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Gesundheit

Genetische Fehlfunktion von Astrozyten löst Migräne aus

Neurowissenschaftler der Universität Zürich haben den Mechanismus
entschlüsselt, der für familiär bedingte Migräne verantwortlich ist: Durch
eine genetische Fehlfunktion können be-stimmte Hirnzellen, die für
Schmerzverarbeitung zuständig sind, überschüssige Reize nicht abbauen.
Stattdessen rufen sie starke Kopfschmerzen hervor.

Jeder siebte Mensch leidet an Migräne – eine soziale und wirtschaftliche
Belastung sowohl für die Betroffenen wie auch ihr Umfeld. Mehrere Hinweise
deuten darauf hin, dass die Krankheit durch eine Störung bei der
Verarbeitung und Integration von sensorischen Signalen beim Sehen, Hören
oder Riechen hervorgerufen wird. Diese Dysfunktion kann auch zwischen den
eigentlichen Migräne-Episoden auftreten: So reagieren Patienten auch in
den Phasen zwischen zwei Schüben viel intensi-ver auf sensorische Reize
als Menschen, die nicht von Migräne betroffen sind. Welche zellulären
Mechanismen dafür verantwortlich sind, ist noch weitgehend unbekannt.

Fehlfunktion von Astrozyten im cingulären Kortex

Neurowissenschaftler am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der
Universität Zürich konnten in Zusammenarbeit mit der Universität Padua den
Mechanismus bei einer speziellen Form der Krank-heit identifizieren. Die
sogenannte familiäre hemiplegische Migräne Typ 2 (FHM2) wird durch eine
genetische Mutation verursacht und ist vererbbar. Das Team unter der
Leitung von Mirko Santello zeigt nun, dass eine Fehlfunktion von
Astrozyten im cingulären Kortex – eine Hirnregion, die am Schmerzempfinden
beteiligt ist – die Migräne fördert.

«Trotz ihrer Häufigkeit wurden die Astrozyten, welche die Prozesse des
zentralen Nervensystems stark beeinflussen, von der Neurowissenschaft
lange übersehen», sagt Mirko Santello, Letztautor der Studie. Die
sternförmigen Zellen sind extrem wichtig, um die von den Neuronen
freigesetzten Boten-stoffe abzubauen. Doch genau diese Funktion – die
Eliminierung überschüssiger Neurotransmitter wie Glutamat – können die
Astrozyten bei familiär bedingter Migräne nicht wahrnehmen. «Da die
Glutamataufnahme der Astrozyten beeinträchtigt ist, werden die
Nervenzellen im cingulären Kortex viel stärker erregbar als normal. Was
dazu führt, dass die Neuronen noch mehr Botenstoffe ausschüt-ten», sagt
Santello.

Weniger Migräne-Vorkommen durch genetische Manipulationen

Zudem beeinflusst diese Fehlfunktion im cingulären Kortex auch die
Häufigkeit von Migräne. Im Mausmodell zeigen die Forschenden, dass die
Tiere empfindlicher gegenüber den Auslösern von Kopfschmerzen sind. «Indem
wir die Astrozyten im cingulären Kortex genetisch veränderten, konnten wir
ihre Fehlfunktion umkehren. Dies verringerte bei Mäusen mit diesem
Gendefekt die starken Kopf-schmerzen», sagt Jennifer Romanos, Erstautorin
der Studie.

Migräne ist eine komplizierte Erkrankung, die einen grossen Teils des
Nervensystems betrifft. «Unse-re Ergebnisse zeigen klar auf, wie eine
genetisch bedingte Funktionsstörung der Astrozyten die Akti-vität der
Neuronen beeinflusst und sie empfindlicher macht gegenüber Reizen, die
Kopfschmerzen auslösen», erklärt Mirko Santello. Die Studie trage dazu
bei, die Pathophysiologie der Migräne besser zu verstehen, und lege nahe,
dass der cinguläre Kortex vermutlich ein kritischer Knotenpunkt der
Krankheit sei, so Santello. Die Erkenntnisse könnte dazu beitragen, neue
Behandlungsstrategien gegen familiäre Migräne zu entwickeln.

Literatur:
Jennifer Romanos, Dietmar Benke, Daniela Pietrobon, Hanns Ulrich Zeilhofer
and Mirko Santello. Astrocyte dysfunction increases cortical dendritic
excitability and promotes cranial pain in familial mi-graine. Science
Advances. 5 June 2020. DOI: 10.1126/sciadv.aaz1584

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Schüler der 61. Grundschule in Dresden freuen sich zusammen mit dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (Mitte), Schulleiterin Regine Rogalla und Prof. Martin Bornhäuser (NCT/UCC, Uniklinik Dresden) über die Auszeichnung als Sonnenchecker-Schule.  René Jungnickel

Hautkrebsprävention: Bundesweites Sonnenschutzprojekt für Grundschüler der 1. und 2. Klassen gestartet

Schüler der 61. Grundschule in Dresden freuen sich zusammen mit dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (Mitte), Schulleiterin Regine Rogalla und Prof. Martin Bornhäuser (NCT/UCC, Uniklinik Dresden) über die Auszeichnung als Sonnenchecker-Schule.  René Jungnickel
Schüler der 61. Grundschule in Dresden freuen sich zusammen mit dem sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (Mitte), Schulleiterin Regine Rogalla und Prof. Martin Bornhäuser (NCT/UCC, Uniklinik Dresden) über die Auszeichnung als Sonnenchecker-Schule. René Jungnickel

Erste Sonnenchecker-Schule ausgezeichnet / Sächsischer Staatsminister für
Kultus, Christian Piwarz, nimmt Auszeichnung mit Schülerinnen und Schülern
der 61. Grundschule in Dresden entgegen

Das Projekt „CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN – Für Grundschulen“ vermittelt
Schülern der Klassen 1 und 2 in speziell konzipierten Unterrichtseinheiten
Wissen über die schädliche Wirkung von UV-Strahlung und über geeigneten
Sonnenschutz. Beim Sonnen-Checker-Rap und einem Apfel-Experiment können
die Schüler das Gelernte mit viel Spaß weiter festigen. Parallel zur
Projektarbeit in den Klassen, entwickeln teilnehmende Schulen ein Konzept,
wie sie Sonnenschutz nachhaltig in ihrer Einrichtung verankern können.

Bundesweit können alle Grundschulen teilnehmen und ein kostenfreies
Projektpaket für Kinder der Klassen 1 und 2 unter
www.ukdd.de/sonnenschutz/grundschule bestellen. Entwickelt wurde das
innovative Programm zur Vorbeugung von Hautkrebs vom Präventionszentrum
des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) im Rahmen
der Kampagne CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN der Deutschen Krebshilfe, in
Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention
e.V. (ADP) und der Universität zu Köln/Uniklinik Köln.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

„Wir brauchen was? Sonnenschutz!“ rappen die Kinder der Klasse 1a der 61.
Grundschule Heinrich Schütz in Dresden. Als erste Schule wurde die
Grundschule heute von der Deutschen Krebshilfe und ihren Projektpartnern
für die erfolgreiche Teilnahme an dem Projekt „CLEVER IN SONNE UND
SCHATTEN – Für Grundschulen“ ausgezeichnet. Kern des Projekts sind zwei
Unterrichtseinheiten rund um das Thema Sonnenschutz, die sich in den
Unterricht integrieren lassen. Das Schul-Projekt baut auf dem Programm
„CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN für Kitas“ auf, das in den vergangenen zwei
Jahren bereits Kindertageseinrichtungen in ganz Deutschland mit über 3.000
kostenfreien Projekt-Paketen erreichte. Während das richtige
Sonnenschutzverhalten im Kita-Bereich spielerisch durch einen Clown
vermittelt wird, erfahren die Grundschüler, dass es verschiedene Arten von
Strahlung gibt, die sich unterschiedlich auf unsere Haut auswirken. Mit
einer Checkliste prüfen sie eigenverantwortlich in einem Zeitraum von zwei
Wochen vor jeder Pause, ob sie alle Regeln für den Sonnenschutz – wie
Eincremen und das Tragen eines Sonnenhuts – beachtet haben.

Die 61. Grundschule in Dresden hat als Pilotschule bei der Entwicklung des
Programms mitgewirkt und in dessen Rahmen zwei Projektwochen initiiert
sowie eine individuelle Sonnenschutzstrategie erarbeitet. „Der Schutz vor
zu viel UV-Strahlung ist für uns alle, aber vor allem für unsere Kinder,
ein wichtiges Thema zur Prävention von Hautkrebs. Die Schule kann einen
Beitrag leisten, indem sie das Verhalten und die Rahmenbedingungen zum
Sonnenschutz stärkt. Ich gratuliere der 61. Grundschule zu dieser
Auszeichnung und freue mich über das Engagement zum UV-Schutz“, sagt der
sächsische Staatsminister für Kultus, Christian Piwarz.

„Wichtig war uns bei der Programmentwicklung, UV-Schutz altersgerecht,
unterhaltsam und in einer für den Sachkundeunterricht geeigneten Form in
die Schulen zu bringen. Schüler beobachten beispielsweise über mehrere
Tage hinweg, wie sich die Schale eines im Schatten liegenden Apfels im
Vergleich zu einem Apfel verändert, der starkem Sonnenlicht ausgesetzt
ist“, erklärt Michaela Wolff vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen
Dresden (NCT/UCC). Das kostenfreie Projektpaket enthält Anregungen zum
Planen einer Sonnenschutzstrategie, Tipps zur Umsetzung von UV-Schutz im
Alltag von Schule und Ganztag sowie Lehrmaterialien, mit denen die Kleinen
zu Sonnen-Checkern werden.

Schulen, die das Programm durchgeführt haben und richtigen UV-Schutz
dauerhaft auf ihre Agenda setzen, können sich als Zeichen ihres
Engagements auszeichnen lassen – sichtbar mit einem Schild für den
Eingangsbereich sowie für die Website. „Wir sprechen das Thema
Sonnenschutz künftig regelmäßig auf Elternabenden an und integrieren die
Projektwochen  jährlich in den Unterricht“, sagt Regine Rogalla, die
Schulleiterin der 61. Grundschule. „Dass wir die erste ausgezeichnete
Schule sind, freut uns sehr.“ Auch in die Kooperationsvereinbarung
zwischen Schule und Hort wird der UV-Schutz aufgenommen. Micha Ahrens von
der Diakonie Dresden und Leiter des Hortes an der 61. Grundschule,
erläutert: „Die Kinder sind gerade während der Hortzeit am Nachmittag viel
draußen auf dem Schulgelände unterwegs. Wir im Hort unterstützen die
Kinder darin, das Gelernte umzusetzen. Bei der nächsten Novellierung des
Sächsischen Bildungsplans werden wir uns zudem dafür einsetzen, das Thema
Sonnenschutz in diesen Leitfaden für pädagogische Fachkräfte aufzunehmen.“

„Für die Deutsche Krebshilfe ist das CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN-Programm
für Grundschulklassen 1 und 2 einer von vielen Bausteinen der
Krebsprävention, der wir uns gemeinsam mit unseren Partnern stellen“,
betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.
Auch Susanne Klehn, die Botschafterin der Deutschen Krebshilfe für
Hautkrebsprävention, ist begeistert: „Als Hautkrebspatientin weiß ich, wie
wichtig Sonnenschutz ist. UV-Schutz muss bei den Kleinsten beginnen, um
Hautkrebs im Erwachsenenalter vorzubeugen. Ich freue mich riesig mit den
Schülerinnen und Schülern sowie der ganzen 61. Grundschule und gratuliere
herzlichst zu der Auszeichnung!“

„UV-Schäden, die in der Kindheit und Jugend erworben werden, sind
maßgeblich für die Entstehung von Hautkrebs in späteren Lebensjahren
verantwortlich“, sagt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der
ADP. Hautkrebs zählt bundesweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Über
272.000 Menschen erkranken derzeit jährlich daran, mehr als 37.000 davon
am malignen Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. „Wir sind überzeugt, dass
diese Zahlen durch Präventionsmaßnahmen deutlich gesenkt werden können und
müssen“, so Breitbart. Davon geht auch Professor Dr. Martin Bornhäuser,
Mitglied im geschäftsführenden Direktorium des NCT/UCC, aus: „Unser gut
etabliertes Programm für Kitas wurde im vergangenen Jahr für seine
Qualität mit dem Hufeland-Preis ausgezeichnet. Ich freue mich, dass das
CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN-Programm wächst und wir bundesweit neben
Kitas auch Schulen erreichen können. Welcher Stellenwert der Prävention in
der Onkologie zukommt, wird in Dresden gerade durch den Aufbau einer DKFZ-
Außenstelle für Zukunftstechnologien zur verbesserten Prävention und
Behandlung von Krebserkrankungen deutlich“, so Bornhäuser.

Gefördert wird das „CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN – Für Grundschulen,
Klassen 1 und 2“-Programm auch durch die BAHN-BKK. „Prävention ist uns
eine Herzensangelegenheit und wir sind davon überzeugt, dass man damit
nicht früh genug anfangen kann“, sagt Hanka Knoche, Vorstand der BAHN-BKK.
„Die UV-Strahlung ist einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung
von Hautkrebs, daher ist die Aufklärung und Sensibilisierung von Kindern
und deren Eltern extrem wichtig. Von den zielgerichteten und
bedarfsgerechten Konzepten für Kitas und Schulen der CLEVER IN SONNE UND
SCHATTEN-Programme sind wir absolut überzeugt“. Seit 2018 ist die BAHN-BKK
Partnerin der CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN-Kampagne.

Bestellung von Materialien:
Schulen und Ganztagseinrichtungen, die sich für das Projektpaket
interessieren, können dies kostenfrei unter
www.ukdd.de/sonnenschutz/grundschule bestellen. Dort und auf der
Internetseite der Deutschen Krebshilfe www.krebshilfe.de/uv-schutz stehen
weitere Materialien zum Download bereit. Materialien für den Unterricht in
3. und 4. Klassen können bei den Projektpartnern von der Universität zu
Köln / Uniklinik Köln unter www.die-sonne-und-wir.de bestellt werden.
Interessierte Kitas können ein kostenfreies Projektpaket unter
www.SonnenschutzClown.de bestellen.

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Paradigmenwechsel in der Schilddrüsen-Forschung könnte Therapie von Schlaganfall und Herzinfarkt voranbringt

Ein neuer Sonderforschungsbereich führt nun einen Perspektivwechsel durch,
der Angebot und Nachfrage von Schilddrüsenhormonen in den jeweiligen
Organen unter die Lupe nimmt. Insbesondere neue Erkenntnisse zu
molekularbiologischen Prozessen und den Einfluss der lokalen
Schilddrüsenhormonwirkung in Gehirn, Leber und Herz sollen ein Licht auf
die Krankheitsentstehung werfen und neue Therapieansätze ermöglichen. Auf
der gemeinsamen Online-Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zeigt eine
Expertin auf, inwiefern Patienten mit Volkserkrankungen wie Herzinfarkt,
Schlaganfall und Lebererkrankung davon profitieren könnten.

Schilddrüsenhormone sind komplexe Regulatoren. Sie bestimmen die
Stoffwechsellage im Körper und haben unter anderem Einfluss auf
Energieverbrauch, Körperwärme, die Aktivität von Nerven, Muskeln, Herz,
Kreislauf, Magen und Darm, das seelische Wohlbefinden, die Sexualität
sowie – insbesondere bei Kindern – die körperliche und geistige
Entwicklung. Darüber hinaus finden noch vielfach unverstandene
molekularbiologische Prozesse in den jeweiligen Zielorganen statt, an
denen Schilddrüsenhormone ganz wesentlich beteilig sind. „Über die
Einzelheiten der Signal- und Transportwege der Schilddrüsenhormone und
ihren Einfluss auf die Entstehung von Volksleiden wie Fettleber,
Schlaganfall und Herzinfarkt – aber auch auf unbekannte seltene
Stoffwechselerkrankungen – müssen wir noch viele Erkenntnisse gewinnen“,
erklärt Professor Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Sprecherin der Sektion
Schilddrüse der DGE. Dies könne in mögliche neue Therapien und
Präventionsmaßnamen einfließen. Auf der gemeinsamen Online-Pressekonferenz
der DDG und DGE stellt sie einen aktuell ins Leben gerufenen
Sonderforschungsbereich zu diesem Thema vor.

Die Blutserumkonzentration von Schilddrüsenhormonen ist nur eine Seite
endokriner Mechanismen. Ein detaillierter Blick auf ihre lokale Wirkung in
Organen wie Herz, Leber und Gehirn gibt weiteren Aufschluss über zelluläre
Mechanismen, an denen Schilddrüsenhormone wesentlich beteiligt sind.
„Erkrankungen, bei denen der Transport von Schilddrüsenhormonen in die
jeweiligen Zellen der Organe durch eine Genmutation unterbunden ist,
zeigen uns, welche Auswirkungen die Abwesenheit dieser Hormone in den
jeweils betroffenen Organen hat“, erklärt Führer-Sakel, Direktorin an der
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am
Universitätsklinikum Essen. Beim Allan-Herndon-Dudley-Syndrom (AHDS) ist
beispielsweise der Transport von Schilddrüsenhormonen in die Organe
gestört. Die Folge sind eine schwere geistige Entwicklungsverzögerung und
Störung der Motorik und des Muskelaufbaus. „Beim AHDS fehlt im Gehirn das
aktive Schilddrüsenhormon T3“, führt Führer-Sakel aus. „Zwar wird dieses
Hormon ausreichend gebildet und ist auch im Blut nachweisbar. Doch der
Transportweg über die Blut-Hirnschranke in die Nervenzellen ist durch eine
Genmutation, die die Funktion eines Hormon-Transporters betrifft,
beeinträchtigt und führt zum entsprechenden Krankheitsbild.“

Auf der anderen Seite kann eine erhöhte Konzentration dieses Hormons in
Organen ebenfalls schädlich sein – auch dieses findet sich beim AHDS.
Zudem zeigen Studien, dass lokale Veränderungen der
Schilddrüsenhormonverfügbarkeit einen Einfluss auf die Entstehung und den
Schweregrad von Schlaganfällen und Herzinfarkt haben. „Schilddrüsenhormone
scheinen zwar prinzipiell einen protektiven Charakter zu haben.
Andererseits kann eine ‚Überdosis´ offenbar zu großen Schäden bei akuten
Ischämien – also der Blutversorgung von Organen – haben“, so Führer-Sakel.
Auch für Lebererkrankungen bestehen ähnliche Vermutungen.

Im neuen Sonderforschungsbereich SFB TR 296 „Local control of TH action
(LocoTact)” wollen Wissenschaftler eines interdisziplinären Konsortiums
nun den Einfluss der lokalen Schilddrüsenhormonwirkung auf physiologische
und pathophysiologische Prozesse untersuchen. Beteiligt sind Kliniker und
Grundlagenwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen, der Universität
zu Lübeck und der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit Forschern von
Helmholtz- und Leibnitz-Instituten sowie der Universität Leipzig. „Dabei
fokussiert sich das Team in der ersten Förderphase auf die bekanntesten
Zielorgane von Schilddrüsenhormonen wie Gehirn, Herz und Leber und
entwickelt Therapiemöglichkeiten auf Grundlage genetischer und
zellbiologischer Erkenntnisse“, fasst Führer-Sakel, Sprecherin des SFB,
das Vorhaben zusammen. Sie stellt am 30. Juni 2020 in der Online-
Pressekonferenz das Thema detailliert vor und geht dabei auf bisherige und
mögliche Erkenntnisse in diesem Forschungsfeld ein.

Programm und Anmeldung unter: https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/presse/pressekonferenzen.html

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Gute Perspektiven für herzkranke Kinder und Erwachsene

Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler am HDZ NRW, Bad
Oeynhausen:
Mehr Eingriffe, sichere Versorgung, neue Projekte

Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler am HDZ NRW, Bad
Oeynhausen: Mehr Eingriffe, sichere Versorgung, neue Projekte

Wenn Prof. Dr. Stephan Schubert am 1. Juli seinen Dienst als Chefarzt der
Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler am Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, antritt, erwartet ihn ein
erfahrenes Team von Spezialisten und qualifizierten Pflegefachkräften, die
seit Jahren eine konstante Versorgung mit einem umfassenden
Therapiespektrum für kleine und große Patienten mit angeborenen
Herzfehlern sicherstellen.

„Am HDZ NRW werden sämtliche verfügbaren, schonenden Eingriffe und
Verfahren eingesetzt mit guter Perspektive, auch bei schwersten
Herzfehlbildungen langfristig eine optimale Lebensqualität zu erzielen“,
betont Dr. Eugen Sandica, langjähriger Direktor der Klinik für
Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler, der das Bad Oeynhausener
Kinderherzzentrum in gemeinsamer Doppelspitze mit Prof. Schubert leiten
wird. „Vom Neugeborenen bis zum Erwachsenen sollen sich unsere Patienten
und ihre Angehörigen zu jeder Zeit gut beraten und aufgehoben fühlen.“ Das
erfolgreiche interdisziplinäre Klinikkonzept habe sich auch in schwierigen
Zeiten des Fachkräftemangels und trotz Coronakrise bewährt. „Jedes 100.
Kind kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt und hat Anspruch auf
eine sichere medizinische Versorgung, daran ändert auch eine Pandemie
nichts.“

Dass im Vergleich zum Vorjahr sogar mehr Operationen und
Katheterinterventionen durchgeführt werden konnten, sei vor allem der
hervorragenden Teamstruktur der beiden Kliniken zu verdanken, betont
Sandica. Die Klinik für Kinderkardiologie ist bereits zum zweiten Male
über einen längeren Zeitraum von Privatdozent Dr. Kai Thorsten Laser
geleitet worden, der dem neuen Chefarzt eine in vielfacher Hinsicht gut
aufgestellte Klinik übergibt: „In unserem Kinderherzkatheterlabor haben
wir großartige Unterstützung von Dr. Gleb Tarusinov erhalten, dem
Leitenden Oberarzt am Herzzentrum Duisburg. Dr. Tarusinov hat im Wechsel
mit Professor Schubert aus Berlin bereits seit Januar dieses Jahres eine
Reihe von sehr komplexen Eingriffen bei uns durchgeführt“, berichtet
Laser.

Laser ist auch Ansprechpartner für die Fortbildung, Lehre und Forschung
der Klinik für Kinderkardiologie und kümmert sich um die Medizinstudenten
der Ruhr-Universität Bochum. Drei interessante Forschungsprojekte der
Klinik werden derzeit vorangetrieben:

•       Noch im Juni startet eine wissenschaftliche Studie zu
Herzkatheterverfahren, die – ohne Einsatz von Röntgenstrahlung - während
der bildgebenden Diagnostikuntersuchung mittels Magnetresonanztherapie
(MRT) durchgeführt werden können.

•       Im Herbst werden die ersten Ergebnisse einer Lerntherapiestudie
mit herzkranken und gesunden Kindern erwartet.

•       Eine neue Kanüle für mechanische Herzunterstützungssysteme wurde
von Dr. Sandica in Zusammenarbeit mit der Firma Berlin Heart GmbH für
Patienten mit Einkammerherzen entwickelt. Das Projekt wird aktuell vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die individuelle
Anpassung an die Bedürfnisse des Patienten im Sinne einer personalisierten
Medizin wird anhand von dreidimensionalen MRT-Datensätzen ermöglicht. Nach
entsprechender Zulassung kann ein Versagen des Herz-Kreislaufsystems bei
Menschen mit Einkammerherzen dauerhaft behandelt werden, bis eine
Transplantation möglich ist.

Rund 4.600 Patienten werden jährlich in der neu strukturierten Ambulanz
des Kinderherzzentrums behandelt, darunter mehr als 1.000 junge Erwachsene
mit einem angeborenen Herzfehler und mehr als 200 herztransplantierte
Kinder und Jugendliche. Mit insgesamt 176 Mitarbeitern, darunter 32 Ärzte,
122 Pflegefachkräfte und Funktionskräfte, ist das Zentrum für angeborene
Herzfehler für die Zukunft gerüstet. „Wir sind zuversichtlich und freuen
uns auf die weiteren Aufgaben“, fassen Dr. Sandica und Dr. Laser die
Stimmung in ihren Teams zusammen. Und auf eine weitere Maßnahme freuen
sich ihre Patienten ganz besonders: Schon in Kürze sollen die Baumaßnahmen
für einen Außenspielbereich und neue Schulungsräume beginnen, die von der
Bild-Stiftung „Ein Herz für Kinder“ gefördert werden.

_

Hintergrundinformationen:
Das Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler des HDZ NRW
wird von den Direktoren der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene
Herzfehler der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler
gemeinsam geleitet. Es zählt zu den international führenden Einrichtungen
zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler und
ist zertifiziertes Zentrum für die Behandlung von Erwachsenen mit
angeborenen Herzfehlern (EMAH). Im Zentrum werden alle Arten von
angeborenen Herzfehlern einschließlich Herztransplantationen und Einsatz
künstlicher Herzunterstützungssysteme mit modernsten Methoden therapiert.
Jährlich werden hier über 1000 Operationen und Herzkathetereingriffe mit
herausragenden Ergebnissen auch im internationalen Vergleich durchgeführt.

Im Februar dieses Jahres sorgte eine weltweite Innovation für
Schlagzeilen: Erstmals wurde in Bad Oeynhausen unter der Leitung von Dr.
Eugen Sandica eine mobile Herzunterstützung eingesetzt. Das System ist das
weltweit erste und einzige, nur 15 Kilogramm leichte und leistungsfähigste
Antriebssystem für eine mobile Herzunterstützung (Excor® Active, Berlin
Heart), dass schwer herzkranken Kindern eine größere Bewegungsfreiheit und
eine deutlich verbesserte Lebensqualität bietet.

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