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Gesundheit

Eine Smartwatch mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnen kann.  PREVENTICUS GmbH, Jena

Vorhofflimmern rechtzeitig erkennen dank Smartwatch

Eine Smartwatch mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnen kann.  PREVENTICUS GmbH, Jena
Eine Smartwatch mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnen kann. PREVENTICUS GmbH, Jena

Vorhofflimmern kann von kommerziell erhältlichen Smartwatches korrekt
erkannt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern
des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) an der
Universitätsmedizin Greifswald und Wissenschaftlern des
Universitätsspitals Basel. Zukünftig könnten elektronische Armbanduhren
daher eingesetzt werden, um den Herzrhythmus von Patienten mit einem
erhöhten Risiko bequem und regelmäßig zu überwachen. Vorhofflimmern könnte
so früher entdeckt und dadurch das Risiko für einen Schlaganfall deutlich
reduziert werden.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Experten erwarten,
dass sie in den nächsten 40 Jahren bei über 55-Jährigen sogar doppelt so
häufig auftreten wird. Kommt das Herz aus dem Takt, steigt das Risiko für
einen Schlaganfall. Die Einnahme von Blutgerinnungshemmern, sogenannten
Antikoagulantien, kann dieses Risiko jedoch um bis zu 70 Prozent
reduzieren. Problem dabei ist, dass Vorhofflimmern häufig unentdeckt und
damit unbehandelt bleibt, da es oft nur anfallartig auftritt und keine
Beschwerden verursacht.

Man weiß, dass durch verstärkte und verlängerte Screenings des
Herzrhythmus Vorhofflimmern häufiger rechtzeitig erkannt wird. Professor
Marcus Dörr von der Universitätsmedizin Greifswald und seine Schweizer
Kollegen vom Universitätsspital Basel konnten nun zeigen, dass
Smartwatches hier eine Möglichkeit bieten, den Herzrhythmus bequem und
vergleichsweise günstig zu überwachen. In einer prospektiven
kontrollierten Studie haben sie dafür an 508 Personen mit und ohne
Vorhofflimmern untersucht, ob eine Smartwatch mit einer App zur
Aufzeichnung des Herzrhythmus Vorhofflimmern akkurat detektieren kann.
Hierfür wurden die Aufzeichnungen der Smartwatches durch einen
automatischen Algorithmus hinsichtlich des Vorliegens von Vorhofflimmern
analysiert. Die Ergebnisse wurden mit einem mobilen Elektrokardiogramm
(EKG)-Gerät verglichen, bei dem für die Messung je zwei Finger der rechten
und linken Hand auf eine Elektrode gelegt werden. Diese EKGs wurden
anschließend von Ärzten ausgewertet, denen keine weiteren Informationen
über die Teilnehmer vorlagen. Dabei zeigte sich, dass die Smartwatch
mindestens genauso gut und akkurat wie das mobile EKG Vorhofflimmern
detektieren kann. „Besonders wichtig war, dass durch die App nicht zu
viele falsch-positive Befunde erhoben wurden. Also Vorhofflimmern
angezeigt wurde, wenn tatsächlich keines vorlag“, sagt Dörr. Denn dies
würde unnötige Untersuchungen und Kosten nach sich ziehen.

Signalstörungen durch Bewegung

Allerdings gab es noch Probleme mit der Qualität des Signals. Meistens
traten diese Störungen auf, wenn die Träger sich bewegten. Dann konnte die
Smartwatch den Herzrhythmus nicht immer korrekt erfassen. In der Studie
konnten die Wissenschaftler aufgrund schlechter Signalqualität 20 Prozent
der Daten nicht auswerten. „Eine mögliche Lösung könnte sein, neben der
Verbesserung des Algorithmus, den Herzrhythmus nachts mehrfach
automatisiert aufzuzeichnen, wenn man sich weniger bewegt“, so DZHK-
Wissenschaftler Dörr. Die Studie zeigte außerdem, dass eine wiederholte
einminütige Aufzeichnung ausreicht, um Herzrhythmusstörungen zuverlässig
zu entdecken. Durch ein verlängertes Aufzeichnungsintervall von drei oder
fünf Minuten konnten keine besseren Ergebnisse erzielt werden.

Smartwatch könnte diagnostische Lücke füllen

Bevor die Smartwatch jedoch tatsächlich für ein Screening bei
Risikopatienten eingesetzt werden kann, sind noch weitere größere
klinische Studien nötig. Dafür läuft schon eine EU-finanzierte Studie, die
untersucht, ob mit einer Smartwatch beschwerdefreies Vorhofflimmern bei
Risikopatienten zuverlässig erkannt werden kann.

Momentan bekommen Patienten mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
ein Langzeit-EKG, das den Herzrhythmus für bis zu 72 Stunden aufzeichnet.
Wird in dieser Zeitspanne nichts entdeckt, kann man nach den Leitlinien
theoretisch damit aufhören, den Herzrhythmus zu überwachen. Ist das Risiko
sehr hoch, können in ausgewählten Fällen kleine implantierbare
Ereignisrekorder hinter das Brustbein operativ eingesetzt werden. Eine
teure und invasive Methode. Auch andere, externe Geräte zur
Rhythmusüberwachung sind kostspielig und werden von den Krankenkassen
nicht bezahlt. Eine Smartwatch ist hier vergleichsweise günstig und kann
theoretisch von jedermann erworben werden. Sie könnte daher zukünftig die
Lücke zwischen dem Langzeit-EKG und einem implantierten Gerät schließen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Professor Marcus Dörr, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B,
Universitätsmedizin Greifswald, mdoerr(at)uni-greifwald.de

Originalpublikation:
The WATCH AF Trial: SmartWATCHes for Detection of Atrial Fibrillation.
Dörr M, Nohturfft V, Brasier N, Bosshard E, Djurdjevic A, Gross S, Raichle
CJ, Rhinisperger M, Stöckli R, Eckstein J. JACC Clin Electrophysiol. 2019
Feb;5(2): 199-208. Epub 2018 Nov 28. DOI:10.1016/j.jacep.2018.10.006.

  • Aufrufe: 265

Die Gesundheitshochschule wächst weiter

Die SRH Hochschule für Gesundheit plant einen weiteren Campus in
Nordrhein-Westfalen mit zwei neuen, und zwei bereits in Gera etablierten,
Studiengängen.

„Die Ausweitung unserer Hochschule durch zwei neue Studiengänge und einen
neuen Campus festigt unser Standing am Wachstumsmarkt „Gesundheit“. Als
Gesundheitshochschule im Gesundheitskonzern bieten wir die Expertise an,
die notwendig ist, um unseren Studierenden praxisnah und wissenschaftlich
fundiert eine aussichtsreiche Zukunft zu bereiten“, freut sich Prof. Dr.
Johannes Schaller, Präsident und Geschäftsführer der SRH Hochschule für
Gesundheit.

Im Wintersemester 2019/2020 wird es losgehen – am neuen Campus in
Nordrhein-Westfalen werden Studierende die Möglichkeit bekommen, sich in
drei Bachelorstudiengänge und einen Masterstudiengang einzuschreiben.

Der Aufgabe, diesen Standort und die dort angebotenen Studiengänge
aufzubauen, stellt sich Stephanie Sobola, Hochschulmanagerin Campus
Nordrhein-Westfalen. Sie freut sich auf die vor ihr liegenden
Herausforderungen: „Anzupacken und mit der SRH Hochschule für Gesundheit
den nächsten, großen Schritt gehen zu dürfen, macht mich sehr glücklich.
Speziell liegt mir der Aufbau unserer neuen Studiengänge Dental Hygienist
(B. Sc.) und Physician Assistant (B. Sc.) am Herzen.“

Beim Bachelorstudiengang Dental Hygienist handelt es sich um einen
zahnmedizinischen Assistenzberuf, der international bereits seit mehr als
100 Jahren etabliert ist. Den „Empfehlungen zu hochschulischen
Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ des Wissenschaftsrates aus 2012
zufolge ist die Akademisierung des Dental Hygienist (B. Sc.) ein weiterer
wichtiger Baustein im deutschen Gesundheitssystem von heute und morgen:
„Dies gilt umso mehr, als Präventionsleistungen angesichts des längeren
Erhalts von Zähnen und der damit steigenden Prävalenz parodontaler
Erkrankungen sowie deren Interaktionen mit weiteren, insbesondere
infektiösen Erkrankungen von wachsender Bedeutung sind. Vor allem
Dentalhygienikerinnen und -hygieniker übernehmen hier vermehrt auch
komplexe Aufgaben der zahnmedizinischen Prävention und Therapie“, so der
Wissenschaftsrat. Als Gesundheitshochschule im Gesundheitskonzern nimmt
sich die SRH Hochschule für Gesundheit dieser Maßgabe an und bereitet die
Akkreditierung für diesen praxisintegrierenden, 6 Semester umfassenden
Studiengang vor. Bereits ausgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte
haben die Möglichkeit die Studienzeit auf 4 Semester zu verkürzen.

Ebenfalls in der Vorbereitung zur Akkreditierung befindet sich der
praxisintegrierende Bachelorstudiengang Physician Assistant. Dabei handelt
es sich um einen medizinischen Assistenzberuf, der vor allem international
u.a. in den USA sowie in den Niederlanden etabliert ist. Die Anerkennung
des Berufsbilds des sogenannten Arztassistenten, wird von der
Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gefördert.
Der Medizinassistent unterstützt und entlastet damit Ärzte, womit einer
Zersplitterung der Versorgung und fraglichen Auswirkungen auf
Patientensicherheit und Versorgungsqualität entgegengewirkt werden soll.
Die Idee der einheitlichen Heilkundeausübung des Arztes wird dabei nicht
berührt. Bereits jetzt ist die SRH Hochschule für Gesundheit ein
stimmberechtigtes Mitglied im DHPA (Deutscher Hochschulverband Physician
Assistance), welcher sich für die Etablierung des Berufsbildes des
Physician Assistant einsetzt.

Neben diesen beiden Studiengängen wird am neuen Campus in Leverkusen
zusätzlich der praxisintegrierende Bachelorstudiengang Ernährungstherapie
und Ernährungsberatung angeboten. Dieser bereits erfolgreich in Gera
stattfindende Studiengang soll nun auch am Campus Nordrhein-Westfalen
Fachkräfte in den Bereichen der Ernährungstherapie und –beratung
ausbilden. Das Thema gesunde Ernährung erfährt mehr denn je ein breites
öffentliches Interesse. Allein in Deutschland sind über vier Millionen
Menschen von einer Fehl-, Mangel-, Unter- oder Überernährung betroffen.
Dabei tragen gesundheitsförderndes Essen und Trinken maßgeblich dazu bei,
das Wachstum, die Entwicklung und Leistungsfähigkeit sowie die allgemeine
Gesundheit nachhaltig zu fördern und zu erhalten. Die SRH Hochschule für
Gesundheit wird mit dem Ausbau des Studienangebots ihrer Verantwortung als
einer der Marktführer im Gesundheitswesen gerecht und möchte so zu einer
gesünderen Gesellschaft beitragen.

Der Masterstudiengang Gesundheits- und Sozialmanagement wird das Angebot
am Campus Nordrhein-Westfalen abrunden. Auch Studierende ohne einen
Bachelor können ihren Abschluss in diesem Fach binnen 2,5 Jahren erwerben.
Da der Bedarf nach sehr gut ausgebildeten ManagerInnen in Gesundheits- und
Sozialeinrichtungen steigt, bereitet dieser Weiterbildungsmaster
Interessenten auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vor und bildet sie zu
breit aufgestellten Spezialisten aus.

„Am neuen Campus bieten wir potentiellen AbsolventInnen die Möglichkeit,
sich im Wachstumsmarkt Gesundheit eine aussichtsreiche und sichere Zukunft
aufzubauen. Individuelles Coaching, kompetente Lehre, innovative Forschung
und passioniertes Arbeiten im Gesundheitsbereich sind die Bausteine für
ein Studium, das Spaß macht und zukunftsorientiert ausgerichtet ist“,
ergänzt Stephanie Sobola.

  • Aufrufe: 256
Prof. Dr. Philipp Sommer, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie, an seinem neuen Arbeitsplatz im Herzkatheterlabor (HKL) Nummer Sechs  (Foto: Armin Kühn).

Das strahlungsärmste Herzkatheterlabor schont Patient und Team

Prof. Dr. Philipp Sommer, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie, an seinem neuen Arbeitsplatz im Herzkatheterlabor (HKL) Nummer Sechs  (Foto: Armin Kühn).
Prof. Dr. Philipp Sommer, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie, an seinem neuen Arbeitsplatz im Herzkatheterlabor (HKL) Nummer Sechs (Foto: Armin Kühn).

Das Herz- und Diabeteszentrum NRW investiert 1 Mio. Euro in die neue
Technik
Der neue Arbeitsplatz von Professor Dr. Philipp Sommer, Direktor der
Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie am Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist in nur dreiwöchiger
Umbauzeit entstanden und hat einiges zu bieten. Das Herzkatheterlabor
Nummer Sechs beherbergt nämlich eine der modernsten EPU-Katheteranlagen,
die weltweit in Betrieb sind. Die Kombination der Anlage „ARTIS zee floor“
(Hersteller Siemens) mit einer integrierten Navigationseinheit (MediGuide,
Abbott) ermöglicht eine besonders schonende und strahlungsarme
Kathetertherapie von Patienten mit verschiedenen Herzrhythmusstörungen.

„Davon profitiert natürlich auch das gesamte Team, das während eines
solchen Eingriffs im Herzkatheterlabor arbeitet“, erläutert Sommer, der
als ausgewiesener Spezialist Erfahrung aus mehr als 1.500 erfolgreich
durchgeführten Herzkatheterinterventionen mit dieser Technologie an die
Klinik für Elektrophysiologie mitbrachte, die er seit November letzten
Jahres leitet. Die neue Anlage arbeitet aufgrund einer speziellen
Katheterdarstellung mit über 90 Prozent geringerer Strahlung als
vergleichbare Systeme. „Die Durchleuchtungszeit bei einem üblichen
Verfahren zur Behandlung des Vorhofflimmerns, einer sog.
Pulmonalvenenisolation, beträgt weit jetzt weniger als eine Minute. Andere
Katheteranlagen benötigen dafür 15 bis 20 Minuten.“

Bei einer Pulmonalvenenisolation wird ein Katheter über die Leiste bis zum
linken Vorhof geführt. Von dort ortet ein Messkatheter die Position der
vier Lungenvenen. Dies wird über eine dreidimensionale Rekonstruktion, das
sogenannte Map, auf einem großen Bildschirm im Labor dargestellt. Um die
bei Vorhofflimmern auftretenden zusätzlichen elektrischen Impulse auf den
Vorhof zu verhindern, verödet Sommer die Muskulatur um die Mündung der
Lungenvenen anschließend mittels präzise eingesetztem Hochfrequenzstrom.
Eine solche Ablation dauert etwa zwei Stunden. Rund 1.000 Prozeduren
dieser Art werden am Herz- und Diabeteszentrum NRW jährlich durchgeführt.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon
14.000 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren
seiner Art in Europa.

Die Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie des HDZ NRW ist
spezialisiert auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit einem
Leistungsspektrum von rd. 1.000 Ablationen jährlich. In der Klinik werden
elektrophysiologische Untersuchungen und intrakoronarer Ultraschall
mittels modernster, strahlungsarmer Technologie zur Behandlung von
Rhythmusstörungen durchgeführt.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

  • Aufrufe: 270

Kehlkopfkrebs: S3-Leitlinie legt Grundlage für bessere Entscheidungsfindung bei der Behandlung

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat erstmals eine interdisziplinäre
S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs
(Larynxkarzinom) vorgelegt. Die Federführung bei der Erstellung dieser
Leitlinie hatte die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
Kopf- und Hals-Chirurgie e. V., an der Entwicklung waren insgesamt zwanzig
Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt.

„Vor allem die Entscheidung über ein an die spezielle Situation
angepasstes Therapieverfahren beim Kehlkopfkrebs erfolgt bislang immer
noch sehr unterschiedlich“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Bootz von der
Universitätsklinik Bonn, der Koordinator der Leitlinie. „Die Leitlinie
legt die Grundlage für eine verbesserte Entscheidungsfindung über die
optimale Behandlung im individuellen Fall.“

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Das Larynxkarzinom ist die dritthäufigste Krebsart im Kopf-Halsbereich. Es
tritt vorwiegend bei Männern auf, sie sind siebenmal häufiger betroffen
als Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. In
Deutschland erkranken jährlich etwa 3600 Männer und 500 Frauen an einem
Kehlkopfkarzinom. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen chronischer
Alkohol- und Tabakkonsum. Verdacht auf das Vorliegen eines Larynxkarzinoms
besteht bei länger anhaltenden Veränderungen der Stimme und des Schluckens
mit Fremdkörpergefühl.

Mehr als der Hälfte der Tumoren im Kopf-Halsbereich sind zum Zeitpunkt der
Erstdiagnose bereits lokal fortgeschritten und benötigen interdisziplinär
abgestimmte komplexe Therapieverfahren. Die Kombination der einzelnen
Therapie-Modalitäten haben zur Entwicklung verschiedener
Behandlungsstrategien des Larynxkarzinoms in Abhängigkeit von der
Lokalisation und dem Stadium des Tumors geführt: Grundsätzlich wird bei
resektablen, also chirurgisch entfernbaren Tumoren die operative
Behandlung empfohlen. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann zusätzlich eine
adjuvante Radiotherapie / Radiochemotherapie hinzugefügt werden.

Bei nicht resektablen Tumoren oder bei Patienten, die keine Operation
wünschen kann eine primäre Radiochemotherapie erfolgen gegebenenfalls –
bei Therapieversagen- gefolgt von einer Operation. Auch eine
Induktionschemotherapie + Operation / Radiotherapie / Radiochemotherapie
kann bei fortgeschrittenen Karzinomen eine therapeutische Option sein. Die
Leitlinie enthält Empfehlungen zur Auswahl und Durchführung dieser
verschiedenen Strategien. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen (nicht
metastasiertem) Larynx-karzinomen ist zum Beispiel das Gesamtüberleben
nach primärer Radiochemotherapie statistisch signifikant besser als nach
alleiniger Radiotherapie. Deshalb empfiehlt die Leitlinie in diesen Fällen
die Radiochemotherapie als Therapiestandard.

„Die verschiedenen Behandlungsstrategien beim Kehlkopfkrebs sind jeweils
mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden. Vor Behandlungsbeginn ist
es deshalb wichtig, im interdisziplinären Dialog für jeden Patienten das
individuell bestmögliche Konzept zu ermitteln. Da mehrere Funktionen, wie
Stimmbildung, Schlucken und Atmung beeinträchtigt sein können, müssen den
Betroffenen die möglichen Störungen, die nach einem solchen Eingriff
entstehen können, detailliert erklärt werden“, betont Prof. Dr. Susanne
Singer von der Universitätsmedizin Mainz, die für die Aufarbeitung der
wissenschaftlichen Literatur (Evidenzrecherche) dieser Leitlinie
verantwortlich war. Außerdem sollten die Patienten unter Einbeziehung von
Logopäden und Patientenbetreuern der Selbsthilfegruppen frühzeitig über
die verschiedenen Reha-Möglichkeiten informiert werden. Denn die Patienten
profitieren zum Beispiel davon, wenn nach der Therapie das Schlucken so
früh wie möglich trainiert wird. Außerdem ist die berufliche
Rehabilitation nach Kehlkopfkrebs durch die funktionellen Einschränkungen
eine besondere Herausforderung und sollte von Therapiebeginn an bei der
Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. „Das setzt auch eine sofortige
und langfristige bedarfsorientierte psychoonkologische und psychosoziale
Versorgung voraus“, so Singer.

Für den direkten Zugang zur S3-Leitlinie nutzen Sie bitte folgenden Link:
<https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/larynxkarzinom/>

*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***

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- Über die DGHNO-KHC:
Die Deutsche Gesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte ging 1921 aus dem
Verein Deutscher Laryngologen und der Deutschen Otologischen Gesellschaft
hervor. Im Jahre 1968 wurde der heute gültige Name, Deutsche Gesellschaft
für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.,
angenommen. Die Gesellschaft hat derzeit über 5.000 Mitglieder.
Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-
Chirurgie e. V. bezweckt die Förderung der wissenschaftlichen und
praktischen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und die
Förderung des Allgemeinwissens um ihre geschichtliche Entwicklung.
Weitere Aufgaben sind die Wahrung der Einheit des Fachgebietes der Hals-
Nasen-Ohren-Heilkunde und die Vertiefung der Verbindung mit den
medizinischen Nachbarfächern sowie mit ausländischen Fachgesellschaften,
die Weiter- und Fortbildung auf dem Fachgebiet sowie die Unterstützung und
Beratung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, von
Gesundheitsbehörden und anderen Einrichtungen bei Belangen der Hals-Nasen-
Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.

- Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm mehr als 20 S3-Leitlinien, die
zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien
vorliegen. Mehr unter <www.leitlinienprogramm-onkologie.de>.

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