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Gesundheit

Verbesserte Prävention, Therapie und Nachsorge für Patienten mit Magenkrebs

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL) hat die aus dem Jahr 2012 stammende
S3-Leitlinie Magenkarzinom aktualisiert. Unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS) wurden alle bestehenden
Behandlungsempfehlungen für das Magenkarzinom und für Tumoren des
Mageneingangs überprüft und wenn nötig überarbeitet. „Wir haben auch neue
Empfehlungen formuliert, unter anderem zur Prävention und zur
neoadjuvanten sowie palliativen Chemotherapie“, erläutert
Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Markus Möhler von der Universitätsmedizin
Mainz.

Bereits bestehende Kapitel zu supportiven, palliativen und
ernährungsmedizinischen Maßnahmen wurden aktuellen Empfehlungen der
S3-Leitlinien Palliativmedizin, Supportivtherapie und Ernährungsmedizin
angeglichen. Die Thematik Nachsorge wurde zusätzlich ergänzt.

An der Erstellung waren insgesamt 47 ehrenamtlich arbeitende Fachexperten
von 28 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt. Insgesamt wurden
141 aktuelle Empfehlungen im Rahmen der S3-Leitlinienmethodik konsentiert.
Hierfür wurden zu zahlreichen Fragestellungen die verfügbaren Studien
systematisch recherchiert und methodisch bewertet. Ermöglicht wurde das
Projekt durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Krebshilfe.

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der wesentliche Risikofaktor für die
Entstehung eines Magenkarzinoms. In der aktualisierten Leitlinie wurden
deshalb die Risikogruppen definiert, bei denen das Bakterium durch
Antibiotika-Therapie vollständig beseitigt werden sollte, um das
Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Dies ist etwa bei Patient*innen mit einer
Pangastritis der Fall, also einer chronischen Entzündung der
Magenschleimhaut. Ein frühes Erkrankungsalter und ein vermehrtes Vorkommen
von Magenkrebs in der Familie können auf eine erbliche Form der Erkrankung
hinweisen, etwa im Zusammenhang mit einem sogenannten Hereditary
Nonpolyposis Colorectal Cancer (HNPCC) oder mit einer e-Cadherin-Mutation.
In diesen Fällen sollte ein Humangenetiker hinzugezogen werden.

Die Behandlung von Magenkrebs hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie
beispielsweise vom Alter der Patient*innen, von den Begleiterkrankungen
und vom Erkrankungsstadium. Oftmals können kleine Tumoren endoskopisch
oder chirurgisch entfernt werden. Wenn der Krebs bereits lokal gestreut
hat, muss vor und nach der Operation eine acht- bis neunwöchige
Chemotherapie und in der Speiseröhre gegebenenfalls eine
Radiochemotherapie erfolgen, um die langfristigen Heilungschancen deutlich
zu verbessern. „Hier haben wir in Deutschland die Kombination FLOT aus
verschiedenen Chemotherapeutika erfolgreich etabliert“, sagt Möhler. Diese
Kombination sei mit Begleitmedikation gut verträglich und könne die
Überlebenszeit und Heilungsrate der Patienten signifikant verbessern.
„Dieses perioperative Therapiekonzept kann auch bei Erkrankten mit gutem
Allgemeinzustand mit minimal gestreuter Metastasierung angewandt werden“,
so Möhler. Auch wenn der Stellenwert einer Therapie mit Immuncheckpoint-
Inhibitoren bei unselektierten Patient*innen noch unklar ist, kann hier
nach Therapieversagen in Einzelfällen mit Mikrosatelliten-Instabilität
(MSI) ein Antrag bei den Kassen in Erwägung gezogen werden. Wichtig ist
zudem, dass Ärzt*innen allen vom Magenkrebs Betroffenen eine strukturierte
Nachsorge anbieten. „Die Kontrolle sollte in den ersten zwei Jahren nach
der Therapie halbjährlich und bis zum fünften Jahr jährlich erfolgen.“

Im Jahr 2014 erkrankten 15.430 Menschen neu an Magenkrebs (Quelle: Robert
Koch-Institut, Krebs in Deutschland für 2013/2014). In Deutschland sind
zwar in den letzten Jahren die Erkrankungs- und Sterberaten beim
klassischen Magenkrebs rückläufig; gestiegen sind sie allerdings bei
Tumoren am Übergang von Magen und Speiseröhre. Dennoch ist das
Sterberisiko im Vergleich zu anderen Krebsarten weiter hoch. Die Fünf-
Jahres-Überlebensrate bei Frauen beträgt 33 Prozent, bei Männern 30
Prozent. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass Alarm-Symptome spät
auftreten und der Tumor häufig erst im fortgeschrittenen Stadium
diagnostiziert wird. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter.

Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens
und ösophagogastralen Übergangs“ ist auf diesen Webseiten abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/magenkarzinom/
https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-
dgvs/magenkarzinom/


Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone-Nutzer finden die App hier:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.onkologie.leitlinienprogramm
iPhone-Nutzer
können die Leitlinien-App hier herunterladen:
https://itunes.apple.com/de/app/leitlinienprogramm-
onkologie/id1453684655#?platform=iphone

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 25 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche
Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute
vereint sie mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler aus der
Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich
wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und
Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein
besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und
Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der
Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter:
https://www.dgvs.de/

Originalpublikation:
Abrufbar unter https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/magenkarzinom/
bzw. https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-
dgvs/magenkarzinom/

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Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts)  Foto: DGKJ\Hauss

Salzkuss war gestern! Ein Tropfen Blut hilft heute, die Erbkrankheit Mukoviszidose früh zu erkennen

Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts)  Foto: DGKJ\Hauss
Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts) Foto: DGKJ\Hauss

Wenn früher ein Kuss auf die Stirn eines
Säuglings salzig schmeckte, ahnten unsere Vorfahren, dass das Kind nicht
mehr lange leben würde. Der salzige Schweiß des Babys zeigte die tödliche
Krankheit Mukoviszidose an. Das ist lange her: Die Früherkennung läuft
heute völlig anders.

Weil Dr. Olaf Sommerburg mit wissenschaftlichen Studien über ein neues
Testverfahren maßgeblich Anteil daran hat, die frühen Diagnose-
Möglichkeiten für diese Krankheit in Deutschland verbessert zu haben,
verleiht ihm die Stiftung Kindergesundheit den Meinhard von Pfaundler-
Preis.

Die Mukoviszidose (von lateinisch mucus = Schleim, viscidus = zähflüssig,
klebrig) gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten in Deutschland: Jedes
Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der Krankheit
geboren. Ein Fehler im Erbgut der Betroffenen verursacht die Bildung zähen
Schleimes, der die Lunge verstopft. Auch andere Organe wie Leber und Darm,
Schweiß- und Tränendrüsen sind betroffen. Das Kind leidet schon als
Säugling unter quälendem Husten. Man kann aber den Gendefekt nutzen, um
die Krankheit mittels Gentest sicher zu erkennen. So kann man die
Krankheit behandeln, bevor sie vollständig ausbricht. Ein Tropfen Blut
reicht aus, um bereits bei Neugeborenen kurz nach der Geburt die Krankheit
zu erkennen. In Deutschland möchte man bei einer solchen Suche aber
gesunde Kinder, die lediglich Anlageträger für diese Krankheit sind, nicht
finden. Der Heidelberger Kinder- und Jugendarzt PD Dr. Olaf Sommerburg hat
mit seinem Team umfassend an diesem Testverfahren geforscht, um diese
Bedingung zu erfüllen. Zugleich hat er sich dafür eingesetzt, dass neue
Test in eine kostenfreie Früherkennungs-Untersuchung eingehen konnte, die
heute allen Familien mit Neugeborenen in Deutschland zur Verfügung steht.
Zwei Millionen Neugeborene wurden bisher mit der neuen Methode untersucht.
Bei zirka 500 von ihnen wurde dadurch die folgenreiche Erbkrankheit gleich
in den ersten Lebenstagen erkannt.

„Durch Früherkennung und moderne Behandlung hat die Mukoviszidose einen
Teil ihres Schreckens verloren. Viele Betroffene könnten heute bei früher
Diagnose und optimaler Behandlung fast ein normales Lebensalter
erreichen.”, sagt Dr. Olaf Sommerburg vom Universitätsklinikum Heidelberg.
Der Gründer und Vorstand der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Berthold
Koletzko unterstreicht bei der Preisverleihung: „Genau diese frühe
Erkennung ist es, die eine sofortige Hilfe ermöglicht. Ohne diese frühe
und genaue Vorsorge durchlebten sowohl Kinder als auch Familien lange und
einschneidende Leidenswege. Heute kann die Kinder-und Jugendmedizin
schneller und effektiver reagieren.“

Die Preisverleihung fand am 14.09.2019 im Rahmen der Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in München statt.

Zum Meinhard von Pfaundler-Preis für Pädiatrische Prävention:

Mit diesem Preis werden Wissenschaftler ausgezeichnet, die durch ihre
Arbeit die Prävention im Kinder- und Jugendalter in Deutschland maßgeblich
vorangetrieben haben. Preisträger des Meinhard von Pfaundler-
Präventionspreises haben neue Notwendigkeiten zur Gesundheitsförderung
erkannt und adäquate Präventionsstrategien mitentwickelt. Sie haben
überzeugende wissenschaftliche Beweise dafür vorgelegt, dass die
Prävention im frühen Kindesalter zu einem guten Start ins Leben beitragen
kann.

Zum Namensgeber:

Prof. Meinhard von Pfaundler war eine außergewöhnliche Persönlichkeit in
der Kinder- und Jugendmedizin. Schon mit 34 Jahren übernahm er 1906 die
Leitung der Münchner Universitäts-Kinderklinik, die heute als Dr. von
Haunerschen Kinderspital Teil der Ludwig Maximilians Universität München
ist. Von Pfaundler bestimmte als Forscher und Arzt die Geschicke der
Klinik bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1939. Er erbrachte wichtige
Beiträge zur Systematisierung und Neuorientierung der deutschen Pädiatrie.
Als Hochschullehrer prägte er eine neue Generation von Pädiatern. Er war
Mitbegründer der „Zeitschrift für Kinderheilkunde“ und des „Zentralblatts
für die gesamte Kinderheilkunde“ sowie Schriftleiter der „Ergebnisse der
Inneren Medizin und Kinderheilkunde“. Die Stiftung Kindergesundheit
erinnert mit dem Meinhard von Pfaundler Preis für Pädiatrische Prävention
an den berühmten Kinderarzt.

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Eine Online-Umfrage soll Erkenntnisse zur Verbesserung der Patientensicherheit liefern.  Jacobs University

Patientensicherheit: Jacobs University startet Online-Umfrage unter Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen

Eine Online-Umfrage soll Erkenntnisse zur Verbesserung der Patientensicherheit liefern.  Jacobs University
Eine Online-Umfrage soll Erkenntnisse zur Verbesserung der Patientensicherheit liefern. Jacobs University

Das Wohl der Patienten steht im Zentrum des Gesundheitswesens. Aber nicht
immer läuft alles wie geplant, weshalb die Mitarbeitenden selbst oft
unzufrieden sind. Vor allem die Kommunikation zwischen den Beteiligten
kann verbessert werden. Passend zum „Welttag der Patientensicherheit“ am
17. September führt ein Team um Dr. Sonia Lippke, Professorin für
Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University,
eine Online-Umfrage unter Mitarbeitenden über die Arbeitsbedingungen im
Gesundheitswesen durch. Es wird zur Teilnahme an der Umfrage eingeladen.

194 Länder, darunter auch Deutschland, beteiligen sich am „Welttag der
Patientensicherheit“ („World Patient Safety Day“), den die
Weltgesundheitsversammlung initiiert hat. Er stellt die
Patientensicherheit in den Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung. Die
Behandlung soll sicherstellen, dass Patienten möglichst nach
wissenschaftlichen Standards und ohne Fehler oder vermeidbare
Nebenwirkungen versorgt werden. Dazu ist auch ein Bewusstsein um das Thema
und die Bereitschaft zur Verbesserung notwendig. Die Befragung der Jacobs
University Bremen will dazu die Sicht der Mitarbeitenden einholen.

„Die Patientensicherheit wurde zwar als oberste Priorität erkannt, jedoch
ist noch nicht klar genug, was alles die Patientensicherheit in der
deutschen Gesundheitsversorgung gefährdet“, sagt Projektleiterin Christina
Derksen aus dem Team um Prof. Lippke. Aufgrund der bisherigen Forschung
scheinen die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen wichtig zu sein. Aber
auch die Kommunikation innerhalb der sehr interdisziplinären Teams und mit
Patienten und Angehörigen ist oft nicht einfach. Ergänzend meint Prof.
Lippke: „Nur mit den ehrlichen Antworten von Mitarbeitern können wir ein
gutes Verständnis davon bekommen, wo Verbesserungen notwendig sind.“

Die Befragung beleuchtet Risiken für die Patientensicherheit sowie die
Kommunikation im Gesundheitswesen und in Teams. Teilnehmen können alle
Mitarbeiter mit Patientenkontakt, zum Beispiel Ärzte und Ärztinnen,
Pflegekräfte, Hebammen sowie Psychologen und Psychologinnen, aber auch
Patientenfürsprecher und andere ehrenamtliche Unterstützer. Es geht darum,
wie zufrieden die Befragten mit der aktuellen Situation und den (Arbeits-)
Bedingungen sind, was gute Kommunikation ausmacht und wie der Alltag im
Gesundheitswesen aussieht. Die Erkenntnisse münden in Empfehlungen und
konkrete Maßnahmen, die die Bewältigung von Schwierigkeiten im
Klinikalltag verbessern sollen.
Die Befragung findet im Rahmen eines Forschungsprojekts statt, das von der
Jacobs University koordiniert wird und an dem auch das
Universitätsklinikum Frankfurt, das Universitätsklinikum Ulm, das
Aktionsbündnis Patientensicherheit sowie die Techniker Krankenkasse
beteiligt sind.

Über folgenden Link geht es zur Umfrage:
https://www.unipark.de/uc/Lippke/18fd

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Dr. Caroline Morbach leitet das Echokardiographie-Labor im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI).  Gregor Schläger

Die wenigsten Menschen leben herzgesund

Dr. Caroline Morbach leitet das Echokardiographie-Labor im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI).  Gregor Schläger
Dr. Caroline Morbach leitet das Echokardiographie-Labor im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). Gregor Schläger

Forscher aus dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI)
und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) haben
belegt, dass sich die typischen kardiovaskulären Risikofaktoren
unterschiedlich auf die Herzfunktion auswirken können. Frauen scheinen
anfälliger für Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte zu sein. Am
gefährlichsten für den Herzmuskel, für den weiblichen und den männlichen,
zeigte sich Übergewicht. Das weibliche Herz scheint zwar empfindlicher
gegenüber kardiovaskulären Risikofaktoren zu sein, Frauen wiesen diese
aber seltener auf. Generell hatten überraschend viele Menschen im
mittleren Alter mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor.

Die Echokardiografie, auch als Herzecho bekannt, ist eine der wichtigsten
Untersuchungen, um Veränderungen am Herzen zu erkennen. In der
Ultraschalluntersuchung wird die Bewegung des Herzmuskels sichtbar. Das
Verkürzungs- und Ausdehnungsprofil, das über strain (Maß der
Längenveränderung) und strain rate (Geschwindigkeit der Längenveränderung)
gemessen wird, liefert wichtige Informationen über die Pumpleistung des
Herzens. Doch das Erkennen „abnormaler“ Funktionen erfordert zunächst eine
Definition von „normal“. Bislang gab es weder Referenzwerte für die
diastolische strain rate noch ausreichende Erkenntnisse über die
Auswirkungen von Alter und Geschlecht auf die Verformung des Herzmuskels.

Normwerte für Bewegungsprofil des Herzmuskels

Ein Forschungsteam am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg
(DZHI) und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B)
um die Kardiologin Dr. Caroline Morbach hat jetzt Normwerte für die
systolische und diastolische Verformung des Herzens erstellt. Ferner haben
sie die Auswirkungen von Alter, Geschlecht und klassischen
kardiovaskulären Risikofaktoren auf die Funktion des Herzmuskels
untersucht.

Für die Referenzwerte haben die Echo-Spezialisten die Werte von 1818
Teilnehmern aus der STAAB-Studie untersucht. In der STAAB-Kohortenstudie
am DZHI wurden und werden insgesamt 5.000 Probanden aus Würzburg im Alter
von 30 bis 79 und ohne bekannte Herzinsuffizienz innerhalb von circa drei
Jahren zweimal untersucht. Ziel der STAAB-Studie, die von den Professoren
Peter Heuschmann (IKE-B) und Stefan Störk (DZHI) geleitet wird, ist es,
herauszufinden, wie häufig eine noch unentdeckte Herzschwäche in der
Bevölkerung auftritt und welche Faktoren die frühen Stadien A und B der
Volkserkrankung auslösen. Die Subkohorte war im Schnitt 54 Jahre alt, 52
Prozent von ihnen war weiblich.

Überraschend viele Menschen haben Risikofaktoren

Bei der Stichprobe für die Erstellung der Normwerte, haben sich die
Forscher auf die Probanden konzentriert, die keine bekannten
Herzerkrankungen und keine kardiovaskulären Risikofaktoren hatten.
„Überraschenderweise waren das sehr wenige“, bemerkt Caroline Morbach.
„Von den 1818 Probanden waren lediglich 542 Personen augenscheinlich
gesund, noch nicht einmal jeder dritte. Die anderen 1276 Personen hatten
mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor.“ Zu den Risikofaktoren
zählen Übergewicht (Adipositas = Body Mass Index von über 30kg/m2),
Diabetes mellitus, Nikotinkonsum, Bluthochdruck (Hypertonie = Blutdruck
höher als 140 / 90 mmHg oder eine blutdrucksenkende Therapie) und
Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie = LDL-Cholesterin-Wert von über
190 mg/dl oder fettsenkende Therapie).

„Allein diese Erkenntnis ist schon ein Alarmzeichen“, warnt Caroline
Morbach. „Sehr viele Menschen haben vor allem schon in jüngeren Jahren
mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor. Interessanterweise
überwiegen in der gesunden Gruppe die Frauen. 58 Prozent der Probanden
ohne Risikofaktoren waren Frauen und hatten ein Durchschnittsalter von 49
Jahren.“

Frauenherzen schlagen anders

In einem zweiten Schritt haben die Forscher den Einfluss kardiovaskulärer
Risikofaktoren auf die Herzfunktion untersucht und dabei eine wichtige
Entdeckung gemacht, die das weibliche Herz betrifft. Denn Frauen scheinen
zunächst zwar gesünder zu sein, liegt jedoch ein kardiovaskulärer
Risikofaktor vor, reagieren ihre Herzen vermutlich empfindlicher als
Männerherzen. „Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass der weibliche
Herzmuskel anfälliger ist gegenüber hohem Blutdruck und erhöhten
Blutfettwerten. Adipositas hatte einen geschlechtsunabhängigen und
insgesamt den stärksten negativen Einfluss auf die Funktion des
Herzmuskels“, erläutert Caroline Morbach.

Gesunder Lebensstil und Gesundheits-Check-ups beim Arzt

„Diese Ergebnisse belegen einmal mehr, wie wichtig ein gesunder Lebensstil
und Achtsamkeit im Alltag sind“, kommentiert Prof. Dr. Stefan Störk,
Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie im DZHI. „Versuchen Sie,
Ihr Normalgewicht zu erreichen und zu halten, ernähren Sie sich gesund,
meiden Sie Nikotin und dauerhaften Stress und lassen Sie regelmäßig Ihre
Risikowerte wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette bei Ihrem Hausarzt
kontrollieren.“

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