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Gesundheit

Präzisionsarbeit: 3D-Drucken von Strukturen für die Gewebezüchtung.  Bild: FAU/Dr. Rainer Detsch

Forschung zur Knochenregeneration wird ausgebaut

Präzisionsarbeit: 3D-Drucken von Strukturen für die Gewebezüchtung.  Bild: FAU/Dr. Rainer Detsch
Präzisionsarbeit: 3D-Drucken von Strukturen für die Gewebezüchtung. Bild: FAU/Dr. Rainer Detsch

FAU-Forschende bringen Wissen in internationales Kompetenzzentrum für
Biomaterialien ein
Die internationale Forschung im Bereich Biomaterialien und
Knochenregeneration bekommt ein neues herausragendes Projekt: In Lettland
entsteht das Baltic Biomaterials Centre of Excellence (BBCE). Es wird mit
15 Millionen Euro aus dem europäischen Forschungsrahmenprogramm HORIZON
2020 gefördert. Der Lehrstuhl für Biomaterialien der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist am wissenschaftlichen Aufbau des
Kompetenzzentrums beteiligt.

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Biomaterialien an der FAU,
wird im BBCE die Forschungs- und wissenschaftlichen Ausbildungsaktivitäten
auf dem Gebiet der bioaktiven Materialien für die Knochengewebezüchtung
leiten und mit international anerkannten Forschungsteams aus Lettland und
der Schweiz zusammenarbeiten.

Ziel des BBCE ist die Erforschung und Entwicklung patientenspezifischer,
personalisierter Therapien für knochenbedingte Erkrankungen – von der
Entwicklung geeigneter Biomaterialien für die Knochenregeneration über
präklinische Untersuchungen bis hin zu klinischen Studien. Für die
gemeinsamen Forschungstätigkeiten, den Austausch von technischem und
wissenschaftlichem Personal und den Ausbau der Infrastruktur stehen
weitere 15 Millionen Euro zur Verfügung. Sie stammen von der Regierung von
Lettland, dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und lettischen
Projektpartnern, die das Exzellenzzentrum fördern.

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DKOU 2019: Experten raten zur sorgfältigen Abklärung bei Schulterschmerz

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 22. bis
25. Oktober 2019 in Berlin, Messegelände Süd

Unfall, Sport, Alter, Diabetes - Die Ursachen für Schulterschmerz sind
vielfältig
Etwa 70 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben an
Schulterschmerzen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Beruf. Die
Ursachen sind divers und umfassen etwa Unfälle, Sportverletzungen oder
altersbedingte Abnutzung. Was viele nicht wissen: Auch Erkrankungen der
inneren Organe, Diabetes oder Funktionsstörungen der Schilddrüse können
Schulterschmerzen auslösen. Entsprechend individuell muss der behandelnde
Orthopäde und Unfallchirurg bei seiner Behandlung vorgehen.

Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom
22. bis zum 25. Oktober 2019 in Berlin diskutieren Experten, wie man einer
Erkrankung des Schultergelenks vorbeugen kann, welche Sportarten und
Vorerkrankungen diese begünstigen und wie die jeweiligen Erkrankungsformen
behandelt werden. Sie beleuchten dabei auch, welchen therapeutischen
Stellenwert die Schulterarthroskopie inzwischen einnimmt und unter welchen
Voraussetzungen eine Schulterendoprothese eine gute Entscheidung ist.

Schulterschmerzen sind nach Rücken- und Knieschmerzen die dritthäufigste
Erkrankung des Bewegungs- und Halteapparats. Die Ursache können
Muskelverspannungen, Erkrankungen von Knochen und Gelenken,
Haltungsschäden, Muskel- und Bandverletzungen, aber auch Tumore sein. Doch
nicht immer rührt der Schulterschmerz aus dem Schultergelenk selbst. So
kann einseitiger akut auftretender Schulterschmerz während sportlicher
Aktivität auch ein Hinweis auf Herzinfarkt sein. „Vielen ist nicht
bewusst, dass auch die Bereiche Arm, Nacken und Wirbelsäule oder
Erkrankungen der inneren Organe eine Rolle bei Schmerzen in der Schulter
spielen können“, erklärt Dr. med. Casper Grim, Vizepräsident der
Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) und
Leitender Verbandsarzt der Deutschen Triathlon Union (DTU) und
Verbandsarzt beim Deutschen Ringer Bund (DRB) im Vorfeld des DKOU 2019.

Verschiedene Erkrankungen als Ursache für Schulterschmerz
Ebenso können eine Funktionsstörung der Schilddrüse, Diabetes mellitus und
rheumatische Erkrankungen mit chronischem Schmerz in der Schulter
assoziiert sein. „Patienten mit Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen
erkranken beispielsweise häufiger an der `Frozen Shoulder´“, führt Grim,
Leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie
in Osnabrück aus. Hier schränkt eine geschrumpfte Schultergelenkkapsel die
Beweglichkeit der Schulter schmerzhaft ein. So leidet etwa jeder fünfte
Diabetespatient unter Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Der
Grund hierfür ist bislang noch nicht geklärt, im Fokus der Untersuchungen
stehen Entzündungsprozesse, Durchblutungsstörungen und Zuckeranhaftungen
an Bindegewebsfasern. „Mit der Zunahme von Stoffwechselerkrankungen –
insbesondere bei einer immer älter werdenden Bevölkerung – haben
Orthopäden und Unfallchirurgen auch immer häufiger mit diesen
Erkrankungszusammenhängen zu tun und müssen es bei der Diagnose
berücksichtigen“, erklärt Professor Dr. med. Carsten Perka,
Kongresspräsident des DKOU aus Berlin. Eine ausführliche Anamnese sei
daher unabdingbar.

Die Arthroskopie ersetzt zunehmend offene Operationen
Funktionelle Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie und eine medikamentöse
Behandlung helfen vielen Schulterschmerz-Patienten bereits. Häufige
Erkrankungsformen wie Impingement (eine Einengung zwischen Schulterdach-
und Oberarmknochen, die die Sehnen beeinträchtigt), Kalkschulter oder
Schulterarthrose können bei milder Ausprägung mit einer Stoßwellentherapie
behandelt werden und eine Operation zunächst verhindern. Ist eine
konservative Therapie erfolglos, hilft häufig auch die Arthroskopie
(Gelenkspiegelung). Hierbei kann der Arzt minimalinvasiv Verkalkungen
entfernen und entstandene Sehnenverletzungen beheben. „Wir haben in der
Arthroskopie erhebliche Fortschritte gemacht“, betont Professor Dr. med.
Markus Scheibel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Schulter- und
Ellenbogenchirurgie e. V. (DVSE). „Selbst komplexe rekonstruktive
Eingriffe sind mittlerweile per Gelenkspiegelung mit deutlich weniger
Risiken möglich.“ Insbesondere bei Schulterinstabilitäten, bei denen durch
Unfälle oder anatomische Fehlstellungen das Schultergelenk „instabil“ wird
und eventuell ausrenkt, sei die Arthroskopie inzwischen einer offenen
Operation vorzuziehen, so der Chefarzt für Schulter- und
Ellenbogenchirurgie an der Schulthess Klinik in Zürich. Auf dem DKOU
stellen Experten der DVSE neue Methoden und Anwendungsbereiche der
Arthroskopie vor.

Wie kann man Schulterschmerzen vorbeugen?
Das Schultergelenk ist eines der am häufigsten von Sportverletzungen
betroffenen Gelenke. Beim Turnen, Rudern und Kampfsport ist das
Schultergelenk besonders strapaziert. „Bei diesen Sportarten leiden
durchschnittlich ein Drittel der Sportlerinnen und Sportler unter
Schulterschmerzen“, berichtet Grim. Um insbesondere Verletzungen
vorzubeugen, rät der Experte Sportlern, aber auch Patienten mit bereits
bestehenden Schulterproblemen, die Muskulatur um das Schultergelenk herum
zu stärken, weil diese das Gelenk stabilisiert.

„Ein besonderer Fokus sollte dabei auf Dehn- und Kräftigungsübungen
liegen, die zu einer besseren aktiven Schulterblatt-Anbindung und einer
Optimierung der koordinierten Schulterblatt-Brustkorb-Gleitbewegung
beitragen“, erklärt Grim. Der so genannte „Sleepers Stretch“1 eignet sich
beispielsweise gut als Dehnübung für die Gelenkkapsel. Kräftigungsübungen
der Schultermuskulatur verbessern hingegen die Außenrotationskraft. Die
Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und eine Verbesserung der gesamten
Bewegungsabläufe ist ebenfalls ein fester Bestandteil von
Präventionsprogrammen für das Schultergelenk.

Wichtig sei zunächst eine genaue Diagnose und professionelle Anleitung
durch Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Physiotherapeuten. Vor
ungezielten Übungen bei fehlender Diagnose warnt der Experte.
Über aktuelle Erkenntnisse in der Prävention von Sportverletzungen
tauschen sich Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem DKOU aus.

Die Anmeldung zum DKOU ist im Internet unter
https://dkou.org/registrierung/ möglich. Unter http://dkou.org/webcasts
können Interessenten alle Vorträge aus dem Festsaal außerdem live
verfolgen. Nähere Informationen sind bei Intercongress GmbH,
Friedrichstraße 6, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 977-160,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich. Journalisten akkreditieren sich über
liebendoerfer@medizinkommunikation.org.

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DKOU 2019: Experten raten zur sorgfältigen Abklärung bei Schulterschmerz

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 22. bis
25. Oktober 2019 in Berlin, Messegelände Süd

Unfall, Sport, Alter, Diabetes - Die Ursachen für Schulterschmerz sind
vielfältig
Etwa 70 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben an
Schulterschmerzen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Beruf. Die
Ursachen sind divers und umfassen etwa Unfälle, Sportverletzungen oder
altersbedingte Abnutzung. Was viele nicht wissen: Auch Erkrankungen der
inneren Organe, Diabetes oder Funktionsstörungen der Schilddrüse können
Schulterschmerzen auslösen. Entsprechend individuell muss der behandelnde
Orthopäde und Unfallchirurg bei seiner Behandlung vorgehen.

Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom
22. bis zum 25. Oktober 2019 in Berlin diskutieren Experten, wie man einer
Erkrankung des Schultergelenks vorbeugen kann, welche Sportarten und
Vorerkrankungen diese begünstigen und wie die jeweiligen Erkrankungsformen
behandelt werden. Sie beleuchten dabei auch, welchen therapeutischen
Stellenwert die Schulterarthroskopie inzwischen einnimmt und unter welchen
Voraussetzungen eine Schulterendoprothese eine gute Entscheidung ist.

Schulterschmerzen sind nach Rücken- und Knieschmerzen die dritthäufigste
Erkrankung des Bewegungs- und Halteapparats. Die Ursache können
Muskelverspannungen, Erkrankungen von Knochen und Gelenken,
Haltungsschäden, Muskel- und Bandverletzungen, aber auch Tumore sein. Doch
nicht immer rührt der Schulterschmerz aus dem Schultergelenk selbst. So
kann einseitiger akut auftretender Schulterschmerz während sportlicher
Aktivität auch ein Hinweis auf Herzinfarkt sein. „Vielen ist nicht
bewusst, dass auch die Bereiche Arm, Nacken und Wirbelsäule oder
Erkrankungen der inneren Organe eine Rolle bei Schmerzen in der Schulter
spielen können“, erklärt Dr. med. Casper Grim, Vizepräsident der
Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) und
Leitender Verbandsarzt der Deutschen Triathlon Union (DTU) und
Verbandsarzt beim Deutschen Ringer Bund (DRB) im Vorfeld des DKOU 2019.

Verschiedene Erkrankungen als Ursache für Schulterschmerz
Ebenso können eine Funktionsstörung der Schilddrüse, Diabetes mellitus und
rheumatische Erkrankungen mit chronischem Schmerz in der Schulter
assoziiert sein. „Patienten mit Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen
erkranken beispielsweise häufiger an der `Frozen Shoulder´“, führt Grim,
Leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie
in Osnabrück aus. Hier schränkt eine geschrumpfte Schultergelenkkapsel die
Beweglichkeit der Schulter schmerzhaft ein. So leidet etwa jeder fünfte
Diabetespatient unter Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Der
Grund hierfür ist bislang noch nicht geklärt, im Fokus der Untersuchungen
stehen Entzündungsprozesse, Durchblutungsstörungen und Zuckeranhaftungen
an Bindegewebsfasern. „Mit der Zunahme von Stoffwechselerkrankungen –
insbesondere bei einer immer älter werdenden Bevölkerung – haben
Orthopäden und Unfallchirurgen auch immer häufiger mit diesen
Erkrankungszusammenhängen zu tun und müssen es bei der Diagnose
berücksichtigen“, erklärt Professor Dr. med. Carsten Perka,
Kongresspräsident des DKOU aus Berlin. Eine ausführliche Anamnese sei
daher unabdingbar.

Die Arthroskopie ersetzt zunehmend offene Operationen
Funktionelle Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie und eine medikamentöse
Behandlung helfen vielen Schulterschmerz-Patienten bereits. Häufige
Erkrankungsformen wie Impingement (eine Einengung zwischen Schulterdach-
und Oberarmknochen, die die Sehnen beeinträchtigt), Kalkschulter oder
Schulterarthrose können bei milder Ausprägung mit einer Stoßwellentherapie
behandelt werden und eine Operation zunächst verhindern. Ist eine
konservative Therapie erfolglos, hilft häufig auch die Arthroskopie
(Gelenkspiegelung). Hierbei kann der Arzt minimalinvasiv Verkalkungen
entfernen und entstandene Sehnenverletzungen beheben. „Wir haben in der
Arthroskopie erhebliche Fortschritte gemacht“, betont Professor Dr. med.
Markus Scheibel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Schulter- und
Ellenbogenchirurgie e. V. (DVSE). „Selbst komplexe rekonstruktive
Eingriffe sind mittlerweile per Gelenkspiegelung mit deutlich weniger
Risiken möglich.“ Insbesondere bei Schulterinstabilitäten, bei denen durch
Unfälle oder anatomische Fehlstellungen das Schultergelenk „instabil“ wird
und eventuell ausrenkt, sei die Arthroskopie inzwischen einer offenen
Operation vorzuziehen, so der Chefarzt für Schulter- und
Ellenbogenchirurgie an der Schulthess Klinik in Zürich. Auf dem DKOU
stellen Experten der DVSE neue Methoden und Anwendungsbereiche der
Arthroskopie vor.

Wie kann man Schulterschmerzen vorbeugen?
Das Schultergelenk ist eines der am häufigsten von Sportverletzungen
betroffenen Gelenke. Beim Turnen, Rudern und Kampfsport ist das
Schultergelenk besonders strapaziert. „Bei diesen Sportarten leiden
durchschnittlich ein Drittel der Sportlerinnen und Sportler unter
Schulterschmerzen“, berichtet Grim. Um insbesondere Verletzungen
vorzubeugen, rät der Experte Sportlern, aber auch Patienten mit bereits
bestehenden Schulterproblemen, die Muskulatur um das Schultergelenk herum
zu stärken, weil diese das Gelenk stabilisiert.

„Ein besonderer Fokus sollte dabei auf Dehn- und Kräftigungsübungen
liegen, die zu einer besseren aktiven Schulterblatt-Anbindung und einer
Optimierung der koordinierten Schulterblatt-Brustkorb-Gleitbewegung
beitragen“, erklärt Grim. Der so genannte „Sleepers Stretch“1 eignet sich
beispielsweise gut als Dehnübung für die Gelenkkapsel. Kräftigungsübungen
der Schultermuskulatur verbessern hingegen die Außenrotationskraft. Die
Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und eine Verbesserung der gesamten
Bewegungsabläufe ist ebenfalls ein fester Bestandteil von
Präventionsprogrammen für das Schultergelenk.

Wichtig sei zunächst eine genaue Diagnose und professionelle Anleitung
durch Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Physiotherapeuten. Vor
ungezielten Übungen bei fehlender Diagnose warnt der Experte.
Über aktuelle Erkenntnisse in der Prävention von Sportverletzungen
tauschen sich Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem DKOU aus.

Die Anmeldung zum DKOU ist im Internet unter
https://dkou.org/registrierung/ möglich. Unter http://dkou.org/webcasts
können Interessenten alle Vorträge aus dem Festsaal außerdem live
verfolgen. Nähere Informationen sind bei Intercongress GmbH,
Friedrichstraße 6, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 977-160,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich. Journalisten akkreditieren sich über
liebendoerfer@medizinkommunikation.org.

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Schmerzkongress 2019: Projekt PAIN2020 – handeln, bevor Schmerzen

Patienten mit Risiko für chronische Schmerzen können jetzt am Projekt
teilnehmen

Nach eineinhalbjähriger Aufbauzeit sind bundesweit rund 20
schmerzmedizinische Zentren dem von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
und der BARMER ins Leben gerufenen Projekt PAIN2020 beigetreten. Ab sofort
können Patienten, die schon längere Zeit an Schmerzen leiden, an dem
Forschungsprojekt teilnehmen. Interessierte erhalten beim Teledoktor der
BARMER unter der Telefonnummer 0800 8484 333 weitere Informationen.

„Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist der Grundgedanke des
bundesweiten Projekts PAIN2020, dessen innovativer Untersuchungsansatz und
dessen Behandlungsmodule nun getestet werden“, sagt Thomas Isenberg von
der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. anlässlich des Deutschen
Schmerzkongresses 2019 in Mannheim.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. und die BARMER haben gemeinsam ein
Programm entwickelt, das speziell auf Patienten mit Schmerzen
zugeschnitten ist. Es richtet sich an Menschen, die bereits eine längere
Zeit Schmerzen haben. „Wenn Schmerzen langanhaltend sind, sprechen wir von
chronischen Schmerzen, die sich stark auf alle Belange des Lebens
auswirken. Neben dem Dauerschmerz können Depressionen, Angst- und
Schlafstörungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten auftreten“, weiß
Professor Dr. med. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen
Schmerzgesellschaft e.V. und Leitende Oberärztin und Schmerzforscherin an
der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg. Lange
Krankschreibungen infolge der herabgesetzten Arbeitsfähigkeit folgen
häufig. PAIN2020 (Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär.
Netzwerk) setzt früher an und ermöglicht eine interdisziplinäre Diagnostik
und individuelle Therapieempfehlung für Risikopatienten.

„Ein Risiko für eine Chronifizierung von Schmerzen besteht, wenn diese
beispielsweise länger als sechs Wochen andauern oder immer wieder
zurückkehren, obwohl der Patient in fachspezifischer Behandlung ist“,
erklärt Sommer. Auch wenn die Lebensqualität durch den Schmerz
beeinträchtigt sei oder aufgrund der Schmerzen schon eine
Arbeitsunfähigkeit bestehe, kann es sich um einen Risikopatienten handeln.
PAIN2020 wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
(G-BA) mit sieben Millionen Euro gefördert und läuft über drei Jahre. Rund
20 Kliniken, Schmerzzentren und Schmerzambulanzen sind bereits
PAIN2020-Zentren und haben die ersten Patienten in das Projekt
aufgenommen. Weitere Zentren kommen in den nächsten Wochen hinzu.
Insgesamt sollen 6000 Patienten in das Programm aufgenommen werden.
Am Anfang der Behandlung steht ein Assessment. Der Patient wird umfassend
von einem Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten untersucht,
die im Anschluss eine interdisziplinäre multimodale Empfehlung geben. Das
Team informiert und berät den Patienten gemeinsam, welche Therapie
ambulant, stationär oder in einer Tagesklinik für ihn angemessen ist.

In dem Forschungsprojekt werden zwei verschiedene, jeweils
interdisziplinäre und multimodale (Schmerz) Therapiemodule erprobt, die
die üblichen Therapieformen in der ambulanten Versorgung ergänzen sollen:
Beim Therapiemodul „Edukation (E-IMST)“ handelt es sich um eine einmalige
Schulung: Der Patient erhält in einer drei Stunden dauernden
Gruppenschulung Basisinformationen zu Ursachen und Formen sowie zur
Bewältigung von Schmerzen und über die Bedeutung von Eigenverantwortung in
der Anwendung schmerzreduzierender Strategien. Das Therapiemodul
„Begleitende Therapie (B-IMST)“ umfasst 30 Stunden, verteilt über zehn
Wochen. In Gruppen von acht Patienten werden die Teilnehmer ebenfalls über
die Erkrankung und die Methoden der Schmerzbewältigung informiert sowie
dabei unterstützt, selbstverantwortlich mit körperlichen und psychischen
Bedürfnissen umzugehen und Strategien im Umgang mit Schmerzen und anderen
Belastungen zu entwickeln.
Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
betont: „Mit PAIN2020 werden neue Wege beschritten: Noch bevor die
Schmerzen chronisch werden und ein langer Leidesweg beginnt, wird
interveniert. Das Forschungsprojekt erprobt, was der Chronifizierung am
besten entgegenwirkt. Und das kann dann spätestens im Jahr 2021 allen
Patienten zu Gute kommen, wenn die Behandlungsansätze von PAIN2020 in die
Regelversorgung übernommen werden.“

Wenn BARMER-Versicherte sich über die Sonderhotline des Teledoktors
(Telefonnummer 0800 8484 333) melden und die Voraussetzung für eine
Teilnahme besteht, wird der Kontakt zum nächstgelegenen PAIN2020-Zentrum
hergestellt.

Weitere Informationen:
Teilnahmemöglichkeit testen:
http://www.pain2020.de/patienteninformationen/
Karte mit den teilnehmenden Einrichtungen:
http://www.pain2020.de/landkarte/

****************************
Terminhinweise:
SY20 – Die Umsetzung eines frühen interdisziplinären multimodalen
Assessments in den Klinischen Alltag- Erste Erfahrungen und Update zu
PAIN2020
Termin: Freitag, 11. Oktober 2019, 15.30 bis 17.00 Uhr
Vorsitz: G. Lindena (Kleinmachnow), K. Augustin (Berlin)
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum „Ignaz Holzbauer 1“
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

Öffentlicher PATIENTENTAG 2019
Organisation: Ch. Maihöfner (Fürth) und T. Sprenger (Wiesbaden)
Termin: Samstag, 12. Oktober 2018, 11.00 bis 14.00 Uhr
Ort: Dorint Kongresshotel, Raum „Ludwig van Beethoven“
Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim
Programm des Patiententages:
https://schmerzkongress2019.de/programm/kongressprogramm/

Zum Deutschen Schmerzkongress:
Der jährlich stattfindende Deutsche Schmerzkongress reflektiert die enorme
Bedeutung des Symptoms Schmerz in sämtlichen Bereichen der Medizin und das
stetige Bemühen der Schmerzexperten, den Schmerz wirksam(er) zu bekämpfen.
Unter dem Kongress-Motto „MitGefühl zum Schmerz“ werden aktuelle Themen
der Medizin wie Telemedizin und E-Health sowie schmerzmedizinspezifische
Fragestellungen wie Qualität der stationären Akutschmerztherapie,
Schmerzregister, Migräneprophylaxe und neue Schmerzkonzepte behandelt.
Mit etwa 60 wissenschaftlichen Symposien und Dutzenden Workshops und
Seminaren deckt der Schmerzkongress das gesamte Themenspektrum der
Schmerzdiagnostik und -therapie ab. Rund 2000 Teilnehmer – Mediziner
verschiedener Fachgebiete, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten,
Apotheker und andere – werden erwartet.

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