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Gesundheit

Ein gesundes Frühstück gehört zur ausgewogenen Ernährung. Das Kompetenzcluster „nutriCARD“ stellt sich auf der „didacta“ 2019 in Köln vor.  Symbolbild: Anne Günther/FSU

Gesund und kreativ Die Universität Jena ist mit zwei Exponaten auf der Bildungsmesse „didacta“ 2019 in Köln präsent

Ein gesundes Frühstück gehört zur ausgewogenen Ernährung. Das Kompetenzcluster „nutriCARD“ stellt sich auf der „didacta“ 2019 in Köln vor.  Symbolbild: Anne Günther/FSU
Ein gesundes Frühstück gehört zur ausgewogenen Ernährung. Das Kompetenzcluster „nutriCARD“ stellt sich auf der „didacta“ 2019 in Köln vor. Symbolbild: Anne Günther/FSU

Die „didacta“ ist die größte Messe rund um die Themen Pädagogik, Bildung
und Weiterbildung in Deutschland. In diesem Jahr wird sie vom 19. bis 23.
Februar in Köln ausgerichtet, dabei war die Universität Jena mit zwei
Ausstellern vertreten.

Unter dem Titel „Brettspiele und LEGO®-Kreativität“ lädt
Mathematikprofessor Dr. Ingo Althöfer die Besucherinnen und Besucher ein,
sich kreativ mit Legosteinen zu beschäftigen. Für Aufmerksamkeit dürfte
dabei ein knallgrüner Betonmischer sorgen, den Althöfer zweimal am Tag mit
Legosteinen bestückt, um Zufallskomplexe zu generieren. Der Betonmischer
ersetzt die Waschmaschine, mit der Ingo Althöfer bislang Legosteine im
Schleudergang miteinander verbunden hat. Außerdem möchte Prof. Althöfer
die „Kreativität im Kleinen“ anregen: „Den Besucherinnen und Besuchern
stelle ich die reizvolle Aufgabe, aus wenigen Lego-Teilen ganz
verschiedene Modelle zu stecken. Der Spiel- und Kombinationsfreude sind
dabei keine Grenzen gesetzt.“

Bildungsmaterial für Kindergärten und Schulen wird vom Kompetenzcluster
für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) der Universitäten
Jena, Halle und Leipzig auf der „didacta“ vorgestellt. Entstanden ist das
Material in Kooperation mit der Thüringer Sektion der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung. „Vor allem das Heft ?Ernährung?, das als
Unterrichtsbegleitmaterial für die 7. und 8. Klasse konzipiert und konform
mit dem Thüringer Lehrplan ist, bietet Schülern einen guten Überblick zu
den verschiedenen Aspekten einer gesundheitsfördernden vollwertigen
Ernährung“, sagt Professor Stefan Lorkowski vom Institut für
Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Außerdem
würden aktuelle Forschungsergebnisse des Kompetenzclusters „nutriCARD“ zu
Mechanismen ernährungs- und altersbedingter Erkrankungen vorgestellt.
Dieses Material habe bereits bei der „didacta“ im Vorjahr große Resonanz
und Lob des Fachpublikums erfahren, so Stefan Lorkowski.

Das Kompetenzcluster „nutriCARD“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung finanziertes Verbundprojekt mit dem Ziel, die Gesundheit der
Bevölkerung durch ein verbessertes Ernährungsverhalten nachhaltig zu
fördern.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena ist auf der „didacta“ in Köln am
Gemeinschaftsstand „Forschung für die Zukunft“ vertreten, bei dem
Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen ausstellen. Zu finden ist der Stand B 068 in Halle 08.1.

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In Würzburg hat das Studienteam um Prof. Dr. Christoph Wanner (zweiter von rechts) den ersten Patienten bundesweit für die EMPA-Kidney Studie rekrutiert.  Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI)

Würzburg rekrutiert ersten Patienten für Studie zum Herz- und Nierenschutz

In Würzburg hat das Studienteam um Prof. Dr. Christoph Wanner (zweiter von rechts) den ersten Patienten bundesweit für die EMPA-Kidney Studie rekrutiert.  Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI)
In Würzburg hat das Studienteam um Prof. Dr. Christoph Wanner (zweiter von rechts) den ersten Patienten bundesweit für die EMPA-Kidney Studie rekrutiert. Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI)

Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung dürfen hoffen. In der
internationalen klinischen EMPA-Kidney Studie wird untersucht, ob der
Wirkstoff Empagliflozin positive Auswirkungen auf die Niere hat, die
Notwendigkeit einer Dialysebehandlung verringert und schlussendlich Leben
rettet. Das Studienteam am Uniklinikum Würzburg hat jetzt den ersten
Patienten deutschlandweit und nach Oxford den zweiten weltweit
eingeschlossen. Die internationale Studie wird von der Universität Oxford
in Kooperation mit der Universität Würzburg koordiniert.

Insgesamt werden 5.000 Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung in
den USA, Kanada, China, Japan, Malaysia, Großbritannien und Deutschland
untersucht. Die deutsche Studienzentrale ist in der Medizinischen Klinik
und Poliklinik I des Uniklinikums Würzburg angesiedelt und wird vom
Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg unterstützt. In
Deutschland nehmen 33 Zentren an der Studie teil, mit insgesamt 1.000
Patienten.

„Ich freue mich sehr, dass es jetzt auch praktisch losgeht“, sagt
Professor Dr. Christoph Wanner, Leiter der Klinischen Prüfung. „Wir haben
mit der University of Oxford lange darauf hin gearbeitet, die EMPA-Kidney
Studie auf den Weg zu bringen. Gemeinsam untersuchen wir, ob die tägliche
Einnahme einer Empagliflozin-Tablette eine Verschlechterung der
Nierenerkrankung oder den Tod infolge einer Herzerkrankung bei Patienten
mit einer Nierenerkrankung verhindern kann. Dazu erhält die Hälfte der
Studienteilnehmer eine Empagliflozin-Tablette, während die andere Hälfte
ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff, ein so genanntes Placebo, erhält.“

In der großen klinischen EMPA-REG OUTCOME Studie, in der Patienten mit
Herzerkrankung und Typ-2-Diabetes untersucht wurden, haben Würzburger
Forscher bereits nachgewiesen, dass Empagliflozin nicht nur den Blutzucker
senkt, sondern auch die Todesfälle infolge einer Herzerkrankung reduziert
und positive Auswirkungen auf die Nieren hat. Nun bauen neue klinische
Studien wie EMPA-Kidney auf diese wichtigen Ergebnisse auf. Sie sollen
zeigen, ob das Diabetes-Medikament Empagliflozin auch bei Patienten ohne
Diabetes einen Herz- und Nierenschutz aufweist.

In Deutschland nehmen insgesamt 33 Zentren an der EMPA-Kidney Studie teil.
Bis Ende 2019 sollen bundesweit insgesamt 1.000 Patienten rekrutiert
werden. In Würzburg wurden dafür gerade die ersten Study Nurses und
Koordinatoren aus den teilnehmenden Prüfzentren geschult.

Information über den Wirkstoff: Empagliflozin wurde ursprünglich zur
Behandlung von hohen Blutzuckerwerten bei Diabetespatienten entwickelt. Es
sorgt dafür, dass vermehrt Blutzucker - etwa 10 Teelöffel pro Tag - über
den Urin ausgeschieden wird. Dies kann zu einer leichten Abnahme von
Gewicht und Blutdruck führen. Und das wirkt sich wiederum positiv auf Herz
und Nieren aus.

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Studienergebnisse zeigen: neue Therapieoptionen für Hepatitis D (delta) weiter dringend benötigt

Die weltweit größte Studie zur Behandlung der aggressiven Hepatitis delta
wurde im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung durchgeführt.
Heute veröffentlichte Ergebnisse der internationalen Studie zeigen, dass
eine Verlängerung der Therapie positive Auswirkungen auf den Zustand der
Leber hat und damit das Fortschreiten der Erkrankung hemmen kann, jedoch
nicht zu wesentlich höheren Heilungsraten führt.

Die Hepatitis delta ist die chronische Lebererkrankung mit den
schwerwiegendsten Folgen, die durch Viren verursacht wird. Die Betroffenen
entwickeln sehr häufig eine Leberzirrhose und Leberzellkrebs; für viele
Patienten bleibt die Lebertransplantation als letzte Therapieoption. Die
Erkrankung wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis D-Virus (HDV)
verursacht. Das HDV ist das kleinste bekannte Virus, das Menschen
infizieren kann. Nur Patienten mit einer bestehenden Hepatitis B können
sich mit dem Hepatitis D-Virus infizieren, da das Virus das Hülleiweiß des
Hepatitis B-Virus benötigt, um Leberzellen zu infizieren.

Aktuelle Schätzungen gehen von weltweit ca. 15 bis 25 Millionen und in
Deutschland von etwa 30.000 Menschen aus, die chronisch mit dem Hepatitis
D-Virus infiziert sind. Die derzeit einzige Therapieoption ist eine
einjährige Behandlung mit einem modifizierten Gewebshormon, dem
pegylierten Interferon alfa, basierend auf einer Studie des „Kompetenznetz
Hepatitis“, einem Projekt der Deutschen Leberstiftung, deren Ergebnisse im
Jahr 2011 veröffentlicht wurden. In dieser Studie konnte gezeigt werden,
dass bei ca. 25 bis 30 Prozent der Infizierten zum Ende der Therapie das
Virus nicht mehr nachweisbar war (HIDIT-I-Studie des „Kompetenznetz
Hepatitis“; NEJM 2011). Leider kam es jedoch im Langzeitverlauf nach
Therapieende bei vielen Patienten zu einem erneuten Anstieg der Viruslast,
sodass nur bei wenigen Betroffenen eine langfristige Viruskontrolle
erreicht werden konnte (Heidrich et al.; Hepatology 2014). Unklar blieb,
ob mit einer verlängerten Therapie oder durch eine Behandlung in
Kombination mit einem weiteren Medikament gegen die gleichzeitig
bestehende Hepatitis B die Ausheilungsraten erhöht werden können.

Im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung wurde daher in
Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Firma
Roche Pharma die derzeit weltweit größte Studie (The Hep-Net International
Delta Hepatitis Interventional Trial, HIDIT-II) zur antiviralen Behandlung
der chronischen Hepatitis delta durchgeführt. In der HIDIT-II wurden in
einer internationalen Zusammenarbeit von Zentren in Deutschland,
Griechenland, Rumänien und der Türkei 120 Patienten für 96 Wochen entweder
mit PEG Interferon alfa-2a und Tenofovir disoproxil (einem Medikament, das
zur Behandlung der Hepatitis B zugelassen ist) oder PEG Interferon alfa-2a
und einem Placebo behandelt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt in
der angesehenen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“, dem
international bedeutendsten Journal im Bereich Infektionserkrankungen,
veröffentlicht.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass eine deutliche Verminderung
der Lebervernarbung, also eine Verbesserung des Zustandes und der Funktion
der Leber zum Ende der Therapie, beobachtet wurde. „Dieser Befund konnte
in der Form weltweit erstmals dokumentiert werden, was für die
Langzeitprognose der Patienten von wesentlicher Bedeutung ist“, stellt
Professor Heiner Wedemeyer, Koordinator der Studie und Direktor der Klinik
für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen
heraus. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie
Leberzirrhose oder Leberzellkrebs deutlich reduziert.“ Wichtig ist auch
die durchaus gute Verträglichkeit der verlängerten Therapie, obwohl
Interferone Nebenwirkungen wie grippeartige Symptome oder
Blutbildveränderungen verursachen können.

Auch mit der zweijährigen Therapie konnten Rückfälle nach Therapieende
nicht verhindert werden. Professor Cihan Yurdaydin aus der Abteilung
Gastroenterologie der Universität Ankara, verantwortlicher Prüfarzt für
die Türkei, erklärt, dass aufgrund der HIDIT-II-Studie eine auf zwei Jahre
verlängerte Therapie nicht generell empfohlen werden kann. „Diese für die
klinische Praxis sehr wichtige Studie zeigt aber, dass bei Patienten mit
gutem Therapieansprechen eine Verlängerung durchaus in Betracht gezogen
werden kann“, stellt er klar.

„Die vom HepNet Study-House initiierte Studie war eine logistische
Meisterleistung über fast zehn Jahre, die weltweit einmalige Ergebnisse
erbracht hat und nur mit der Infrastruktur des HepNet Study-House,
internationaler Zusammenarbeiten sowie der Unterstützung durch das
Hannover Clinical Trial Center (HCTC) möglich war“, betont Professor
Michael P. Manns. Er ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie,
Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover und
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.

Die Studie wurde mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung (DZIF) und der Unterstützung der Firmen Roche Pharma
AG und Gilead Sciences GmbH durchgeführt.

Literatur: Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for
hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial
(H. Wedemeyer, C. Yurdaydin, S. Hardtke, F. A. Caruntu, M. G. Curescu, K.
Yalcin, U. S. Akarca, S. Gürel, S. Zeuzem, A. Erhardt, S. Lüth, G. V.
Papatheodoridis, O. Keskin, K. Port, M. Radu, M. K. Celen, R. Idilman, K.
Weber, J. Stift, U. Wittkop, B. Heidrich, I. Mederacke, H. von der Leyen,
H. P. Dienes, M. Cornberg, A. Koch, M. P. Manns for the HIDIT-II study
team), The Lancet Infectious Diseases, Volume 19, ISSUE 3, P275-286, March
01, 2019, doi: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(18)30663-7

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen.
Weitere Informationen zur Stiftung unter http://www.deutsche-
leberstiftung.de.

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Pflegefachkräfte aus dem Ausland: Beide Seiten müssen mehr voneinander wissen

Eine Studie des Instituts für Arbeit, Wirtschaft und Kultur (IWAK) der
Goethe-Universität Frankfurt am Main zeigt gegenseitige
Verständnisprobleme auf – und auch Lösungswege.

Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wäre der Pflegenotstand
hierzulande noch deutlicher spürbar. Doch die Integration dieser Menschen
in den Arbeitsalltag könnte besser laufen – und das liegt nicht in erster
Linie an sprachlichen Schwierigkeiten. Dies zeigt eine Studie des
Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität,
die gemeinsam mit dem Institut für Sozialforschung (IfS) erstellt wurde.

Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen stellen immer mehr Menschen
ein, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben. Die Zahl der
Fachkräfte in diesem Bereich, die jährlich einwandern, ist innerhalb von
fünf Jahren um das Fünffache angestiegen: Waren es 2012 noch 1.500
Pflegekräfte mit einem ausländischen Abschluss, wurden 2017 schon 8.800
solcher Mitarbeiter gezählt. Vor allem in Großstädten schreitet diese
Entwicklung rasch voran: In den Frankfurter Krankenhäusern, so schätzen
Experten, stammt inzwischen fast jede zweite neue Pflegefachkraft aus dem
Ausland.

Allerdings gelingt es in vielen Fällen nicht, die Fachkräfte auch in den
Einrichtungen zu halten. Vor diesem Hintergrund ist die durch die Hans-
Böckler-Stiftung geförderte Studie „Betriebliche Integration auf
globalisierten Arbeitsmärkten (BIGA)“ konzipiert worden. Wie die
Zusammenarbeit in Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Alltag funktioniert,
wurde in knapp 60 ausführlichen Interviews ergründet. Befragt wurden vor
kurzem eingewanderte Fachkräfte, aber auch deren in Deutschland
ausgebildete Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzte,
Arbeitnehmervertreter und Migrationsexperten. Dabei zeigte sich: Alle
Beteiligten sind mit der Zusammenarbeit oft unzufrieden. „Differenzen und
Missverständnisse werden immer wieder auf ‚kulturelle Unterschiede‘
zurückgeführt, haben ihre Ursache aber woanders“, stellt Sigrid Rand,
wissenschaftliche Mitarbeiterin des IWAK fest. Dabei hätten die Spannungen
in Wirklichkeit vor allem mit gegenseitiger Unkenntnis der
unterschiedlichen Arbeitszuschnitte zu tun: „In vielen Herkunftsländern
werden Pflegefachkräfte an Hochschulen ausgebildet. Eine hochqualifizierte
schulisch-betriebliche Ausbildung wie in Deutschland ist dort nicht
bekannt. In ihren Heimatländern konnten die Pflegekräfte mehr Management-
und Behandlungsaufgaben übernehmen, die in Deutschland den Ärzten
vorbehalten sind. Aufgaben der ‚Grundpflege‘ wie die Unterstützung beim
Essen oder bei der Körperpflege sind dort Sache spezieller Service-Kräfte
oder der Angehörigen.“

Ausländische Pflegekräfte fühlen sich aufgrund sprachlicher Barrieren von
Informationen ausgeschlossen, ihre alteingesessenen Kollegen kritisieren
an ihnen wiederum mangelnde Kenntnisse in der Grundpflege und beim
Sozialverhalten, heißt es in der Studie. Die ausländischen Fachkräfte
könnten allenfalls als Lernende angesehen werden, wurde im Interview
geäußert. Die neu migrierten Pflegefachkräfte reagierten auf die Konflikte
mit „systematischem Lernen“, einer „ambivalenten Anpassung“ – und bei
anhaltender Unzufriedenheit mit einer Abkehr von ihrem Arbeitsplatz und
unter Umständen mit der Rückkehr ins Heimatland.

Die Autoren der Studie plädieren dafür, dass Arbeitgeber die Beschäftigten
– ob neu hinzugekommen oder alteingesessen – mit den Herausforderungen
nicht allein lassen. Sie sollten vielmehr Raum für fachlichen Austausch
und Konfliktlösung schaffen, unabhängige Coaches zur Verbesserung der
Kommunikation einsetzen. Entscheidend sei auch, dass der Stress am
Arbeitsplatz nicht zu groß sei: Wenn die Pflege permanent unterbesetzt
ist, bleibt kaum Freiraum für solche wichtigen Aufgaben. Letztlich könne
man die andersartigen Erfahrungen ausländischer Kräfte aber auch nutzen,
um den Arbeitsalltag in Deutschland besser zu organisieren.

Ergänzend zur Studie wurde ein „Working Paper“ erstellt, an dem sowohl die
Forscher als auch Betriebsräte und Personalverantwortliche aus den
Pflegeeinrichtungen beteiligt waren. Darin finden Entscheider wichtige
Hinweise, um die Situation möglichst rasch zu verbessern. Darüber hinaus
bewirkte die Studie, dass das Hessische Ministerium für Soziales und
Integration das „Zentrum zur Anwerbung und nachhaltigen Integration
internationaler Pflege- und Gesundheitsfachkräfte (ZIP Hessen)“ ins Leben
gerufen hat. „Das ist ein gutes Beispiel für den direkten Transfer von
wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gesellschaft“, sagt Dr. Christa
Larsen, Geschäftsführerin des IWAK: „Hier können Pflegeeinrichtungen und
Krankenhäuser sich über den fachlichen Hintergrund ihrer neumigrierten
Pflegefachkräfte informieren und Missverständnisse vermeiden. Manche
schaffen es sogar, die zusätzlichen Kompetenzen für ihren Betrieb nutzbar
zu machen. Das hilft allen Seiten.“

Das IWAK an der Goethe-Universität befasst sich seit fast 20 Jahren mit
den Entwicklungen auf dem Pflegearbeitsmarkt. Die vom IWAK aufgebauten
Monitoringsysteme für Hessen und Rheinland-Pfalz liefern kontinuierlich
nützliche Daten für die Pflege, zum Beispiel zur Ausbildungsplanung. In
diesen beiden Bundesländern wird dadurch eine Transparenz im Pflegesektor
geschaffen, die bundesweit einmalig ist.

Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin am Institut für Wirtschaft, Arbeit
und Kultur, Zentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus
Bockenheim, Telefon +49 (0)69-798-22152, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
frankfurt.de

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-
UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der
europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln
überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen
erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und
Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und
Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren
historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an
Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drei größten deutschen
Universitäten. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der
Universität Mainz ist die Goethe-Universität Partner der
länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. www
.goethe-universitaet.de

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