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Lifestyle

Die Gastgeber Familie Told

Wieder einmal ein Reisebericht von Herbert Huber – diesmal aus Seefeld im Tirol

Die Gastgeber Familie Told
Die Gastgeber Familie Told

Eigentlich war es ein Spontanentscheid das Tirol zu entdecken und Dank Internet auch subito gebucht. Auf Empfehlung unserer Schwiegertochter «googelt» doch mal das Parkhotel». Gesagt getan und die Anfrage für eine Offerte gestartet – prompt innert 2 Stunden war diese da. Vorbildlich.

Am 1. Juni gings los. Eine abwechslungsreiche Reise in die Ostschweiz, dann weiter nach Feldkirch und durch den Arlberg Tunnel. «Die Maut Vignette nicht vergessen» ermahnten uns Freunde. Na ja, die war ja günstig und so verstanden wir auch, dass dann für die Durchfahrt des Tunnels noch eine weitere Gebühr zu bezahlen war.

Bei schönstem Wetter erreichten wir das Ziel Seefeld und unser Hotel unweit des Bahnhofs gelegen. Der Empfang war äusserst freundlich. Das versprochene Zimmer mit 40 m2 sehr ruhig gelegen und mit Aussicht auf die nahen Berge.

Seefeld das beeindruckende Olympia Dorf

Parkhotel Seefeld
Parkhotel Seefeld

Seefeld vermochte uns von Anfang an zu begeistern. Ein schmuckes gepflegtes Dorf mit schickem urbanem Charakter. Typisch einheimischen Tiroler Häusern, adretten Modegeschäften, heimeligen Wirtschaften und Weinschenken. Läden, wo es einem buchstäblich hineinzog – dort nämlich, wo Wein, Wurst und Käse aus der Region feilgeboten wurden. Oder ein Café, wo wir uns einfach vom Original «Apfelsstudel» verführen liessen. Mehrmals. Und ein besonderes Markenzeichen von Seefeld ist das beeindruckende 5*Hotel Klosterbräu. Dieses gehobene, von der Familie Seyerling in sechster Generation geführte Resort in einem ehemaligen Kloster aus dem 16. Jahrhundert liegt neben dem Skigebiet Olympiaregion Seefeld.

Aussicht vom Parkhotel
Aussicht vom Parkhotel

Bloss einige Gehminuten vom romantischen Wildsee Gebiet entfernt. Wir benutzten die Gelegenheit einer Hotel Führung mit dem sympathischen Inhaber Alois Seyerling. Erfreut war ich als Luzerner, dass Alois Seyerling die SHL (Schweizerische Hotelfachschule Luzern) mit Diplom abgeschlossen hat.

Unser Parkhotel – klein und fein und 4*

Kulinarische Tiroler Impression
Kulinarische Tiroler Impression

Nun mit «unserem» Park Hotel haben wir gefunden, was wir eigentlich suchten. Eher klein und (altersbedingt) nicht allzu viel Fitness. Das grosse Hallenbad und die gepflegte Sauna drinnen und der Whirlpool draussen reichten. Und die Ruheplätze im «Pärkli» ebenfalls. Eine wundervolle, sehr gepflegte Gartenanlage wurde von den Gästen sehr geschätzt

Kulinarische Tiroler Impression
Kulinarische Tiroler Impression

Was die Küche bot, war bemerkenswert. Das Frühstückbuffet stimmte wunschlos glücklich. Das Abendessen ebenso fröhlich und 2x wöchentlich wurden wir Gäste mit einem Gala Diner und einem Tiroler «Schmankerl» Buffet beglückt. (Einige Eindrücke über die Kulinarik über unten eingefügten Link auf die Diashow).

Und manchmal noch ein Schnapserl zum Abschluss – das gibt Kalorien. Diese haben wir mit einem wundervollen «Wildseerundgang» und über das Reither Moor wieder abgebaut. Beeindruckend die vielen «Oachloabkatzerl», die Eichhörnchen nämlich, welche sehr zutraulich um die Wanderer «schwänzelten». Wer Nüsschen bei sich hatte war eindeutig im Vorteil.

 

 

 

 

Innsbruck muss man gesehen haben

Barock in Innsbruck
Barock in Innsbruck

Was wir besonders genossen haben, war eine kurze Reise nach Innsbruck mit der Bahn. Nun, der Start nicht gerade erfreulich – es war allerdings unser Fehler bei der Bedienung des Ticket Automaten. Als wir im Zug sassen meinte die Zugbegleiterin, dass wir ja viel zu viel bezahlt hätten. Wir sollen in Innsbruck auf das ÖBB Büro für eine Gutschrift gehen. Aber «ohalätz» die hatten gar kein Musikgehör für die «Alt Semester Schweizer» und schoben die Schuld der Schaffnerin zu – die hätte halt das Billet nicht entwerten sollen. Jetzt sei es zu spät. He nu so de.

Kulinarische Tiroler Impression
Kulinarische Tiroler Impression Backhendl

Ein wunderbares knuspriges Backhendl und ein hervorragender Zweigelt zum Z’Nacht vermochte uns zu trösten.

Das goldene Dacherl
Das goldene Dacherl

Innsbruck, die Hauptstadt des Bundeslandes Tirol im Westen Österreichs, bezirzte uns total. Seit Langem ist diese Stadt ein beliebtes Wintersportzentrum in den Alpen und im Sommer ein Ort zum Lustwandeln. Innsbruck ist für seine Bauwerke aus der Kaiserzeit und seine moderne Architektur bekannt. Und natürlich das «Goldene Dacherl» ein Touristenmagnet.

Beim Goldenen Dacherl handelt es sich um einen Prunkerker, der im Auftrag Kaiser Maximilians I. (1459 – 1519) von Niklas Türing errichtet wurde.Seinen Namen verdankt es den „feuervergoldeten“ Kupferschindeln, mit denen das Dach des Erkers gedeckt ist.

 

Ab auf die Berge und die Almen

Bodenalm Hüttn
Bodenalm Hüttn

Ausflüge? Deren Möglichkeiten gibt es genug. Hinauf in die Berge zu prächtigen Alpseen. Oder einen Spaziergang zur urigen Bodenalm, wo ein herrliches Zvieriplättli (Schwartenmagen) den Gaumen erfreute. Und wer es ganz gemütlich will: ab Seefeld kann man sich eine Pferdekutsche mieten – was besonders auch im Winter sehr romantisch sein muss.

Hinauf auf den Rosskopf
Hinauf auf den Rosskopf

Vom Rosskopf, mit der Standseilbahn erreichbar, geniesst man eine wundervolle Aussicht auf die Tiroler Bergwelt. Ebenso vom Katzenkopf ins Leutaschtal. Übrigens alle diese Talstationen sind mit dem Tiroler Öv super erreichbar. Für Hotelgäste gratis.

 

 

 

Plauderstündchen mit der Gastgeberin des Parkhotel

Hundstein
Hundstein
Reither Moor
Reither Moor

Zum Schluss ein kleiner Trost für die im Moment unter Fachkräftemangel leidenden Schweizer Gastronomen: Bei einem «Marillenschnapserl» unterhielten wir uns mit der Gastgeberin Susanne Told im Parkhotel Seefeld im Tirol. Obwohl in den Ferien, Gastgeber können es einfach nicht lassen über die Gastronomie zu philosophieren. «Mit den goldenen Zeiten, als viele Betriebe im Nachbarland Österreich ausschliesslich von Familienmitgliedern geführt wurden sind, ist es ziemlich vorbei», bemerkt die Wirtin mit sichtlicher Traurigkeit. Es ist der Fachkräftemangel, welcher uns zu schaffen macht und Nerven kostet.

Ohne Worte
Ohne Worte

Wäre da nicht mein Mann, der in der Küche steht, zusammen mit einem ungarischen Koch und unsere Töchter, die fleissig mithelfen, ist es manchmal einfach zum Verzweifeln. Denn immer nur Lächeln und fröhlich sein, auch wenn es einem nicht zu Mute ist, nach über 30 Jahren…

Es mag für die Gastgeberin ein kleiner Trost gewesen sein, als ich Ihr erklärte, dass wir mit den gleichen Problemen in der Schweiz beschäftigt sind.

Wir haben einen Teil des Tirols von der schönsten Seite kennen gelernt. Und auch der Wettergott meinte es gut mit uns. In diesem Sinne auf ein frohes Wiedersehn.

Kleine Fotodiashow von Herbert Huber

fotodiashows.wordpress.com/2022/07/26/wieder-einmal-ein-reisebericht-von-herbert-huber-diesmal-aus-seefeld-im-tirol/

Text und Fotos  www.herberthuber.ch

Homepages der andern Kolumnisten:   www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch www.maxthuerig.ch

Augen und Gaumenschmaus

Bodenalm Hüttn

Forellenschmaus

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Ignite Eco Trainer von Ariat

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Der neue Eco Trainer von Ariat is die umweltfreundliche Neuauflage des Vorgängers Ignite, und sorgt dafür, dass Sie auch ohne Verschnaufpause mühelos und unkompliziert durch den Tag kommen.

 

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Hüte Auswahl Symbolbild

Hüte sind angesagt wie nie zuvor

Hüte Auswahl Symbolbild
Hüte Auswahl Symbolbild

Es ist faszinierend, wie viel Aufmerksamkeit einem Gegenstand gewidmet wird, der eigentlich nur eine Aufgabe hat: Den Kopf vor den Elementen zu schützen. Aber es ist hier, wie es mit vielen anderen Dingen des alltäglichen Lebens ist: Diversifizierung schafft unterschiedliche Modelle.

 

 

 

 

Von Hutgeschichte und Hutgeschichten

Die erste Kopfbedeckung der Welt geht auf die Griechen zurück. Sie trugen den sogenannten Pileus, wobei es sich um eine runde Kappe handelte, welche die Handwerker trugen. Dann gab es den Petasos, respektive die Kausia, welche schon deutlich an den heutigen Hut (Petasos) oder eine Baskenmütze (Kausia) erinnerten. Und auch im Römischen Reich trug man schon in gewissen Schichten und zu gewissen Anlässen einen Hut.

In unseren Breiten kamen die Hüte zum ersten Mal im 10. Jahrhundert in Mode und heute, 11 Jahrhunderte später, gibt es eine gewaltige Auswahl. Wir kennen hutartige Kopfschmuckvarianten, etwa den sogenannten „Fascinator“. Die beste Gelegenheit, einen solchen Hut auszuführen, ist die Rennwoche „Royal Ascot“ in Großbritannien.

Eine weitere Variante ist der berühmte Chapeau Claque, welcher seine Existenz dem Pariser Hutmacher Gibus verdankt und daher auch diesen Namen trägt. Diesen korrekt zu tragen und natürlich auch mal ausklappen zu lassen, ist schon ein Erlebnis. Und wenn man den richtigen Hut kaufen möchte, kann man mit Gutschein bei Hutshopping sparen.

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Die Musikerinnen sind startbereit Foto Wolfgang Gaedigk

Maifestival Rellingen, 13. Mai 2022, Feierliches Eröffnungskonzert, besucht von Léonard Wüst

Die Musikerinnen sind startbereit Foto Wolfgang Gaedigk
Die Musikerinnen sind startbereit Foto Wolfgang Gaedigk

Ausführende und Programm:
Andreas Brantelid                  Violoncello
Ingemar Brantelid                  Violoncello
Mette Hanskov                       Kontrabass
Misa Hasegawa                     Klavier
Irina Kulikova                         Gitarre
Luz Leskowitz                        Violine
Solenne Païdassi                   Violine
Aylen Pritchin                         Violine
Joachim K. Schäfer               Trompete
Oliver Schmidt                       Cembalo
Aroa Sorin                              Viola

CARL PH. E. BACH (1714 – 1788)
Konzert für Violoncello, Streicher und Continuo in A-Dur
ANTONIO VIVALDI (1678 – 1741)
Concerto für Gitarre, Streicher und Continuo in D-Dur
VICENZO BELLINI (1801 – 1835)
„Variations sur NORMA“ für Kornett und Streicher,
Bearb. von J.B. Arban
PAUSE
MAX BRUCH (1838 – 1920)
„Kol Nidrei“ für Violoncello und Streicher
MARIO CASTELNUOVO TEDESCO (1895 – 1968)
Fantasia für Gitarre und Klavier op.145
FRANCISCO TARREGA (1852 – 1909)
„Recuerdos de la Alhambra“ für Gitarre
CAMILLE SAINT-SAENS (1835 – 1921)
Septett für Trompete, Klavier, Streichquartett
und Kontrabass in Es-Dur, op. 65

 

Dass die treuen Besucher des Mai Festivals nach zwei Jahren Pandemie bedingtem Unterbruch «ihr» Festival sehnlichst zurück erwartet hatten, manifestierte sich schon an der grossen Ansammlung der Leute vor der Kirche, die sich lange vor Türöffnung dort eingefunden hatten und dem Eröffnungskonzert entgegenfieberten.

Feierliches Eröffnungskonzert

Marc Trampe frischgewählter Bürgermeister der Gemeinde Rellingen und  Schirmherr des Festivals begrüsst die Konzertbesucher
Marc Trampe frischgewählter Bürgermeister der Gemeinde Rellingen und Schirmherr des Festivals begrüsst die Konzertbesucher

Neu ist Marc Trampe, frischgewählter Bürgermeister der Gemeinde Rellingen, Schirmherr des Festivals. Er war es auch, der die Besucher willkommen hiess in der praktisch vollen Rellinger Kirche.

Kleine, kurzfristige Programmänderung

Mit leichtabgeändertem Programm entführten uns die Musiker*innen in die Welt der Kammermusik. Diese Programmumstellung, Tschaikowskis «Rokoko Variationen» anstelle des Konzertes für Violoncello, Streicher und Continuo in A-Dur von Carl PH. E. Bach, bot dem, erstmals am Maifestival engagierten Cellisten Andreas Brantelid, beste Gelegenheit, sein immenses Können zu demonstrieren.

Zwei Generationen in einem Team

Vater und Sohn Andreas Brantelid Violoncello links Ingemar Brantelid Violoncello
Vater und Sohn Andreas Brantelid Violoncello links Ingemar Brantelid Violoncello

Als Sohn des seit vielen Jahren Maifestival erprobten Cellisten Ingemar Brantelid, ist er, im positiven Sinne, musikalisch «vorbelastet». So strahlte denn auch der Vater, obschon sein Sohn ihm ja fast etwas die Show stahl. Intendant und Leiter Luz Leskowitz ist es gelungen, nach Solenne Paidassi und Aylen Pritchin, beide Violine, erneut jüngeres Musikerblut in die Arterie des Ensembles zu integrieren. Mit Aroa Sorin ist, aufgrund des Hinschiedes von Wladimir Mendelssohn (1949 – 2021), eines langjährigen Weggefährten von Luz, die Viola neu, wie man hörte, sehr gut besetzt.

Überraschende, aber gelungene  Ergänzung des Ensembles durch eine Gitarre

Misa Hasegawa Klavier links und  Irina Kulikova Gitarre
Misa Hasegawa Klavier links und Irina Kulikova Gitarre

Beim Vivaldi Konzert D-Dur op.12 Nr. 15 ergänzte Irina Kulokova mit ihrer Gitarre das Ensemble der Streicher und so erklangen für einmal eher ungewohnte, sehr interessante, überraschende Klangbilder unter der Kuppel des Rellinger Musiktempels.

Jean- Baptiste Arban Variationen für Kornett und Streicher über Themen
aus der Oper Norma von V. Bellin

Joachim K. Schäfer Trompete mit Ingemar Brantelid am Cello
Joachim K. Schäfer Trompete mit Ingemar Brantelid am Cello

Als dann bei den  Variationen für Kornett und Streicher über Themen
aus der Oper Norma von V. Bellini der Dresdner Joachim K. Schäfer  mit seinem absolut klaren, runden Ton das Ensemble ergänzte und die «Casta Diva» variierte, war ein weiteres Ausrufezeichen dieses Maifestivals schon vor der anschliessenden Pause gesetzt und mit langanhaltendem Applaus belohnt worden.

Angeregte Diskussionen vor der Kirche wàhrend der Pause
Angeregte Diskussionen vor der Kirche wàhrend der Pause

Während dieser Pause unterhielt man sich angeregt, mit mehr und weniger einem bekannten Konzertbesuchern, dies bei angenehmen Frühlingswetter vor der Kirche, bevor man sich wieder in diese begab, für den zweiten Konzertteil.

Max Bruch “Kol Nidrei” für Violoncello und Streicher

Die Protgonistinnen agieren hochkonzentriert
Die Protgonistinnen agieren hochkonzentriert

Max Bruchs Kol Nidrei gehört neben dem populären 1. Violinkonzert zu seinen berühmtesten Kompositionen. Das wehmütige Adagio nach hebräischen Melodien entstand 1880 für den Cellisten Robert Hausmann. Es verarbeitet zwei alte jüdische Gesänge, deren außerordentliche Schönheit den Protestanten Bruch nach eigener Aussage tief bewegte. Der tenorale Celloklang ist das ideale Medium für die Stimme eines jüdischen Kantors, und so liefert Kol Nidrei bis heute jedem Cellisten eine wunderbare Vorlage für das Singen auf seinem Instrument, also das ideale Terrain für Andreas Brantelid um seine Virtuosität erneut zu demonstrieren, kongenial getragen von seinen Mitmusiker*innen.

Mario Castelnuovo Tedesco Fantasia für Gitarre und Klavier op.145

Irina Kulikova Gitarre
Irina Kulikova Gitarre

Gitarristen haben eines gemeinsam: Sie leiden darunter, dass die Literatur für ihr Instrument nicht besonders groß ist. Das betrifft vor allem die Kammermusik. Nicht viele wirklich brauchbare Komponisten widmeten sich gebührend diesem Instrument, das doch zu so melancholischen bis feurig-wilden Klängen imstande ist. Mario Castelnuovo-Tedesco (1895–1968) ist einer von ihnen.

Das einfallsreich komponierte Quintett, das sich am ehesten mit neoklassizistisch bis neoromantisch ohne Biederkeit beschreiben lässt, führen sie sauber aus, die Flageoletts (mit denen weiß Tedesco eine Menge anzufangen!) kommen sehr fein, der Ton ist durchweg edel. Becker präsentiert seine hervorragende Technik. Vielleicht wünscht man sich hier und da mehr heißes Blut, gerade bei den spanischen Passagen, etwas mehr Mut, mehr Tempo, mehr Extreme.

Die völlig unterschätzte Fantasia op. 145 für Gitarre und Klavier, ein fabelhaftes Werk mit impressionistischen Landschaften, wie man sie nur selten auf der Gitarre hört, gelingt Irina Kulikova und Misa Hasegawa außerordentlich gut. Die Klangmischung zwischen dem filigranen Gitarren-Sound und dem voluminösen Klavierklang ergänzt sich perfekt, was auch das Auditorium so sah und die beiden Damen dementsprechend mit Applaus belohnte.

Francisco Tárrega “Recuerdos de la Alhambra” für Gitarre

Dieses klassische Gitarrenwerk ist eine der größten Herausforderungen für jeden Gitarristen, weil die Melodie als Tremolo gespielt wird und gleichzeitig ein variabler Basslauf zu spielen ist – und das alles ziemlich schnell. Dadurch entsteht allerdings ein wunderbar voller Klangteppich und man hat das Gefühl, es würden zwei Gitarren gleichzeitig spielen. Ein Genuss für jeden Liebhaber spanischer Gitarrenmusik.

Die Tonart ist a-Moll, doch wie es sich für jedes ordentliche spanisch-romantische Gitarrenstück gehört, gibt’s auch einen grandiosen Mittelteil in Dur, der einen wirklich mitnimmt. Ein perfektes Werk für Irina Kulikova ihr ganzes Können zu demonstrieren, perfektes russisches Handwerk mit einem Schuss andalusischer Genialität.

Camille Saint-Saens  Septett für Trompete, Klavier, Streichquartett
und Kontrabass in Es-Dur, op. 65

Luz Leskowitz und Bassistin Mette Hanskov durchforsten die Partitur
Luz Leskowitz und Bassistin Mette Hanskov durchforsten die Partitur

Dieses Werk zeigt auf, was der Grandseigneur der französischen Spätromantik für die Entwicklung der Instrumentalmusik in seiner Heimat getan hat. Saint-Saëns setzte es sich zum Ziel, durch regelmäßige Uraufführungen von eigenen Werken und solchen junger Komponisten die französische Kammermusik zu fördern und vom erdrückenden Vorbild der „Musique germanique“, der deutschen Kammermusik von Beethoven bis Brahms, zu befreien.
Unter den Stücken, die so im Laufe der Jahre entstanden, huldigten nicht wenige einem neobarocken Stilideal, d.h. sie versuchten, die Formen der Barockmusik mit den harmonischen Mitteln des späten 19. Jahrhunderts zu verbinden. Unter den Werken dieser Richtung ist das Septett von Saint-Saëns, 1879/80 für die Pariser Gesellschaft Die Trompete, komponiert, das brillanteste und zugleich ironischste. Nichts scheint hier ganz ernst zu sein. Der Komponist des Karnevals der Tiere hat hier seinen „Karneval der Stile“ geschrieben.

Bassistin Mette Hanskov und Pianistin Misa Hasegawa geniessen den Applaus
Bassistin Mette Hanskov und Pianistin Misa Hasegawa geniessen den Applaus

Schon gleich das einleitende Préambule zieht die Attitüde einer barocken Ouvertüre mit langsamer Einleitung und Fuge keineswegs dezent durch den Kakao. Auf den pompösen Unisono-Anfang folgt ein Fanfarensolo der Trompete, während das Klavier sich etwas unpassend im Stil des Virtuosen Konzerts gebärdet. Die Fuge schafft Ordnung. Sie behandelt ihr Thema in der Manier von Schumanns Klavierquintett – ein Seitenhieb auf deutsche Gründlichkeit. Romantische Episoden durchbrechen die barocke Motorik, die gegen Ende fröhliche Urständ feiert.
Das Menuett bedient sich noch plakativer als der erste Satz barocker Klischees. Versatzstücke aus dem Baukasten eines Lully oder Händel werden zusammengewürfelt, um unversehens dem Ton eines Schumann-Nachtstücks Platz zu machen. Die beiden Ebenen sind mit bewundernswerter Klarheit durchgehalten, bis das Trio eine elegante Melodie an die Stelle der Ironie setzt.

Das Interméde ist der einzige ganz romantische Satz des Werkes: eine Moll-Kantilene über eine Art Bolero-Rhythmus, die von Instrument zu Instrument weitergereicht und bis zu schwärmerischer Ekstase gesteigert wird. Stil und Klang erinnern an romantische Fantasiestücke, was Saint-Saëns jedoch nicht unbedingt ernster nahm als den Pseudo-Barock der übrigen Sätze.

Mit Gavotte et Final lenkte er den Blick zurück zur höfischen Welt des 18. Jahrhunderts, die hier einen Schuss Frivolität aus jüngeren Etablissements mitbekommen zu haben scheint. Im Kaskaden-Feuerwerk des Klaviers würde niemand ohne die Überschrift den Rhythmus der altehrwürdigen Gavotte wiedererkennen. Man würde ihn für einen Galopp alla Johann Strauß halten. Erst der virtuose Abschluss, das eigentliche Finale, führt uns wieder ins sichere Fahrwasser barocker Satztechniken zurück. Man findet sich in einem jener akademischen Fugenfinali wieder, wie sie die Deutschen so sehr liebten und wofür sie von den Franzosen so gerne belächelt wurden.

Für die perfekte Umsetzung der Intentionen des Komponisten zeichneten die folgenden Akteur*innen verantwortlich: Joachim K.Schäfer, Misa Hasegawa, Solenne Paidassi, Luz Leskowitz, Aroa Sorin, Ingemar Brantelid und Mette Hanskov.

Das Publikum bedankte sich mit einem langanhaltenden Schlussapplaus für das begeisternde Eröffnungskonzert.

After concert Réunion bei Managing Owner Captain Thomas Pötzsch und seiner Frau Ulrike

Luz Leskowitz Violine begleitet von Misa Hasegawa beim after concert meeting bei Managing Owner Captain Thomas Pötzsch
Luz Leskowitz Violine begleitet von Misa Hasegawa beim after concert meeting bei Managing Owner Captain Thomas Pötzsch
In deren aussergewöhnlichen Location, einer nachgebauten Schiffsbrücke, die normalerweise der sehr ungewöhnlich – exklusive Arbeitsplatz der ca. 40 Mitarbeiter*innen  der CTP.BIZ GmbH https://www.ctp.biz/ctpbiz  am Standort Rellingen ist, laden die grosszügigen Rellinger Kulturförderer jeweils nach dem ersten Maifestival Konzertabend zu Häppchen und ausreichend Tranksame, umsorgt von äusserst netten und kompetenten Cateringmitarbeiter*innen. «Zufälligerweise» steht dort auch ein E Piano und so dauert es auch nicht zu lange, bis jemand, der ebendiesem Töne entlocken  kann, sich hinsetzt und in die Tasten greift. Diesmal ist es Misa Hasegawa die den Anfang macht und von Joachim K.Schäfer auf der Trompete supportiert wird.
Solenne Païdassi Violine begleitet von Misa Hasegawa beim after concert meeting bei Managing Owner Captain Thomas Pötzsch links
Solenne Païdassi Violine begleitet von Misa Hasegawa beim after concert meeting bei Managing Owner Captain Thomas Pötzsch links

Anschliessend greift sich Solenne Paidassi die Stradivari von Luz, die sie, so der Meister, vorher noch nie in der Hand hatte, was, so denk ich mal, ausser von den Musikern, von niemandem bemerkt wurde. So wurde auch hier musiziert, während man sich angeregt austauschte und die Häppchen und Getränke genoss, dies alles in sehr lockerer, familiärer Atmosphäre. Alles in allem von A bis Z ein perfekter Auftakt ins Rellinger Maifestival 2022.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Léonard Wüst und Wolfgang Gaedigk https://www.mrk-rellingen.de/maifestival.html

http://www.luz-leskowitz.at/index.html

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Die Musikerinnen geniessen den Schlussapplaus

Die Musikerinnen geniessen den Schlussapplaus

Die Musikerinnen geniessen den Schlussapplaus

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