Die weltweit größte Studie zur Behandlung der aggressiven Hepatitis delta
wurde im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung durchgeführt.
Heute veröffentlichte Ergebnisse der internationalen Studie zeigen, dass
eine Verlängerung der Therapie positive Auswirkungen auf den Zustand der
Leber hat und damit das Fortschreiten der Erkrankung hemmen kann, jedoch
nicht zu wesentlich höheren Heilungsraten führt.
Die Hepatitis delta ist die chronische Lebererkrankung mit den
schwerwiegendsten Folgen, die durch Viren verursacht wird. Die Betroffenen
entwickeln sehr häufig eine Leberzirrhose und Leberzellkrebs; für viele
Patienten bleibt die Lebertransplantation als letzte Therapieoption. Die
Erkrankung wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis D-Virus (HDV)
verursacht. Das HDV ist das kleinste bekannte Virus, das Menschen
infizieren kann. Nur Patienten mit einer bestehenden Hepatitis B können
sich mit dem Hepatitis D-Virus infizieren, da das Virus das Hülleiweiß des
Hepatitis B-Virus benötigt, um Leberzellen zu infizieren.
Aktuelle Schätzungen gehen von weltweit ca. 15 bis 25 Millionen und in
Deutschland von etwa 30.000 Menschen aus, die chronisch mit dem Hepatitis
D-Virus infiziert sind. Die derzeit einzige Therapieoption ist eine
einjährige Behandlung mit einem modifizierten Gewebshormon, dem
pegylierten Interferon alfa, basierend auf einer Studie des „Kompetenznetz
Hepatitis“, einem Projekt der Deutschen Leberstiftung, deren Ergebnisse im
Jahr 2011 veröffentlicht wurden. In dieser Studie konnte gezeigt werden,
dass bei ca. 25 bis 30 Prozent der Infizierten zum Ende der Therapie das
Virus nicht mehr nachweisbar war (HIDIT-I-Studie des „Kompetenznetz
Hepatitis“; NEJM 2011). Leider kam es jedoch im Langzeitverlauf nach
Therapieende bei vielen Patienten zu einem erneuten Anstieg der Viruslast,
sodass nur bei wenigen Betroffenen eine langfristige Viruskontrolle
erreicht werden konnte (Heidrich et al.; Hepatology 2014). Unklar blieb,
ob mit einer verlängerten Therapie oder durch eine Behandlung in
Kombination mit einem weiteren Medikament gegen die gleichzeitig
bestehende Hepatitis B die Ausheilungsraten erhöht werden können.
Im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung wurde daher in
Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Firma
Roche Pharma die derzeit weltweit größte Studie (The Hep-Net International
Delta Hepatitis Interventional Trial, HIDIT-II) zur antiviralen Behandlung
der chronischen Hepatitis delta durchgeführt. In der HIDIT-II wurden in
einer internationalen Zusammenarbeit von Zentren in Deutschland,
Griechenland, Rumänien und der Türkei 120 Patienten für 96 Wochen entweder
mit PEG Interferon alfa-2a und Tenofovir disoproxil (einem Medikament, das
zur Behandlung der Hepatitis B zugelassen ist) oder PEG Interferon alfa-2a
und einem Placebo behandelt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt in
der angesehenen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“, dem
international bedeutendsten Journal im Bereich Infektionserkrankungen,
veröffentlicht.
Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass eine deutliche Verminderung
der Lebervernarbung, also eine Verbesserung des Zustandes und der Funktion
der Leber zum Ende der Therapie, beobachtet wurde. „Dieser Befund konnte
in der Form weltweit erstmals dokumentiert werden, was für die
Langzeitprognose der Patienten von wesentlicher Bedeutung ist“, stellt
Professor Heiner Wedemeyer, Koordinator der Studie und Direktor der Klinik
für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen
heraus. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie
Leberzirrhose oder Leberzellkrebs deutlich reduziert.“ Wichtig ist auch
die durchaus gute Verträglichkeit der verlängerten Therapie, obwohl
Interferone Nebenwirkungen wie grippeartige Symptome oder
Blutbildveränderungen verursachen können.
Auch mit der zweijährigen Therapie konnten Rückfälle nach Therapieende
nicht verhindert werden. Professor Cihan Yurdaydin aus der Abteilung
Gastroenterologie der Universität Ankara, verantwortlicher Prüfarzt für
die Türkei, erklärt, dass aufgrund der HIDIT-II-Studie eine auf zwei Jahre
verlängerte Therapie nicht generell empfohlen werden kann. „Diese für die
klinische Praxis sehr wichtige Studie zeigt aber, dass bei Patienten mit
gutem Therapieansprechen eine Verlängerung durchaus in Betracht gezogen
werden kann“, stellt er klar.
„Die vom HepNet Study-House initiierte Studie war eine logistische
Meisterleistung über fast zehn Jahre, die weltweit einmalige Ergebnisse
erbracht hat und nur mit der Infrastruktur des HepNet Study-House,
internationaler Zusammenarbeiten sowie der Unterstützung durch das
Hannover Clinical Trial Center (HCTC) möglich war“, betont Professor
Michael P. Manns. Er ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie,
Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover und
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.
Die Studie wurde mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung (DZIF) und der Unterstützung der Firmen Roche Pharma
AG und Gilead Sciences GmbH durchgeführt.
Literatur: Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for
hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial
(H. Wedemeyer, C. Yurdaydin, S. Hardtke, F. A. Caruntu, M. G. Curescu, K.
Yalcin, U. S. Akarca, S. Gürel, S. Zeuzem, A. Erhardt, S. Lüth, G. V.
Papatheodoridis, O. Keskin, K. Port, M. Radu, M. K. Celen, R. Idilman, K.
Weber, J. Stift, U. Wittkop, B. Heidrich, I. Mederacke, H. von der Leyen,
H. P. Dienes, M. Cornberg, A. Koch, M. P. Manns for the HIDIT-II study
team), The Lancet Infectious Diseases, Volume 19, ISSUE 3, P275-286, March
01, 2019, doi: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(18)30663-7
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen.
Weitere Informationen zur Stiftung unter http://www.deutsche-
leberstiftung.de.