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Bregenzer Festspiele, Wenn Sprache zu Musik wird

 

Wenn Sprache zu Musik wird c Anja Koehler
Wenn Sprache zu Musik wird c Anja Koehler

Die Auftragskomposition To the Lighthouse feiert am 16. August ihre Uraufführung. In einem mehr als dreijährigen Schaffensprozess entstand die Oper im Rahmen des Festspiel-Opernateliers. Regisseur Olivier Tambosi spricht im Wochenpost-Interview über die Stimme Virginia Woolfs und den Luxus, mit einem Komponisten zusammenarbeiten zu dürfen. 2016 inszenierten Sie im Festspielhaus den Schauspiel-Klassiker Hamlet als Opernversion. Unterscheidet sich Ihre Herangehensweise an die Inszenierung der Uraufführung von To the Lighthouse? Hamlet ist zwar eine Oper von 1865, ist aber seit 1871 nicht mehr aufgeführt worden. Dadurch war das auch fast wie eine Uraufführung. In Bezug auf To the Lighthouse ist besonders spannend, dass man es normalerweise mit verstorbenen Komponisten zu tun hat. Die Auseinandersetzung ist eine einseitige Sache. Zesses Seglias als Komponisten hier zu haben, macht daraus einen Dialog. Fragen nicht nur über Musik werden möglich: Was hast du dir vorgestellt beim Komponieren dieser Melodie, gab es eine szenische Idee, noch bevor die Musik da war? Ich empfinde das als einen Luxus. Wie gehen Sie damit um, keine Vergleichsbasis zu haben – ist es leichter oder schwerer? Das ist eigentlich der Normalzustand von Theater. In Schauspielhäusern werden regelmäßig neue Stücke gespielt. Bei uns in der Oper hat sich das Anfang des 20. Jahrhunderts geändert, früher gab es sehr wohl eine Menge an Uraufführungen. Nach der Einschränkung der Kunst im Dritten Reich und den Trümmern nach Ende des Krieges, wollte niemand mehr ansetzen, wo man 1933 aufgehört hat. Man wollte versöhnliche Töne spielen, wodurch ein Bruch entstand, der das Moderne als schwierig und unangenehm gelten ließ. Ich freue mich sehr, dass ich nun endlich wieder etwas noch nie Gespieltes inszenieren darf. Was ist die Faszination an Virginia Woolfs Stoff? An sich würde man eher nicht daran denken, aus irgendeinem Text von Virginia Woolf ein Theaterstück oder eine Oper zu machen. Die Texte sind sehr für‘s Lesen geschaffen, man kann zurückblättern, um Schwieriges zu verstehen und Dinge zu verdauen. Hingegen findet Theater live statt, das ist eine ganz andere Situation. Dem leider verstorbenen Ernst Binder ist allerdings ein tolles, gut gebautes Libretto gelungen, das nicht das Buch an sich sein will, sondern etwas Neues. Ich habe die Inszenierung übernommen, erst nachdem ich sinnlich angesprochen war von Zesses Seglias Klängen. Der Text kann noch so toll sein, Oper erzählt sich primär über Musik. Der Komponist hat eine besondere Begabung: Er findet eine eigene musikalische Sprache für das, was Virginia Woolf literarisch macht – für den Bewusstseinsstrom. Er fängt das Denken der Figuren in seiner Musik ein und macht es für den Zuhörer erfassbar. Dabei gibt Zesses Seglias dem Ganzen nicht nur die Farbe der Worte, sondern auch die Farbe seines Erinnerns an vergangene Dialoge. Das bringt eine Qualität mit, die sich mit dem Text auf eine spannende Art verbindet. Nach dem Tod Ernst Binders sind Sie als Regisseur in einen bereits begonnenen Kreativprozess hinzugekommen. Wie war das? Die Frage ist immer, ob man übernehmen kann, was schon da ist. Ausschlaggebend war für mich, wie schon gesagt, die Musik. Was außerdem schon entworfen war, war etwas, das man nicht „Bühnenbild“ nennen kann. Die Besonderheit ist, dass man mit Jakob Kolding nicht einen Bühnenbildner ins Boot geholt hat, sondern einen bildenden Künstler. Mehrere Kunstebenen kommunizieren hier miteinander und werden am Ende mehr als die Summe der Teile. Ich fand das alles sehr toll und habe zugesagt. Mehr als sechs Monate ist das her und ich konnte mich in dieser Zeit noch sehr gut einarbeiten. Haben Sie eine Szene, die Sie besonders fasziniert und gab es auch sperrige Momente? Spaß macht alles und schwierig ist auch alles. In dieser Oper gibt es drei große Szenen, die von sehr unterschiedlicher Farbe sind. Das bringt große Abwechslung, man begibt sich auf eine Reise durch die Zeit. Das erleben wir aus der Perspektive einer alten Frau, der Haushälterin, die aber gleichzeitig die Stimme Virginia Woolfs, des Jahrhunderts oder die Stimme des Hauses selbst ist, das immer mehr verfällt. So tun sich seelische Abgründe auf, von denen ich glaube, dass sie den Zuseher emotional erreichen. Insgesamt bin ich ein Fan von der Produktion geworden – vor allem aber vom Komponisten. Ich denke schon darüber nach, welche Opernstoffe ich in Zukunft mit ihm realisieren kann. www.bregenzerfestspiele.com/[content_block id=45503 slug=unterstuetzen-sie-dieses-unabhaengige-onlineportal-mit-einem-ihnen-angesemmen-erscheinenden-beitrag]  

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Bregenzer Festspiele, 82 kuriose Requisiten bei „Carmen“

82 kuriose Requisiten bei
82 kuriose Requisiten bei "Carmen"

 Was machen Salami, Salat und Süßigkeiten auf der Seebühne? Und wie personalisiert man elektrische Zigaretten für 80 Mitwirkende? Die Antworten gibt's hier.

  1. Das Schmuggler-Sandwich So etwas gab es wohl noch nie auf der Seebühne, zumindest kann sich niemand daran erinnern: Ein reichlich belegtes Salami-Baguette feiert sein Debüt. Das erste Seebühnen-Wurstbrot spielt eine wichtige Rolle, dient es doch einem Schmuggler als Proviant. Während der Proben konkurrierte das Sandwich noch mit einem Backhendl – für Regisseur Kasper Holten zu unpraktisch und deswegen abserviert.

Wirklich genießbar ist das Sandwich jedoch nicht: Für den Zusammenhalt sorgen dünne Fäden, die um das Brötchen gewickelt sind. Sie verhindern, dass Wurst, Salat und Baguette auseinanderfallen. Daniela Felix von der Requisite präpariert die Schmugglerjause vor jeder Vorstellung.

  1. Ein süßer Hochkaräter Mindestens so schmackhaft wie das Schmuggler-Sandwich ist Carmens Finger-Ring. Denn statt eines echten Diamanten, der Ring von Don Josés Geliebten mit einem Karamell-Zuckerl besetzt. Um dem aus Holz geschnitzten Ring echten Glanz zu verleihen, färbte Requisiten-Chef Helmut Schweizer die Zuckermasse mit grüner Lebensmittelfarbe und ließ diese in einer speziell dafür angefertigten Gipsform trocknen. Das Karamell-Zuckerl nimmt darauf den Platz eines Hochkaräters ein. Aus Liebe zum Detail und für neugierige Ferngläser ließ sich Schweizer diese Kreation einfallen. In jedem Fall spart der zuckersüße Holzring viel Geld.
  2. 80 E-Zigaretten Ebenfalls wohlschmeckend und trotzdem nicht gesundheitsgefährdend sind 80 elektrische Zigaretten. Ein kompletter Chor, alle Tänzerinnen und Tänzer sowie Solistinnen und Solisten müssen jeden Abend damit ausgestattet werden. Helmut Schweizers Lösung: Die 80 Zigaretten sind mit nikotinfreiem Fluid gefüllt und stehen vor den Aufführungen in ihrer Ladestation zur Abholung bereit. Um Verwechslungen zu vermeiden, sind die Zigaretten mit Nummern versehen und den Rauchenden zugeteilt. www.bregenzerfestspiele.com/[content_block id=45503 slug=unterstuetzen-sie-dieses-unabhaengige-onlineportal-mit-einem-ihnen-angesemmen-erscheinenden-beitrag]

   

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Bregenzer Festspiele, Carmens Kindheit Video-Serie Künstlereingang Folge 9

Kinder-Carmen-Darstellerinnen Efsa Topal und Lea Gratzer
Kinder-Carmen-Darstellerinnen Efsa Topal und Lea Gratzer

Die Kinder-Carmen-Darstellerinnen Efsa Topal und Lea Gratzer im Video-Portrait beim „Künstlereingang“. 40 Kinder des Kinderchors der Musikmittelschule Bregenz-Stadt wirken bei jeder Carmen-Aufführung mit. Efsa Topal und Lea Gratzer übernehmen eine Sonderrolle: Abwechselnd spielen sie Carmen im Kindesalter.

Wie die zwei Vierzehnjährigen die Zeit vor ihrem Auftritt verbringen und welche Aufgabe sie auf der Bühne haben, erzählen Efsa und Lea in der neunten Folge des „Künstlereingangs“. 40 Kinder des Kinderchors der Musikmittelschule Bregenz-Stadt wirken bei jeder Carmen-Aufführung mit. Efsa Topal und Lea Gratzer übernehmen eine Sonderrolle: Abwechselnd spielen sie Carmen im Kindesalter. Wie die zwei Vierzehnjährigen die Zeit vor ihrem Auftritt verbringen und welche Aufgabe sie auf der Bühne haben, erzählen Efsa und Lea in der neunten Folge des „Künstlereingangs“. Immer freitags: kleine Szenen abseits der großen Bühnen Für Neugierige und all jene, die schon immer mal durch den Künstlereingang ins Festspielhaus gelangen wollten, öffnen die Bregenzer Festspiele in der gleichnamigen Serie per Video ihre Backstage-Pforten. Von Probenstart bis Ende der Festspielzeit lässt jeweils freitags ein Kurzfilm auf die kleinen Szenen abseits der großen Bühnen blicken. Mitwirkende vor und hinter den Kulissen erzählen in rund zwei Minuten ihre ganz persönlichen Erlebnisse. Auf der Homepage des Festivals unter www.bregenzerfestspiele.com stehen die Videos jeweils ab Freitagnachmittag zum Ansehen bereit.[content_block id=45503 slug=unterstuetzen-sie-dieses-unabhaengige-onlineportal-mit-einem-ihnen-angesemmen-erscheinenden-beitrag]  

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Blue Balls Festival 17, Benjamin Clementine, 29. Juli, besucht von Léonard Wüst

Benjamin Clementine
Benjamin Clementine
Rezension:

Festivaldirektor Urs Leierer begrüsste das Publikum zum abschliessenden Konzert des diesjährigen Blueballs Festival im Konzertsaal und versprach mit dem kommenden Act von Benjamin Clementine sein persönliches Highlight dieses Festivals.

Benjamin Clementine mit weissem Cape
Benjamin Clementine mit weissem Cape

Zuerst betraten fünf, in weisse Overalls gekleidete Backgroundsängerinnen die Bühne, gefolgt von der Band, bestehend aus einer Keyboarderin, einem Bassisten und dem Schlagzeuger. Im Vordergrund stand der Konzertflügel, an den sich der grossgewachsene Londoner mit ghanaischen Wurzeln setzte. Barfuss, ganz in Schwarz gekleidet, mit einem weissen Cape über den Schultern drapiert, mit seinem hochtoupierten Haar wirkte er mystisch, fast düster. Gestartet wurde mit einem kurzen Schlagzeugintro für „By the Ports of Europe“. Gefolgt von einem weiteren, bevor er die Hymne an seine Geburtsstadt „London“, geschickt die Halleffekte des weissen Saals auslotend, zum Besten gab, heftig umjubelt vom Publikum, im nicht ganz voll besetzten Saal. Dann die rhetorische Frage ans Publikum, ob er hier in der french side oder german side of Switzerland sei. Hier in Lausanne. Zwar holte er sich ein paar Lacher ab, bis geklärt war, dass er hier in Lozärn auf der german side der Schweiz sei. Aber auch hier überlanges Zwischenspiel, aber dem Publikum hat es gefallen.

Einbezug des Publikums, Aufforderung zum Mitsingen

Benjamin Clementine mit Backgroundsängerinnen und Keyboarderin
Benjamin Clementine mit Backgroundsängerinnen und Keyboarderin

Dann ein anderer seiner bekannten Titel mit „Jupiter“, gefolgt von weiteren, bevor er mit „Condolence“ die Botschaft ans Publikum sandte mitzusingen, was dieses dann auch, mehr und/oder weniger kompetent, tat und nimmermüde „I am sending my condolence to you“ intonierte bis zum Geht nicht mehr und zum Abwinken, immer wieder animiert durch den Protagonisten.

Am Klavier hämmert er sich die Seele aus dem Leib, dazu singt er mit vibrierender, voller Stimme in tiefen, grollenden und hohen, warmen Lagen. Seine Musik lässt sich nicht einordnen, Jazz ist es nicht, Soul auch nicht, er selbst sagt: „Ich habe kein Genre. Ich bin Benjamin. Niemand macht, was ich mache. Niemand macht, was ich mache. Wenn Sie mir richtig zuhören, können Sie mich nicht kategorisieren.“ (Zitat von Claire Beermann im Zeitmagazin).

Sehr guter Musiker mit einer aussergewöhnlichen Stimme ist nicht zwangsläufig ein guter Entertainer

Benjamin Clementine
Benjamin Clementine

Leider fast immer in der gleichen Lautstärke, statt variierend, in denselben drei Tonarten, bloss einmal in einem anderen Rhythmus, 6/8, statt immer im 4/4 Beat. Kein Ausreisser nach unten, ausser die ausufernd  langen Deklamationen zwischen den Songs, leider auch kein Ausreisser nach oben, sieht man von der Zugabe mal ab. Der Performer wäre, so wie am Blueballs Festival 2015, im Luzerner Saal wohl besser aufgehoben gewesen.

Er reihte weiter Song an Song, beklatscht vom animierten Publikum durchmischten Alters. Und ebendieses applaudierte am Ende des Sets solange, bis sich auf der Bühne, auch hier nach unendlich lang scheinender Dauer, wieder etwas regte

Die Zugabe wurde zum Höhepunkt eines etwas eintönigen Konzertes

Benjamin Clementine  © Coco Capitán
Benjamin Clementine © Coco Capitán

Dann erfasste ein Scheinwerfer die Keyboarderin, die jetzt mit einem Cello auf dem Stuhl sitzend, eine Improvisation intonierte, während sie auf Clementine wartete, der sich dann ans Piano setzte, den weissen Umhang ablegte und mit „Adios“ die Zugabe startete, die dann  querbeet weiterging und schlussendlich im Refrain „Eldery man“, zu dem sich der Sänger immer singend, auch noch durch den Saal bewegte. Er animierte auch hier und dort einen Fan zum Mitsingen, um schlussendlich, immer heftiger umjubelt, wieder auf die Bühne zurück zu kehren, worauf er auch noch mit einer langandauernden „Standing Ovation“ belohnt wurde. www.blueballs.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie www.innerschweizonline.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet die www.bochumer-zeitung.com

Blueballs Festival 2017, Xavier Naidoo, 21. Juli 2017

www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87235134-blue-balls-festival-17,-xavier-naidoo,-21-juli,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Blueballs Festival 2017, Taj Mahal & Keb'Mo' , 23. Juli 2017

www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87235176-blue-balls-festival-17,-taj-mahal-keb’mo‘,-23-juli,-besucht-von-léonard-wüst

Blueballs Festival 2017, Patty Smith, 27. Juli 2017

www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87235264-blue-balls-festival-17,-patti-smith,-27-juli,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Benjamin Clementine – Condolence

www.youtube.com/watch?v=6DU6lDPs-AQ

 

Benjamin Clementine – London

www.youtube.com/watch?v=6RJMhYtYKM

 
 
 
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