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Gesundheit

Von Telemedizin bis Schwindeldiagnostik | 103. Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte

Endoskopische Mittelohrchirurgie, Telemedizin in der Hals-Nasen-
Ohrenheilkunde oder  Schwindeldiagnostik in der Praxis – dies sind nur
drei der aktuellen Themen, die die Fachexpert*innen bei der 103.
Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte
diskutieren werden. Unter der Leitung von Professor Thomas Hoffmann, dem
Ärztlichen Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und
Halschirurgie des Universitätsklinikums Ulm, findet die Veranstaltung von
Freitag, 20. September, bis Samstag, 21. September, im Stadthaus Ulm
statt.

„Die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ist ein äußerst vielschichtiges
medizinisches Fachgebiet, das viele Menschen aus allen Altersschichten
betrifft. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir die Tagung der Vereinigung
Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte dieses Jahr in Ulm ausrichten
können“, sagt Tagungspräsident Professor Thomas Hoffmann. Die
Veranstaltung steht unter dem Motto „Intersektoral, Interdisziplinär,
International, Internetbasiert“. Im Vordergrund stehen also die Vernetzung
und Zusammenarbeit der Spezialgebiete innerhalb der Hals-Nasen-
Ohrenheilkunde sowie mit anderen Disziplinen, der Austausch mit
internationalen Kolleg*innen sowie  Möglichkeiten, die die
Informationstechnologie in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde bietet. Neben
Impulsreferaten und Rundtischgesprächen bleibt ausreichend Raum für freie
Vorträge, um aktuelle Entwicklungen in Klinik und Praxis aufzuzeigen sowie
berufspolitisch relevante Themen zu diskutieren. Umrahmt wird das Programm
von zahlreichen praktischen Kursen und Workshops.

Terminüberblick 103. Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-
Nasen-Ohrenärzte:
Freitag, 20. September, 09:00 Uhr – Samstag, 21. September, 16:00 Uhr
Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, 89073 Ulm
Im Anhang finden Sie das Programm mit allen Informationen, Vorträgen und
Workshops.
Anmeldung unter: https://mi3.lambdalogic.de/kelcon-online/HNO2019.do

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25 Jahre Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: Zugang zur Palliativversorgung muss allen offenstehen

"25 Jahre und kein bisschen leise" - unter diesem Motto feierten rund 200
Gäste im Berliner Museum für Kommunikation das 25-jährige Bestehen der
Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP): Am 2. Juli 1994 von 14
Personen in Köln gegründet, zählt die DGP heute über 6.000 Mitglieder:
Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und in der Palliativversorgung Tätige aus
weiteren beteiligten Berufsgruppen. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft
setzt sich an diversen Schnittstellen dafür ein, schwerkranken und
sterbenden Menschen unabhängig von ihrer Grunderkrankung, ihrem Alter und
ihren Lebensumständen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen
Palliativ- und Hospizversorgung zu öffnen.

Bundesgesundheitsminister: Hospiz- und Palliativgesetz als Rahmen für
letzte Lebens-phase

Anlässlich des Festaktes zu 25 Jahren Deutsche Gesellschaft für
Palliativmedizin (DGP) in Berlin betonte Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn in seinem Video-Grußwort: „Wenn ein geliebter Mensch schwer krank
wird und sterben muss, ist das für niemanden leicht – nicht für den
Erkrankten und auch nicht für die Angehörigen. Darum ist es ungeheuer
wichtig, dass wir die Menschen in einer solch schwierigen Zeit
unterstützen, ihnen so gut es geht helfen und für sie da sind. Es geht
auch darum, die Betroffenen bestmöglich medizinisch zu versorgen,
Schmerzen zu lindern und bis zuletzt für ein selbstbestimmtes Leben zu
sorgen. Hierfür leistet die Palliativmedizin einen unschätzbar wichtigen
Beitrag. Das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für
Palliativmedizin ist darum ein guter Anlass, um „Danke“ zu sagen. Danke,
dass Sie für die Menschen da sind, wenn sie Sie am dringendsten brauchen.“

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Prof. Dr.
Lukas Radbruch, bedankte sich für die kontinuierliche und starke
Unterstützung der Politik auf dem Weg zu einer qualitativ hochwertigen
Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland: „Das Hospiz- und
Palliativgesetz 2015 ist ein Meilenstein, welcher das Recht auf eine
angemessene Versorgung am Ende des Lebens festschreibt.“

Bundesfamilienministerium gratuliert mit Förderzusage

Ebenso habe das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
mit der Unterstützung des Prozesses zur Umsetzung der „Charta zur
Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ erheblich
dazu beigetragen, dass die Themen Sterben, Tod und Trauer in der
Gesellschaft selbstverständlicher und offener miteinander besprochen
werden.

Ein besonderes Präsent zum Jubiläum hatte der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundesfamilienministerium Stefan Zierke, MdB, dabei:
„Mit herzlichen Glückwünschen auch von der Bundesfamilienministerin darf
ich Ihnen übermitteln, dass unser Ministerium die Koordinierungs- und
Vernetzungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung für weitere drei
Jahre fördert.“ Dies mit dem Ziel, die zentralen Anliegen der Charta und
ihre Leitsätze zu verbreiten und die Umsetzung der Handlungsempfehlungen
zu befördern.

Deutsche Krebshilfe: Gründung der DGP im Jahr 1994 war bedeutender
Meilenstein

Wesentlich auf dem Weg der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin war
von Anbeginn an die äußerst großzügige und fortdauernde Unterstützung
durch die Deutsche Krebshilfe. Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der
Stiftung Deutsche Krebshilfe, hob in seinem Videoglückwunsch hervor: “Die
Gründung Ihrer Fachgesellschaft war zweifellos ein bedeutender Meilenstein
für die Versorgung schwerstkranker Menschen hierzulande. Seitdem hat sich
viel getan, heute ist die Palliativmedizin ein unverzichtbarer Teil
unseres Versorgungssystems, wenngleich nach wie vor noch
Verbesserungsbedarf besteht. (…) Sie können sicher sein, dass die Deutsche
Krebshilfe auch in Zukunft die Arbeit Ihrer Fach-gesellschaft begleiten
und die Palliativmedizin sowie Hospizarbeit nach Kräften unterstützen
wird. Sie alle haben in den vergangenen 25 Jahren wertvolle Arbeit
geleistet und viel für eine angemessene und würdevolle Betreuung
schwerstkranker Menschen getan.“

Erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin rechtzeitig zum Jubiläum
erschienen

Einen weiteren immensen Fortschritt auf dem Weg zu einer qualitativ
hochwertigen Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen konnte
die DGP rechtzeitig zum Jubiläum verzeichnen: Unter ihrer Federführung
wurde kürzlich im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die erweiterte
S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patient*innen mit einer nicht-heilbaren
Krebserkrankung veröffentlicht: In 15 Kapiteln zu Themen wie Atemnot,
Übelkeit und Erbrechen, Fatigue, maligne Wunden, Obstipati-on, aber auch
Depression, Angst, Schlafstörungen/nächtliche Unruhe, Todeswünsche,
Kommunikaton, Sterbephase und Versorgungsstrukturen werden 442
Empfehlungen für die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren
Krebserkrankung geboten. Diese sind nahezu vollständig auch auf andere
chronische Erkrankungen übertragbar.

„25 Jahre und kein bisschen leise“ – unter diesem Motto feierten rund 200
Gäste im Berliner Museum für Kommunikation die dynamische Entwicklung der
wissenschaftlichen Fachgesellschaft: Am 2. Juli 1994 von 14 Personen in
Köln gegründet, zählt die DGP heute über 6.000 Mitglieder aus Medizin,
Pflege und weiteren an der Palliativversorgung beteiligten Berufsgruppen
und setzt sich an diversen Schnittstellen dafür ein, schwerkranken und
sterbenden Menschen unabhängig von ihrer Grunderkrankung, ihrem Alter und
ihren Lebensumständen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen
Palliativ- und Hospizversorgung zu öffnen.

DGP-Präsident Lukas Radbruch: Zugang zur Palliativversorgung muss allen
offenstehen

Trotz Feierlaune unterstrich DGP-Präsident Prof. Dr. Lukas Radbruch: “Wenn
auch vieles erreicht ist, so bleibt doch keine Zeit zum Ausruhen!“ Noch
immer gäbe es weiße Flecken auf der Landkarte der Palliativversorgung, in
ländlichen Gebieten sei der Weg zum nächsten SAPV-Team oder zu einer
entsprechend qualifizierten Einrichtung oft viel zu weit. Nach wie vor
seien vor allem Patient*innen mit weit fortgeschrittener Krebserkrankung
im Fokus der Palliativversorgung, Patienten mit chronischen Herz-,
Lungen-, Nieren- oder neurologischen Erkrankungen bedürfen ihrer aber
genauso. In Pflegeeinrichtungen finden die Bewohner häufig noch keinen
Zugang zu einer angemessenen Hospiz- und Palliativversorgung.

Der Staffelstab der Fachgesellschaft wurde seit 1994 vom
Gründungspräsidenten Prof. Dr. Dr. Heinz Pichlmaier an insgesamt vier
weitere Präsidenten weitergegeben, gemeinsam gedachten diese in Berlin mit
Dankbarkeit des im Frühjahr 2019 verstorbenen Pioniers der
Palliativmedizin. Die Fachgesellschaft freute sich außerdem über
zahlreiche Ehrengäste sowie über eine Reihe von Gründungs-, Vorstands- und
Ehrenmitgliedern, die zusammen mit aktuell Aktiven einen beschwingten und
anregenden Abend in Berlin feierten. Dafür sorgte auch der Festvortrag der
Philosophin Dr. Celina von Bezold zum Thema „Aushalten – Festhalten –
Haltung zeigen? Philosophische Ideen zum Umgang mit Leid und Leben“ im
Zusammenspiel mit Musik und jiddischen Liedern der Klezmerschicksen, all
dies launig moderiert von Prof. Dr. Dr. Berend Feddersen und Dr. Henrikje
Stanze.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) steht seit ihrer
Gründung am 2. Juli 1994 als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die
interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung. Ihre 6.000
Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich
für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger
Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Die Palliativmedizin konzentriert
sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und
spirituelle Be-handlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender
Menschen sowie ihrer Angehörigen. www.palliativmedizin.de

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Abtastuntersuchung am Universitätsklinikum Ulm zur Diagnose von CED.  Foto: Universitätsklinikum Ulm

Gut leben mit CED | Universitätsklinikum Ulm informiert über chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Abtastuntersuchung am Universitätsklinikum Ulm zur Diagnose von CED.  Foto: Universitätsklinikum Ulm
Abtastuntersuchung am Universitätsklinikum Ulm zur Diagnose von CED. Foto: Universitätsklinikum Ulm

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis
ulcerosa sind weit verbreitet: Rund 400.000 Menschen leiden allein in
Deutschland an den schweren Krankheiten. Wie Betroffene trotzdem ein gutes
Leben führen können, erfahren sie am Samstag, 14. September 2019 von 09:00
bis 13:00 Uhr, beim Informationstag „Morbus Crohn/Colitis ulcerosa“ im
Hörsaal der Inneren Medizin des Universitätsklinikums Ulm. Der Eintritt
ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die am häufigsten auftretenden
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Während bei der Colitis ulcerosa
nur der Dickdarm entzündet ist, kann Morbus Crohn den gesamten
Verdauungstrakt – von der Mundhöhle bis zum After – betreffen. Beide
Krankheiten treten meist in Schüben auf und machen sich zum Beispiel durch
häufige Durchfälle, Bauchschmerzen oder Fieber bemerkbar. Die Symptome
können jedoch von Patient*in zu Patient*in verschieden sein. „Morbus Crohn
und Colitis ulcerosa sind schwere Erkrankungen, welche die Lebensqualität
der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Ziel unserer
Informationsveranstaltung ist es, Patientinnen und Patienten Mut zu machen
und zu zeigen, dass sie trotz Krankheit ein gutes Leben führen können“,
erklärt PD Dr. Jochen Klaus, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für
Innere Medizin I und Leiter der CED-Ambulanz.
Die CED-Expert*innen des Universitätsklinikums Ulm sowie weitere externe
Fachleute informieren die Teilnehmenden unter anderem darüber, welche
Auswirkungen CED auf eine Schwangerschaft haben, welche Ernährung und
Nahrungsergänzung in den verschiedenen Krankheitsphasen zu empfehlen ist
und wie Sexualität und Partnerschaft mit einer chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung zu vereinbaren sind. Zusätzlich werden Selbsthilfegruppen
vor Ort sein und ihre Angebote vorstellen.

Terminüberblick Informationstag „Morbus Crohn/Colitis ulcerosa“
Samstag, 14.September 2019, von 09:00 bis ca. 13:00 Uhr
Hörsaal der Inneren Medizin, Universitätsklinikum Ulm, Albert-Einstein-
Allee 23, 89081 Ulm

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TAVI: Freisetzung einer Aortenklappenprothese.  Illustration: medicalARTWORK, Mainz

Herzklappen-Ersatz mit dem Katheterverfahren TAVI: für wen geeignet?

TAVI: Freisetzung einer Aortenklappenprothese.  Illustration: medicalARTWORK, Mainz
TAVI: Freisetzung einer Aortenklappenprothese. Illustration: medicalARTWORK, Mainz

Herzstiftung informiert über Aortenklappen-Ersatz mit dem TAVI-Verfahren
und weitere Therapiemöglichkeiten
Eine Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) zählt zu den
häufigsten Herzklappenerkrankungen in Deutschland. Etwa drei bis vier
Prozent der 60- bis 70-Jährigen sowie bis zu zehn Prozent der über
80-Jährigen leiden darunter. Ist die Herzklappe so stark verengt, dass es
zu Luftnot bei Belastung oder sogar in Ruhe kommt, raten Kardiologen in
der Regel zu einem Ersatz der Herzklappe. Bei der Standardoperation zur
Behandlung der Aortenklappenstenose wird der Brustkorb eröffnet, der
Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und das Herz
stillgelegt. Der Herzchirurg entfernt die krankhaft veränderte Klappe und
ersetzt sie durch eine Klappenprothese; eine Reparatur ist hier seltener
möglich. Dieses Verfahren wird seit Jahrzehnten angewendet, und es können
mit ihm sehr gute langfristige Ergebnisse erzielt werden. Für inoperable
Hochrisiko- und ältere Patienten (über 85 Jahre), für die nicht die
Standardoperation in Frage kommt, steht seit rund 15 Jahren die
schonendere kathetergestützte Aortenklappen-Implantation, kurz „TAVI“
(Transcatheter Aortic Valve Implantation) zur Verfügung, bei der die neue
Herzklappe über einen Katheter ins Herz eingeführt wird.

„Während bei den herkömmlichen, operativen Verfahren eine Vollnarkose und
der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine nötig sind, kann der
kathetergestützte Aortenklappenersatz mit dem TAVI-Verfahren ohne Herz-
Lungenmaschine durchgeführt werden. Auch eine Vollnarkose ist häufig nicht
mehr erforderlich und der Eingriff wird in örtlicher Betäubung und mit
einer leichten Sedierung vorgenommen“, erläutert der stv. Vorsitzende der
Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Ärztlicher
Direktor des AGAPLESION Bethanien Krankenhaus und Kardiologe im
Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main. Für
welche Patienten das herzchirurgische oder TAVI-Verfahren in Frage kommt,
was Betroffene bei der Indikationsstellung beachten sollten und wie es
nach der TAVI-Prozedur weitergeht, darüber informiert der Herzstiftungs-
Ratgeber „Herzklappenerkrankungen: Verfahren, Symptome, Diagnosen und
aktuelle Therapien“. Betroffene können ihn unter www.herzstiftung.de
/Herzklappenerkrankung-Sonderband oder per Tel. unter 069 955128400
kostenfrei bestellen.

Verengte Aortenklappe führt zu Atemnot und Schwindel
Herzklappen zählen zu den mechanisch am meisten beanspruchten Teilen
unseres Körpers: Bei jedem Herzschlag – rund 100.000 Mal pro Tag – öffnen
und schließen sie sich und kontrollieren wie Ventile den Blutstrom durch
unser Herz. Mit am stärksten beansprucht wird die Aortenklappe, die am
Übergang der linken Herzkammer zur Hauptschlagader (Aorta) sitzt. Dort
kontrolliert sie den Blutfluss des sauerstoffreichen Blutes aus dem Herzen
in den Körperkreislauf. Mit steigendem Alter kann es zu einer Verkalkung
und Verhärtung der Herzklappe kommen: Fettstoffe aus dem Blut lagern sich
an den feinen Taschen der Aortenklappe ab, die dadurch ihre Flexibilität
verliert. Die verengte Herzklappe führt dazu, dass weniger Blut in die
Aorta und damit in den Körperkreislauf gelangt. Der Herzmuskel muss
stärker pumpen, gleichzeitig verschlechtert sich die Leistungsfähigkeit,
es kann zu Atemnot bei Belastung, Herzschmerzen oder Schwindel kommen.

TAVI-Verfahren besonders schonend
Um die kranke Herzklappe zu ersetzen, gab es bis vor einigen Jahren nur
die Möglichkeit, operativ unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine eine
mechanische oder biologische Klappe einzusetzen. Seit Einführung des TAVI-
Verfahrens gibt es alternativ die Möglichkeit, die neue Herzklappe per
Katheter durch eine Arterie – am häufigsten durch die Leistenarterie – ins
Herz einzuführen und dort die defekte Klappe zu ersetzen. Beim TAVI-
Verfahren wird die neue biologische Herzklappe zunächst in einem
Drahtgeflecht (Stent) verankert, auf einen speziellen Katheter aufgebracht
und durch die Arterie bis zur Herzklappe vorgeschoben. Die neue Klappe
drückt die defekte Aortenklappe in die Schlagaderwand und nimmt deren
Platz am Ausgang der linken Herzkammer ein. 2017 wurden laut Deutschem
Herzbericht 2018 in Deutschland rund 29.000 Aortenklappen ersetzt – rund
20.000 davon mittels TAVI.

TAVI vor allem für Patienten über 75 Jahren geeignet
Zunächst kam das TAVI-Verfahren vor allem bei hochbetagten Hochrisiko-
Patienten zum Einsatz, für die das Risiko einer Operation mit Öffnung des
Brustkorbs zu hoch erscheint. Inzwischen liegen Studien vor, nach denen
TAVI auch für Patienten über 75 Jahren mit mittlerem Operationsrisiko
Vorteile bietet. Somit kann TAVI auch bei diesen Patienten eingesetzt
werden. „Da weder ein Schnitt in den Brustkorb und zunehmend häufiger auch
keine Vollnarkose nötig ist, erholen sich Patienten von dem Katheter-
Eingriff schnell und können oft schon am nächsten Tag wieder aufstehen“,
berichtet der Kardiologe. Risiken des TAVI-Verfahrens sind u. a.
Gefäßverletzungen sowie eine Klappenundichtigkeit oder die Notwendigkeit,
einen Herzschrittmacher einzusetzen. Noch fehlen verlässliche Daten zur
Langzeithaltbarkeit der TAVI-Prothesen, z. B. zu ihrem Zustand nach zehn
bis 15 Jahren. Deshalb gilt zurzeit für Patienten unter 75 Jahren nach wie
vor der operative Aortenklappenersatz als Standardtherapie, wenn sie ein
mittleres oder niedriges Risiko haben. „TAVI sollte bei Patienten unter 75
Jahren nur dann eingesetzt werden, wenn sie inoperabel oder Hochrisiko-
Patienten sind“, betont Prof. Voigtländer. "Wichtig ist die
Indikationsstellung zur Therapie der Aortenklappenstenose, dem betreuenden
Kardiologen kommt hierbei eine entscheidende Bedeutung zu." In Deutschland
werden im internationalen Vergleich die meisten TAVI-Prozeduren
durchgeführt, sodass auch die Indikation zur Therapie generell (TAVI oder
Operation) immer sehr verantwortungsvoll erfolgen muss. Vom gemeinsamen
Bundesausschuss (G-BA) und in den europäischen Leitlinien wird vorgegeben,
dass ein Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten endgültig
entscheidet, welches Verfahren die beste Prognose für den Patienten
bietet. Das interdisziplinäre Herzteam berücksichtigt das Risiko und den
Nutzen aller verfügbaren Strategien für jeden einzelnen Patienten und
bezieht dabei Kriterien wie dessen Alter, seine Lebenserwartung und
weitere wichtige Punkte ein. Das Ziel dabei ist es, dem Patienten das für
ihn individuell am besten passende, sicherste und langfristig
erfolgversprechendste Verfahren zu empfehlen.

Tipp: Der aktuelle Ratgeber „Herzklappenerkrankungen: Verfahren, Symptome,
Diagnosen und aktuelle Therapien“ der Deutschen Herzstiftung bietet
ausführliche Informationen über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei
Herzklappenerkrankungen. Betroffene und Interessierte Mitglieder können
den Ratgeber unter der Nummer 069 955128400 oder online unter
www.herzstiftung.de/Herzklappenerkrankung-Sonderband kostenfrei bestellen

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