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Lifestyle

Benjamin Clementine

Blue Balls Festival 17, Benjamin Clementine, 29. Juli, besucht von Léonard Wüst

Benjamin Clementine
Benjamin Clementine
Rezension:

Festivaldirektor Urs Leierer begrüsste das Publikum zum abschliessenden Konzert des diesjährigen Blueballs Festival im Konzertsaal und versprach mit dem kommenden Act von Benjamin Clementine sein persönliches Highlight dieses Festivals.

Benjamin Clementine mit weissem Cape
Benjamin Clementine mit weissem Cape

Zuerst betraten fünf, in weisse Overalls gekleidete Backgroundsängerinnen die Bühne, gefolgt von der Band, bestehend aus einer Keyboarderin, einem Bassisten und dem Schlagzeuger. Im Vordergrund stand der Konzertflügel, an den sich der grossgewachsene Londoner mit ghanaischen Wurzeln setzte. Barfuss, ganz in Schwarz gekleidet, mit einem weissen Cape über den Schultern drapiert, mit seinem hochtoupierten Haar wirkte er mystisch, fast düster. Gestartet wurde mit einem kurzen Schlagzeugintro für „By the Ports of Europe“. Gefolgt von einem weiteren, bevor er die Hymne an seine Geburtsstadt „London“, geschickt die Halleffekte des weissen Saals auslotend, zum Besten gab, heftig umjubelt vom Publikum, im nicht ganz voll besetzten Saal. Dann die rhetorische Frage ans Publikum, ob er hier in der french side oder german side of Switzerland sei. Hier in Lausanne. Zwar holte er sich ein paar Lacher ab, bis geklärt war, dass er hier in Lozärn auf der german side der Schweiz sei. Aber auch hier überlanges Zwischenspiel, aber dem Publikum hat es gefallen.

Einbezug des Publikums, Aufforderung zum Mitsingen

Benjamin Clementine mit Backgroundsängerinnen und Keyboarderin
Benjamin Clementine mit Backgroundsängerinnen und Keyboarderin

Dann ein anderer seiner bekannten Titel mit „Jupiter“, gefolgt von weiteren, bevor er mit „Condolence“ die Botschaft ans Publikum sandte mitzusingen, was dieses dann auch, mehr und/oder weniger kompetent, tat und nimmermüde „I am sending my condolence to you“ intonierte bis zum Geht nicht mehr und zum Abwinken, immer wieder animiert durch den Protagonisten.

Am Klavier hämmert er sich die Seele aus dem Leib, dazu singt er mit vibrierender, voller Stimme in tiefen, grollenden und hohen, warmen Lagen. Seine Musik lässt sich nicht einordnen, Jazz ist es nicht, Soul auch nicht, er selbst sagt: „Ich habe kein Genre. Ich bin Benjamin. Niemand macht, was ich mache. Niemand macht, was ich mache. Wenn Sie mir richtig zuhören, können Sie mich nicht kategorisieren.“ (Zitat von Claire Beermann im Zeitmagazin).

Sehr guter Musiker mit einer aussergewöhnlichen Stimme ist nicht zwangsläufig ein guter Entertainer

Benjamin Clementine
Benjamin Clementine

Leider fast immer in der gleichen Lautstärke, statt variierend, in denselben drei Tonarten, bloss einmal in einem anderen Rhythmus, 6/8, statt immer im 4/4 Beat. Kein Ausreisser nach unten, ausser die ausufernd  langen Deklamationen zwischen den Songs, leider auch kein Ausreisser nach oben, sieht man von der Zugabe mal ab. Der Performer wäre, so wie am Blueballs Festival 2015, im Luzerner Saal wohl besser aufgehoben gewesen.

Er reihte weiter Song an Song, beklatscht vom animierten Publikum durchmischten Alters. Und ebendieses applaudierte am Ende des Sets solange, bis sich auf der Bühne, auch hier nach unendlich lang scheinender Dauer, wieder etwas regte

Die Zugabe wurde zum Höhepunkt eines etwas eintönigen Konzertes

Benjamin Clementine  © Coco Capitán
Benjamin Clementine © Coco Capitán

Dann erfasste ein Scheinwerfer die Keyboarderin, die jetzt mit einem Cello auf dem Stuhl sitzend, eine Improvisation intonierte, während sie auf Clementine wartete, der sich dann ans Piano setzte, den weissen Umhang ablegte und mit „Adios“ die Zugabe startete, die dann  querbeet weiterging und schlussendlich im Refrain „Eldery man“, zu dem sich der Sänger immer singend, auch noch durch den Saal bewegte. Er animierte auch hier und dort einen Fan zum Mitsingen, um schlussendlich, immer heftiger umjubelt, wieder auf die Bühne zurück zu kehren, worauf er auch noch mit einer langandauernden „Standing Ovation“ belohnt wurde. www.blueballs.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie www.innerschweizonline.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet die www.bochumer-zeitung.com

Blueballs Festival 2017, Xavier Naidoo, 21. Juli 2017

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Blueballs Festival 2017, Taj Mahal & Keb'Mo' , 23. Juli 2017

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Blueballs Festival 2017, Patty Smith, 27. Juli 2017

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Benjamin Clementine – Condolence

www.youtube.com/watch?v=6DU6lDPs-AQ

 

Benjamin Clementine – London

www.youtube.com/watch?v=6RJMhYtYKM

 
 
 
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Patti Smith in Aktion

Blue Balls Festival 17, Patti Smith, 27. Juli, besucht von Léonard Wüst

Patti Smith in Aktion
Patti Smith in Aktion
Rezension:

Die 1946 in Chicago geborene Singer/Songwriterin, eine Ikone der „Flower Power Generation“, erstaunt immer wieder durch ihre Wandlungsfähigkeit, dem unermüdlichen Vorwärts in ihrem Schaffen, dem Ausloten des Machbaren, sowie dem unerschrockene Anpacken neuer Herausforderungen. Trotzdem gilt sie noch immer als „Godmother of Punk“, obwohl sie nie wirklich in diesem Genre zuhause war. Sie kam, wie die meisten der damaligen amerikanischen Sängerinnen, vom Folk/Protestsong her, war aber immer schon vielfältig künstlerisch unterwegs, veröffentlichte u.a. Poesie in Zeitschriften, malte und fotografierte. Nach eigenen Aussagen war für sie das Singen vor allem eine Möglichkeit, ihre Gedichte vorzutragen, sie sei „zufällig“ in der Musik gelandet. Sie selber sieht sich in erster Linie als Lyrikerin, schreibt auch heute noch diszipliniert täglich. Auch war und ist  Patti Smith eine Ikone der neuen Frauenbewegung. Umweltaktivistin und Kämpferin für Menschenrechte, wie viele Künstlerinnen ihrer Generation ( Joan Baez, Jane Fonda usw.) Trotzdem ist sie seit den 1970er Jahren bis heute regelmässig in den Charts anzutreffen, ihre Konzerte weltweit ausverkauft. Sie vermag auch junge Leute zu begeistern, die reiferen sind ihr seit Jahrzehnten treu.

Sängerin die ohne Stimme eine Weltkarriere macht

M Train, Buch von Patti Smith
M Train, Buch von Patti Smith

Patti Smith verfügt über keine unverwechselbare Stimme, wie etwa Joan Baez, Janis Joplin oder Marianne Faithfull usw.

Auch wenn sie einen Song der Beatles coverte, wie z.B. „Within You Without You“, oder von Jimi Hendrix mit „Hey Joe“ kam sie auch nur annähernd an das „Original heran, wie das etwa Melanie mit dem Stones Hit Ruby Tuesday und Joe Cocker mit „With a  little help from my friends“ von den Beatles, oder Marianne Faithfull mit „As Tears Go By“ von den Rolling Stones gelungen war. Es erstaunt umso mehr, dass einige ihrer Songs weit vorne in den Charts waren. Von 1978 mit „Easter“ bis 2012 mit „Banga“. So war und ist es ihr Charisma und die Bühnenpräsenz die ihr Renommee ausmachen, auch die Aura der Unantastbaren, als Teil der „Aufbruch Generation“ der 1968er, der friedlichen Rebellen, die Blumen streuten, statt Molotowcocktails warfen.

Auftakt in ein Konzert der eher besinnlichen Art

Patti Smith mit Sohn und Gitarrist  Jackson Smith
Patti Smith mit Sohn und Gitarrist Jackson Smith

Mit zehn Minuten Verspätung begrüsste Festivaldirektor Urs Leierer das Auditorium und schon kamen der Schlagzeuger, der Bassist und der Gitarrist auf die Bühne, gefolgt von Patti Smith, die zu Beginn ein paar Worte an das Publikum richtete(«It’s so quiet», wunderte sich Patti Smith zu Beginn des Konzertes. Und als der Rockpegel im zweiten Teil stieg, machte sie mittels Gesten deutlich: Steht auf, kommt nach vorn, seid Teil des Ganzen und dann startete sie mit „Wing“ bewegte sich dazu wie anno dazumal, besonders zum eingeflochtenen kurzen Gitarrensolo. Zu jedem der folgenden Songs, gab sie ein kurzes Statement ab, mal, wann, zu welchem Ereignis, oder für wen der Song geschrieben wurde, Sachen, die Fans in ihrem Alter natürlich schon wussten, aber trotzdem bejubelten.

Tony Shanahan am Piano c Ebet Roberts, Getty Images
Tony Shanahan am Piano c Ebet Roberts, Getty Images

Das dritte Lied war dann mit Ghost dance – We shall live again eines aus der Reihe ihrer Protestsongs, wozu sie sich ihre Akustikgitarre umschnallte. Die Playlist, gut gemixt zusammengesetzt, umfasste Songs quer durch die Jahrzehnte. Von ihrem Debutalbum «Horses» (1975), das auf der Jubiläumstour 2015 Hauptthema war, spielte sie nur gerade den Hit «Gloria». Weitere frühere Renner waren «Pissin’ In A River» (1976), «Because The Night» (1978) oder «Dancing Barfoot» (1979). Mehrere Tracks stammen von den Alben «Trampin» (2004) und «Gone Again» (1996).

Seb Rochford, Schlagzeug
Seb Rochford, Schlagzeug

Besinnlicher wurde es mit «Mothers of the Disappeared», den sie erstmals öffentlich interpretierte inspiriert von einer Zeitungsmeldung über ein vom IS befreites und traumatisiertes Kind , ein gecoverter Song von U2, gewidmet allen Müttern, deren Kinder verschleppt oder ermordet wurden wie damals in Argentinien, Nicaragua oder El Salvador.

Bei Patti Smith steht nicht die Musik, sondern die  Poesie im Vordergrund

Tony Shanahan, Bass & Piano
Tony Shanahan, Bass & Piano

Denn das Einzigartige ist nicht in erster Linie die Musik, die bei aller Erhabenheit, die zumal den tosenden Zornesstürmen wie „Pissing in a River“ und „Gloria“ eigen ist, bisweilen nicht vergessen lässt, dass sie in die Jahre gekommen ist. Das Einzigartige ist Patti Smiths Präsenz. Mit 71 ist sie unverändert sexy; ihr rauer Charme – immer schon eine seltsam transzendente Wut, aufgehoben in radikaler Ruhe in sich selbst – hat, wenn überhaupt, mit der Zeit nur gewonnen.

Später stellte die Künstlerin die Bandmitglieder vor, die da waren: Tony Shanahan, Bass & Piano, Jackson Smith, Sologitarre, Seb Rochford aus London, Schlagzeug. Bei Jackson Smith aus Detroit handelt es sich um ihren Sohn, wie sie, ganz stolze Mama die in New York lebe, erläuterte. Gegen Schluss mit «Beneath the Night» und «Gloria» ins rockige, fast in eine Jam Session  wechselnde Performance, gefeiert von einem stehend mitfeiernden Publikum.

Stimmung wie an einem Open Air Happening aus der „Flower Power Zeit“

Schon lange vor dem letzten Song standen, klatschten und tanzten alle im fast ausverkauften Konzertsaal, eine beachtliche Anzahl davon hüpften gar vor der Bühne, wie an einem Open Air Happening. Als Zugabe gabs dann noch „People Have The Power“ und eine fast nicht enden wollende stehende Ovation des begeisterten Auditoriums, das einmal mehr der fast Schamaninnen artig wirkenden Ikone Patti Smith zu Füssen stand und jubelte.

Andere Stimmen zu Patti Smith

Banga, Buch von Patti Smith
Banga, Buch von Patti Smith

„Auf der Bühne, als Musikerin ist Patti Smith sanfter geworden mit den Jahren, doch nicht weniger eindringlich. Ihr waffenloser Aufruf ‚People have the Power‘, den sie bei ihren Auftritten nie weglässt, ist nicht Schlachtengesang, vielmehr die Hymne für einen Wunsch, der ihrer tiefen Religiosität entspringt, zu der sie sich seit den frühen Jahren in ihren Auftritten bekennt. Sängerin, Frontfrau, Performerin, Mystikerin, Dichterin, Malerin, Fotografin – Bilder-Macherin im schönsten Sinn des Wortes, das ist Patti Smith. Es gibt keine wie sie in unserer Gegenwart, sorgsame Sammlerin und Bewahrerin im Reich der Toten und der Lebenden, Begleiterin in der Wirklichkeit und in den Träumen.“ (Rose-Marie Gropp in der „FAZ“).

Zitat Jan Küveler (welt.de): Mit seltsam transzendenter Wut: Die Punk-Ikone Patti Smith beweist, dass man in Würde altern kann.

Zitat der Veranstalter (blueballs.ch) Das TIME Magazin zählt die Rock-Ikone der 70er Jahre zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Gegenwart.

Kurz vor ihrem 70. Geburtstag trug Patti Smith bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm Bob Dylans Song „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ vor, und ihr herzergreifender Vortrag ist mittlerweile legendär – das Abbrechen, das neue Ansetzen, „ich hatte nicht den Text vergessen, den ich völlig verinnerlicht habe. Ich war einfach unfähig, ihn zutage zu fördern“, schrieb sie in einem Essay im „New Yorker“.

Blueballs Festival 2017, Xavier Naidoo, 21. Juli 2017

www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87235134-blue-balls-festival-17,-xavier-naidoo,-21-juli,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Blueballs Festival 2017, Taj Mahal & Keb'Mo' , 23. Juli 2017

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Blueballs Festival 2017, Benjamin Clementine, 29. Juli 2017

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Patti Smith – Ghost dance – We shall live again- Earth day 2011 – live in Roma. wmv

www.youtube.com/watch?v=U8VdwskbCCE

Patti Smith – Because The Night

www.youtube.com/watch?v=uoGdx3I3dPE

Patti Smith Group – Easter

www.youtube.com/watch?v=WH8KCo8IG5A

 

Patti Smith – Banga

www.youtube.com/watch?v=gPfNOd1JZrE

 
 
 
 
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Taj Mahal und Keb’ Mo’

Blue Balls Festival 17, Taj Mahal & Keb’Mo‘, 23. Juli, besucht von Léonard Wüst

Taj Mahal und Keb’ Mo’
Taj Mahal und Keb’ Mo’
Rezension:

Hochdekoriert ist Keb ‚Mo‘, unter anderem mit drei Grammys, sein temporärer Bühnenpartner Taj Mahal (*1942) hat ebenfalls zwei solcher Statuen zuhause stehen. Live Auftritte mit diversen Grössen der Weltmusik, u.a. mit Eric Clapton im  Madison Square Garden in New York zieren das Palmares des als Kevin Moore 1951 in Los Angeles geborenen Keb‘ Mo‘. Taj Mahal steht seit dem Beginn seiner Karriere für einen weltoffenen Jazz. Auch er trat schon  im Madison Square Garden von New York auf und zwar 1979 beim  Konzert zum zehnjährigen Jubiläum des Woodstock-Festivals, bei dem er ja dort 1969 selber auch aufgetreten war.

Vor dem Konzert betrat Festivalgründer – und Direktor Urs Leierer die Bühne, begrüsste das zahlreich erschienene Publikum und erklärte, dass beide Protagonisten des Abends  schon in den Anfängen des Blueballs Festivals mit dabei waren, so auch 1998, als das, 1992 gegründete, noch kleine Festival aus grad mal sechs Konzerten bestand, welche im grossen Saal des alten Hotel Union stattfanden. Eines dieser Konzerte spielte Keb ‚Mo‘ und das damalige Abschlusskonzert wurde von Taj Mahal bestritten. Die zwei Veteranen des Blues haben gemeinsam eine Platte eingespielt benannt ganz einfach  „Taj Mahal und Keb‘ Mo‘“, die sie heute Abend zum Besten geben würden,  das garantiere den perfekten Konzertgenuss, erläuterte Leierer.

Dann wurde das Set von den Musikern eingenommen, zuerst betrat Keb ‚Mo‘, zusammen mit dem Keyboarder, Schlagzeuger, Bassisten, dem Trompeter und der Saxophonistin die Bühne, gefolgt vom Senior der „Bühnenmannschaft“, dem 75jährigen, wie immer, mit einem Borsalino kopfbedeckten Taj Mahal. Später gesellten sich noch zwei Töchter von Taj Mahal als Backgroundsängerinnen dazu.

Rock – folkiger Start in das Set

Taj Mahal und Keb’ Mo’  c Blakesberg
Taj Mahal und Keb’ Mo’ c Blakesberg

Schon startete der Schlagzeuger ein Intro, spielte T.M. seine Mundharmonika, driftete K.Mo auf seiner Slidegitarre, getragen vom kompakten Sound der gesamten Band. Ohne Pausen performten sie einen mitreissenden Song nach dem andern, sich abwechselnd als Leadsänger betätigend, mal mit den Sängerinnen zusammen chorend. Selbst Zoe, eine der Töchter, durfte für einen Song den Solopart übernehmen und fiel keineswegs ab. T.M. machte ausgiebig Gebrauch von seiner Bluesharp (Mundharmonika), was das Bluesfeeling zusätzlich verstärkte und vom sachkundigen Publikum ab und zu mit Spontanapplaus belohnt wurde.

Wenn zwei Kumpel musikalisch zusammenspannen

Das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren besticht durch handwerklich äusserst solide, sehr abgeklärt und entspannte Arbeit, eine tolle Songauswahl, gesungen von den beiden, von denen der eine auch stimmlich die jüngere Version des älteren sein könnte. Mitgetragen von ausgezeichneten Mitmusikern liefen die beiden zur Höchstform auf, sparten auch nicht mit einem Spruch ab und zu. Sie liessen einander genug Raum, damit beide glänzen konnten, ab und zu garniert mit perfekten Soli der Bandmitglieder.

Die Protagonisten transformierten das Luzerner Seebecken in ein Bluesdelta

Taj Mahal und Keb‘ Mo‘ (rechts), Foto Jay Blakesberg , Montreux Jazz Festival
Taj Mahal und Keb‘ Mo‘ (rechts), Foto Jay Blakesberg , Montreux Jazz Festival

Dank ihrer unbändigen Spielfreude, dem satten, unverfälschten Sound, verwandelten die Protagonisten das Blueballs zu einem veritablen Bluesballs,

Am Ende des Sets forderte das, stehend applaudierende Publikum, vehement Zugaben, die von den Künstlern, sichtlich vergnügt und amüsiert, denn auch gewährt wurden.

Die Besucher standen, applaudierten, hüpften und tanzten begeistert von diesem Hammerkonzert, das wohl einer der Highlights des Blueballs 2017 gewesen sein dürfte.

Schlussendlich verliessen die Musiker, noch immer heftig umjubelt, Hüfte schwingend die Bühne und das zufriedene Publikum machte sich glücklich und angeregt auf den Heimweg.

Ein tolles Konzert mit richtig schönem Südstaatengroove, den man sonst nur am Bluesfestival Luzern im November jeweils hört.

Vater und Sohn? Oder Lehrmeister und Schüler? Keb‘ Mo‘, der um neun Jahre Jüngere, antwortete einmal  in einem Gespräch sehr bestimmt: «Beides trifft zu! Ganz einfach: Taj Mahal war mein Mentor, mein Vorbild.»

TajMo – Taj Mahal & Keb‘ Mo‘ – „Don’t Leave Me Here“ (Official Lyric Video)

www.youtube.com/watch?v=J4uGGeS3Hqk

Taj Mahal and Keb‘ Mo‘ perform ‚Diving Duck Blues‘

www.youtube.com/watch?v=H3sDygsxvSg

Blueballs Festival 2017, Xavier Naidoo, 21. Juli 2017

www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87235134-blue-balls-festival-17,-xavier-naidoo,-21-juli,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Blueballs Festival 2017, Patty Smith, 27. Juli 2017

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Blueballs Festival 2017, Benjamin Clementine, 29. Juli 2017

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Xavier Naidoo

Blue Balls Festival 17, Xavier Naidoo, 21. Juli, besucht von Léonard Wüst

Xavier Naidoo
Xavier Naidoo

Grundsätzliches:

Xavier Naidoo – Sänger, Songwriter, Mitbegründer der Söhne Mannheims und Teil des Bandprojektes XAVAS – ist ein Ausnahmekünstler, der mit seiner außergewöhnlich facettenreichen Stimme seit Jahren Menschen nahezu aller Altersgruppen fasziniert und nicht zuletzt auch mit seiner Persönlichkeit überzeugt.

Seine beispiellose Erfolgskarriere beginnt im Juni 1998 mit seinem Debütalbum „Nicht von dieser Welt“. Es verkauft sich über 1,5 Millionen Mal und bleibt über ein Jahr in den Top 20 der Charts. Alles, was darauf folgt, wird veredelt in Gold und Platin. In der letzten Zeit wurde er des Öftern verdächtigt, sich dem rechten Spektrum der Szene anzunähern. Ob dies bloss Gerüchte, oder gezielt gestreute, publicityträchtige Unwahrheiten sind, vermag ich nicht zu beurteilen. An diesem Abend aber gab er sich handzahm, nichts provozierend, fast etwas langweilig.

Rezension:

Trotz heftigem Regen gute Stimmung am ersten Abend des Blueballs Festival 2017,Foto Yanik Probst
Trotz heftigem Regen gute Stimmung am ersten Abend des Blueballs Festival 2017,Foto Yanik Probst

Wie jedes Jahr vor dem ersten Konzert des Blue Balls im Konzertsaal betrat Festivaldirektor Urs Leierer zur Begrüssung die Bühne und kündigte Xavier Naidoos Konzert, mit dem er sich über all die Jahre gut angefreundet hätte an, als Akustikshow vom Allerfeinsten. So kam es denn auch.

Mit 20minütiger Verspätung erschien der 45jährige, in Mannheim aufgewachsene, auf dem Set, das, reduziert auf ein Minimum, grosse Intimität und Nähe versprach. Der Künstler platzierte sich in der Mitte auf einem Hocker sitzend, links von ihm der Pianist, der ihn abwechselnd auf dem Konzertflügel, mal auf dem Keyboard begleitete. Rechts von Naidoo der Gitarrist, bereit für das Konzert „Nicht von dieser Welt 2“. Mit einem gefühlvollen Pianointro startete der Aufruf „Mut zur Veränderung“. Lied nach Lied, zwischendurch mit ein paar Worten näher erklärt, wieso oder für wen der Song entstanden war, auch lobte Naidoo die gute Akustik des Saals usw. „Alles kann besser werden, wir holen uns den Himmel auf Erden“ über die früher, vermeintlich besseren Zeiten.  Die doch eher dürftig banalen Songtexte schienen die Fans nicht zu stören, Hauptsache, es reimte sich. So wurden dann auch mal mit den Fingern mitgeschnipst, ab und zu sogar mitgeklatscht. Erfreulich, dass der Gitarrist ab und zu ein paar kurze Solosequenzen einwob zur Unterbrechung der Monotonie. Lied für Lied wurde abgehandelt, bis hin „Protestsongs“ gegen die Kriege, insbesondere der Bundeswehreinsatz in Afghanistan, wie Naidoo erklärte. Spätestens dann wünschte ich mir aber doch sehnlichst den „Universal Solider“ von Donovan zurück.

Höhepunkt des Abends

Seven trat als Überraschungsgast beim Konzert von Xavier Naidoo im KKL Luzern auf. Foto Dominik Kohler
Seven trat als Überraschungsgast beim Konzert von Xavier Naidoo im KKL Luzern auf. Foto Dominik Kohler

Es folgte das Highlight des Abends, als Naidoo den Schweizer Soulsänger „Seven“ (bürgerlich Jan Dettwyler) auf die Bühne bat. Die beiden kennen sich schon länger, waren auch zusammen auf einer Südafrika Tournee, haben schon öfters zusammen performt, seit der Show Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ auf dem deutschen TV-Sender VOX weiss man, dass sich der deutsche Musiker Xavier Naidoo und der Schweizer Soul-Star Seven bestens verstehen. Schon mehrfach stand der aargauische Wahl-Luzerner auf derselben Bühne wie Naidoo. An diesem Abend sangen sie gemeinsam den Song „A Change Is Gonna Come“ von Sam Cooke, heftig bejubelt vom Auditorium.

Seven (links) sang gemeinsam mit Xavier Naidoo (Mitte) einen Song im KKL Luzern.
Seven (links) sang gemeinsam mit Xavier Naidoo (Mitte) einen Song im KKL Luzern.

Nachdem die beiden noch einige Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht und sich gegenseitig gerühmt hatten, machte Naidoo wieder solo weiter, stellten auch noch kurz seine Mitmusiker vor. Auch die nun noch folgenden Lieder waren absehbar, bargen keine Überraschungen. Etwas zwischen Sprachgesang und Protestsong und Chanson für alle etwas, ohne Ecken und Kanten, saftloser Einheitsbrei, Wohlfühloase KKL.in Reinkultur. Immerhin eine schöne Hommage an Andreas Gabalier bot der Protagonist noch, indem er dessen Titel „Amoi seg ma uns wieder“ vorzüglich, sogar mit Ösi Dialekt interpretierte. Dann gings zurück ins vorherige Schema bis zum Konzertende.

Fazit:

Ein braver, solider und handwerklich gutgemachter Konzertabend von einem Sänger mit einer grossartigen, raumfüllenden Stimme,  für ein nicht grad als intellektuell zu bezeichnendes Publikum, zum Schluss von ebendiesem mit einer langanhaltenden stehenden Ovation belohnt, wofür sich der Künstler mit einer Zugabe bedankte.

 
 
 
Kleine Hörprobe des Künstlers:
 
 
 
 
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