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Gesundheit

Neuer Film informiert über das Ph.D./Dr.rer.nat.-Programm Biomedizin der Uni Witten/Herdecke

Kurzfilm von Simon Baucks stellt Schwerpunkte und Vorteile des attraktiven Doktoranden-Programms der UW/H dar


Die Universität Witten/Herdecke bietet seit 2012 das Ph.D./Dr.rer.nat Programm Biomedizin für Mediziner, Zahnmediziner und Naturwissenschaftler an. Es ist besonders für Mediziner und Zahnmediziner attraktiv, da sie parallel zur Facharztausbildung eine forschungsorientierte, naturwissenschaftliche Doktorarbeit anfertigen können.

Der nun veröffentlichte Film von Simon Baucks zeigt die enge Verzahnung der Arbeit im Labor und am Krankenbett am Beispiel einer Biologin und eines Kinderarztes. Außerdem kommen Dozenten zu Wort, für die die wissenschaftlich fundierte Ausbildung im Mittelpunkt des Studienangebots steht. Im Moment befinden sich 13 Doktoranden in dem Programm der Universität Witten/Herdecke (acht Mediziner und fünf Naturwissenschaftler). Sie werden in drei bzw. vier bis fünf Jahren zur Promotion geführt, wobei Biowissenschaftler mit dem Titel Dr. rer. nat. abschließen und Mediziner sowie Zahnmediziner den naturwissenschaftlichen Titel Ph.D. erlangen können. Im Herbst beginnt die neue Bewerbungsfrist für den Durchgang 2016. Weitere Informationen auch unter http://www.uni-wh.de/gesundheit/phd-dr-rer-nat-programm/ .

Die Universität Witten/Herdecke glaubt, dass dieser Weg der Förderung von Postgraduierten weitgehend die Forderungen des Wissenschaftsrats nach besserer wissenschaftlicher Aus-und Fortbildung von Medizinern erfüllt und es könnte deshalb als Modell auch für andere Universitäten dienen.

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.100 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uni-wh.de/gesundheit/phd-dr-rer-nat-programm/

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Stellt die frühe Kindheit Weichen? Fachtagung zur Bedeutung der frühen Entwicklungsphase

Zu dem Thema "Stellt die frühe Kindheit Weichen?" findet vom 25. bis 26. September 2015 die Fachtagung in der Neuen Aula der Universität Heidelberg statt, zu der das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) und das Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg eingeladen haben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland stellen neueste Erkenntnisse vor, die die besondere Bedeutung der frühen Kindheit für das spätere Leben belegen. Zugleich werden Wege zu einer Unterstützung von Eltern aufgezeigt.


„Stellt die frühe Kindheit Weichen?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt einer zweitägigen Veranstaltung, zu der das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) und das Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg einladen. Die Tagung findet vom 25. bis 26. September 2015 in der Neuen Aula der Universität Heidelberg statt, 350 Fachleute werden erwartet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus dem In- und Ausland stellen neueste Erkenntnisse vor, die die besondere Bedeutung der frühen Kindheit für das spätere Leben belegen. Zugleich werden Wege zu einer Unterstützung von Eltern aufgezeigt. Für den langjährigen Ärztlichen Direktor des Instituts Prof. Dr. Manfred Cierpka - viele Jahre zugleich Mitglied des NZFH-Beirats - ist die Veranstaltung mit seiner Abschiedsvorlesung verbunden.

„Die enorme Bedeutung der frühen Kindheit ist wissenschaftlich erwiesen“, sagt Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Ihre Behörde trägt das NZFH in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI). „Bund, Länder und Kommunen haben rea-giert: Sie bieten seit einigen Jahren umfangreiche Maßnahmen in den Frühen Hilfen an.“ Gerade auch, um insbesondere Schwangere und Eltern mit Klein-kindern in belastenden Lebenslagen zu unterstützen. „Ziel der Frühen Hilfen ist es, allen Kindern gesunde und förderliche Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.“

Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut, erläutert: „Wir wissen bisher noch nicht, wie hoch der Bedarf an Unterstützung für Schwangere und Familien mit Kleinkindern in Deutschland tatsächlich ist und wie gut er abgedeckt wird. Daher haben wir umfassende Studien auf den Weg gebracht, um Erkenntnisse zu gewinnen, mit denen wir die Angebote noch zielgerichteter an den Bedarfen der Familie orientieren können.“ Sie gibt in ihrem Vortrag erste Einblicke in Ergebnisse zu den Belastungs- und Versorgungslagen von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern.

„Das Bewusstsein in der Gesellschaft und Politik ist dafür gestiegen, dass man durch Prävention Erkrankungen verhindern und somit auch Folgekosten vermeiden kann“, freut sich Prof. Dr. Manfred Cierpka. Er ist einer der re-nommiertesten Experten auf dem Gebiet und geht in seinem Abschiedsvor-trag auf die psychosoziale Prävention ein. Prof. Cierpka betont: „Auch das Expertenwissen in diesem Feld ist in der Medizin, der Psychologie, der Öko-nomie sowie in den biologischen und neurobiologischen Fächern rasant ge-stiegen.“

Die weiteren Vorträge gehen unter anderem auf den Einfluss der familiären Belastungen auf die kindliche Entwicklung ein und stellen Erkenntnisse aus psychoanalytischer, entwicklungspsychologischer sowie neurobiologischer Forschung dar. Ein geschichtsphilosophischer Beitrag und ein Vortrag zur Forschung für hochbelastete Familien in Deutschland ergänzen die multipro-fessionelle und interdisziplinäre Tagung.

Der Tagungsbegleiter „Stellt die frühe Kindheit Weichen?“ mit den Kurzfas-sungen der meisten Beiträge steht im Anschluss an die Veranstaltung zum Download unter www.fruehehilfen.de und kann dort auch unter der Bestell-nummer 16000173 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. kostenlos bezogen werden.

Nationales Zentrum Frühe Hilfen
Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen ist ein Kooperationsprojekt der BZgA mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. und wird gefördert vom Bundesministeri-um für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es unterstützt seit 2007 die Fachpraxis dabei, familiäre Belastungen früher zu erkennen, bedarfsgerechte Angebote bereitzustellen und die Vernetzung der unterschiedlichen Berufs-gruppen zu fördern. Außerdem koordiniert es die Bundesinitiative Frühe Hilfen bis Ende 2015 auf Bundesebene.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizini-schen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Hei-delberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen For-schungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung inno-vativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Pati-enten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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Hirnforschung im Darm: Wie die Darmflora das Gehirn krank macht – und wie sie es schützt

23. September 2015 – Darmbakterien beeinflussen die Gesundheit des Gehirns, dies ist derzeit Gegenstand moderner neurologischer Forschung. Wissenschaftler entdecken Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Darmflora und neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS), der Parkinson-Krankheit oder dem Schlaganfall. Aktuelle Forschungsergebnisse werden auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf unter dem Motto „Mensch im Blick – Gehirn im Fokus“ präsentiert.


Professor Hartmut Wekerle, Hertie- Seniorprofessor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in München, der über die Entstehung der Autoimmunkrankheit MS forscht, sagt: „Den Mikrobiota kommt eine entscheidende Bedeutung als Trigger der Multiplen Sklerose zu.“

Mikrobiota: Darmflora aus Billionen von Mikroben

Die menschliche Darmflora ist ein eigener Mikrokosmos. Jeder Mensch beherbergt eine Wohngemeinschaft aus etwa 100 Billionen Bakterien. Die Darmflora, auch Mikrobiota oder Mikrobiom genannt, setzt sich aus schätzungsweise 1000 verschiedenen Arten von Darmbakterien zusammen, die in den Wänden des Darms und in dessen Inhalt siedeln. Die Darmflora ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von gefährlichen Keimen und Giften oder die Stärkung des Immunsystems. Jeder Mensch besitzt eine individuelle Lebensgemeinschaft von Mikroben, die schützende Funktionen hat – aber auch krank machen kann.

Die menschliche Darmflora erweitert die Zahl der menschlichen Körperzellen um ein Vielfaches. Sie bringt in den Körper 100-mal mehr Gene ein, als der Mensch besitzt. Neue Methoden der Erbgutentschlüsselung, die Gen-Sequenzierung, und die Bioinformatik brachten den Durchbruch in der Darmflora-Forschung. Selbst äußerst komplexe Metagenome, also die Gene aus einer Bakterienmixtur, können schnell analysiert werden. Ziel ist es, individuelle mikrobielle Risikoprofile zu identifizieren, die Menschen zum Beispiel für MS anfällig machen. „So könnten sich völlig neue Möglichkeiten zur Vorbeugung und Therapie der Multiplen Sklerose eröffnen“, hofft Wekerle.

Mikrobiota: Fernsteuerung der Autoimmunreaktion bei Multipler Sklerose

Dass es zwischen der Darmflora eines Menschen und der Entstehung der Multiplen Sklerose eine Verbindung gibt, wies Hartmut Wekerle in Tierstudien nach. Die MS ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem Nervenstrukturen angreift und zerstört. Oft verläuft die MS in Schüben. In Deutschland leben nach Schätzungen rund 130.000 Menschen mit dieser Autoimmunerkrankung, weltweit gibt es etwa 2,5 Millionen Patienten mit Multipler Sklerose. Bei der Entstehung der MS spielen Gene und Umweltfaktoren eine Rolle. Zu Letzteren zählen beispielsweise eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, Rauchen, Adipositas in der Kindheit oder ein Mangel an Vitamin D.

Die Forscher arbeiteten mit genetisch veränderten Mäusen. Wurden diese unter sauberen, aber nicht keimfreien Bedingungen gehalten, entwickelten sie eine Krankheit, die der schubförmigen MS ähnlich ist – die experimentell-autoimmune Enzephalomyelitis, EAE. Herrschte dagegen Keimfreiheit, waren die Tiere vor dieser Krankheit komplett geschützt. Sobald der Darm dieser „keimfreien“ Mäuse aber mit der Darmflora von normal aufgewachsenen Tieren besiedelt wurde, erkrankten sie sofort spontan an EAE. „Offensichtlich wird in diesem Modell die Autoimmunreaktion gegen Gewebe des Zentralen Nervensystems von den Darmmikrobiota ferngesteuert‘“, so Wekerle.

Kann die Ernährung die Entwicklung von MS fördern?

Welche Arten von Mikroben und in welcher Anzahl sie im menschlichen Darm vorkommen, hängt entscheidend von der Ernährung und von immunologischen Prozessen im Darm ab. An dieser Verbindung zwischen MS, Ernährung und der Darmflora forschen auch die Neurologen Prof. Ralf Gold, Erster Vorsitzender der DGN, und Dr. Aiden Haghikia von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Neurologen aus Erlangen. Diese konnten schon früher zeigen, dass der zunehmende Gehalt von Kochsalz in der modernen Ernährung eine entzündungsfördernde Wirkung bei MS entfalten kann. Auch die Zusammensetzung verschiedener Fettsäuren in der Nahrung scheint die Entwicklung dieser Autoimmunerkrankung zu beeinflussen, wie noch unveröffentlichte Studienergebnisse belegen. Sie verändern das Vorkommen bestimmter Immunzellen, die an der Entstehung und dem Verlauf der Multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Forscher arbeiten bereits an einer Fettsäure-Diät für MS-Patienten.

Dass die Ernährung die Entwicklung von MS beeinflussen könnte, zeigt auch folgendes Beispiel: In Japan hat die Häufigkeit der MS in den letzten Jahren zugenommen. Ein Grund könnte die Umstellung der traditionellen asiatischen Ernährung auf westliche Ernährungsweisen und die damit verbundene Veränderung der Darmflora sein, vermuten Forscher.

Gezielte Modulation der Darmflora als MS-Therapie?

In Zukunft könnte man die Darmflora gezielt über die Ernährung beeinflussen, etwa mit Präbiotika und Probiotika. Auch Antibiotika könnten die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft im Darm modulieren. Geforscht wird auch an der sogenannten Fäkaltransplantation, bei der die Mikrobiota eines gesunden Spenders auf eine Person übertragen werden, die zum Beispiel an MS erkrankt ist. Dieses Verfahren wurde schon bei Patienten mit einer schweren Darminfektion erfolgreich eingesetzt.

Die Hirn-Darm-Achse nach einem Schlaganfall

Welche Rolle die Darmflora bei Patienten nach einem Schlaganfall spielt, untersucht Prof. Ulrich Dirnagl von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. „Wir haben festgestellt, dass viele Schlaganfallpatienten eine Lungenentzündung entwickeln, und uns gefragt, woher die Bakterien eigentlich kommen“, sagt Dirnagl. „Der Darm, mit etwa einem Kilo Bakterien, wäre eine plausible Quelle.“ Der Forscher fand heraus, dass nach einem Schlaganfall mehrere Prozesse stattfinden, zum Beispiel eine Veränderung des Immunsystems, der Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaft und der Darmdurchlässigkeit. „Die Barriere des Darms bricht zusammen“, erklärt Dirnagl. Die Darm-Hirn-Achse bestehe darin, dass ein Schlaganfall das autonome Nervensystem moduliere und diese Veränderungen sich wiederum auf den Darm mit seinen Milliarden Nerven- und Immunzellen auswirkten. „Der Schlaganfall ist also kein reines Gefäß- oder Gehirnproblem.“ Vorstellbar sei in Zukunft eine Supplementierung von Schlaganfallpatienten mit Probiotika, aber nicht als alleinige Therapie, sondern in einem Gesamtbehandlungskonzept. „Die Patienten schlucken dann zum Beispiel Bakterienarten, die das Mikrobiom positiv verändern.“

Demenz aus dem Darm?

Einer weiteren Theorie geht Prof. Claudio Franceschi von der Universität Bologna nach: Er untersucht an 100-Jährigen und deren Nachkommen, ob leichte chronische Entzündungsreaktionen Alterungsprozesse begünstigen und möglicherweise den geistigen Abbau im Alter fördern („Inflammaging“). Seine Meinung: Das Mikrobiom im Darm und verschiedene Ernährungsfaktoren begünstigen diese chronischen Entzündungsprozesse – und damit die Zellalterung.

Quellen

• Hohlfeld R., Wekerle H. Multiple Sklerose und Mikrobiota. Vom Genom zum Metagenom? Nervenarzt 2015, doi: 10.1007/s00115-014-4248-7
• Berer K. et al. Commensal microbiota and myelin autoantigen cooperate to trigger autoimmune demyelination, Nature 479, 538–541, 24 November 2011, doi:10.1038/nature10554
• Haghikia A. et al. Immunity (2015), in press

Veranstaltungshinweis
Professor Hartmut Wekerle gewährt am 24. September 2015 in einem Festvortrag auf der Eröffnungsveranstaltung des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 23. bis 26. September in Düsseldorf (www.dgnkongress.org) einen Einblick in den Zusammenhang zwischen menschlicher Darmflora und neurologischen Krankheiten.

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Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) zeichnet herausragende Nachwuchswissenschaftler aus

Jährlich vergibt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie drei Early-Career-Preise an Nachwuchswissenschaftler, die einen herausragenden Beitrag auf dem Gebiet der Immunologie geleistet haben. Die Preisverleihung fand am 8. September 2015 während der DGfI-Mitgliederversammlung im Rahmen des 4th European Congress of Immunology in Wien statt.
Fritz-und-Ursula-Melchers-

Postdoktorandenpreis, Dotierung: 1.500 € - Dr. Katrin Busch
Der Fritz-und-Ursula-Melchers-Melchers-Postdoktorandenpreis zeichnet in diesem Jahr die Erforschung der molekularen Grundlagen der Entwicklung hämatopoetischer Stammzellen (HS) aus. Diese Zellen sind der Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Immunsystems, der sogenannten Hämatopoese. Bisher wurden HS und die Hämatopoese hauptsächlich mittels Stammzelltransplantationen oder in-vitro-Studien (lat. im Glas) untersucht. Frau Busch gelang es während ihrer Promotion, mittels Gentargeting ein Mausmodell zu etablieren, in dem es erstmals möglich ist, das Schicksal und die Aktivität dieser Stammzellen und ihrer Nachkommenschaft unmittelbar in situ (lat. in ihrer natürlichen Lage im Körper) zu verfolgen. Dieses Mausmodell bildete die Grundlage für die in der Postdoktorandenzeit durchgeführten Untersuchungen zur physiologischen Funktion von HS im Knochenmark unter Normalbedingungen. Dadurch wurden Einblicke in grundlegende Eigenschaften von HS und die Hämatopoese ermöglicht. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Frau Busch studierte Biochemie an der Universität Bayreuth. Sie fertigte ihre Promotion im Labor von Hans-Reimer Rodewald an, in dem sie seit 2013 als Post-Doc tätig ist.

Der Fritz-und-Ursula-Melchers-Postdoktorandenpreis wird an bis zu 35 Jahre alte Post-doktorandInnen für ihre bisher geleisteten Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie verliehen. Fritz Melchers war langjähriger Direktor des „Basel Institute for Immunology“ und ist Gründungs- und Ehrenmitglied unserer Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V. Herausragend sind Prof. Melchers Forschungsarbeiten, die entscheidend zu unserem Verständnis der Reifung Antikörper-produzierender B-Lymphozyten beigetragen haben.

Stifter des Preises sind Fritz und Ursula Melchers.

Herbert-Fischer-Preis für Neuroimmunologie, Dotierung: 1.500 € - Dr. Tilman Schneider-Hohendorf
Der Herbert-Fischer-Preis für Neuroimmunologie ehrt in diesem Jahr die herausragende Arbeit von Dr. Schneider-Hohendorf. Dr. Schneider-Hohendorf hat erforscht, über welchen Weg menschliche Th17-Zellen (eine Unterklasse von T-Helferzellen) in das zentrale Nervensystem (ZNS) von Patienten mit multipler Sklerose (MS) einwandern. Bei MS dringen T-Zellen über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn ein und greifen körpereigenes Gewebe an. Dr. Schneider-Hohendorf untersuchte Proben von MS-Patienten, die mit Natalizumab behandelt wurden. Hierbei handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der das very late antigen (VLA)-4 und somit den Eintritt von Immunzellen in das ZNS über die Blut-Hirn-Schranke blockiert. Dr. Schneider-Hohendorf fand heraus, dass Th17-Zellen neben VLA-4 einen alternativen Weg über das Adhäsionsmolekül MCAM nutzen können um in das ZNS einzuwandern. Die Entdeckung trägt nicht nur zum Verständnis der Entstehung von MS und weiteren entzündlichen Th17-vermittelten Erkrankungen des Nervensystems bei, sondern könnte auch die Behandlung solcher Autoimmunerkrankungen verbessern.

Dr. Schneider-Hohendorf begann seine akademische Laufbahn als Student der Biologie an der Universität Würzburg. Dort arbeitete er unter der Betreuung von Ulrich Zimmermann. Im Jahr 2008 wechselte er nach Münster, wo Heinz Wiendl gerade sein Forschungslabor etablierte. Seine Dissertation resultierte in mehreren Publikationen als Erst- und Co-Autor, einschließlich einer sehr wichtigen Publikation im Journal of Experimental Medicine (JEM).

Stifter des Preises ist die Rosa Laura und Hartmut Wekerle Stiftung.

Der Herbert-Fischer-Preis für Neuroimmunologie wird an bis zu 35 Jahre alte DoktorandInnen und Junior-PostdoktorandInnen für in Deutschland durchgeführte Arbeiten auf dem Gebiet der Neuroimmunologie verliehen. Der Preis erinnert an den ehemaligen Direktor (1961-1981) des Max-Planck-Institutes für Immunbiologie. Herbert Fischer war ein Pionier auf dem Gebiet der Systemimmunologie. Er erkannte die Bedeutung des zellulären Milieus für die Immunantwort. Sein Interesse galt besonders dem Zusammenspiel zwischen Lymphozyten mit Makrophagen, welches er durch innovative Methoden wie Chemilumineszenz und Mikrokinematographie beleuchtete.

Georges-Köhler-Preis, Dotierung: 3.000 € - Prof. Dr. med. Dietmar Zehn
Bei Krebserkrankungen und chronischen viralen Infektionen zeigen T-Lymphozyten (weiße Blutzellen, die wesentlich für die Zerstörung von virusinfizierten Zellen und Tumorzellen verantwortlich sind) nach einer gewissen Zeit einen Phänotyp, der in der Vergangenheit als „erschöpfte“ T-Lymphozyten interpretiert wurde. Prof. Zehn konnte nachweisen, dass diese T-Lymphozyten dennoch effektiv arbeiten. Über bestimmte Differenzierungsschritte wurden diese Zellen darüber hinaus optimiert, um auf Dauer - bei gleichzeitiger Erreger- oder Tumorabwehr - eine Schonung des umliegenden Gewebes sicher zu stellen. Dieses neue Konzept, das gewissermaßen einen Paradigmenwechsel darstellt, hat Prof. Zehn in renommierten Zeitschriften publiziert. U.a. wurde es in einem Übersichtsartikel der renommierten Zeitschrift „Nature Reviews in Immunology“ im November 2014 vorgestellt.

Nach seiner Promotion zum Dr. med. (summa cum laude) an der Charité (Humboldt-Universität Berlin) und einer fünfjährigen Forschungstätigkeit am renommierten Howard Hughes Medical Institute der University of Washington (Seattle, USA) ist Prof. Zehn seit 2010 am Centre Hospitalier Universitaire Vodois (CHUV, Lausanne) in der Schweiz tätig.

Sponsor des Preises ist die Dr.-Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart-Zuffenhausen.

Der Preis wird an Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler verliehen, deren Arbeiten zum besseren Verständnis des Immunsystems herausragend beigetragen oder daraus resultier-ende Anwendungen geschaffen haben.

Namensgeber des Preises ist Prof. Dr. Georges Jean Franz Köhler (1946-1995), Nobelpreisträger 1984 für Physiologie oder Medizin (zusammen mit César Milstein und Niels K. Jerne für die Entdeckung des Prinzips der Herstellung von monoklonalen Antikörpern) und früherer Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie, Freiburg.

Originalpublikationen:
Dr. Katrin Busch
Katrin Busch, Kay Klapproth, Melania Barile, Michael Flossdorf, Tim Holland-Letz, Susan M. Schlenner, Michael Reth, Thomas Höfer & Hans-Reimer Rodewald: Fundamental properties of unperturbed haematopoiesis from stem cells in vivo. Nature 518, 542–546 (2015) doi:10.1038/nature14242

Dr. Tilman Schneider-Hohendorf
Tilman Schneider-Hohendorf, Jan Rossaint, Hema Mohan, Daniel Böning, Johanna Breuer, Tanja Kuhlmann, Catharina C. Gross, Ken Flanagan, Lydia Sorokin, Dietmar Vestweber, Alexander Zarbock, Nicholas Schwab, and Heinz Wiendl: VLA-4 blockade promotes differential routes into human CNS involving PSGL-1 rolling of T cells and MCAM-adhesion of TH17 cells. JEM 2014; vol. 211 no. 9 1833-1846; doi: 10.1084/jem.20140540

Prof. Dr. med. Dietmar Zehn
Daniel E. Speiser, Daniel T. Utzschneider, Susanne G. Oberle, Christian Münz, Pedro Romero & Dietmar Zehn: T cell differentiation in chronic infection and cancer: functional adaptation or exhaustion? Nature Reviews Immunology 14, 768–774 (2014) doi:10.1038/nri3740

Über die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI)
Die DGfI, gegründet 1967, hat mehr als 2.300 Mitglieder, die in der immunologischen Grundlagenforschung oder in der klinischen Immunologie tätig sind. Die wissenschaftlichen Tätigkeiten der DGfI sind themenspezifisch in 13 Arbeitskreisen organisiert. Die DGfI organisiert jährliche Kongresse mit ca. 1000 Teilnehmern, in Abständen auch gemeinsam mit anderen europäischen Gesellschaften, um die Vernetzung der Immunologen innerhalb Europas voranzutreiben. Ebenso gibt es kleine bilaterale Treffen, um gemeinsame Forschungsinitiativen mit außereuropäischen Gesellschaften zu initiieren und zu entwickeln. Mit der Akademie für Immunologie bietet die DGfI ein strukturiertes Ausbildungsprogramm an. Für die breite Öffentlichkeit, Schulen und Patienten erstellt die DGfI verständlich aufbereitetes Informationsmaterial und organisiert Veranstaltungen. Weitere Informationen finden Sie auf www.dgfi.org bzw. www.das-immunsystem.de

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