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Gesundheit

Gefäßerkrankungen: Woran erkennen? Welche Behandlung?

Am 26. September 2015 lädt die Universitätsklinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie Heidelberg zum Tag der offenen Tür ein: Vorstellung modernster Therapien, Tipps zur Vorbeugung, individuelle Beratung


Wie hält man seine Gefäße gesund? Was tun bei Durchblutungsstörungen der Beine? Welche Behandlungsmöglichkeiten empfehlen sich bei Krampfadern? Am Samstag, 26. September 2015, lädt die Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie zusammen mit ihren Partnern im Interdisziplinären Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg zum alljährlichen "Gefäßtag" ein: Von 12 bis 16 Uhr erwarten die Besucher im 3. Stock der Chirurgischen Universitätsklinik, Im Neuenheimer Feld 110 in Heidelberg, u.a. Expertenvorträge zu verschiedenen Gefäßerkrankungen und modernen Therapiekonzepten, Vorführungen von Operationen am Modell sowie individuelle Beratungsgespräche zu Vorbeugung und Selbsthilfe. Professor Dr. Dittmar Böckler, Ärztlicher Direktor der Klinik, gewährt einen Blick hinter die Kulissen einer Gefäßoperation, erklärt die High-Tech-Werkzeuge der Gefäßchirurgen und zeigt Filme aus dem modernen Heidelberger Hybrid-Operationssaal. Zudem wird die Kooperation mit der Klinik für Gefäßchirurgie im Kreiskrankenhaus Heppenheim vorgestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Gefäßerkrankungen beginnen schleichend, nicht erst im hohen Alter: Der Lebensstil hat maßgeblich Einfluss darauf, wie früh sich Ablagerungen in den Gefäßen bilden, diese verengen und schädigen (Arteriosklerose). Das kann im Laufe der Jahre schmerzhafte Durchblutungsstörungen in den Beinen, Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen. Risikofaktoren sind z.B. Rauchen, unbehandelter Bluthochdruck, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. "Viele sind sich der Gefahren, die von Gefäßerkrankungen ausgehen, nicht bewusst", erklärt Professor Böckler, Leiter des Interdisziplinären Gefä߬- und Aortenzentrums, in dem Patienten fachübergreifend von Gefäßchirurgen, Radiologen und Angiologen gemeinsam mit Herzchirurgen, Neurologen, Nephrologen, Diabetologen und Ernährungsmedizinern behandelt werden.

Schaufensterkrankheit, Schlaganfall und Erkrankungen der Hauptschlagader

Ein Hauptthema des Gefäßtages ist die sogenannte Schaufensterkrankheit, auch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannt, bei der Arteriosklerose Durchblutungsstörungen in den Beinen verursacht. Anfangs schmerzen die Beine beim Gehen, ohne Behandlung werden die Beschwerden schlimmer und treten schließlich auch in Ruhe auf. "Betroffene sollten möglichst bald einen Arzt aufsuchen", rät Professor Böckler. Denn dann können Medikamente, Gehtraining und gegebenenfalls eine Ernährungsumstellung das weitere Fortschreiten der Erkrankung verhindern bzw. verlangsamen. Im weiter fortgeschrittenen Stadium sind Katheter-Eingriff oder Operation nötig.

Arteriosklerose führt nicht nur zu Durchblutungsstörungen in den Beinen. Sind die Halsschlagadern betroffen, kann das – wie jährlich bei mehr als 30.000 Menschen in Deutschland – einen Schlaganfall verursachen. Beim Gefäßtag informieren die Experten über die frühen Anzeichen für einen Schlaganfall, wie dann behandelt wird und welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Behandlung einfließen. Darüber hinaus geht es um das Aortenaneurysma, eine Aussackung der Bauchschlagader. Es verursacht selten Beschwerden, kann ab einer bestimmten Größe aber einreißen. Bei einer einmaligen Ultraschalluntersuchung ab dem 65. Lebensjahr – die von den Krankenkassen allerdings nicht übernommen wird – sind die gefährlichen Aufweitungen gut zu erkennen. Inzwischen stehen verschiedene Therapieverfahren zu Verfügung, um selbst schwer erreichbare Aneurysmen zu stabilisieren.

Moderne Behandlung von Krampfadern im Kreiskrankenhaus Heppenheim

In Kooperation mit dem Kreiskrankenhaus Heppenheim bieten die Heidelberger Gefäßchirurgen auch operative Behandlungen bei Krampfadern an. Neben dem klassischen „Stripping“, bei dem die Ärzte die erkrankte Vene aus dem Bein herausziehen, stehen inzwischen gleichwertige minimal-invasive Methoden zur Verfügung. Dabei wird die erweiterte Vene mit Hilfe eines Katheters ("Closure Fast Katheter") von innen durch Radiowellen erhitzt und verschlossen. Das dauert in der Regel nur wenige Minuten und kann ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Im Vergleich zum Stripping kommt es seltener zu Blutergüssen, die Schmerzen nach dem Eingriff sind geringer. Beim Gefäßtag erklären die Mediziner, wann welches Verfahren zum Einsatz kommt. „Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. In den erkrankten Venen kann sich das Blut stauen und das Risiko für Thrombose oder Venenentzündungen erhöhen. Das sollte man frühzeitig prüfen und gegebenenfalls behandeln lassen“, sagt Dr. Andreas Ofenloch, stellvertretender Chefarzt der Gefäßchirurgie in Heppenheim.

Kontakt:
Sekretariat des Gefäßzentrums
Tel: 06221 / 56 6226

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
Weitere Informationen finden Sie unter
Programm
Universitätsklinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie Heidelberg

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Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom am Uniklinikum Würzburg wird eröffnet

Am Freitag, den 16. Oktober 2015, eröffnet das Uniklinikum Würzburg offiziell seine Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom. Neben einem feierlichen Festakt bietet der Nachmittag durch Expertenvorträge profunde Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse zu dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks und ihren Behandlungsmöglichkeiten.


Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser bösartigen Variante des Lymphknotenkrebses, für die es noch keine Standardtherapie gibt. „Die Heilung des Multiplen Myeloms und seiner vielen Komplikationen ist nach wie vor eine der großen Herausforderungen in der onkologischen Forschung“, unterstreicht Prof. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Das unterfränkische Krankenhaus der Maximalversorgung zählt zu den europaweit führenden Zentren in der Entwicklung der dafür erforderlichen neuen Behandlungswege.

Drei Millionen von der Wilhelm Sander-Stiftung
Neuer Kristallisationspunkt dieser Arbeiten ist die Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom, die am Freitag, den 16. Oktober 2015, offiziell am UKW eröffnet wird. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos zu besuchen. Wichtig ist allerdings eine Anmeldung bis 25. September 2015 unter E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Tel: 0931-20140001.
Los geht es um 14:00 Uhr im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) an der Oberdürrbacher Straße mit einem etwa einstündigen Festakt. Der Name der Therapieeinheit leitet sich ab von der Wilhelm Sander-Stiftung, die die neue Zentrumsstruktur mit rund drei Millionen Euro fördert. Dr. Jörg Koppenhöfer, Vorsitzender des Stiftungsrates und einer der Redner des Festakts, erläutert: „Die Wilhelm Sander-Stiftung widmet sich der medizinischen Forschung in Deutschland und der Schweiz, insbesondere Projekten zur Krebsbekämpfung. Bislang haben wir hierfür über 220 Millionen Euro bewilligt. Das Geld stammt aus den Nachlasserträgen des deutschen Unternehmers Wilhelm Sander, der im Jahr 1973 verstorben ist.“

Interdisziplinäre Ausrichtung zum Wohle der Patienten
Geleitet wird die Würzburger Therapieeinheit von Prof. Einsele. Bei der Eröffnungsveranstaltung wird er deren Strukturen und Ziele verdeutlichen. „Im neuen Zentrum entwickeln wir in einer weitgreifend interdisziplinären Zusammenarbeit vor allem neue Untersuchungswege der Erbsubstanz des Tumors, neue Techniken der Bildgebung und letztlich neue Immuntherapieansätze“, so Einsele. Der anerkannte Krebsexperte fährt fort: „Für unsere Patienten besonders wichtig sind die fächerübergreifenden Sprechstunden, da die Krankheit so viele verschiedene Organsysteme umfassen kann. Durch die Einbindung von Kollegen der Hämatologie/Onkologie, der Orthopädie, der Strahlentherapie sowie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie können wir die Betroffenen noch deutlich besser betreuen.“
Die Schirmherrschaft der Eröffnungsveranstaltung übernahm die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof MdL, wird ein Grußwort sprechen.
Der Festakt wird musikalisch gestaltet durch ein Rahmenprogramm der Geschwister Roberta und Richard Verna. Beide haben mehrfach erste Preise bei „Jugend musiziert“ auf Regional-, Landes- und Bundesebene erhalten und gehören dem Bayerischen Landesjugendorchester an.

Sechs wissenschaftliche Vorträge zum aktuellen Stand der Forschung
An den feierlichen Part der Veranstaltung schließen sich von 15:30 bis 17:00 Uhr sechs wissenschaftliche Vorträge an. Dabei schildern Experten der Würzburger Universitätsmedizin allgemeinverständlich aktuelle Forschungsbemühungen und aussichtsreiche Therapieoptionen.
Als weitere Informationsquelle präsentieren sich an Ständen im Foyer vor dem Hörsaal Selbsthilfe- und Patientengruppen sowie die Wilhelm Sander-Stiftung. Universitätsklinikum Würzburg,

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Nationales Versorgungsforum Schmerz: Patienten und Schmerzmediziner fordern bessere Versorgung

„Die Qualität schmerzmedizinischer Versorgung leidet im stationären wie auch im niedergelassenen Bereich an unzureichenden Strukturen und Defiziten in der Ausbildung von Ärzten“, konstatieren die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und die Patienten-Selbsthilfeorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL). Die Leidtragenden sind die betroffenen Patienten. „Selbst Schmerznotfälle“, so der Präsident der Schmerzmediziner, Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen, „suchen oft vergeblich nach kompetenter Behandlung.“ Einen Beitrag zur Optimierung der Versorgung soll ab sofort das Nationale Versorgungsforum Schmerz leisten, das in diesem Jahr erstmalig in Berlin stattfindet.


“Verantwortlich für die Versorgungsdefizite ist vor allem“, so der Präsident der Deutschen Schmerzliga, Privatdozent Dr. Michael Überall, Nürnberg, „die an Fachgebieten und ihren Grenzen orientierte Ausbildung der Ärzte, die den Bedürfnissen von Patienten mit chronischen Schmerzen nicht gerecht wird.“ Die chronische Schmerzkrankheit umfasst den ganzen Menschen mit körperlichen, psychischen sowie sozialen Aspekten und verlangt umfassende Kenntnisse, die neurologische, psychologische, funktionell-orthopädische und anästhesiologische Fertigkeiten erfordert. Die deutsche Facharztmedizin in Klinik und Praxis habe zwar sehr hohe Standards, erfülle aber nicht die Bedürfnisse von Patienten mit chronischen Schmerzen. So führe die diagnostische und therapeutische Überforderung von Ärzten zu weiterer Chronifizierung.

Aktuelle epidemiologische Zahlen zeigen, dass die Anzahl der Patienten mit chronischen Schmerzen nicht abnimmt, sondern in den letzten Jahren zugenommen hat. Demnach leiden 23 Millionen Patienten in Deutschland unter chronischen Schmerzen, davon 2,2 Millionen unter schwersten problematischen Schmerzerkrankungen.

Strukturelle Defizite verschärfen die Problematik in der Schmerzmedizin

Neben der fehlenden schmerzmedizinischen Qualifikation sind strukturelle Defizite für die zunehmende Mangelversorgung verantwortlich. Die fehlende Bedarfsplanung in der ambulanten schmerzmedizinischen Versorgung macht das Auffinden eines qualifizierten Schmerzmediziners für Patienten unkalkulierbar. „Qualifizierte Schmerzmediziner haben oft monatelange Wartelisten“, so Müller-Schwefe, „mit der Konsequenz, dass schmerzmedizinische Notfälle nicht zeitnah behandelt werden können und die eigentlich sinnvolle bzw. notwendige Prävention der Schmerzchronifizierung durch frühe Intervention unmöglich ist.“

„Stationäre Einrichtungen und Krankenhausambulanzen können dieses Defizit leider nicht ausgleichen“, so Müller-Schwefe. Der Grund: Auch für diese Einrichtungen fehlt die Bedarfsplanung. Darüber hinaus sind Stationen sowie Ambulanzen nicht gebietsübergreifend ausgebildet und interdisziplinäre Schmerzteams können aufgrund des hohen Zeitaufwands nur eine geringe Anzahl von Patienten betreuen. Diese existieren zudem nur an wenigen Einrichtungen.

DGS fordert strukturierte Ausbildung, Bedarfsplanung, Facharzt für Schmerzmedizin

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin und die Deutsche Schmerzliga fordern daher dringend eine strukturierte Ausbildung von Ärzten in der Schmerzmedizin, die Bedarfsplanung für die ambulante und stationäre schmerzmedizinische Versorgung sowie die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin.

Terminankündigung:
Wichtige Impulse erwarten sich DGS und DSL vom Nationalen Versorgungsforum Schmerz. Unter dem Schwerpunktthema „schmerzmedizinische Versorgung ambulant und wohnortnah“ werden am 12. November 2015 in Berlin die schmerzmedizinischen Fachgesellschaften DGS, DSL und der Berufsverband BVSD, mit Gesundheitspolitikern, Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen wie auch Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung gemeinsame Lösungen suchen.

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS)

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit mehr als 4.000 Mitgliedern die größte europäische ärztliche Fachgesellschaft, die sich für eine bessere Versorgung von Schmerzpatienten und für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes einsetzt. Sie ist bundesweit in mehr als 120 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der Medizin erreicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen. Die DGS gibt den Schmerztherapieführer heraus, in dem alle Mitglieder aufgelistet sind. Gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga e.V. organisiert die DGS den jährlich stattfindenden Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt/Main. Weitere Informationen online www.dgschmerzmedizin.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dgschmerzmedizin.de

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Kinderkrankheiten früher und heute: Ratschläge für Eltern und Großeltern

Kinder werden in ihren ersten Lebensjahren regelmäßig krank – dabei lernt ihr Immunsystem fürs Leben. An welchen Krankheiten Kinder heute am häufigsten leiden, was dabei zu beachten ist und warum die klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln nach wie vor nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten, erklärt Kinderarzt Dr. Jürgen Grulich-Henn vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg bei Medizin am Abend am 23. September 2015


„Kinder werden heute zwar nicht seltener krank, aber insgesamt meist harmloser“, sagt Dr. Jürgen Grulich-Henn, Leiter der Allgemeinambulanz am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Kinder zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr erkranken oft bis zu acht Mal pro Jahr an Infekten, die teils mit hohem Fieber einhergehen können – trotzdem besteht meistens kein Grund zur Sorge. In seinem Vortrag bei Medizin am Abend am 23. September 2015 erklärt der erfahrene Kinderarzt, wie Eltern und Großeltern richtig reagieren: Wann kann ein Infekt getrost mit Hausmitteln und gängigen Medikamenten auskuriert werden? Wann sollte man unverzüglich zum Arzt gehen? Auch die „klassischen“ Kinderkrankheiten wie Masern, ihre Verbreitung und die Schäden, die sie bei Kindern verursachen können, sind Thema des Abends. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

„Seuchen“, die insbesondere Kinder heimsuchen, wurden bereits in Schriften der Antike und des Altertums beschrieben. Im Mittelalter und bis ins beginnende 20. Jahrhundert forderten neben Masern und Scharlach vor allem Pocken, Diphterie und Tuberkulose viele Kinderleben. Ebenfalls häufig traten Kinderlähmung und Hirnhautentzündungen auf und hinterließen oft bleibende Schäden. Aber was genau sind „Kinderkrankheiten“? Darunter versteht man landläufig Erkrankungen, die typischerweise in der Kindheit auftreten und gegen die man anschließend lebenslang immun oder wenigstens besser geschützt ist. Dazu zählen z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Kinderlähmung. Gegen sie wird heute erfolgreich geimpft.

Weitaus häufiger sind daher inzwischen verschiedene andere Infektionskrankheiten wie das Dreitagefieber, ausgelöst von bestimmten Herpes-Viren, oder schwerer Brechdurchfall nach Ansteckung mit hochinfektiösen Rota-Viren. „Diese und viele andere Viren sind so häufig, dass Kinder ihnen kaum entgehen können. Spätestens im Kindergarten infizieren sie sich beinahe zwangsläufig“, sagt Grulich-Henn. Die meisten Kinder überstehen die Infektionen gut. „Diese meist komplikationslos verlaufenden Kinderkrankheiten sind ein Ausdruck der Auseinandersetzung des kindlichen Immunsystems mit der Umwelt des Kindes. Insofern dienen sie in gewisser Weise auch der Ausbildung und Reifung unseres Immunsystems und sind für das spätere Leben sogar nützlich“, so der Experte.

Impfung beste Stärkung für das Immunsystem

Eine solch positive Seite lässt sich den „klassischen“ Kinderkrankheiten wie Masern oder Röteln nicht abgewinnen. „Eltern, die ihr Kind nicht impfen lassen, damit durch die Erkrankung sein Immunsystem gestärkt werde, riskieren bleibende Behinderungen und unter Umständen sogar das Leben ihres Kindes!“ mahnt Grulich-Henn. „Die Impfung ist bei diesen Erkrankungen die beste Stärkung für das Immunsystem.“ Denn trotz medizinischer Behandlung kommt es nach wie vor bei jedem zehnten Kind mit Masern zu Komplikationen, die zu Hirnschäden und auch zum Tod führen können. Trotzdem werden in Deutschland nur drei Viertel der Kinder gegen diese äußerst ansteckende Krankheit geimpft.

Was tun, wenn das Kind geimpft ist, aber trotzdem an hohem Fieber erkrankt? „Fieber kommt bei den meisten Kinderkrankheiten vor und ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Ein geimpftes Kleinkind mit Fieber muss daher nicht zwingend sofort einem Arzt vorgestellt werden. Lässt sich das Fieber beispielsweise gut senken, trinkt das Kind gut und ist nach Fiebersenkung wieder fit, kann man erst einmal abwarten“, rät der Mediziner. In seinem Vortrag wird er an einigen praktischen Beispielen erläutern, wie Eltern und Großeltern die Situation besser einschätzen können und wann es Zeit für den Arztbesuch ist.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
Weitere Informationen finden Sie unter
Medizin am Abend

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