Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und
der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) vereint im German Board and
College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) rufen dringend zur Teilnahme
an der Impfung gegen Humane Papillomviren auf: Wirksamkeit und Sicherheit
nach mehr als 12-jähriger Anwendung belegt.
12 Jahre nach erfolgreicher Einführung der Impfung gegen Humane
Papillomviren (HPV) als Standardimpfung aller Mädchen ab 9 Jahren hat die
Ständige Impfkommission 2018 die HPV-Impfung auch für alle Jungen im
gleichen Altersbereich in den aktuellen Impfkalender aufgenommen. Alle
Jungen und Mädchen, die nicht schon früh geimpft wurden, sollen die
Impfung bis zum 18. Geburtstag nachholen. Die Kosten werden sowohl von den
gesetzlichen Krankenkassen als auch den privaten Krankenversicherungen
voll übernommen.
Damit ist jetzt der Weg frei zur Verhinderung von Erkrankungen, die durch
Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Laut Statistik erkranken in
Deutschland jährlich 4.600 Frauen neu an einem Zervixkarzinom, 1.600
Frauen sterben jedes Jahr daran. Auch andere Karzinome, insbesondere im
Genital- (Scheide, Scheidenvorhof und Penis), Anal- sowie im Mund- und
Rachenbereich werden durch die gleichen HP-Viren ausgelöst. Mehr als 30%
aller HPV-bedingten Krebse in Europa finden sich bei Männern. In
Deutschland liegen für Männer die Fallzahlen an Anal-, Penis- und Kopf-
Hals-Karzinomen (Zunge, Mandeln, Mund-Rachenbereich) bei 4.800
Neuerkrankungen und 1.924 Sterbefällen pro Jahr. Neben den bösartigen
Erkrankungen werden durch Humane Papillomviren auch übertragbare
Warzenbildungen im Genitalbereich bei jeweils etwa 300.000 Männern und
Frauen jährlich ausgelöst.
Die Übertragung der HP-Viren erfolgt durch Hautkontakte, besonders durch
Sexualkontakte und ist durch Kondomgebrauch nicht zu verhindern. Da sich
mehr als 80% aller Menschen im Laufe des Lebens mit HPV infizieren und
diese Infektionen symptomlos verlaufen, kann sich das Virus in der
Bevölkerung gut verbreiten.
Das Mitimpfen der Jungen wird zu einer Verringerung der Virusübertragung
und zur deutlichen Reduktion der Krankheitslast von HPV-assoziierten
Tumoren bei beiden Geschlechtern führen. Bei hoher Impfbeteiligung besteht
sogar die Chance, durch Verringerung des Virusaustausches auch eine
Auslöschung von Erkrankungen durch die in den Impfstoffen berücksichtigten
HPV-Typen zu erreichen.
Nach mehr als 12-jähriger Impfstoff-Anwendung können verlässliche Angaben
zu Nebenwirkungen, Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfstoffe gemacht
werden: So wurde die Effektivität der HPV-Impfung bei Mädchen und Frauen
anhand vieler Studien inzwischen bewiesen. In Ländern mit hoher
Impfbeteiligung konnte bereits wenige Jahre nach Einführung der Impfung
ein Rückgang der Erkrankungszahlen an Genitalwarzen, eine Abnahme der
Krebsvorstufen am Gebärmutterhals und sogar eine Verringerung der
Krebsdiagnosen festgestellt werden.
Seit Einführung der HPV-Impfung sind nach Auswertung aller Melderegister
keine schweren bleibenden Schäden aufgetreten, wie die STIKO in ihrer
Begründung zur HPV-Impfung der Jungen nochmals eindringlich ausführt.
Nebenwirkungen der Impfung sind ebenso selten wie bei den anderen
Standardimpfungen im Impfkalender.
Die Impfung entfaltet den höchsten Schutzeffekt, wenn vor einem möglichen
HPV-Kontakt geimpft wird. Deshalb empfehlen der BVF und die DGGG, die HPV-
Impfung im frühestmöglichen Alter durchführen zu lassen. Zugelassen sind
die HPV-Impfstoffe ab einem Alter von 9 Jahren, eine Altersbegrenzung nach
oben gibt es nicht. Auch nach dem 18. Geburtstag bis ins höhere Alter ist
die Impfung hoch wirksam, und es gibt viele Gründe für die Durchführung
der Impfung auch in diesem Altersbereich, die mit dem Frauenarzt
besprochen werden sollten.
Frauenärzt/innen haben es in der Hand, zukünftig Frauen wie Männern viel
Leid durch HPV-abhängige Tumore zu ersparen, und stehen für weitere
Informationen und die Durchführung der Impfung bereit. Man braucht nicht
mehr über Sicherheit, Wirksamkeit und Nutzen der HPV-Impfung zu
diskutieren: Die Nutzen-Risiko-Abwägung spricht bewiesenermaßen längst für
die Impfung. Gynäkolog/innen in Klinik und Praxis sollten jetzt dazu
beitragen, diese segensreiche Impfung allen Jungen und Mädchen verfügbar
zu machen.
Verfasser:
Dr. Michael Wojcinski
Sprecher der AG Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.
© German Board and College of Obestrics and Gynecology 2019
German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG)
Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe (DGGG e.V.) und des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF)
e.V.
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG
e.V.
Prof. Dr. Anton Scharl, Amberg/Weiden
Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte BVF
Dr. Christian Albring, München
Sprecher GBCOG
Prof. Dr. Diethelm Wallwiener, Tübingen
Stellvertretender Sprecher GBCOG
Prof. Dr. Uwe Wagner, Marburg
Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG
e.V.
Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Hamburg
Prof. Dr. Frank Louwen, Frankfurt
Vertreter des Berufsverbandes der Frauenärzte BVF e.V.
Dr. Klaus König, Steinbach
Dr. Doris Scharrel, Kronshagen