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Lifestyle

James Gaffigan, Chefdirigent des Residenzorchesters

Luzerner Sinfonieorchester, An American in Lucerne, KKL Luzern, 14. Oktober 2014, besucht von Léonard Wüst

James Gaffigan, Chefdirigent des Residenzorchesters
James Gaffigan, Chefdirigent des Residenzorchesters

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan, Leitung

Paul Jacobs, Orgel

Samuel Barber (1910 – 1981)
Toccata Festiva op. 36

Charles Ives (1874 – 1954)
Sinfonie Nr. 3 «The Camp Meeting»

Leonard Bernstein (1918 – 1990)
«Westside Story», Symphonic Dances

 

Rezension:

Luzerner Sinfonieorchester, Residenzorchester des KKL Luzern, Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester, Residenzorchester des KKL Luzern, Foto Vera Hartmann

Chefdirigent James Gaffigan brachte mit dem Luzerner Sinfonieorchester zum ersten Mal Musik aus seiner amerikanischen Heimat zur Aufführung, beginnend mit Samuel Barbers Toccata Festiva op. 36 und der Sinfonie Nr. 3 «The Camp Meeting» von Charles Ives, im zweiten Konzertteil veredelt mit den Symphonic Dances  aus der «West Side Story»  des Jahrhundertkomponisten  Leonard Bernstein. Nicht mit dabei, obwohl die Affiche des Konzertes eigentlich auf ihn deutete, (An American in Paris) waren Werke von George Gershwin.

Toccata Festiva op. 36

Christian Schmitt weiht den mobilen Spieltisch der KKL-Orgel ein. Foto Dominik Wunderli
Christian Schmitt weiht den mobilen Spieltisch der KKL-Orgel ein. Foto Dominik Wunderli

Barbers wohl bekanntestes Werk, das 1936 komponierte «Adagio für Streichorchester» wurde 1938 von keinem Geringeren als Arturo Toscanini uraufgeführt und „übertüncht“ immer etwas das grosse restliche Schaffen des Amerikaners, der bereits im Alter von 7 Jahren mit komponieren anfing.Die „Toccata“, das dreiteilige Stück hebt mit einem fanfarenartigen Thema an, das vom Orchester mit Pauken und Trompeten wütend ins Spiel gebracht wird. Mit rasant auffahrenden Figurationen und wuchtigen Akkorden wühlt sich die Orgel ins Geschehen. Sogleich aber wird die stürmische Eröffnung von lyrischer Intensität und kammermusikalisch transparenten Klanggesten abgelöst. Im weiteren Verlauf darf der Solist in einer beeindruckenden Solokadenz, die ausschließlich an den Pedalen intoniert wird, sein Können unter Beweis stellen. Heute gehört die «Toccata Festiva» zu den wenigen modernen Stücken für Orgel und Orchester, die in den Konzertsälen zu hören sind. Wahrscheinlich knüpft der Komponist mit seiner symphonischen Fantasie gedanklich an die Blütezeit des freien Orgelstils im Hochbarock an. Die kühne Harmonik und die durchaus auf Virtuosität und Klangeffekte bedachte Kompositionsweise, der ausgesprochen affektgeladene, ja theatralische und von fiebriger Energie gezeichnete Impetus der Komposition legen diesen Schluss nahe. Die 1960 entstandene «Toccata Festiva» gehört zu Barbers häufiger gespielten Kompositionen. Der vortragende Amerikaner Paul Jacobs (*1977) ist der erste Organist, der einen je Grammy Award erhielt. Jacobs ist derzeit auch Vorsitzender der Orgelabteilung der Juilliard School in New York City.

Solist an der Orgel Paul Jacobs Foto Frank Kaufmann
Solist an der Orgel Paul Jacobs Foto Frank Kaufmann

Der neue, mobile Orgel-Spieltisch im KKL war rechts vom Dirigenten positioniert, sodass der Solist an der Orgel, leicht versetzt im Rücken desselben sass, aber trotzdem genügend Kontakt zu diesem und dem Orchester besass. Damit war die Basis gegeben für ein kongeniales Zusammenspiel zwischen dem American in Lucerne als Dirigent, dem American an der Orgel und den Luzernern an den andern Instrumenten. Die Musiker durften für ihre stilvolle Darbietung einen langanhaltenden Applaus ernten.

Sinfonie Nr. 3 «The Camp Meeting»

1947 wurde das von 1901 bis 1904 entstandene, aber erst 1946 uraufgeführte Werk mit dem Pulitzer Prize for Music ausgezeichnet. Der zum Zeitpunkt der Preisverleihung 73-jährige Komponist äußerte allerdings gegenüber einem Besucher, der ihm dazu gratulieren wollte, Preise seien „the badge of mediocrity“ (das Kennzeichen für Mittelmäßigkeit) und verschenkte das Preisgeld. Alles andere als mittelmässig war die Intonation der Komposition durch das Residenzorchester des KKL Luzern unter dem gewohnt engagiert stabführenden James Gaffigan. Die Muster klar strukturiert, die schrägen Motive deutlich herübergebracht, das jazzige voll auskostend. Das Auditorium bedankte sich mit ausgiebigem Applaus für den Hörgenuss und begab sich gutgelaunt in die Foyers für die Pause.

Bernstein Petitessen im 2. Konzertteil

Mit den Symphonic Dances aus der «West Side Story» öffnete der Amerikaner in Luzern, James Gaffigan, die genau richtige Schatztruhe. Die ins New York der 1950er Jahre verpflanzte Version der klassischen Love Story von „Romeo und Julia“ begeistert die Massen seit nunmehr über 60 Jahren und ist so aktuell wie eh und je, Bernsteins Musik dazu längst veritable Evergreens und immer wieder gern gehört. Schon im Prolog war erkennbar, wie sorgfältig Gaffigan die Nuancen herausarbeitete, die Einsätze den Soloinstrumentalisten zuwarf, das Orchester feinfühlig und doch genug energisch durch die Partitur führte. Wunderschön zart die Violinen in „Somewhere“, abwechselnd mit einer ebenso weichen Querflöte. Nebst diversen anderen Solisten, durfte für einmal auch der Schlagzeuger sein Können ausgiebeg demonstrieren.

Das Publikum feierte die Protagonisten mit stürmischem Applaus und geizte auch nicht mit Extraapplausen für die einzelnen Register. Dies animierte die Musiker noch zu Zugaben.

Ich hätte viel darauf gewettet, dass als Zugabe das Lied „America“, ebenfalls aus der „West Side Story“, gegeben würde und war überrascht, dass dem nicht so war, genoss aber auch die andern zwei dargereichten Zugaben.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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Gubelin_Luzerner Sinfonie Ball_2018_Musikwagen_Photo Vera Hartmann

Glamouröser Auftakt – erfolgreiche Premiere des Gübelin Luzerner Sinfonie-Balls

Gubelin_Luzerner Sinfonie Ball_2018_Musikwagen_Photo Vera Hartmann
Gubelin_Luzerner Sinfonie Ball_2018_Musikwagen_Photo Vera Hartmann

Gemeinsam haben das Haus Gübelin und das Luzerner Sinfonieorchester am Samstag, 10. November 2018, zum ersten Gübelin Luzerner Sinfonie-Ball eingeladen. Bei dem eleganten Ball handelt es sich um eine Benefizveranstaltung, die in diesem Jahr die Jugendförderung in der klassischen Musik unterstützt.

 

Festlicher Benefizball

Am Samstagabend trafen sich über 250 Ballfreunde im KKL Luzern, um in bester Gesellschaft Kunst und Kultur zu unterstützen. Das Luzerner Sinfonieorchester und das Haus Gübelin haben diesen glanzvollen Benefizball gemeinsam ins Leben gerufen, um Jugendliche für klassische Musik zu begeistern und Jugendprojekte des Luzerner Sinfonieorchesters zu fördern. Nik Hartmann führte galant durch das facettenreiche Programm. Dabei spielte das älteste Sinfonieorchester der Schweiz unter der Leitung seines Chefdirigenten James Gaffigan mitreissende Melodien und trat gemeinsam mit einem Jugendchor auf. Der festliche Abend wurde von einem Dinner von Mario Garcia sowie weiteren kulinarischen Genüssen begleitet. Zu den Höhepunkten des Balls gehörte die Eröffnung der Tanzfläche zu wohlbekannten Walzern, bevor DJ Tarnover zu modernerer Musik überleitete.

Gemeinsame Werte und Ziele

Die Zusammenarbeit des Hauses Gübelin mit dem Luzerner Sinfonieorcherster beruht auf gemeinsamen Werten und Überzeugungen. Tradition, Innovation, Interpretation und Präzision kennzeichnen sowohl das Schweizer Familienunternehmen Gübelin als auch das Luzerner Sinfonieorchester. Über das Engagement für Kunst und Kultur führt Raphael Gübelin, Präsident des Familienunternehmens, aus: «In der über 160-jährigen Geschichte des Hauses Gübelin haben Kreativität, Inspiration und Handwerkskunst schon immer einen hohen Stellenwert genossen. Aus diesem Grund fühlen wir eine starke Verbindung zu Kunst und klassischer Musik und engagieren uns für Projekte, die im Einklang mit unserer Firmenphilosophie «Deeply Inspired» stehen. Unser Unternehmen ist tief in Luzern verwurzelt und daher freuen wir uns, mit dem Luzerner Sinfonieorchester zu kooperieren und eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, von der die Kultur, die Jugend und die Region profitieren. »

Ziel der Kooperation ist es, Jugendliche für klassische Musik zu begeistern. Numa Bischof Ullmann, Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, erklärt:

«Wir legen einen speziellen Fokus auf Projekte, welche bei Kindern und Jugendlichen den Zugang zu klassischer Musik fördern und die Freude an ihr wecken. Ausserdem geben wir jungen Musikern die Möglichkeit, als Akademisten den Arbeitsalltag in einem Orchester kennenzulernen.» Zu den Musikvermittlungsprojekten für Kinder und Jugendliche gehören zum Beispiel ein Musikwagen, der Jugendclub U25 oder ein neues Patenprojekt, bei dem Kinder mit ihrem Musiker-Paten während einer ganzen Saison in die Orchesterwelt eintauchen.

 

Zusätzlich bereichert der Gübelin Luzerner Sinfonie-Ball das Schweizer Kulturprogramm. Denn bislang gab es keinen eleganten Ballabend in der Zentralschweiz. Aufgrund des grossen Erfolgs des Balls und den äusserst positiven Resonanzen, planen das Luzerner Sinfonieorchester und Gübelin bereits die Fortführung der glamourösen Veranstaltung für 2019.

www.sinfonieorchester.ch

http://www.gubelin.com/de/

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Szenenfoto Ernani

Teatro alla Scala Mailand, Ernani, Giuseppe Verdi, 25. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

Szenenfoto Ernani
Szenenfoto Ernani und Elvira

Produktion und Besetzung:

Conductor Ádám Fischer Staging Sven-Eric Bechtolf Sets and costumes Julian Crouch Lighting Designer Marco Filibeck

Ernani Francesco Meli, Elvira Ailyn Pérez, Don Carlo Simone Piazzola, Don Ruy Michele Pertusi

Rezension:

Adam Fisher, Dirigent
Adam Fisher, Dirigent

Wie schon zwei Tage vorher, vor dem Besuch der Mozart Oper, genossen wir auch an diesem frühen Abend, vor dem Besuch der Derniere von „Ernani“ an der Scala, ein dem Ereignis angemessenes Nachtessen in einem Restaurant in der nahe des Teatro alla Scala gelegenen Galleria Vittorio Emanuele II. Verdis Frühwerk, das Libretto schrieb Francesco Maria Piave, beruhend auf dem Werk des französischen Schriftstellers Victor Hugo, wurde am 9. März 1844 im Teatro „La Fenice“ in Venedig uraufgeführt. Die Oper spielt in den Bergen von Aragonien, im Schloss von Don Ruy Gomez de Silva, in Aachen und in Saragossa im Jahr 1519.

Eine etwas eindimensionale Inszenierung

Farbenprächtiges Spektakel auf der Bühne des Teatro alla Scala
Farbenprächtiges Spektakel auf der Bühne des Teatro alla Scala

Die Inszenierung des deutschen Regisseurs Sven-Eric Bechtolf (Er war in den Festspielsommern 2015 und 2016 verantwortlich für die künstlerische Gesamtplanung der Salzburger Festspiele) fokussierte sich auf die Liebeshändel, bleibt dafür aber in der politischen Aussage des Stücks eindimensional. Die Schar der Adligen zeigt dem jungen Herrscher schon in der kurzen Ouvertüre, wie er die Schritte in die Zukunft gehen muss, aber sonst spielt die Machtpolitik des späteren Kaisers keine große Rolle, im Gegenteil: Er döst im 4. Akt auf seinem Thron, eliminiert, zumindest im Kampf um die Schöne. Als der neugewählte Kaiser vor dem Sarg Karls des Großen auf die drei erlösenden Kanonenschüsse, die seine Wahl zum Kaiser verkünden sollen wartet und der Ermordung durch Ernani nur knapp entgeht, haben die toten Kaiser und Könige, die weiß gewandet aus der Gruft steigen, denn auch eher dekorativen Charakter.

Don Ruy Gomez de Silva, Don Carlo,Elvira, Ernani
Don Ruy Gomez de Silva, Don Carlo,Elvira, Ernani

Der fatale Schwur, der eine teuflische Note ins Ränkespiel der balzenden Herren bringt und mit dem der edle Revolutionär Ernani Zeit gewinnt, um seine Familienrache an König Carlo zu vollstrecken, bleibt so das einzige dramatische Element im zweiten Teil der Oper: Auf dem Sarg des Großen Karl feiern Ernani und seine geliebte Elvira ihr Glück, das jäh zerrissen wird durch de Silvas Forderung, dem geleisteten Schwur Folge zu leisten und sich selbst zu töten. Dabei tritt Elviras Onkel und ehemalige Verlobter auf wie einst Mozarts Komtur, und Verdi zeigt sich als Meister emotional explodierender Schlussszenen.

Don Ruy Gomez und Don Carlo, König von Spanien
Don Ruy Gomez und Don Carlo, König von Spanien

Die Aufführung, trotzdem vom Feinsten:  Die US Amerikanerin Ailyn Pérez sang eine fein konturierte, höhen- und koloraturensichere Elvira, die es mit leichtem Sopran schaffte, auch im Tutti deutlich vernehmbar zu sein. Sie artikulierte differenziert und verließ sich im Ausdruck nicht allein auf ihr schönes Legato. Ebenso starker Auftritt von Simone Piazzola als Don Carlo, der mit seinem Bariton in der Masse der Stimmen nie verschwand. Sein Tenor-Kollege Francesco Meli liess die Titelrolle gelegentlich etwas ins sentimentale Schluchzen kippen. Der dunkle Bass von Michele Pertusi gab dem alten Don Ruy Gomez de Silva ein starkes Profil. Kleinere Rollen waren mit Daria Chernyi (Giovanna), Matteo Desole (Don Riccardo) und Alessandro Spina als Jago auch sehr gut besetzt. Ebenso den Ansprüchen mehr als gerecht werdend, der grosse, ausgezeichnete Chor des Hauses.

Sänger/innen als starke Schauspieler/innen

Franceso Meli als Ernani
Franceso Meli als Ernani

Alle Protagonisten verfügten nicht nur  über ausgezeichnete Stimmen, sondern agierten auch schauspielerisch auf sehr hohem Niveau. Dies, in den, von Kevin Pollard entworfenen, passenden Kostümen in der Kulisse des jeweils stimmigen Bühnenbildes von Julian Crouch.

Ganz starker Auftritt auch die Leitung des Orchesters durch den ungarischen Dirigenten Ádám Fischer, der sich nie in den Vordergrund spielte, sondern sein Ego dem Gesamten unterordnete. Dies in Harmonie mit dem, von Bruno Casoni geführten Chores des Teatro alla Scala

Impression der Scala innen
Impression der Scala innen

Das Auditorium honorierte die durchwegs überzeugenden Leistungen denn auch mit langanhaltendem Applaus.

Kleine Fotodiashow der Produktion:

fotogalerien.wordpress.com/2018/10/14/teatro-alla-scala-milano-ernani-giuseppe-verdi-25-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Kurzer Trailer der Produktion:

youtu.be/eQpYouQvCcQ?t=1

Link auf „La finta giardiniera von W.A. Monzart an der Scala am 23. Oktober 2018

innerschweizonline.ch/wordpress/teatro-alla-scala-milano-la-finta-giardiniera-w-a-mozart-23-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf Stadtrivalenderby Inter Mailand vs. AC Mailand, Giuseppe-Meazza-Stadion Mailand, 21. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

https://innerschweizonline.ch/wordpress/stadtrivalenderby-inter-mailand-vs-ac-mailand-giuseppe-meazza-stadion-mailand-21-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf Mailandstory Teil 2: Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Konzert, Leonardo3 Museum usw.

https://innerschweizonline.ch/wordpress/mailandstory-teil-2-thelonius-monk-konzert-leonardo3-museum-usw/

Fotos:

Esther Ottiger und Léonard Wüst und

Marco Brescia & Rudy Amisano von der Scala

http://www.teatroallascala.org/en/index.html

Text und Fotos : www.leonardwuest.ch

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Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Luzerner Theater, Roméo et Juliette Eine romantische Oper von Charles Gounod, Premiere, 2. November 2018, besucht von Léonard Wüst

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktionsteam

Regisseur Vincent Huguet
Regisseur Vincent Huguet

Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Vincent Huguet Bühne: Aurélie Maestre Kostüme: Clémence Pernoud Licht: Bertrand Couderc Dramaturgie: Rebekka Meyer Choreinstudierung: Mark Daver

Besetzung:

Diego Silva (Roméo) Regula Mühlemann (Juliette) Sarah Alexandra Hudarew (Gertrude) Robert Maszl (Tybalt) Flurin Caduff (Graf Paris) Jason Cox (Graf Capulet) Martin Roth (Grégorio) Abigail Levis (Stéphano) Kihun Koh (Benvolio) Bernt Ola Volungholen (Mercutio) Vuyani Mlinde (Frèrè Laurent) Chor und Extrachor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Rezension:

Die Vorfreude war gross in Luzern, aber natürlich ebenso die Erwartungen. So wohnte denn auch „tout Lucerne“ der Premiere bei, die natürlich ausverkauft war. Was nach der Programmierung der Gounod Oper fast etwas nach „Mühlemann Gala“ roch, erwies sich anlässlich der Première als kompaktes Ganzes, agierten doch alle andern Beteiligten auf Augen- bzw. Stimmhöhe mit der weltweit gefeierten Lokalmatadorin.

Heimspiel für die weltweit gefeierte Sopranistin

Regula Muehlemann als Juliette Foto Marco Sieber
Regula Muehlemann als Juliette Foto Marco Sieber

Mühlemann „Back tot he roots“. Die Adligenswilerin kehrt als Juliette in Vincent Huguets Inszenierung von «Roméo et Juliette» auf die Theaterbühne ihrer Heimatstadt zurück, wo sie ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte. Diego Silva gibt in Luzern sein Rollendebüt als Roméo. «Brautnacht, süsse Nacht der Liebe! Das Schicksal hat unaufhörlich uns verbunden. Oh Lust zu leben, oh übermächtiger Zauber! Dein süsser Blick lässt mich erbeben, deine Stimme raubt die Sinne mir. Deine glühenden Küsse erschliessen mir den Himmel. Die Seele habe ich dir gegeben, dir, nur dir.» Wenn die Stimmen von Roméo und Juliette ineinander verschmelzen, ist das pures Glück und düstere Vorahnung zugleich: Zu Recht, denn der heranbrechende Tag wird ihr letzter sein. Charles Gounods 1867 in Paris uraufgeführte Oper über das Liebespaar schlechthin ist mit seinen rasanten Tanzmusiken, Kampfszenen, intimen Duetten und farbenreichen Koloratur- Arien eine der emotionalsten Bearbeitungen des Shakespeare’schen Stoffes überhaupt. In der Inszenierung von Vincent Huguet stehen die beiden jungen Liebenden für eineGeneration, die alten Hass vergessen und einander und das Leben lieben will. Dafür bringt der französische Regisseur ein Luzerner Liebespaar der ganz besonderen Art auf die Bühne des LT.

Regula Mühlemanns starke Präsenz als Juliette

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Regula Mühlemann ist Juliette. Die gebürtige Luzernerin startete ihre Karriere in der Luzerner Kantorei, studierte an der Hochschule ihrer Heimatstadt und ist heute weltweit an allen bedeutenden Konzertsälen und Opernbühnen zu Hause. Diego Silva gab sein Debüt in «Roméo et Juliette» an der New Yorker Metropolitan Opera – dort als Tybalt. Sein Rollendebut als Roméo gibt er auf der Bühne des Luzerner Theater. Das Luzerner Sinfonieorchester stand unter dem souveränen, wohltuend zurückhaltenden Dirigat von Musikdirektor Clemens Heil.

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Regula Mühlemann und Diego Silva sind nicht nur ein stimmlich, sondern auch darstellerisch passendes tragisches Liebespaar. Wunderbar wie sie sich in ihre Verliebtheit fallen lassen. Imponierend wie sicher und markant der mexikanische Tenor seine Partie mit Leben und vokaler Leidenschaft ausfüllt. Vom Liebesversprechen „Ah! Ne fuis pas encore“ bis zum Liebestod „Viens, fuyons au bout de monde“ ließen sich die beiden Sänger im Zentrum beherzt aufeinander ein. Aber nicht nur die Titelhelden überzeugen: Sarah Alexandra Hudarew als Juliettes gouvernantenhafte Amme und Robert Maszl als Scharfmacher Tybalt auf der Seite der Capulets. Bei den Montagues brilliert Abigail Lewis in der „Hosenrolle“ von Romeos Pagen Stéphano, während Bernt Ola Volungholen und Kihun Koh als Romeos rauflustige Freunde Mercutio und Benvolio mit ihrer Bühnenpräsenz punkten. Vuyani Mlinde ist der trinkfeste Pater Laurent, den Romeo als Verbündeten seiner Liebe erstmal auf Trab bringen muss. Bernt Ola Volungholen und Robert Maszl duellierten sich „Hollywood stuntreif“ bevor sie nacheinander, genauso bühnenreif, das Zeitliche segneten.

Hommage an Renaissance Ikone Michelangelo

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die Situation, als Julia in einen todähnlichen Schlaf fällt, stellt Regisseur Vincent Huguet dar, wie eine Hommage an die „Pieta“ von Michelangelo Buonarotti. Das Bühnenbild recht düster gehalten, mit den vielen Statuen und Büsten, die Vergangenheit heraufbeschwörend, von der sich die beiden Liebenden verabschieden und die jahrzehntelange, zuweilen gar tödliche Feindschaft der beiden Clans der Capulets und Montagues beenden wollen. Dem steht, nebst der Tradition, auch noch die, von Julias Vater  vorbestimmte Hochzeit seiner Tochter mit deren Verehrer Paris diametral entgegen. Da sind die grossen Konflikte vorprogrammiert, das Drama nimmt unweigerlich seinen vorbestimmten Lauf.

Auch andere setzten Glanzpunkte

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

In der Rolle des Vaters glänzt Jason Cox sowohl schauspielerisch wie gesanglich. Ebenso überzeugend Vuyani Mlinde als Frère Laurent.

Das Premierenpublikum geizte nicht mit Szenenapplaus, einige davon sogar garniert mit Bravorufen. Dieser Szenenapplaus fiel natürlich besonders gross aus, wenn Regula Mühlemann  in ihren Koloraturpassagen brillierte.

Trotz allem, das tragische Ende ist seit über 400 Jahren nicht abzuwenden, aber obwohl die beiden Liebenden durch gemeinsamen Suizid sterben, bleiben sie weiterhin unsterblich, noch ein bisschen mehr vielleicht, dank der in allen Belangen gelungenen Produktion am Luzerner Theater.

Der grosse Schlussapplaus mündete schlussendlich in eine „Standing Ovation“, an dem auch die Produktionsverantwortlichen teilhaben durften.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Hoehn:

fotogalerien.wordpress.com/2018/11/03/luzerner-theater-romeo-et-juliette-eine-romantische-oper-von-charles-gounod-premiere-2-november-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Kurzer Trailer der Produktion:

https://www.luzernertheater.ch/romeoetjuliette

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  https://noemiefelber.ch/

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