ERC Advanced Grant für Potsdamer AWI-Forscherin

In den kommenden fünf Jahren kann sich Ulrike Herzschuh verstärkt mit dem
Aussterben von Pflanzen-Arten befassen und dafür neue Methoden und Modelle
entwickeln. Die Forscherin vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam erhält
einen renommierten Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC).
Diese Auszeichnung soll bahnbrechende und risikoreiche Forschung
unterstützen, die neue wissenschaftliche Wege eröffnen könnte. Ihr Projekt
„plantExtinct“ wird mit drei Millionen Euro gefördert.
Am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren brach die Tundra-Steppe
zusammen und die größten Tiere, die so genannte Megafauna, verschwanden.
Es wurden jedoch keine Aussterbefälle bei Pflanzen verzeichnet. Dieses
Phänomen wird als Aussterbe-Paradoxon bezeichnet und beschäftigt
Wissenschaftler:innen seit langem – auch Prof. Dr. Ulrike Herzschuh vom
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
(AWI). Herzschuh leitet die Forschungsgruppe Polare Terrestrische
Umweltsysteme am AWI-Standort Potsdam und ist gemeinsam berufene
Professorin mit der Uni Potsdam.
Dr. Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des
Landes Brandenburg: „Das Forschungsprojekt ‚plantExtinct‘ von Ulrike
Herzschuh ist weit mehr als ein Rückblick in untergegangene Ökosysteme –
es ist Zukunftsforschung. Die Analyse des Aussterbens von Arten in der
letzten Eiszeit soll dazu beitragen, neue Grundlagen für den Artenschutz
zu entwickeln. Der Grant-Erfolg ist ein weiterer Beleg dafür, dass vom AWI
auf Brandenburgs klügstem Berg bereits seit Jahren zukunftsweisende,
unverzichtbare Impulse für die internationale Umwelt- und Klimaforschung
ausgehen. Wir wissen schon lange, dass Ulrike Herzschuh spitze ist –
deswegen haben wir sie bereits 2007 mit dem Postdoc-Preis des Landes
Brandenburg ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch an Ulrike Herzschuh zur
renommierten EU-Förderung!“
„Mit ‚plantExtinct‘ untersuche ich, ob diese Verluste real stattfanden,
aber deshalb unsichtbar waren, weil die Grenzen der Messbarkeit sie
verdeckten“, erklärt Ulrike Herzschuh die Motivation für das neue
Forschungsprojekt. „Mein Projekt ‚plantExtinct‘ nutzt sedimentäre DNA aus
der Vergangenheit, um verborgene Pflanzenverluste aufzudecken, Genome
ausgestorbener Lebewesen zu erfassen und zu modellieren, etwa wie die
Erwärmung und der Verlust der Megafauna das Aussterben vorantrieben.“
Aufbauend auf den bewährten Stärken in den Bereichen Paläogenomik und
Modellierung wird Ulrike Herzschuh mit „plantExtinct“ neue Daten, Methoden
und Modelle liefern, die unser grundlegendes Verständnis des Aussterbens
von Arten erweitern. So sollen umsetzbare Grundlagen für den Schutz der
Artenvielfalt entstehen – etwa für Saatgutbanken oder Refugien sowie für
die Nutzpflanzen-Genomik.
Das Labor für Paläogenetik am AWI in Potsdam ist auf die Analyse alter
sedimentärer DNA (sedaDNA) aus Sedimentbohrkernen oder
Permafrostablagerungen spezialisiert. Damit lassen sich sehr alte DNA-
Proben analysieren. Dies erlaubt Rückschlüsse auf die Artenzusammensetzung
vor Hunderttausenden von Jahren. Mit der geplanten, unter anderem aus
Mitteln ihres Leibniz-Preises 2024 finanzierten Erweiterung des Labors um
die Analyse alter Proteine, möchte Ulrike Herzschuh künftig nicht nur
untersuchen, welche Arten vor Ort waren, sondern auch, welche Funktionen
diese Arten in den jeweiligen Ökosystemen erfüllten. Der ERC Advanced
Grant ermöglich ihr dann auch die Untersuchung welche Funktionen in
Ökosystemen mit dem Aussterben von Arten unwiederbringlich verloren gehen.
