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Gesundheit

Die altruistische Spende von Augenhornhaut, Herzklappen, Blutgefäßen, Knochen- und Knorpelgewebe ermöglicht Gewebetransplantationen  DGFG

Covid-19-Pandemie fordert Gewebespende und Patientenversorgung mit lebenswichtigen Gewebetransplantaten heraus

Die altruistische Spende von Augenhornhaut, Herzklappen, Blutgefäßen, Knochen- und Knorpelgewebe ermöglicht Gewebetransplantationen  DGFG
Die altruistische Spende von Augenhornhaut, Herzklappen, Blutgefäßen, Knochen- und Knorpelgewebe ermöglicht Gewebetransplantationen DGFG

Die Covid-19-Pandemie hat den regulären Klinikbetrieb stillstehen lassen.
Auch viele Gewebe- und insbesondere Augenhornhauttransplantationen mussten
verschoben werden. Mit der sukzessiven Wiederaufnahme von elektiven
Transplantationen ist für Patienten eine rasche Versorgung mit
Gewebetransplantaten wichtig. Anlässlich des Tags der Organspende am 06.
Juni macht die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) auf
die dringend benötigten Gewebespende aufmerksam.

"Wir stellen uns darauf ein, die Versorgung mit Gewebetransplantaten in
den kommenden Wochen wieder hochzufahren. Wir sehen, dass die
Krankenhäuser die OP-Kapazitäten zügig auf 60 bis 70 Prozent erhöhen.
Statt des sonst typischen Sommerlochs, werden mehr Transplantationen in
der Jahresmitte stattfinden", zeigt sich Martin Börgel, Geschäftsführer
der DGFG, entschlossen. Zu erwarten sei dies, da im April viele
Transplantationen seitens Kliniken, aber auch auf Wunsch von Patienten
selbst, verschoben wurden.

Zudem bliebe das Infektionsgeschehen im kommenden Herbst und Winter
ungewiss und damit auch die Auswirkungen auf elektive Operationen. "Werden
Transplantationen als elektive Operationen verschoben, können diese zu
Notfällen werden. Genau das sehen wir jetzt: Einige der Fälle nähern sich
einer solchen Dringlichkeit, dass Patienten nun umgehend versorgt werden
müssen", beobachtet Börgel und erwartet, dass in den kommenden Monaten
Transplantationen nicht nur nachgeholt, sondern auch vorgezogen werden. Er
verdeutlicht: "Der plötzliche Einschlag durch den Lockdown war heftig. Ich
möchte niemanden auf diesem Weg verlieren". Dies gilt für Patienten, die
auf ein Transplantat angewiesen sind, unterstreicht aber auch das
Bestreben, diese Krise gemeinsam mit Spendekrankenhäusern, Gewebebanken
und transplantierenden Einrichtungen durchzustehen.

Herausforderung: 50 Prozent weniger Gewebetransplantationen

Weltweit haben sich bislang rund sechs Millionen Menschen mit dem SARS-
CoV-2-Virus infiziert. Die bundesweit beschlossenen Maßnahmen zur
Eindämmung der Pandemie und der Aufschub elektiver Operationen stellte die
DGFG dabei vor große Herausforderungen: Während im März das
Transplantationsgeschehen nahezu normal verlief, folgte im April ein
deutlicher Einbruch im Bereich der ophthalmologischen
Gewebetransplantationen um fast 50 Prozent. Trotz des rapiden Rückgangs
kann Deutschland die Transplantationsrate über dem Niveau anderer
europäischer Länder halten. Extrem betroffen ist Italien; die Auswirkungen
auf die hiesige Gewebemedizin verheerend. Nach Angaben der Veneto Eye Bank
Foundation in Venedig, lag die Transplantationsaktivität im April im
Vergleich zur ersten Februarhälfte bei zehn Prozent[i]. Ähnlich prekär ist
auch die Lage in Spanien[ii].

Die kurzfristige Absage von Augenhornhauttransplantationen im April war
insbesondere deswegen planerisch, wirtschaftlich und ethisch
herausfordernd, weil Augenhornhauttransplantate eine begrenzte
Lagerfähigkeit (34 Tage) haben. Auf gesunkene Transplantationskapazitäten
zu reagieren und gleichzeitig eine Notfallversorgung sicherzustellen ist
ein Spagat, den Vermittlungsstelle, Koordinatorinnen und Koordinatoren,
Ärztinnen und Ärzte, Gewebebanken sowie Spendestandorte und -kliniken
gemeinsam gemeistert haben. Dies reflektieren die deutlich niedrigeren
Spendezahlen: 171 Gewebespenden wurden im April durchgeführt; im März
waren es noch 233 und im Februar 271.

Normalität in der Krise: Wieder mehr Gewebespenden

Nun gilt es, Normalität in der Krise zu etablieren und die Spende dem
wieder steigenden Transplantationsaufkommen anzupassen. Im Mai ist dies
bereits gelungen: 243 Menschen spendeten Gewebe. Das bundesweite Netzwerk
von 31 DGFG Standorten und über 100 Spendekrankenhäusern kommt zum Tragen:
Können auf Grund von örtlichem Infektionsgeschehen Spenden an einem
Standort nicht realisiert werden, gleichen andere Standorte dieses Defizit
aus.

Voraussetzung für die Gewebespende ist die Einwilligung seitens Spendern
und Angehörigen. Auch am diesjährigen Tag der Organspende, der virtuell
stattfindet, informiert die DGFG deshalb zur Gewebespende nach dem Tod. In
einem Live-Chat beantwortet die DGFG am Samstag, den 06. Juni, Fragen zur
Gewebespende unter www.organspendetag.de.

Gewebetransplantate sind sicher

Bei der Beurteilung der Gewebesicherheit folgt die DGFG den Leitlinien und
Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Diesem zufolge sei eine
Übertragung respiratorischer Viren durch Implantation, Transplantation,
Infusion oder Transfer von menschlichen Zellen oder Gewebe bisher nicht
beschrieben. Zum aktuellen Zeitpunkt seien keine Fälle einer Übertragung
von SARS-CoV-2 über Gewebezubereitungen berichtet worden[iii].

Das ohnehin sorgfältige Screening potenzieller Gewebespender, wurde um die
explizite Abfrage von Reisetätigkeiten und Aufenthalten in
Covid-19-Risikogebieten und Kontakten mit Covid-19 Infektions- und
Verdachtsfällen erweitert. Potenzielle Gewebespender mit einer bestätigten
SARS-CoV-2-Infektion oder mit Kontakt zu Infizierten werden entsprechend
der Vorgaben des PEI vorsorglich ausgeschlossen.

Transplantationsmediziner äußern sich zur Gewebetransplantation während
der Covid-19-Pandemie*

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchsluger, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Augenheilkunde der Universitätsmedizin Rostock:
"In den vergangenen Wochen hat die Klinik und Poliklinik für
Augenheilkunde der Unimedizin Rostock trotz eines eingeschränkten
Klinikbetriebs alle Notfallpatienten mit Gewebetransplantaten versorgt.
Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, verschobene Operationen - wie auch
elektive Hornhauttransplantationen - nachzuholen. Unsere Patienten
vertrauen uns und haben Verständnis. Außerdem wird bei uns jeder voll- und
teilstationäre Patient bei seiner Aufnahme auf Covid-19 getestet, so dass
eine sehr hohe Sicherheit besteht. Die Zusammenarbeit bei uns im Team und
auch mit der DGFG funktioniert hervorragend und zuverlässig - auch in
unsicheren Zeiten."

Prof. Dr. Carsten Framme, Direktor der Universitätsklinik für
Augenheilkunde an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH):
"Ein Augenhornhauttransplantat ist ein wertvolles Gut, denn es ist eine
altruistische Spende eines verstorbenen Menschen. Den Verwurf dieser
Gewebespenden zu vermeiden war uns wichtig! Deswegen haben wir in den
vergangenen Wochen neben akuten Notfällen auch wenige geplante
Transplantationen vorgenommen, wenn über die DGFG entsprechendes Gewebe
zur Verfügung stand. Die Augenhornhauttransplantation ist darüber hinaus
zumeist ultima ratio - eine gewisse Dringlichkeit ist also häufig gegeben.
Transplantationen, die dennoch verschoben wurden, werden nun zügig
nachgeholt."

Prof. Dr. Markus Kleemann, Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und
Gefäßchirurgie am Universitären Gefäßzentrum am Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein-Campus Lübeck:
"Die Covid-19-Pandemie hat in den vergangenen Monaten alle Bereiche des
Gesundheitssystems betroffen. Das Team der Deutschen Gesellschaft für
Gewebetransplantation konnte uns in dieser herausfordernden Zeit dennoch -
in gewohnt konstruktiver Weise - für zwei Patienten mit schwerer
Gefäßinfektion Homografts zur Verfügung stellen. Eine sichere
Patientenversorgung, auch in Notfällen, war daher möglich. Ob in den
kommenden Monaten eine erhöhte Nachfrage nach diesen humanen
Transplantaten zu erwarten ist, bleibt schwer abzuschätzen. Der
Gefäßersatz mit Homografts bleibt jedenfalls eine sinnvolle Alternative
zur Gefäßrekonstruktion in schweren Infektsituationen."

Dr. Erik Chankiewitz, Direktor der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte:
"Die Vorbereitungen auf die Covid-19-Pandemie hatte Mitte März 2020 dazu
geführt, dass wir in unserer Augenklinik das gesamte Programm binnen
weniger Tage auf einen reinen Notbetrieb umgestellt haben. Für unsere
Patienten bedeutete das ein Verschieben von Ambulanzterminen und Absagen
von planbaren Operationen. Davon waren auch geplante Transplantationen
betroffen, so dass wir von Mitte März bis Mitte Mai insgesamt nur ein
Drittel so viele Hornhautübertragungen gemacht haben, wie sonst in einem
normalen zehnwöchigen Intervall. Eine deutliche Beobachtung war die
Zunahme an schwerwiegenden Hornhautkomplikationen, so dass wir fast
wöchentlich eine Hornhautübertragung als Notfall durchführen mussten. Der
deutschlandweite Verbund der Gewebebanken im DGFG Netzwerk ist stark durch
Vernetzung, großartige Mitarbeiter und cleveres Management und schenkte
unseren Patienten auch in schwersten Zeiten Hoffnung auf Heilung! Nachdem
wir den Vollbetrieb nun wieder aufgenommen haben, warten 684 Patienten auf
einen neuen Termin - davon auch viele für eine Hornhauttransplantation.
Der Bedarf wird also voraussichtlich in den nächsten Wochen stark
steigen."

Dr. Peter Murin, Oberarzt an der Klinik für Chirurgie Angeborener
Herzfehler/Kinderherzchirurgie am Deutschen Herzzentrum Berlin:
"Auch in unserer Klinik wurden während der Covid-19-Pandemie nur Patienten
mit einer dringlichen Indikation operiert. Die Hälfte unserer Patienten
auf der Warteliste auf eine Gewebetransplantation muss leider mehrere
Monate länger auf ihre Operation warten. Die reservierten
Gewebetransplantate wurden in diesen Fällen kurzfristig storniert.
Besonders während dieser komplizierten Phase konnten wir uns auf die
Hilfsbereitschaft und Flexibilität der DGFG verlassen. In den nächsten
Monaten steht uns eine aufwendige Wiederaufnahme des Regelbetriebs vor. In
den letzten Tagen konnten wir allerdings schon auch die neuen
Gewebetransplantate für verschobene Patienten allokieren, sodass bald
wieder die ersten Patienten termingerecht versorgt werden können."

Prof. Dr. Arne Viestenz, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Augenheilkunde am Universitätsklinikum Halle & Leiter der Mitteldeutschen
Hornhautbank Halle (MCH):
"An der Universitätsaugenklinik Halle wurde rasch auf die Corona-Pandemie
reagiert. Die Mitteldeutsche Hornhautbank Halle (MCH) arbeitete mit einem
Back-up-Team, um im Fall einer Infektion von Mitarbeiterinnen auch
weiterhin Gewebe zur Hornhauttransplantation zur Verfügung stellen zu
können. Als zentraler Partner koordinierte die DGFG auch in den
vergangenen Wochen trotz schwerer Bedingungen die Gewebespende und
unterstützte bedarfsgerecht, um deutschlandweit Kliniken zu helfen, die
dringend Hornhautgewebe zur Versorgung von Patienten benötigten.
Nottransplantationen - etwa bei Hornhautgeschwüren, Verletzungen oder
schweren Augeninfektionen - konnten wir daher jederzeit durchführen.
Hornhauttransplantationen im gewohnten Maß hingegen haben wir erst dann
fortgesetzt, als Sicherungsmaßnahmen, wie Schutzmasken, Abstriche,
Isolationszimmer, Covid-Stationen, am Universitätsklinikum Halle
eingerichtet worden waren. Bei Operationen mit erhöhtem Infektionsrisiko
durch eine Immunsuppression sind wir noch zurückhaltend, um unsere
Patienten keiner Gefährdung auszusetzen. Aufgrund verschobener
Transplantationen und auch der inzwischen abnehmenden Sorgen in der
Bevölkerung, was Operations- und Infektionsrisiken angeht, wird in den
kommenden Monaten mit einem erhöhten Bedarf an Transplantationen zu
rechnen sein."

Prof. Dr. Peter Szurman, Chefarzt der Augenklinik Sulzbach am
Knappschaftsklinikum Saar:
"An der Augenklinik Sulzbach wurden keine Transplantationen ausgesetzt.
Wir haben währen der gesamten Pandemiezeit weiter transplantiert. Aus
meiner Sicht handelt es sich hier nicht um aufschiebbare Operationen, denn
dem Patienten würde ein medizinischer Schaden drohen. Das Transplantat
wartet nicht."

*Hinweis: Die folgenden Statements sind zur Zitation freigegeben. Bei
Interesse vermitteln wir gerne Direktkontakte für individuelle Interviews
und fachliche Rückfragen.

[i] Cake Magazin (2020). Corneal Transplantation and Covid-19: Insights
from Europe. Abrufbar unter https://cakemagazine.org/corneal-
transplantation-and-covid-19-insights-from-europe/
[ii] EDQM Council of Europe (2020). Webinar on Tissue donation from
deceased donors during the Covid-19 pandemic, S. 48, abrufbar unter
https://www.edqm.eu/sites/default/files/medias/fichiers/Events/Presentation/Tissue_donation
/transplantation_presentation_webinar_tissue_donation_from_deceased_donors_during_the_covid-
19_pandemic_28_april_2020.pdf
[iii] Paul-Ehrlich-Institut (14.05.2020). Co¬ro¬na¬vi¬rus SARS-CoV-2 - Wie
sicher sind Gewebezubereitungen? Abrufbar unter
https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html

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Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt, Direktor der I. Med. Klinik, Universitätsklinikum Augsburg

Ohnmacht: Warnhinweis besonders für Herzpatienten Kurze Bewusstlosigkeit (Synkope) kann Anzeichen für gefährliche Herzrhythmusstörungen sein

Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt, Direktor der I. Med. Klinik, Universitätsklinikum Augsburg
Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt, Direktor der I. Med. Klinik, Universitätsklinikum Augsburg

Die Umgebung verschwimmt, Geräusche verschwinden wie hinter Watte, und
Augenblicke später kommt es zu Bewusstlosigkeit: Eine plötzliche Ohnmacht
kann auch gesunde Menschen treffen. Viele Ohnmachten haben harmlose
Ursachen wie Kreislaufregulationsstörungen und sind unangenehm,
beeinträchtigen die Lebenserwartung jedoch nicht. Insbesondere
Herzpatienten sollten aber solche Synkopen, wie die vorübergehende
Ohnmacht medizinisch genannt wird, immer ärztlich abklären lassen. Denn
dahinter können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen stecken. „Man muss
wissen, dass eine Ohnmacht erstes Anzeichen eines drohenden plötzlichen
Herztods sein kann. Daher sollte der Patient unbedingt einen
spezialisierten Arzt aufsuchen, der ihn gründlich untersucht, ob ein
Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen vorliegt, die einen Herz-
Kreislauf-Stillstand auslösen können“, sagt der Kardiologe Prof. Dr. med.
Wolfgang von Scheidt vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung. Je nach Befund kann die Implantation eines
Herzschrittmachers (z. B. bei langsamen Herzrhythmusstörungen) oder eines
Defibrillators (bei „bösartigen“, schnellen Rhythmusstörungen der
Herzkammer) notwendig sein. Über mögliche Ursachen, die Entstehung und
Folgen von Synkopen informiert der Experten-Beitrag “Kurzzeitig der Welt
entrückt”, der über <https://www.herzstiftung.de/Beitrag-HERZ-heute>
heruntergeladen werden kann. Der Artikel ist der aktuellen Ausgabe der
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute entnommen, die als Probeexemplar
telefonisch über 069 955128-400 oder per E-Mail an
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> angefordert werden kann.

Synkopen: Wann harmlos, wann bedenklich?
Für unsere Hirntätigkeit – und damit unser Bewusstsein – ist es
erforderlich, dass das Gehirn kontinuierlich durchblutet und somit mit
Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Fällt der Blutdruck etwa beim
systolischen (oberen) Wert unter 70 mmHg, wird das Gehirn nicht mehr
ausreichend durchblutet, wir werden ohnmächtig. Häufig steckt eine
Fehlregulation des Kreislaufs dahinter. Bei Menschen, die zu Synkopen
neigen, stellen sich die Blutgefäße plötzlich weit, sodass der Blutdruck
abfällt und das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Mögliche
Auslöser sind langes Stehen, Hitze oder auch der Aufenthalt in stickigen
Räumen. Solche „Reflexsynkopen“ treten häufig bei jungen, herzgesunden
Menschen auf und gelten als harmlos. „Bedenklicher sind Synkopen, die
durch eine Schädigung des Nervensystems, beispielsweise bei Diabetes
Mellitus oder Nierenfunktionsstörungen, entstehen“, warnt der Direktor der
I. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Augsburg. „In diesen
Fällen muss der Arzt die Ursache abklären und gegebenenfalls die
Medikation anpassen.“

Herzerkrankungen als Ursache von Synkopen
Als besonders gefährlich gelten Synkopen, die durch Funktionsstörungen des
Herzens ausgelöst werden. Herzpatienten sollten eine vorübergehende
Ohnmacht daher unbedingt ärztlich abklären lassen. „Die Frage, ob einer
Synkope eine Erkrankung des Herzens zugrunde liegt, wird typischerweise
mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens geklärt“, sagt von Scheidt.
Damit lasse sich eine Herzmuskelschwäche, erlittene Herzinfarkte,
Klappenfehler oder auch ein Lungenhochdruck rasch erkennen, so der
Kardiologe. Liegen der Synkope hingegen Herzrhythmusstörungen zugrunde,
helfen ein Langzeit-EKG oder ein Ereignisrekorder, die Störung zu
erkennen. Insbesondere die Kammertachykardie, bei der sich die Herzkammern
viel zu schnell zusammenziehen und so eine normale Versorgung des
Kreislaufs verhindern, ist unmittelbar lebensbedrohlich. Angehörige von
Herzpatienten sollten daher umgehend die 112 wählen und gegebenenfalls mit
der Wiederbelebung beginnen, falls der oder die Betroffene nicht
kurzfristig aus der Ohnmacht erwacht. Infos zur Laien-Wiederbelebung: in
Zeiten der Corona-Krise unter: <https://www.herzstiftung.de/reanimation-
in-coronazeiten.html
>  Wird die Herzrhythmusstörung als Ursache der
Bewusstlosigkeit erkannt, setzen Ärzte den Betroffenen meist einen
Defibrillator ein. Dieser erkennt lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
und kann im Ernstfall durch die Abgabe eines Elektroschocks den Herzschlag
normalisieren.
Auch bei langsamen Herzrhythmusstörungen können Synkopen neben
Schwindelattacken und einer verminderten Leistungsfähigkeit auftreten. Die
Beschwerden führen deutlich seltener zum plötzlichen Herztod und lassen
sich durch einen Herzschrittmacher beseitigen. Von einem langsamen
Herzschlag spricht man, wenn der Puls bei unter 40 Schlägen pro Minute
liegt. Das muss nicht krankhaft sein. Leistungssportler haben infolge
ihres körperlichen Trainings einen niedrigen Puls. Der niedrige Puls kann
aber auch durch Medikamente oder durch kurzfristig heilbare Erkrankungen
(z. B. Schilddrüsenunterfunktion) verursacht sein.

SYNKOPE: DIE MEDIZINISCHE DEFINITION
Unter einer „Synkope“, einer kurzfristigen Ohnmacht, versteht man einen
plötzlich
oder rasch eintretenden, nur kurz anhaltenden und von selbst wieder
aufhörenden
Verlust des Bewusstseins aufgrund einer zeitweiligen Minderdurchblutung
des Gehirns.
Dies geht einher mit einem Verlust der Körperhaltung, etwa einem
Hinstürzen
aus dem Stehen oder Zusammensacken in sitzender Ausgangsposition. Der Arzt
muss eine Synkope von anderen Ursachen eines kurzfristigen
Bewusstseinsverlusts
abgrenzen, beispielsweise von einem epileptischen Anfall oder Unterzucker.
Ebenso
muss er klären, ob es sich tatsächlich um einen kurzen Bewusstseinsverlust
gehandelt
hat oder lediglich um einen Sturz ohne Verlust des Bewusstseins.

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DGTHG: Zertifikat „Invasive Therapie der Herz- und Lungeninsuffizienz“ Zertifikat „Invasive Therapie der Herz- und Lungeninsuffizienz“

Herz- und/oder Lungenunterstützungssysteme dienen als komplexe
Therapieverfahren, um schwerstkranke Patienten mit terminaler oder
chronischer Herz- und Lungeninsuffizienz im Endstadium zu behandeln. Da
diese therapeutischen Optionen besonderer Kenntnisse sowie spezieller
Expertise bedürfen, bietet die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz-
und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) Fachärzten für Herzchirurgie, nach
Absolvierung einer entsprechenden Fortbildungszeit und Erfüllung
definierter Kriterien, die Möglichkeit, diese Zusatzqualifikation durch
das Zertifikat „Invasive Therapie der Herz- und Lungeninsuffizienz“
nachzuweisen. Neben den spezifischen Kenntnissen aus den Fachgebieten der
Herzchirurgie, Kardiologie, Kinderkardiologie, Infektiologie und
Intensivmedizin, ist insbesondere auch spezifisches Fachwissen zu offen
chirurgischen und endovaskulären Implantationstechniken notwendig. Neben
dem theoretischen Wissenserwerb, ist der Nachweis der praktischen
Kompetenz Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss, zu dem 30 Im- und
20 Explantationen von temporären Herz-/und Lungen-Unterstützungssystemen
sowie 15 Implantationen permanenter, mechanischer Herz-/Lungen-
Unterstützungssysteme gehören. Mit erfolgreich bestandener Prüfung hat das
Zertifikat eine Gültigkeit von fünf Jahren. Alle Information zu diesem und
weiteren Zertifikaten sind unter https://www.dgthg.de/de/Zertifikate_DGTHG
zu finden.

Die inhaltlichen Anforderungen können hier eingesehen werden:
https://www.dgthg.de/upload/DGTHG_Kriterien_ECLS.VAD_V1.0_2020.pdf

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Tag der Organspende am 6. Juni: Diabetes-Früherkennung kann Nierenschäden und möglicherweise Transplantationen vermeiden

Anlässlich des Tages der Organspende weist die Deutsche Diabetes
Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine Diabetes-Früherkennung dringend
notwendig ist, um einerseits die zunehmende Zahl der
transplantationsbedürftigen Diabetespatientinnen und -patienten in
Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere
Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die
Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive
Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.

Berlin - Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für eine
Niereninsuffizienz – über 40 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ 2 haben
einen Nierenschaden. Einige von ihnen bräuchten eine neue Niere.
Allerdings kommt für Betroffene häufig aufgrund bestehender
Begleiterkrankungen eine Transplantation nicht in Frage. Für sie ist eine
lebenslange Dialyse unumgänglich. Anlässlich des Tages der Organspende
weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine
Diabetes-Früherkennung dringend notwendig ist, um einerseits die
zunehmende Zahl der transplantationsbedürftigen Diabetespatientinnen und
-patienten in Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere
Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die
Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive
Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.

Über 7.000 Patientinnen und Patienten stehen derzeit in Deutschland auf
der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa die Hälfte von ihnen
hat einen Diabetes oder Prädiabetes, der häufig nicht bekannt ist.1
„Insbesondere Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben meist bereits
klassische Begleiterkrankungen wie Adipositas oder
Herzkreislauferkrankung, die jedoch eine Transplantation erschweren oder
sogar die Erfolgsaussichten derart reduzieren, dass sie gar nicht erst als
Empfänger in Frage kommen, beziehungsweise von der Warteliste genommen
werden müssen“, berichtet Privatdozentin Dr. med. Martina Guthoff,
Nephrologin und Oberärztin der Sektion Nieren- und Hochdruckkrankheiten an
der Medizinischen Klinik IV in Tübingen. Diese Patienten bleiben
dialysepflichtig – das heißt, sie müssen sich lebenslang mehrmals in der
Woche einer Blutwäsche oder Bauchfelldialyse unterziehen und haben häufig
eine geringere Lebenserwartung.

Einer amerikanischen Untersuchung zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit
für Diabetespatienten, auf eine Warteliste für eine Nierentransplantation
zu kommen, nur rund 80 Prozent im Vergleich zu stoffwechselgesunden
Menschen.2 Dass eine Transplantation tatsächlich erfolgt, liegt nochmals
um knapp zehn Prozentpunkte darunter. Denn im Verlauf der durchschnittlich
sechs bis acht Jahre andauernden Wartezeit summieren sich bei vielen
Diabetespatienten Begleitkomplikationen auf, die einer erfolgreichen
Transplantation im Wege stehen.

Auch haben Menschen, die mit einem vorliegenden Diabetes
nierentransplantiert werden, ein geringeres Überleben sowie eine kürzere
Lebensdauer der Niere als Patienten ohne Diabetes2: In einer Untersuchung
war das Verlustrisiko einer Niere mit einem Diabetes doppelt so hoch wie
ohne die Stoffwechselerkrankung.3 „Es scheinen mikro­ und makrovaskuläre
Veränderungen durch die diabetische Stoffwechsellage nach einer
Transplantation beschleunigt aufzutreten“, so Guthoff. Ein ähnliches
Risiko gilt für Patienten, die nach der Transplantation einen Diabetes
entwickeln.

Die Expertin weist daher darauf hin, dass eine Früherkennung des Diabetes
und auch von Nierenerkrankungen unbedingt notwendig sei, um Patienten vor
schweren Nierenschäden zu bewahren und im Falle einer notwendigen
Nierenersatztherapie eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. „Bei
allen Nierenpatienten sollte zudem auch auf einen Diabetes getestet
werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte auf der
Warteliste zur Nierentransplantation einen bislang unerkannten Diabetes
oder Prädiabetes hat“, führt Guthoff aus.

„Um eventuelle Nierenprobleme rechtzeitig zu diagnostizieren und
konsequent behandeln zu können sollten sich Patientinnen und Patienten mit
Diabetes mindestens einmal jährlich auf das Vorliegen von Eiweiß im Urin –
die so genannte Albuminurie – screenen lassen“, erklärt Dr. med. Ludwig
Merker vom MVZ DaVita Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen und
Vorsitzender der DDG AG „Diabetes und Niere“.  Zudem sei es bei allen
Patienten mit Diabetes wichtig, den eGFR-Wert zu bestimmen, der die
Filtrationseigenschaft der Niere darstellt. „Auch der Blutdruck ist
regelmäßig zu überprüfen, da eine Erhöhung ein Hinweis auf einen
beginnenden Nierenschaden sein kann.“

Gleichzeitig sollte eine zielorientierte Diabetes- und Blutdrucktherapie
erfolgen, die für stabile Blutzuckerwerte und guten Blutdruck sorgt. Denn
dauerhaft erhöhter Blutzucker und Blutdruck sind Hauptrisikofaktoren für
eine Nierenschädigung. „Jeder Patient kann auch selbst etwas für eine gute
Nierenfunktion beisteuern. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn
Diabetespatienten ihr Gewicht reduzieren, nicht rauchen und sich gesund
ernähren“, rät Merker.

1Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): Statistiken zu den
jeweiligen Organtransplantationen https://www.dso.de/organspende
/statistiken-berichte/organtransplantation - Siehe: https://www.dso.de
/DSO-Infografiken/Indikationen_NierenTX_2019.png

1Martina Guthoff et al., Diabetes Mellitus and Prediabetes on Kidney
Transplant Waiting List- Prevalence, Metabolic Phenotyping and Risk
Stratification Approach, PLoS One, September 23, 2015
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0134971

2Patibandla BK, Narra A, DeSilva R et al. Access to renal transplantation
in the diabetic population-effect of comorbidities and body mass index.
Clin Transplant 2012; 26: E307–E315; doi:10.1111/j.1399-0012.2012.01661
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1399-0012.2012.01661.x

3Einollahi B, Jalalzadeh M, Taheri S et al. Outcome of kidney
transplantation in type 1 and type 2 diabetic patients and recipients with
posttransplant diabetes mellitus. Urol J 2008;5: 248–254).

Guthoff, M., Diabetes mellitus vor und nach Nierentransplantation
Grundlagen, Prävention und Therapie, Diabetes aktuell 2018; 16: 290–294

Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft „Nephropathie bei
Diabetes“ https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Praxisempfehlungen/2019/15_Nephropathie_Merker_DDG.pdf

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019 https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/Gesundheitspolitik/20181114gesundheitsbericht_2019.pdf

Wolfe et al., Comparison of Mortality in All Patients on Dialysis,
Patients on Dialysis Awaiting Transplantation, and Recipients of a First
Cadaveric Transplant, N Engl J Med 1999; 341:1725-1730, DOI:
10.1056/NEJM19991202341230
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199912023412303

Kramer A, Pippias M, Noordzij M, Stel VS, Andrusev AM, Aparicio-Madre MI,
et al. The European Renal Association – European Dialysis and Transplant
Association (ERA-EDTA) Registry Annual Report 2016: a summary. Clin Kidney
J. https://academic.oup.com/ckj/advance-
article/doi/10.1093/ckj/sfz011/5364536

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