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Gesundheit

Urkundenübergabe (v. l.): Prof. Thomas Voigtländer, stv. Vorsitzender der Herzstiftung, Prof. Renate Schnabel (UKE), Dr. Dora Csengeri (UHZ), Prof. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Herzstiftung.  Foto: UHZ.

Schutz vor dem Herzinfarkt: Herzstiftung unterstützt Verbesserung der Früherkennung

Urkundenübergabe (v. l.): Prof. Thomas Voigtländer, stv. Vorsitzender der Herzstiftung, Prof. Renate Schnabel (UKE), Dr. Dora Csengeri (UHZ), Prof. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Herzstiftung.  Foto: UHZ.
Urkundenübergabe (v. l.): Prof. Thomas Voigtländer, stv. Vorsitzender der Herzstiftung, Prof. Renate Schnabel (UKE), Dr. Dora Csengeri (UHZ), Prof. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Herzstiftung. Foto: UHZ.

Herz-Vorsorge auf dem Prüfstand: Universitäres Herzzentrum Hamburg
erforscht neues Konzept zur Herzinfarkt-Früherkennung
In Deutschland erleiden jährlich über 290.000 Menschen einen Herzinfarkt
und 270.000 einen Schlaganfall. Rund 49.000 Menschen pro Jahr sterben
hierzulande am Herzinfarkt. Viele dieser Todesfälle könnten durch eine
frühzeitige Vorsorgeuntersuchung verhindert werden, die noch gezielter auf
die Risikofaktoren von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herz-
Kreislauf-Komplikationen wie Plötzlicher Herztod eingeht. Auch durch eine
Früherkennung, die in der Erwachsenenbevölkerung bereits in der
beschwerdefreien Entstehungsphase einer Herzgefäßerkrankung ansetzt,
könnten viele Sterbefälle verhindert werden. „Viele Herzinfarkte kommen
quasi aus heiterem Himmel“, erklärt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen,
Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Die
Patienten waren vorher komplett beschwerdefrei oder hatten allenfalls
wenige Tage vorher untypische Symptome.“ Solche Fälle lassen sich nicht
mit einer Vorsorgeuntersuchung, wie sie die Krankenkassen ihren
Versicherten ab 35 Jahren kostenfrei anbieten, aufdecken. „So wichtig ein
solcher Check-up auch ist. Zur Verbesserung der Qualität der
Vorsorgeuntersuchung benötigen wir Parameter mit größerer
Vorhersagegenauigkeit.“
Dieser Aufgabe widmet sich ein Forschungsvorhaben des Universitären
Herzzentrums Hamburg (UHZ), das durch die zweckgebundene Wolfgang
Seefried-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung finanziert wird.
Auslöser war ein Herznotfall: Einen Monat nach einer EKG-Untersuchung, die
keine Auffälligkeiten gezeigt hatte, erlitt der Mainzer Wolfgang Seefried
einen Herzinfarkt. Aus diesem Grund verfügte er, die von ihm zur Verfügung
gestellte Fördersumme von 210.000 Euro zur Verbesserung der Herz-
Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen. Gefördert wird das Forschungsvorhaben
„Ein EKG ist nicht genug: Intensiviertes EKG-Monitoring, Biomarker und
Imaging zur verbesserten Risikoprävention des Herzinfarktes in der Hamburg
City Health Study“ am UHZ, das am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
(UKE) angesiedelt ist. Das Projekt wird von Dr. med. univ. Dora Csengeri
gemeinsam mit Prof. Dr. med. Renate Schnabel (UKE) durchgeführt. Geleitet
wird das Forschungsprojekt von Prof. Dr. med. Stefan Blankenberg, Direktor
der Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
am UHZ/UKE.

Herzinfarkt-Vorboten mit unklaren Symptomen im Visier
Ärzte sind für die Vorsorgeuntersuchung auf die Beurteilung der
klassischen Risikofaktoren angewiesen. So liegen der koronaren
Herzkrankheit (KHK) und dem Herzinfarkt, der zum Plötzlichen Herztod
führen kann, meistens die folgenden Risikokrankheiten zugrunde:
Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin),
Zuckerkrankheit (Diabetes), Übergewicht und weitere Risikofaktoren wie
erbliche Vorbelastung, Rauchen, Bewegungsmangel. Sie alle ergeben ein
Risikoprofil, das aber nicht unbedingt bei jeder Person, die einen
Herzinfarkt erleidet, vorhanden sein muss. „Liegen diese Risikofaktoren
nicht vor, werden Hochrisikopatienten nicht sicher erkannt, insbesondere
diejenigen mit subklinischen oder asymptomatischen Herzerkrankungen“,
erläutert Dr. Csengeri. Subklinisch bedeutet: Es hat noch kein Herzinfarkt
stattgefunden und der Patient zeigt noch keine Symptome für eine
Herzerkrankung. Auch gibt es „stumme“ Herzinfarkte ohne
herzinfarkttypische Anzeichen (www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Herzinfarkt.html), die schleichend entstehen und sich mit unspezifischen
Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel, Leistungsschwäche bemerkbar machen.
„Leider ist es mit den nicht-invasiven Methoden des heutigen Vorsorge-
Screenings nicht möglich, bei asymptomatischen Patienten einen Herzinfarkt
und plötzlichen Herztod sicher vorherzusagen“, so Prof. Schnabel. Auch ein
Belastungs-EKG oder Ultraschall der Halsschlagader (Karotis) hätten in
solchen Fällen nur eine begrenzte Sensitivität. „Wir benötigen deshalb
weitere Methoden, um das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und
plötzlichen Herztod besser zu erfassen.“

Was muss ein modernes Vorsorge-Screening leisten?
Dafür erforschen die Ärztinnen und ihr Team am UHZ in einer sehr großen
Studienpopulation im Rahmen der Hamburger City Health-Studie, die
insgesamt ca. 45.000 Männer und Frauen im Großraum Hamburg im Alter von 45
bis 74 Jahren umfasst, Risikofaktoren, die eine gute Vorhersage auch der
subklinischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglichen sollen. Leiterin der
HCH-Studie ist Dr. Annika Jagodzinski (UKE). Mit Hilfe innovativer
Diagnoseverfahren lassen sich asymptomatische Fälle bereits im Vorstadium
einer Akuterkrankung (z. B. Gefäßverkalkungen) aufdecken, noch bevor sie
ihre lebensbedrohliche Gefahr als Herzinfarkt oder Schlaganfall entfalten.
Welche (nicht-invasiven) Diagnosemethoden stellen ein bestmögliches
Vorsorge-Screening? Diese Frage klären Dr. Csengeri und Prof. Schnabel in
ihren Untersuchungen im Rahmen dieser Beobachtungsstudie. Neben
intensiviertem EKG-Monitoring (Langzeit-EKG über mobile Geräte) zur
Aufdeckung von Durchblutungsstörungen und Herzrhythmusstörungen erproben
die Hamburger Wissenschaftler weitere nicht-invasive Verfahren wie die
kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) und die transthorakale
Echokardiographie (zwei- und dreidimensional) sowie Biomarker, die im
Blutserum krankhafte Veränderungen z. B. im Herzmuskelgewebe anzeigen wie
hochsensitives Troponin, natriuretische Peptide (NT-proBNP) und neue
experimentelle Biomarker. Langfristig wollen die Wissenschaftlerinnen im
Zuge ihrer Tests ein „individuelles Risikoprofil“ erstellen können, um
einschätzen zu können, wer von welcher Untersuchung oder von welcher
Kombination aus den Diagnoseverfahren profitiert. „So können wir
frühzeitig eingreifen und durch Prävention gravierende Herzkrankheiten und
Krankenhausaufenthalte, die zu schweren Einschränkungen der Lebensqualität
oder gar dem Tod führen können, verhindern“, betont Dr. Csengeri.

*Projekttitel: „Intensiviertes EKG-Monitoring, Biomarker und Imaging zur
verbesserten Risikoprädiktion des Herzinfarkts”

Forschung für den Kampf gegen die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung e. V.
Forschungsprojekte in einer Größenordnung finanzieren, die die
Herzstiftung und die von ihr 1988 gegründete Deutsche Stiftung für
Herzforschung (www.dshf.de) in der Herz-Kreislauf-Forschung unverzichtbar
machen.

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DGU zum Weltnierentag 2019: Dialyse-Patienten brauchen die Widerspruchslösung

Ausreichend Bewegung, Normalgewicht und Nichtrauchen: Vor allem die
Prävention von chronischen Nierenerkrankungen steht anlässlich des
Weltnierentages am 14. März 2019 im Fokus. Die Deutsche Gesellschaft für
Urologie e.V. (DGU) blickt vor dem diesjährigen Aktionstag aber auch auf
die betroffenen Patienten mit chronischem Nierenversagen, die zum
Überleben auf die Dialyse angewiesen sind und hierzulande etwa sechs Jahre
auf eine Spenderniere warten müssen.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen parlamentarischen Debatte um die
Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende müssen wir als
transplantierendes Fachgebiet am Weltnierentag auch auf die Situation der
rund 8.000 Dialyse-Patienten auf der Warteliste hinweisen“, sagt DGU-
Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing.

Unter einer chronischen Nierenkrankheit leiden in Deutschland derzeit etwa
neun Millionen Menschen; rund 80.000 Patienten erhalten eine langfristige
Dialysebehandlung. „Sie erhält das Leben, kann aber die fortschreitenden
Folgen des chronischen Nierenversagens wie Bluthochdruck,
Arterienverkalkung, Fettstoffwechselstörungen, Entwicklung von Diabetes,
Hormonstörungen, Organschäden u.v.a.m. nicht verhindern. Dialysepatienten
werden mit der Dauer der Therapie in zunehmendem Maß kränker und haben
dadurch eine erheblich verkürzte Lebenserwartung“, sagt DGU-Präsident und
Transplantationsmediziner Prof. Dr. Oliver W. Hakenberg. Eine erfolgreiche
Nierentransplantation dagegen kann alle Nierenfunktionen, auch die
Stoffwechsel- und Blutdruckregulation, wieder herstellen und damit die
sekundären Organschäden verhindern. Sie führt zu mehr Lebensqualität,
besserer Gesundheit und zur Normalisierung der Lebenserwartung und ist
damit der Dialysebehandlung als ‚Nierenersatzverfahren‘ deutlich
überlegen.

Prof. Hakenberg warnt zudem: Je länger ein Mensch eine Dialysetherapie
erhält, desto fortgeschrittener sind die Organschäden und desto schlechter
sind die Ergebnisse einer späteren Nierentransplantation. „Seit Jahren ist
bekannt, dass die zunehmende Wartezeit das Patienten- und das
Transplantatüberleben verschlechtert. Der eklatante Mangel an
Spendernieren führt zum frühzeitigen Tod von Dialyse-Patienten auf der
Warteliste“, sagt DGU-Präsident Prof. Hakenberg. Seine Fachgesellschaft
hatte bereits Anfang 2018 unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. Paolo
Fornara, Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation sowie der
Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer,
Systemkorrekturen bei der Organspende gefordert und die bundesweite
Diskussion zur Widerspruchslösung neu initiiert.

Anlässlich des Weltnierentages 2019 erneuert die DGU deshalb ihre
Forderung nach Einführung der Widerspruchslösung, um dem Mangel an
Spenderorganen entgegenzuwirken. Damit nicht immer mehr Menschen eine
chronische Nierenerkrankung mit Organversagen entwickeln, betont auch die
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. die Bedeutung von Prävention und
Früherkennung. „Körperliche Fitness, gesunde Ernährung und Normalgewicht,
Rauchstopp, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Kontrolle von
Blutdruck und Blutzucker sind die wichtigsten Regeln“, sagt DGU-
Pressesprecher Prof. Wülfing. „Rezeptfreie Schmerzmittel sollten nicht
längerfristig eingenommen werden. Wer über 60 Jahre alt ist oder unter
Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder starkem Übergewicht leidet, sollte
seine Nierenfunktion jährlich überprüfen lassen“, so Wülfing weiter.
Nierenversagen bei Familienangehörigen ersten Grades gilt ebenfalls als
Risikofaktor für eine Nierenkrankheit.

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Prognose, Diagnose, OP: Wo kann Künstliche Intelligenz in der Medizin helfen?

Diskussionsforum Die Debatte am 18. März in der Fusion Factory Berlin

Lernende Computersysteme sind nicht nur in der Industrie relevant, sondern
auch für die Medizin. „Prognose, Diagnose, OP: Wo kann Künstliche
Intelligenz in der Medizin helfen?“, fragt daher das Diskussionsforum Die
Debatte im März. Die Diskussion findet zunächst auf mehreren Online-
Kanälen statt. Höhepunkt ist eine Live-Debatte mit Fachleuten aus
verschiedenen Bereichen am Montag, 18. März 2019, um 18.30 Uhr in der
Fusion Factory, Rosa-Luxemburg-Str. 17 in 10178 Berlin. Der Eintritt ist
frei.

Die möglichen Anwendungsgebiete für Künstliche Intelligenz in der Medizin
sind vielfältig. Programme, die Muster erkennen, könnten Erkrankungen wie
Hautkrebs früh und zuverlässig diagnostizieren. Eine intelligente
Auswertung von Patientenakten könnte bisher unbekannte Zusammenhänge
erkennen und genauere Vorhersagen treffen. Und lernende
Computerassistenten, die den Verlauf von Operationen analysieren, könnten
zur Vermeidung von Risiken beitragen. Aber wie weit ist die neue Technik
wirklich? Inwieweit stößt sie bei Patientinnen und Patienten auf
Akzeptanz? Und welche Auswirkungen hat der Einsatz Künstlicher Intelligenz
auf das Gesundheitssystem?

Auf dem Podium zu Gast sind der Neurochirurg Dr. Dietmar Frey von der
Charité Berlin, der Physiker Dr. Oliver Stegle vom Deutschen
Krebsforschungszentrum und der Neuroethiker Dr. Philipp Kellmeyer von der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Christoph Koch vom Stern und die
Journalistin Lisa Ruhfus moderieren die Veranstaltung.

Eine Besonderheit des Diskussionsformats Die Debatte besteht darin, dass
Interessierte sich schon vorab auf der Online-Plattform www.die-
debatte.org informieren, in die Diskussion einbringen und abstimmen
können. Die Veranstaltung wird auf der Plattform selbst und auf FAZ Online
(www.faz.net) per Livestream übertragen. Auch während des Events ist es
möglich, in den Sozialen Medien mitzudiskutieren.

Die Debatte ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog, dem Science Media
Center Germany und der Technischen Universität Braunschweig. Die Debatte
wird gefördert von der Volkswagenstiftung, dem Stifterverband, der Klaus
Tschira Stiftung und der Schering Stiftung. Die Frankfurter Allgemeine
Zeitung ist Medienpartner.

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Erfolgsstory: Hüft- und Knieprothesen halten länger als gedacht

Doch aktivere und schwerere Patienten belasten Implantate mehr als früher
Künstliche Hüft- und Kniegelenke leisten sehr viel länger ihren Dienst als
man bislang dachte: acht von zehn Knieprothesen und sechs von zehn
Hüftprothesen haben heute eine Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren. Diese
Daten veröffentlichten britische Forscher der Universität Bristol in der
Fachzeitschrift Lancet (2019; 393: 647-654, 655-663). Die Zahlen
dokumentierten den herausragenden Erfolg der orthopädischen Chirurgie, so
die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V.

Zudem sind in den vergangenen Jahren sowohl die Implantatmaterialien, die
Implantatdesigns als auch die OP-Techniken permanent weiter verbessert
worden.ennoch könne man nicht davon ausgehen, dass dadurch auch die
Standzeit der jetzt implantierten Prothesen automatisch weiter verlängert
werde, sagt die AE. Ein Grund: Die Patienten seien heute deutlich aktiver
als früher und beanspruchten die Kunstgelenke dadurch stärker. Zudem sind
viele Prothesenträger schwerer – ein weiterer Risikofaktor für eine
Implantatlockerung.

Zur Analyse der Standzeit von künstlichen Hüft- und Kniegelenken haben die
Forscher Daten aus Patientenregistern aus Australien, Finnland, Dänemark,
Neuseeland, Norwegen und Schweden mit mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung
ausgewertet. Insgesamt lagen damit Studiendaten von über 500 000 Patienten
zugrunde. Bei den Hüftprothesen waren nach 15 Jahren 89 % der Implantate,
nach 20 Jahren 70 % und nach 25 Jahren 58 % der implantierten Prothesen
intakt. Die Ergebnisse bei den künstlichen Kniegelenken waren noch besser:
Nach 15 Jahren waren noch 93 % der Knietotalendoprothesen implantiert,
nach 20 Jahren noch 90 % und nach 25 Jahren 82 %. Die Lebensdauer von
Knieteilendoprothesen betrug nach 15 Jahren noch 77 %, nach 20 Jahren 72 %
und nach 25 Jahren noch 70 %.

Deutsche Zahlen sind in die Studien nicht eingeflossen. „Bislang gibt es
hierzulande kein Datenmaterial, das einen solch langen Zeitraum abdeckt“,
sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Vize-Präsident der AE. Auch
wenn man deshalb die Ergebnisse sicherlich nicht 1:1 auf Deutschland
übertragen könne, und die Haltbarkeit nicht das einzige Kriterium für
Patientenzufriedenheit sei, zeigten die Studien doch klar: „Die
Endoprothetik ist eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. Sie gibt
den Patienten Mobilität und Lebensqualität für viele Lebensjahre zurück.“

Seit dem Beobachtungsbeginn vor 25 Jahren habe sich viel getan: „Aus
heutiger Sicht sind die damals eingebauten Prothesen, insbesondere im
Bereich der Knieendoprothetik, deutlich verbessert worden“, so Heller.
Eine weitere Verbesserung der Prothesenstandzeit sei hier kaum noch
denkbar. Es zeige aber auch, dass schon damals gute Standards gesetzt
wurden. „Mittlerweile haben wir die Materialien an Hüfte und Knie
weiterentwickelt – etwa ein deutlich abriebfesteres Polyethylen, bessere
Keramiken und optimierte Prothesen wie die biomechanisch an den
Oberschenkelknochen angepasste Kurzschaftprothese. Dies gilt auch für die
OP-Techniken, beispielsweise zur idealen Ausrichtung der Implantate im
Knochen.
Demgegenüber stehen gestiegene Ansprüche der Patienten an ein Leben mit
Endoprothese. „Heute möchten viele wie vor der Arthrose Sport treiben –
und tun dies auch“, stellt Professor Heller, der Chefarzt der
Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist,
fest. Dies gelte nicht nur für die jüngeren Patienten: „Die heute
70-Jährigen sind die 50-Jährigen von früher“, spitzt er zu. Tatsächlich
erlauben etwa moderne Materialpaarungen bei den Kunstgelenken einen
aktiveren Lebenswandel als früher. Der Grund: sie erzeugen bei Belastung
deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine
Lockerung des Implantats. Mit Belastung sei jedoch täglicher moderater
Sport gemeint, etwa Nordic Walking oder Schwimmen. „Für größere
Beanspruchungen fehlen Daten. So können wir langes Joggen, oder gar einen
Marathon heute nicht empfehlen“, betont auch Professor Dr. Rudolf Ascherl,
Präsident der AE aus Tirschenreuth.

„Aufgrund der gestiegenen Ansprüche wird es schwer, die Haltbarkeit von
Endoprothesen noch weiter zu verbessern“, fasst Heller zusammen. „Ich gehe
jedoch davon aus, dass wir durch die umfassenden Weiterentwicklungen bei
Material, Design und OP-Technik die Patientenzufriedenheit, etwa
hinsichtlich einer bestmöglichen Funktion, noch weiter ausbauen können“,
so der AE-Vize-Präsident.

Patienten sollten bei der Auswahl der Klinik darauf achten, dass
Operationsstandards eingehalten werden uns ausreichend Expertise vorhanden
sei. Dies sei zum Beispiel in den etwa 550 Kliniken mit einem EndoCert-
Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische
Chirurgie (DGOOC) gegeben.

Quellen:

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31665-9/fulltext

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)32531-5/fulltext

Endoprothesen und Sport: Cassel M., Brecht P., Günther K-P., Mayer F.
Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2017 (68), Nr. 2
DOI: 10.5960/dzsm.2016.267

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. verfolgt als
unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten
mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und
deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams ausführenden
Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten
und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den
wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen
Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

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