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Gesundheit

Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK)  UKD

Weltpremiere in der Krebstherapie: Klinikum nutzt innovatives Verfahren

Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK)  UKD
Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK) UKD

Bei der Behandlung von Lebermetastasen übernimmt das Universitätsklinikum
Carl Gustav Carus Dresden erneut eine Vorreiterrolle. Anfang Februar 2019
wurde beim ersten Krebspatienten weltweit eine neue Testsubstanz vor der
Therapie der von Metastasen befallenen Leber mit radioaktiv beladenen
Kügelchen eingesetzt. Seit 2017 setzen die Experten der Klinik für
Nuklearmedizin in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für
Radiologie die mit Holmium-166 radioaktiv beladenen Kügelchen ein – der
weltweit erste Patient damals wurde ebenfalls am Universitätsklinikum
behandelt.

Vor dem Eingriff müssen die Mediziner genau überprüfen, an welchen Stellen
der Leber der Wirkstoff eingesetzt werden kann. Er soll nur an den vom
Krebs befallenen Stellen wirken – im restlichen, gesunden Teil der Leber
würde Holmium-166 großen Schaden anrichten. Bisher haben die Mediziner für
diesen Test eine Substanz eingesetzt, die zwar ähnlich, aber nicht
identisch dem Holmium-166 ist. „Die neue Testsubstanz ist genau wie das
Therapeutikum und gibt uns sowie den Patienten mehr Sicherheit“, sagt
Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Direktor des Instituts für diagnostische und
interventionelle Radiologie am Uniklinikum. Erst im Januar 2019 wurde der
Wirkstoff auf dem Markt zugelassen. „So können wir den Tumor bestmöglich
schädigen, ohne dabei die gesunde Leber anzugreifen.“

Das lebensbedrohliche Wachstum von Tumoren beziehungsweise Metastasen
lässt sich mit der „Selektiven Internen Radio-Therapie“ – kurz SIRT – in
vielen Fällen wirksam bremsen. Mit dem Verfahren lässt sich das
Krebsgewebe gleichzeitig aushungern und bestrahlen. Bei dieser
minimalinvasiven Therapie nutzen die Nuklearmediziner und Radiologen
sogenannte Mikrosphären. Das sind feinste Kügelchen mit einem Durchmesser
von 20 bis 30 Mikrometern – was etwa der drei- bis vierfachen Größe von
Blutplättchen entspricht. Die winzigen Sphären werden über einen Katheter
direkt in die Arterien des betroffenen Organs eingeschleust – das
Verfahren wird aktuell zumeist bei Tumorerkrankungen der Leber angewandt.
Aufgrund ihrer Größe passieren die Kügelchen das gesunde Gewebe,
verstopfen jedoch kleinere Blutgefäße der Tumore oder Metastasen und
verringern so deren Durchblutung. Dieses Prinzip nennen die Mediziner
Embolisation. Gleichzeitig geben die in den Gefäßen steckenbleibenden
Mikrosphären radioaktive Strahlung ab, die das kranke Gewebe so stark
schädigt, dass es abstirbt.

Bis 2017 nutzten die Ärzte weltweit den Beta-Strahler Yttrium-90 mit aus
Glas oder Kunstharz bestehenden Kügelchen als Trägersubstanz. Die nun
eingesetzten Mikrosphären bestehen aus dem Kunststoff Polylactid und sind
mit Holmium-166 markiert. Das weist besondere paramagnetische
Eigenschaften auf, die denen des Eisens weit überlegen sind. Am
Uniklinikum Dresden wurden im April 2017 erstmals weltweit diese Sphären
in der klinischen Routine eingesetzt. Seitdem wurden 15 Patienten damit
behandelt. Die Methode wird ausschließlich bei Patienten eingesetzt, bei
denen der Tumor in der Leber bereits Metastasen gebildet hat und eine
Operation nicht infrage kommt. Die Entscheidung, Krebspatienten mit der
Selektiven Internen Radio-Therapie zu behandeln, fällt im
interdisziplinären Tumorboard des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen (NCT/UCC). In diesem Gremium diskutieren die Experten
aller mit der Behandlung von Krebsleiden befassten Fachgebiete mehrmals
wöchentlich die Befunde aller Krebspatienten und entscheiden
einvernehmlich über die weiteren Schritte von Diagnostik und Therapie.

Um passgenau nur die vom Krebs befallenen Stellen mit den
Holmium-166-Kügelchen zu therapieren, müssen die Mediziner vorher eine
Testsubstanz verabreichen. Damit können Sie die genaue Verteilung der
Blutgefäße in der Leber und im Tumor erkennen. Bisher stand dafür eine
Testsubstanz zur Verfügung, die zwar dem Holmium-166 ähnelte, jedoch nicht
identisch war. Diese Unsicherheit für die Mediziner ist jetzt behoben. Der
neue Teststoff entspricht dem Therapeutikum in Größe und Dichte; er wurde
erst im Januar 2019 zugelassen. „Nun können wir noch genauer bestimmen,
wie sich das Holmium-166 in der Leber verteilt und ob es genau an die
Stelle in der Leber gelangt, wo wir den Tumor und die Metastasen bekämpfen
wollen“, sagt Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann. Die Testsubstanz erlebte ihre
Weltpremiere Anfang Februar 2019 am Uniklinikum Dresden, als sie einem
65-jährigen Patienten appliziert wurde.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass auch diese Premiere in Dresden
stattfand, ist die enge Zusammenarbeit der Experten der Klinik für
Nuklearmedizin mit ihren auf interventionelle Verfahren spezialisierten
Kollegen des Instituts für Radiologie. „Die erneute medizinische Premiere
am Uniklinikum Dresden beweist, das sich die intensive interdisziplinäre
Zusammenarbeit von Medizinern und Wissenschaftlern der Hochschulmedizin
Dresden auszahlt“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des
Dresdner Uniklinikums. „Die Vorreiterschaft beim Einsatz dieser noch
sichereren und für die Patienten schonenderen Methode ist ein Beleg für
Dresdens überragende Position in der Krebsmedizin.“

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Darmkrebs

Darmkrebsvorsorge rettet Leben – Telefonaktion zum Darmkrebsmonat am 07. und 08. März

Darmkrebs
Darmkrebs

Je eher erkannt, desto besser kann Darmkrebs geheilt oder durch die Entfernung von Krebsvorstufen sogar vermieden werden. Nun stehen bei der gesetzlichen Krebsvorsorge Verbesserungen an: Künftig haben Männer fünf Jahre früher, also bereits ab 50 Jahren, Anspruch auf eine Darmspiegelung. Voraussichtlich ab Juli 2019 werden darüber hinaus Versicherte von den Krankenkassen schriftlich zur Darmkrebsfrüherkennung eingeladen. Ziel der Neuerungen: Mehr Menschen sollen die Angebote nutzen – um ihre Gesundheit zu erhalten. Im Rahmen einer bundesweiten Telefonaktion vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Stiftung LebensBlicke beantworten am 07 und 08. März 2019 Ärztinnen und Ärzte alle Fragen rund um das Thema Darmkrebs.  

Immer noch werden die gesetzlichen Angebote zur Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs zu selten genutzt. Beispiel Darmspiegelung: Der Goldstandard für eine sichere Diagnostik wird nur von 20 bis 30 Prozent der Versicherten im entsprechenden Alter wahrgenommen*. Dabei konnte berechnet werden, dass mithilfe dieser Maßnahme in den ersten zehn Jahren nach ihrer Einführung 180.000 Darmkrebsfälle verhindert wurden. Denn Darmkrebs entwickelt sich in aller Regel aus langsam wachsenden Vorstufen, den sogenannten Adenomen. Diese können bei der Darmspiegelung direkt entfernt werden.

Diffuse Ängste vor der Darmspiegelung
Was also hält viele Menschen dennoch davon ab, das Angebot zu nutzen? „Nach unseren Erfahrungen ist die Darmspieglung immer noch mit diffusen Befürchtungen und Ängsten behaftet,“ so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Der Service beantwortet seit über 30 Jahren nicht nur Fragen von Krebspatienten und ihren Angehörigen, sondern informiert auch zu den Themen Vorbeugung und Früherkennung. Professor Jürgen Riemann, Internist und Gastroenterologe sowie Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke, kennt das Problem ebenfalls: „Auch, wenn Erkrankungen wie Darmkrebs längst nicht mehr so tabuisiert werden wie früher, Berührungsängste gibt es bei dem Thema nach wie vor. Umso wichtiger sind umfassende Informationen und Aufklärung.“ Die Stiftung setzt sich seit 1998 für die Information der Bevölkerung über die Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung ein und engagiert sich für die Motivation zur Teilnahme an den angebotenen Maßnahmen.

Besonderer Service: Telefonaktion 
Zum Darmkrebsmonat 2019 haben sich die Stiftung LebensBlicke und der Krebsinformationsdienst zusammengetan, um allen Interessierten ein besonderes Angebot zu machen. Am 07. und 08. März stehen Jürgen Riemann sowie die Ärztinnen und Ärzte des Krebsinformationsdienstes zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung (von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr, Telefon 0800-420 30 40, kostenfrei): 

•    Was kann ich tun, um mich vor Darmkrebs zu schützen?
•    Welche Früherkennungsuntersuchungen stehen mir zu?
•    Sind diese mit Risiken verbunden?
•    Wer übernimmt die Kosten?
•    Was bewirken die neuen gesetzlichen Regelungen?
 
Lange gefordert: Darmspieglung für Männer ab 50
Wissenschaftliche Daten haben gezeigt, dass Männer im Vergleich zu Frauen ein höheres Risiko haben und früher im Leben an Darmkrebs erkranken. Daher wird Männern künftig bereits ab einem Alter von 50, und nicht wie bisher ab 55 Jahren, eine Darmspiegelung angeboten. „Wir begrüßen diesen Fortschritt, den auch die Stiftung LebensBlicke schon lange gefordert hat“, so Riemann. „Sicherlich lassen sich damit die Erkrankungszahlen weiter reduzieren – vorausgesetzt, die Männer nehmen das Angebot auch wahr.“ Als wichtige Verbesserung für die Darmkrebsprävention gilt auch die Neuregelung, nach der voraussichtlich ab Juli alle Teilnahmeberechtigten von den Krankenkassen zu den Früherkennungsunter-suchungen für Darmkrebs eingeladen werden. „Es gibt Studien, die zeigen, dass die Teilnehmerraten steigen, wenn ein persönliches Anschreiben zum Einsatz kommt, ergänzt Weg-Remers. „Wir hoffen bei der Telefonaktion auf große Resonanz. Denn Wissen ist unbedingt notwendig, wenn es darum geht, eine gute Entscheidung zu treffen.“ Wer den schriftlichen Weg bevorzugt, kann seine Fragen auch per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de richten.

*Nicht berücksichtigt wurden bei dieser Angabe die Koloskopien, die nicht als Früherkennungs-koloskopie, sondern aus anderen Gründen, zum Beispiel zur Abklärung eines positiven Tests auf Blut im Stuhl oder von Beschwerden, durchgeführt wurden. 

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Der erste am NCT/UCC Dresden mit CAR-T-Zellen behandelte Patient mit dem Team der Early Clinical Trial Unit (v.r.n.l. Prof. Martin Bornhäuser, Dr. Martin Wermke, Dr. Raphael Teipel, Max Langner)  Quelle: ECTU Dresden

„Der Anzug muss sitzen“ – NCT/UCC Dresden entwickelt individualisierte Krebstherapien

Der erste am NCT/UCC Dresden mit CAR-T-Zellen behandelte Patient mit dem Team der Early Clinical Trial Unit (v.r.n.l. Prof. Martin Bornhäuser, Dr. Martin Wermke, Dr. Raphael Teipel, Max Langner)  Quelle: ECTU Dresden
Der erste am NCT/UCC Dresden mit CAR-T-Zellen behandelte Patient mit dem Team der Early Clinical Trial Unit (v.r.n.l. Prof. Martin Bornhäuser, Dr. Martin Wermke, Dr. Raphael Teipel, Max Langner) Quelle: ECTU Dresden

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden startet im Frühjahr
mehrere Studien für neue maßgeschneiderte Medikamente gegen Krebs / Montag
(4. Februar) ist Weltkrebstag

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) arbeitet
intensiv an der Zukunft der Krebsmedizin: Im April und Mai starten mehrere
Studien für neue maßgeschneiderte Medikamente gegen Krebs. „Wir wissen
heute, dass es hunderte Krebserkrankungen gibt, die sich gegeneinander
abgrenzen lassen. Jede dieser Einzelerkrankungen kann sich zudem von
Patient zu Patient unterscheiden und im Verlauf der Erkrankung weiter
verändern. Die moderne, so genannte personalisierte Krebsmedizin,
schneidet die gesamte Behandlung optimal auf den einzelnen Patienten zu“,
sagt Prof. Martin Bornhäuser, Geschäftsführender Direktor am NCT/UCC
Dresden und Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums
Carl Gustav Carus Dresden im Vorfeld des am 4. Februar stattfindenden
Weltkrebstages. Neben dem Einsatz maßgeschneiderter medikamentöser
Therapien entwickelt das NCT/UCC Dresden auch entsprechende Konzepte für
den OP, bei denen Patientendaten zum Planen und Ausführen operativer
Eingriffe herangezogen werden. Zum Beispiel sollen innovative Systeme
künftig die optimale Schnittführung oder Risikostrukturen in Echtzeit
anzeigen. Damit Patienten unmittelbar von den neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen profitieren, arbeiten am NCT/UCC Dresden Ärzte und
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, des Helmholtz-Zentrums Dresden-
Rossendorf (HZDR) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Hand in
Hand. Alle Kräfte im Kampf gegen Krebs zu bündeln, ist auch das Ziel der
Bundesregierung. Das Bundesforschungsministerium hat deshalb am 29. Januar
die „Nationale Dekade gegen Krebs“ ausgerufen.

Die Krankheit Krebs ist so individuell wie die Menschen, die daran
erkranken. „Die Krebsmedizin der Zukunft gleicht daher einem Maßanzug, der
für jeden Patienten mit höchster Präzision individuell angepasst wird.
Denn die enorme Vielfalt von Krebserkrankungen sorgt dafür, dass ein
Therapie-Anzug von der Stange bei keinem Patienten exakt sitzt“, sagt
Prof. Mechthild Krause. Die Geschäftsführende Direktorin am NCT/UCC
Dresden und Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
des Universitätsklinikums Dresden ist eine der Referentinnen zum Thema
personalisierte Onkologie beim 1. Deutschen Krebsforschungskongress, bei
dem Vertreter des NCT/UCC am 4. und 5. Februar mit zahlreichen führenden
Wissenschaftlern zu den neuesten Forschungsansätzen diskutieren.

Basis der personalisierten Krebstherapie sind unter anderem neue
diagnostische Methoden wie die molekular-genetische Untersuchung von
Tumorgewebe oder Blut. „Wir suchen nach Veränderungen, die Ursache für die
Entstehung, das Wachstum oder die Metastasierung von Tumoren sind. Sie
sind eine wichtige Grundlage – eine Art Schnittmuster – für die
maßgeschneiderte Behandlung. Denn im Idealfall lässt sich die Tumorzelle
genau an dieser veränderten Stelle mit zielgerichteten Therapien
angreifen“, erklärt Prof. Hanno Glimm, Geschäftsführender Direktor am
NCT/UCC Dresden und Leiter der Abteilung Translationale Medizinische
Onkologie.

Personalisierte Immuntherapien bedeuten wichtigen Fortschritt

Am NCT/UCC Dresden nutzen Ärzte und Wissenschaftler spezifische
biologische Merkmale von Tumoren beispielsweise dazu, um das Immunsystem
passgenau gegen die Krebserkrankung in Stellung zu bringen. So können hier
seit Mitte letzten Jahres Patienten des Universitätsklinikums Dresden mit
der innovativen CAR-T-Zell-Therapie behandelt werden. Die bislang
bundesweit nur an wenigen Zentren verfügbare Immuntherapie bietet Hoffnung
für Patienten mit aggressivem Lymphdrüsenkrebs und bestimmten Formen des
Blutkrebses, deren Tumorzellen ein ganz bestimmtes Oberflächenmerkmal
namens CD19 tragen. Körpereigene Immunzellen, gegen die sich Tumoren meist
sehr erfolgreich tarnen, werden hierzu im Labor mit einem künstlichen
Molekül versehen, das wie ein Navigationssystem zu dem spezifischen
Oberflächenmerkmal leitet. Das Immunsystem wird so in die Lage versetzt,
die Tumorzellen zu erkennen und zu beseitigen. „Bei etwa 40 Prozent der
Patienten, bei denen zuvor alle konventionellen Therapien versagten,
verschwindet der Krebs langfristig. Das ist einer der größten Fortschritte
der Krebsmedizin seit langem“, sagt Dr. Martin Wermke, Leiter der Early
Clinical Trial Unit am NCT/UCC Dresden.

Dresdner Wissenschaftler treiben diese therapeutische Innovation mit
voran: So entwickeln Forscher um Prof. Michael Bachmann, Direktor des
Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am HZDR und Prof.
Gerhard Ehninger, ehemals Direktor der Medizinischen Klinik I am
Universitätsklinikum Dresden, neben bispezifischen Antikörpern eine
spezielle CAR-T-Zell-Therapie, bei der sich die Aktivität der veränderten
Immunzellen an- und ausschalten und gegen verschiedene Oberflächenmerkmale
richten lässt. „Unseren Patienten am Universitätsklinikum können wir ein
außergewöhnlich breites Spektrum von personalisierten Immuntherapien
anbieten. Im Rahmen von Studien kommen ab April weitere Therapien mit T
-Zell-Rezeptor-modifizierten T-Zellen, bispezifischen Antikörpern sowie
tumorinfiltrierenden Lymphozyten hinzu“, sagt Dr. Wermke. „Mit den jetzt
beginnenden Studien stellt die Dresdner Hochschulmedizin ihre Stärke als
einer der führenden Standorte für translationale Forschung in der
Krebsmedizin unter Beweis. Das intensive und sehr kollegiale Miteinander
von Ärzten und Wissenschaftlern ist eine unserer Kernkompetenzen, die ein
Schlüssel für die erfolgreiche Überführung von Grundlagenforschung in die
Krankenversorgung ist“, betont Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand des Dresdner Uniklinikums.

Zielgerichtete Medikamente können aber auch ohne Aktvierung des
Immunsystems auf Prozesse der Krebsentwicklung einwirken. Sie verhindern
beispielsweise, dass Wachstums- und Vermehrungssignale in der Tumorzelle
ankommen oder sich Blutgefäße bilden, die die Tumorzelle mit Nährstoffen
und Sauerstoff versorgen. Prof. Christian Thomas, neu berufener Direktor
der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Dresden forscht etwa an
einem Protein, das normalerweise für die Regulierung von Zellteilung und
Zellwachstum zuständig ist. Beim Prostatakarzinom wird angenommen, dass
sich der Tumor die Eigenschaften dieses „Stat5“-Proteins zunutze macht und
durch deren vermehrte Bildung das eigene Wachstum anregt. Die Höhe des
Anteils vom „Stat5“-Protein im Prostatagewebe des Krebspatienten gibt dem
Arzt einen Hinweis auf die Aggressivität und das fortgeschrittene Stadium
des Prostatakarzinoms. In mehreren experimentellen therapeutischen Studien
konnte der Wissenschaftler darüber hinaus aufzeigen, dass sich „Stat5“
durch molekularbiologisch wirkende Medikamente zielgerichtet ausschalten
und das Tumorwachstum damit verlangsamen lässt.

Weniger Nebenwirkungen durch individualisierte Behandlung

Maßgeschneiderte Therapieansätze spielen auch bei der Reduktion von
Nebenwirkungen eine wichtige Rolle. So untersuchen Ärzte und Forscher des
NCT/UCC Dresden und des NCT Heidelberg in einer aktuellen Studie, ob sich
Tumoren des Mund-Rachen-Bereiches, die durch humane Papillomviren (HPV)
hervorgerufen wurden, mit einer verringerten Strahlendosis genauso wirksam
behandeln lassen, wie mit der bislang standardmäßig verabreichten
Strahlenmenge. „Wir senken die Strahlendosis in einem engmaschig
überwachten, zweistufigen Verfahren ab, das höchstmögliche Sicherheit für
die Patienten garantiert. So hoffen wir, langfristige gravierende
Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden und Störungen des
Geruchs- und Geschmackssinns deutlich reduzieren zu können“, erklärt
Studienleiterin Prof. Mechthild Krause.

Auch in der Krebschirurgie sind immer präzisere, nebenwirkungsärmere
Eingriffe möglich. Wissenschaftler und Ärzte am NCT/UCC Dresden entwickeln
computergestützte Assistenzsysteme, die den Chirurgen ausgehend von den
individuellen Patientendaten beim Planen und Ausführen operativer
Eingriffe unterstützen sollen. „Wir bieten dem Chirurgen intelligente
Hilfen für seine Arbeit an – ähnlich wie ein Navigationssystem im Auto.
Während einer Operation sollen die Systeme beispielsweise in Echtzeit die
optimale Schnittführung oder Risikostrukturen anzeigen“, erklärt Prof.
Stefanie Speidel, Leiterin der Abteilung für Translationale Chirurgische
Onkologie. „Voraussetzung für die Entwicklung solcher Assistenzsysteme
sind vernetzte Operationssäle, wie sie aktuell im Dresdner NCT-Neubau,
aber auch im neuen Chirurgischen Zentrum des Uniklinikums (Haus 32)
entstehen. Hier sind eine Vielzahl an Daten verknüpft – zum Beispiel
Planungsdaten, während der Operation erzeugte Bilder oder Informationen
über den Patienten und aktuelle Vorgänge im OP“, sagt Prof. Jürgen Weitz,
Geschäftsführender Direktor am NCT/UCC Dresden und Direktor der Klinik für
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

Die personalisierte Krebstherapie, die heute vielfach noch in der
Entwicklung ist, wird sich in den kommenden Jahren immer mehr durchsetzen.
Besonders konsequent werden ihre Möglichkeiten aktuell bereits im NCT-
MASTER-Programm ausgelotet und umgesetzt. Junge Krebspatienten und
Patienten mit sehr seltenen Krebserkrankungen haben im Rahmen des
Programms die Möglichkeit, das Erbgut ihres Tumors umfangreich analysieren
zu lassen. Auf dieser Basis suchen fächerübergreifende spezialisierte
Expertengremien – so genannte molekulare Tumorboards – anschließend nach
einer maßgeschneiderten Therapie. „Bei vielen Patienten können wir
hierdurch bemerkenswerte Erfolge erzielen“, sagt Prof. Hanno Glimm.
Bislang wurden rund 1.300 Patienten der NCT-Standorte Heidelberg und
Dresden sowie der Standorte des Deutschen Konsortiums für Translationale
Krebsforschung (DKTK) in das Programm einbezogen. „Personalisierte
Therapie muss nicht bedeuten, dass für jeden Patienten ein neues
Medikament entwickelt wird. Vielmehr wird die Behandlung individuell auf
die Biologie des jeweiligen Tumors angepasst. Um dies zu ermöglichen, ist
es unser langfristiges Ziel, die detaillierte genetische Diagnostik in die
normale Krebsversorgung einzubetten“, so Glimm.

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Schutzimpfungen durch Betriebsärzte

Die DGAUM hat die bundesweit ersten
Selektivverträge zur Regelung von Schutzimpfungen durch Betriebsärzte
abgeschlossen. Seit 1. Januar 2019 ist es erstmals möglich, dass
Betriebsärzte Schutzimpfungen im Betrieb durchführen und damit ihren
Versorgungsauftrag flächendeckend auch im Feld der gesetzlichen
Krankenversicherung erbringen können.

Schutzimpfungen durch Betriebsärzte seit 1. Januar 2019 möglich

Schutzimpfungen gehören zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen
Krankenkassen. Daher mussten Betriebsärzte ihre Impfleistungen bislang mit
den Krankenkassen einzeln abrechnen. Weil aber Betriebsärzte nicht über
die Strukturen einer Arztpraxis verfügen sondern in – oft
unterschiedlichen – Betrieben tätig sind, ist dieser Abrechnungsprozess
für viele zu aufwändig. Damit auch Betriebsärzte wirtschaftlich effizient
mit allen Kassen abrechnen können, ist eine externe und privatrechtlich
organisierte Abrechnungsstelle erforderlich. Dies ist seit dem 1. Januar
2019 möglich: Gemeinsam haben die Kooperationspartner DGAUM und BARMER
erreicht, dass erstmals die relevanten Regelungen und Bestimmungen im
Sozialgesetzbuch rechtlich so verbunden werden, dass dieses Problem mit
den neuen Selektivverträgen der DGAUM gelöst ist.

Impfen im Betrieb mit DGAUM-Selekt

Betriebsärzte, die an den Selektivverträgen der DGAUM teilnehmen, können
ihre Impfleistungen mit allen Krankenkassen zentral abrechnen. Wo und wie
der Patient versichert ist, ob gesetzlich oder privat, spielt für den
Betriebsarzt in seinem Arbeitsprozess keine Rolle mehr. Seine
Impfleistungen und die Impfstoffkosten erfasst er über die kostenlose
Software DGAUM-Selekt und kann damit den kompletten Abrechnungsservice
nutzen: die Software zur Leistungserfassung, das Online-Abrechnungsportal
sowie den Support über ein spezialisiertes Beratungszentrum. Betriebsärzte
müssen sich für eine Teilnahme direkt bei der DGAUM einschreiben. Weitere
Informationen unter <https://www.dgaum.de/themen/impfungen-durch-
betriebsaerzte/
>.

Aufgrund der hohen Relevanz für das Fachgebiet Arbeitsmedizin und den
Berufsstand der Betriebsärzte wird es im Rahmen der 59. Wissenschaftlichen
Jahrestagung der DGAUM (20.-22. März 2019 in Erfurt) zu diesem Thema eine
Informationsveranstaltung mit Live-Demonstration geben:

Impfen im Betrieb mit den Selektivverträgen der DGAUM
21. März 2019
13:30-15:00 Uhr
Messe Erfurt, Raum Ernst Abbe
Gothaer Str. 34, 99094 Erfurt

Programm und Anmeldung zur Jahrestagung unter
<https://www.dgaum.de/termine/jahrestagung/>
Presseakkreditierungen an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

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