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Erlebnistag – Konzert 3 Asian Youth Orchestra, Dirigent Matthias Bamert, 27. August 2017, besucht von Léonard Wüst

Asian Youth Orchestra © Gabriel Mara Isserlis
Asian Youth Orchestra © Gabriel Mara Isserlis

Besetzung und Programm:

Gustav Mahler (1860–1911)
Sinfonie Nr. 1 D-Dur

 

Rezension:

Matthias Bamert  Dirigent
Matthias Bamert Dirigent

Matthias Bamert (u.a. von 1992 bis 1998 Intendant der Internationalen Musikfestwochen Luzern, heute Lucerne Festival), feierte im Juli seinen 75. Geburtstag. Er hat viel Erfahrung mit asiatischen Orchestern, war er doch u.a. von 2005 bis 2008 Chefdirigent des Malaysian Philharmonic Orchestra was ihm sicherlich dienlich war bei diesem Konzert mit den jungen Musikerinnen und Musiker des in Hongkong beheimateten AYO, Asian Youth Orchestra ( gegründet 1990 von Yehudi Menuhin und Richard Pontzious). Dieses ist bereits das zweite asiatische Orchester, nach dem Shanghai Symphony Orchestra am 20. August, das am diesjährigen Lucerne Festival im Sommer debütiert.

Mehrfach ausgezeichnetes Orchester

Es setzt sich aus zirka 110 Talenten zwischen 17 und 27 Jahren aus China, Taiwan, Hongkong, Indonesien, Japan, Korea, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam zusammen, die jährlich ausgewählt werden. Das AYO, Asian Youth Orchestra wurde 2010 mit dem «Praemium Imperiale Grant for Young Artists» und 2015 mit dem «Nikkei Asia Prize» ausgezeichnet. Es absolviert dieses Jahr eine Konzertreise, die nach China, Japan, in die USA und zwölf europäische Städte führt. Unter der Leitung Menuhins gab es im August 1990 sein erstes öffentliches Konzert.

Grundsätzliches zu Gustav Mahler und zur 1. Sinfonie

Mahler liebte zahlenmässig grosse Orchester, denn, so der Komponist: eine Sinfonie zu komponieren bedeutet, mit allen Mitteln der existierenden Technik eine Welt aufzubauen. Gustav Mahler gab seiner 10. Sinfonie  zeitweilig den Beinamen Titan,  nach dem Roman „Titan“ von Jean Paul,  zog den Titel aber später wieder zurück. Sie kam im November 1889, unter seiner Leitung und von ihm als „Sinfonische Dichtung“ bezeichnet,  in Budapest zur Uraufführung. Das Werk wurde von Kritik und Publikum aber kühl und verständnislos aufgenommen. Es ist dramaturgisch so angelegt, dass alles auf das furios, mächtige Finale hinführt. Also wenig Spektakuläres in den Zwischensätzen, für die sich Mahler reichlich Motiven anderer Komponisten bediente, u.a. aus Franz Liszts „Dante Sinfonie, Richard Wagners „Parsifal“ und inspiriert von Dantes „Commedia divina“. Ausnahme sind im dritten Satz die Variationen des französischen Volksliedes „Frère Jacques, dormez vous?“ Dieses wird zuerst von den Kontrabässen intoniert, später von den Bläsern übernommen, weitergereicht an die Streicher, dann wieder vom ganzen Orchester variiert. Integriert auch Motive seines eigenen, vierten Gesellenliedes. Matthias Bamert führte das Orchester behutsam, trotzdem bestimmt durch die Partitur und baute die Spannung punktgenau auf. Er verfolgte eine klare Linie, trieb seine Mitmusiker vorsichtig, aber stetig voran, bis er „seinen“ Klang gefunden hatte. Dieser mündete dann ins heldenhafte Finale, dessen letzter Teil das Blech stehend absolvierte, quasi über den andern Instrumente stehend.

Natürlich begeistert diese tonale Machtdemonstration heute das Publikum weltweit und war auch in Luzern so. Mit kräftigem, stürmischem Beifall, garniert mit vereinzelten Bravorufen, verdanke das Auditorium diese superbe Demonstration. Der Dirigent holte dann für die einzelnen Sektionen noch Extraapplaus ab, der bei den Bläsern besonders stürmisch ausfiel. Der nicht enden wollende Applaus führte schlussendlich noch in eine stehende Ovation, von den Protagonisten sichtlich genossen

Junge Musiker ohne Berührungsängste

Es waren erstaunlich viele asiatische Touristen im Publikum, die nach dem Konzert ein Foto des Orchesters machen wollten. Die Musikerinnen gaben sich völlig unkompliziert, setzten sich auf Wunsch gar an den Bühnenrand, gruppierten sich ganz nach Wünschen der Motivjäger. Auch für Selfies posierten sie geduldig, seis im Verbund, oder einzeln. Dafür gabs vom Publikum noch einen Sonderapplaus

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Bregenzer Festspiele, „Carmen“ auf der Seebühne, 20. August 2017, besucht von Léonard Wüst

Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen
Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen

Musikalische Leitung Jordan de Souza
Inszenierung Kasper Holten
Bühne Es Devlin
Kostüme Anja Vang Kragh
Licht Bruno Poet
Video Luke Halls
Ton Gernot Gögele | Alwin Bösch
Chorleitung Lukáš Vasilek | Benjamin Lack
Choreographie Signe Fabricius
Stuntchoreographie Ran Arthur Braun
Dramaturgie Olaf A. Schmitt

 

Besetzung

Carmen Lena Belkina
Don José  Martin Muehle
Escamillo Andrew Foster-Williams
Micaëla Melissa Petit
Frasquita Jana Baumeister
Mercédès Marion Lebègue
Zuniga Sébastien Soulès
Moralès Rafael Fingerlos
Remendado István Horváth
Dancaïro Adrian Clarke

Stuntmen | Tänzer | Statisten
Bregenzer Festspielchor
Prager Philharmonischer Chor
Kinderchor der Musikmittelschule Bregenz-Stadt
Wiener Symphoniker

Rezension:

Carmen Wasserballett
Carmen Wasserballett

Bei meinem allerersten Besuch auf der Seebühne 1992 stand ebenfalls „Carmen“ auf dem Programm. Hatte damals die Tribüne fast noch ausgesehen wie ein Baugerüst mit Sitzplätzen, ist heute alles viel mondäner, bequemer, inkl. geeigneter moderner Toilettenanlagen, fast alles, was zur Infrastruktur eines Opernhauses gehört. Die weltgrösste Seebühne (7000 Plätze) wird seit 1947 bespielt, wobei der Standort nicht immer am aktuellen Platz war. Zu Beginn der Festspiele im, Jahr 1946, als die Seebühne aus zwei Kieskähnen im Bregenzer Gondelhafen bestand, gab es ein Konzert mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem See. Für die „Entführung aus dem Serail“ von W. A. Mozart der ersten Oper, wechselte man im Jahre 1947 ins Strandbad, 1950 Begann dann das Spiel auf der heutigen Seebühne mit der Operette „Gasparone“ von Carl Millöcker.

Das Publikum strömt jeden Sommer in Massen an den Bodensee

Lena Belkina
Lena Belkina

Seither pilgern jedes Jahr um die 200000 Zuschauer nach Bregenz, um dieses weltweit einmalige Spektakel zu sehen. Die Aufführungen auf der Seebühne sind faktisch immer ausverkauft, frühzeitig Tickets erstehen ist ein Muss. Während der Festspielzeit werden, nebst der Seebühne, auch noch die folgenden Spielstätten bespielt: Das Festspielhaus und das Opernstudio am Kornmarkt So zählt man Jahr für Jahr total  250000 Festspielbesucher. Welche Bedeutung die Festspiele haben, zeigt die Tatsache, dass diese immer vom österreichischen Bundespräsidenten persönlich eröffnet werden. So tat dies  heuer am 19. Juli Alexander van der Bellen. Dabei anwesend war, nebst anderer Prominenz, auch die schweizerische Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Vergleich der Carmen Darstellerin von 1992 mit der von 2017

Szenenfoto Carmen
Szenenfoto Carmen

Im Jahre 1992 verkörperte Julia Migenes die Titelrolle auf der Seebühne (diese hatte sie 1983 auch im gleichnamigen, sehr erfolgreichen Film an der Seite von Plàcido Domingo und unter der Regie von Francesco Rosi inne). Für mich war damals klar, eine erotischere „Carmen“ gabs vorher noch nie und wird es auch nie mehr geben.

Deshalb war ich natürlich auf die diesjährige Titelfigur besonders gespannt und musste mich eines Besseren belehren lassen. Lena Belkina, ein richtiges „Vollweib“, die an diesem Abend die Carmen gab, gelang es auch bestens, knisternde Erotik rüberzubringen und bezirzte so nicht nur die Herren auf der Bühne, sondern auch sehr viele ebensolcher auf der Zuschauertribüne.

Auch dieses Jahr ein spektakuläres Bühnenbild

Seebühne tagsüber
Seebühne tagsüber

Beim Bühnenbild im Jahre 1992 bildete die Taverne des Lillas Pastia den Mittelpunkt, heuer lässt es viele Interpretationen zu, die Spielkarten, gehalten von den zwei 20 Meter hohen Händen,  stehen symbolisch für das Kartenlegen, das unter Fahrenden (was „Carmen“, als Zigeunerin, im weitesten Sinne ja auch ist), grosse Tradition hat. Nebst den bekannten Arien stachen folgende Aktionen besonders hervor: Eine Balletteinlage, teilweise im Wasser stehend performt. Die Flucht von „Carmen“ mittels Kopfsprung in den See. Die zwei Tänzer, die mit eleganten Bewegungen, einer als Torero, der andere als Stier,  einen Stierkampf nachstellten. Das spektakuläre Feuerwerk zum Schluss, das den Bodensee Nachthimmel erleuchtete.

Fazit des Abends

Abendstimmung auf der Seebühne
Abendstimmung auf der Seebühne

Ein Feuerwerk als Ganzes war auch die Inszenierung auf der Seebühne, auch dank Mitwirkenden, die man auf der Bühne, ausser über die zwei Monitore, gar nicht sieht, also die Wiener Sinfoniker und die diversen Chorformationen,( alle, wie jedes Jahr, mit grossartigen Leistungen). Ebenso die Techniker, die alles, auch noch so komplizierte, im Griff haben und so auch wesentlich zum Gesamtkunstwerk „Carmen auf der Seebühne“ beitragen. Dies belohnten die 7000 Zuschauer mit langanhaltendem, kräftigem Applaus.

Fotodiashow von Dietmar Mathis:

www.fotogalerien.wordpress.com/2017/08/13/bregenzer-festspiele-carmen-spiel-auf-dem-see-fotodiashow-von-dietmar-mathis/

Text: www.leonardwuest.ch  Fotos: bregenzerfestspiele.com/de

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Bregenzer Festspiele, „Carmen“ auf der Seebühne, 20. August 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen
Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen

Musikalische Leitung Jordan de Souza
Inszenierung Kasper Holten
Bühne Es Devlin
Kostüme Anja Vang Kragh
Licht Bruno Poet
Video Luke Halls
Ton Gernot Gögele | Alwin Bösch
Chorleitung Lukáš Vasilek | Benjamin Lack
Choreographie Signe Fabricius
Stuntchoreographie Ran Arthur Braun
Dramaturgie Olaf A. Schmitt

 

Besetzung

Carmen Lena Belkina
Don José  Martin Muehle
Escamillo Andrew Foster-Williams
Micaëla Melissa Petit
Frasquita Jana Baumeister
Mercédès Marion Lebègue
Zuniga Sébastien Soulès
Moralès Rafael Fingerlos
Remendado István Horváth
Dancaïro Adrian Clarke

Stuntmen | Tänzer | Statisten
Bregenzer Festspielchor
Prager Philharmonischer Chor
Kinderchor der Musikmittelschule Bregenz-Stadt
Wiener Symphoniker

Rezension:

Abendstimmung auf der Seebühne, Ankunft Kursschiff
Abendstimmung auf der Seebühne, Ankunft Kursschiff

Carmen in Bregenz, bei Weitem nicht meine erste Carmen, aber mein erstes Mal Bregenz. Und ich muss gestehen, ich hatte meine Vorbehalte: 7000 Besucher, ungedeckte Bühne, wie wohl die Sitzplätze sein würden, die Akustik, die Verhältnisse im Gourmetzelt bei so vielen Menschen? Und da ist da noch meine generelle leise Skepsis gegenüber Produktionen die man «einfach-unbedingt-gesehen-haben-muss».

Vorneweg; alle Bedenken haben sich zerschlagen, was eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Hinter dem Ganzen steckt eine jahrzehntelange Erfahrung und die ist omnipräsent.

 

Die Natur hilft mit

Seebühne tagsüber
Seebühne tagsüber

Die Möglichkeit, am Nachmittag den «Schauplatz» anzusehen, ist spannend und macht neugierig. Die beiden Hände, die da aus dem Wasser ragen, die Nägel mit abgeblättertem Lack, das fliegende Kartenspiel zwischen den Fingern, darüber hat man viel gelesen seit Beginn der Spielzeit. Das sieht imposant aus, aber auch etwas leblos im grellen Tageslicht. Die Tribüne ist riesig, aber trotzdem überschaubar. Am frühen Abend dann ein farbiges Gewusel vor dem Festspielhaus, aber es herrscht eine festliche Stimmung, im Gourmetzelt eine gemütliche Atmosphäre, freundlicher Service und es kommt nie ein Gefühl von «Masse» auf. Da gibt es praktisch kein Anstehen, alles ist perfekt orchestriert, läuft vor sich hin. Dazu kommt das herrliche Wetter, der Himmel hinter den Händen, welche nun bereits sehr viel lebendiger wirken im Abendlicht, gibt sich unglaublich Mühe, ein Maximum aus seiner Farbpalette herauszuholen. Die Tribüne füllt sich, da ist keine Eile zu spüren, das Meer an Köpfen erinnert je länger je mehr an einen riesigen, grob gewobenen Teppich. Und während die untergehende Sonne einen immer spektakuläreren Kulissenhintergrund kreiert, kommt die MS München beinahe lautlos über den silbrig grauen See geglitten und ein nicht enden wollender Strom von schwarzen Silhouetten ergiesst sich aus ihrem Bauch über den Steg Richtung Tribüne.

 

Ein Fest der Sinne

Szenenfoto Carmen
Szenenfoto Carmen

Der Einstieg ist gelungen, die Natur hat sich ihre eigene Ouvertüre gegönnt. Pünktlich erklingen dann die ersten Töne der musikalischen Ouvertüre und es zeigt sich, auch die Akustik ist tadellos! Und nun läuft der  Abend von Bild zu Bild, von Szene zu Szene, eine  Farbsymphonie, ein Spektakel für alle Sinne. Alles ist da, von wunderbar farbigen Tutti-Szenen bis hin zu intimen Momenten trotz Grösse der Bühne, von eindrucksvollen Stunteinlagen über künstlichen Regen, geräuschlose Feuerwerke, Boote, die mit blinkenden Laternen aus dem Nichts erscheinen, das ist mehr als Oper, das ist auch Unterhaltung pur. Anfänglich wagt sich noch eine neugierige Ente von links ins Bühnenbild, rechtzeitig zur Arie «L’amour est un oiseau rebelle» und schafft ihren Abgang punktgerecht rechts nach der ersten Strophe. Danach flirrt noch ab und zu eine Fledermaus vor der Bühne durch. Und dann schaut man nur noch gebannt auf diese spektakuläre Kulisse, die riesigen Karten, die abwechslungsweise Spiel- und Tarotkarten, Projektionsfläche für Bilder, für  Videoeinlagen der Sängerinnen und Sänger werden, man bewundert das das unglaubliche Wasserballett, die waghalsigen Stunts auf und über den Karten. Die kleinen Figuren, die da ganz oben auf den Spielkarten herumturnen, wirken im Nachthimmel wie Kobolde.

 

Tolle Solisten

Szenenfoto Carmen
Szenenfoto Carmen

Die Sängerinnen und Sänger überzeugen ebenfalls, allen voran an diesem letzten Abend Lena Belkina als Carmen, dunkel, verführerisch, provozierend, Martin Muehle als Don José mit dem nötigen Schmelz aber auch dem nötigen Schmerz in der Stimme, Mélissa Petit als Micaëla, klar und bestimmt und Andrew Foster-Williams (Escamillo), anfänglich mit etwas Mühe, nicht vom Orchester überdeckt zu werden, aber mit zunehmend mehr Kraft und Ausdruck.

 

Abendstimmung auf der Seebühne
Abendstimmung auf der Seebühne

Einziger kleiner Vorbehalt: Wegen der Distanz zu den Akteuren bleiben der mimische Ausdruck und somit die Gefühle ab und zu etwas auf der Strecke. Stimme und Gesang reichen nicht immer aus, diese zu transportieren. Abgesehen davon war diese erste Bregenz-Erfahrung aber in jeder Hinsicht ein voller Erfolg und ja, es ist so: Man muss diese Produktion unbedingt gesehen haben, die Möglichkeit dazu bietet sich wieder ab 19. Juli 2018.

 

Fotodiashow von Dietmar Mathis:

www.fotogalerien.wordpress.com/2017/08/13/bregenzer-festspiele-carmen-spiel-auf-dem-see-fotodiashow-von-dietmar-mathis/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: bregenzerfestspiele.com/de

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Lucerne Festival, Rezital 1 – Klavier Maurizio Pollini, 21. August 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Maurizio Pollini, Solist am Piano
Maurizio Pollini, Solist am Piano

Besetzung und Programm:

Robert Schumann (1810–1856)
Arabeske C-Dur op. 18
Allegro h-Moll op. 8
Fantasie C-Dur op. 17
Frédéric Chopin (1810–1849)
Nocturne f-Moll op. 55 Nr. 1
Nocturne Es-Dur op. 55 Nr. 2
Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58

 

Rezension:

Er kommt leicht gebückt auf die Bühne, setzt sich an seinen Flügel und beginnt mit Schumanns Arabeske in C-Dur op. 18. Eine «reizende kleine Nichtigkeit» wurde sie auch schon genannt, «mit leichter Geste hingeworfen». So hätte man sie sich gewünscht, ganz so kam sie aber nicht daher. Da war teilweise etwas Verwaschenes, Unpräzises in Pollinis Spiel, es fehlte an Ausdruck. Dasselbe im Allegro in h-Moll op. 8 und später teilweise auch in der Fantasie C-Dur op. 17. Ab und zu blitzten zwar expressiv-melancholische Momente auf in der Fantasie und Pollini brachte seinen Flügel durchaus zum Singen. Irgendwie wollte dieser Schumann aber nicht auf Touren kommen, es fehlte das Drängende, die Leidenschaft, als entspräche diese Musik nicht mehr ganz Pollinis Lebensabschnitt. Der Funke sprang nicht wirklich, obwohl seine Finger immer noch verblüffend virtuos über die Tasten fliegen, man spürte auch eine ganz leichte Ratlosigkeit im Publikum.

 

Maurizio Pollini c Cosimo Filippini
Maurizio Pollini c Cosimo Filippini

Anders im zweiten Teil mit Chopin, wo er sicherer, expressiver und ausgeglichener scheint. Er setzt die zwei Nocturnes op. 55 Nr. 1 und Nr. 2 leicht-luftig in den Saal, reiht die Töne perlend aneinander, kleine Ungereimtheiten fallen weniger auf und es entsteht ein Zwiegespräch zwischen Pollini und Chopin, was auch das Publikum spürt. Da ist mehr Gefühl in den sanften Tönen, eine Leichtigkeit in den Phrasierungen, Chopin geht ihm leicht von der Hand, da versinkt er drin und geht gleichzeitig darin auf. Jetzt ist auch die Spannung da im Publikum, die Stille hat eine ganz andere Qualität und der Applaus ist unendlich viel grösser als nach dem ersten Teil. Mit einer Standing Ovation bedankt sich das Publikum beim Altmeister, mit zwei ausschweifenden Zugaben, ebenfalls von Chopin, bedankt dieser sich beim Publikum und geht danach immer noch leicht gebückt aber mit einem milden Lächeln von der Bühne.

Text: www.leonardwuest.ch  Fotos: www.lucernefestival.ch

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