Thoraxchirurgie am Uniklinikum setzt auf minimalinvasive und robotische Chirurgie

Abteilung baut Engagement aus, um mehr Patientinnen und Patienten die
Vorteile der Robotik zu bieten. Lungenkrebsscreening soll zukünftig
helfen, Tumore früher zu erkennen und die Prognose zu verbessern.
Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden baut sein Engagement in
der Thoraxchirurgie weiter aus. Nachdem im vergangenen Herbst Dr.
Alexander Kern die Leitung der Abteilung in der Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie übernommen hat, wurden vielfältige Vorhaben zur
Verbesserung von Diagnostik und Therapie angeschoben. „Die Thoraxchirurgie
befindet sich aktuell in einer Phase wichtiger Innovationen. Diese
Entwicklung möchten wir in Dresden aktiv mitgestalten“, sagt Dr. Alexander
Kern. Der Schwerpunkt liegt auf der minimalinvasiven und robotischen
Chirurgie und einer maßgeschneiderten, individuellen Diagnostik und
Operationsplanung. „Im Sinne einer effektiven und schonenden Therapie für
Patientinnen und Patienten setzen wir auf die Chancen, die uns innovative
technische Lösungen bieten. Die Thoraxchirurgie ist nur ein Beispiel
dafür, wie das gelingen kann. Dabei setzen wir auch auf interdisziplinäre
Zusammenarbeit sowie die enge Verzahnung zur Forschung“, sagt Prof. Uwe
Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.
Bereits heute werden rund 60 bis 70 Prozent der thoraxchirurgischen
Eingriffe am Universitätsklinikum Dresden minimalinvasiv durchgeführt. Ein
großer und stetig wachsender Anteil davon erfolgt robotisch mit dem
DaVinci-OP-Robotik-System mit speziellen, abwinkelbaren Instrumenten.
„Unser Ziel ist es, möglichst vielen Patientinnen und Patienten die
Vorteile moderner, schonender Operationsverfahren zugänglich zu machen.
Dazu gehören weniger Schmerzen, eine schnellere Erholung und häufig auch
ein kürzerer Krankenhausaufenthalt“, sagt Dr. Alexander Kern, der seit
vergangenem Jahr den Bereich verantwortet. Dabei setzen er und sein Team
auf modernste Chirurgie, innovative Krebsmedizin und wissenschaftliche
Expertise. Neben dem hochspezialisierten Programm für minimalinvasive und
robotische Thoraxchirurgie setzen die Medizinerinnen und Mediziner mit dem
interdisziplinären Thoraxzentrum auf eine enge Zusammenarbeit mit
Pneumologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie. Dabei
stehen auch hier individuelle Therapien stärker im Fokus. Unter anderem
bietet dieses Zentrum neben dem operativen Spektrum modernste Konzepte der
Immun- und zielgerichteten Therapie, die unmittelbare Einbindung der
Patientinnen und Patienten in innovative klinische Studien sowie die enge
Verzahnung von Patientenversorgung und universitärer Forschung an.
Moderne Krebsmedizin lässt Dresdner hoffen
Hans-Jürgen Zarschler aus Dresden hofft, dass dieser Krankenhausaufenthalt
erst einmal sein letzter war. Ende 2025 war bei dem 75-Jährigen
Lungenkrebs diagnostiziert worden. „Ich hatte anhaltenden, starken Husten.
Habe auch Blut gehustet. Nach der Bronchoskopie hatte ich Gewissheit“,
sagt der gelernte Zimmermann. Es folgte eine kombinierte
Immun/Chemotherapie. Schließlich wurde ihm der linke Lungenoberlappen
entfernt. Die Operation Anfang Juni erfolgte minimalinvasiv mit dem
DaVinci-OP-Roboter über wenige kleine Schnitte zwischen den Rippen. Sein
Arzt, Dr. Alexander Kern, hat sich bewusst für diesen Eingriff
entschieden. „Der robotische Eingriff bot sich in diesem Fall besonders
an, weil wir nach einer Vorbehandlung mit der Immun- und Chemotherapie
äußerst präzise und schonend operieren müssen. Die hochauflösende 3D-Sicht
und die abwinkelbar-beweglichen Instrumente des Roboters ermöglichen ein
sehr exaktes Arbeiten in anatomisch anspruchsvollen und engen Regionen des
Brustkorbs“, sagt er.
Das Ergebnis überzeugt. Hans-Jürgen Zarschler konnte bereits kurze Zeit
nach dem Eingriff mobilisiert werden, hatte nur geringe Schmerzen und
konnte das Krankenhaus nach fünf Tagen verlassen. Die Prognose ist
günstig, da durch die Kombination aus Immuntherapie und Operation der
zunächst fortgeschrittene Tumor deutlich verkleinert und danach sicher und
vollständig entfernt werden konnte. Der Patient kommt zudem engmaschig in
die Nachsorge. Das gemeinsame Ziel hat er zusammen mit seinem Arzt fest im
Blick: die Heilungschancen durch die Kombination moderner medikamentöser
Therapien und präziser Chirurgie weiter zu verbessern. „Dieser Fall zeigt
beispielhaft, wie moderne Krebsmedizin heute funktioniert: Durch die enge
Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, innovative Immuntherapien und
hochpräzise robotische Chirurgie können wir Patientinnen und Patienten
Behandlungsmöglichkeiten anbieten, die noch vor wenigen Jahren nicht
denkbar gewesen wären“, sagt Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Forschung an individuellen Behandlungskonzepten
In den kommenden Monaten will sich das Team der Thoraxchirurgie noch
breiter aufstellen. Neue klinische Studien wurden initiiert und parallel
die wissenschaftlichen Aktivitäten ausgebaut. Dabei beschäftigen sich die
Expertinnen und Experten insbesondere mit der Frage, wie das Immunsystem
mit Lungenkrebs und Lungenmetastasen interagiert und wie daraus neue,
individuellere Behandlungskonzepte entwickelt werden können. Dieses
Engagement ist auch bei der Zertifizierung des Thoraxzentrums relevant.
Ein weiteres wichtiges aktuelles Thema ist das Lungenkrebsscreening, das
seit April dieses Jahres von den Krankenkassen übernommen wird. Durch die
frühere Erkennung von kleinen Tumoren können mehr Patientinnen und
Patienten in frühen, heilbaren Stadien besser behandelt werden. Das
Angebot soll zeitnah am Uniklinikum Dresden in Kooperation mit weiteren
Kliniken in Sachsen etabliert werden. „Unser Ziel ist es, die
Thoraxchirurgie in Dresden als einen der führenden Standorte für die
komplexe Behandlung des Lungenkarzinoms mittels innovativer diagnostischer
Verfahren, minimalinvasiver OP-Techniken und wissenschaftlich fundierter
Patientenversorgung weiter zu entwickeln“, sagt Dr. Alexander Kern.
Weitergehende Informationen
www.ukdd.de/vtg
