Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) große Chancen für eine zukunftsfähige medizinische Versorgung. Insbesondere in ländlichen Gebieten können telematische Angebote, Qualität und Know-how direkt zum Patienten transportieren. Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung in NRW: "In Zukunft werden Online-Video-Sprechstunden, wie sie die TK zur Zeit in einem Pilotprojekt mit niedergelassenen Hautärzten erprobt, gerade im ländlichen Raum deutlich zunehmen."
Damit Patienten, Ärzte und Kliniken in NRW von den digitalen Behand-lungsangeboten profitieren können, ist eine Voraussetzung unerlässlich: "Das Internet muss so ausgebaut werden, dass moderne Technik auch überall nutzbar wird", fordert Günter van Aalst. Bereits heute ist es nach Angaben des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums für 75 Prozent der Haushalte im Land möglich, eine Übertragungsrate von 50 MBit/s und mehr zu nutzen. Aber in vielen ländlichen Gebieten ist ein schneller Internetanschluss noch Zukunftsmusik. Viele Gebiete in NRW liegen beim Breitbandausbau noch unter 50 Prozent – Schlusslicht ist mit nur 35 Prozent der Oberbergische Kreis.
Der TK-Landeschef hält die Potenziale der Digitalisierung für beträchtlich. Insbesondere erhofft sich die TK, dass sich telemedizinische Verfahren etablieren werden, damit Ärzte und Krankenhäuser künftig auch über große Entfernungen hinweg beispielsweise Vitaldaten oder Röntgenaufnahmen austauschen und diagnostizieren können. Das kann unter anderem die Beratung bei einem Zweitmeinungsverfahren erleichtern und die medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen auf hohem Niveau sicherstellen.
Die Telematik-Infrastruktur muss eine wichtige "Datenautobahn" werden. Heute werden Befunde, Diagnosen und Rezepte zwar schon überwiegend elektronisch erstellt, aber oftmals noch analog weitergegeben. "Das bindet Zeit und Geld – Ressourcen, die an anderer Stelle wesentlich besser für die Patienten verwendet werden können", sagt van Aalst.
Eine Forsa-Umfrage unter den TK-Versicherten belegt, dass Menschen aller Altersgruppen der Digitalisierung im Gesundheitswesen offen gegenüber stehen. Schon heute möchten Patienten gern online Termine vereinbaren, Messwerte elektronisch an die Arztpraxis übermitteln oder Rezepte online erhalten. Drei Viertel der Befragten – auch die 60- bis 70-Jährigen – suchen nach Gesundheitsinformationen vorwiegend oder aus-schließlich im Internet. Und mehr als jeder Zweite (52 Prozent) gibt an, dass er mit seinem Arzt via Internet in Kontakt treten möchte oder dies bereits so handhabt.
Den aktuellen Stand des Breitbandausbaus finden Sie unter
http://www.breitband.nrw.de/informieren/breitbandatlas-nrw.html