Schutz vor dem Herzinfarkt: Herzstiftung unterstützt Verbesserung der Früherkennung
Herz-Vorsorge auf dem Prüfstand: Universitäres Herzzentrum Hamburg
erforscht neues Konzept zur Herzinfarkt-Früherkennung
In Deutschland erleiden jährlich über 290.000 Menschen einen Herzinfarkt
und 270.000 einen Schlaganfall. Rund 49.000 Menschen pro Jahr sterben
hierzulande am Herzinfarkt. Viele dieser Todesfälle könnten durch eine
frühzeitige Vorsorgeuntersuchung verhindert werden, die noch gezielter auf
die Risikofaktoren von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herz-
Kreislauf-Komplikationen wie Plötzlicher Herztod eingeht. Auch durch eine
Früherkennung, die in der Erwachsenenbevölkerung bereits in der
beschwerdefreien Entstehungsphase einer Herzgefäßerkrankung ansetzt,
könnten viele Sterbefälle verhindert werden. „Viele Herzinfarkte kommen
quasi aus heiterem Himmel“, erklärt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen,
Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Die
Patienten waren vorher komplett beschwerdefrei oder hatten allenfalls
wenige Tage vorher untypische Symptome.“ Solche Fälle lassen sich nicht
mit einer Vorsorgeuntersuchung, wie sie die Krankenkassen ihren
Versicherten ab 35 Jahren kostenfrei anbieten, aufdecken. „So wichtig ein
solcher Check-up auch ist. Zur Verbesserung der Qualität der
Vorsorgeuntersuchung benötigen wir Parameter mit größerer
Vorhersagegenauigkeit.“
Dieser Aufgabe widmet sich ein Forschungsvorhaben des Universitären
Herzzentrums Hamburg (UHZ), das durch die zweckgebundene Wolfgang
Seefried-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung finanziert wird.
Auslöser war ein Herznotfall: Einen Monat nach einer EKG-Untersuchung, die
keine Auffälligkeiten gezeigt hatte, erlitt der Mainzer Wolfgang Seefried
einen Herzinfarkt. Aus diesem Grund verfügte er, die von ihm zur Verfügung
gestellte Fördersumme von 210.000 Euro zur Verbesserung der Herz-
Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen. Gefördert wird das Forschungsvorhaben
„Ein EKG ist nicht genug: Intensiviertes EKG-Monitoring, Biomarker und
Imaging zur verbesserten Risikoprävention des Herzinfarktes in der Hamburg
City Health Study“ am UHZ, das am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
(UKE) angesiedelt ist. Das Projekt wird von Dr. med. univ. Dora Csengeri
gemeinsam mit Prof. Dr. med. Renate Schnabel (UKE) durchgeführt. Geleitet
wird das Forschungsprojekt von Prof. Dr. med. Stefan Blankenberg, Direktor
der Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
am UHZ/UKE.
Herzinfarkt-Vorboten mit unklaren Symptomen im Visier
Ärzte sind für die Vorsorgeuntersuchung auf die Beurteilung der
klassischen Risikofaktoren angewiesen. So liegen der koronaren
Herzkrankheit (KHK) und dem Herzinfarkt, der zum Plötzlichen Herztod
führen kann, meistens die folgenden Risikokrankheiten zugrunde:
Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin),
Zuckerkrankheit (Diabetes), Übergewicht und weitere Risikofaktoren wie
erbliche Vorbelastung, Rauchen, Bewegungsmangel. Sie alle ergeben ein
Risikoprofil, das aber nicht unbedingt bei jeder Person, die einen
Herzinfarkt erleidet, vorhanden sein muss. „Liegen diese Risikofaktoren
nicht vor, werden Hochrisikopatienten nicht sicher erkannt, insbesondere
diejenigen mit subklinischen oder asymptomatischen Herzerkrankungen“,
erläutert Dr. Csengeri. Subklinisch bedeutet: Es hat noch kein Herzinfarkt
stattgefunden und der Patient zeigt noch keine Symptome für eine
Herzerkrankung. Auch gibt es „stumme“ Herzinfarkte ohne
herzinfarkttypische Anzeichen (www.herzstiftung.de/Anzeichen
Herzinfarkt.html), die schleichend entstehen und sich mit unspezifischen
Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel, Leistungsschwäche bemerkbar machen.
„Leider ist es mit den nicht-invasiven Methoden des heutigen Vorsorge-
Screenings nicht möglich, bei asymptomatischen Patienten einen Herzinfarkt
und plötzlichen Herztod sicher vorherzusagen“, so Prof. Schnabel. Auch ein
Belastungs-EKG oder Ultraschall der Halsschlagader (Karotis) hätten in
solchen Fällen nur eine begrenzte Sensitivität. „Wir benötigen deshalb
weitere Methoden, um das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und
plötzlichen Herztod besser zu erfassen.“
Was muss ein modernes Vorsorge-Screening leisten?
Dafür erforschen die Ärztinnen und ihr Team am UHZ in einer sehr großen
Studienpopulation im Rahmen der Hamburger City Health-Studie, die
insgesamt ca. 45.000 Männer und Frauen im Großraum Hamburg im Alter von 45
bis 74 Jahren umfasst, Risikofaktoren, die eine gute Vorhersage auch der
subklinischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglichen sollen. Leiterin der
HCH-Studie ist Dr. Annika Jagodzinski (UKE). Mit Hilfe innovativer
Diagnoseverfahren lassen sich asymptomatische Fälle bereits im Vorstadium
einer Akuterkrankung (z. B. Gefäßverkalkungen) aufdecken, noch bevor sie
ihre lebensbedrohliche Gefahr als Herzinfarkt oder Schlaganfall entfalten.
Welche (nicht-invasiven) Diagnosemethoden stellen ein bestmögliches
Vorsorge-Screening? Diese Frage klären Dr. Csengeri und Prof. Schnabel in
ihren Untersuchungen im Rahmen dieser Beobachtungsstudie. Neben
intensiviertem EKG-Monitoring (Langzeit-EKG über mobile Geräte) zur
Aufdeckung von Durchblutungsstörungen und Herzrhythmusstörungen erproben
die Hamburger Wissenschaftler weitere nicht-invasive Verfahren wie die
kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) und die transthorakale
Echokardiographie (zwei- und dreidimensional) sowie Biomarker, die im
Blutserum krankhafte Veränderungen z. B. im Herzmuskelgewebe anzeigen wie
hochsensitives Troponin, natriuretische Peptide (NT-proBNP) und neue
experimentelle Biomarker. Langfristig wollen die Wissenschaftlerinnen im
Zuge ihrer Tests ein „individuelles Risikoprofil“ erstellen können, um
einschätzen zu können, wer von welcher Untersuchung oder von welcher
Kombination aus den Diagnoseverfahren profitiert. „So können wir
frühzeitig eingreifen und durch Prävention gravierende Herzkrankheiten und
Krankenhausaufenthalte, die zu schweren Einschränkungen der Lebensqualität
oder gar dem Tod führen können, verhindern“, betont Dr. Csengeri.
*Projekttitel: „Intensiviertes EKG-Monitoring, Biomarker und Imaging zur
verbesserten Risikoprädiktion des Herzinfarkts”
Forschung für den Kampf gegen die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung e. V.
Forschungsprojekte in einer Größenordnung finanzieren, die die
Herzstiftung und die von ihr 1988 gegründete Deutsche Stiftung für
Herzforschung (www.dshf.de) in der Herz-Kreislauf-Forschung unverzichtbar
machen.
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