Poet

Konstantin Wecker c Ufuk Arslan
Konstantin Wecker c Ufuk Arslan

Wecker kam aber immer gestärkt zurück, nichts konnte seiner Popularität etwas anhaben. Wecker-Fans sind unerschütterlich und treu ergeben. Amüsiert schaut der Künstler zurück. Seinen Karrierestart als Darsteller in Softpornos nutzt er gar, um sein Machoimage zu untermauern. Ein Gehabe, dass sogar seinem verehrten Vater einst die Bemerkung entlockte: „Aha, Männlein will Mann spielen.“

Selbst eine so grosse Künstlerin wie Mercedes Sosa coverte mit „Ich singe weil ich ein Lied hab“, einen Wecker-Song, das Lied, das sie auch gemeinsam bei einem Konzert 1988 in Wien, zusätzlich ergänzt durch Joan Baez, interpretierten.

Eine unendlich erscheinende Karriere

Über 50 Jahre schon bespielt Wecker die Bühnen Europas, gar der Welt, und es macht nicht den Anschein, als ob er nächstens in Rente geht und sein spätes Familienidyll noch intensiver geniessen will. Unruhig unterwegs ist er noch immer. Vielleicht, Altersweisheit geschuldet, nicht mehr ganz so zornig, nicht aber weniger engagiert. Seinen Anhängern, meist im gleichen Alter, geht es wohl ähnlich. Alt-68er. Von Utopisten zu Realisten mutiert, ohne ihre Träume zu verlieren oder Idealen abzuschwören. Wecker und Band interpretieren Song für Song, ergänzt durch des Meisters Anekdoten und Erinnerungen an musikalische Weggefährten, amüsante und ernste Begebenheiten, Lebensirrtümern, Irrwegen und Verfehlungen. Die späte Rückkehr auf den Pfad der Tugend, unterstützt von seiner damaligen Frau Annik, bereichert durch die beiden gemeinsamen Söhne.

Vielseitigkeit ist ein Markenzeichen von Konstantin Wecker

Konstantin Wecker und Hannes Wader Foto Thomas Karsten
Konstantin Wecker und Hannes Wader Foto Thomas Karsten

Er singt nicht nur seine Lieder. Er textete und komponierte auch für andere, wirkte als Schauspieler in vielen Gastrollen mit, komponierte Filmmusik, schrieb gar ganze Musicals, u.a., das Hundertwasser-Musical, zusammen mit Christopher Franke das Musical Ludwig, usw. Seit dem Wintersemester 2007/2008 hat Wecker an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einen offiziellen Lehrauftrag angenommen. Immer wieder engagiert er sich politisch und auch sozial an vorderster Front, wurde und ist eine Ikone der antifaschistischen Bewegung

Unterstützung durch grossartige Mitmusiker

Unterstützt von seiner grossartigen Band  erlebten wir eine, auch instrumental, begeisternde Performance. Im ersten, rund 90-minütigen Konzertteil bestand für einen kurzen Moment die Gefahr, dass Wecker etwas allzu lange den „Moralapostel“ in sich raus lässt, aber da er dies immer mit grosser Glaubwürdigkeit und nicht als Phrasendrescher macht, wirkte es nie peinlich oder belehrend. Am stärksten und berührendsten immer die Momente, wenn der Künstler von ihm geschriebene Poesie rezitierte, meist mit feiner Backgroundmusik seiner Band unterlegt

Auch beeindruckend der zweite Konzertteil

Nach der Pause gings nahtlos weiter mit berührenden Texten und eindrücklichen Melodien des rebellischen Poeten (oder doch eher des poetischen Rebellen?) und seinen Mitmusikern. Gar einen „Wehdam“, den bayerischen Blues, packten sie aus, den sie dann ausführlich zelebrierten mit vielen Soli, einem antreibenden, fordernden Wecker und der zum Schluss mit viel Drive fast in eine Art Mix von Rock`n Roll/Boogie Woogie mündete.

Glanzlicht des zweiten Konzertteils war „Niemals Applaus“, eine rezitierte Hommage an seinen nicht sehr erfolgreichen als Opernsänger tätigen Vater, unterlegt mit der Puccini-Arie „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“.

Als erste Zugabe setzte der weise reifere Herr mit „Ich habe einen Traum“ ein weiteres markantes Ausrufezeichen, worauf sich das Publikum erhob und ihrem so vertrauten, langjährigen Begleiter und seinen exzellenten Mitmusikern eine tosende, nicht endende „Standing Ovation“ bereitet. Dafür wurden wir mit einer weiteren Zugabe belohnt.

Der Ausnahmekünstler animierte das Auditorium noch zum Mitsingen der „Ode an die Freude“, welche er auf „weckersche Art“ intonierte und textete. Er verliess die Bühne, singend, streifte durch die Sitzreihen, umarmte diese und jenen, feierte seine Fans, die wiederum feierten ihn, kehrte schlussendlich auf die Bühne zurück und genoss mit seinen Mitmusikern eine langanhaltende stehende Ovation. Wecker bleibt Wecker, immer ein aussergewöhnliches Erlebnis.

Konstantin Wecker – Mercedes Sosa – Joan Baez – Ich singe weil ich ein Lied hab – Wien 1988:

www.youtube.com/watch?v=LhHAaJqjVhc

Konstantin Wecker: „Sage Nein!“

www.youtube.com/watch?v=aZtmfCJRErY

Ich hab einen Traum:

youtu.be/CfJawNZm-rQ

Niemals Applaus (Für Meinen Vater)

laut.de/Konstantin-Wecker/Songs/Niemals-Applaus-Fuer-Meinen-Vater-966835

Der Wehdam (Bayrischer Blues)

www.youtube.com/watch?v=ghAD319gpas

Ein Konzert von: www.abc-production.ch/

Fotos: www.abc-production.ch/ und Wikipedia und Homepage von

www.wecker.de/de/start.html

Text: www.leonardwuest.ch

Homepages der andern Kolumnisten: www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch
www.annarybinski.ch
Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 522
Luzerner Theater Dance Box, Foto Copyright Olivia Lecomte

Luzerner Theater, Dance Box Kleine Choreographien von und mit dem Tanzensemble, 15. Dezember 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater Dance Box, Foto Copyright Olivia Lecomte
Luzerner Theater Dance Box, Foto Copyright Olivia Lecomte

Dance Box» zeigt kleine, hausgemachte Choreographien. Im Bühnenbild der aktuellen Produktion entstehen unterschiedliche Kurzstücke – von und mit dem Ensemble von «Tanz Luzerner Theater».

Rezension:

Foto Copyright Olivia Lecomte
Foto Copyright Olivia Lecomte

Einmal pro Jahr versuchen sich die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles «Tanz Luzerner Theater» in eigenen Choreografien, das nennt sich «Dance-Makers» und spielt sich jeweils im Südpol ab. Sozusagen die kleine Schwester davon ist «Dance-Box». Es sind dieselben Vorgaben, die Tänzer erarbeiten ihre eigenen Stücke und präsentieren diese in der Box beim Luzerner Theater. Die Stücke sind kurz, ein Miniatur-Format, frei von jeglichen Vorgaben, in das sie viel Herzblut stecken und sich als Choreografen ausprobieren und entfalten können.

Kleines Format – grosse Gefühle

Foto Copyright Sade Mamedova
Foto Copyright Sade Mamedova

Fünf Miniaturen waren es, Choreografien von Tom van de Ven, Giovanni Insaudo, Dor Mamalia, Zach Enquist und Carlos Kerr Jr., jedes Stück anders. Im ersten «I Have Never Felt» gehen und rennen 4 Tänzer im Quadrat um ihr Leben, rund um 4 Paar Schuhe, die verteilt auf der Bühne liegen. Das hat etwas roboterhaft Koordiniertes und gleichzeitig Orientierungsloses, Gehetztes. Dann bleibt nur noch eine fragile junge Frau auf der Bühne (Aurélie Robichon), die sich in erratischen Bewegungen zu befreien sucht. Ganz anders «Sandra» von Giovanni Insaudo. Sandra Salietti Aguilera tanzt zu Maria Nazionales «Ragione e sentimento», mal mit ihrem Handstaubsauger, mit dem sie sich Bewegungen aus Hals, Beinen und Füssen saugt, mal ganz allein. Lasziv, verführerisch und doch irgendwie tieftraurig in ihrem hauchdünnen Negligé tanzt sie das neapolitanische Lied über Vernunft und Gefühl, versetzt mit Stimmengewirr – Träumereien einer sehnsuchtsvollen Hausfrau. Dor Mamalia präsentiert «Bump», in welchem drei Tänzer/-innen ab und an aneinander prallen, wie es der Titel des Stücks andeutet. Die Choreografie von Carlos Kerr Jr. hat etwas leicht Beängstigendes, auch ausgelöst durch die Musik von Sontag Shogun & Masayoshi Fujita; repetitive Bewegungen, Körper verkrümmen sich, bäumen sich auf. Am Eindrücklichsten und mit viel Potential «Salou» von Zach Enquist. Ein Mann sitzt am Boden und beschreibt die Umgebung, eine Wohnungsbesichtigung oder –beschreibung? Eine Frau versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Sie nähert sich ihm, klebt sich an ihn, windet sich um ihn herum wie eine Schlange, imitiert seine Bewegungen, während er unbehelligt weiterspricht. Dann geht er langsam auf sie ein, fängt an, mit ihr zu spielen, als wäre ihr Kopf ein Ball, lässt diesen unter sich durch rollen, über seine Arme und Schultern, zwischen seinen Beinen. Da kreiert Enquist starke Bilder, welche Sade Mamedova und Louis Steinmetz gekonnt umsetzen.

Foto Copyright Olivia Lecomte
Foto Copyright Olivia Lecomte

Ein kleines, feines Format, die «Dance-Box». Einerseits kommt man den Tänzerinnen und Tänzern ganz nahe, näher noch als bei «Dance-Makers», andererseits bekommt man einen Einblick in das, was sie ganz persönlich interessiert und bewegt. Bleibt zu hoffen, wie es sich auch die künstlerische Leiterin Kathleen Mc Nurney wünscht, dass dieses Format wieder vermehrt zu sehen sein wird in der Box.

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

Homepages der andern Kolumnisten: www.leonardwuest.ch
 
 
Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst
  • Aufrufe: 428

Lucerne Festival, Der Cellist Kian Soltani erhält den Credit Suisse Young Artist Award 2018

Cellist Kian Soltani
Cellist Kian Soltani

Den Credit Suisse Young Artist Award 2018 bekommt der Cellist Kian Soltani. Die Jury unter Vorsitz von Michael Haefliger, Intendant von Lucerne Festival wählte den Preisträger nach der gestrigen Audition im Wiener Musikverein. Der Award ist mit CHF 75ʼ000 eine der höchstdotierten Auszeichnungen der Branche und wird 2018 zum zehnten Mal verliehen. Der Preis beinhaltet ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern im Rahmen des Sommer-Festivals. Dieses findet am 8. September 2018 unter der Leitung von Franz Welser-Möst im Konzertsaal des KKL Luzern statt.

Der Cellist Kian Soltani stammt aus einer persischen Musikerfamilie. Er wurde 1992 im österreichischen Bregenz geboren und begann im Alter von zwölf Jahren sein Cellostudium bei Ivan Monighetti an der Musik-Akademie Basel. Überdies nahm er an Meisterkursen unter anderem von Sol Gabetta, und Jens Peter Maintz teil und schloss sein Studium als «Junger Solist» bei Frans Helmerson an der Kronberg Academy ab. 2013 gewann Soltani den Ersten Preis bei der «International Paulo Cello Competition» in Helsinki; 2014 wurde ihm dann der Luitpold-Preis des Kissinger Sommers verliehen. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival erhielt er den «Leonard Bernstein Award». Als Stipendiat wird er von der Anne-Sophie Mutter Stiftung gefördert. Soltani konzertierte als Solist mit dem NDR-Sinfonieorchester, dem Helsinki Philharmonic, der London Sinfonietta, dem Sinfonieorchester Basel und dem Tonhalle-Orchester Zürich. 2015 und 2017 trat Kian Soltani als Solocellist mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim bei Lucerne Festival auf. Die Veröffentlichung seines Debut-Albums mit Werken für Cello und Klavier von Schubert, Schumann und Reza Vali ist für Anfang 2018 geplant.

Der Credit Suisse Young Artist Award ist eine Initiative von Lucerne Festival, den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft für Musikfreunde Wien sowie der Credit Suisse Foundation. Herausragende junge Musikerpersönlichkeiten erhalten den Preis für ausserordentliche Leistungen. Die Preisträger erhalten Mittel und eine Auftrittsmöglichkeit im Rahmen von Lucerne Festival. Der Preis ist mit CHF 75ʼ000 dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben (alternierend mit dem Prix Credit Suisse Jeunes Solistes zur Förderung hochbegabter junger Musikerinnen und Musiker in der Schweiz). Das Höchstalter beträgt 30 Jahre. Die Einladung zur Teilnahme erfolgt auf dem Weg der Berufung durch Fachpersonen. Neben dem Vorsitzenden Michael Haefliger sind Professor Alexander Steinberger, Vize-Vorstand der Wiener Philharmoniker, Dr. Thomas Angyan, Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, sowie Dr. Peter Hagmann, Musikkritiker, und Pamela Rosenberg, Intendantin Emeritus der Berliner Philharmoniker, in der Jury. Die bisherigen Preisträger waren Quirine Viersen (Violoncello/2000), Patricia Kopatchinskaja (Violine/2002), Sol Gabetta (Violoncello/2004), Martin Helmchen (Klavier/2006), Antoine Tamestit (Viola/2008), Nicolas Altstaedt (Violoncello/2010), Vilde Frang (Violine/2012), Sergey Khachatryan (Violine/2014) und Simone Rubino (Schlagzeug/2016). Die Credit Suisse ist seit 1993 Hauptsponsor von Lucerne Festival im Sommer und unterstützt die jährlichen Konzerte der Wiener Philharmoniker.

Weitere Informationen zum Künstler: kiansoltani.com

  • Aufrufe: 375
Rathaus Graz Foto Graz Tourismus Harry Schiffer

Grazer Klavierwettbewerb, besucht von Anna Rybinski

Rathaus Graz Foto Graz Tourismus Harry Schiffer
Rathaus Graz Foto Graz Tourismus Harry Schiffer

88 Tasten,  glückliche Gesichter und manch’ verdrückte Träne …

Einen Klavierwettbewerb kann man auch lapidar beschreiben. Aber es wird des wichtigen Anlasses nicht gerecht, der im Leben der begabten Jungtalente so viel bedeutet.

Wettbewerbsplakat, Grafik Petra Temmel

Wie im jüngsten Fall. Sie reisten nach monatelanger harter Arbeit nach Graz und spielten ihr Programm einer kompetenten Jury vor. Die Anspannung war gross; es ging um nichts Geringeres,  als die Bestätigung ihres Talents, ihrer Arbeit und um den jahrelangen Einsatz der Lehrpersonen und der ganzen Familie.

Und oft geht es bei einem Wettbewerb auch um die Zukunft dieser Jugendlichen. Darf man vom Pianisten Beruf träumen? Muss man sich eingestehen, dass die Musik zwar grosse Freude macht,  als Broterwerb jedoch nicht in Frage kommt? Nach einem Treffen, wo sich die musikalische Elite aus verschiedenen Ländern präsentiert, werden manche  die eigenen Ziele und Möglichkeiten  klarer  erkennen.

Die 5. Austragung des internationalen Béla Bartók Wettbewerbs

Alexandra Balog 1. Preis ODPictures

Es traten 90 Teilnehmer aus 21 Nationen an – so viel wie noch nie in seiner jungen Geschichte. Es kamen Jugendliche unter anderem aus Aserbaidschan, Italien,  Korea und China nach Graz. Zahlenmässig war Ungarn am stärksten vertreten – verständlich, wenn der Namensgeber des Wettbewerbs der grösste ungarische Komponist, Béla Bartók ist. Aus dem Gastland Österreich, und erfreulicherweise auch aus der Steiermark war die Teilnehmerzahl hoch, gefolgt von Slowenien.

Kai Gergov 1. Preis Eigenaufnahme

Es ist immer wieder eine logistische Meisterleistung, bei einem internationalen Musikwettbewerb die Vorspiele und die Betreuung der KandidatInnen mit unterschiedlichem Sprachhintergrund zufriedenstellend zu organisieren. Was es alles  an Einsatz braucht,  die aufgeregten, teils sehr jungen  Teilnehmer mit ihren Begleitpersonen  zu empfangen, Auskünfte zu geben, anhand eines minuziösem Zeitplans die nötigen Übungsstunden zu sichern,  für alle Fragen und Probleme da zu sein! Das Wichtigste ist jedoch: Das Erklären, Loben, Trösten und das Erteilen von wertvollen Ratschlägen nach der Rangverkündigung. Das Landeskonservatorium Steiermark schuf optimale Bedingungen für die Vorspielrunden, die Gäste fühlten sich gut aufgehoben, es folgten aufregende Gespräche und es kam zu manchen Begegnungen, die zukunftweisend werden könnten.

Der Verlauf des Wettbewerb

Stephanie Fournier Sonderpreis Eigenaufnahme

Für die Organisation waren die Internationale Musikgesellschaft Österreich Béla Bartók (Präsidentin Eva Ott) und das Johann-Joseph-Fux-Konservatorium  des Landes Steiermark (Direktor Mag. Eduard Lanner) verantwortlich.

In der Wettbewerbsjury sassen neben den beiden im weiteren Elisabeth Väth-Schadler (Kärntner Landeskonservatorium), Angelika Ferra (Johann-Joseph-Fux-Konservatorium) und Markus Schirmer (Kunstuniversität Graz).

Jurymitgieder mit Preisträgern Eigenaufnahme

In sechs Altersgruppen eingeteilt konnten die jungen Talente ihr Können unter Beweis stellen: Der Jüngste war kaum 7, der Älteste 25. Das hohe Niveau hat sowohl die Jurymitglieder, als auch die Zuhörer überrascht. Ein Dreikäsehoch, kaum sieben Jahre, spielte mit Musikalität und Frische  eine schwierige Mozartsonate so reizend, dass Markus Schirmer voll des  Lobes war: »Stilistisch alles richtig! « Ein Fünfzehnjähriger brillierte mit einem Ravel-Werk, das halsbrecherische Virtuosität und Klangkultur von einem Pianisten abverlangt.  Eva Ott  war begeistert: »Wie ein Zauberer – wie macht er das? «

In der Tat war das technische Niveau der Jugendlichen erstaunlich hoch. Sie hatten Freude an der eigenen Fingerfertigkeit, auch wenn damit die menschlich-musikalische Reife noch nicht immer schritthalten konnte. Gerade darum erklärte Direktor Eduard Lanner ausdrücklich bei jeder Rangverkündigung: »Für die Jury stand die musikalische Leistung im Vordergrund! «Das war richtig so.

Auf alle Fälle haben die Teilnehmer die Werke von Bartók so gut kennengelernt und verinnerlicht, wie sich das die Initiatorin des Wettbewerbs, Eva Ott  gewünscht hat. Die Arbeit hat sich gelohnt,  die Verantwortlichen haben einen wichtigen  internationalen Klavierwettbewerb erfolgreich über die Bühne gebracht. Der grosse Erfolg gehört aber den jungen MusikerInnen.

Die  PreisträgerInnen und die Preise

Einen 1. Preis haben erhalten:

 

Gergov Kai,  Bulgarien/Japan                                            Altersgruppe 1         ( 7-9 Jahre)

Bradshaw  Ryan Martin,  Slowakei/Australien           Altersgruppe  2 (10-12 Jahre)

Lee Geonhee, Südkorea                                                 Altersgruppe  3 (13-15 Jahre)

Hütter Kristin Sophie,  Österreich                                   Altersgruppe  4          (16- 18 Jahre)

Pichlbauer Florian, Österreich                                         Altersgruppe   5    (19- 21 Jahre)

Horváth Abel, Ungarn                                                         Altersgruppe   5         (19- 21 Jahre)

Balog Alexandra, Ungarn                                            Altersgruppe   6     (22- 25 Jahre)

 

Neben dem 1., 2. und 3. Preis wurden noch Spezialpreise in jeder Altersgruppe jeweils für die besten Interpretationen eines Werkes von Béla Bartók und von einem steirischen Komponisten vergeben, die freiwillig ausgewählt werden durften.

Zusammen mit den  Diplomen wurden auch Geschenke in Wert von 6.000€  überreicht: Musiknoten für die jüngeren  und  Geldpreise für die älteren TeilnehmerInnen.

Die vollständige Liste der Preisträger:

 

http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/12630239_74836685/7f5e5c83/Gesamtresultat%20Bartokwettbewerb_Lanner.pdf

Link zum Video:

https://www.youtube.com/watch?v=leJ_trKO264

Text: annarybinski.ch/

Homepages der andern Kolumnisten:www.gabrielabucher.ch
 

Paul Ott:www.literatur.li

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst
  • Aufrufe: 608